Marc Borner
Samstag, der 17. Oktober 2009

eigentlich

Im Wort „eigentlich“ steckt eine seltsame Magie. Magie, das ist der Glaube, etwas durch die eigene Willenskraft entgegen jeder naturwissenschaftlichen Erklärung beeinflussen zu können.

Mit „eigentlich“ wollen wir ausdrücken, wie Dinge oder Ereignisse zu sein haben. In diesem Sinne wird „eigentlich“ moralisch. Etwas ist nicht einfach nur, sondern soll auch in einer bestimmten Weise sein. Wenn wir „eigentlich“ benutzen, betreiben wir Magie. Ein gewohnter Zustand wird durch das Wort herbeigewünscht.

„Eigentlich“ ist ein konservativer Zauber. Con-servare. Er-halten. Be-wahren. Wir bewahren Dinge oder Ereignisse, die sich für unser Leben bewährt haben aus eigenen oder gesellschaftlichen Gründen.

Dass wir so handeln, ist klar, denn unser Gehirn ist im Grunde oder eigentlich faul. Neues zu denken kostet mehr Energie. Und unser Gehirn arbeitet, wie auch der Rest unseres Körpers, möglichst energieeffizient.

„Eigentlich“ ist also eigentlich Ausdruck einer Denkfaulheit. Jene mag ihren Sinn haben. Wir sollten jedoch vorsichtig sein, wenn Menschen dieses Wort allzu häufig benutzen.

mb

2 Kommentare zu “eigentlich”

  1. rd (Dienstag, der 20. Oktober 2009)

    Woran liegt das, dass die Artikel, die ich als besonders nachdenkenswert empfinde (wie den vorliegenden), ab und zu so schlechte Noten kriegen?

    Tun sie weh? Sind sie unbequem? Machen sie schlechtes Gewissen?

    RMD

  2. Bernard Maischberger (Donnerstag, der 12. November 2009)

    Eigentlich nicht schlecht Der Artikel
    aber in einigen Punkten bin ich eigentlich ganz anderer Ansicht.
    Zum Ersten hängt es ganz entscheidend von meinen aktuellen Wünschen ab ob eigentlich etwas bewahren will oder eine Veränderung herbeiführen soll.
    Eigentlich wünsch ich mir viele Dinge ganz anders
    also sollen sie nicht so „Konserviert“ bleiben wie sie sind.
    Der andere Punkt ist mir noch wichtiger. Die Beeinflussung nur durch die eigene Willenskraft und der Wissenschaftlichen Erklärung.
    Die Willenskraft beeinflusst sehr wohl die Dinge. Das hängt nur davon ab auf welche Wissenschaft ich mich berufe. Seit der Quantenphysik und Heissenberg ist es sehr wohl auch Wissenschaftlich, dass der der den Versuch unternimmt und seine Annahmen das Ergebnis beeinflussen. Was sich in sehr direkter Weise, auf einer ganz anderen Ebene, auch (leider) in der Psychologie widerfindet. Hier wird oft das Krankheits bzw. Gesundheitsbild des Patienten direkt durch den Therpeuten festgelegt also beeinflußt manchmal sogar zementiert.
    Eigentlich haben die Gedanken wohl doch eine ganz schöne Kraft, mit oder ohne Wissenschaft.
    Wissenschaft ist ja eigentlich auch nur immer das worauf sich die überwiedgende Zahl derer, die die Wissenschaft betreiben gerade geeinigt haben.
    Da ist „eigentlich“ wieder Konservativ. Bis mal wieder so ein Heissenberg oder Einstein oder … kommt und die Wissenschaft gehörig erweitert.
    BMA

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