Hans-Peter Kühn
Samstag, der 7. Mai 2011

„Joseph Fouché“ – Stefan Zweig oder „Politikerethik“

Biographien geschichtsträchtiger Persönlichkeiten gehören zu den Spezialitäten von Stefan Zweig.

Der betont journalistisch-dokumentarische, deskriptiv-nüchterne Sprachgebrauch des Autors vermittelt das Portrait eines skrupellos amoralischen, dämonisch spekulierenden Politikers, eines Machtsüchtigen, der die Ideen Macchiavellis mit teuflischer Genialität und durchschlagender Konsequenz implementiert.

Joseph Fouché ist ein politisches Chamäleon, niemals trendsetter, jedoch akribischer trendfollower. Ein auf Macht fixierter Triebtäter, für den Überzeugungen nur lästiger Ballast sind. Er spinnt die Fäden seiner Intrigen im Schutz des Schattens der Kulissen, überlässt anderen den Platz auf der Bühne, scheut das Rampenlicht.

Der „Erfolgsweg“ dieses „politischen Menschen“ erstreckt sich von Pol zu Gegenpol. Als junger Mann wird er im Seminar der Oratorier von Nantes ausgebildet, wird Lehrer, lernt Robbespierre kennen, schliesst sich der Revolution an, wird Volkstribun, antiklerikaler Fanatiker, Verfasser eines kommunistischen Manifests, zynischer Grossmeister des Terrors in Lyon, Henker von Robbespierre, Polizeiminister des Direktoriums, hyperaktiver Bonapartist, wird steinreich in den Adelsstand promoviert, schliesslich Steigbügelhalter von Ludwig XVIII. Ein Virtuose der Niedertracht und des Verrats ist er dennoch im Privatleben liebender Gatte und sorgender Familienvater.

Neben der Biographie einer fürchterlich faszinierenden Persönlichkeit bietet Stefan Zweig eine bemerkenswert packende Darstellung der politischen Irrungen und Wirrungen in Frankreich, von der Revolution bis zur Restauration .

Typen wie Joseph Fouché gibt es nicht nur in der Politik sondern in jeder Firma, auch an Ihrem Arbeitsplatz… Sehen sie sich um!!!

Unbedingt lesen!!!

HPK

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