Hans Bonfigt
Dienstag, der 31. Januar 2017

Heuchler, Lügner und Claqueure:

Die bittere Wahrheit über die Einreiseverbote der Bundesrepublik Deutschland

Die letzte Bahnfahrt meines Lebens führte mich ins schöne Bayern, wo ich mich gestern mit meinem „Spezl“ Peter Kindiger getroffen habe. Der Peter, das ist ein typischer Bayer. Er hat eine beachtliche Karriere hingelegt, ist aber stets mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben. Der Peter ist ein sehr sozialer Mensch und hat vielen Menschen uneigennützig und mit großem Engagement geholfen.

Und wenn ihm dabei einer Steine in den Weg gelegt hat, dann waren es stets die Bundesrepublik Deutschland oder der Freistaat Bayern. Die Schwester von Peters Frau, welche in Kiew lebt, hat ein schwerbehindertes Kind. Die Ärzte in Kiew rieten zu einer Operation in Deutschland und Peter hat ein großes Herz: Er will seiner angeheirateten Familie helfen. Er beantragt ein Visum für Eltern und Kind.
Keine Chance. Der Hinweis auf die Verwandtschaft 1. Grades zwischen seiner Frau und der Kindsmutter: Unerheblich …

Selbstverständlich hat sich Peter vorbereitet und bereits eine Reisekrankenversicherung für die Familie abgeschlossen. Selbstverständlich hat er eine persönliche Bürgschaft geleistet, in der Höhe von über 10.000 Euro. Er hat auch Einkommensnachweise der Familie in Kiew mitgebracht, der Vater ist Leibwächter von Julija Tymoschenko und verdient nicht schlecht.

Und dennoch:
Für die Verwandten mit dem behinderten Kind gibt es kein Visum.

Ein enger Freund ist seit zwanzig Jahren mit einer Thailänderin verheiratet, seit zwanzig Jahren leben die beiden in Berlin. Nun wollten die Mutter und die Schwester einmal Urlaub in Deutschland und bei dieser Gelegenheit bei Tochter respektive Schwester in Berlin vorbeischauen.

Das geht nur gegen Vorabeinzahlung von 17.000 (siebzehntausend, kein Tippfehler) Euro als Kaution in bar. Die hatte er gerade nicht in der Tasche und so fiel die Einreise ins Wasser. Halboffizielle Begründung: „Thailänderinnen werden in Deutschland zu Prostituierten und fallen so der Allgemeinheit zur Last“.

Und gestern, bei der Anreise nach Bayern, muß ich lesen, daß der unsäglich peinliche Dampfplauderer „Martin Schulz“, über den Silvio Berlusconi vor zehn Jahren alles gesagt hatte, was zu sagen war, sich im „Süddeutschen Beobachter“ wieder entleert hatte:
„Das Einreiseverbot ist ein Generalangriff auf unsere elementaren Grundwerte“.

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

Erstmal:
Die Unterstellung, die das „unsere“ impliziert: Mit diesem Abziehbild eines Mannes, und mit Bedauern in Richtung SPD muß man ja sagen, mit diesem authentischen „Sozialdemokraten“ TEILE ICH KEINE GEMEINSAMEN GRUNDWERTE!

Zweitens:
„Wer hat uns verraten — Sozialdemokraten!“ — Natürlich ist es für einen „Sozialdemokraten“ ein Unding, daß ein Spitzenpolitiker ein Wahlversprechen einlöst — das ist der SPD seit einem halben Jahrhundert nicht mehr passiert.

Drittens:
In den USA gab es keine Machtergreifung. Trump wurde, auch wegen seiner Wahlversprechen, von der Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung gewählt. Was soll das peinliche Gejaule ?

Viertens:
Wie peinlich, wie bigott und wie ekelhaft und widerlich ist es, andere Staaten für ein Verhalten anzupöbeln, wie es im eigenen Lande seit Jahren praktiziert wird?

Schlimmer noch: Während es in den USA für ein Einreiseverbot profunde Gründe gibt, von denen das demokratische Votum nur einer ist, führt Deutschland „Menschen zweiter Klasse“ ein, da bestehen ja genügend Erfahrungen. Der Italiener und der Amerikaner ist o.K., aber die Russen sind Verbrecher und die Thailänderinnen Nutten. Willkommen im 21. Jahrhundert !

Gegenüber Helmut Schmidt habe ich immer hohen Respekt empfunden und nehme mit Erleichterung wahr, daß ihm der peinliche „Willy Brandt“ – Verschnitt zu Lebzeiten erspart blieb.

Und ich erinnere mich an das Lied von Franz Josef Degenhardt „Entschuldigung eines alten Sozialdemokraten“ (1968), dass er „zur Verteidigung eines alten Sozialdemokraten vor dem Fabriktor“ geschrieben hat.

„…
sagt der EWIGE alte Sozialdemokrat

und spricht,
und spricht,
und spricht
bloß ändern, DAS WILL ER NICHT !“

Hier der komplette Text des Liedes.

-hb

(Anmerkung : Nur zu gerne hätte ich das Video oder ein Audio des Liedes in den Artikel eingebunden. Zu solchen Liedern gibt es leider keine Youtube-Videos . Und ein freies Audio zum ein wenig reinhören habe ich auch nicht gefunden. Das finde ich so richtig schade – denn Franz-Josef Degenhardt war ein wichtiger Mensch in unserer Jugend – RMD).

1 Kommentar zu “Heuchler, Lügner und Claqueure:”

  1. KH (Dienstag, der 31. Januar 2017)

    Sehr erfrischend…

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