jare-diamondUnterschiedliches Tempo der Entwicklung auf den verschiedenen Kontinenten zwischen 11.000 v. Chr. und 1.500 n. Chr. führte zu unübersehbaren technischen und politischen Ungleichheiten, die lange Schatten auf unsere moderne Welt werfen.

Warum verlief der Fortschritt in manchen Gegenden und Zivilisationen schneller als anderswo? Warum eroberten die Europäer Zentral- und Südamerika und nicht die Inkas und Azteken Europa? Über Jahrmillionen war Afrika die Stätte der menschlichen Evolution. Warum hatten am Ende die Europäer und nicht die Afrikaner Gewehre und Kanonen?

Jared Diamond ist nicht nur ein Meister der originellen Fragestellungen an unsere Geschichte.


Rassistische Antworten lehnt er als widerwärtig ab und entlarvt sie, mit einer lückenlosen Beweiskette, als schlechthin falsch. Seine zwingenden Argumente resultieren aus Ergebnissen und Erkenntnissen einer Vielzahl an wissenschaftlichen Disziplinen: Genetik, Molekularbiologie, Biogeographie, Epidemiologie, Linguistik, Archäologie, Geschichte von Technik, Schrift und politischen Organisationsformen.

„Arm und Reich“ ist ein 600 Seiten langer, faszinierende Spaziergang durch 12.000 Jahre unserer Geschichte in 5 Kontinenten. Diamond schildert an Hand von unbestreitbaren Fakten und interessanten Anekdoten, die mühsame, hindernisreiche, langwierige Entstehung unserer modernen Gesellschaftsformen.

Er rückt dabei die Landwirtschaft (Ackerbau und Viehzucht) in eine zentrale, konstitutive Rolle für den Werdegang des „Fortschritts“. Ohne sie, keine Gemeinschaften, keine Dörfer, keine Städte, keine komplexen Gesellschaften, keine Arbeitsteilung, keine Industrie, keine nachhaltige Wertschöpfung.

Wir sind gefesselt von einem Thriller über das Schicksal menschlicher Gemeinschaften, das weitgehend vom geographischen, klimatischen und biologischen (Ausstattung mit domestizierbaren Pflanzen und Tieren) Umfeld bestimmt wird. Die Beweisführung ist engagiert, brillant, einleuchtend, lückenlos, spannend, extrem lehrreich.

Zweifellos kristallisiert der Inhalt letztlich eine deterministische oder fatalistische Geschichtsperspektive. Dem Leser liegt die Frage auf der Zunge: „Tja OK, arm und reich und was nun? Die Antwort sucht man in diesem Buch vergeblich.

Leider ist die Übersetzung des amerikanischen Originaltitels vollkommen irreführend. Arm und reich sind, besonders heute, emotionsgeladene, hochexplosive Begriffe, hinter denen drohend Ideologien, Ethik und Moral, wie Miradore in einen grauen Himmel ragen.
„Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies”, so heisst es ganz einfach im Originalton und genau darum dreht sich auch das Buch.

Unbedingt lesen!!!

HPK

P.S.
Weitere Empfehlung: „Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“  J. Diamond

1 Kommentar zu “« Arm und Reich » – Jared Diamond oder « Die Geschichte der Geschichte »”

  1. IF-Blog » Blog Archiv » “Konzerne und ihre Workflows” oder “Landwirtschaft und Viehzucht” (Mittwoch, der 20. Mai 2009)

    […] lese ich immer wieder ein paar Seiten in “Arm und Reich” von Jared […]

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