VergebungWie bei „Verblendung“ und „Verdammnis“, den ersten beiden Bänden der Millenium Trilogie, besteht zwischen Titel, Cover und Inhalt nicht die geringste offensichtliche Verbindung. In diese grottenschlechte Verpackung hüllt sich ein spannendes Plot, dessen Fäden sich bis in die höchsten schwedischen Regierungskreise spinnen.

Leider ist es so wie mit der jungen Dame, die, bei schmeichelhaft, schummerigem Partylicht begeistert erobert, sich am nächsten Morgen mit klarem Auge und im Tageslicht, als ein leicht fehlerhaftes Exemplar herausstellt.

Auf den zweiten Blick ist die Intrige zwar komplex, die Personen und Verbindungen zahlreich, jedoch besteht für die Leser der ersten beiden Bücher niemals der geringste Zweifel über ihren Ausgang, Überraschungsmomente oder Umwege fehlen völlig. Das Buch hat keine Ausstrahlung, keine Stimmung, die Sprache ist deskriptiv steril, die Dialoge sind Wortkonstruktionen nach Schema F, ohne jegliche Kraft der Charakterisierung für Haupt- und Nebenpersonen, die zwangsweise profillos wirken. Das Ganze wirkt wie in Eile heruntergeschrieben, ob es am schwedischen Original oder der deutschen Übersetzung liegt ist hier nicht zu beurteilen.

Von den drei Bänden ist der erste, „Verblendung“, ohne Zweifel der herausragende, die genial konzipierte Lisbeth Salander wächst aus dem Nichts ins Pantheon der Thrillerhelden. „Verdammnis“ ist eine ärgerliche Schwarte, deren Unwahrscheinlichkeiten ins Lächerliche münden. „Vergebung“ ist nur schnell, schnell konsumiert und schnell vergessen. Wie das girl von der Party…

Mein Kollege vom Spiegel schreibt: „Stieg Larssons erzählerische Virtuosität (…) lässt seine Trilogie weit über das Genre des Polit-Thrillers hinauswachsen: Sie ist ein grosser Gesellschaftsroman.“ Ich meine, das ist nicht nur Verunglimpfung eines bedeutenden Literaturgenres und seiner brillanten Protagonisten sondern auch fahrlässige Täuschung des Lesers.

HPK

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