gebauer-fussballKann ich eigentlich meinen studienreisenden, „Zeit“-lesenden, theatergehenden, „3sat“- und „Arte“-sehenden, MRR-liebenden Freunden ein Buch über Fussball schenken ohne mich als einfallslosen, unverbesserlichen Kulturbanausen zu outen?

Am Vorabend der WM 2006 stellte ein Kulturmagazin im „3sat“ dieselbe Frage: „Ist Fussball Kultur?“

Die Antwort kommt von Gunter Gebauer, Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der FU Berlin. Sie trifft ins Netz , wie einst Günther Netzer 1973 im Pokalfinale gegen Mönchengladbach oder Karl-Heinz Schnellinger in der 92. Minute, 1970 im Halbfinale gegen Italien. Die Fans sind in Extase, König Fussball rückt auf in den Adelsstand.

Das Stadion, ein Theater, auf der Bühne des Rasens läuft die „Comédie Humaine“, „… es geht um Macht und Zufall, Gewalt und Ohnmacht, Regelfolgen und Regelbrechen, um die Heroisierung des Subjekts und das Wiedererkennen der eigenen nationales Identität, um die neue Rolle des Heiligen in der Gesellschaft und die Geschlechterbeziehungen.“ (Originalton Gebauer) Für Akteure und Zuschauer ist das Spiel Triumph und Tragödie. Jubelnde Freude und bitteres Leid sind hier untrennbarer als in Theater, Kino und Literatur miteinander verbunden, sie bedingen einander.

Die schönste Nebensache der Welt als Metapher der Gesellschaft! Oder gar die Gesellschaft als Metapher des Fussballs?!?

Gebauer spricht die Sprache des Philosophen, mit der geradlinigen, tänzerischen Leichtigkeit eines Zinedine Zidane. Seine gedanklichen Dribblings führen schnörkellos in Freiräume und Intervalle, die uns das Spiel der Spiele aus neuen Perspektiven betrachten lassen. Doppelpässe mit grossen Philosophen lassen ein schwitzendes, hechelndes, profanes Ballspiel aufleuchten in den Strahlen von Einsichten, die immer noch die Welt bewegen. „Poetik des Fussballs“ schickt uns mit einem Steilpass von der Philosophie in den Fussball und vom Fussball in die Philosophie.

Der Autor lädt ein zum Denken, in der Hitze des Kampfes um Ball und Tor, in der tosenden, emotionalen, faszinierenden Welt des Stadions. Ich könnte noch stundenlang schwärmen…

Also aufgepasst Leute! Wenn Ihr in Kürze bei Euren bildungsbeflissenen  Freunden seid, zum literarischen Kaffeekränzchen, zum Biorotweinnippen oder gar zum Kräuterteeumtrunk, dann bringt das Buch mit und verschafft Euch  Gehör denn…

Es braust ein Ruf wie Donnerhall: Kultur ist Fussball!!!

Unbedingt lesen!!!

HPK

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