Edwin Ederle
Montag, der 1. November 2010

Paketbomben – wieder Ablenkung von wichtigem?

Als ich am Freitag von den zwei Paketbomben in Frachtflugzeugen hörte, fragte ich mich, was Terroristen damit bezwecken wollen, ein Frachtflugzeug mit 2 Piloten über dem Atlantik zu sprengen.

Ich hatte nicht mit der Politk gerechnet!

Schon 2 Tage später werden in der Politik Konsequenzen – höhere Sicherheitsauflagen im Frachtbereich – diskutiert; Flugzeuge aus dem Jemen dürfen Deutschland jetzt schon nicht mehr anfliegen. Die Wirtschaft warnt vor erhöhten Kosten – und ich kann mir gut vorstellen, wie viel unsinnige Ideen demnächst durch die Presse geistern. Werden wir uns auf Nacktscanner vor jedem Paketpostamt einstellen müssen? Dürfen Flüssigkeiten nur noch in 100ml-Fläschchen und in transparenten Plastikbeutelchen verschickt werden? Werden Druckerpatronen in Zukunft vor Ort befüllt?

Wenn ich lesen muß, wie viel Francis Van Hoi mit wenig Geld bewirken kann, ärgert es mich, wenn hier sinnlos Geld „verbrannt“ wird, um ein Gefühl von Sicherheit aufzubauen, weil man die Wahrheit nicht sagen mag: Dass es absolute Sicherheit nicht geben wird und dass der Terror dann eben andere Weg finden wird, die wir wieder mit Milliarden-Investitionen „sichern“ werden. Wo soll das hinführen? Sicherheitsschleusen vor jedem Supermarkt? Auspacken jedes Containers bevor er aufs Schiff geladen wird? Alle Bahnstrecken in Tunnel legen?

Gibt es keine wichtigen Probleme, die man angehen könnte?

E2E

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8 Kommentare zu “Paketbomben – wieder Ablenkung von wichtigem?”

  1. kuhn hans-peter (Dienstag, der 2. November 2010)

    Die Erkenntnis, dass es absolute Sicherheit nicht gibt sollte weder ein Alibi für Panikmache noch Ausrede für Sicherheitsmassnahmen sein, die die persönliche Bewegungsfreiheit in starkem Masse einschränken. Verhältnismässiges Denken ist hier erforderlich aber nicht einfach zu definieren und umzusetzen.

    Den guten Francis Van Hoi hier als finanziellen Masstab einzusetzen erscheint mir jedoch ungerecht. Ich habe mich Anfang des Jahres in Kambodscha im humanitären Bereich aktiviert und umgesehen. In Ländern wo zahlreichen Familien weniger als 300USD pro Jahr zur Verfügung stehen, wo ein Lehrer 20-30USD pro Monat verdient, wo eine Haushaltshilfe 3USD pro Tag und eine Mahlzeit im Restaurant 1,75USD kostet, sind 1.000€ wahrlich ein Vermögen. Das ist in Westeuropa nicht der Fall.

    Also, Du hast nicht Unrecht mit Deinem Post aber wir sollten trotzdem auf dem Teppich der Tatsachen bleiben.

  2. e2E (Dienstag, der 2. November 2010)

    Ich verstehe nicht ganz, wo ich den Boden der Tatsachen verlassen habe sollte. Man hat 2 Paketbomben gefunden, es ist kein Schaden entstanden und seit 3 Tagen herrscht Aktionismus: In Deutschland wurden Arbeitsgruppen gebildet, die Bundesregierung stoppt alle Jemen-Flüge, der Einsatz der Bundespolizei zur Kontrolle der Fracht wird gefordert, unser Innenminister besuchte persönlich das Frachtzentrum in Köln, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ist ihm langweilig? Ich halte das für übertrieben und nicht verhältnismäßig.
    Und statt Francis gäbe es viele andere Beispiele: In Zeiten von knappen Kassen muß man Prioritäten setzen. Und ich persönlich ärgere mich über den Kosten-Aufwand, der aus solchem Aktionismus auf uns zukommt – und denke, dass es Vieles gäbe, was wichtiger wäre.

    Das Ganze wirkt auf mich wenig durchdacht. Aber vielleicht war dieser Wahnsinn ja die eigentliche Absicht der Terroristen???

  3. kuhn hans-peter (Dienstag, der 2. November 2010)

    Was Du darstellst, ist genau das Ziel der Terroristen. Passiert nichts, war dem Minister langweilig, explodiert ’ne Bombe, schreist Du nach Köpfen, die rollen sollen und repressiven Massnahmen.

    Die Terroristen kennen Dich besser als Du sie und sind Dir meilenweit überlegen. Wahnsinn ist Ihre Absicht, Dein letzter Satz stimmt absolut.

  4. e2E (Dienstag, der 2. November 2010)

    Ich finde es nicht gut, dass Du zu wissen glaubst, wann ich nach Köpfen schreie und dass ich repressive Massnahmen fordern werde! Oder mir das unterstellst!
    Weder Du noch die Terroristen kennen mich!

    Kannst Du glauben, dass die Welt nur einen Deut besser oder sicherer wird, wenn unser Innenminister ein Frachtzentrum besucht?

  5. rd (Mittwoch, der 3. November 2010)

    @hph @e2E Vermute, dass hier wieder so ein kommunikatives Missverständnis vorliegt. Warum? Einfach noch ein Mal lesen. Vielleicht auch „MAN“ und „DU“ …

  6. kuhn hans-peter (Mittwoch, der 3. November 2010)

    Gut gesagt Roland, von der Diskussion die Edwin lostritt können eigentlich nur die Terroristen profitieren und das wissen die genau.

  7. rd (Mittwoch, der 3. November 2010)

    Hi Hans-Peter,

    fürchte, dass ich jetzt missverstanden wurde :-).

    Ich meine auch, dass man mit solchen Bedrohungen ein wenig gelassener umgehen sollte. Terrorismus ist ein Thema für die Exekutive. Politiker sollten nicht versuchen, sich auch nicht noch versuchen, den Terror für ihre Medienpräsenz zu nutzen und sich damit zu profilieren. sondern sich mit voller Kraft ihrer Arbeit widmen.

    Wahrscheinlich gibt es Dinge, die politisch gesehen zu ignorieren schon zu viel der Ehre ist.

    Es gibt aber eine andere brisante Frage. Brauchen nicht Geheimdienste ab und zu so ein Paket, allein um ihre Arbeit und ihre Warnungen zu rechtfertigen. So lehrt es zumindest immer wieder die Geschichte …

    Aber die Suche nach der „Wahrheit“ ist auch nicht einfacher als eine gelingende Kommunikation und saubere dialektische Debatte. Leider weiß ich, von was ich rede 😉

  8. Lutz Wulfestieg (Sonntag, der 7. November 2010)

    „Brauchen nicht Geheimdienste ab und zu so ein Paket, allein um ihre Arbeit und ihre Warnungen zu rechtfertigen.“ Ja, Roland. Genau dieser Verdacht beschleicht mich auch. Oder gibt es einen Zusammenhang mit dem Plan, bis 2014 bei der Bundespolizei 1000 Stellen zu streichen?
    Wie auch immer, durch das Hochspielen solcher Nachrichten wird permanent Angst erzeugt. Ich vergleiche den Staat mal mit einem Körper. Ein Körper kann seine Energie entweder für Verteidigung oder Wachstum nutzen. Steht dieser Körper ständig unter Streß, kommt das Wachstum zum erliegen. Es findet keine Weiterentwicklung mehr statt.
    Wir kennen die bedauerlichen Folgen für die USA nach dem 11.9.2001. Die Wirtschaft kam fast zum Erliegen, alle Kräfte wurden in die Verteidigung gepumpt.
    Die Terroristen haben ihr Ziel erreicht …

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