Hans Bonfigt
Montag, der 15. April 2019

Postdigital mit Heinz und Karl

Wir kennen das ja alle mit den Trends.

Etwa Anfang der 90er Jahre wollte die Bundespost Deutschland „digitalisieren“, dazu bescherte sie uns „ISDN“, was Kenner stets übersetzten mit „In Sachen Digitalisierung Nixdorf“.  Und die „Computerwoche“ titelte, computerwochentypisch, „Laut einer IDG-Studie sind immer mehr Unternehmen zum Outsourcing bereit“.   Gemeint war:  „Mit der neuen Digitalisierung durch ISDN wollen immer mehr Kunden in die Cloud“.

Naja, es hat höchstens vier Jahre gedauert und der neue Trend war „Insourcing“.  Und das mit der „Digitalisierung“ hatte sich erledigt.  Der heruntergekommene Osten bekam eine geniale, auf Glasfaser basierende Technik mit verteilter lokaler Infrastruktur, „HyTAS“, das „hybride Teilnehmeranschlußsystem“.

Dumm bloß:  Die Pornos gab es nur auf Videokassetten oder auf Teresa Orlowskis Privatkanal im TV.   Also interessierte sich im Osten keine Sau für digitale Dienste.  Und der Ossi war gar nicht so blöd:  Die hatten nämlich Leute, die verdammt gut ausgebildet waren und sich selber helfen konnten – wenn sie denn auch wollten.  Die brauchten keine „digitalen Help-Foren“.

Fazit:  Der „Digitalisierungstrend“ der frühen 90er Jahre war nach fünf Jahren vorbei.

Um 2010 fing der ganze Mist erneut an.  Mit einem kleinen Unterschied:  Während früher nur Unternehmen einen Anschluß an das ehemalige Wissenschaftsnetz „Internet“ besaßen, mit max. 2MBit/s Durchsatz, sind es heute vor allen Dingen die bildungsfernen Proleten, die „Bandbreiten“ von 200 (!) MBit/s und mehr für ein lächerliches Entgelt gebucht haben.   Denn Pornos und sonstige Asozialenbespaßung gibt es jetzt „im Netz“.  Und natürlich auch „to go“.

So können hier aufgenommene Moslems nicht nur im Nichtschwimmerbecken eines Familienbades ihren Darm entleeren oder junge Frauen vergewaltigen, sondern diese ihre Heldentaten auch gleich mit „Handy ins Netz stellen“, gerne über das „Freifunk-WLAN“.

Meine Frau und ich haben jetzt „Downton Abbey“ über einen Online-Dienst „gestreamt“, obwohl wir die DVDs im Haus haben.  Und dabei, nebenher, mehr Schadstoffe produziert als bei der Herstellung der DVDs anfielen.  Zumal:  Die DVDs kann man mehrfach angucken.

Unseren Unternehmen schadet der Vernetzungstrend:   Die arbeitende Bevölkerung wird immer mehr abgelenkt durch Mail, „Twitter“, „ebay“ und sonstigen Spökeskram.   „Industrie 4.0“ brauchen wir auch nicht einzuführen, denn die haben wir längst realisiert.  Erfolgreich.  Weil ohne Informatiker-Idioten.   Unsere Effektivität sinkt unterm Strich dennoch, kriminelle Vereinigungen wie VW können nur noch mit schäbigsten, primitiven Taschenspielertricks liefern.  BMW macht sich mit Anfängerpannen beim „Connected Drive“ lächerlich.

Dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff verdanken wir den nach ihm benannten Zyklus, wenn Sie mich fragen, alles Blödsinn und Mißbrauch der Trigonometrie.  Aber gehen wir doch einmal davon aus, daß Bloggründer Roland wie häufig recht hat, wenn er die Zeitenwende der digitalen Gesellschaft ankündigt.  Nun, was könnte dann passieren ?

  • Einige Politiker erkennen, daß es doch keine so gute Idee war, daß der Islam  – oder irgendein anderer Religionsschwachsinn –  zu Deutschland gehöre.
  • Dummerweise ist es jetzt zu spät:  An den Schulen haben wir 50% religionsgeschädigte Kinder teilweise mit „festverdrahteten“ archaischen, menschenfeindlichen Weltbildern, ohne jede sinnvolle Unterstützung von zuhause, ohne Sprachkenntnisse aller Art, auch nicht mehr in der eigenen Muttersprache.  Teilweise sind die armen Geschöpfe schwer dement infolge inzestuöser Zeugung.
  • China, Korea, aber auch bestimmte Ostblockstaaten haben uns technologisch abgehängt.

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Frau Merkel und die Grün*Innen haben geschafft, was den Siegermächten von 1945 mißlang:  Nach „Industrie 4.0“ kommt jetzt

Morgenthau 2.0

Und, um mit Frau Göring-Eckhardt zu sprechen:  Ich freue mich darauf !

 

Wir müßten nur unsere Strukturen umstellen.  So, wie es seinerzeit unser Willi gemacht hatte.

Der kleine Unternehmer Willi Kiesow in Hagen/W.  Für mich ein ganz großer Mann.

Willi fing an als Schweißer bei den BLW, den Borsig-Lokomotivwerken in Berlin.  Dort lernte er, wie man Feuerbüchsringe aus Kupfer an einen Stehkessel aus Stahl schweißt.  Eigentlich ist das unmöglich.  Aber in Willis Wortschatz existierte das Wort ‚unmöglich‘ nicht.  Innerhalb kürzester Zeit hatte er sein Herz an die Schweißtechnik verloren und avancierte zum „Star-Schweißtechnologen“ bei den BLW.  Denn damals zählten Ergebnisse und keine „Assessment Centres“. In den siebziger Jahren machte er sich selbständig und wurde zur Legende.   Selbst als ich ihn noch nicht kannte, waren Sätze wie:  „Dieses Gußteil ist irreversibel kaputt, das können Sie nicht schweißen.  Es sei denn, sie geben es zu Willi Kiesow“ sehr oft gehörte.  Willi hatte ein Gefühl für Material und Prozeß – und für Wärmebehandlung.   Viel wichtiger vielleicht noch:  Er konnte seine Kenntnisse an seine Leute vermitteln.

Zehn Jahre später fliehen die beiden Brüder Bungorovic aus Kroatien.

Sie hatten Glück:  Als sie von der Arbeit nach Hause kommen, ist ihr Elternhaus nur noch ein Haufen rauchender Trümmer, aber sie selbst sind unversehrt und fliehen nach Deutschland.  Suchen eine Arbeit und werden vom Arbeitsamt zu Willi geschickt.  Der will sie gar nicht erst hereinlassen, denn „Leute, die einem das Arbeitsamt schickt, taugen nix“.  Aber Willi sieht sich die beiden doch kurz an und meint:  „Also eure Namen kann ich mir nicht merken, aber Du (zeigt auf Said) bist jetzt Karl und Dein Bruder ist jetzt Heinz“.  Spätestens jetzt läge Claudia Roth japsend auf dem Rücken.  „Und morgen fangt Ihr bei mir an“.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen:   Ich mußte einen Prototyp bauen, dessen zentraler Teil ein Duroplast-Reaktor mit komplexer Geometrie war.  Extrem saubere, glatte Edelstahlschweißnähte waren Pflicht.  Unsere „üblichen Verdächtigen“ schüttelten alle den Kopf, aber wieder hörte ich den Satz:  „Wenn das einer kann, dann ist das Willi Kiesow“.

Und so fuhr ich dort vorbei:  „Welcher Idiot hat denn das hier konstruiert ?“   „Steht vor Ihnen“, antworte ich.  Es gibt einen längeren Disput, warum diese Ringdüse so und nicht anders ist.   „Und außerdem:  Die kriegen wir gar nicht in dem kleinen Radius gebogen, so wie Du dir das vorstellst.   Es sei denn, wir walzen die Düse erstmal bis auf 1,4 r, füllen den Ring dann mit Sand, glühen ihn ordentlich durch uns walzen ihn dann auf Maß.  Und auch der Behälter wird teuer.  Die Muffen für die Sondergewinde müssen wir selbst drehen.  Auch die Wärmeschutzstücke aus Polyamid.  Da habe ich gar nicht die Zeit, mich so intensiv drum zu kümmern.   Aber ich mache Dir ein Angebot, Langer:   Du kriegst zwei Leute von mir, Heinz und Karl, die bauen das für Dich.  Ich gucke, daß die Schweißerei etwas wird, Du guckst, daß Dein Gartenstuhl so wird, wie Du ihn brauchst“.

Gesägt, getan.  Genauer gesagt:  Gewalzt, getan.   Unterdessen war „Karl“ so etwas wie der Vorarbeiter im Laden und „Heinz“ war spezialisiert auf WIG-Schweißen.  Ab und zu gab es Differenzen bei der Maßkontrolle.  „Willi anders gerechnet“, meinte Heinz und weigerte sich, meine Zahlen zu akzeptieren.  Bis Willi irgendwann sagte, „der Lange kann auch rechnen“.  Selten habe ich Menschen erlebt, die so hinter ihrem Chef standen wie Heinz und Karl.   Denn Willi kümmerte sich um sie.  Er hatte sie ausgebildet und ihnen Wohnungen besorgt.  Ihnen behelfsmäßige Möbel organisiert.  Vor allem aber:  Er hatte sie, man würde heute sagen, „gesellschaftlich integriert“.

Denn aus seiner Berliner Zeit kannte Willi jede Menge Musiker, beispielsweise Paul Kuhn und das Orchester vom RIAS Berlin.   Und oben, über seiner Werkstatt in Hagen-Bathey, hatte Willy ein komplettes, riesiges Tonstudio eingerichtet.

Und fast jeden Abend jazzten die alten Herren los.   Einmal im Monat gab es eine richtige „Performance“, man konnte kommen, wenn und wann man wollte.  Ordentliche Kleidung war erwünscht.   Getränke waren frei.   Ich kam, wann auch immer ich konnte, trotz des von allen außer mir geschätzten Highlights des Abends, Willis legendärer „frischen Suppe“, die ich immer unauffällig in irgendeinem Gully verklappte.

Sehr oft mit dabei:  Willis Mitarbeiter Heinz und Karl, die ganz zwanglos am Tisch saßen mit Leitenden Ingenieuren von Krupp VDM und Brüninghaus.  Alle hatten Spaß, Willi stand oft selbst am Vibraphon, mein Ding war und ist Jazz nicht, aber so buchstäblich „mittendrin“ war die Truppe immer ein Erlebnis.

Heinz und Karl waren die ersten und einzigen „gut integrierten“ Flüchtlinge, die ich kennenlernen konnte.  Und beide, sowohl Karl als auch Heinz, hatten einiges auf dem Kasten.   Aber es gab auch Probleme:

„Jugoslawisch Mann das nix versteh“

Etwa sechs Wochen bauten wir am Prototyp, wenn es für mich gerade nichts zu tun gab, trieb ich mich in der Werkstatt herum und half schonmal aus bei der Reparatur von Pressen, Krananlagen, Drehbänken – meistens waren es „elektrische“ Dinge.  Einmal hatten die Jungs mit einer schweren Welle ein Steuerkabel durchgequetscht und aus dem Schrank herausgezogen.   Ich wollte ihnen zeigen, wie man so etwas „richtet“.   Keine Chance.   Denn sie sagten von vornherein:  „Jugoslawisch Mann das nix verstehn“.   Nun sieht so ein teilverdrahteter Steuerkasten recht kompliziert aus und ich habe versucht, ihnen einen Schaltplan nahezubringen.  Zwecklos.   Zu Willi sagten sie, „Langer hat repariert, ganz ohne Schaltplan“.  Ich sagte den beiden, „Es geht nicht ohne Schaltplan.  Den Schaltplan hatte ich im Kopf“.   Das provozierte die Frage, „Du kennen von allen Maschinen die Schaltpläne?“.  Ähnlich bizarr war es mit den Fertigungszeichnungen, auf denen ab und zu einmal ein Maß scheinbar fehlte.  Sie gingen dann zu Willi, der es ihnen ausrechnete.   Später, vieeeeel später kamen sie mit solchen Dingen auch zu mir.   Mit Trigonometrie bin ich den beiden nie gekommen, aber ich habe einmal versucht, ihnen die Vorteile des pythagoreischen Lehrsatzes zu vermitteln.   Und ja, ich kann das, auch in sehr einfachen, verständlichen Worten.  Es war zwecklos.  Karl hatte kein Problem damit, einen alten Hanomag-Motor komplett zu zerlegen, Heinz schweißte derweil den gebrochenen Grauguß-Zylinderkopf und bearbeitete ihn auf der Planschleifmaschine.  98% aller Informatiker würden hier kläglich scheitern.

Aber sobald eine Tätigkeit auch nur ein bißchen abstrakt wurde, machten die beiden Brüder schlapp.

Und hier liefert Ludwig Wittgenstein einen wichtigen Erklärungsansatz, im berühmten „Tractatus“:

„Die Grenzen meiner Sprache bestimmen die Grenzen meiner Welt“

Wenn wir erwachsenen Menschen, die weder sprechen, lesen, schreiben und rechnen können, eine würdige Existenzgrundlage schaffen wollen, dann müssen wir diesen eine kleine, einfache, unkomplizierte Umgebung schaffen.

Einen „Flüchtling“ mit Elektrizität und Mobilfunktechnik auszustatten, kann nicht zum Erfolg führen.

Es muß sich jemand um ihn kümmern, ihm zeigen, was er zu tun und zu lassen hat, es muß ihn jemand mögen und wertschätzen.  Und es muß ihm jemand für gute Arbeit auch gutes Geld zahlen.

Genau das war es, was Willi Kiesow für seine Leute getan hatte.  Und gern wiederhole ich mich:  Willi und Sina Trinkwalder sind für mich ganz große Menschen.

-hb

1 Kommentar zu “Postdigital mit Heinz und Karl”

  1. Paul (Mittwoch, der 17. April 2019)

    Hätte man das Schulsystem nicht mit voller Absicht aufgeweicht, wäre allgemein die Integration wohl besser verlaufen.

    https://www.morgenpost.de/bezirke/tempelhof-schoeneberg/article216486873/Zu-unbequem-Leiter-der-Friedrich-Bergius-Schule-muss-gehen.html

    https://www.morgenpost.de/berlin/article105339002/Die-zehn-Regeln-des-strengsten-Rektors-Berlins.html

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