Roland Dürre
Wednesday July 12th, 2017

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14 Kommentare zu “Why We Need Christophine! (I)”

  1. Chris Wood (Thursday July 13th, 2017)

    “Nur wenn wir die Kinder anders sozialisieren, werden wir die latente Feinseligkeit in uns Menschen reduzieren”. Is a “d” missing?
    The parts of this that I have read, suggest that the German school system prepares well for life in Germany.

  2. Thomas Kleiner (Thursday July 13th, 2017)

    Ich danke Dir, lieber Roland, für Deine hellsichtige Bestandsaufnahme über den Stand des Schulsystems in Deutschland. Nach kurzer, aber intensiver Reflektion der Inhalte komme ich zur Überzeugung, dass der Artikel nur das beschreibt, was täglich im Schulsystem traurigerweise geschieht. Ich bin nicht der Meinung, dass der Artikel übertreibt.
    Es war für meine Frau und mich immer ein Bestreben, dass unsere Tochter Mia Rosa (6) nicht das staatliche Schulsystem “überleben muss”.
    Unser Glück war, dass wir Lorenz Obleser und seine Marbacher Pädagogik zufällig kennen lernen durften. So darf Mia Rosa seit September 2016 an der Freien Schule Christophine in Marbach ihre Potentiale entfalten. Ich kann die Tränen der Begeisterung, von denen Roland in seinem Artikel spricht, sehr gut verstehen, denn mir geht es genauso, wenn ich in der Christophine sehe, zu welch großartigem Schaffen und Gestalten Kinder fähig sind, wenn die Rahmenbedingungen und die handelnden Personen diese Fähigkeiten fördern.
    Roland wird ja bald mehr berichten über die Christophine, was uns als Eltern sehr freut und ehrt.
    Ich kann Interessierte nur herzlich einladen, sich das ganze mal aus der Nähe zu betrachten, gerne im Unterricht. Dies aber am besten nach den Sommerferien und bitte mit vorheriger Terminabsprache, gerne über mich (per Mail: thomas.kleiner@study-train.de oder mobil 01722149479).

  3. Hans Bonfigt (Saturday July 15th, 2017)

    Ich will ja gern glauben, daß es “menschlicher” wäre, wenn in der Schule jeder nach ganz eigenem Gusto und Tempo seine “Potentiale entfalten” könnte.

    Ja bloß:
    Wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Fachlehrern.

    “Die Erziehung der Kinder ist das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht”, das steht gottseidank so im Grundgesetz.
    Die Schule soll nur das hinzuliefern, mit dem viele Eltern überfordert wären und einen minimalen “gemeinsamen Nenner” vermitteln.

    Der kann, beim Gymnasium zum Beispiel, eine allgemeine Hochschulreife zum Ziel haben.

    Zur Potentialentfaltung gibt es ja alternativ Waldorfschulen, um nur ein Beispiel zu nennen.

    Die Bildungsmisere ist m.E. Von den Eltern hausgemacht, weil sie, notfalls mit Rechtsanwälten, ihre Kinder aufs Gymnasium zwingen.

  4. rd (Saturday July 15th, 2017)

    Hi! Das mit “der begrenzten Anzahl an Fachlehrern” könnte man ja ändern.

  5. Hans Bonfigt (Saturday July 15th, 2017)

    Könnte man.
    Aber nicht bei uns.
    Und selbst wenn der Wille da wäre:
    Backen Sie doch ‘mal einen Philologen vom Kaliber eines Dr. Werner Lorbeer…

    Glauben Sie, daß Sie Ihre Lebensleistung ohne Gymnasium geschafft hätten?

  6. Thomas Kleiner (Saturday July 15th, 2017)

    Ein Zitat, dass ich bei Gerald Hüther gehört habe (und dessen Quelle ich noch nicht verifizieren konnte), bringt es besser auf den Punkt, als ich es in meinem Beitrag schreiben konnte:
    “Es ist nicht die Aufgabe der Schule Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu lehren, sondern die Aufgabe der Schule ist es, den Geist zu entfachen, der diese Kulturtechniken möglich gemacht hat.”

    Ich hatte viele – und ich vermute, dass ich nicht der einzige bin – Fachlehrer in meiner Schulkarriere. Alle waren exzellente Kenner ihres Faches und bei allen habe ich eines gelernt: das Pauken. Und kurz vor dem Abitur kamm dann die Steigerung hinzu: Bulimielernen: schnell die Fakten ins Kurzzeitgedächtnis und danach alles wieder auskotzen. Meinen ersten Shakespeare habe ich 2 Jahre nach dem Abitur gerne und mit Genuss gelesen. Davor stand halt Shakespeare auf dem Lehrplan.
    Wir brauchen keine Fachlehrer, die alles wissen. Wir brauchen Lernbegleiter, die ganz im Sinne der Biophilie-Maxime Schüler groß machen und ermuntern können, ihre Potentiale zu entfalten.
    Die Argumentation: mehr Fachlehrer ist gleich Lösung der Bildungsproblematik unterliegt einem Logikfehler. Oder würden mehr Ärzte weniger Krankheiten bedeuten?

  7. rd (Saturday July 15th, 2017)

    @Thomas: Sehe ich auch so!

  8. rd (Saturday July 15th, 2017)

    @Hans: “Lebensleistung” ist ein schwieriges Wort. Da muss ich erst drüber nachdenken.
    Zum Gymnasium: Das waren gute Jahre. Weil wir uns viel Freiheit genommen haben und viele Regeln ignoriert haben. Wehrdienst und Uni waren dann mehr irrationales Lernen, Absurditäten erleben und so. Wobei ich während des “Studiums” mehr bei Siemens war als in der TU. “Volksschule” war nur grauenhaft.

  9. Thomas Kleiner (Saturday July 15th, 2017)

    Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass jede Lebensleistung (wie auch immer diese noch zu definieren ist) TROTZ Schule (egal welche Schulart) erbracht wurde und nicht wegen der Schule. Was habe ich in 14 Schuljahren konkret gelernt, das mir wirklich etwas im Leben genutzt hat? Meist induziert durch Impulse von außen und/oder anderen außerhalb der Schule. Ich behaupte, dass ich es durchaus „zu etwas gebracht habe“ im Leben. Wenn es nach meinem Latein/Mathe/Physiklehrern im Gymnasium gegangen wäre, würde ich heute “Steineklopfen” (Originalzitat). Diese Aussage löste schon damals nicht sofort Motivation aus bei mir!

  10. rd (Sunday July 16th, 2017)

    Lieber Thomas! Du sprichst mir aus dem Herzen. Aber wie schön wäre es doch, wenn unsere “Lebensleistung” (der Begriff gefällt mir schon nicht weil da das wunderbare Wort “Leben” mit einem häßlichen wie “Leistung” verknüpft wird 🙂 ) durch unsere Schulteilnahme uns selber glücklicher und zufriedener (und wegen mir auch erfolgreicher) gemacht hätte (als wir es eh schon durch eigenes Wirken, wahrscheinlich aber wesentlich auch auf Grund persönlichen Glücks im Sinne von Zufall geworden sind).

    Zur Definition: Mir wäre der Begriff “Lebenswirkung” lieber, besonders dann, wenn dieser Begriff auch die (Aus-)Wirkung auf das eigene “Lebensglück” umfasst (eben nicht nur unseren Erfolg relativ bezogen auf die Umwelt bzw. auf unsere eigene Rolle in der sozialen Umgebung beschreibt).

  11. rd (Sunday July 16th, 2017)

    Lieber Hans, eines der wichtigen Lebensziele meines ganz lieben Freundes Werner Lorbeer, der ja leider vor mehr als einem Jahr verstorben ist, war möglichst “viel gute Pädagogen zu backen”. Das ist ihm auch gelungen!

  12. Hans Bonfigt (Sunday July 16th, 2017)

    Hallo Thomas,
    „Es ist nicht die Aufgabe der Schule Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu lehren, sondern die Aufgabe der Schule ist es, den Geist zu entfachen, der diese Kulturtechniken möglich gemacht hat.“
    Ja, aber das tut ein Fachlehrer.
    Ich darf einmal einen zitieren:

    “Trotz dieser starken technologischen Impulse bin ich Lehrer geworden. An die Eltern unter Ihnen: Wozu ist Mathematikunterricht eigentlich gut? Stimuliert durch die Pädagogik treibt mich immer der Gedanke, dass es im Unterricht gar nicht um die c² = a² + b² – 2abcosγ geht, sondern um den Aufbau von nachdenklichen, selbstbewussten und charakterstarken Jugendlichen. Man benutzt die ästhetischen Möglichkeiten der mathematischen Probleme um die Schüler in einen bestimmten Erlebniszustand zu versetzen, der diese Erziehungsziele unterstützt. Mathematik als tool im Erziehungsprozess und nicht als ability.”

    Das trifft den Punkt, und Mathematik habe ich auch immer als Prozeß begriffen, mit vom Erzieher zu emanzipieren, schließlich konnte man von jedem beliebigen Punkt aus weiterarbeiten.

    Nach vierzig(!) Jahren kann ich mich noch an einige Mathematik-, Deutsch- und Lateinstunden erinnern, während derer man die buchstäbliche Stecknadel hätte fallen hören können. Es waren spannende Krimis vom Anfang bis zum Schluß, Reisen aus der Antike direkt in einen aktuellen Taschenrechner.
    Ich nehme das einmal zum Anlaß, hier etwas über Algorithmen zu schreiben, anstatt nur über meine Mitmenschen herzuziehen.

    LEIDER, LEIDER …
    kann man das Gymnasium heutzutage nicht mehr so genießen wie früher. Noten aller Art gingen mir am Arsch vorbei, den Sportunterricht schwänzte ich regelmäßig, Kunst dito, in Erdkunde und Geschichte beschäftigte ich mich mit anderen Dingen. Entsprechend waren meine Noten.
    In den Lieblingsfächern konnte ich nicht kompensieren.
    In Mathematik bekam ich stets ein mündliches “sehr gut” und die schriftlichen Arbeiten dümpelten so bei drei bis vier herum. Das lag unter anderem daran, daß ich es ablehnte, Formelsammlungen zu verwenden (“unehrenhaft”) und so allerhand Dinge selber herleiten mußte,
    manchmal, so wegen der Schönheit, gefielen mir alternative Lösungswege besser.
    Das Ergebnis entsprach nicht “den Erwartungen” meiner Eltern, meinen dagegen umso mehr. Einmal habe ich dem Mathelehrer unter die Arbeit geschrieben, “sorry, das wird garantiert eine glatte 5, aber hey: Ich weiß JETZT, warum”.
    Der Lehrer schrieb eine “1” darunter, “wegen des Erkenntnisgewinns”.

    Die Art des “Genußlernens” ist aber heutzutage nicht mehr vorgesehen. Das (notwendige) Fokussieren auf einen guten Mathe-Schnitt macht alles kaputt.

    Und das von Ihnen so apostrophierte ‘Bulimie-Lernen’ ist ja genau deshalb so widerlich, weil es in der Regel einen Unterrichtsstoff dauerhaft vergällt. So ‘genoß’ ich Musikunterricht bei einem frommen Kantonisten, der schon ‘Gottsacker’ hieß und es nie verstanden hatte, seinen Schülern irgendetwas über Musik nahezubringen und der ganzen Klasse Bach, Brahms, Beethoven und Chopin verleidet hat. Heute muß da jeder mitmachen, der “weiterkommen” will.

    Lieber Roland,
    ja, der Begriff “Lebensleistung” stinkt zum Himmel.
    Nur: Ohne minimale sprachliche und logische Fähigkeiten kann kaum noch jemand teilhaben an unserer Gesellschaft.
    Wittgenstein formuliert ja ganz hart, daß auch der kognitive Horizont durch die Sprache begrenzt sei.
    Und ‘mathematisch’ sind Sie umso begrenzter, je weniger Strukturelemente, Sätze und Zusammenhänge kennen.
    Versuchen Sie einmal, Tangenten an zwei Kreise zu konstruieren ohne Kenntnis des Thalessatzes.

    p.s.:
    Das Pädagogenzitat stammt ebenfalls von Dr. Werner Lorbeer.

  13. Thomasd Kleiner (Monday July 17th, 2017)

    @Hans:
    So langsam sehe ich des Pudels Kern (wobei Wittgenstein zurecht fragen würde, was den der Kwern eines Pudels ist und woher ich wisse zu wissen, dass das der Kern der Gattung Hund ist): ich danke für die sehr schönen Beispiele und das Zitat. Ich stelle nicht in Abrede, dass es Lehrer gibt, die sich Gedanken machen, damit Schüler “n einen bestimmten Erlebniszustand” versetzt werden. Auch die Unterscheidung zwischen “tool” und “ability” fand ich sehr gelungen.

    Die Christophine ist eine Grundschule. Dort wird der Samen gepflanzt für ein gelingendes Lernen und damit auch für ein gelingendes Leben (ich weiß, Wittgenstein hätte jetzt die Frage aufgeworfen, inwieweit ich die Erlebniswelt eines Samens nachvollziehen könne).

    Wenn der Samen einmal aufgegengen ist, hat sich das lernende Kind immunisiert gegen die Versuche der Falsch-Richtig-Ich-weiß-es-am-besten-Lehrer und besteht dann auch auf einer staatlichen Schule. Dann sind die Lehrer egal, dann die Kinder haben das Lernen gelernt. Das können dann die Gottesäcker dieser Welt nicht mehr verderben.

    Und nur darum geht es der Christophine.

    @Roland:

    Wirkung und Leistung sind mir persönlich zu technisch-physikalisch und unterliegen den von Dir geschilderten Problematiken.
    Vielleicht kann eine Begrifflichkeit wie “Lebensorientierung” eher hilfreich sein, dann der Begriff kann passiv verwendet werden: “Orientierung erhalten oder unterstützen” oder aktiv “Orientierung stiften oder definieren”. Dadurch wäre die Aufgabe der Lernbegleiter klar, aber auch die Verantwortung an die Schüler definiert. Und die Frage, was Lebensorientierung gibt, läßt sich ja mit Hilfe der Biophilie-Maxime konkretisieren.
    Ich Euch für den anregenden Austausch.
    TKL

  14. rd (Wednesday July 19th, 2017)

    Ich bedanke mich ganz sehr für die vielen schönen Kommentare. Ich habe viel neue Erkenntnisse gewonnen (gelernt 🙂 ) und würde mich freuen, wenn Kommentare und Artikel einen Beitrag im konkreten für das Gelingen der “Christophine” und im allgemeinen für die Verbesserung der pädagogischen Situation an Schulen leisten würden. Jetzt arbeite ich am Artikel “Christophine 2”, in dem ich meine Erfahrungen beim Besuch der Schule schildern werde.

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