Klaus-Jürgen Grün
Montag, der 29. September 2008

Natürliches und Übernatürliches

Die Bereitschaft zur Unwissenheit – Ein Nachwort zur Papst-Euphorie

Wahrheitsfreunde

In seinem berühmten Dialog Über Religion legt Arthur Schopenhauer dem Wahrheitsfreund Philalethes die folgenden Worte in den Mund: „Denn, du weißt es, die Religionen sind wie die Leuchtwürmer: sie bedürfen der Dunkelheit um zu leuchten. Ein gewisser Grad allgemeiner Unwissenheit ist die Bedingung aller Religionen, ist das Element, in welchem allein sie leben können. Sobald hingegen Astronomie, Naturwissenschaft, Geologie, Geschichte, Länder- und Völkerkunde ihr Licht allgemein verbreiten und endlich gar die Philosophie zum Worte kommen darf…“ Betrachten wir einmal das Bündnis der katholischen Kirche mit der Unwissenheit des Volkes und fragen uns, ob auch die katholische Religion noch heute auf jenen „gewissen Grad an allgemeiner Unwissenheit“ setzt und ob wir es uns heute in einem von Pisa-Studien gebeutelten Bildungsklima noch leisten können, mit Absicht Unwissenheit zu verbreiten?

Das Verwischen von Spuren der Wissenschaft ist nach wie vor eine wirkungsvolle Strategie, um den Weg zum Glauben rein zu halten. Die Strategie der Gelehrten der katholischen Kirche hat sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte nicht verändert und beruht auf der einen Voraussetzung: Die Aussagen des Glaubens, die Verkündigungen der Offenbarung werden als Aussagen mit mindestens demselben Wahrheitswert betrachtet, wie Aussagen über unsere natürliche Welt. Ja, es wird überdies vorausgesetzt, dass die zu glaubenden Wahrheiten leichter zu haben sind, als die Wahrheiten, die Wissenschaft mühsam erarbeiten muss.

Religion und Magie

Die Gegenstände der Religion – vor allem diejenigen der katholischen Christen (Jungfrauengeburt, Wunderheilung, das leere Grab, Auferstehung des Fleisches, Transmutation von Wein in Blut sowie von Brot in Fleisch und vieles mehr) – sind jedoch nicht von derselben Qualität wie die Gegenstände unseres alltäglichen Lebens. Damit katholische Lehre wirken kann, muss sie von jedem Gläubigen erwarten, dass er diese übernatürlichen Wahrheiten nicht mit demselben Maß misst, wie die natürlichen Wahrheiten, und dass er das Maß für übernatürliche Wahrheiten für wichtiger hält. Besser noch ist es, wenn der Gläubige den Unterschied vollkommen verwischt.

Den Unterschied zwischen Offenbarungswahrheiten und wissenschaftlichen Wahrheiten können wir uns jedoch heute schnell vergegenwärtigen. Wenn Sie einem Menschen auf der anderen Seite unseres Planeten von der herrlichen Landschaft Deutschlands berichten, von seinen duftenden Wäldern in Bayern, den Rapsfeldern im Frühling und den Schneelandschaften im Winter, von seinen Burgen und Schlössern, von seinen Dichtern und Denkern und von der noch relativ großen Toleranz zwischen verschiedenen Auffassungen von Gott, dann könnte ein Mensch einer fernen Kultur sagen: „So ein Land gibt es gar nicht.“ Sie können sich dennoch ganz gelassen zurücklehnen und ohne in Streit mit ihrem Freund in der Fremde zu geraten sagen: „Wenn du mir nicht glauben willst, so fahre einmal nach Deutschland und sieh selbst, wie es dort ist.“

Schon vor knapp einhundert Jahren hat Sigmund Freud sich die Frage gestellt, wie es möglich ist, dass wir Menschen in so unwichtigen Dingen wie der Frage nach Deutschland und seinen Landschaften eine eindeutige und vollkommen sichere Methode besitzen, um herauszufinden, wie glaubhaft und wie wahr sie sind. In so wichtigen Dingen, wie unserem Seelenheil, unserer Zukunft in einem jenseitigen Dasein, in Fragen der Herkunft des Lebens, von der Besonderheit der katholischen Religion und der Erlösung von unseren Sünden jedoch besitzen wir nur eine sehr dürftige, höchst unsichere Methode, uns Gewissheit zu verschaffen: überlieferte Texte, von denen kein Original, sondern nur Abschriften bekannt sind, widersprüchliche und haarsträubende Aussagen und immer wieder die Versicherung, es sei im besonderen Maße glaubhaft, weil es so irrational, so absurd sei (credo quia absurdum). Kein vernünftiger Mensch möge aber auf diese Prämisse die korrekte logische Ableitung anwenden und schließen: Alles, was absurd ist, ist in besonderem Maße glaubhaft! Der Glaube setzt eben die Logik außer Kraft, und dies ist der gewisse Grad an Unwissenheit, den Religion beim Volk immer voraussetzen muss, um wirken zu können. Und zu diesem Grad an Unwissenheit gehört auch dass Schweigen darüber, dass im Laufe evolutionärer Prozesse diejenigen intelligenten Lebewesen stets ausgestorben sind, die das Unlogische als Ausdruck höchster Wahrheit angesehen haben. Wieso überlebt Religion trotzdem?

Political Correctness

Die Strategie des Überlebens von Religion in der zunehmend von Wissenschaft beherrschten Welt besteht in einem Höchstmaß an ausgefeilter Diplomatie, durch welche es kunstvoll vermeiden wird, die wesentlichen Dinge zur Sprache zu bringen und statt dessen die Aufmerksamkeit auf den blendenden und heilsame Illusion versprechenden Schein zu konzentrieren. Im Hause des Henkers, würde Karl Kraus heute wohl sagen, wird der Strick nicht erwähnt.

Bevor Papst Benedikt XIV. nach Bayern kam, traf er in Castelgolfo eine Reihe seiner früheren Schüler und den Philosophieprofessor Robert Spaemann. Die Gelehrten haben sich strittigen Fragen zwischen Naturwissenschaften und katholischem Glauben gewidmet. Spaemann ist wie Joseph Ratzinger ebenfalls Träger der Ehrendoktorwürde der Opus-Dei-Universität im spanischen Pamplona. Beiden geht es nicht nur deswegen in erster Linie um die Verbreitung und den Erhalt des katholischen Glaubens. Der geistliche Kreis konzentrierte sich daher auf die Frage nach der Vereinbarkeit von christlicher Schöpfungsgeschichte und natürlicher Entstehungsgeschichte, von Theologie und Evolutionslehre. Es spricht für die Klugheit und das außergewöhnliche Maß an fächerübergreifender Bildung Spaemanns, dass eine Vielzahl von naturwissenschaftlichen, ästhetischen und philosophischen Theorien in seinem Urteil zur Geltung kommen. Die naive Behauptung, so wie es in der Bibel stehe, sei es auch geschehen, hört man freilich aus Spaemanns Mund nicht, obwohl er nur deswegen zum Vordenker katholischer Dogmatik werden konnten, weil er niemals ernsthaft Zweifel daran ausgesprochen hat. Vielmehr vertritt Spaemann die kluge Politik des Sowohl-als-auch, für die er wissenschaftliche Gründe anführt.

Auf die Grenzen seiner Toleranz stößt Spaemann freilich an jenen naturwissenschaftlich-philosophischen Theorien, die hin und wieder auch in der Wissenschaft umstritten sind. Er nutzt den Streit, um sich ihrer leichter zu entledigen. Sollten die heute noch umstrittenen Theorien einmal anerkannte Bestandteile des Weltbildes sein, werden sie die Spaemanns der Zukunft selbstverständlich auch assimiliert haben.

Teuflischer Materialismus

Welche Theorien sind es, die dem christlichen Geist heute noch immer ein Dorn im Auge sind? Alle Theorien, die sich nicht einfügen ins katholische Dogma entstammen der Geisteshaltung des Materialismus. Materialismus ist diejenige Denkweise, die ihre wissenschaftliche Betrachtung von der Forschungsmaxime leiten lässt, dass alles natürlich ist. Eine Unterscheidung zwischen natürlich und übernatürlich dient im materialistischen Denken nicht der Aufklärung, sondern der Verdunkelung von Sachverhalten und ist die Grundlage aller Magie. Sie übrigens auch die Ursache für die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Religionen, die jede für sich absolute Gültigkeit beanspruchen müssen, auch wenn sie diesen Anspruch nicht jeden Tage laut heraus schreien. Die Theologie Professor Ratzingers ist ebenso eine Lehre, deren Legitimation allein aus der Annahme einer übernatürliche Welt stammt. Und dieser Theologie bleibt jeder weitere Satz der Wissenschaft, die im Einklang mit Glauben existieren kann, verpflichtet. So setzt sich vor jede Wissenschaft die Theologie, und einer der Professionellen in dieser Vorsetzung ist Robert Spaemann. Theologie geht von der Prämisse aus, die weder bewiesen noch widerlegt werden könne, dass das Natürliche eines Übernatürlichen bedarf, um zu existieren und um erlöst zu werden. Theologen verwenden allerdings statt des harmlosen Wortes „natürlich“ lieber den Kampfbegriff „naturalistisch“, um die Ansprüche einer rein natürlichen Welterklärung niederzuschmettern. Theologisches Denken verschwindet in dem Moment, in dem wir allein von natürlicher oder materialistischer Welterklärung sprechen.

Die naturwissenschaftliche Forschungsmaxime, die ihren rasenden Fortschritt erst dann entfalten konnte, als sie sich von den Zwängen der Lehren des Übernatürlichen befreit hatte, steht ihrem Wesen nach diesem theologischen Paradigma diametral entgegen. Aber es gibt einen natürlichen Faktor, der den Menschen und ihrem sogenannten Alltagsverstand die Idee vom Übernatürlichen stets angenehm erscheinen lässt: Die reine Betrachtung des Hier und Jetzt, also die Lehre des Materialismus, spendet wenig Trost.

So kann Spaemann auf breite Zustimmung setzen, wenn er das Merkmal der rein natürlichen Welterklärung mit zwei wesentlichen Bezügen zur Karikatur erklärt. Da ist zunächst David Humes materialistisches Credo: „Wir treten niemals einen Schritt über uns Menschen hinaus“. Spaemann nimmt dem Satz die materialistische Spitze, indem er ihn sich schlicht einverleibt: „Er konnte nur formuliert werden von jemandem, der bereits einen solchen Schritt getan hat“. (Zitate stammen aus: Gottes Gerücht. Eine Rede vor dem Papst über Evolution, FAZ, 7.9.2006, S. 35.) Heute kann sich David Hume nicht mehr gegen diese Vereinnahmung durch die katholische Kirche verteidigen. So müssen es andere tun. Ein Argument schon würde ausreichen um die Vereinnahmung zum Stillstand zu bringen: Wir treten nicht aus dem Menschen hinaus, indem wir an ein außermenschliches Dasein denken. Vielmehr sind die Gedanken an ein übermenschliches, übernatürliches Dasein selbst wieder der Reflex des natürlichen Wunsches, mit den engen zeitlichen Grenzen des individuellen Lebens nicht endgültig und unwiderruflich gestorben zu sein. Je elender die Arbeitsbedingungen des Arbeiters, um so herrlicher stellt er sich das Paradies vor. Allein das wachsende Elend des menschlichen Daseins auf dieser Welt bringt das Andere des Elends aus sich selbst hervor. Nur durch die Illusion, dass es irgendwo und irgendwann ein sehr viel herrlicheres Dasein geben möge, macht einem Großteil der Menschen das Leben im Hier und Jetzt erst erträglich. Dabei ist es gleichgültig, ob es das Paradies irgendwo in einer übernatürlichen Welt tatsächlich gibt oder nicht. Es versteht sich aus dieser Sicht von selbst, dass die Stabilität der meisten Gesellschaften, die zu radikalen Auslegungen ihrer Religion neigen, sich auf die Hoffnung auf ein jenseitiges Gut stützen muss, je weniger sie ein diesseitiges Wohl erreichen können.

Die Vorstellung von der Herrlichkeit des Paradieses wirkt so sicher wie ein Placebo; nur darf der Patient nicht wissen, dass er mit Placebos kuriert wird. Denn dann wirken sie nicht mehr. Placebos bedürfen eines bestimmten Maßes an Unwissenheit, um wirken zu können. Was die Ideologie der Gelehrten der Opus-Dei-Universität ihren Schülern und ihrem gläubigen Volk unredlicherweise verschweigen, ist der Umstand, dass die Illusion vom Paradies, solange sie nur aufrecht erhalten wird (auch gegen jedes Wissen, dass es anders sein könnt), die eigentliche Wirkung leistet: nämlich dem Arbeiter die andernfalls unerträglichen Lebensbedingungen erträglich zu machen. Die reale Existenz des Paradieses ist für den Arbeiter, der von einer besseren Welt träumt, so wenig von Bedeutung wie für den islamischen Selbstmordattentäter der versprochene Lohn im Jenseits. Beiden genügt der Glaube, um Berge zu versetzen. Das Paradies und das natürliche Dasein des Menschen sind die zwei Seiten ein und desselben Seins. Der Wunsch nach einem höheren Sein ist eine Ausdrucksweise der Gebundenheit des Menschen an seinen irdischen Leib. Ob es eine andere Daseinsweise für uns Menschen gibt als diejenige in unserem Leib, das wissen wir nicht. Und es ist eine intellektuelle Unredlichkeit, dieses Unwissen zu verschwiegen.

Bekenntnis zum Diesseits

Humes Bekenntnis zur Natürlichkeit bleibt daher auch vollkommen im Rahmen der Natürlichkeit, denn es will uns damit versöhnen, dass alles, was wir Menschen uns anverwandeln können, alles was wir denken, sagen, schreiben, hoffen und glauben, etwas Menschliches bleibt. Sie bleiben die Gedanken von Menschen, die Worte von Menschen, die Hoffnung und der Glaube, wie sie eben Menschen haben. Das materialistische Paradigma fordert uns die Enthaltsamkeit ab, dass es zwar verlocken kann, sich zu fragen, wie die Welt aussähe, wenn wir sie von einem den Menschen überschreitenden Standpunkt aus betrachteten, dass dies aber gleichwohl wieder nur die Betrachtung der Welt wäre, die ein Mensch, der überschreiten will, sich das Überschreiten vorstellt.

Spaemann verfährt noch höflich mit dem fernen David Hume, indem er ihn sich einverleibt. Eine zweite sehr viel näher liegende Denkhaltung des Materialismus ist Spaemann allerdings unverdaulich. Es ist die materialistische Philosophie der heutigen Hirnforschung. „Vollends absurd aber“, schreibt Spaemann, „ist der Gedanke, irgendwann einmal den Inhalt von Theorien oder eine mathematische Gleichung aus der Beobachtung eines Gehirnzustands erschließen zu können, wobei ja dieser Zustand selbst wiederum als Gehirnzustand beschrieben werden müsste.“ (Wollte jemand Spaemann mit den Worten katholischer Kirchenväter entgegnen, könnte er es sich leicht machen und sagen: credo qui absurdum – ich glaube, weil es so absurd ist.)

Aber kein Hirnforscher möchte den Inhalt von Theorien oder eine mathematische Gleichung als einen Gehirnzustand erschließen. Robert Spaemann möge einmal eine Belegstelle anführen für seine Unterstellung! Alles was er finden wird, sind Erklärungen, die aus Sicht des Gehirns zeigen, wie sich das menschliche Gehirn im Verlauf der evolutionären Entwicklung seiner Großhirnrinde die Vorstellung von einem endgültigen Sinn des Daseins, von einem Gott, selbst geschaffen haben könnte. Denn Hirnforscher führen Beobachtungen und Experimente am menschlichen Gehirn durch, die bereits heute deutlich zeigen, dass es in erster Linie konservativ gegenüber neuen Ideen und Erwartungshorizonten eingestellt ist. Hirnforscher können aus der Beschreibung der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns ganz klar erkennen, was die Gelehrten der katholischen Kirche immer schon praktiziert haben: Eine Neuerung im Weltbild und Wahrnehmungshorizont wird nach dem Motto behandelt: „Was nicht sein darf, das ist auch nicht.“

Religion ist für den Menschen da, nicht umgekehrt

Die Antwort auf die Frage, warum Religion so überlebensfähig ist, geben uns die Hirnforschung indem sie empirische Beobachtungen am menschlichen Gehirn statt Offenbarungstexte auslegen.

Es ist die Arbeitsweise der Großhirnrinde, die ihre eigenen übernatürlichen Konstrukte stets als reale Gegebenheiten erlebt. Im Laufe der Evolution ist diese Fähigkeit zum sinnstiftenden Überlebensfaktor der Menschheit geworden, die die Instinktsicherheit im Handeln verloren hatte. Aus Sicht der materialistischen Hirnforschung ließe sich heute bereits sagen, dass Religion keineswegs Unsinn ist, sondern die Großhirnrinde sie eigenständig hervorbringen kann und mit ihr all den sozialen Nutzen und die Nachteile, die sie stiftet.

Warum aber bedienen sich die Theologen nicht der Hirnforscher für ihrer eigene Lehre? Sie könnte doch belegen, dass Religion allein schon wegen ihrer Bindung an die Anatomie des menschlichen Gehirns ein unverwüstliches globales Phänomen ist und immer bleiben wird. Dann aber würde das eigentliche Problem für den katholischen Glauben in aller Welt sichtbar, über das kein Funktionär der Kirche eine öffentliche Diskussion wünscht: Wie alle theistischen Religionen hält sich die katholische für die einzig richtige und wahre. Nicht dass alle Menschen auf der Welt den Wert der Religion schätzen lernen ist ihr wichtig, sondern dass sich der katholische Gedanke als der einzig wahre erweisen wird. Daher fragen sich Joseph Ratzinger und Marcello Pera in einem kaum bekannten Buch, ob „Jesus Christus ,einer unter vielen’ in der Welt der Heilsbringer und Offenbarer ist. So etwas anzuerkennen ist dem Christen einfach nicht erlaubt. Oder doch?“ (Marcello Pera, Josef Ratzinger, Ohne Wurzeln. Der Relativismus und die Krise der modernen Kultur, Augsburg 2005, S. 34.)

Über diese natürliche Frage muss die katholische Kirche öffentlich jedoch schweigen, und so lenkt sie unsere Aufmerksamkeit auf das Übernatürliche. In den USA glaubt die Mehrheit der Bevölkerung an die Jungfrauengeburt, aber nur ein Drittel hält die Evolutionstheorie für plausibel. Auch in Deutschland ist – wie die Pisa-Studien belegen – die Bereitschaft zur Unwissenheit so groß wie selten zuvor. Der Papst darf auch deswegen mit einer neuen Aufbruchstimmung für den katholischen Glauben in Deutschland rechnen. Mögen doch wenigstens Einige wachsam bleiben für dasjenige, was der aufgeklärten Welt mit der Droge „Religion“ an wissenschaftlichen Unzumutbarkeiten verabreicht werden wird.

KJG

2 Kommentare zu “Natürliches und Übernatürliches”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 1. Oktober 2008)

    At last a piece from Klaus-Jürgen Grün that is reasonably easy to understand! I even agree with it in general. Just one or two details are dubious.
    „im Laufe evolutionärer Prozesse diejenigen intelligenten Lebewesen stets ausgestorben sind, die das Unlogische als Ausdruck höchster Wahrheit angesehen haben“. I do not believe there is any evidence for this. KJG please give details. In fact this is contradicted by the KJG opinion that the human brain has evolved a feeling for religion.
    I also doubt the natural religiosity of the brain. Can KJG give references for these research results? What I have read about this concerned areas of the brain active when thinking about religion, but also active when thinking about some other things. I see religions as deriving from social Darwinism. Such memes may not last very many thousand years, in contrast to most of our genes. I do not feel any natural tendency towards religion in my head. As a boy, I was moderately religious, but I attribute that to the intense indoctrination I experienced. My daughters, having been brought up differently, are so indifferent to religion that it worries me!
    But why do I waste time with this? Richard Dawkins, „The God Delusion“, has said all that is needed. I just wonder whether the Pope believes all that nonsense.

  2. Chris Wood (Donnerstag, der 30. Oktober 2008)

    I think this is an important subject and agree strongly with most of the views expressed here. But I have a different opinion regarding some of the details.
    • The criticism of the Catholic Church could and should be applied also to the major Islamic sects and to many Protestant sects. And why criticise Spaeman more than Ratzinger who was Catholic chief of dogma before becoming Pope?
    • At least the Australians who have visited Oktoberfest already know a bit about Bavaria. To be serious, the reasons why I believe in evolution and not in miracles is much more subtle than is here suggested. We cannot afford to fly all children round the world to convince them. Anyway, „seeing is believing“ only works in simple cases. It is all a matter of whom one trusts. When one hears about the scientific method, it seems plausible, and we believe we can see a series of wonderful new devices that the scientists claim to be responsible for. But a lot of apparently respectable people keep telling us about miracles, so whom should we believe? It is hard to fight against religion.
    • „Part of this ignorance is to keep quiet about the fact that, in the evolutionary process, it was always those intelligent animals that believed in the illogical as highest truth that died out“. This seems very dubious. I know of no evidence to support it. It seems to conflict with the statement elsewhere in the posting that a tendency for religion has evolved in the human race. Religion and other forms of superstition do not seem to be reducing. Which intelligent animals have died out with illogical beliefs?
    • „The more miserable a labourer’s working conditions, the more wonderful he imagines paradise“. I have grave doubts about this. Since the time of Socrates, miserable labourers have not been as stupid as philosophers think. Surely many often pretended to be religious because the church cooperated with aristocrats. It was dangerous to dissent. I have just read a book about the Bounty mutiny. At their trial sailors accused of mutiny clearly did not want to be executed, whether „guilty“ or not. And the life of a sailor was terribly hard in those days. Kings from Egypt to China had a wonderful idea of heaven for themselves. The 9/11 bombers were not miserable labourers. I understand that this statement comes from Marx. But surely he too was not closely involved with miserable labourers?
    • If religion really provides solace in the face of hardship and death, why criticise Spaemann and Ratzinger for spreading it dishonestly? Perhaps they should be praised for sacrificing their integrity for the common good? I believe (perhaps too much) in the truth, but is it really more important than happiness? This posting needs to bring evidence that the placebo religion does not work. I tried to do that in my posting
    (http://if-blog.de/en/cw/ethik-nach-dem-humanismus/#more-215), but did not find my arguments, (or those of Dawkins), fully convincing.
    • I see religious ignorance as a factor in the rapid destruction of the world’s environment and resources. Without the (probably dishonest) religious protestations of G.W.Bush, he would surely not have been elected. As president, he has done what he can to accelerate the destruction of our world. However, Obama can be expected to do better in this respect than McCain, who seems to be much less Christian.
    • „It is absolutely absurd“, writes Spaemann, „to imagine someone might in the future be able to deduce theories or a mathematical equation by observing the condition of a brain“. Of course it is not absurd. Brain researchers deduce theories about how the brain works! But Spaemann probably meant something else. I guess he was referring to the strange ideas of the brilliant mathematician/philosopher Prof. Roger Penrose, who believes that the brain must function outside physics as we now understand the world. So Penrose hopes perhaps to deduce quantum gravitation by investigating the brain. I believe that Penrose is wrong, but I would not dare to call his ideas absurd.
    • The human brain becomes more conservative with age. The brain of a child (even more of a baby) is extraordinarily flexible.
    • Humans are guided by instinct much more than here suggested. Of course there are some things that the brain does better consciously. But many moral decisions are decided by instinct. Christians learn to treat people equally (parable of the Good Samaritan, parable of the wedding guests, works of St. Paul). But they almost universally continue to be nicer to close relatives.
    • I do not accept that religion will always dominate mankind. I do not believe that it is good enough that only a small intellectual elite can see the truth. If we want our grandchildren to have a world fit to live in, we must fight to spread the truth,

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