Klaus Wäschle
Freitag, der 15. Mai 2009

Wie kann denn das passieren?

john-dalyVergangenen Woche sorgten die Endergebnisse bei zwei internationalen Golfturnieren für größtes Aufsehen und für Kopfschütteln. In Florida, bei The Players Championship verspielte der Wahlmünchener Alex Cejka auf der letzten Runde einen Vorsprung von fünf Schlägen, verpasste den Sieg und landete auf Rang 9.

In Italien bei der BMW Italian Open belegte John Daly aus den USA einen sensationellen Platz 2, obwohl er keinerlei Qualifikation für internationale Profiturniere besitzt und auf Einladungen angewiesen. Golfinsider ebenso wie –interessierte fragen – teilweise verständnislos – danach immer wieder: wie kann denn das passieren?

Bei Alex Cejka muss man dazu schlicht sagen, die Frage ist falsch gestellt, sie müsste lauten: wie machen es andere Spieler, dass ihnen das nicht passiert. Wer selbst Golf spielt und nur einmal beim Monatsknopf die ersten Löcher bestmöglich absolviert hat, weiß was dann passiert: er beginnt zu denken: „Wenn ich so weiter spiele kann ich tatsächlich gewinnen; auf jeden Fall aber mein Handicap verbessern; da werden meine Freunde im Club aber schauen…“ Und was passiert dann normalerweise: Es geht gar nichts mehr. Die Nervosität steigt von Loch zu Loch und meist bleibt am Ende nur noch eine große Enttäuschung.

An was Alex Cejka gedacht hat, wissen wir alle nicht. Aber nachdem er bereits auf der zweiten Bahn der Finalrunde einen Fehler gemacht und einen Schlag verloren hat, ging ihm sicher auch einige durch den Kopf. Vielleicht der Gedanke daran wie viel weniger Preisgeld er verdienen wird. Es folgten weitere Fehlschläge und bis zur Hälfte der 18 Bahnen hatte er die Führung bereits abgegeben und war am Ende froh über den 9. Platz. Hätte ihm vor Turnierbeginn jemand dieses Abschneiden vorhergesagt, er wäre hoch zufrieden gewesen. Aber so? Es blieb ihm nichts anderes übrig als dem Schweden Henrik Stenson zu gratulieren, der in stoischer Ruhe und offensichtlich ohne Nerven seine Runde absolvierte, nur 66 Schläge benötigte und mit vier Schlägen Vorsprung gewann.

Ganz anders John Daly. Er ist nach wie eines der größten Talente auf den Golfplätzen dieser Welt und hat trotz beträchtlicher Leibesfülle einen unglaublichen Schwung. Allerdings spielt er des Öfteren lieber Roulette und hat dabei schon Millionen verzockt, er gönnt sich das eine oder andere Bier und hat auch schon vier gescheiterte Ehen hinter sich. Was er in einem selbst verfassten Song u. a. mit den Worten kommentiert: „All my Exes wear Rolexes.“ Er ist schon ohne Hemd und Schuhe auf Turnierplätzen erschienen und wurde wieder nach Haus geschickt. Zuletzt erhielt er in den USA eine Sperre wegen ungebührlichen Verhaltens. Aber wenn er will, trifft er die Kugel immer noch sensationell. Er überlegt nicht lange, sondern haut auf den Ball. Er prügelt ihn, während ihn andere vielleicht streicheln. Und gerade deshalb lieben ihn die Zuschauer und folgen ihm in Scharen wenn er in Europa oder sogar in Deutschland spielt. Natürlich auch immer in der Hoffnung, dass etwas Außergewöhnliches passiert. Denn irgendetwas passiert bei Daly eigentlich immer.

Übrigens, wie etwas wie bei Cejka auch in anderen Sportarten passieren kann, hat John McEnroe schon einmal bewiesen. Im Endspiel der French Open, einem der vier bedeutendsten Tennisturniere der Welt, lag er gegen Ivan Lendl klar in Führung und ließ seinem Gegner keine Chance. Bis ihn ein Kameramann störte, er minutenlang mit ihm diskutierte – besser gesagt stritt – und dadurch völlig aus dem Rhythmus kam. Lendl blieb völlig ruhig, spielte ebenso unbeirrt wie unbeeindruckt weiter und gewann das Match.

Das alles kann im Sport passieren. Man frage mal bei Franck Ribéry von Bayern München nach, warum er als überragender Fußballer zweimal wirklich kläglich einen Elfmeter verschoss.

kjw

P.S.
Mein Freund Klaus Wäschle beschäftigt sich seitdem ich ihn kenne (immerhin 1960) intensiv mit Sportthemen aller Art, besonders Golf, Tennis und Fußball. Wer ihm beim Twittern folgen will: hier die Kennung von Klaus: kjwmuc

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