Hans-Peter Kühn
Mittwoch, der 2. Dezember 2009

Zeitloses Reisen für Zeithaber – Auf Schienen nach Tibet – Folge 15

Lhasa – Shigatse – Lhasa

k9_Tibet_19Die asphaltierte Strasse verläuft zunächst parallel zum sandigen Lauf des Kyichu, überquert ihn etwa eine Stunde hinter Lhasa und windet sich an graubraunen, nackten Gebirgshängen in die Höhe. Der Motor unseres Toyota Jeeps brummt gemächlich, trotz Steigung und immer dünner werdender Luft.

Die weisse Wolkendecke spiegelt sich im fleckenlosen blau der Mäander eines langgezogenen Bergsees, umgeben vom sanften hellbraun des vegetationslosen Hochgebirges. In über 5.000m durchqueren wir Geröllhalden in engen Hochtälern, am Fusse weisser Gletscher. Die Gipfel kulminieren hier bei weit über 6.000m. Scheu ducken sich Nomaden und Yaks auf steinigen Weiden. Migranten der Einsamkeit im grenzenlosen Universum majestätischer Stille, auf dem Dach der Welt.

k9_Tibet_16Kurz vor Sonnenuntergang begrüsst uns das chinesisch kitschig überladene Dekor des Shigatse Hotels in 3.900m Höhe.

Der Rückweg schlängelt sich entlang des Tsangpo, der im Golf von Bengalien zum mächtigen Brahmaputra anschwillt. Zeitweise fächert sich der gewundene Lauf des Flusses in mehrere Arme und bildet Mäander mit kleinen Sandbänken. Sein fruchtbares Tal ist die Wiege des tibetanischen Volkes und seiner ersten Könige. Das sanfte grün der Felder verliert sich in sandigen Hängen. Hinter felsigen Hügeln blinken golden die Dächer von Tempeln. Zwischen den Häuserwürfeln der Dörfer trocknet der Kuhdung in langen Mauern.

Die Behausungen sind rechteckige Konstruktionen aus Lehmziegeln oder Steinen, mit zwei bis drei Stockwerken. Die weissgekalkten Aussenwände tragen ein Flachdach, auf den Ecken wehen Gebetswimpel von kleinen Türmen. Fenster und Türen sind mit schwarzer Farbe oder bunten Balken umrandet. Die Fransen bunter Baldachine streichelt der Wind.

Praktische Hinweise

Die Angaben der chinesischen Botschaft in Paris waren eindeutig. Für Tibet ist eine spezielle Einreisegenehmigung erforderlich, diese bekommt man nur in Beijing, die Prozedur beansprucht 2 Wochen.

Das beijinger Büro des „Maison de la Chine“ verkauft uns eine 5 Tage Reise nach Tibet, all inclusive, Hin- und Rückreise mit der Bahn 1. Klasse, 4 Sterne Hotel, Toyota Jeep, Führer und Chauffeur, Vollpension, alle Eintrittstickets, für 1.000€ pro Person. Wir konnten innerhalb von 2 Tagen abreisen, von Sondergenehmigung keine Rede.

Einzige Auflagen: Man darf nicht Journalist sein und Polizei sowie chinesisches Militär in Tibet auf keinen Fall fotografieren. Man muss von einem Führer begleitet werden.

* Logis

Lhasa Hotel – No. 1 Ming Zu Road – Lhasa

Entspricht in allen Punkten dem internationalen 4 Sterne Standard. 72€ pro Nacht im grossen Doppelzimmer (2 king size Betten). Zentrale Lage.

Shigatse Hotel – No. 12 Shanghai Middle Road – Shigatse

30€ pro Nacht in kleinem Doppelzimmer. Entspricht  2 – 3 Sternen im internationalen Standard. Das überladene chinesische Dekor wirkt für manche exotisch, für andere störend.

* Restauration

Ähnliche Preise wie in Beijing, Tendenz etwas billiger.

* Höhenlage

Schweisstreibende Aktivitäten verursachen Kurzatmigkeit. Das ist bei 3.600m normal. Schlafstörungen und Kopfschmerzen können auftreten.

HPK

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