Willi Streit
Sonntag, der 10. Januar 2010

Betriebswellness

Wohl zu sein, bedarf es wenig, doch bei wem wohl ist, der ist König. So könnte das alte Volkslied auf modernes Management übertragen werden. Längst weiß jeder, dass Mitarbeiter, die sich gut fühlen, mehr leisten, weniger Fehler machen und motiviert sind. Doch im Alltag geht dieses Unternehmensziel unter, wird durch Angst, Ärger, Frust und Langeweile platt gewalzt. Doch es gibt einfache Möglichkeiten WELL zur Betriebspsychologie zu machen.

In Graz haben wir es bewiesen. Unser Berater kommt einmal in der Woche ins Unternehmen und ist „da“. Jeder kann ihn besuchen, er macht seine Tour. Er ist Ansprechpartner, Entspannungsmanager und Perspektivöffner. Er ordnet ein, hilft, Ansichten zu ändern und Selbstwert wiederzuentdecken. Wir nennen seinen Service einfach „Well“. Und es ist kein Zauberwerk. Wir ergänzen das Betriebsklima um einer der wesentlichsten Faktoren, erfüllen ein Grundbedürfnis: „Beachtet sein!“

Schon wenige Monate nach Einführung dieser „Oase der Auszeit“ lagen auch Zahlen auf dem Tisch, die Well als gute Investition ausweisen. Der Krankenstand ging deutlich zurück. Im ersten Quartal bereits um 17 Prozent. Ein Jahr später lag die Quote der Krankmeldungen unter der Hälfte. Was war passiert? Wer bisher sein Fass Tropfen für Tropfen mit Missverständnissen, schlechten Gefühlen und Ärger füllte, bis ein Überlaufen nicht mehr zu verhindern war, hatte nun rechtzeitig, sein emotionales System entlastet und Kleinigkeiten verdaut, solange sie noch klein waren.

Wer erkannt hat, wie der Erfolg eines Unternehmens von der Betriebskultur und Unternehmerethik abhängt, dem ist Well nichts Fremdes. Was einige „begnadete“ Unternehmer aus einem souveränen Selbstbild heraus vorleben, müssen in Betrieben, die in Strukturen verkrustet sind, Well und andere Betreuungsangebote übernehmen.

Well kann jeder umsetzen. In kleinen Betrieben müssten nur die Führungskräfte ihre Augen öffnen und Beachtung verteilen. Das sind nicht nur kleine Gesten des „Willkommen“, sondern auch der Umgang mit Zielen, eine Kommunikation, die abwechslungsreich und humorvoll jeden erreicht.  Anfangen kann jeder im direkten Umfeld. Zuhören ist eine verlorene Tugend. (Diese Prinzipien gelten alle auch für andere Verbände wie Familien, Gruppen etc.)

Wer zuhört hat seine Beachtungsaufgabe schon weitgehend erfüllt. Manchmal ist es gerade wichtg, keine Antwort, kein Rezept anzubieten. Sie werden oft als Urteile, Einschätzungen mißverstanden. Sensibel werden für die Menschen, löst die mechanische Einstellung zu Mitarbeitern ab.

Well – Überlegen Sie doch, wie viel besser Sie selbst ihre Aufgaben erfühlen, wenn Sie sich dabei wohl fühlen. Und schaffen Sie sich eigene Oasen der Auszeit. Vielleicht haben Sie einen Kollegen, der bei einer Tasse Kaffee über die Bundesliga mit Ihnen diskutiert oder andere „ganz wichtige Fragen“ klärt? Die Kaffeeküche ist eine der am meisten unterschätzten Betriebsklimastationen! Viel Spaß beim Wohlfühlen = Arbeiten.

Li

Kommentar verfassen

*