Edwin Ederle
Montag, der 19. April 2010

Flugverbot verursacht Milliardenverluste?

Immer wieder liest man von den Milliardenverlusten, die der Lufthansa durch das Flugverbot entstehen. Das hört sich zwar auf den ersten Blick nicht abwegig an, aber (wie immer) wenn ich genauer nachdenke, tun sich Zweifel auf.

Gewinn (bzw. Verlust) ist ja Umsatz minus Kosten.

Ich kann mir gut vorstellen, das im innerdeutschen Flugverkehr Umsatz verloren geht (der jetzt auf Bahn etc. abwandert), aber liest man nicht immer wieder, dass der Kurzstreckenverkehr ohnehin defizitär ist und nur als Zubringer für die Langstreckenflüge nötig ist?

Und beim Langstreckenverkehr? Anders als beim Pilotenstreik, wo die Passagiere auf andere Fluglinien abwandern, werden viele Flüge doch nur verschoben (ich habe mein Meeting in New York abgesagt, werde es aber in 2-4 Wochen nacholen). All die gestrandeten Passagiere werden doch irgendwann heimfliegen, oder? Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen die Flüge randvoll und damit richtig lukrativ sein werden. (So war mein geplanter Flug am Mittwoch ursprünglich halbleer und ist jetzt total überbucht).  D.h. in den nächsten Wochen werden volle statt halbvoller Flieger unterwegs sein (bei fast gleicher Kostenbasis).

Und die Kosten? Ist es nicht so, dass auch die Kosten geparkter Flugzeuge deutlich geringer sind, als wenn sie fliegen? Es fallen also nur Fixkosten wie Personal (keine Ahnung, wie flexibel da die Tarifverträge sind, so dass nicht geflogene Stunden nicht bezahlt werden bzw später abgeflogen werden).

Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob hier nicht (wie so oft) nur ein Teil der Effekte erwähnt wird, damit man gut übertreiben kann.

E2E

3 Kommentare zu “Flugverbot verursacht Milliardenverluste?”

  1. Chris Wood (Montag, der 19. April 2010)

    I think Edwin underestimates the effect.
    I mentioned in another comment all the flowers and salad that will go to waste in, for instance, Kenya. They cannot be flown to the main customers.
    Edwin is probably flexible enough to use his time valuably with different work, or with recreation. But many will not manage this. He is better off, unable to make his business trip, than all the people already on business trips or holidays, who cannot get back home.
    My wife’s job involves getting spare parts quickly from USA. Now her customers will have to wait when their complex machines break down.
    It is a normal economic assumption that flights are normally more valuable to the customers than what the tickets cost. Otherwise they would not fly. So the money lost by airlines and airports is perhaps only half of the total loss. And this calculation ignores the added disadvantage brought about by the unexpected chaos.

  2. Edwin Ederle (Montag, der 19. April 2010)

    Ich glaube durchaus, dass der Effekt für die Gesamtwirtschaft hoch ist (auch wenn wir zur „Bankenrettung“ ein Vielfaches dieses Betrags übrig hatten).
    Nur waren in den letzten Tagen die Schäden bei der Lufthansa Hauptthema – und hier bin ich mir (wie oben gesagt) nicht sicher, ob das nicht etwas übertrieben ist.

  3. Chris Wood (Dienstag, der 20. April 2010)

    Yes, I commented too much on the headline. I should read more carefully! Sorry about that. Nevertheless the points I made show that Lufthansa business will be lost, not only postponed.

Kommentar verfassen

*