Hans-Peter Kühn
Samstag, der 1. Januar 2011

„Der Schneemann“ – Jo Nesbo oder „Ach diese Serienmörder“

Als vor 21 Jahren die berliner Mauer und der gesamte eiserne Vorhang zusammenbrachen, verlor die internationale Thrillerindustrie mit einem Schlag ihre wichtigste Geschäftsgrundlage. Kalte Krieger von CIA und KGB, unabdingbare Protagonisten unzähliger Spionagestories, wurden definitiv in den Ruhestand entlassen, es war das Ende eines Genres. Restbestände des Buchhandels wurden, vermutlich zu Minipreisen, verscheuert oder verschimmelten in den Unterkellerungen feuchter Lagerhallen.

Nun kam eine Hochkonjunktur für Serienmörder-Romane, deren Ende heute noch nicht abzusehen ist, es sei denn die Leser entschliessen sich endlich zum Streik.

Leider surft auch der letzte Nesbo-Paperback voll auf dieser Welle. Nichts Neues lieber Leser, die Opfer sind wohlgewachsene Norwegerinnen, der Kommissar ein alkoholabhängiger Eigenbrödler, der vergeblich versucht die Trennung von seiner, ach so geliebten, Rakel zu verarbeiten. Ein „déjà vu“ Effekt auf der ganzen Linie.

Die Tatsache, dass die norwegische Gesellschaft hier als eine Korporation gutbetuchter Manager, Ärzte und Freiberufler dargestellt wird, deren Pärchen munter und kreuzweise durcheinander kopulieren, macht die ganze Sache auch nicht besser. Der abschliessende Showdown wirkt wie der eines miesen Bruce Willis-Action-Movies.

Ist es an der Zeit wieder Bücher zu verbrennen? In jedem Fall stehe ich für Demos bei Hugendubel gern jederzeit zu Ihrer Verfügung. Nieder mit den Serienmördern!

Prost Neujahr!!!

HPK

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