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Große IT-Lösungen für kleine Probleme – passt das?

Posted By ee On 13:41 In IT,Management | 6 Comments

Oft erlebe ich, dass Mitarbeiter in Großunternehmen ein relativ banal klingendes Daten-Problem haben, für das sie eine Lösung suchen – aber wenig Hilfe bei der IT finden.

Ein Beispiel: Ein sehr großer internationaler Konsumgüterhersteller kauft Verpackungsmateralien zentral für ganz Europa und für 2 Jahre ein (um gute Einkaufskonditionen zu erhalten). Es müssen ca. 50.000 Materalien (Folien unterschiedlicher Stärke, unterschiedlicher Größe mit unterschiedlichen Aufdrucken) bestellt werden. Dazu bittet man weltweit ca. 200 Anbieter um Preisangebote und trifft dann eine Auswahl und eine Kaufentscheidung. Klingt ganz einfach? Nun hat die Einkaufabteilung so wenig Datenbank-Spezialisten und hat nur eine Idee: 200 Excel-Dateien verschicken und die Rückläufe manuell zu analysieren. Da Excel nur 65000 Zeilen zulässt, war die Analyse vor 2 Jahren ein 3-wöchiger Prozeß für ein Team von 8 Leuten (die primär Daten per copy/paste in neue Spreadsheets kopiert haben).

Das muß doch besser gehen? Die eigene IT schlägt ein Einkaufsportal vor: Webbasiert mit einer Oracle-Datenbank. Sicher eine hochprofessionelle Lösung, aber viel zu teuer für eine Einmalaktion (und niemand will sich heute darauf festlegen, wie die nächste Einkaufsrunde in 2 Jahren durchgeführt wird) und unmöglich in kurzer Zeit umsetzbar. Office-Produkte (Excel und Access) werden von der IT nicht unterstützt und als unprofessionell abgetan – dabei könnte man durch Progarmmierung einer Einleseroutine für die Excel-Files und Erstellung einiger Access-Analysen (in Verbindung mit eine MIni-Schulung in Access) enormen Nutzen stiften.

Warum verpasst die “IT” solche Chancen? Ich glaube, es gibt 2 Klassen von “IT-Aufgaben” in Unternehmen. Eine ist das Erstellen, Warten und Betreiben von unternehmenskritischen EDV-Anwendungen (SAP, Flugbuchungssysteme für Airlines, Steuerungsprogramme für Produktionsroboter, …) die praktisch immer verfügbar sein müssen. Für diese Programme sind detaillierte Konzeption, Dokumentation, Grob- und Feinplanung, ausführliche Testphasen, … unerlässlich.

Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl von Anwenderproblemen, die Ad-Hoc gelöst werden müssen und nur wenig mehr IT-Know-How benötigen, als der Benutzer hat (Man denke an ein kleines Excel-Makro, das automatisch Daten aus zwei verschiedenen Quellen abgleicht) aber enormes Potential hat (ein halber Tag Programmierung spart jede Woche 8 Stunden manueller Arbeit). Wenn nicht zufällig jemand in der jeweilgen Abteilung “IT-affin” genug ist und sich selbst Wissen angeeignet hat (was aber mangels Ausbildung und Erfahrung oft nur zu einer besseren aber nicht guten Lösung führt), gibt es keinen Ansprechpartner in Unternehmen.

Vielleicht ist es gewollt, dass “die IT” das zu ihren Aufgaben zählt – da das aber nicht klar kommuniziert ist (Was ist Aufgabe der “IT”?), erwarten die Benutzer Unterstützung für Ihre Probleme – und werden frustriert. Vielleicht fehlt in einem Unternehmen einfach nur eine 2.Abteilung “User-Problem solving”, die – unabhängig von IT-Strategie – die drängenden Nöte der Benutzer aufgreift und pragamatisch adressiert?

E2E

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