Hans-Peter Kühn
Samstag, der 16. Januar 2010

„Blink“ – Malcolm Gladwell oder „Don’t think…Blink“

blinkMenschen sind mühevolle Wesen. Sie glauben an hart erarbeitete, tagelang durchdachte, sorgfältig überprüfte Erkenntnisse und runzeln zweifelnd die Stirn über das, was sie anspringt, ihnen spontan aufgeht, sie in sekundenschnelle überkommt, im Bauch kitzelt. Unsere Programmierung ist weder neuro-linguistisch noch postmodern sondern eher gutbürgerlich, jüdisch-christlich. „Ohne Fleiss keinen Preis“ bringt höhere Effizienz als Vertrauen in die mühelos-brillante Intuition des ersten Augenblicks. Der Geruch von Bratkartoffeln bringt mehr wellness als das Prickeln des Champagners.

Am Beispiel der Geschichte um einen Kouros (das ist hier natürlich nicht Ihr bevorzugtes Eau de Toilette von Yves St. Laurent sondern die Statue eines griechischen Jünglings), der von einem renommierten amerikanischen Museum teuer erworben wird, zeigt Gladwell, dass das erste, blitzartige, eingebungsartige Gefühl eines Experten bessere Ergebnisse liefern kann als langwierige Untersuchungen mit komplexen Apparaturen. Im Zuge eines „Blink“, eines „Augenblicks“, eines Lidschlags  wird Erfolg erzielt, wo wissenschaftliche Methoden und rationelle Analysen kläglich versagen.

Wie weit und wann sollen wir unserer Intuition vertrauen? Wo stimmt der erste Eindruck? Wo nicht? Wie funktionieren die Mechanismen des adaptiven Unbewussten? Verbessern zahlreiche Informationen tatsächlich unser Urteilsvermögen?

Leider verhallen derartige Fragen unbeantwortet, der Leser steht allein auf weiter Flur.

Es verbleibt eine hochgradig unterhaltsame, amüsante, lehrreiche Ansammlung von erstaunlichen, spannenden Geschichten, Episoden und Experimenten rund um die „Macht des Moments“. Für „Speeddatejunkies“ ist die Lektüre von „Blink“ ein Jungbrunnen voller Motivation und Selbstbestätigung. Alle anderen werden das Buch als kurzweiligen Spass zum Nachdenken schätzen.

Das klingt eigentlich gar nicht übel!!!

HPK

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