Elwood P. Dowd
Montag, der 18. November 2013

Blasen

harvey&friendWir wachsen in einer Fruchtblase auf.

Unsere ganze Verbindung zur Welt ist die Nabelschnur.

Heute läuft die ganze Welt mit einem Smartphone vor der Nase herum.

Wieder in einer eigenen Blase.

Die neue Nabelschnur ist das Funksignal.

Die neue Blase ist die Suchmaschine von Mamma google.

Mamma google nährt uns mit dem, von dem sie glaubt, dass es gut für uns ist und verschont uns mit dem, von dem sie das nicht glaubt.

Wenn jemand aus der Welt außerhalb der Blase in unsere Blase dringt und nach einer Strasse zwei Strassen weiter fragt, dann geben wir die Frage an Mamma google weiter, denn sie weiß es, wir nicht mehr.

Wir müssen auch nichts mehr wissen. Don’t think, link.

google ist kein Unternehmen, google ist eine große Mamma.

Wir sind die kleinen Kinder.


Mein Freund Harvey sagt:

Einspruch, Dowd, das Leben in der Blase ist keine Internet-Erfindung, google hat nur aus dem wahren Leben abgekupfert.

Wenn zum Beispiel einer aus einem überschuldeten Bretterbuden-Verein einen Welt-Club macht, aus einer Metzgerei eine Wurstfabrik, sich sogar um die Integration von Einwanderern kümmert,dann ist die Gefahr, dass er sich so stark dünkt, sich zum
1-Mann-Staat erheben zu dürfen, der seine eigenen Regeln schreibt, sehr groß.

Aber L’etat c’est moi funktioniert erst, wenn er systematisch die richtigen falschen Freunde hat: die Speichellecker, die zu allem ja und zu nix nein sagen.

Hoeneß hat diese Freunde, die ihn hermetisch in einer Blase einschließen, außerhalb der eine Welt mit anderen Regeln nicht existiert.

Es gibt leider zu viele, die im Ghetto ihrer eigenen Regeln ständig unser aller Regeln ohne das geringste Unrechtsbewusstsein verletzen.


Blasen sind interessant, Harvey.

Sie kommen jedoch nicht, wie man meinen könnte, mit Pauken und Trompeten.

Anfangs sind es solide Gebilde, mit dicken und flexiblen Wänden. Sobald sie sich füllen, erreichen sie ungeahnte Größen mit immer dünnerer Umhüllung. Schließlich platzen sie und ihre Füllung ist weg.

Ende des letzten Jahrhunderts gab es die Internet-Blase, dann die Immobilien-Blase. “Sic transit gloria mundi” und die Vermögen von kleinen und mittelgroßen Sparern und Spekulanten vergehen mit.

Die “Hoeneß-Blase” gehört zur Familie der Solidaritäts-Blasen. Solidarität ist ja nichts anderes als die Eigenschaft für den Schluderjahn, die Ignoranz, die Fehlleistungen, die Unfähigkeit anderer einzutreten. Solidaritäts-Blasen bilden sich vorzugsweise in Unternehmen und Regierungen. Normalerweise ist ihr Wachstum ein Schrecken ohne Ende und das Platzen ein Ende mit Schrecken, denn sie füllen sich mit Solidarität, auf Kosten von Kompetenz.

Das geht dann in etwa so: Ein Top-Manager oder Regierungschef wird seinen engsten Mitarbeiterstab nur aus denen bilden, die sich mit seinem Projekt, Konzept oder seiner Vision solidarisch erklären. Damit wird Kompetenz zu einem untergeordneten Auswahlkriterium und zwar für alle Ebenen der Organisation. Früher oder später gibt es dann den Troja-Effekt, das heißt, der Ruf von Kassandra wird einfach überhört. Na, von Troja ist ja nicht all zuviel übrig geblieben.

Ich wünsche mir Kassandras in unseren Regierungen und Unternehmen, die brauchen Charakter, weil sie wohl meist als Bremser und lahme Bedenkenträger abqualifiziert werden.

Selbst Solidarität ist eine Frage der Dosierung
(Elwood P. Dowd)

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1 Kommentar zu “Blasen”

  1. Joachim Schnurrer (Sonntag, der 8. Dezember 2013)

    Solidarität, ein schillernder Begriff, der für vieles „herhalten“ muss!
    Solidarität hatte ich bisher damit verbunden, dass sich Gruppen von Freiwilligen zu bestimmten Dingen solidarisieren die z.B. künftige Ereignisse betreffen, also im Sinne einer „Vorsorglichkeit“. Dabei ist meist auch Grundlage, dass der, der die Solidarität nutzt, die Ursache nicht selbst herbeigeführt hat.
    Heute sieht man den Begriff aber oft im Sinne einer „Nachsorglichkeit“ wirken, ohne dass Freiwilligkeit gegeben wäre. Solidarisch werden wir verhaftet, um z.B. Banken zu retten, die keinerlei Bedenken haben auch nach der Hilfe im selben Trott weiter zu machen.
    Hätte Hoeneß nicht selbst die Sache verursacht, sondern wäre unverschuldet hineingeraten, wäre Solidarität verständlich und m.E. angebracht.
    Interessant ist doch auch der Unterschied der Solidaritätsbekundungen zum Fall Hoeneß und zum Fall Snowden? Ist das eine Frage der Dosierung?
    Tragen hier die Bedenkenträger dazu bei, dem Snowden mehr Bedenken entgegenzubringen, als dem Hoeneß?
    M.E. ist einer, der Bedenkenträger ist, nicht unbedingt hilfreich, wenn er keine Alternativen, sondern nur Bedenken zu bieten hat. Da trifft der Begriff Bedenkenträger schon den Richtigen!

    Also auch Bedenken vorzutragen ist eine Sache der Handhabung oder auch der Dosierung. Das Wichtigste scheint mir aber zu sein, in welchen Kontext sowohl Solidarität als auch Bedenken eingebracht werden.

    Günther Ortmann hat dazu die schöne Formel geprägt:
    X=U [K]; X ist gleich U im Kontext K.

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