Klaus Hnilica
Samstag, der 28. Oktober 2017

Rumpelstilzchen versagt – ein Bericht aus der realen Märchenwelt

Wissen Sie – ich hab’ als Kind schon das Rumpelstilzchen geliebt! Das war so spannend, wie es da im finsteren Wald vor einem Feuerchen tanzte – und „ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, geträllert hat! So aufregend war das, dass ich gar keine Worte dafür finde…

Ja und auch wie es dann schon ein paar Sätze weiter in der Geschichte sich vor der Königstochter zerrissen hat – herrlich! Welch eine Konsequenz und Tapferkeit – sich einfach so zu zerreißen! Ich hab’ dieses eindringliche Bild immer in mir getragen!

Und nun die Ernüchterung! Diese unappetitliche „Rumpelstilzchenaffäre“! Sie haben das sicher auch in der Presse gelesen: es geht da um eine Affäre zwischen dem europäischen Hochadel und einem deutschen Müller!

Königs und Müllers sollen zusammen ein übles Ding gedreht haben bei dem es um viel Geld geht!

Europäisches Geld – versteht sich!

Und zwar soll der besagte Müller – genauer ein gewisser ‚Soja-Müller’ – mit dem weltgrößten Sojamehl Versandhaus im Rücken,  zusammen mit einem höchst respektablen europäischen Königshaus versucht haben – aus Stroh Gold zu machen!

Und das obwohl er, der Müller, gar kein Stroh hat, sondern nur ‚Sojakuchen’! Also praktisch nur den Abfall aus der Sojamehlherstellung – aber kein Stroh!

Dabei hätte es für Stroh aus dem Landwirtschaftsfond der Europäischen Kommission ordentlich Subventionen gegeben, aber nicht für Kuchen, also ‚Sojakuchen’, versteht sich!

Für die Aktien des Sojamehl Versandhauses war das natürlich nicht gut! Ja sogar eine regelrechte Katastrophe! Schließlich sind Aktien auch nur Menschen, d. h. hinter ihnen verstecken sich Menschen.

Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen! Genau wie bei des Müllers Töchterchen Annegret, die schon seit jeher eine Riesenschwäche für alles Königliche hatte.

Insbesondere seit dem letzten ‚Opernball in Wien’, wo sie mit einem ganz süßen Jungkönig Linkswalzer getanzt hat, Linkswalzer bis sie schwindlig wurde – und  in die blaublütigen Arme des Jungkönigs gesunken ist.

Arme, die sie wegen des niedrigen Aktienkurses, dann auch umgehend vor den Traualtar geleitet haben. Kein Wunder, dass dadurch nicht nur die Liebe dieser beiden Turteltäubchen hochschnellte, sondern auch die Aktienwerte des ‚Sojamehl Versandhauses’! Und wie die hochschnellten!!

Klar, dass dies ein Raunen in der Welt der finanzstarken Oligarchen auslöste und schon nach wenigen Tagen ein so genanntes ‚Rumpelstilzchen’ auf den Plan rief; eines von dem niemand wusste wer es war und woher es kam und wie es wirklich hieß?

Doch emsig wie es war, dieses ‚rumpelnde Stilzchen’, hatte es im Handumdrehen mit den Stimmen Rumäniens, Bulgariens und des frisch vermählten Königreiches bei der Europäischen Kommission eine Mehrheit dafür erreicht, dass ‚Sojakuchen’ zukünftig als Stroh deklariert werden darf und somit durch EU – Gelder vergoldet wird!

Unglaublich was so ein Rumpelstilzchen alles kann, und gut dass niemand weiß wie es wirklich heißt…

Dass bei diesem ‚Deal’ auch der österreichische Rum-Hersteller namens ‚Stroh’, mit einer größeren Liefermenge seines 85%-tigen ‚Stroh-Rums’ an den EU – Ratspräsident Junker, als solch ein Rumpelstilzchen fungiert haben soll, ist allerdings eine dieser hässlichen „Fake News“ aus Russland, die einzig und allein dazu dienen, die Europäische Union zu destabilisieren!

Was ja bei Putin niemand mehr überrascht!

Genau so wenig, wie die Meldung, dass die frisch vermählte ‚Sojamehl Königin’ angeblich durch dieses plötzlich aufgetauchte Rumpelstilzchen geschwängert worden sei – und nicht durch den europäischen Hochadel?

Was für eine weitere bodenlose Verleumdung! Nicht einmal ihren feschen Pilates Trainer haben diese lausigen russischen Hacker bei ihrer Desinformationskampagne der jungen Königin zugestanden. Das ist wirklich zum Junge kriegen!

Was ja auch prompt passiert ist.

Immerhin erklärt diese üble Schwangerschaftsverleumdung, warum Rumpelstilzchen unbedingt das neugeborene Kind der jungen Königin an sich reißen wollte? Natürlich weil es einen Vaterschaftstest verhindern wollte, und überhaupt nicht heiß drauf war, für sein segensreiches Tun, auch noch ein  Rumpelstilzchenleben lang Alimente zu zahlen! Klaro!!

Ähnlich ging es der Königin, die ihrerseits ihr Neugeborenes auch ohne jeden Vaterschaftsnachweis behalten wollte! Und das per Twitter sogar postwendend, samt ihren 10 Millionen Followers, dem Rumpelstilzchen unter die lange Nase rieb!

Hätte sie lieber nicht tun sollen! Die königliche Hoheit! Dieses Herumtwittern! Denn der amerikanische Geheimdienst hat mitgelesen, und ebenso postwendend dem angeblichen russischen Rumpelstilzchen wegen versuchten Raubes eines Königskindes mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht…

Nicht glaubwürdig – und für mich persönlich auch sehr, sehr enttäuschend ist allerdings – dass sich daraufhin dieses unbekannte Rumpelstilzchen angeblich wutentbrannt zerrissen haben soll! Genau wie seinerzeit im Märchen!!

Und das vor den blauen Augen der sojamehligen Königin, die von ihrem Kind nicht lassen wollte! Schrecklich – nicht wahr? Sich einfach so durchzureißen! Der Länge nach – von unten nach oben! Grauslich!

Wo man doch heute nach fast 300 Jahren kultureller Weiterentwicklung so etwas viel eleganter mit einem Sprengstoffgürtel aus dem Internet erledigen kann!

In den Medien wär das auch viel besser rüber gekommen!

Und jeder von uns hätte nach der Selbstsprengung des Rumpelstilzchens vor der Königin, dieses schreckliche Geschehen bestimmt zeitnah über sein Smartphon von irgendeiner Videoüberwachungskamera herunterladen können – d. h. wir wären alle dabei gewesen – ganz Europa wär dabei gewesen!

Auch die übliche stereotype Verurteilung dieser feigen und abscheuenswürdigen Tat durch die Politik hätte viel mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht – als dieses stille, egomanische ‚Sich – Selbst – Zerreißen’ des Rumpelstilzchens!

Zu dem sich nicht einmal der IS bekannt hat!

Schade ist das! Schade, dass Rumpelstilzchen so versagt hat! Von so einer Sprengung hätten doch alle etwas gehabt? Auch Sie, Sie und Sie! Ja wir alle. Europa wär durch diese Selbstsprengung echt zusammengesprengt worden! Endlich wäre zusammengesprengt worden –  was zusammen gehört! Schade, wirklich schade…

KH

PS: Das herrliche Poster ist von Meike Schwagmann aus der Autorengruppe ‚ZwanzigZehn‘

1 Kommentar zu “Rumpelstilzchen versagt – ein Bericht aus der realen Märchenwelt”

  1. rd (Samstag, der 28. Oktober 2017)

    BRAVO!
    Der Mythos EUROPA’s im 3. Jahrtausend.
    RUMPELSTILZCHEN ist eine gigantische Metapher!

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