Klaus Wäschle
Freitag, der 8. August 2008

Eröffnungsfeier? Nein danke!

Hier – pünktlich zur Eröffnung der Olymischen Spiele in Peking – der erste Beitrag von unserem Sportexperten Klaus J. Wäschle:

Eines vorweg: ich sammle Eröffnungsfeiern Olympischer Spiele. Natürlich auf Video und Sommer wie Winter. Ich kann sie mir auch immer wieder ansehen und bin dann begeistert von Ideen der Regisseure. Vom Auftritten berühmter Künstler oder dem Outfit mancher Sportler. Besonders imponierend finde ich immer noch Barcelona und Sydney.

Aber am Freitag den 8.8.08 werde ich nicht vor dem Bildschirm sitzen. Die Eröffnungsfeier der Spiele in Peking sehe ich bewusst nicht an. Ich will an dieser Stelle nicht lange in die Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Vergabe dieser Spiele an Peking einsteigen. Die „Herren der Ringe“ des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden ihre Gründe gehabt haben… Aber ich will keine vorgetäuschte Fröhlichkeit und Herzlichkeit eines Systems sehen, die nach Abreise der Sportler sehr schnell wieder verschwinden dürften.

Ich habe Dr. Thomas Bach, einen der Vizepräsidenten des IOC bei einer Veranstaltung gehört und dabei auch seinen Aufruf, man möge die Diskussion über Menschenrechte in China im allgemeinen und in Tibet im Besonderen in Zusammenhang mit Olympia beenden und sich dafür endlich auf die Spiele freuen. Außerdem seien viele der Kritiker nur selbsternannte Chinakenner ohne wirklichen Ein- und Durchblick. Na bitte, freuen auf Anordnung – zumindest auf Empfehlung… Bach selbst wird sich bestimmt auf seinen besonderen, persönlichen Auftritt freuen, wenn er die Olympische Fackel ein paar Minuten durch Peking tragen darf.

Das hatte offensichtlich auch ein Mitarbeiter des Sport Informations Dienstes in Neuss: Als einer von fünf Journalisten war er von den Organisatoren für diese „ehrenvolle“ Aufgabe vorgesehen. Doch er muss darauf verzichten: Nachdem seine Berichte etwas zu positiv verfasst waren und die meisten Probleme verschwiegen, musste er vor dem Tag X wieder abreisen..

Gleich zweimal gefreut hat sich Dirk Nowitzki: zuerst, als er sich mit dem deutschen Basketball-Team für den olympischen Wettbewerb qualifiziert hat und vielleicht noch darüber, dass er die schwarz-rot-goldene Fahne zum Einmarsch tragen darf. Ihn verstehe ich, denn für einen Sportler ist die Teilnahme an Wettbewerben, die nur alle vier Jahre stattfinden nach wie vor eines der größten Ziele. Das hat Nowitzki als hoch bezahlter und erfolgreicher Profi in den USA erst nach mehreren Anläufen erreicht. Er hat Grund sich zu freuen.

Ebenso Rainer Schüttler. Der Tennis Profi aus Korbach in Hessen sprang nach dem Erreichen des Halbfinals von Wimbledon in letzter Sekunde auf den Olympiazug. Dazu musste er sich sein Startrecht erst vor Gericht erkämpfen – und gewann. Vielleicht spielt er ja wieder im Doppelwettbewerb mit Nicola Kiefer, kommt wieder in das Finale und die beiden gehen diesmal als Sieger vom Platz. Vier Jahre nach dem unvergesslichen Endspiel in Athen, das sie nach fünf Sätzen ganz knapp verloren. Ich würde mich für ihn freuen!

Für die überwiegende Zahl der Athleten gilt bei aller Professionalität immer noch die Olympische Idee: Die Teilnahme ist wichtiger als der Sieg. Denn um die insgesamt 302 Goldmedaillen in 28 Sportarten bewerben sich fast 11.000 Sportlerinnen und Sportler. Selbst wenn man berücksichtigt, dass eine Goldmedaille im Fußball, Hockey oder allen anderen Mannschaftssportarten 16 Mal oder sogar öfter vergeben wird, müssen da viele ganz zwangsläufig leer ausgehen.

Das kann nach sehr knappen Entscheidungen oder hoffnungsloser Unterlegenheit passieren. Die Ergebnislisten machen da keinen Unterschied. Angeblich ist ja der Zweitplatzierte schon der erste Verlierer. Was ich für blanken Unsinn halte, denn beispielsweise im Endlauf der acht schnellsten Männer der Welt über 100 Meter Platz 2 zu belegen ist eine Riesenleistung und ein Erfolg. Aber manchmal sind eben die Sportler selbst, mit Platz 2 nicht zufrieden und zeigen das deutlich. Und das, ebenso wie das Strahlen der Sieger und die Wettbewerbe selbst werde ich mir auch wieder ansehen. Das geht auch ohne Eröffnungsfeier.

Mein privater Verzicht wird die Einschaltquote der ARD während der Live Übertragung nicht beeinflussen. Die bunte Show werden sicher einige Millionen allein in Deutschland – auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler, die nicht persönlich nach Peking reisen?? – verfolgen. Sie werden bei Kameraschwenks aus dem Stadion heraus vermutlich mehr sehen als die Besucher vor Ort, denn die Kameras bieten unter der Smogglocke bessere Bilder als sie das Auge wahrnehmen kann. Thomas Bach wird sich auch bei größten Sichtproblemen nicht verlaufen – die Sicherheitskräfte entlang der Straße weisen ihm den Weg.

KJW

1 Kommentar zu “Eröffnungsfeier? Nein danke!”

  1. Chris Wood (Freitag, der 8. August 2008)

    I feel that we should be more tolerant about the failings of the Chinese regime. Mao left the country with enormous problems, with a huge growing impoverished population, and a degree of chaos in the politics (viz. Culture Revolution). Recent regimes have successfully stemmed the population growth and greatly improved the living standards of hundreds of millions. Their methods were heavy handed, but they have encouraged private enterprise, which must surely lead to liberalization. Meanwhile they have supported economic growth throughout the world, trading cheap exports for technology imports.
    I utterly condemn their support for tyrant regimes (Myanmar, North Korea, Sudan, and Zimbabwe). But it is rather normal for countries to emphasize their own interests too strongly.
    And I read that the world of sport is flooded with illegal drugs, 90% from China.
    They have no democracy in our sense, but look at the rest of the world. 25% of US Americans put a con-man like Bush into power, and then re-elected him! Religious tolerance is very important to Bush, but it hardly seems possible for an honest agnostic to have high office in the States. The first Arab party to win a proper election was Hamas, enough said. I tend to approve of India, the worlds biggest democracy. They play cricket, and the prime minister went to my university. But India contributes increasingly to the world population problem, and the caste system is terrible. Democracies have given the world its energy and climate problems, and are doing much too little about them.
    China has improved the living standards of Tibetans in Tibet and in neighboring provinces. Tibet was very poor and feudal. It is hard to judge how happy the people were before. Of course the Dalai Lama is nice, and the Chinese should talk to him. But there are also strong separatist elements among Tibetans, and the recent riots showed signs of racism and organization. I can understand the Chinese fear of separatism; look at Yugoslavia and the Caucasus.
    I believe very many Chinese are proud of their country, accept their regime, and are happy about the Olympics. They will be proud of the opening ceremony. OK, their simple attitudes are heavily influenced by propaganda, but that happens throughout the world.

    Regarding sport, it seems a pity to give the banner honor to a man who is already a multi-millionaire, (Switzerland did too). But there was hardly ever a case where a single man has done so much to get so large a team into the Games.

    How can one gold-medal be given 16 times? There seems to be confusion about what a gold-medal is. Does a team get one for coming first, or does each team member get one?

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