Hans Bonfigt
Donnerstag, der 22. Juni 2017

ex post

Marc Haber zeigt eine mir bislang unbekannte Seite des Dr. Helmut Kohl auf:

http://blog.zugschlus.de/archives/1009-Helmut-Kohl-ist-gestorben.html

Hier wird Kohl zitiert,

„Eine unverzichtbare Voraussetzung für den erfolgreichen Weg in die Informationsgesellschaft ist das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der Kommunikationsnetze. Persönliche Daten müssen vor Missbrauch, vor jeder Form erbärmlicher Indiskretion, geschützt sein.“

Normalerweise hätte ich jetzt gedacht, „das hat er von Geißler“, aber jenen hatte der Prototyp des Antiintellektuellen bereits vor 1998 verbannt.

 

Helmut Kohl ist unwichtig.  Franz-Josef Strauß hat vor gut 40 Jahren alles über ihn gesagt, was zu sagen war:

„Er ist total unfähig. Ihm fehlen die charakterlichen, die geistigen und die politischen Voraussetzungen.“

Strauß hatte die Dummheit der Deutschen unterschätzt, als er prognostizierte, aus diesem Grunde würden ihn die Deutschen nicht zum Kanzler wählen.

Er war kein Staatsmann wie v. Weizsäcker,  ihm fehlte die moralische Integrität eines Helmut Schmidt, der Intellekt und die Bildung eines Franz-Josef Strauß oder auch nur die taktische Klugheit eines Heiner Geißler.

Stattdessen produzierte er vieeeeeeeeeeel dummes Gesülze von „christlichen Werten“, mit denen er hausieren ging wie zehn Jahre zuvor der nicht minder peinliche „Willy Brandt“ mit seinen abgestandenen Klassenkampfparolen.  Sowas mag der deutsche Michel, er mag ja auch „Louis Trenker“.

 

Erreicht hat Kohl unterdessen nichts.  Die „Wiedervereinigung“ war absolut schädlich, aus der Rückschau betrachtet.  Denn im Rahmen eines zusammengeführten Europa hätte sich die DDR als autonomer Staat demokratisch selbst etablieren können, so wie das zum Beispiel die Tschechen gemacht haben.  Und uns wäre der Zoni erspart geblieben, vor allen Dingen Frau Merkel.

Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft wurde von der „christlichen“ CDU als ganz zentrale, elementare Einrichtung angesehen — die unappetitliche Schmierenkomödie, die Kohls Familie gibt, zeigt unerbittlich:  „Hannelore, Helmut und die Bubbn ..“, das Familienidyll am Wolfgangssee, war genauso gespielt und geheuchelt, wie man es beim Anblick der kitschigen Photographieen vermuten konnte.

Alles kaputt, alles in Scherben.   Keine Erben.  Eine gescheiterte Existenz, die es nicht geschafft hat, seinen Kindern ein Vater zu sein.   Eine gescheiterte Existenz, der sein „Ehrenwort“ wichtiger war als die Erfüllung der von ihm selbst propagierten „geistig – moralischen Wende“.

Marc Haber findet wichtig, was Kohl gesagt hat, ich halte es für viel aufschlußreicher, was er nicht gesagt hat.  Marion Gräfin Dönhoff erinnerte sich an einen Helmut Schmidt, der nach der Öffnung der DDR-Grenze aufgeregt in die „ZEIT“ – Redaktion platzte und ausgeführt habe, „Jetzt muß der Kanzler eine Blut-, Schweiß- und Tränenrede halten, jetzt gilt es, daß wir zusammenstehen und uns gegenseitig helfen“. Was Kohl uns stattdessen an Dummschmus und Lügen servierte, ist sattsam bekannt.

 

Heute beschließt der Bundestag einen neuen „Generalangriff gegen das Grundgesetz“ (Hans-Jürgen Papier), der wieder einmal einerseits Grundrechte abschafft und andererseits durch Mißbrauchsmöglichkeiten riesige Lücken in die Dämme reißt, die die Väter des Grundgesetzes in kluger Voraussicht errichtet hatten. Die staatliche Zusammenarbeit mit der kriminellen Unterwelt wird weiter intensiviert. http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-06/staatstrojaner-gesetz-bundestag-beschluss

Den dummen Deutschen interessiert das wieder einmal nicht.

Denn jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

 

-hb

3 Kommentare zu “ex post”

  1. rd (Montag, der 26. Juni 2017)

    Marc erinnert in seinem Blog zugschlus an zwei Sätze, die Helmut Kohl in seiner Rede zur Eröffnung der CeBIT 1998 gesagt (oder präziser formuliert) vorgelesen hat. Hans hat sie ja oben in seinem Post auch schon erwähnt:

    Eine unverzichtbare Voraussetzung für den erfolgreichen Weg in die Informationsgesellschaft ist das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der Kommunikationsnetze. Persönliche Daten müssen vor Missbrauch, vor jeder Form erbärmlicher Indiskretion, geschützt sein.

    Marc habe ich als sehr fairen und konstruktiven Menschen kennen gelernt. In seinem Beitrag schreibt er, dass Helmut Kohl mit diesem Satz „wirkliche Weitsicht und Klugheit gezeigt“ hätte. Das ist freilich nicht auszuschließen aber sehr unwahrscheinlich.

    Denn wer das Leben unserer Spitzenpolitiker ein wenig kennt, weiß dass die meisten ihrer Reden (eigentlich alle) eben nicht von ihnen selber geschrieben worden sind. Gerade für ungeliebte aber wichtige Pflichtveranstaltungen wie die Eröffnung einer großen Messe werden die Reden immer von Mitarbeitern (den zuständigen Fachreferenten in den Ministerien oder eben im Bundeskanzleramt) erarbeitet.

    Die Politiker entfernen dann meistens nur „ihnen unangenehme Passagen“ oder schmücken das vorbereitete Manuskript ein wenig aus. Das passiert oft sogar „online“ (während des Vorlesens der Rede), weil die Politiker in der Regel gar nicht die Zeit haben, die vorgefertigten Texte gründlich durchzulesen, bevor sie diese halten müssen und an denen ihre „Referenten“ oft tagelang herum getüftelt haben.

    So kann es durchaus sein, dass ein viel beschäftigter Bundeskanzler beim Ablesen seiner Rede auch mal eine vernünftige Passage vorliest; vielleicht sogar hoch konzentriert gar nicht merkt, was er da vorliest.

    Wir dürfen also keinesfalls davon ausgehen, dass das, was Politiker so vorlesen auch ihre wohl überlegte Meinung ist. Eher im Gegenteil – denn Fehler passieren überall.

    Das ist kein Zynismus, sondern eine eigene Erfahrung. Ich hatte gelegentlich bei IT-Veranstaltungen Redner des Freistaates zu Gast (vom Ministerial-Dirigent aufwärts) und durfte dann gemeinsam mit deren Referenten die Rede für das jeweilige Event formulieren. In der Regel wurde dann genau das vorgelesen, was ich gemeinsam mit dem Referent geschrieben hatte – leicht ausgeschmückt mit kleinen persönlichen Anekdoten.

  2. zeroskill (Freitag, der 7. Juni 2019)

    ach, sieh an, ES spricht nicht mit Zonis. Hans Bonfig, ganz ehrlich, Du bist die traurigste Erscheinung, die ich kenne. Ich glaube du wirst als sehr, sehr reicher, einsamer, alter, verbitterter Mann sterben. Noch besteht Hoffnung. Wenn ich Dir helfen soll, melde Dich gern.

    Und bilde Dir nur nichts falsches ein, die Frauen in der Zone ficken um Welten besser als Eure Unken. Muss daran liegen, dass die Zone Glasfaser Infrastrukrur hat. Du hast ja bekanntlich nur 18 Mbit (genau gerundet).

    Schönes Restleben noch!

  3. Hans Bonfigt (Freitag, der 7. Juni 2019)

    Ich versuche, mit dem zufrieden zu sein, was ich habe. Das kann man natürlich auch als „Reichtum“ betrachten.

    Die „DDR“ war jahrzehntelang mein Klassenfeind. Den hat man mir genommen. Stattdessen buchstäblich der Einheitsbrei.

    Als Feind habe ich Euch geschätzt (beruflich war ich lange vor der „Wende“ in Mitweida, Schwedt und sonstwo).
    Ihr hattet da Leute, die bauten buchstäblich aus dem Nichts PAL/SECAM – Konverter. Mit Röhren, wohlgemerkt. Ihr hattet, beispielweise im Leipziger KuZ, Frauen, intelligente Frauen, in Führungspositionen — aber auch an der Drehbank.

    Ja, das fällt mir nach knapp 40 Jahren zum erstenmal auf:
    Ich habe es als Ehre empfunden, mit DDR-Ingenieuren und -Wissenschaftlern, aber auch mit Facharbeitern zu arbeiten.
    Ich war auch der Einzige in der westdeutschen Truppe, der die Leute da nicht mit „Liebesgaben“ verhöhnte.

    Ihr WART das Volk, aber Ihr habt nie begriffen, was Demokratie und Freiheit sind. Ich wurde bei Euch immer beurteilt nach meinem Auto, nach meinem Taschenrechner, nach meinen Zigaretten.
    Aus dem Grund habe ich oft meinen BMW gegen einen Trabi und die „Player’s Navy Cut“ gegen „Karo“ getauscht. Aber als Wessi fiel man immer auf, spätestens vor der Ampel mit Pfeil.

    Nein, den großen Teil von Euch habe ich nie verstanden. Wie kann man sich so an Bananen aufgeilen? Ihr habt Euch selber kleingemacht. Ihr hattet etwas, das viel wichtiger ist als Bananen: Eine Art ‚Zusammenhalt‘.
    wie immer
    Durch die völlig überflüssige „Wiedervereinigung“ (von den Kosten reden wir besser nicht) ist alles wieder so gekommen wie immer in solchen Fällen:
    Das Schlechte in der BRD und das Schlechte in der DDR sind zusammengwachsen zu einem peinlichen Mittlemaß.

    Und was die Weiber anbetrifft: Ja, ihr habt recht nette Fickfrösche. Demgegenüber stehen aber, um Berlusconi zu zitieren, ‚culone inchiavabile‘ wie Merkel, Kahane, Jelpke …

    Bezüglich der Internetanbindung: Die Bundesrepublik schenkte Euch ein richtig tolles System, „HyTAS“. Auch das habt Ihr nicht kapiert. Und stattdessen ‚rumgejammert, wie schlecht Ihr versorgt seid.

    Mein Restleben versuche ich dennoch zu genießen, ich kann mich in ein Klavierkonzert von Beethoven regelrecht hineinflüchten.

    Würde ich an Deiner Stelle auch ‚mal probieren, es kann eigentlich jede Musik sein, wenn’s nicht gerade „Helene Fischer“ ist. Dann bist Du gelassener bei Kollektivattacken und mußt nicht die, buchstäblich, „beleidigte Leberwurst“ ‚raushängen lassen.

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