Klaus Hnilica
Donnerstag, der 10. Februar 2011

Die Blattlaus und der Garten Eden

Carl und Gerlinde (III)

Auf das Gequatsche vom Garten Eden hatte Carl noch nie was gegeben!

Acrylmalerei "Blattlaus vor Sukkulente" von Martina Roth

Ja, sein Lieblingscafé hieß so – gut – und Gerlinde fing auch manchmal davon an. Das war’s aber dann schon!

Aber unlängst hatten sie ihm doch tatsächlich im Cafe „Zum  Garten Eden“ so ein komisches Bild von einer Blattlaus vor die Nase gehängt, das eine Martina Roth gemalt hatte, die behauptete – aufgepasst – dass diese Laus wirklich etwas mit dem Garten Eden zu tun hat…

Ist das nicht zum Schreien komisch?

Gelegentlich entsteht im Kopf
Bei Mensch und Tier – wie Wiedehopf,
Das Wunschbild einer heilen Welt,
In der gelebt und liebt wird ohne Geld
Und Met und Honig fließt in Fülle,
Wie beim Pulen sonst die Gülle!
Da kann’s passieren, in dem Dunst,
Dionysos’  und seiner Kunst,
Dass Stimmen hörbar, raunend, reden
Vom nicht mehr fernen „Garten Eden“…

Doch Carl, echt, erscheint dies schal,
Er mag das Raunen nicht, zumal
Es meist den Geist verwirrt abstrus
Und breiig macht wie Apfelmus!
Er liebt es handfest, will verstehen,
Den „Garten Eden“ wirklich sehen…
Will sitzen drin mit seinem Hintern,
In heißen Sommern, kalten Wintern
Will mit Gerlinde dort auch reden
Was denn sonst im  „Garten Eden“?
Drum geht er gern gleich in der Näh
Zur Gärtnerei mit dem Cafe!

Wo üppig wuchern bunte Blumen
In Kübeln voller Ackerkrumen
Bei Cappuccino, Kuchenteilchen
Blickt man schön auf Alpenveilchen!
Und Tulpen, Nelken, weiße Spiere
Ranken sich um Schnaps und Biere;
Fuchsien, Astern und Geranien,
Zieren Weine frisch aus Spanien
Und Hortensien in Gruppen
Wachsen fast aus Gulaschsuppen,
Ja, der Carl kennt hier jeden
Im Cafe „Zum Garten Eden“!

Hier kann er auch gemütlich träumen
Vor Gläsern, die fast überschäumen,
Von Eden – wo es  besser ist:
Wo keiner mehr den andern frisst!
Wo Löwen nur an Rüben knabbern,
Nicht ihr Maul mit Blut voll sabbern,
Wo Panther, Gepard, Gnu und Has’,
Balgen froh im Steppengras;
Libellen tanzen flott mit Mücken,
In Tümpeln heiß, auf Krötenrücken.
Und Gazellen hört man tuscheln,
Wenn sie mit Tigers zärtlich kuscheln…

Selbst die Blattlaus, schont das Blatt,
Das Eva an der Stelle hat,
Wo dem Adam streng verboten
Hinzulangen mit den Pfoten!
Bis – jawohl, dem Carl wird bange,
In seinem Traum – sich zeigt die Schlange…
Sie droht der Laus, sagt ‚du musst saugen’!
So dass das Blatt vor Adams Augen
Zusammenrollt zu einer Tolle
Und schamlos bloßlegt Evas Wolle.
Adam reizt das, sonst verklemmt,
Erkennt er Eva ungehemmt.
Und zwar echt im Sinn der Bibel;
Carl scheint das sehr plausibel!
Drum träumt er weiter – wie fatal –
Den angestoßnen Sündenfall:
Denn als die Blattlaus saugt am Blatt,
Will auch ein Käfer, was sie hat,
So dass der dreist das Läuschen melkt
Bis das Feigenblatt verwelkt!

Und da er immer noch nicht satt,
Nascht er auch die Laus vom Blatt.
Als er schmatzend um sich guckt,
Kommt prompt ein Frosch, der ihn verschluckt!
Der sieht vom Storch erst nur den Schnabel
Und zappelt dann, wie auf der Gabel…
Lachend checkt das die Hyäne,
Reißt den Storch sowie zwei Schwäne,
Und während sie noch daran kaut,
Würgt eine Boa unverdaut,
Das Tier hinunter und vergisst,
Dass  Krokodil – auch Schlange frisst…

Der Carl lacht und nippt am Bier –
So ist das halt mit dem Getier:
„Es frisst doch wirklich jeder jeden,
Was soll denn da der Garten Eden!“
Er sagt das laut, so vor sich hin,
Gerlinde hört’s – sieht keinen Sinn,
Sie meint nur  – ach Gott der Carl
Spricht mit sich, wie jüngst in Marl…
Doch der schmunzelt – lüstern, satt,
Sieht schon Gerlinde ohne Blatt
Und sich selbst als dralle Laus…
Ruft Ober zahl’n – und drängt nach Haus!

KH

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