Hans-Peter Kühn
Mittwoch, der 18. November 2009

Zeitloses Reisen für Zeithaber – Auf Schienen nach Tibet – Folge 9

VI.  Irkusk – Ulaan Baator    8.6.09  –  10.6.09

k4_Irkusk_Ulaan Baator_1Nur ein einziger Wagen fährt bis Ulaan Baator, der Rest des Zuges leert sich in Oulan Oude und wird an der Grenze abgehängt. Wir teilen unser Abteil mit einem Chinesen aus Boston und einem jungen Iren, der nach seinem Studium und vor der Jobsuche noch mal richtig unterwegs sein will. Die Einrichtung trägt deutliche Spuren jahrelanger Abnutzung, ist jedoch sauber und durchaus komfortabel. Das Publikum ist kosmopolitisch: Engländer, Holländer, Spanier… Es herrscht freudige Erwartung, in der Mongolei wird es endlich exotisch und billig.

Im Schneckentempo verlassen wir Irkusk, bei Einbruch der Nacht.

k4_Irkusk_Ulaan Baator_2Der Sonnenaufgang beleuchtet leicht onduliertes Flachland, Wiesen mit kargem Baumbestand, einen Flusslauf und später eine Reihe von Seen. Mit dem Aufsteigen der Sonne wird die Landschaft arider, Bäume und Büsche verschwinden, der grüne Teppich wird zu grauem Staub und vertrockneten Grasbüscheln.

Russische Pass-und Zollkontrolle erfolgen in Naouchki. 30 Minuten vor der Ankunft verschliesst das Zugpersonal sämtliche Toiletten und Waschräume… für die kommenden 9 Stunden. Schlechte Zeiten für Prostataleidende und Durchfallgehetzte.

Die Ausdehnung des Bahnsteiges erinnert an den Roten Platz, das Volumen der Verwaltungsgebäude an eine blühende Handelsstadt, die öffentlichen Toiletten an ein 5 Sterne Hotel. Erleichterung kostet 8 Rubel (0,20€).

Der Bahnhof ist leere Verpackung, potemkinsche Kulisse. Der Rest sind verdörrte Pappeln, schmutzige Sandwege und tanzende Staubwirbel vor grauen Mietskasernen. Ein Kind wippt auf einer verrosteten Schaukel, trister Zeuge einer trostlosen Welt. Schamhaft versteckt sich ein erbärmlicher Laden jenseits des Bahnhofs, einsam steht unser Wagen auf verlassenen Gleisen.

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Naouchki ist weder Abfahrt noch Ankunft, Naouchki ist Nichts. Die Zeit steht still.

Eine Lokomotive erlöst uns, die Passkontrollen sind endlos, die Zollformalitäten penibel. Langsam rollen wir gen Mongolei.

In Sükhebaatar weht frischer Wind, die mongolischen Kontrollen sind zügig, auf dem Bahnsteig warten Passagiere, wir hängen uns an den Zug nach Ulaan Baator.

Praktische Hinweise

Speisewagen ist Fehlanzeige, Reiseproviant aus Irkusk überlebenswichtig.

HPK

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