Hans-Peter Kühn
Samstag, der 13. November 2010

„Brutale Blockbuster“ oder „Verschollene Schmöker-Schätze III“

Achtung!

Zart besaitete Poeten und empfindsame Mimosen sollten Abstinenz walten lassen.

Die Menschheit zeigt sich hier, unter dem Mantel der gutbürgerlichen Redlichkeit oder des opulenten Wohlstandes, von ihrer gemeinsten, verabscheuungswürdigsten Seite!

Für alle, die jetzt noch weiter lesen, zwei herausragende Exemplare der Gattung:

„Jagdzeit“ (Open Season) – David Osborn

Ken, Greg und Art sind nette, unbescholtene, recht erfolgreiche, „suburbian“ Amerikaner. Die gut-mittelständische Fassade verbirgt jedoch animalische Instinkte, denen sie, auf einem jährlichen Jagdausflug, in einer abgelegenen Hütte, freien Lauf lassen. Ein junges Paearchen wird gewaltsam entführt, sorgt einige Tage für grausame Unterhaltung und wird anschliessend, mit einer halben Stunde Vorsprung, zur Menschenjagd freigegeben. Doch manche Opfer wehren sich und in der Wildniss lauert ein Rächer, aus der dunklen Vergangenheit der Jäger.

„Atrocity Week“ – Andrew McCoy

„Stellen sie sich vor sie sind reich genug, um sich alles zu kaufen. Stellen sie sich vor, sie kennen selbst die extremsten Kicks und Tricks. Alle ausser einem, dem ultimativen… Die Jagd auf das grösste und gefährlichste Wild von allen, den Menschen.“

Irgendwo, in den ausgedörrten Weiten Afrikas, organisieren zwei skrupellose ehemalige Söldner, für ein steinreiches, bis auf die Knochen blasiertes Publikum, Jagdsafaris auf Eingeborene. Die ekelhaft sadistische Show findet jäh ein Ende, als aus den Jägern Gejagte werden…

Es entwickeln zwei packende, blutige Thriller von beispielloser, schnörkelloser Grausamkeit und Brutalität. Diese schonungslosen Schilderungen von Menschenjagden sind, mehr als 30 Jahre nach den Erstauflagen, noch heute umstritten. Trotzdem, „Jagdzeit“ erschien 1995 in der deutschen Übersetzung und liegt noch heute auf dem nicht zu verachtenden 47.932. Verkaufsrang bei Amazon. Die Kundenrezensionen geben durchweg 5 Sterne. Die grottenschlechte Verfilmung mit Henry Fonda und William Holden sparen sie sich besser. „Atrocity Week“ ist weder übersetzt noch neuaufgelegt worden. Die wenigen verfügbaren Exemplare bei den Schmökerhändlern von Amazon werden zu Preisen von 49,44€ bis 100,95€ angeboten, Zeichen für eine nachhaltige Nachfrage.

Im Anschluss an die atemberaubende Lektüre verbleibt ein verkatertes, unbehagliches Gefühl.

Alle, die vor den abyssalen, dunklen, unsondierbaren Abgründen der menschlichen Psyche  nicht von Schwindel gepackt werden, müssen beide Bücher…

Unbedingt lesen!!!

HPK

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