Willi Streit
Donnerstag, der 28. Mai 2009

Powerpoint-Verbrechen

Bill Gates wird es selbst nie benutzt haben, aber Millionen MS-Kunden weltweit nutzen Powerpoint. Wie es der Name sagt, soll es Präsentationen kraftvoll auf den Punkt bringen. In meiner Beratungspraxis erlebe ich es allerdings eindeutig und fast ausschließlich als Kommunikations-Killer, als alltägliches Folterinstrument, als verschenkte Chance.

Lange habe ich mich gefragt, woher diese Vergewaltigung einer guten Idee kommt und ob wenigstens Microsoft damit produktiv umgeht. Doch die Botschaft aus Seattle ist ernüchternd: auch dort erschlägt eine grau in graue Textflut die Powerpoint-Opfer.

Nun stehe ich also oft vor der Aufgabe, meinen Auftraggebern zu erklären, dass sie all ihre teuer produzierten Powerpoint-Folien am besten in den Papierkorb werfen sollen. Wäre ich so eiskalt, würde ich zitternde Ingenieure, Manager, Politiker vor mir haben. ANGST breitet sich aus, wenn das Sicherungsnetz PP abgebaut würde.

Genau so wie sich Redner krampfhaft am Pult festhalten, damit es nicht wegläuft und sich auf das Pult stützen, damit sie nicht umfallen, hangeln sie sich von Folie von Folie. Am besten das vorlesen, was an die Wand projeziert wird. Aber niemand der Geschundenen beklagt sich? Das hat wohl zwei schmerzliche Ursachen:

1. Die Opfer sind oft genug Täter. Kommunikative Vergewaltigung müsste ein Straftatbestand werden!
2. Sie kennen es nicht anders! Jeder ist in Schule, Universität und Berufsleben ständig dieser Tortur ausgesetzt gewesen, da schmirgelt sich jedes Leidensbewußtseins weg.

Die Aufgabe, Unternehmen zu beraten, diese PP-Muster zu überwinden, ist nicht nur spannend. Aber wenn ich mir meine Kunden am Ende dieses abenteuerlichen Prozesses anschaue, bin ich stolz und zufrieden: Freie Rede, optimale Kommunikationsergebnisse, gute Gefühle bei allen Beteiligten. Und es klingt unglaublich, es gibt nun in Europa einige Manager, die wissen welche Kraft und Kreativität in Powerpoint steckt, die mit dessen Vielfalt und Magie bestens umgehen können. Ich weiß beim besten Willen nicht, welcher Coach dieses Wunder wohl bewerkstelligt hat.

Li

1 Kommentar zu “Powerpoint-Verbrechen”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 28. Mai 2009)

    What is so bad about it?

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