In den Siebzigern und Achtzigern  des vergangenen Jahrhunderts erschien bei Ullstein die sehr erfolgreiche Serie „Alfred Hitchcocks Kriminalmagazin“. Etwa 150 Seiten lange Taschenbücher mit Krimi-Kurzgeschichten unterschiedlicher Autoren aus dem angelsächsischen Raum, von Sir Alfred angeblich persönlich ausgewählt.

Ferdinand von Schirach, von Hause aus Strafverteidiger,  präsentiert auf 206 Seiten 11 Geschichten. Auf Grund des Verschwiegenheitsgebotes für Anwälte handelt es sich wohl kaum um präzise Fälle aus seiner Praxis, man darf jedoch davon ausgehen, dass seine Krimi-Short-Stories hochgradig von der Realität inspiriert wurden und letztere stellt sich als haarsträubender heraus als selbst die einfallsreichste Fiktion.

Mit scharfem Blick, glasklarer, knapper, lakonischer, einfacher, intensiver Sprache schildert der Autor, aus betont neutraler, fast gleichgültiger Position, wie meist ordinäre Lebensumstände und Ereignisse Menschen unwiderruflich ins Verbrechen führen. Von Schirach jagt den Leser durch ein Kaleidoskop der Gefühle. Eiskalte Schauer unter der Haut  wechseln mit amüsiertem Lächeln und zum Schluss geht es, in einer wunderschönen Geschichte, auch auf die Tränendrüsen.

Trotz der Tragik seiner Charaktere verfällt von Schirach niemals in Pathos, beschreibt Fakten und überlässt Ausflüge ins Innenleben seiner Personen der Phantasie des Lesers.

„Verbrechen“ ist eine literarische Performance der Sonderklasse.

Unbedingt lesen!!!

HPK

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