Klaus-Jürgen Grün
Mittwoch, der 5. August 2009

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5 Kommentare zu “Kopf oder Bauch”

  1. Enno (Donnerstag, der 6. August 2009)

    Der Homo Oeconomicus wird ja nicht primär als These, sondern als Modell der Wirtschaftswissenschaften verstanden. Und es ist nicht abzusehen, dass das Modell verworfen würde, denn bislang fehlt eine ähnlich gut funktionierende Alternative.

  2. six (Donnerstag, der 6. August 2009)

    Guten Tag Enno, Ihre Aussage ist absolut wahr und dabei sehr entwaffnend. Gäbe es den Homo Oeconomicus nicht mehr, würde das ohnehin schon schwächliche Gerüst der Wissenschaftlichkeit (im Sinne von Voraussage und Kontrolle) der Wirtschaftswissenschaften endgültig zusammenbrechen. Aber darf ein Leitbild auf dem Sockel bleiben, obwohl es in der Außenlogik (also im wahren Leben) nicht funktioniert, nur weil es im Sinne der Binnenlogik (also innerhalb des Fachbereiches) unverzichtbar ist?

  3. Enno (Freitag, der 7. August 2009)

    Moin moin Six,

    ich nehme an, Sie vergleichen die Wirtschaftswissenschaften zu direkt mit den Naturwissenschaften, wenn sie Vorhersage und Kontrolle als wesentliche Kennzeichen von Wissenschaftlichkeit herausstellen.
    Dazu kommen bei zahlreichen anderen Wissenschaften ja noch Erklärung und Interpretation (gerade bei den Sozialwissenschaften) und die Produktion von anwendungsfähigen Methoden (in den Designwissenschaften). Und da können die Wirtschaftswissenschaften, denk ich, durchaus mit anderen Wissenschaften mithalten – sind aber weiterhin auf den Homo Oeconomicus angewiesen, jedenfalls die VWL.

    Im direkten Vergleich mit den Naturwissenschaften muss die Wirtschaftswissenschaft vielleicht tatsächlich als „unwissenschaftlich“ abgestempelt werden, solange man ausschließlich mit den Maßstäben der Naturwissenschaft misst. Aber das ist auch Anspruch nur der wenigsten Wirtschaftswissenschaftler.
    Genauso würden allerdings auch zahlreiche andere Wissenschaftsdisziplinen an diesem Anspruch scheitern.

    Es kommt doch ganz stark drauf an, von welcher Fakultät aus die Messlatte für Wissenschaftlichkeit gelegt werden darf.

  4. Detlev Six (Freitag, der 7. August 2009)

    Guten Tag Enno,

    Sie haben mich erkannt. Das von mir ausgegebene Kriterium ist weitestgehend den Naturwissenschaften entlehnt. Aber nicht ganz: in der empirischen Sozialforschung (in der ich mich ein bißchen auskenne)ist dieses Ideal zumindest im Hinterkopf und wegen seiner Härte hat es ja auch was (das Kriterium). Wenn man Wissenschaft wörtlich nimmt (schafft Wissen) , dann ist es auch nicht abwegig, anderen Bereichen, die nicht das harte Kriterium erfüllen, dieses Label zu verpassen. Aus meiner eigenen Studienzeit (Design, Psychologie) weiß ich aber, dass die Dinge, die ich dort gelernt habe, Praktiken waren, aber als Wissenschaft im Sinne des harten Kriteriums (also Voraussage und Kontrolle) gelehrt, begriffen und verkauft wurden. Und das fand ich saublöd. Nehmen Sie es mir also nicht krumm, dass ich wegen dieser Jugenderfahrung – für die meisten verwirrend – für eine saubere Trennung von Wissenschaft (im Sinne des harten Kriteriums) und Praktiken bin. Falls Sie Wirtschaftswissenschaftler sind – ich wollte Sie nicht beleidigen.

  5. Enno (Samstag, der 8. August 2009)

    Moin moin,
    „Wirtschaftswissenschaftler“ ist für mich zu hoch gegriffen, ich studiere es. Und da ich vorwiegend BWL mache, die häufig weder Methodisch besonders sauber arbeitet noch Erkenntnisgewinne liefert, macht mir Kritik an den Wirtschaftswissenschaften nichts aus. Ich merke ja selber, wie es um sie bestellt ist.
    Nur die VWL musst ich dann doch in Schutz nehmen.

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