Hans-Peter Kühn
Sonntag, der 22. März 2009

Ken Follet’s «Die Tore der Welt» oder «Flug nach Sidney»

Hans Peter Kühn wird in IF-Blog in der Kategorie Buchbesprechung gemeinsam mit anderen Autoren Bücher vorstellen und besprechen. Er startet mit Ken Follet’s „Die Tore der Welt“, im englischen Original: „World Without End“.

Ken Follet

Ken Follet

Die 1.237 Seiten der englischen Taschenbuchausgabe sind ein ausgesprochen angenehmer, kurzweiliger Reisebegleiter.

Glücklicherweise liegen die „Säulen der Erde“ bereits über 10 Jahre zurück, die „Tore …“ sind auch eher ein „da capo al fine“ des Vorgängers oder bestenfalls seine Neuinszenierung. Dennoch zieht mich bereits in der „departure lounge“ Follet’s mittelalterliche Welt in ihren Bann. Die Landschaften und Kleinstädte seines Universums sind grobgeschnitzt, farbenfroh, wie die hölzernen Ritterburgen unter den Weihnachtsbäumen unserer Kindheit, seine Akteure  buntbemalte Elastolinfiguren, die wir in den Schaufenstern des Spielwarenhändlers an der Ecke bestaunten. Sie bewegen sich durch das halbe Dutzend Handlungsstränge ihrer Geschichte, wie die Helden eines Rollenspiels in der farbig leuchtenden Welt auf dem Flachbildschirm.

Langweile kommt hier nicht auf. Ohne Anstrengung hangeln wir uns durch ein Gewirr von sanften „cliffhangern“. Der Nervenkitzel ist eher leicht, in dieser Welt können die „Guten“ nur gewinnen, die Spannung erwächst mehr aus ihren geschlungenen Wegen. Die Reise ist interessant, nicht die Ankunft.

Follet belastet sich nicht mit pseudohistorischem Brimborium. Sein Mittelalter ist eine Zeit wie unsere, nicht dunkler und nicht heller. Liebe, Hass, Niedertracht, Grossmut, Neid, Ehrgeiz, Selbstlosigkeit und Güte, Schönes und Hässliches bilden ein dichtes Gewebe von Klischees, wir plätschern „relaxed“ und amüsiert in den seichten Gewässern einer Story ohne abyssale Tiefen.

„Ladies and gentlemen, in a few minutes we will be landing in Sidney“. Der Riesenbogen von Habour Bridge und die elfenbeinerne Muschel der Oper unter mir strahlen im Licht der Morgensonne. Die „Welt ohne Ende“ bleibt auf dem Fensterplatz zurück, sie wird mir nicht fehlen, der Dank des Finders ist mir sicher und mein Handgepäck wird gute 600g leichter sein.

HPK

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