Der Titel ist hochgradig provozierend. Evolutionstheorie und Kreationismus stehen sich nicht bis an die Zähne bewaffnend, unversöhnlich gegenüber, sondern in Trauter Zweisamkeit  nebeneinander.

Robert Wright ist ambitioniert. Ihm geht es um die Beantwortung der Fragen: Wie wurden Gott und die monotheistischen Religionen zu dem, was sie heute sind? Inwieweit determinieren externe Gegebenheiten die Inhalte religiöser Botschaften? Seine Ausführungen bewegen sich deutlich jenseits religiös-traditioneller Dogmatik und der militant-agressiven Rhetorik des engagierten Atheismus. Sein Ansatz wendet sich an Leser, deren intellektuelle Offenheit sich nicht in die Zwangsjacke des üblichen „entweder oder“ Disputes pressen lassen will.

Den religionshistorischen Ausgangspunkt bilden die Schamanen der steinzeitlichen Jäger und Sammler, von da aus führt der Weg zur Göttervielfalt der Sumerer, Ägypter, Babylonier , Griechen und Römer. Der grösste Teil des Buches ist schliesslich der Entwicklung und Geschichte der 3 abrahamischen Religionen  gewidmet, Judentum, Christentum und Islam. Instrumente der Analyse sind, neben akribischer Textanalyse der Originalschriften, Evolutionspsychologie, Archäologie und Spieltheorie.

Ich zitiere aus dem Original: „ Die Schriften sind, unter der Oberfläche, Landkarten religiöser Toleranz und Intoleranz, Wegweiser zum Geheimkode der Weltrettung. In „win-lose“ Perspektiven entsteht die Tendenz in den Schriften die Basis für Intoleranz und Krieg zu suchen. Bei „win-win“ Perspektiven ergeben sich Toleranz und Verständnis gegenüber denen, die anders sind und anders denken.“

Robert Wright liefert ein, bis ins Mark, materialistisches, Konzept der Religion, das dennoch vereinbar bleibt mit einem tief religiösem Prinzip, der Suche nach Orientierung und Trost in einer chaotischen Welt.

Wenn dann irgendwann mal die deutsche Übersetzung erscheinen sollte, empfehle ich allen gläubigen Christen und eingefleischten Atheisten…

Unbedingt lesen!!!

HPK

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3 Kommentare zu “„The Evolution of God“ – Robert Wright oder „Der Werdegang Gottes“”

  1. business review (Montag, der 28. März 2011)

    Nur 16 Prozent der Befragten meinten in einer Befragung ihr Glaube wirke sich auf ihre politischen Einstellungen aus. Menschenrechte werden aus der Sicht muslimischer und christlicher Jugendlicher deutlich unterschiedlich wahrgenommen.

  2. Chris Wood (Montag, der 28. März 2011)

    Dear Peter, some of your review is hard to understand. How can evolution „theory“ and creationism be even partly reconciled? Evolution has more scientific evidence for it than any other scientific theory. The word „theory“ should not be interpreted to mean that it is liable to be disproved, (although this is theoretically possible).
    We all accept it as possible that some sort of God created the universe. Dawkins and I and other „Brights“ just find it unlikely. But creationism goes much further than this, stating that God created every species individually. He or She must then have left all the evidence for evolution lying around to fool us.
    And who do you mean by „militant aggressive rhetoric of engaged atheism“. If you mean Hitler, Stalin, Mao and Poll Pot, I can agree with you, except that they were not clearly atheist. If you mean Dawkins and others like him, I can only assume that you have not read much of his stuff. Despite contrary rumours, it is all pretty reasonable. The only objection to him is that he overrates knowledge compared with happiness, (as I do too). Regular Church-goers seem on average slightly happier than the rest of us. If ignorance is bliss, it is folly to be wise.

  3. Enno (Freitag, der 1. April 2011)

    Nein Chris, Kreationisten glauben nicht zwangsweise an die Schöpfung jeder einzelnen Spezies. Schau dir einfach auch mal die christliche/theistische Argumentation an. Da gibt es viele verschiedene.

    Ist „Der Werdegang Gottes“ der deutsche Titel? Habe bei Google nix gefunden :-/

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