Novalis hat es treffsicher formuliert: “Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“

Safranski erklärt, analysiert, schwadroniert und interpretiert auf fast 400 liebevoll- einfühlsamen, verständlich und fulminant geschriebenen Seiten, über eine kunsthistorische Epoche, die nur knapp 55 Jahre dauerte (etwa 1770-1825), deren Nachklänge jedoch, fast 200 Jahre später, noch deutlich vernehmbar sind.

Im ersten Teil des Buches, „Die Romantik“, positioniert der Autor die Bewegung als ein Aufbegehren gegen Aufklärung, bürgerliches Nützlichkeitsdenken und das Unbehagen am Leben in einer von Wissenschaft und Rationalität „entzauberten“ Welt. Mit jugendlicher Begeisterung und viel Selbstbewusstsein, brechen Schlegel, von Eichendorff, Tieck, von Arnim und viele andere auf zu einem radikalen Paradigmenwechsel.

Die nachhaltige Langzeitwirkung des romantischen Gedankengutes, von Wagner, Nietzsche und Schopenhauer, über das aufgehende 20. Jahrhundert, mit seinen wirtschaftlichen und politischen Katastrophen, bis zu den Studentenrevolten der 68ziger, wird im zweiten Teil, „Das Romantische“, anschaulich und gründlich untersucht.

Der Aufbau des Inhalts ist beispielhaft. 18 Kapitel von je rund 20 Seiten, mit kurzen Inhaltsangaben im Titel, sorgen für Übersichtlichkeit und verdauliche Portionierung der eher anspruchsvollen Materie. Der Text ist gespickt mit Zitaten aus den Originalwerken.

Trotz seiner offensichtlichen Begeisterung für diese Epoche der intellektuellen Vitalität und ihre mitreissenden, farbenfrohen Protagonisten, vermeidet Safranski jegliche Verklärung und präsentiert sich als verständiger Moderator in der Debatte zwischen Realisten und Romantikern. Am Ende wird deutlich, dass Romantik und Vernunft zwei wesentliche, gleichberechtigte Komponenten des gesellschaftlichen Lebens sind.

„… denn politische Vernunft und Realitätssinn ist zu wenig zum Leben. Romantik ist der Mehrwert, der Überschuss an schöner Weltfremdheit, der Überfluss an Bedeutsamkeit.“

Musikliebhabern empfehle ich besonders das Kapitel über Richard Wagner, mein Bedauern gilt der Tatsache, dass die Malerei und insbesondere Caspar David Friedrich, mit keinem Wort erwähnt werden.

Unbedingt lesen!!!

HPK

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