Marc Borner
Samstag, der 17. Oktober 2009

Was haben Obama und Arafat gemeinsam?

Einen großen Aufschrei gab es in letzter Zeit: Der US-amerikanische Präsident Barak Obama hat den Friedensnobelpreis bekommen! bo Skandal meinten einige. Toll andere. Persönlich sehe ich die ganze Sache äußert positiv. Eine Frage beschäftigte mich allerdings schon seit ich die Bekanntmachung gelesen hatte: Was haben wohl Barak Obama und der palästinensische Freiheitskämpfer Jassir Arafat gemeinsam?

Wie komme ich zu der Frage? Es war das Jahr 2000. Jassir Arafat bekam wie auch Shimon Peres und Jitzhak Rabin den Friedensnobelpreis verliehen. ja Viele mögen sich noch daran erinnern: Die Presse und Nachrichten reagierten im Allgemeinen mit großer Verwunderung. Und so tat es sicherlich der ein oder andere von uns auch. Wie konnte es sein, dass Personen, die in sehr viele Kriege und Konflikte verwickelt waren, die insgesamt auch als alles andere als friedenswillig galten, einen Friedensnobelpreis bekamen? Jassir Arafat soll als bekannteste dieser Trias hier als Beispiel dienen.

Neun Jahre später stellen sich viele ähnliche Fragen, wenn auch in milderer Form. Vor allem der Afghanistan-Krieg wird erwähnt. Allerdings, jedenfalls seinem Wortlaut und Versprechungen zu urteilen nach, setzt sich Obama vehement für Frieden in der Welt ein und das nicht im Sinne seines Vorgängers, der es eher als Pax Americana verstanden hatte.

Welche Parallelen aber gibt es nun zwischen Obama und dem ehemaligen palästinensischen Staatsoberhaupt? Irgendwelche müssen es ja sein, denn beide haben denselben Preis erhalten.

Hautfarbe, Religion und Nationalität scheiden als Gründe wohl aus. Dass jemand, der den Friedensnobelpreis bekommt auch nicht unbedingt nicht kriegerisch gehandelt haben muss, ist mittlerweile ebenfalls klar. Böse Zungen behaupten sogar, einige Friedensnobelpreisträger wären sogar in direktes oder indirektes Töten verwickelt gewesen. Um moralische Dinge scheint es aber in den Vergabekriterien des Preises nicht zu gehen.

Werfen wir einen kurzen Blick darauf. Zusammengefasst geht es in den Kriterien um den Einsatz für den Frieden. Im Wortlaut: Derjenige, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat, soll mit dem Preis geehrt werden.

Hier muss es also liegen: Der Einsatz für den Frieden der Völker. Auch wenn Frieden im Kleinen beginnt, scheinen die Mechanismen völlig andere zu sein. Für Frieden setzt sich jeder manchmal ein: Manche für den Frieden mit dem Ehepartner, manche für Frieden mit den Kindern, manche für Frieden in der Familie oder manche eben für den Frieden unter Freunden. Seltener schon setzt man sich ein für Frieden mit oder bei Fremden. Zivilcourage spielt hierbei die große Rolle. Aber auch das tun manche.

Frieden im Großen spielt mit anderen Mechanismen. Setze ich mich als Staatsmann oder –frau für Frieden ein, so setze ich mich auch für die Beendigung von Kampf und Konflikten ein. Der Fremde ist auch der Soldat. Ich setze mich dafür ein, ihn und seine Kollegen im Konfliktland arbeitslos zu machen. Und dafür ernte ich nicht Kritik, sondern Ehrung. Die Mechanismen des Kleinen sind in gewissen Dingen umgekehrt. Und dies war nur ein Beispiel. Weist es also ggf. auf eine richtige Tendenz im Großen hin, wenn uns die Vergabe des Friedensnobelpreises nicht unmittelbar einsichtig erscheint?

Das kann nicht so richtig sein. Denn die Vergabe an Personen wie Mutter Theresa erscheint wohl jedem einleuchtend. Und viele Menschen sehen eben gerade in Beispielen wie diesen eine ursprüngliche Berechtigung des Preises.

Was ist nun aber mit Obama und Arafat? Die moralische Ebene scheint unerheblich und die politische Ebene zu marginal für die Vergabe des Preises. Sollte denn die bloße Minderung eines Konfliktes und die Beschwörung mit Worten zur Vergabe bereits ausreichen?

Ich denke eher, dass mit dem Preis vor allem eine symbolische Bedeutung erzielt werden soll. Auch wenn der Preis auf der Beurteilung vergangener Taten und Worte basiert (also retrospektiv), erscheint mir die Vergabe selbst vor allem eine prospektive Bedeutung zu haben: Es soll ein Zeichen des Friedens gesetzt werden. Wir wollen nicht, dass Palästina und Israel weiter in Kriege verwickelt sind. Wir wollen nicht, dass die USA weiter in Kriege verwickelt ist. Und wir wollen vor allem nicht, dass sich Konflikte ausbreiten und weiter eskalieren.

Dies erscheint mir der Kern zu sein. Und das erscheint mir ebenso zu sein, was Obama und Arafat gemeinsam haben: Sie stellen Figuren dar. Stellvertreter um eine Nachricht in die Welt zu senden, dass friedlichere Zeiten zu erwarten sind. Und das ist ja eigentlich etwas Gutes.

MB

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