Am 2.3.2010 hielt Frau Prof. Dr. Kathrin M. Möslein im Rahmen des IF-Forums den ersten Vortrag im Jahre 2010 zum Thema

Open Innovation
Auf dem Weg zur Mitmachwissenschaft!

und legte die Latte für die folgenden Vorträge ziemlich hoch.

Nicht nur, weil dieser Vortrag als erstmals live ins Internet übertragen wurde, fällt er klar in die Rubrik „Vortrag 2.0“.

Das Plädoyer für einen anderen Wissenschaftsbetrieb war mit viel visualisierenden Folien hinterlegt und regte auf sehr unterhaltsame Weise zum Nachdenken an – ein Mitmach-Vortrag oder zumindest ein „Mit-Denk-Vortrag“!

Das zeigte sich an einer intensiven Diskussion (die sich auch durch ein ausgezeichnetes Buffet nicht stoppen lies, sondern in Kleingruppen weitergetrieben wurde). Auf eine faszinierende Weise entstand so der „rote Faden“ in den Köpfen der Zuhörern, was es nicht einfach macht, den Vortrag zusammenzufassen.

Das Beispiel der „Mitmach-Wirtschaft“ www.ponoko.com (wo jeder neben Kunde auch Designer, Produzent und Verkäufer sein kann) führte zu verschiedenen „Mitmach-Werkzeugen“:

Innovations-Communities (wie das developer-Programm für Apps für iphone und ipad); Innovations-Marktplätze (wie Innocentive, wo selbst F&E-Abteilungen renommierter Unternehmen Probleme zur Lösung ausschreiben, an denen sie selbst gescheitert sind) oder Innovations-Wettbewerbe (wie Google Lunar X-Prize, wo man 30 Millionen $ gewinnen kann, wenn man nur einen Roboter zum Mond schickt, der dort 500 Meter fährt und Bilder und Videos zurückschickt). Das Internet stellt viele großräumig verteilte Mitwirkende, sehr schnelle Interaktion und ein globales Gedächtnis bereit.

Zu den verschiedensten Erscheinungsformen der „Social Software“ gesellen sich ResearchGates doch findet Academia 2.0 immer noch in ehrwürdigen alten Universitätsgebäuden statt. Diese jedoch erlauben Teaching 2.0 wie in Erlangen, wo Frau Prof. Möslein über 1200 Erstsemester-Studenten zu einem Innovationswettbewerb in 5er-Teams aufgerufen hat.

Es entstanden über 250 Business-Konzepte, die mit über 25.000 Kommentaren und fast 150.000 Bewertungen angereichert wurden – gleichzeitig ein einmaliges Datenmaterial, an dem man moderne Forschungsmethoden unterrichten kann – ganz im Stil von Learning 2.0, wo es nicht mehr primär um Inhalte geht, sondern um Methoden, Komplexitätsmanagement und Nachdenken (Das Spiel Immune Attack vermittelt biologische Zusammenhänge schneller und unterhaltsamer als komplizierte Lehrbücher).

Doch wie weit ist die Wissenschaft auf einem Weg zu Reseach 2.0? Es gibt Portale, die wie Facebook für Wissenschaftler arbeiten, eine Art Facebook und iTunes für Papers – aber ist das 2.0?

Die Verbreitung des Wissens genauso wie die Beurteilung der Forscher erfolgt weiterhin über das Schreiben von möglichst vielen papers in möglichst renommierten Journals (die in Qualitätsklassen A+, A, B, C …. gerankt sind).

Zu dumm, wenn man in einer modernen zukunftsträchtigen Sparte forscht, wo es nur wenige A-Journals gibt. Gleichzeitig wird der „Paper-Produktions-Prozeß“ optimiert und industrialisiert – ob das zu „besserer Forschung“ führt, ist höchst zweifelhaft. In einer lebhaften Diskussion wurde die Notwendigkeit für kollaborative Forschung überdeutlich!

E2E

P.S.
Vielen Dank an Edwin für diesen schönen Bericht. Und an Rolo Zollner für die wie immer großartigen Fotos.

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