Edwin Ederle
Freitag, der 16. Juli 2010

Populismus oder Rechenschwäche?

Heute morgen hörte ich beim Frühstück in Bayern 3 und auf dem Weg zur Arbeit in Bayern 5 insgesamt dreimal die „Nachricht“, dass der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring dafür ist, dass «Fluggäste in der ersten Klasse bei der Flugticketabgabe stärker herangezogen werden als die einfachen Passagiere in der sogenannten Holzklasse». Somit würden die einfache Leute entlastet!

Eine neue soziale Großtat der FDP? Es klingt zumindest gut! Wir entlasten die kleinen auf Kosten der Großen!

Die Lufthansa hat in ihrem A380 8 Plätze für die erste Klasse und 518 weitere Plätze. Wenn alles voll besetzt ist und wir die Abgabe für die 1.Klasse verzehnfachen, dann kann die kleinen immerhin um 14% entlasten. Doch hat Lufthansa nur in den 66 Langstreckenfliegern ihrer 270 Maschinen überhaupt eine erste Klasse – in allen Mittel- und Kurz-strecken-Fliegern gibt es die nicht – wohl macht aber das Europageschäft 48% der Verkehrserlöse aus. (Alle Zahlen sind aus Wikipedia). Da die geplante Abgabe ja auf Flüge erhoben wird, wirken hier die Europaflüge (wo ein Flugzeug doch einige Starts pro Tag durchführt) nochmals stärker. Und dann gibt es noch die vielen anderen Airlines für die „kleinen Leute“ (Air Berlin, Urlaubsflieger wie Condor, TuiFly, Germanwings,…..) – alle ohne erste Klasse.

Wenn man das alles berücksichtigt, führt eine Verzehnfachung der Abgabe für die wenigen First-Class-Sitze (Ist 10-fach durchsetzbar?) vielleicht zu einer Ersparnis von wenigen Cent für „die einfachen Passagiere in der Holzklasse“ – ist also die Zeit nicht wert, die man mit dieser Nachricht verbringt.

Aber natürlich kann man für diese Forderung leicht machen, denn es wird keinen Aufschrei geben: Jemand, der für ein Ticket nach New York 8145€ bezahlt, dem ist der Preis entweder egal oder er wird ohnehin vom Arbeitgeber bezahlt! Und dann klingt es doch gut, sich für die „einfachen Passagiere“ einzusetzen, oder?

Und unsere Medien verbreiten sowas gerne – anscheinend auch, ohne mal selber nachzudenken.

E2E

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1 Kommentar zu “Populismus oder Rechenschwäche?”

  1. rd (Freitag, der 16. Juli 2010)

    Die Antwort auf die Frage des Titels kann eigentlich nur lauben: Beides plus ein gerüttelt Maß an Dummheit!

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