Matthias Apitz
Dienstag, der 26. August 2008

Die FFUG i.G.

Im Süden von München gibt es die Forschungsbrauerei. Dort braut der Chef noch selber, das vielgerühmte ‚Sant Jacobus Blonder Bock‘ und viele meiner Bekannten, auch Roland von IF blog, werden ihn und sein Bier kennen und schätzen.

Abundan sitze ich dort in einer ruhigen Ecke oder im Biergarten bei Regen unter einem Dach und hoffe dass die Raucher nicht alle naselang zum Rauchen oder, noch schlimmer, Yuppies oder Mädels (letztere sehen wenigstens noch nett aus) zum Telefonieren raus kommen, und lese oder schreibe — auf meinem vor ein paar Wochen hier im IF blog erwähnten eeePC.

Ein Bekannter von mir, Ralf, den ich seit ein paar Jahren und eigentlich nur von der Forschung kenne, kam des öfteren interessiert an meinen Tisch und fragte, was das denn fuer ein mini-laptop sei und was fuer ein exotischer Desktop und Betriebssystem. An seinen Rückfragen auf meine anfangs sicher eher mürrischen Antworten, mürrisch weil mir die gleichen Fragen dort des öfteren Leute stellen, und nach der Antwort: «FreeBSD mit KDE 3.5.8», dann fragen, ob das auch von Microsoft käme usw., also an seinen Rückfragen merkte ich bald, dass er schon mal Linux benutzt hatte, und schnell waren wir bei Feinheiten, wo und wie das und dies bei Linux wäre und wie bei meinem eeePC mit FreeBSD. Er meinte damals, dass ihn das interessieren täte und ich bot ihm an, wenn es ihm ernst wäre, könnte er auf meine Hilfe zählen.

Ein paar Wochen später winkte er mir von einem der Nachbartische mit einen eeePC zu (wirklich er winkte damit, wie um zu sagen «sieh ich hab‘ ihn auch»), natuerlich hatte er ihn mit XP und mit 4 GByte SSD weniger kaufen müssen, weil ja Microsoft’s Muell bezahlt werden musste. Ich habe Wort gehalten und ihm auf einem USB stick (fast) alles draufgepackt, was er brauchte zum booten und zum Installieren von FreeBSD. Das ‚fast‘ meint, dass ich leider etwas vergessen hatte. Ralf wusste sich aber zu helfen und hat die files aus dem Internet geladen. Im wesentlichen ist er einfach meiner Installationsanleitung in http://www.unixarea.de/installEeePC.txt gefolgt und ein paar Tage später kamen die ersten mails von ihm über ’success‘, und weiteren Fragen zu ein paar offenen Kleinigkeiten.

Seitdem haben wir uns noch zweimal, eher zufällig, in der Forschung getroffen und sassen dann beide mit unseren eeePC’s am gleichen Tisch und tauschten Einzelheiten, Meinungen und Ideen aus. Ich habe dabei gelernt, dass Ralf zusammen mit einer ehemaligen Arbeitskollegin und derem Freund einen blog http://www.blog-ums-bier.de/ fuehrt und ich war echt beeindruckt von dem was er da noch zusätzlich auf diesem Winzling dafuer installiert hat: MySQL DB server, Apache und eine blogging engine. Der eeePC ist fuer ihn wie ein kleiner server und er redigiert darin seinen blog ueber die Biersorten und -kulturen in Bayern und woanders. Wahnsinn!

Er schrieb mir mal in einer mail, dass er vorher Linux kannte (klar) und dass er von der Ordnung und der Art und Weise wie in FreeBSD alles dokumentiert sei, echt überrascht wäre. Ich schrieb ihm zurück, dass das nun eben genau der Unterschied wäre: FreeBSD ist das bessere freie UNIX, und gemacht von Spezialisten fuer Spezialisten, aber eben nicht nur fuer Spezialisten sondern auch fuer alle.

Ich habe Ralf animiert, seine dabei gemachten Erfahrungen in einem eigenen Artikel zu beschreiben und bin also auf seinen Kommentar gespannt. „FFUG i.G.“ lautete der Titel dieses Beitrag. FFUG steht für „FreeBSD Forschung User Group“. Derzeit mehr ein Spass und ein Wortspiel mit ‚erforschen‘ und der Forschungsbrauerei :-), aber evtl. sollten wir das ausbauen, publizieren, verbreitern und dazu z.B. einen Stammtisch in der Forschung aufmachen um noch mehr Leute zu infiltrieren. Lust? Mal Lust auf was neues?

Matthias

3 Kommentare zu “Die FFUG i.G.”

  1. Ralf (Dienstag, der 26. August 2008)

    Danke Matthias, für Deine Einladung zum Kommentar schreiben. Hier also mein Erfahrungsbericht zu FreeBSD auf dem eeePC. Ich hoffe, es ist genügend Platz für meinen länglichen Text.

    —–

    „Von Spezialisten für Spezialisten“ – das trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. „Spezialisten“ darf man aber nicht zu eng als „FreeBSD-“ oder „UNIX-Spezialisten“ verstehen. Ein IT-Spezialist jedoch muss man meiner jungen FreeBSD-Erfahrung nach schon sein. Vor allem darf man keine Scheu vor Ausflügen auf die Konsole haben. Und zu wissen, wie man unbeschadet wieder aus dem vi-editor entkommt ist auch zwingend notwendig, um sich durch eine FreeBSD-Erstinstallation wie die von Matthias durchzubeißen.

    Der eeePC von Matthias war nicht der erste, den ich gesehen hatte.
    Meine blog-Kollegin „benhur“ hatte sich nämlich auch einen zugelegt.
    Allerdings die ganz kleine Version, den eeePC 700 mit vorinstalliertem Xandros Linux. Wie Matthias schon schrieb, war ich vor dem Kauf meines eeePC 900 bereits selbst Linux Anwender, und zwar von SuSE Linux seit SuSE 4.3. Zuletzt von OpenSuSE 10.0. Das habe ich auf meinem mini-tower unter dem Tisch und auf einem „großen“, d.h. normalen 15″-Notebook von Samsung (Modell X20) laufen. Dieses große Notebook hatte ich mir ursprünglich genau für den Zweck des blogging von unterwegs zugelegt. Aber es war mir irgendwie immer noch zu groß, sodass es dann doch nur zu hause auf dem Küchentisch zum Einsatz kam.
    Mit dem eeePC 700 hatte ich bei meiner Kollegin erstmals ein Gerät gesehen, das die optimale Gehäusegröße zum Mitnehmen auf meine Bierexpeditionen gehabt hätte. Nur das Display mit seinen 800×480 Pixel war für mich inakzeptabel zu klein. Und auch das beschnittene Xandros Linux war mir nicht so recht geheuer. Als ich Matthias mit seinem eeePC in der Forschungsbrauerei sitzen sah, dachte ich dann auch zuerst, es wäre der kleine 700er. Bei näherer Betrachtung sah ich aber überrascht die perfekte Auflösung von 1024 Pixel in der Breite.
    Dass es „nur“ 600 in der Höhe waren, fiel mir damals nicht auf, und stört mich auch heute nicht weiter. Und in derselben Sekunde, als mir Matthias schließlich den vollwertigen KDE-Desktop präsentierte, war mir klar, dass ich dieses Gerät, den 900er eeePC haben musste.

    Auf meine Frage nach dem Betriebssystem hatte mir Matthias ganz flüchtig von seiner Installations-Pioniertat per bootbarem USB-Stick erzählt. Das hat mich trotz der Kürze seiner Erklärung sofort infiziert. FreeBSD kannte ich immerhin schon beiläufig von Erzählungen eines Arbeitskollegen, der es privat als Server für seine Familie einsetzt. Mit OpenSuSE-Linux war ich eigentlich zufrieden, aber das war mir mittlerweile schon ein wenig langweilig geworden. Ich hatte die gängigen Computerzeitschriften wegen Berufstress bis dahin alle nicht sehr genau gelesen, wusste aber immerhin, dass die ASUS eeePCs mit einem vorinstallierten Linux ausgeliefert wurden, genau so wie ich es auch bei meiner Kollegin gesehen hatte. Ich war damit in dem (Irr-)Glauben, dass auch der 900er so daher käme. Ich gestehe ein, das war schon ein beruhigender Gedanke für mich. Denn so 100%ig sicher war ich mir nicht, dass ich mit dem FreeBSD vom self made stick zurecht käme. Immerhin, so dachte ich, muss es nicht noch eine SuSE werden, und ein Windows schon gar nicht. Denn mit dem Windows XP habe ich in der Arbeit schon den ganzen Tag zu tun, da muss das in der Freizeit nicht auch noch sein.

    Weil zu der Zeit der Begegnung mit Matthias und seinem eeePC mein Urlaub kurz bevor stand, wolle ich mit dem Kauf des eeePC bis nach dem Urlaub warten. Per Zufall gab am Samstag vor meinem Urlaub der PDA meines Bruders den Geist auf, sodass er in einen Hardwareladen fuhr, um sich einen Ersatz zu kaufen. Da gab ich meinem Bruder kurzentschlossen den Auftrag mit, doch in dem Geschäft nach einem eeePC 900 zu sehen, und sofern einer vorrätig wäre, und dieser auch noch unter 400 € koste, mir doch einfach einen mitzubringen. So geschah es, und – oh Schreck – es war einer mit einem Windows XP! Ein einziger Sonntag aber als Vorbereitungszeit, das war zu knapp für das FreeBSD-Abenteuer. Ich musste also mit XP auf Reisen gehen. Die blog-software hatte ich per Xampp schnell draufgeschustert. Es hat funktioniert. Nicht schlecht sogar. Ich habe damit während der Reise einige längere Artikel, z.B. über Kölner Kölsche und Düsseldorfer Alt geschrieben. Was aber lästig war, war die alte Windows-Krankheit mit den festen Laufwerksbuchstaben. Laufwerk „C:“ war auf der kleineren 4GB-Speichereinheit, „D:“ auf der 8GB großen. Auf „C:“ wurde es dann sehr schnell eng, obwohl ich alle Zusatzsoftware nur auf „D:“
    installieren ließ. Ich habe dann die windowseigene Laufwerkskomprimierung für „C:“ eingeschalten müssen. Dies, so dachte ich, wäre dann ja für einen nicht-IT-Spezialisten eigentlich schon eine Zumutung. Ich erkannte: man muss auch mit Windows XP auf dem eeePC schon ein IT-ler sein, um damit ordentlich arbeiten zu können.
    Spätestens da stand fest: Nach dem Urlaub kommt das XP runter vom eeePC und ich nehme das Angebot von Matthias an, mir einen USB-Stick mit FreeBSD-Installationssoftware geben zu lassen. Wenn etwas klemmt, dann habe ich mit Mattias ja einen FreeBSD-Guru zur Seite, und wenn alles komplett in die Hose geht – die OpenSuSE würde ich notfalls auch irgendwie drauf bekommen – per externem USB-CD-Laufwerk oder ähnlich…

    Tja, den Ausgang der Geschichte kennen wir. SuSE bekam keine Chance.
    Die Installationsanleitung von Matthias war einfach zu gut. Auf dem Stick war inklusive der Anleitung alles vorhanden, um nach weniger als einer Stunde den eeePC mit FreeBSD booten zu lassen. Beim ersten Booten noch nur mit command line, ohne graphische KDE Oberfläche. Das war aber bereits ein erhebender Anblick: den mini-PC booten zu sehen wie einen großen Server und sich als root einzuloggen 🙂

    Matthias hatte dann (leider?) die Grundpakete für die weitere Installation auf dem Stick vergessen. Damit war ich (zum Glück!) gezwungen mir irgendwie selbst zu helfen. Ich hätte auch auf mein nächstes Treffen mit Matthias in der Forschungsbrauerei warten können.
    Aber da hatte mich schon das Fieber gepackt und ich habe – ohne vorheriges Googeln – gleich http://www.freebsd.org aufgesucht, wurde mit bester Dokumentation beglückt und fand auch ohne jedes Suchen direkt die fehlenden Pakete zum Download. Nach einer weiteren Stunde oder zweien, die Zeit verging wie im Flug, war auch KDE installiert und ich hatte ein rundum funktionierendes FreeBSD Serversystem in meiner Hand (eine Hand reicht, um den eeePC zu halten).

    Was noch fehlte waren dann die Kleinigkeiten wie z.B. richtiges automatisches Laden der wlan-driver. Hier half mir mein guru Matthias mit kurzen emails perfekt aus. Und natürlich fehlte noch die blog-software. Bei deren Installation halfen mir für den apache webserver die FreeBSD online Dokumentation, für den MySQL-Server die Dokumentation von FreeBSD in Verbindung mit der Doku von MySQL.com, für PHP die FreeBSD Doku mit etwas Googeln und für die Blogsoftware reichte dann schon meine eigene Erfahrung mit WordPress. Die letzte Installation, die der blog software, lief dann auch so problemlos, als ob ich schon jahrelang mit FreeBSD arbeiten würde. Im Gegensatz zu den vielen verschiedenen Linux-Derivaten, wo man für jede Linux-Unterart ein eigenes Buch bräuchte oder sich nach Dokumentation zu Tode googeln müsste, machte es FreeBSD mir überraschend leicht. Ich brauchte wirklich ausser der Adresse http://www.freebsd.org kaum zusätzliche Doku. Die klare Struktur von FreeBSD selbst tat ihr übriges dazu: Das Grundsystem in /usr, der Rest in /usr/local. Und die Grundeinstellungen in /etc, die übrigen in /usr/local/etc. Dieses bisschen Grundwissen gepaart mit etwas Linux-Erfahrung und ein paar wenigen Tips vom Guru, reichte vollkommen aus, um das System nach wenigen Tagen so zu beherrschen, dass ich mein portables Blogsystem am Laufen hatte und damit richtig arbeiten konnte.

    Damit habe ich nun endlich mein Blog, das ich auf meinen Bierreisen überall hin mitnehmen kann. Und weil ich zu faul bin, jedesmal zu hause mein Blog vom eeePC herunter auf meinen ehemaligen stationären Linux-Blog-Server zu synchronisieren, habe ich in meinem Home-WLAN dem eeePC eine feste Adresse zugeordnet, die er auch brav per DHCP bezieht, diese Adresse meinen anderen Rechnern, darunter auch einem Vista-Rechner (*schäm*) beigebracht und schreibe zu hause der größeren Tastatur wegen meine blog-Beiträge von den großen Client-Rechnern aus, die sich vom eeePC-Server-Winzling bedienen lassen. So bin ich jetzt überglücklicher FreeBSD-Newbie mit einem der kleinsten portablen UNIX-blog-Server, die es wohl in Bayern gibt.

    —-
    An Matthias möchte ich hier meinen ganz großen Dank aussprechen, für seine Unterstützung bei meinem eeePC-Vorhaben. Und wie oben schon angeklungen, meine Bewunderung für seine Pioniertat kundtun, den eeePC per USB-Stick in ein FreeBSD-Serversystem zu verwandeln. Von solchen Pionieren lebt die IT-Welt!
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    Ralf

  2. BLOG-UMS-BIER » Geschichten aus der Forschungsbrauerei: Die FFUG (Mittwoch, der 27. August 2008)

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  3. Michael (Dienstag, der 2. September 2008)

    Mit dankenswertem Einsatz begleitete mich Matthias letzte und diese Woche auf dem Weg zu einer funktionierenden FreeBSD 7.0-Installation mit seinem selbstkompilierten KDE 4.1 – durchgeführt auf einer virtuellen Maschine unter VMware Server 1.0.6 unter Ubuntu 8.04. Angst vor der Konsole habe ich glücklicherweise keine, auch mit dem vi stehe ich ganz gut. Ohne jetzt auf konkrete Probleme einzugehen muss ich als seit Jahren überzeugter Linux-Anhänger aber Nicht-Guru doch feststellen, dass ich von einer mich befriedigenden FreeBSD-Benutzung noch weit entfernt bin. Dass ich jedenfalls nächstens mein kürzlich auf Ubuntu 8.04 gehobenes Arbeits-Notebook ( http://deaddodo.org/mikiwiki/index.php/Ubuntu_8.04_Hardy_Heron/Installation_19._August_2008 ) in naher Zukunft auf FreeBSD migrieren werde, das kann ich ich mir zur Zeit nicht vorstellen. Ubuntu ist einfach zu gut 😉

    Hingegen werde ich mir auch zuhause so ein FreeBSD als virtuelle Maschine aufsetzen, um darauf meine ersten Gehversuche zu machen und um die Punkte rauszufinden, die mich an diesem sagenumwobenen Guru-System allenfalls begeistern könnten. Immerhin habe ich nun gesehen, dass eine Installation sogar mit aktuellem KDE (obwohl ich GNOME bevorzuge…) durchaus machbar ist. Dafür nochmals herzlichen Dank an Matthias! Dein Blog wird beobachtet! Ich kann ja dann mal als erste kleine Auslands-Dependance der FFUG i.G. firmieren, nur leider halt ohne Forschungsbier…

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