Klaus Hnilica
Dienstag, der 14. Februar 2017

Auweia – Europa – was ist denn das?

Vermutlich weiß gegenwärtig niemand, was dieses so genannte ‚Europa’ eigentlich für ein Gebilde ist, das da wirtschaftlich vor sich hindümpelt, mit steigender Arbeitslosigkeit in den Krisenländern kämpft, das politisch zerstritten ist und in dem Bürger und Eliten sich zunehmend anfeinden, weil sie sich nach sieben Jahren Eurokrise plötzlich auch noch einem nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom aus Afrika und dem Nahen Osten gegenüber sehen?

Ist das der Untergang dieser ‚europäischen Kunstgebilde,’ Europäische Union (EU) und Währungsunion, in dem keine der inkludierten Staatsführungen ein verbindendes Narrativ aufzuzeigen vermag, so dass ersatzweise das dümmliche Geschrei rechter Spaltpilze von einer allein gelassenen Bürgerschaft wie Gralsbotschaften aufgesogen werden?

Oder ist dieses diffuse Gebilde EU deshalb dem Untergang geweiht, weil alle Grenzen offen bleiben müssen? Da sonst der Euro scheitert, wie die deutsche Kanzlerin ihrer Bevölkerung droht und der sie gleich noch in die Stammbücher schreibt, dass sich eine 3000km lange Grenze wie Deutschland sie hat, ohnehin nicht kontrollieren lässt. Genau wie der EU das mit ihrer 14000km – Grenze nicht gelingen wird!

Und wer da besserwisserisch den ‚Schengen–Knüppel ‚ schwinge und meine, dass die Kontrolle dieser Außengrenze doch auf jeden Fall realisiert werden hätte müssen, nach dem Wegfall der  Binnengrenzkontrollen, der habe wohl aus der ebenfalls von den Amerikanern angezettelten Weltfinanzkrise nicht die Bohne gelernt: denn wer habe sich denn damals um die Regeln von Maastricht geschert, als die einzelnen Staatsführungen reihenweise ihre Banken retteten, weil die ökonomischen Lenkungswerkzeuge kläglich versagt hätten, wie sie meinten, und man sich deshalb natürlich gezwungen sah zum ‚Primat der Politik’ zurückkehren?

Und dabei wird geblieben! Basta! Denn über Rettungspakete und weiche Budgetbeschränkungen lassen sich doch mit der ‚EZB des Herren Draghi’ herrlich die Zinsen niedrig halten und ohne jedes Schamgefühl  sogar noch weiter Kredite aufnehmen, ohne sich mit Schuldenabbau und Strukturreformen verzetteln zu müssen, wie dies die üblichen Querköpfe fordern!

Blöd nur, dass Teile der Bevölkerung in der EU und Währungsunion trotzdem immer unzufriedener werden: massenweise laufen die im Süden den Linksparteien zu und im Norden und Osten den Rechtsextremen und Nationalkonservativen, statt sich endlich an ihre Nasen zu fassen und ein Beispiel an Deutschland zu nehmen – bei der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und der Energiewende! Das wär’ doch ein Leichtes, oder?

Selbst auf die Gefahr hin, dass der eine oder andere Klugscheißer dann wieder meine, dass Deutschland aus gut gemeinten Gründen durch unabgestimmte Politik das Falsche tue und damit das Friedensprojekt eines geeinten Europas aufs Spiel setze, wie etwa dieser Historiker Heinrich August Winkler, der da sagt: „Zur deutschen Verantwortung gehört auch, dass wir uns von der moralischen Selbstüberschätzung verabschieden, die vor allem sich besonders fortschrittlich dünkende Deutsche aller Welt vor Augen führen. Der Glaube wir seien berufen gegebenenfalls auch im Alleingang das Gute zu verwirklichen, ist ein Irrglaube. Er darf nicht zu unserer Lebenslüge werden!“

Hm – wie verwirrend! Das ist doch nie und nimmer die Meinung unserer Kanzlerin?

Aber vielleicht hat der gute Mann trotzdem Recht?

KH

3 Kommentare zu “Auweia – Europa – was ist denn das?”

  1. rd (Dienstag, der 14. Februar 2017)

    Lieber Klaus,
    Dein Bild sagt doch alles.

    Die Politiker Europas sind gefangen zwischen der Oligarchie der Parteien und der Herrschaft der Lobbyisten. Sie treten auf wie schlechte Kabarettisten und mogeln sich mit moralischen Belehrungen durch. Sie beschwören Werte, die sie nicht interessieren. Schlimmer, offensichtlich wissen nicht mal was diese bedeuten.

    Das geht gut, weil wir in der EU immer noch auf einer Insel der Seligen leben, die beliebige Wohlstandsreserven zu haben scheint und einen Reichtum produziert, der schier unfassbar ist. So lebt es sich für die Mehrheit bei uns immer noch recht angenehm. Die banale Erkenntnis, das dieser Wohlstand nur funktioniert, weil wir Dritte und die Umwelt in unvorstellbarem Masse ausbeuten, ignorieren wir.

    Und jetzt kommt Martin Schulz, der ein Meister des Strippenziehens zu sein scheint. Im Europa-Parlament hat er all das maßgeblich vorangetrieben und unterstützt, was Europa schadet und uns weh tut. Er wird als Retter der SPD gefeiert, weil er es schafft, populistische Sätze relativ authentisch wiederzugeben. Dies und die Unbeliebtheit seines Vorgänger sind die Gründe dafür, dass die SPD plötzlich die von CDU/CSU in den Wahl-Umfragen überholen.

    Gleichzeitig grüßt Madeira und ein Deutscher Minister feiert euphorisch eine Mangofabrik in Afrika, die letzten Endes Strukturen vernichtet und Ostafrika noch mal kräftig mit Plastik verseucht.

    Derweil wird das Verhalten der etablierten Politiker immer mehr als Heuchelei und Scheinheiligkeit wahr genommen und treibt die Menschen in die Arme der sogenannten Populisten.

    Wenn es nicht so lustig wäre müsste man weinen. Und mir bleibt mal wieder nur die morbide Freude am Untergang eines miserablen Systems.

  2. rd (Dienstag, der 14. Februar 2017)

    Das auf dem Bild könnten auch Carl & Gerlinde sein 🙂

  3. KH (Dienstag, der 14. Februar 2017)

    Ja lieber Roland dieser Gedanke drängt sich einem fast auf. Doch soweit ich weiß ist Gerlinde schlanker und Carl trägt keine Brille – aber mit diesem Herrn Martin Schulz tun sie sich auch beide schwer, und der aktuelle Zustand Europas erfüllt sie auch mit Sorge…

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