Edwin Ederle
Donnerstag, der 31. Dezember 2009

Sicherheit im Flugverkehr

Nach dem versuchten Anschlag auf ein Flugzeug beobachte ich das, was immer nach einem schlagzeilenträchtigem Ereignis passiert: Puren Aktionismus. (Nach einem Jahrhundert-Tsunami baut man ein Tsunami-Warnsystem in Sumatra, nach einem Zugunfall untersucht man die Räder, … als würde die Wahrscheinlichkeit dafür nach einem unwahrscheinlichem Ereignis steigen).

Nun können wir uns auf mehr Sicherheit im Flugverkehr freuen: Man muß in der letzten Stunde vor der Landung angeschnallt sitzen bleiben, darf die Toiletten nicht mehr aufsuchen und kein Handgepäck am Schoß haben. Ich stelle mir all die verzweifelten Terroristen vor, die erfolgreich eine Bombe an Bord gebracht haben und nun die Aktion aufgeben müssen, weil man in der letzten Stunde nicht aufstehen darf (denn dass sie sich als gute Bürger daran halten, ist unfraglich!). Schon vor 3 Jahren fühlte ich mich so viel sicherer als man mir mitteilte, ich dürfte nicht nach USA fliegen, wenn ich nicht die Postleitzahl des Hotels der ersten Nacht kenne.

Und von Kanada nach USA darf man nun gar kein Handgepäck mehr an Bord nehmen. Hatte der Attentäter den Sprengstoff nicht ans Bein geklebt statt im Handgepäck? Aber von so Kleinigkeiten darf man sich nicht irritieren lassen, wenn man das große Ganze im Auge hat. Wahrscheinlich hat der Terrorist nur die Regeln nicht richtig verstanden, denn Flüssigkeiten muß man doch in einem kleinen Plastikbeutel im Handgepäck vorweisen. (Ich gebe auch nur ganz ungerne zu, dass ich ab und zu wenn ich etwas vergessen habe, in den Koffer zu packen, es einfach in die Hosentasche stecke, denn ohne Plastikbeutel ist z.B. eine Tube Zahnpasta hochgefährlich – in der Hosentasche findet sie keiner!).

Aber wahrscheinlich verstehe ich das ganze nur nicht. So klingt ja auch die Bezeichnung „Körperscanner“ so viel freundlicher als  „Nacktscanner“, der noch vor einem Jahr vehement von Herrn Schäuble als Unfug abgelehnt wurde. Aber seit sie Körperscanner heißen …

Dass die USA trotz dem Einsammeln von Millionen von Daten über jeden Passagier und von ungezählten Terrabytes über Finanztransaktionen den deutlichen Hinweise auf den Attentäter nicht erkannt haben, muß zumindest jeden Datenschützer beruhigen. Anscheinend haben wir längst den „Information-Overkill“: Wenn man mehr Informationen sammelt als man vernünftigerweise auswerten kann, ist der Effekt ähnlich als würde man die Daten gar nicht sammeln. Doch dann kann man der Bevölkerung nicht mehr weismachen, dass man doch alles tut, was möglich ist. Denn darum geht es doch meiner Meinung: Es ist  gar nicht bedeutend, ob eine Maßnahme sinnvoll ist oder nicht – sondern wenn was passiert, will man sagen können: Ihr spürt doch jeden Tag wie wir Euch mit allem möglichen Blödsinn schikanieren – mehr als wir tun, kann niemand tun.

Dass 100%-ige Sicherheit eine Illusion ist, will niemand zugeben! Dass man mit geringerem Aufwand viel mehr Leben retten kann (aber nicht so publikumswirksam), sagt keiner (Heute steht in der Süddeutschen Zeitung, dass man mit 37,7 Milliarden Euro alle Kinder der Welt ein Jahr lang ernähren kann, dass für 20,2 Milliarden Glückwunschkarten versandt wurden und dass die Pharmaindustrie 14,7 Milliarden für Geschenke an Ärzte ausgegeben hat)!

Und wenn bald noch die Pflicht-Darmspiegelung vor dem Einsteigen ins Flugzeug verordnet wird, könnte man als Vorsorgeleistung wirklich etwas für die Volksgesundheit tun (Wird das dann von den Kassen finanziert werden?).

E2E

1 Kommentar zu “Sicherheit im Flugverkehr”

  1. Andreas Essing (Donnerstag, der 31. Dezember 2009)

    Ergänzung: Vielleicht sollte man keine Passagiere mitfliegen lassen, dass erhöht auch die Sicherheit im Flugverkehr. 🙂

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