Klaus Hnilica
Donnerstag, der 17. Februar 2011

Minderheiten – ein entlarvendes Interview…

Deutschland sollte vorsichtig sein mit Ratschlägen in Sachen Demokratie und Freiheit! Bedeutende Minderheiten sind in diesem Land ohne jeglichen Schutz und die Berichterstattung darüber ist nicht ungefährlich. Hier ein besonders drastischer Fall…

Sie: Natürlich ist es nicht einfach mit Hubert zusammen zu leben; aber man kann sich das ja nicht aussuchen – wo eben die Liebe hinfällt…

Er: Und Sie sind wirklich richtig verliebt in ihn?

Sie: Ja total, von Kopf bis Zeh – Hubert ist einfach toll!

Er: Und was ist dann nicht einfach mit ihm?

Sie: Nicht einfach? Nun – vielleicht seine Unstetigkeit und Rastlosigkeit? Hubert ist ein einziges vibrierendes Nervenbündel mit einer ungeheueren Dynamik: ständig in Bewegung! Und ab Mitternacht ist er praktisch nicht mehr ansprechbar und immer bis zum Morgen weg…

Er: Mit Ihrem Einverständnis?

Sie: Was heißt Einverständnis? Er geht einfach! Er muss! Die Nacht ist seine Zeit, die darf man ihm nicht nehmen, da lebt er doch erst richtig – er muss ja ans Blut…

Er: Was heißt ans Blut?

Sie: Nun davon lebt er doch…
Na jetzt tun Sie nicht so erstaunt, als hätten Sie das noch nie gehört…

Er: Gehört schon, aber dass das auch tatsächlich statt findet…?

Sie: Natürlich! Daraus ergeben sich ja die Probleme! Was glauben Sie wie schwierig es ist die Blutflecke aus den weißen Hemden raus zu bekommen, die Hubert in der Nacht trägt. Es gibt nämlich einfach kein Waschmittel mit dem man im normalen Waschgang Blutflecke raus bekommt! Ich hab mich da schon dumm und dämlich gefragt und in tausend Drogerien beraten lassen – es gibt sie einfach nicht! Ja die meisten Leute schauen mich sogar an, als käme ich vom Mond, wenn ich mit dieser Frage komme…

Er: Und warum überhaupt diese Blutflecke…?

Sie: Na sie sind mir vielleicht ein Naivling! Was glauben Sie welche Schwierigkeiten Hubert jedes Mal hat, um an seine Objekte, wie er sagt, heranzukommen! Seit dieser Aidshysterie sind doch die Menschen so etwas von reizbar und aggressiv geworden, dass es nicht mehr zu fassen ist! Die wehren sich ja oft stundenlang – bis Hubert zubeißen kann… Das ist nicht so einfach, wie Sie denken…

Und bei dem ewigen Rumgetue tropft natürlich schon mal was auf den Kragen und die weiße Hemdbrust wird auch dann und wann voll gespritzt… Oft kommt er ja auch total abgeschlafft heim, weil sich wieder so ein paar junge Dinger, weiß Gott wie, aufgeführt haben …

Er: Kommt er denn zu Fuß heim?

Sie: Natürlich, was glauben Sie denn. soll er etwa durch den Schornstein sausen? Schön wär’s! Dann müsst er wenigstens nicht so aufpassen, wenn er Blut bespritzt heim kommt und Angst haben jemandem im Treppenhaus zu begegnen, der sich dann wieder das Maul zerreißt…

Er: Fühlen Sie sich denn diskriminiert? Ausgegrenzt?

Sie: In gewisser Weise schon. Das muss ich leider in aller Klarheit sagen. Der Hubert kann sich ja nicht wehren; der hat keine medienwirksame Lobby, die sich für ihn einsetzt. Ja – wenn er schwul wäre oder Migrationshintergrund hätte oder ein Bernhardiner wär’, dann könnte er auf seine Rechte pochen, aber so ist er praktisch rechtlos und allen Anfeindungen und Pöbeleien hilflos ausgeliefert…

Er: Und am Arbeitsplatz?

Sie: Hat er es natürlich auch schwer! Er darf sich ja nie outen, wie man heute sagt, und nie mit Kollegen oder Kolleginnen anfreunden…

Er: Wo arbeitet denn Ihr Partner?

Sie: Ach Sie kennen seine Firma bestimmt! Spätestens, wenn ich Ihnen den Namen vertraulich zuflüstere! Jeder kennt sie…

Er: Das ist doch eine Wurstfabrik? Die gehört doch diesem ganz bekannten ehemaligen…

Sie: Genau wie ich sagte, jeder kennt sie!

Er: Und in welcher Funktion ist Ihr Hubert – wenn ich ihn so nennen darf – da tätig?

Sie: Früher war er voll in der Produktion eingesetzt, was ihm sehr behagt hat, aber neuerdings ist er aufgestiegen, verdient mehr und sitzt zu seinem Leidwesen viel am Schreibtisch…

Er: Und als was sitzt er da, bitte?

Sie: Er ist der Chef der Rezeptur…

Er: Für das gesamte Unternehmen?

Sie: Nein das nicht, aber er ist für das gesamte Sortiment der Blutwürste zuständig…

Er: Na das passt ja…

Sie: Sehen Sie, Sie auch…

Er: Was ich auch?

Sie: Nun mit Ihrer abfälligen Bemerkung‚ ‚na das passt ja’

Er: Aber ich bitte Sie…

Sie: Wenn Hubert, wie gesagt, schwul wär’ oder Roma, würden Sie eine derartige Bemerkung bestimmt nicht gemacht haben – aber bei ihm kann man das ja machen!

Er: Entschuldigen Sie bitte vielmals, das war wirklich gedankenlos von mir …

Sie: Dabei hat der Hubert ja sogar Abitur, wenn ich das einmal sagen darf! Und einen IQ, den Sie bei keinem „Bluter“ finden! Aber über die Bluter äußert sich natürlich nie jemand abfällig, obwohl deren Blut ja echt zum Kotzen ist und vollkommen ungenießbar für uns…

Er: Was heißt uns?

Sie: Na für Hubert und mich…

Er: Was Sie auch?

Sie: Natürlich! Warum meinen Sie denn, dass ich den Termin für unser vertrauliches Interview auf Mitternacht gelegt habe!
Und die einsame Kapelle ist ja auch nicht gerade ein üblicher Treffpunkt…

Er: Oh Gott – ausgerechnet – dabei wollte ich gerade dieses Mal in der „Sonntagszeitung“ voll für Ihre Rechte eintreten und einen konsequenten Schutz ihrer gefährdeten Minderheit verlangen und…

Sie: Schade! Aber ihr heller bartloser Altherrenhals ist einfach zu verlockend, in so etwas Schlappriges hab ich noch nie hineingebissen, das müssen Sie verstehen…
Und still halten, bitte, ich will mir nicht noch meine letzte weiße Bluse versauen…

KH

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