Hans Bonfigt
Montag, der 2. November 2015

Kommunikaze

Hier wird ja viel berichtet von Projektarbeit und -management. Dazu meine ideologisch eingefärbte Sicht der Dinge, zusammengefaßt:

So gut wie jede Kommunikation mißlingt, und je artifizieller sie ist, desto mehr mißlingt sie. Von dieser ganzen Twitteria nehme ich ja Abstand. Denn bei meinen Kollegen sehe ich regelmäßig, wohin das führt: Die „Händis“ geben permanent irgendwelche abstrusen Laute von sich und die Gesprächspartner sind abgelenkt. Die meisten lesen ja doch und beantworten dann dreisterweise auch noch ihre „Post“.

Die Mailerei geht mir zunehmend auf die Nerven, fünf bis zehn Mailwechsel pro einfachem Vorgang sind gar nichts.

Also telephoniere ich lieber, weil erstens im stetigen Wechsel Rede – Gegenrede Irrtümer frühzeitig erkannt werden können und zweitens der Subtext wesentlich besser erfaßt werden kann.

Aber auch für das Telephonieren sind wir eigentlich nicht geschaffen. Menschen müssen einander sehen. Und nun sage mir keiner, „macht eine Videokonferenz“.

Gerade, wenn ich in Projekten arbeite, stelle ich fest, daß die persönliche Anwesenheit durch nichts zu ersetzen ist. Das fängt damit an, daß der Besuchte Zeit einräumt und der Besucher sich spätestens auf der Hinfahrt vorbereitet. Im Termin kann man, ganz multimedial, an die Tafel gehen und Zusammenhänge skizzieren. Und, quasi hypermedial, Sachen auch gleich ausprobieren. Aber das ist nur eine Seite der Münze: Im Gespräch erfahre ich über neue Vorhaben eines Kunden oder erhalte Rückmeldungen bezüglich des letzten Projektes.

Persönliche Kommunikation sorgt dafür, daß die Zusammenarbeit besser funktioniert. Kommunikation ist daher für mich auch Mobilität.

Und hinsichtlich Mobilität muß ich vor Roland warnen: Wenn jener stets erzählt, wie schön entspannend doch Radfahren sei — lasset alle Hoffnung fahren. Meine Frau und ich bringen pro Jahr über 10.000 Km unter die Räder und dürfen uns als nicht gerade ungeübte Radfahrer bezeichnen. Wir fahren auch sehr gut angepaßte, moderne und effiziente Fahrräder.

Und als Roland vor fünf Jahren hier im Blog eine „kleine, entspannende, erfrischende Tour“ lobpries, haben wir uns erlaubt, die Strecke einmal nachzufahren. Fix und fertig waren wir hinterher. Nein, Roland, so viel steht fest: „Mal eben einen Kunden mit dem Rad besuchen“, das kann man getrost vergessen. Es sei denn, man will sich so richtig beliebt machen.

Eine der großen Entlastungen für Admins und Programmierer sind die mittlerweile sehr handlichen Datenträger. Wenn ich mich an früher erinnere: Da fuhr ich kofferraumweise Bänder, Listings, Peripheriegeräte und Werkzeuge durch die Landschaft. Heute besorgt man sich vor Ort alles per Internet oder hat seine Daten auf einem winzigen Flash-Datenträger.

Warum also nicht, mit leichtem Gepäck, „hybrid“ reisen? Damit meine ich, den Löwenanteil mit der Bahn und den Rest mit dem (Falt-)rad.

Das kann die tägliche Fahrt zur Arbeit sein, aber auch Geschäftsreisen über mehrere Tage sind möglich und machen viel Vergnügen: Denn am Zielort hat man den Vorteil, mit einem Fahrrad mobil zu sein.

Die Fahrt im Zug kann man sinnvoll mit Musikhören, Lesen oder Stift und Papier nutzen – oder sinnlos mit Telephonieren oder Smartphonebedaddeln totschlagen. Eine Reise ist für mich eine Reise, die ich als „Auszeit“ sehe und durchaus dem Kunden widme, den ich besuche. Was nur fair ist, der zahlt ja schließlich die Anreisezeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Kunden es mittlerweile akzeptieren, wenn man mit dem Fahrrad erscheint – obwohl sich das nicht gerade beim Erstkontakt anbietet.

Damit solche „hybriden“ Möglichkeiten häufiger genutzt werden können, müssen Veränderungen stattfinden, insbesondere im Nah- und Fernverkehr der DB. Eines geht ja schon ‚mal gar nicht: In der Münchner S-Bahn sind riesige Panorama-Kinderwagen stets kostenfrei willkommen, aber mit dem Rad darf man zu Berufsverkehrszeiten nicht einmal hinein. Hartmut Mehdorn hat ja die Forderung nach Fahrradmitnahme im Fernverkehr konsequent torpediert, viele Strecken werden nicht mehr bedient.

Es ist also etwas zu tun:

Kreativer Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist erforderlich. Und obwohl mir „Barcamps“ so gar nicht liegen, möchte ich auch nochmal Werbung machen für das
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Momentane Lieblingsprojekt von Roland
,

im Rahmen dessen man vielleicht etwas erreichen kann. Den einen oder anderen Beitrag, wie man MVV, Ordnungshüter und die deutsche Bahn ausbremst, könnte ich auch liefern.

Das mache ich nicht, weil ich an unsere Umwelt denke. Ich mache das, weil es Unabhängigkeit und Lebensfreude bringt. Und ich mache es, damit Horrortrips wie diese die absolute Ausnahme bleiben.

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hb

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