Hans-Peter Kühn
Samstag, der 6. März 2010

„A Hell of a Woman“ – Jim Thompson oder “Mala Vita”

hell_of_a_womanSeine Romane sind wie die Gemälde von Hieronimus Bosch und Pieter Brueghel, Welten der Sünde und des Lasters. In ihrem moralischen Gravitationszentrum stehen Eifersucht, Gier, Neid, Gemeinheit, Habsucht, Skrupellosigkeit, Lüge und List. Seine Protagonisten sind hinterhältige Halunken, miese Betrüger, korrupte Polizisten, erbärmliche Versager, versauerte Nieten, psychopathische Killer und  schmuddelige Doktoren. Seine Heldinnen lauern als lasterhafte Miezen in lauschigen Ecken dunkler Spelunken oder spähen nach leichter Beute als hässlich zerfressenen Fratzen von Habgier und Hass, blicken als üppige Puppen mit trügerischer Sanftheit nach Opfern lüsterner Geilheit und lauernder Lust.

Willkommen bei Jim Thompson, im Dschungel von Niedertracht, Lug und Trug!

Gegen ihn sind herkömmliche „harboiled writers“ wie Hammet, Chandler, Spillaine, Ellroy, ja selbst Lehane, Kreuzritter der Moral, Milchreisbubies, Katechismuslehrer. So zynisch deren Detektive auch sein mögen, sie bringen Recht und Ordnung in ihre Welten des Zwielichts. Bei Thompson führt die geringste menschliche Regung unwiderruflich in den Untergang, schäbige Verlierer versacken nur tiefer im Sumpf.

Nun zum Buch.

Mona ist jung, schön, blond und sexy, mit allem ausgestattet wonach es Männern dürstet. Mona gehört zu der Sorte, die selbst ein Gauner wie Dillon nicht ausnutzen wollte. Dann erzählt sie ihm von der niederträchtigen Tante, von erzwungener Prostitution, von verstecktem Geld. Dillon war überrascht wie leicht es wurde für sie zu morden…

Die deutsche Ausgabe „Satansweib“ ist bei Amazone nur noch in 4 Gebrauchtexemplaren erhältlich, die Originalversion bekommen sie neu innerhalb von 24 Stunden. Das Buch wurde 1979 von Alain Corneau verfilmt unter dem Titel „Série Noire“. Weitere Filme über Bücher von Thompson: „Get-apens“ Sam Peckinpah 1972, „Der Saustall“ Bertrand Tavernier 1981, „The Grifters“ Stephen Frears 1991. Alle Filme sollten sie sehen und „A Hell of a Woman“…

Unbedingt lesen!!!

HPK

1 Kommentar zu “„A Hell of a Woman“ – Jim Thompson oder “Mala Vita””

  1. Chris Wood (Montag, der 8. März 2010)

    Thanks for the review. I shall avoid contact with this book. I generally avoid books with words like „Hell“ and „sin“ in the title. Is it significant that the German version is sold out, but the English is not? Do Germans like to read such stuff?

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