Hans-Peter Kühn
Sonntag, der 29. März 2009

« Slumdog Millionär » oder « Bollywood ante Portas »

Es sei gleich zu Anfang gesagt: Prädikat sehenswert und zwar mit der ganzen Familie.

Ein indisches Märchen vom von einem, der auszog zum Millionenquiz.

Das Erstaunlichste ist die Plotkonstruktion. Wie Perlen an einer Kette sind die Abenteuer der Kindheit und Jugend unseres Helden an den Fragen des eher unsympathischen Quizmasters und den Antworten von Jamal aufgereiht.

Der Schauplatz wechselt ständig zwischen Fernsehstudio und den Elendsvierteln von Mumbai. Letztere werden realistisch-naiv dargestellt als die farbige, enggassige, schreiend laute, exotische Heimat der kindlichen Protagonisten. Hier geht es nicht um die Anprangerung von Misständen, sondern um die Beschreibung der tagtäglichen Umgebung von Millionen Indern. Elend als Normalität? Nein, Bollywood  klammert es aus, lässt es bestenfalls erahnen.

Die Fäden der Story sind dick gesponnen. Wir erinnern uns an die sonntagnachmittäglichen Jugendvorstellungen unserer Kindheit: Der Held ist gut, die Heldin wunderschön, die Liebe blüht früh und stark, man hält zusammen in der Not, verliert sich, fällt in die Hände der Bösen, entkommt und findet sich wieder… auf dem Bahnsteig von Mumbai.

Den Nachspann liefert ein Ballet à la „West Side Story“.

Viel später fällt einem ein, dass man überhaupt nicht kapiert hat, wie der Junge eigentlich zum Quiz gekommen ist.

Der Film ist ein farbiger Comic Strip mit total niedlichen Kindern, exotisch schönen jungen Leuten, einer guten Geschichte, einem farbenfrohen Indien.

Ernsthaft, gehen sie hin, das ist richtiger Kintopp, wie wir Berliner sagen!

HKP

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