Hans Bonfigt
Montag, der 7. August 2017

Hans im Glück, Version 2017

Wunder dauern etwas länger…

Dr. Ing. Karl Steffens ist seit vielen Jahrzehnten tot. Ich habe ihn nie kennengelernt. Aber aus einer Haushaltsentrümpelung fiel mir seine Diplomarbeit in die Hände. Sie war als Buch gebunden, datierte auf 1930 und beschäftigte sich u.a. mit dem thermischen Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen. Steffens konstatierte, daß man unter optimalen Bedingungen bei Dieselkraftmaschinen etwa 30 % Wirkungsgrad erreichen konnte.

Heute sind wir bei etwa 40%. Thermisch, wohlgemerkt.

Jetzt nehmen wir noch die mechanischen Verluste dazu, welche entstehen durch Getriebe (unbedingt notwendig ist ein 12-Gang – Automatikgetriebe, es geht gar nicht anders!), Gelenkwellen, Differential und Reifen — wenn wir dafür nochmal 20 Prozent veranschlagen, sind wir bei 32% Gesamtwirkungsgrad.

Unsere Autos werden immer fetter und degenerierter. Roland hat seine Erlebnisse mit „SUV“s ja bereits berichtet, in Deisenhofen bei Oberhaching habe ich jahrelang das immer wieder verblüffende Trauerspiel „Jungmutti parkt Mercedes GL ein“ erleben dürfen, von ständig wechselnden Darsteller*innen.
Mittlerweile hat der unglaublich spießige „GL“ natürlich einen „Einparkassistenten“, neben Massagevorrichtung, Multimedia-Bespaßung, Getränkekühlschrank… Ein Schwimmbad habe ich noch nicht darin vorgefunden, aber ich bin auch nur zweimal zweimal mitgefahren und konnte daher gar nicht alles erkunden.
Das Gewicht von Antrieb und „Luxuskomponenten“ beträgt mittlerweile eine Tonne. Und die muß beispielsweise in der Stadt in ständigem Wechsel beschleunigt und verzögert werden.
So landen wir bei etwa 20 Prozent.

Nun muß der Kraftstoff ja irgendwo herkommen, die Aufbereitung in Raffinerien, der Transport und die Lagerung sowie die Abgabe an Endverbraucher ist auch nicht umsonst zu haben. Wenn ich einen Liter Normalbenzin tanke, dann habe ich schon vorher einen Liter verbraucht.

Der Gesamtwirkungsgrad beträgt also märchenhaft niedrige zehn Prozent! Das entspricht dem Wirkungsgrad einer Dampflok!

Nun sehen wir uns einmal ein „Elektroauto“ an.
Wo kommt der Strom eigentlich her? Gehen wir, der besseren Vergleichbarkeit halber, von einem Kohlekraftwerk aus.
Die erreichen einen Wirkungsgrad von etwa 40%, Förderung, Transport der Steinkohle und Verkokung fordern aber auch nochmal ihren Tribut, sodaß wir maximal von 30% ausgehen können.

Aber davon ist die elektrische Energie noch lange nicht da, wo sie gebraucht wird. Auf dem Transportweg verlieren wir in etwa 30 Prozent durch die Hysterese-, Leitungs- und Wirbelstromverluste in den Transformatoren, die die elektrische Energie passieren muß.
Auch schon für den Leerlauf des Stromnetzes muß man anteilige Kosten ansetzen.

Beim Auto kommen jetzt also 21% an.
Aber die Energie ist noch nicht im Akkumulator. Und auch noch nicht wieder draußen. Und bis das so ist, haben Ladeelektronik, Akkus und Steuerung weitere 30% verbracht.

Das macht dann 14%.

Davon ist das E-Auto aber noch keinen einzigen Meter gefahren.
Wenn wir dann ein „E-Auto“ bewegen, dann erreichen der E-Motor und der vereinfachte Antriebsstrang jeweils 80%, resultierend in 64%. Das ist die Zahl, mit der die „Politische Klasse“ hausieren geht. Und jetzt sind wir ehrlich, multiplizieren mit den 14% von vorhin und erreichen einen Gesamtwirkungsgrad von 9%.

Tja, könnte man sagen, dann haben wir ja Gleichstand: Das Auto mit Verbrennungsmotor 10%, das E-Auto 9%.

Es kommen aber zwei unangenehme Dinge dazu:
Einmal die Heizung. Die haut beim E-Auto so richtig rein und beim Verbrennungsmotor wird die Wärme gratis mitgeliefert.
Hinzu kommt aber noch das gigantische Gewicht der Akkumulatoren, die voll genau so schwer sind wie leer.
Das permanente „Übergewicht“ und die Heizung in der Hälfte der Betriebszeit fressen nochmal 40% der Nutzenergie.

Damit sind wir dann bei fünf Prozent.

Im Ergebnis ist das E-Auto also eine größere Dreckschleuder als der schmutzigste Diesel.

 

Anstatt also auf ein von vornherein totes Pferd zu setzen, könnte die Politik mit Leichtigkeit:

  • unsauberen Fahrzeugen die Betriebszulassung entziehen. Dann nämlich hätten die Nutzer einen Schaden, den sie gerichtlich geltend machen könnten!
  • die Voraussetzungen für umweltfreundliche Fahrzeuge zu schaffen: Maximal 750 Kg Leergewicht für eine Limousine, maximal 75KW. Damit fallen dann automatisch alle dekadenten Extras raus.
  • Platzbeschränkung verfügen! Eine Mutti mit Kind braucht keinen „SUV“. Klare Beschränkung des Parkraums.

Tja, und so könnten sich Ergebnisse einstellen.

-hb

7 Kommentare zu “Hans im Glück, Version 2017”

  1. Benutzer (Mittwoch, der 9. August 2017)

    Was halten Sie den den von Fahrzeugen die auf Gewicht und Strömungswiderstand optimiert sind?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Str%C3%B6mungswiderstandskoeffizient#Luftwiderstandsbeiwerte_von_Kraftfahrzeugen

  2. Chris Wood (Mittwoch, der 9. August 2017)

    Yes, we need cheap electricity, (without CO2), with small cars, (or e-bikes), only short journeys, and less people.

  3. Hans Bonfigt (Mittwoch, der 9. August 2017)

    Nun, ich halte sehr viel von aerodynamisch günstigen Fahrzeugen.
    Allerdings sollte man sich auch hier nicht von Zahlen täuschen lassen. Gängige Verarschung ist das Benennen eines günstigen, ‚formspezifischen‘ Luftwiderstandbeiwertes (Cw), wie auch im zitierten Wikipedia-Artikel. Für den effektiven Luftwiderstand ist der Luftwiderstands_index_ entscheidend, dem Produkt aus orthogonal zur Fahrtrichtung projizierten Stirnfläche und Cw – Wert.
    Und da schneiden viele Audi-Fahrzeuge wegen ihrer schier unvernünftigen Größe (und den Waschtrommelreifen) schlecht ab.
    Der Kraftstoff ist halt immer noch viel zu billig …
    – hb

  4. rd (Mittwoch, der 9. August 2017)

    @Chris:
    NEIN. Das Zeitalter des individuellen motorisierten Verkehrs geht in den entwickelten Gesellschaften zu Ende (und muss zeitnah beendet werden). Genauso wie die Zeit des Verbrennungsmotors vorbei ist (auch für den Laubbläser und seinen Kollegen, dem Presslufthammer).

    Der „normale“ Mensch braucht kein Auto (auch wenn ein paar Bonzen wie Politiker und Milliardäre daran festhalten werden vergleichbar mit den Luxus-Kutschen im Mittelalter).

    Wir als Gesellschaft brauchen eine bessere Infrastruktur für „aktive Mobilität“ (basierend auf Körperkraft und bei Bedarf ergänzt/unterstützt durch elektrische Antriebe wie beim e-Bike). Wir werden weiter „Auto-ähnliche“ Individual-Fahrzeuge brauchen für Logistik, Infrastruktur und atypische Mobilität wie Lieferwagen im lokalen Bereich, Taxi-Funktion (selbstfahrend?) für sonst schwer zu erreichende Destinationen, Rollstühle für alte, schwache und behinderte Menschen …. Diese werden natürlich alle elektrisch betrieben wie auch die im Sonderfall genutzte elektrische Drohne.

    Weiter muss der öffentliche Verkehr wieder an Relevanz gewinnen und (wieder) kräftig ausgebaut werden (Mit Schienen-gebundenen, Straßen-gebundenen Bussen und Kleinbussen (selbstfahrend?) und auch neuen innovativen Technologien. Der öffentliche Verkehr funktioniert schon heute recht gut (leider wissen das die meisten Autofahrer nicht), ist da noch Luft nach oben. Das gleiche gilt für den Ferngüterverkehr auf der Schiene!

  5. rd (Mittwoch, der 9. August 2017)

    Lieber Hans,

    Natürlich das System an sich faul, ganz gleich wie ich es betreibe. Weil Tara, Netto und Brutto nicht passen.

    eigentlich ist es ganz einfach:
    Auf meinem „Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium“ habe ich noch diese Begriffe gelernt und kapieren, dass die Relationen stimmen sollten. Und wir haben auch gelernt, dass es um den Inhalt geht und nicht um die Verpackung. Das galt für den Preis und Gewicht.

    Betrachte ich das System Auto als Mensch-Maschine-Kombination – sogar wenn Autofahrer-Vati leicht mal 120 Kilo wiegt – so habe ich beim SUV mit 2,4 Tonnen ein Verhältnis von 1 (Netto) zu 20 (Tara). Das kostet natürlich, ganz gleich ob Benzin, Diesel oder Strom.

    Ich ärgere mich aber auch über wertlose und aufwändig verpackte Nahrungsmittel, bei denen die Verpackung (TARA) ein mehrfaches kostet was das eigentliche Produkt wert ist. Nur damit dieses so viel teurer verkaufen kann.

  6. Hans Bonfigt (Samstag, der 12. August 2017)

    Lieber Roland,

    wie kommen Sie darauf, der öffentliche Nahverkehr sei benutzbar?

    Die Münchner S-Bahn ist unverschämt teuer und eine Zumutung. Vor wenigen Jahren noch bin ich regelmäßig von Aying nach Oberhaching zur Arbeit geradelt. 14 Km pro Strecke.
    Mit der S-Bahn fährt man SIEBZIG Kilometer, nämlich erstmal nach Giesing. Dort sieht man gerade den Zug nach Oberhaching abfahren, wartet ein halbes Stündchen und fährt dann im spitzen Winkel wieder zurück.
    Also: Solange im Münchner Umland nicht einmal eine Ringbahn existiert (sogar der Berliner hat es zu zweien gebracht), kann man eigentlich nicht von öffentlichem Nahverkehr reden.
    Ein Fahrradverbot rundet die Unverschämtheit ab.

    Frauen trauen sich ab 22:00 nicht mehr zum Ostbahnhof, weil sie sicher damit rechnen müssen, von notgeilen moslemischen Primaten belästigt zu werden.

    Im Fernverkehr stopft die Bahn die erste Klasse mit Fußballproleten zu.

    Nach 16 Jahren öffentlichem Nahverkehr in Köln, Aying, Osnabrück und überhaupt bundesweit steigen wir wieder aufs Auto um.

    Weil es nicht anders geht.

  7. rd (Sonntag, der 13. August 2017)

    Hi, ich kann nur sagen, dass ich mit Bahn und MVV/MVG sehr zufrieden bin. Bahn-Regio in Bayern mach ich im Regelfall im Team mit Bayernticket und Bahn-Regio Süd. Die Züge sind in der Regel pünktlich, das Personal sehr freundlich und die Preise nachvollziehbar.

    Wenn ich aus Bayern raus muss, dann nutze ich den Fernverkehr. Da bin ich sehr zufrieden und nehme wahr, dass die Bahn sich absolut bemüht, eine gute Leistung zu erbringen. Da fahre ich überwiegend mit Sonderpreisen. Dadurch bin ich auch zu dritt faktoriell billiger als mit dem Outo (ich schreibe es so, weil es out ist). Alleine nach Sylt oder so ist der Faktor dann zweistellig.
    Lokal bewundere ich die U-Bahn, die wirklich wie ein Uhrwerk funktioniert.

    Und wenn ich mal „quer rüber muss“, dann finde ich immer eine Bus-Verbindung, die sehr effizient ist.

    Seitdem es „Apps“ gibt, mit denen ich blitzschnell die günstigste Verbindung finde, verstehe ich gar nicht mehr, wie man noch Autofahren kann.

    Zur Sicherheit: Jetzt bin ich keine Frau, aber nachts viel unterwegs. Und da fühle ich mich auch am Ostbahnhof nicht unsicher. Die vielen Sicherheitskräfte, die ich in der S-Bahn wahrnehme, scheinen mir aber ein Zeichen zu sein, dass sich viele Menschen unsicher fühlen. Aber immerhin sind sie ja da.
    Zum Fahrrad: Wenn ich Zug & Fahrrad kombiniere, dann nehme ich mein altes Brompton aus meiner Studentenzeit mit, das ich mir mit 23 (also vor 44 Jahren) sünd-teuer gebraucht für 100 DM gekauft habe. Da gibt es keine Sperrzeiten – und der freundliche ICE-Schaffner zeigt mir auf der Langstrecke auch gleich, wo ich es unterbringen darf. Und das kostet NICHTS – in der S-Bahn wie im ICE …

    Last not least, das schlimmste sind nicht die Fußball-Fans (die sich auch in der Regel keine 1. Klasse leisten können und wollen, sondern die Hochzeiter. Das ist ab und zu schon eine Plage. Allerdings heiraten die meisten Menschen ja nur einmal 🙂 .

    P.S.
    In der Regel fahre ich Strecken bis 25 km einfach mit dem Fahrrad. Allerdings hat das auch einen großen Nachteil gegenüber dem öffentlichen Verkehr – ich kann meine E-Mails nicht abarbeiten und mich auf Termin oder Seminar nur im Kopf vorbereiten. Immer wenn ich Zug oder S-Bahn verlasse, freue ich mich nämlich, dass ich alles was anlag abarbeiten konnte und jetzt so richtig frei bin.
    Und auf dem Fahrrad, da fühle ich mich so richtig bedroht (lebensgefährlich) – von Pkws und Lkws. Und auch Terror-Radlern, die sich benehmen wie oft die Autofahrer.
    Und die Luft in der Stadt ist meistens viel schlimmer und vor allem schädlicher als in einer vollen S-Bahn.

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