SpiegelDas Magazin „Der Spiegel“ veröffentlicht die Liste der Bestseller für den Erhebungszeitraum ab 1.1.2002. Sie inspiriert einige nicht völlig ernst gemeinte Kommentare.

Die ersten zehn Plätze verteilen sich auf sieben Autoren, der Löwenanteil geht an zwei Damen, Joanne K. Rowling (Harry Potter, Plätze 1, 2, 3) und Stephenie Meyer ( Bis(s)…, Plätze 8, 9). Sie belegen damit 50% der Rangliste.

Unterhalb (der Gürtellinie) des Podiums wühlt Charlotte Roche unbeirrt im glitschigen Schleim ihrer „Feuchtgebiete“, auf dem undankbaren Rang 4. Positionen 5 bis 7 gehen an Dan Brown (Sakrileg),  Cornelia Funke (Tintenherz) und Daniel Kehlmann (Die Vermessung der Welt). Am Ende öffnet Ken Follet „Die Tore der Welt“.

80% der Autoren sind angelsächsischen Ursprungs, einschliesslich der britisch-deutschen Charlotte Roche. Die lokalen Farben vertreten lediglich Funke und Kehlmann. Ein Armutszeugnis für die Produktion von Belletristik im Land der Dichter und Denker. Frauen belegen 70% der Rangliste. Das entzieht feministischen Meckermiezen nun auch den letzten Rest von Legitimität.

Generationskonflikte unter den Literaturkonsumenten sind nicht erkennbar, 60% der Bücher sind All-Age-Romane (Rowling, Meyer, Funke), das heisst im Klartext: Jugendbücher für Erwachsene. Berücksichtigt man zusätzlich Follet und Brown, entfalten sich 80% der plots in denkbar simpel-manicheistisch, schwarz weiss gemalten, sexlosen Komputerspielwelten. Hier ist wenig Platz für Ansprüche, kuschelige Wohlfühlliteratur hilft bei der Verdrängung von komplexer Realität.

Im Land der Saubermänner darf Charlotte Roche erfolgreich an sich rumschmuddeln.

Kehlmann schreibt ganz nett über Gauss und Humboldt. Das ist nicht viel aber wenigstens etwas…

Ich wünsche ein frohes Neues Jahr!!!

HPK

2 Kommentare zu “„Bestseller des Jahrzehnts“ – Der Spiegel Nr. 53/09 oder „Was Deutsche so lesen“”

  1. Chris Wood (Samstag, der 9. Januar 2010)

    Something important is missing in this. The Spiegel list must be of bestsellers in Germany, but this is not immediately apparent. Spiegel could have listed world-bestsellers, (or perhaps even bestsellers in Europe). People in Germany often quote statistics just for Germany, without making this clear, (for instance the number of road deaths last year). My impression is that Great Britain is much less parochial in this respect. But maybe USA is just as bad.

  2. Chris Wood (Samstag, der 9. Januar 2010)

    Now I see that the Spiegel sub-title makes the German context clear. The letters were perhaps too big for me!

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