TolkienAlso Leute, regt Euch ab und entrümpft die Nasen! Bei all meiner angeborenen, berlinerischen Vermessenheit komme ich jetzt nicht mit einer Rezension des allseits bekannten Meisterwerks von Sir Tolkien. Würde mir ja auch nicht erlauben beim IF-blog meine Kommentare über „Hamlet“ oder „Don Carlos“ abzuliefern. Einige Hintergründe über den Autor und die Abenteuer von Frodo und Kumpels sollten jedoch durchaus dazu angetan sein Eure Smalltalktoolbox für Cocktailparties, Vernissagen und lockere Abende mit Kunden zu bereichern.

Tolkien starb auf dem ersten Höhepunkt seines Ruhmes, im Alter von 81 Jahren, am 2. September 1973.  Die Erfolgsstory von des „Herrn der Ringe“ war eine Sturmflut: Teil I  1954-1966, 22 Auflagen; Teil II 1954-1966 19 Auflagen; Teil III 1955-1966 18 Auflagen.
Die erste Paperback Gesamtausgabe erschien 1968 und ging 1973 in die 13. Auflage.
Fan communities schossen wie Pilze aus dem Boden, nicht immer zur Freude des Autors, der dennoch in seiner Korrespondenz einräumte: „…selbst die Nase eines sehr bescheidenen Idols (…) ist nicht völlig unempfindlich gegen das sanfte Kitzeln des Weihrauchduftes.“

Fantasy-Romane gab es bereits vor Tolkien. Hier sei nur auf Robert E. Howard hingewiesen, Schöpfer des in Schwarzenegger Filmen so peinlich (unabsichtlich?) lächerlich gemachtem Conan. Dennoch gilt Tolkien unbestritten als der Schöpfer des Genres. „Der Herr der Ringe“ löste nämlich im angelsächsischen Bereich ein Literaturbeben aus, dessen Tsunami noch heute noch durch die Verlage Deutschlands rollt. Die Namen und Werke seiner unzähligen Nachfolger sind nur einem eingeweihten Fanpublikum bekannt, belegen jedoch nicht nur in spezialisierten Buchläden meterlange Regalstrecken. Ich erwähne hier nur Stephen R. Donaldson – „Die Chroniken des Thomas Convenant“ und David Eddings – „Die Belgariad-Saga“ Band I-V. Beide rangieren übrigens bei mir in der Kategorie „Unbedingt lesen!!!“

Einflüsse von angelsächsischer und vor allem germanischer Mythologie sind in „Der Herr…“ mehr als spürbar. Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ wird vom Autor als Inspirationsquelle zurückgewiesen: „Beide Ringe sind rund, das ist ihre einzige Ähnlichkeit.“
Mir scheint, das Böse und Korrumpierende des Ringes waren bereits zentral bei Wagner und noch total abwesend in der Originalfassung des ursprünglichen Mythos.

Im Vorwort werden tiefere Bedeutungen oder „Botschaften“ an die Leser von Tolkien klar verneint: „It is neither allegorical nor topical.“ An anderer Stelle konzediert der er den fundamental religieusen und katholischen Charakter des Inhalts.

Schliesslich war Tolkien nicht nur Autor und Professor für Literatur und Sprache, sondern auch begeisterter Linguist und Philologe, mit einer starken Neigung zu „konstruierten Sprachen“. Von künstlichen Geheimsprachen berichtet schon das antike Griechenland, der erste namentlich bekannte Autor ist Hildegard von Bingen (12. Jhd.) mit ihrer „lingua ignota“.
Tolkien bezeichnet die Konstruktion von Sprachen als sein geheimes Laster („vice secret“).
Nicht weniger als 10 begegnen uns in „Der Herr…“, in Form von Anspielungen, Orts- und Personennamen, Gedichten und Gesängen.

Sie sind konstitutiv für die Authentizität seines Epos. Alle Völker der Mittelerde hatten ihre Geschichte, ihre Traditionen und ihre Sprache.

Also Leute, ich finde der Ausflug in die Hintergründe eines der meistgelesenen Romane des 20. Jahrhunderts hat sich gelohnt.

Sollten „Der Herr der Ringe“ und die Mittelerde für Sie noch „terra incognita“ sein,  nehmen Sie eine Woche Urlaub, auf in die Buchhandlung und…

Unbedingt lesen!!!

HPK

2 Kommentare zu “„Der Herr der Ringe“ – John Ronald Reuel Tolkien oder „Literaturtsunami“”

  1. rd (Samstag, der 27. März 2010)

    Lieber Hans-Peter,

    ich finde es toll, dass Du bei Deinen Buchbesprechungen auch immer mal wieder auf ältere Bücher aufmerksam machst. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich die grüne Schachtel mit den 3 Büchern Anfang der 70iger bekommen und „verschlungen“ habe.

    Es wäre schön, wenn Du öfters mal eine Rezension zu so großen „alten“ Werken schreiben würdest!

    Danke

    RMD

  2. hans-peter kühn (Samstag, der 27. März 2010)

    Lieber RD,

    Deine Anregung wurde auch von 2 Lesern meines Artikels über „Der Name der Rose“ gemacht. Ich werde hin und wieder „alte, grosse Werke“ rezensieren, leider gibt es meiner Meinung nach da nicht so eine grosse Menge. Ich werde mein Bestes versuchen.

    Bis bald

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