Klaus Hnilica
Sonntag, der 28. Januar 2018

Saunaaufguss

Carl und Gerlinde (Folge 56)

Das Jahr 2018 hatte eigentlich super begonnen.

Jedenfalls für Carl. Für Gerlinde sicher auch.

Gleich am dritten Sonntag im Monat, also noch im Januar, nachmittags in die Sauna zu gehen, war eine prima Idee von Gerlinde gewesen.

Natürlich lag sie schon längst splitternackt genüsslich ausgestreckt auf ihrem Saunatuch, als Carl endlich in die überhitze Kabine gestakst kam.

Ihren kritischen Blick, während er seine Handtücher auf der Saunabank arrangierte, kannte und spürte er – der war nicht neu…

Wenn du dich weiter so wenig bewegst, kannst du demnächst meine Büstenhalter übernehmen, kicherte sie flapsig – und schwitzend.

Soll das heißen, dass dir deine Brüstchen eigentlich zu klein sind und uns daher demnächst eine Schönheitsoperation ins Haus steht?, fragte Carl scheinheilig – noch nicht schwitzend.

Nein das mein ich nicht. Ich bin mit meinen Brüsten vollkommen zufrieden.

Also keine Brustvergrößerung mit inkludierter Straffung demnächst, murmelte Carl und streifte immer wieder über sein ohnehin perfekt liegendes Saunatuch. Auch das mehrfach gefaltete Handtuch auf dem Kopfteil lag längst tadellos.

Nein Carl – aber bei dir wär’ allerlei zu straffen, wenn ich dich so anschau’.

Tja – dann schau halt nicht…

Tu’ ich eh meistens nicht, aber manchmal, wie jetzt, passiert es doch und dann muss ich feststellen, dass du ziemlich schwammig geworden bist, lieber Carl.

Carl schwang sich endlich wortlos auf seine sorgfältigst abgedeckte Saunabank. Vorher grinste er Gerlinde noch genervt zu.

Vor allem deine Brüstchen hängen immer mehr und mehr! stellte Gerlinde beharrlich fest.

Hm – und deswegen soll ich mich mit deinen BHs anfreunden?, fragte Carl mit ersten Schweißperlen im Gesicht, am Bauch und zwischen den Gesäßbacken.

Nein das sollst du nicht – aber du könntest ja vielleicht statt dessen etwas weniger Schokolade in dich hineinarbeiten.

Es muss ja nicht jeder deinem Schlankheitswahn frönen und so ein Knochengestell sein, wie du, liebe Gerlinde!

Nein muss man nicht: aber man muss auch nicht so faul und verfressen sein wie du in letzter Zeit, lieber Carl.

Du bist ganz schön biestig heute, sagte Carl. Er wälzte sich von seiner Saunabank umständlich herunter und schöpfte vier Kellen Wasser auf die Saunakohle. Er wusste, dass Gerlinde das zu heiß wurde.

Sie stöhnte auch kurz auf, sagte dann aber: mach’ nur, Carl, das empfindliche Herzchen hast ja du!

Weißt du, Gerlinde, am liebsten würde ich dich unter die kalte Dusche stellen und festhalten bis du wieder zu dir kommst und friedlich wirst.

Dann tu’ s doch, Carl! Du kannst mich auch auspeitschen, aufs Streckbett ketten oder sonst irgendwie quälen, aber…

Was aber?

Aber du könntest auch deine Großhirnrinde aktivieren und vielleicht darüber nachdenken, ob du nicht auch deinen apollinischen Leib einmal etwas quälen solltest, statt immer nur…

Was genau meinst du mit quälen? unterbrach sie Carl gequält.

Ich meine schlicht und einfach, dass du dich mehr bewegen könntest und etwas gesünder ernähren.

Aha, stöhnte Carl und drehte sich schwitzend und ächzend auf seinem Saunatuch nach links, so dass er Gerlinde erstmals im Blick hatte.

Du willst damit wohl andeuten, fuhr er fort, dass bei uns jetzt auch diese ‚neuen Zeiten’ eingeläutet werden sollen!

Gott  wie dramatisch du immer wirst, wenn dir etwas gegen den Strich geht, stöhnte Gerlinde.

Na das muss man ja wohl werden, wenn jetzt statt Sex, Drugs und Rock’n Roll plötzlich mit Laktoseintoleranz, Veganismus und Helene Fischer gedroht wird!

Du immer mit deinen Sprüchen, Carl!

Ja – ich immer mit meinen Sprüchen.

Was ist denn daran so schlecht, wenn man seine Gesundheit im Auge hat und auf seinen Körper achtet? Murmelte Gerlinde in sich hinein.

Tja wenn du nicht verstehst, was ich meine, liebe Gerlinde, kann ich dir auch nicht helfen – aber ich muss jedenfalls an die frische Luft sonst dreh ich noch durch bei soviel überhitztem Schmarren…

Aber Vorsicht, Carl, unsere fette Nachbarin lunzt immer nach deinen Speckhöckerchen und sonst was!

Und du pass auf ihren Rauhaardackel auf, der nagt jeden Knochen an…

KH

4 Kommentare zu “Saunaaufguss”

  1. rd (Sonntag, der 28. Januar 2018)

    Bin wieder zurück aus der Südsee und werde unter anderem im nächsten Artikel vom neuesten Gast in unserem WLAN, meiner neuen „smarten Waage“ von PHICOMM, berichten. Das ist ein tolles Teil!
    Die dazugehörige App informiert mich neben meinem Gewicht über diverse Werte wie BMI, „biologisches Alter“, Körperfett, Typ meiner Figur, Muskelmasse, Knochenmasse, Wassergehalt, Viszeralfett (Bauchfett), Grundumsatz in kcal, Eiweiß und meinen Körperzustand.
    Sie sagt mir auch, wie groß der Anteil meiner Körperteile (Rumpf, Arm und Bein links wie rechts) an Muskelmasse in kg und Körperfett in %) ist. Und vor allem kann ich graphisch die Veränderung dieser Werte mit verfolgen.
    Vielleicht sollte die Gerlinde dem Carl so eine schenken. Ich hätte für die Gerlinde sogar einen Rabatt-Gutschein für das Phicomm-Modell.

  2. KH (Sonntag, der 28. Januar 2018)

    Schön, dass du wieder heil zuhause angekommen bist, lieber Roland.
    Aber deine ’smarte Waage’macht selbst mir Angst. Die ist nur etwas fürdie ‚Helden‘!Ich denke nämlich, dass die wenigsten Männer so genau über sich Bescheid wissen wollen.Von Carl weiß ich das jedenfalls definitiv.Es wär‘ auch nicht auszumalen, was passierte, wenn alle diese von dir genannten Daten in Gerlindes Fingerchen gelangten – das wär‘ echt eine Kathastrophe.Das gäb ja den ‚Gläsernen Carl‘????
    Schlimm!!

  3. MT (Montag, der 29. Januar 2018)

    Der Rauhaardackel für eine tägliche Waldrunde wäre doch schon einmal ein glasklarer Anfang für den armen Carl…

  4. Klaus Hnilica (Montag, der 29. Januar 2018)

    Geht leider nicht! Für eine ordentliche Waldrunde ist der Rauhaardackel der Nachbarin zu fett!

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