Hans Bonfigt
Montag, der 24. Februar 2020

„AfD“: Krankheit oder Symptom ?

Es ist schon merkwürdig:  Wer bestialische Enthauptungen, schwerste Verbrechen und dreiste Betrügereien thematisiert, bekommt umgehend und zuverlässig quasi als Patellasehnenreflex den „Instrumentalisierungs-Hexenhammer“ zu spüren, welchen die „Allianz der Anstängigen“ genau so gerne schwingt wie die „Rassismuskeule“ oder den Universaljoker „Nazi“.

Aber wehe, wenn ein einziger, einzelner, schwer gestörter Einzeltäter (der Vater ist wohl ein „Grüner“) Amok läuft:   Dann gilt unbedingt ‚pars pro toto‘. Denn wenn es gegen die „Rechten“ geht, sind selbst die ungeheuerlichsten Unterstellungen Konsens.  Das Grundrezept stammt von M.T. Cicero, „audacter caluminare – semper aliquid adhaeret“.

Geradezu atemberaubend unverschämt empfinde ich die Durchsichtigkeit der Parolen:   Die CDU/CSU wünscht sich den ultimativen „Generalangiff auf unsere Verfassung“ (H.J. Papier, Bundesverfassungsrichter a.D.) in Form einer ‚digitalen‘ Neuauflage des Reichsermächtigungsgesetzes, die SPD versucht sich krampfhaft zu profilieren:  Der universale Feind, der hinter den Taten sämtlicher Psyschopathen in Deutschland steckt, ist die „AfD“ mit ihren Wählern, deren „Ausgrenzung“ bürgerlich-demokratische Pflicht ist.

Erstaunlich, wie widerlich das alles klingt.

Heute habe ich mein sechzigstes Lebensjahr vollendet.   Und ja, ich war sicher, daß die wahre Gefahr für unsere Demokratie die etablierten Parteien sein würden, insbesondere die Grünen.  Aber genau so sicher war ich, daß ich dieses Stadium nicht mehr erleben würde.   Wenn nun aber Politiker aller Parteien fordern, Funktionsträgern einer demokratisch legitimierten Partei den Beamtenstatus zu entziehen, dann läuten CDU, SPD, „Grüne“ und FDP den Staatsstreich ein.

Selbst das könnte man nachvollziehen, wenn hier nicht die schlimmsten Böcke den Gärtner gäben:   In der CDU waren Nazis von Anfang an integriert, da möchte ich an Globke und Gehlen erinnern.  Oder an Herrn Carstens. Wer nun wirklich keinen Posten mehr in der CDU bekommen konnte, dem verschaffte man ein Pöstchen im DFB.   Was unsere Justiz betrifft:   AU WEIA.   Roland Freisler wurde nur deshalb nicht Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, weil fremdländische Ballistiker hier dankenswerterweise frühzeitig intervenierten.   Gut, alles lange, lange her, sagen Sie ?   Aber wie ist das heute, in der Politik z.B. ?   Der deutsche UN-Botschafter stimmte in der letzten Zeit bei acht Resolutionen siebenmal gegen Israel.   Da gerät das omnipräsente Bekenntnis zur „historischen Verpflichtung Deutschlands“ zur Farce.

 

Was aber wäre, wenn die „AfD“ gar nicht die Ursache für die vermeintlich „rechtsextreme Gewalt“ wäre, sondern schlicht und ergreifend ein Syptom für das Versagen der Politik ?  Und vielleicht verhalten sich viele unserer afrikanischen „Gäste“ gar nicht so, wie sich das ein einfacher deutscher Bürger vorstellt ?

Wir sind alle Gefangene unseres Selbst, gleichsam wie ein Insekt im Bernstein.  Ich lasse einmal das heraus, was sich mir als Realität regelrecht aufdrängt:

  1. Die Abenteurer, die die Hilfsbereitschaft anderer ausnutzen, um in Deutschland Vorteile zu genießen, möchte ich nicht unterstützen.   Gerade WEIL ich stolz daraf bin, daß wir ein Asylrecht für politisch Verfolgte haben.  Dieses zu mißbrauchen stellt sich für mich als Verbrechen dar:  Zum einen erschleichen sich Betrüger Vorteile und Ressourcen, die dann zum anderen den wirklich Bedürftigen fehlen.
  2. Viele Primaten kommen aus ihren ‚Shitholes‘ und fordern dreist, daß sie bei uns unter den gleichen Umständen leben können wie zuhause.    Damit es uns beizeiten genau so beschissen gehe wie ihnen:  Frauen sind minderwertig, die „Ehre“ geht über alles und die Verletzung derselben legitimiert selbstverständlich Mord.   Und je ungebildeter und dümmer ein Mensch, desto größer und absoluter ist die „Ehre“.   Denn, so traurig dies ist:  Das ist das einzige, was viele unserer „Gäste“ besitzen.  Ein 17jähriger Junge pöbelt eine junge Frau an, wird von dieser zurechtgewiesen, holt seinen größeren Bruder und man verteidigt die „Familienehre“ daduch, daß man der unwerten Frau ein Messer in den Bauch rammt, zwei Zentiimeter am Herzbeutel vorbei.  Die junge Frau überlebt dank intensivmedizinischer Maßnahmen, der junge Mann sagte vor Gericht klar aus, keine Handlungsalternative gehabt zu haben.  Der Richter wertete die Tat natürlich nicht als Mordversuch, denn der Täter sei ja offensichtlich von der Tat zurückgetreten, weil er nur einmal zugestochen habe (’normal‘ sind in solchen Fällen allerdings 20 und mehr Stiche).  Es blieb also „fahrlässige Körperverletzung“.
  3. Mir geht die Hutschnur hoch, wenn halbwüchsige „Politiker“ uns erzählen, „Unser Zusammenleben muss täglich neu ausgehandelt werden“.  Ich habe da keinen Bock drauf.   Wozu haben wir einen Rechtsrahmen ?  Doch genau deswegen, WEIL wir nicht an jeder dunklen Straßenkreuzung „neu aushandeln“ wollen.
  4. Die neuerstarkte Sprach-Gestapo geht mir fürchterlich auf die Nerven.   Warum soll ich einen Neger nicht Neger nennen ?  Zumal es nicht einmal eine alternative Bezeichnung gibt:   „Schwarzer“ ist gerade mega-out und manche sind ja auch eher braun.  „Farbiger“ — das erinnert eher an einen „Punker“, also an einen Spießer mit IPhone und bunten Haaren.  „People of Colour“ — Hallo, jemand zuhause ?   Es sollte ein ganz einfacher, deklinierbarer deutscher Begriff sein.  Aber es geht ja weiter:  Neben dem „N-Wort“ ist ja jetzt auch das „Schwarzfahren“ oder die „Schwarzarbeit“ verboten, weil dies „rassistische“ Begriffe seien.   Daß das „Schwarz“ in „Schwarzarbeit“ von der Dunkelheit abgeleitet wird, in deren Schutz schon von hunderten von Jahren illegale Geschäfte getätigt wurden, interessiert ja keinen.  Die „Aktivistin“ „Rocky Balbea“  entdeckte in der Graukarte, wie sie in der Photographie verwendet wird, massiven „Rassismus“, weil sie auf „weiße Haut“ abgestimmt ist.   Es wird dann richtig übel, wenn urplötzlich Karnevals-Büttenreden zensiert werden.   Um es klar zu sagen:  Ich kenne nichts widerlicheres als Karneval, dessen Aktivisten ich fast sämtlich für (gar nicht so) latente Faschisten halte.  Das phantasielose, schlecht zusammengestoppelte Geseiere der Akteure ekelt mich an.   Aber in einem Rechtsstaat gilt auch für schlechte und peinliche Machwerke das Recht auf freie Meinungsäußerung.    Ganz abgesehen davon, daß im konkreten Fall der Pöbel mit großer Mehrheit fröhlich Beifall gröhlte.   Und selbst das ist, wenn auch eklig, aber dennoch in Ordnung in einem Rechtsstaat !    Der Karneval war immer schon die Wiege des Faschismus, mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel Karl Küpper.  Der machte sich seinerzeit über die Nazis öffentlich lustig und wurde so schnell aus dem Karnevalsverband ausgeschlossen.   Denn Küpper paßte nicht zu den ekelhaft antisemitischen Prunkwagen. Als dann in der Nachkriegszeit der Karneval als Keimzelle des Antifaschismus umgedichtet wurde, trat Karl Küpper erneut auf – und wurde den Karnevalsbaronen erneut sehr peinlich.   Für einen Rheinländer ist die Wahrheit IMMER peinlich.   Die Folge:   Karl Küpper wurde WIEDERUM ausgeschlossen.   Da weiß man nicht, ob man heulen, schreien, kotzen oder hysterisch lachen möchte.   Anstatt daß sich die widerlich-peinliche Karnevalsmeute, bis heute noch nicht geläutert, wenigstens heutzutage aus der Politik heraushält, wird ein Wagen gezeigt, auf dem FDP und CDU den Herrn Höcke beim Hitlergruß unterstützen.   Selbst der extensive Genuß dieser als „Kölsch“ bekannten Antilopenpisse, die kein Mensch außerhalb Kölns herunterbekommt, rechtfertigt nicht so einen widerlichen Vorwurf weit, weit unter „Stürmer“ – Niveau.   Aber Hauptsache, man heult mit den Wölfen – in allerbester Tradition.
  5. Das schlimmste, wirklich fatale Problem entfaltet sich m.E. durch die inflationäre Verwendeung des unglücklichen Wortes „Rassismus“.  Wie jedem bekannt ist, gibt es keine Menschen“rassen“.   Mensch ist Mensch.   So war das bis vor kurzem.  In meiner Jugend gab es in Hagen/Westfalen eine Kneipe, in der Neger keinen Zutritt hatten.   Wir konnten besoffen sein, wie wir wollten – in den Schuppen gingen wir partout NICHT.   Das war ein selbstverständlicher Konsens in meinem gesamten Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis, über den auch gar nicht diskutiert wurde.   Wir sahen Menschen als Menschen an.   Wenn jetzt aber jede verkrachte Existenz von „Rassismus“ faselt, dann setzt sie implizit die Existenz unterschiedlicher „Menschenrassen“ voraus, mit der fatalen, von Heinrich Himmler und Alfed Rosenberg formulierten Konsequenz, daß gegebenenfalls die eine „Rasse“  „höherwertiger“ sei als die andere.   Durch das ewige Heraufbeschwören dieses Rassenwahns machen sich insbesondere die Grünen mit Begeisterung unwissentlich zum Botschafter Himmlers — als vielleicht nicht die gefährlichsten, allerdings ganz sicher die dümmsten Nazis.   Heiner Geißler war in den 1980er Jahren seiner Zeit weit voraus, als er Kohl soufflierte, „Die Grünen sind die neuen Nazis“.   Fatal wird es, wenn unsere Justiz meint, mit verschwommenen Begriffen wie „Rassismus“ auf Bürgerjagd zu gehen.
  6. Jeder Mensch hat, ob bewußt oder unbewußt, ein Wertesystem.   Kein deutscher Staatsbürger ist gezwungen, sich zu irgendeinem Wertekanon zu bekennen.   Während es einem Regierungspräsidenten, wohnhaft in einer herrschaftlichen Villa weit weg vom gemeinen Volke, ziemlich leichtgefallen sein mag, einer aufgebrachten lokalen Nachbarschaft ein Flüchtlingslager „schmackhaft“ zu machen, so entstellte sich jener zur Kenntlichkeit, indem er betonte, „Wer unsere Werte nicht vertritt, dem ist es freigestellt zu gehen“.   So einen Blödsinn darf jeder verzapfen, aber als Regierungspräsident war das m.E. ein „fishing for compliments“ der besonderen Art.   Leider muß betont werden:  Auch für Politiker, die ihren „Souverän“ verhöhnen, gilt das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit absolut.    Die Beseitigung Lübckes jedoch könnte sehr gut geeignet sein, den verbliebenen Mitgliedern der „politischen Klasse“ einmal deutlich vor Augen zu führen, wer sie eigentlich mandatiert hat.   Auf jeden Fall ist es NICHT Aufgabe der Politik, den Bürger zu belehren oder zu erziehen, sondern für diesen administrative Aufgaben zu übernehmen.   Abgesehen davon:  Noch ist die Tat nicht aufgeklärt, aber jeder spricht von „Mord“.  Dabei ist der Täter doch klar von der Tat zurückgetreten, schließlich hat er nur einmal geschossen – oder etwa nicht ?
  7. Der internationale „politische Islam“ terrorisiert die ganze Welt.   Warum bloß gibt es Reisendenkontrollen auf Flughäfen ?   Wegen der heimtückischen Juden ?   Oder der gewalttätigen Buddhisten ?   Die „Sicherheitskontrollen“ an den Flughäfen vernichten weltweit menschliche Lebenszeit und untergraben wichtige Grundwerte, etwa den, daß man das Leben anderer Menschen nicht sabotiert.   Ein politisch mißbrauchter Islam gehört ganz bestimmt nicht zu Deutschland — und wer dies herbeiredet, stellt sich gegen viele elementare Errungenschaften unserer Gesellschaft und ganz klar auch gegen unser Grundgesetz.   Die Fatwen gegen Rushdie und Westergaard, die brutalen Massenmorde in Madrid und Paris lassen kaum eine andere Auslegung zu.  Dennoch werden Islamaufklärer wie Michael Stürzenberger fortgesetzt in übelster Weise beleidigt und vor Gericht gezerrt, typischerweise mit dem Ergebnis, daß jener in der ersten Instanz verliert und in der zweiten klar freigesprochen wird.  Gleichzeitig erdreisten sich alle etablierten Parteien, Moslems die traditionelle Kleidung zu verbieten, ein prominent an zweiter Stelle unserer Verfassung formuliertes Grundrecht wird hier mit Füßen getreten.
  8. Die Art und Weise, wie unsere Politik mit Wissenschaftlern oder politischen Beamten umspringt, verschlägt mir die Sprache.   In einem bemerkenswerten Interview hat Altkanzler Schmidt den überwiegenden Teil aus Sarazzins Buch „Deutschland schafft sich ab“ als realitätsnahe Analyse bezeichnet und diese Meinung auch gut begründet.   Jedoch wurde Sarrazin aus „Opportunitätsgründen“ von unserer „Kanzlerin“ durch einen charakterschwachen Büttel aus seinem Amt innerhalb der deutschen Bundesbank entfernt.  „Minister*innen“ diffamieren, noch dazu als deren unmittelbare Disziplinarvorgesetzte, hochqualifizierte Professoren öffentlich als „Rassisten“.   Gleichzeitig heult unsere fast komplett gleichgeschaltete Jounaille, wie infam doch die Behauptung der „Faschisten“ sei, in Deutschland sei die Meinungsfreiheit eingeschränkt.

 

Wenn ich diese Punkte einfachst zusammenfassen darf, dann wünsche ich mir von einer politischen Interessenvertretung:

  • die Durchsetzung der persönlichen Sicherheit aller Bürger
  • Freiheit der Meinungsäußerung gerade für Andersdenkende
  • Klare Beschränkung der Migration auf die im Grundgesetz formulierten Kriterien
  • Ausweisung von Betrügern und Kriminellen
  • Beenden des Europa – Wahnsinns
  • Klare Trennung von Staat und Religionen aller Art
  • Volksentscheide bei kritischen Entscheidungen, die Einfluß auf mehrere spätere Generationen haben
  • Abschaffung aller Überwachungsgesetze seit 1970

Nennen Sie mich einen gestörten Menschen.   Oder besser, zeigen Sie mir, wo meine Irrtümer sind.  Aber im Moment erscheint mir die „AfD“ die einzige Partei zu sein, die einige meiner Wünsche umsetzen würde.

Alle anderen Parteien dagegen wollen das genaue Gegenteil.

Erzählen Sie es mir !   Was anderes sollte ich wählen anstatt der „AfD“ ?   Ich würde mich über jeden Hinweis freuen, denn sympathisch sind mir die Herrschaften mit Ausnahme von Frau Miazga wahrlich nicht.

 

-hb

Roland Dürre
Mittwoch, der 19. Februar 2020

Der große Fehler in der Architektur unseres Bildungssystems.

Bergwandern im Schnee (FEB 2020).

Vor kurzem habe ich den Frust meines (fiktiven) Freundes Otto beschrieben. Der ist Lehrer und leidet an dem Unglück seiner Schüler, das sich ja wirklich sehr bedenklich äußert.

So quält mich schon lange die bange Frage:

„Was sind die Ursachen für den vereinigten Frust der meisten Schüler an Deutschlands Schulen?“

Und auch vieler Eltern? Und Lehrer?

Wir haben ja in vielen Unternehmen eine große Frustsituation. Das kann ich aus eigener Fahrung bestätigen. Die Mitarbeiter haben dort oft innerlich gekündigt und betrachten ihr Gehalt als Schmerzensgeld. Montag bis Freitag opfern sie ihre Zeit zähneknirschend ihren Arbeitgebern! Aber am Wochende leben Sie ihr Leben. Um dann wieder frustriert sich am Montag zum Malochen am Arbeitsplatz schleppen. Oder „krank“ vom Wochenende zu Hause bleiben.

Wenn es um die Arbeitswelt geht, da fordern viele Menschen und Gruppen ein neue Form des Arbeitens: #newwork. Von Dr. Markus Raitner gibt es sogar ein tolles Manifest für menschliche Führung. Viele Schlagworte wie Selbstorganisation, Unternehmensdemokratie, Eigenverantwortlichkeit, Agilität sind in aller Munde. Mit Methoden wie wol (working out loud) und vielen anderen wird versucht, die Motivationssituation in den Unternehmen zu verbessern. Die ganz radikalen rufen nach #nobossing. Die Personalabteilungen auch der großen Konzerne versuchen mit vielen Maßnahmen und großem Aufwand die Zufriedenheit und Motivation bei den Mitarbeitern strategisch wieder herzustellen.

Erwachsenen beanspruchen für sich #newwork, unsere Kinder brauchen #newschool.

Beim Überholen der Zugspitzbahn 🙂 (FEB 2020).

An die Kinder denken die Erwachsenen nicht. Die sind ihnen anscheinend gleichgültig. Da höre ich keinen lauten Ruf nach einer Form von #newschool an den Bildungsanstalten. Es ist einfacher, auf die ach so unmögliche Jugend zu schimpfen. Früher war halt alles besser.

Leider gibt es auch nur ganz wenig Schulen, die den Kindern die Möglichkeit geben wollen und können, agil, selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu arbeiten. Von der Christophine habe ich mal berichtet. Dabei sollten wir Erwachsene an die Kinder denken, nicht immer nur an uns selber. Denn wir können mit ein wenig Mut und Glück unser Leben selber autonom einrichten.

Also weg mit #newwork. Ersetzen wir das besser durch ein #newschool für ein gelingendes Leben unserer Kinder.

Die Übel hat einen Namen, es ist der Lehrplan.

Der Lehrplan bestimmt die Schule. Er hat zwei Funktionen. Dem Lehrer schreibt er vor, welcher Lehrstoff in welcher Klasse durchgenommen werden muß. Und er ist die Basis für die Prüfungen, mit denen die Schüler objektiv vermessen werden sollen, was sie gelernt haben. Damit man sie dann mit Noten versehen einordnen kann.

Die Lehrpläne haben nur Nachteile. Sie sind schlecht konfiguriert, weil es unmöglich ist, das Wissen richtig einzuteilen. Der Stoff muss in einem bestimmten Zeitraum erlernt werden. Es so etwas wie einen Fahrplan, der vorgibt, zu welchem Zeitpunkt im Jahr die Klasse ihren Stoff gelernt haben muss. Lehrerausfälle schnell den Fahrplan durcheinander bringen. Wie der Verlust von Tagen durch „hitzefrei“ oder andere Wetterereignisse den Lernprozess stört. Und Kinder wie Gruppen lernen unterschiedlich.

Auf dem Wege von Grainau nach Eibsee (FEB 2020).

Der Lehrplan konzentriert sich auf die Vermittlung von Wissen. Das Einüben von wichtigen Fähigkeiten fällt hinten runter wie Kommunikation im Zweier- oder Gruppengespräch, kreatives Denken, systematisches Ordnen und Bewerten,  Suchen nach Lösungem, eigenständigem Denken, Selbstorganisation, Leben in hierarchiefreier Sozialisierung, Analysieren von Problemen, aber auch allgemein wie man das Wissen findet und es erlernt. DENKEN und MENSCHLICHKEIT sind nur minimale Teil des Lehrplans – das muss der Schüler sich selber beibringen oder meistens erst dann später im Berufsleben lernen.

Lehrpläne haben aber auch schwerwiegende qualitative Mängel. Geisteshaltung und Werte kann man in keinen Lehrplan pressen, so wie man sie in keine Konserve einfüllen kann. Und der Lehrplan verwechselt Wissen und Können. Er ist listet Faktenwissen, aber nicht die Fähigkeit, wie man ans Wissen kommt. So lernen die Kinder Philosophie Ausagen und die Namen und Daten von Philosophen, sie lernen aber nicht zu Philosophieren. So wie mancher Mathematiker meint, dass es die Zahl π (PHI) gäbe, aber nie verstanden hat, dass π nicht existiert. Es gibt nur einen Algorithmus, der in der Lagen ist, diese Zahl in alle Unendlichkeit (an den Limes) zu berechnen.

Lehrplane können das Wissen nicht sinnvoll bewerten. Es gibt zu viel Wissen auf dieser Welt. Alles Wissen passt in keinen Lehrplan. Also wird das Wissen bewerten, was gut genug ist und in den Lehrplan reingehört und in das Restwissen, das nicht so wichtig ist. Ein unmögliches und sinnloses Unterfangen. Ein Lehrplan wird  nie die Frage beantworten können, welches Wissen konkret und aktuell für die Gesellschaft und die Zeit relevant ist. Es vermehrt sich zu schnell. Und bevor man sich umschaut ist es wieder anders.

In selbst kenne mich ein wenig in Informatik und Teilen der Mathematik aus. Die Lehrpläne, die da sehe, haben mit der Realität nichts zu tun. In der Informatik enthält der Lehrplan meistens nur ein bisschen Anwendungssoftware (natürlich von MS) und ein wenig „programmieren“. Das hat mit Digitalisierung aber nicht viel zu tun. Und in der Mathematik ist es ganz schwer. Da wird vieles unwichtiges gelernt – und das Spannende und Schöne bleibt liegen. Wobei das durchaus individuell unterschiedlich sein kann – ein grund mehr, dass ein kollektiver Lehrplan unteroptimal ist.

Diese beiden Fächer sind ein gutes Beispiel, dass gute Lehrpläne individuell sein müssen. Es gibt bei beiden Fächern so viel Spannendes, das man aufgreifen könnte und gemeinsam erarbeiten könnte. Und das gilt für alle Fächer, naturwissenschaftlich wie geisteswissenschaftlich.

Warum dürfen die Schüler sich ihre Lehrpläne nicht selber erarbeiten?

Ich könnte mir agile und selbstorganisierte Klassen vorstellen. Die in Gruppen sich am Anfang der Woche überlegen, was sie an diesem Tage und vielleicht an den nächsten paar Tagen lernen wollen. Dies begleitet und angeregt von Moderatoren, die früher die Lehrer waren. Und am Freitag  präsentiert man sich dann gegenseitig, was sie tolles Neues entdeckt haben. Und vergrößert dann den Nutzen des Lernens so weiter.

Diese Art des freien Lernen würde so viel bringen. Wenn ich einen Lehrplan von den Alpen bis zur Ostsee und vom Rhein bis zur Oder habe, dann klingt das doch nach einer Monokultur und schrecklicher Einfalt. Wenn aber jede Gruppe das Lernen darf was sie will, bekommen wir eine fruchtbare Vielfalt und wissen viel mehr. Also, weg mit dem Lehrplan … Und auf die unsäglichen Schülbücher kann ich dann auch verzichten.

Die Welt ist so groß und faszinierend und passt in keinen Lehrplan und kein Schulbuch rein. Es geht um Zuhören, Verstehen, Begreifen, Weitergeben … Es geht um soziale Kompetenzen, um soziales Leben, um psychische Hygenie, um Respekt und menschliche Fähigkeiten wie Empathie um Emotionen.

Die Schule sollte doch ein Platz sein, dies alles einzuüben und zu erleben. Auch gemeinsam glücklich und fröhlich zu sein. Uns um die Zukunft zu kümmern und auch ein wenig träumen zu dürfen.

Vielleicht bräuchten wir ein paar Menschen mehr, die die Klassen moderieren und animieren und den Kindern Impulse geben und sie inspirieren. Aber das Geld sollten wir doch wirklich für Bildung aufbringen können.

Von vielen „Management und Persönlichkeitsfördernen Trainings kam ich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich war glücklich, das ich etwas besonderes Wichtiges und für mich Neues gelernt hatte. Das war in der Regel so trivial, dass ich es schon in der Schule hätte erlernen könnne. So war ich auch unglücklich, weil ich nicht verstanden hatte, warum ich erst ein Alter von 30, 40, 50 oder 60 Jahren erreicht haben musste, bis ich das gelernt habe, was man mir als Kind hätte üben sollen.

Das waren so Fähigkeiten wie Zuhören, gewaltfreie Kommunikation, sauber logisch Denken können, dialektisch korrekt mit Sprache umgehen zu können und vieles mehr. Das meiste davon hätte ich schon mit 16 oder früher verstanden – und wie sehr hätte mir das im Leben geholfen. Beim Reich werden genauso wie beim glücklich werden.

Aber das wichtigste: Wäre ich früher gestorben, dann hätte ich das nie gelernt. Was für ein grauenvoller Gedanke! Es geht ja auch um die fünf Dinge, die man lernen sollte bevor man stirbt. Da könnte die Schule auch helfen.

Unsere Kinder (und jetzt die Enkel) leben in einer sich dynamisch  Gesellschaft, die sich immer schneller ändert. Sie haben es schwer, denn sie sitzen in der Regel in einer Regelschule und müssen Wissen in sich hinstopfen und banale Kulturtechniken üben, die sie dann auch gleich wieder verlernen, weil sie diese nicht brauchen.

Die Braven lösen Kinder lösen das mit Wissensbulimie und werden seelisch krank, die Bösen mit Trotz und Auflehnung. Das geht hin bis zu Vandalismus und Selbstzerstörung.

Ich muss gestehen, dass ich durchaus oft Sympathien für die bösen habe.

RMD

P.S.
Neben dem Lehrplan besteht noch mehr Reformbedarf. Müssen Schüler wirklich Klassenzimmer haben? Sollte Schule nicht ein offener Raum für Kinder sein, der zum gemeinsamen Lernen, Erleben und Erfahren motiviert. Schau da mal die Erlebnisschaften von MS & Google an.

Klaus Hnilica
Montag, der 17. Februar 2020

Caro – schnell und dünn…

Caro und Fritz (Folge 4)

Na – sagte ich zu Caro, der offensichtlich wieder einmal stinke langweilig war, hast du dich denn jetzt mit Fritz geeinigt, wie er mit deinem super tollen Scooter umzugehen hat?

Ja, sagte Caro.

Und wie sieht diese Einigung aus?

Die sieht so aus, dass der Fritz seine Fingerchen von meinem Scooter lassen muss, sonst kriegt er ein paar Kräftige von meinen Fingern drauf gehauen!

Du bist aber ganz schön ekelhaft zu dem lieben Fritzchen…

Ja, weil wenn ich das nicht bin, kracht er mit meinem schönen Scooter doch nur wieder gegen irgendeine Wand oder einen Baum, und sagt er könne nichts dafür, da der blöde Baum ganz von selbst auf die Straße gesprungen sei..

Aber du könntest ja vorschlagen, mit ihm in eine ruhige Straße zu gehen, wo er unter deiner Aufsicht deinen ‚Edelscooter‘ einmal ausprobieren kann.

Das könnte ich, Opa, will ich aber nicht! Der liebe Fritz soll einfach seine Finger von meinen Sachen lassen – das will ich!

Na ja so lange du halt mit deinem tollen Scooter immer vor seiner Nase herum tanzt, ist es für ihn auch schwer, ihn nicht anzurühren.

Was kann ich dafür, Opa, ich kann ja mich und meinen Scooter nicht wegzaubern…

Wegzaubern nicht, aber vielleicht ‚verdünnisieren‘ – quasi unsichtbar machen…

Und wie soll das gehen? Weiß das vielleicht auch wieder dein super schlauer Einstein?

Irgend wie schon, denn wenns nach ihm ginge müsstest du nur genügend schnell mit deinem Scooter dahin brettern!

Und sonst nichts? Das würde reichen?

Ja das müsste reichen: denn nach Einsteins ‚Spezieller Relativitätstheorie‘ vergeht dann für dich, im Vergleich zum Fritz auf dem Gehsteig, nicht nur die Zeit viel langsamer, sondern mit zunehmender Geschwindigkeit sieht der Fritz auch, dass dein Scooter bezüglich seiner Länge immer mehr schrumpft und du immer dünner wirst….

Opa – ist das bloß Klein-Fritzchens Hirngespinst oder wirklich so?

Nein – Caro, das ist wirklich so! Wenn noch andere Leute auf dem Gehsteig sein sollten, sehen die das genau so! Das Umgekehrte gilt allerdings auch.

Welches Umgekehrte?

Na ja – für dich würde Klein-Fritzchen auch immer dünner erscheinen je schneller du an ihn vorbei rast…

Und Opa, spür ich wie ich dünner werde?

Nein für dich und deinem Scooter ändert sich ja nichts, ihr bleibt wie ihr seid – und für Fritz gilt das Gleiche. Verändert wirken immer nur die, die vorbei sausen!

Und wie schnell müsste ich sein, dass Fritz für mich nur mehr ein ‚Strich in der Landschaft‘ wäre, genau wie ich für ihn?

Na ja du müsstest dich schon fast mit Lichtgeschwindigkeit bewegen! Was immerhin etwa 300 000 km in der Sekunde wären, oder 1,08 Milliarden km/h!

Oh – da muss ich mich aber anstrengen!

Ja das musst du! Aber für alle an denen du dann vorbeirast, schaust du auf deinem Scooter dann letztlich nur mehr wie ein ‚großes Rufzeichen‘ aus, denn an deiner Größe würde sich nichts ändern…

Ein etwas seltsamer Vorschlag von deinem Herrn Einstein, findest du nicht auch Opa?

Ja seltsam schon, aber keine Zauberei, sondern pure Wirklichkeit, liebe Caro! Denn Zauberei, oder Spukhaftes mochte Einstein gar nicht, so etwas hatte er sich immer verbeten!

Hm!

Aber,Caro, wenn dir das mit der Raserei doof vorkommt, dann kannst du ja vielleicht auch einfach so etwas netter zu Fritz sein, was hältst du davon?

Ich überlegs mir Opa?

Prima Caro – und wenn du das tatsächlich tust, dann erzähle ich dir demnächst von einer anderen Seltsamkeit des Herrn Einstein und zwar aus der noch komplizierteren ‚Allgemeinen Relativitätstheorie‘!

Und welche Seltsamkeit?

Nämlich von der, dass meine teure Armbanduhr, die auf eine Millionstel Sekunde genau geht, auf unserem Küchentisch schneller läuft als unterm Tisch am Küchenboden – und man daher auf der Tischplatte schneller altert als unterm Tisch…

Cool Opa! Vielleicht liegen deswegen Hunde immer unterm Tisch.

Ja Caro! Damit sie jung und frisch bleiben. Aber wie gesagt, das ist eine noch seltsamere Geschichte, die ich dir und Fritz ein anderes Mal erzähle…

KH

Roland Dürre
Samstag, der 15. Februar 2020

Was sind die Ursachen für „Thüringen“?

Personen-Wahlzettel, wahrscheinlich ein Design-Fehler der Demokratie

Hans Bonfigt hat in seinem letzten Artikel vorgeschlagen, dass „die Regierung das Volk auflösen und sich ein anderes wählen solle“. Über diesen Satz habe ich lange nachdenken müssen.

Ich glaube, die Parteien der „großen Koalition“ gemeinsam mit FDP und „Die Grüne“ haben sich ihr „neues“ Volk schon gewählt. Diese Parteien haben sich jetzt zu „den demokratischen Parteien“ ernannt. Und ihr „Volk“ in Thüringen sind die wenigen Wähler, die ihnen noch verblieben sind. Für die große Mehrheit der Nichtwähler und der Wähler von „nicht demokratischen“ Parteien wie auch den paar Protestwählern sind sie nicht mehr zuständig. Die werden einfach „demokratisch“ ignoriert.

Es geht einfach: Die Linken und die AfD werden rhetorisch oder per Grundsatzbeschluss zu „undemokratischen Parteien“ erklärt. Und die kleinen idealistischen Parteien wie „ÖDP“ und „Die Piraten“ oder  „Die Partei“ (gewählt von Wählern, die Politik nur noch ertragen, indem sie sich darüber lustig machen) werden einfach abqualifiziert und diffamiert. Und auch mit gesetzlichen Änderungen bekämpft, die ihnen die Kandidatur erschweren.

Sehr überraschend ist es nicht, dass die „demokratischen Parteien“ jetzt ein Problem haben. Ist die „Die Linke“ trotz ihrer nicht so rühmlichen DDR- und SED-Vergangenheit vielleicht doch keine undemokratische Partei? Müsse man „Die Linke“ und die „AFD“ nicht nicht doch anders behandeln? Weil nämlich der Bodo Ramelow ja gar nicht so schlimm ist? Und man sonst auch nicht weiterkommt?

Aber lass uns zuerst mal über Demokratie ganz allgemein reden. Die Grundidee von Demokratie ist, dass das Kollektiv der Bürger der Souverän im Staat ist und bleibt. Unter einem Souverän (von mittellateinisch superanus ‚darüber befindlich‘, ‚überlegen‘) versteht man den Inhaber der Staatsgewalt. Dieses Prinzip soll den Bürger zum Souverän machen. Die Werkzeuge dazu sind Parlamentarismus, freie Wahlen und Gewaltenteilung. Die Bürger eines solchen demokratischen Staates verzichten auf Gewalt und richten das Monopol auf Gewalt beim Staat ein.

Die Gewalten teilung erfolgt in Legislative, Judikative und Exekutive. Die Legislative wird durch ein gewähltes Parlament realisiert, das die Gesetze macht. Die Judikative wird durch eine unabhängige und nur der Verfassung und den Gesetzen verpflichtete Justiz und die Exekutive durch administrative Einrichtungen wie die Polizei realisiert. Soweit die Theorie.

Der Wahl-o-mat empfiehlt oft die Wahl der AfD oder der Linken.

Jetzt betrachten wir Thüringen. Die Wahlbeteiligung lag am 27. Oktober 2019 bei 64,9 %. Das mag für eine Landtagswahl ganz  gut sein, bedeutet aber immer noch, dass ein gutes Drittel der Menschen (Bürger genannt) nicht wählen geht.

D.h. die Nichtwähler sind in der größten Anzahl. Ich nehme mal an, dass dieses Drittel von Nichtwählern resigniert hat. Sie haben die Nase voll vom Politik-Theater, unter dem ich täglich leide.

Diese Menschen glauben nicht mehr, dass sie durch Wählen zum „Souverän“ werden, als der sie sich nie gefühlt haben. Sie meinen vielmehr, dass sie mit Wählen nichts bewirken oder verändern können. Weil die Damen und Herren in den Parlamenten und Regierungen eh machen was sie wollen. Und sie schlussendlich nur beschimpft werden, wieder die falschen gewählt zu haben.

Betrachten wir die Menschen, die zur Wahl gegangen sind, also die 64,9%. Von denen haben 54,4 % „undemokratische Parteien“ gewählt, nämlich „Die  Linke“ (31,0 %) und die „AfD“ (23,4 %). So dass die Wähler der Linken nach den Nichtwählern die größte Gruppe im Land sind.

Von den verbleibenden 45,6 der Wähler haben 5,4 % „Die Partei“, „Tier!“ oder „Sonstige“ gewählt. Es bleiben also gerade noch zirka 40 % der Wähler, also (26 %) der Wahlberechtigten in Thüringen, die von den „demokratischen“ Parteien erreicht wurden.

Dies trotz riesiger Investitionen in den Wahlkampf in Form von Marketing (inklusive Manipulation und massiver Angstmache) haben die „demokratischen Parteien“ nur noch ein Viertel der Wahlberechtigten dazu bringen können, sie zu wählen. Fassen wir die Nichtwähler (35,1 % aller Wahlberechtigen) mit den Wählern von „nichtdemokratischen Parteien“ (54,4 % der Stimmabgaben) und den „verlorenen Stimmen“ (5,4 % weil an der Sperrklausel / Fünf-Prozent-Hürde in Deutschland gescheitert), zusammen, dann sind dies fast drei Fünftel der abgegebenen Stimmen. Das ist die bittere Realität.

Jetzt werden die Bürger, die durch Nichtwahl protestiert haben, Linke oder Rechte gewählt haben oder ihren Protest anders gezeigt haben, von den „demokratischen Parteien“ diffamiert!

Diese Arroganz stinkt mir. Ich meine, wenn die bürgerlichen Parteien fast 3/4 der Menschen im Land verloren haben, dann sollten sie nicht mehr laut moralische Forderungen stellen und weiter ihr armseliges Politiktheater aufführen, sondern sich in Demut auf die Suche nach den Ursachen machen? Weil sie durch ihre Politik über Jahrzehnte dieses Problem geschaffen haben.

So haben wir in Thüringen zwei Völker. Ein kleines Volk“, das den demokratischen Parteien gehört, weil es diese gewählt hat. Und ein „großes Volk“, das den demokratischen Parteien nicht mehr traut und von diesen folgerichtig ignoriert wird. Und ich wette, dass beim nächsten Wahlgang das kleine Volk noch weiter schrumpfen wird.

Und den von den Bürgern des großen Volkes gewählten Abgeordneten geht es auch nicht gut. 39 Abgeordnete von CDU, Die Grünen, FDP und SPD haben sich selbst zu den guten Demokraten und die 51 von den Linken und der AFD zu den schlechten erklärt.

Und weil das ja nicht so sein kann, streiten die „demokratisch guten“  jetzt, ob man nicht zumindest ein paar der 29 Abgeordneten der Linken zu den „Weniger-schlechten“ oder „Fast-guten“ umdefinieren sollte.

Klar geht es Deutschland immer noch besser als vielen anderen Ländern der EU und auf dieser Welt. Darauf können wir uns aber nicht ausruhen. Die ganze EU zeigt nach unten, weil viele Menschen keine Vorteile in ihr mehr sehen. War doch der einzige Vorteil die Großzügigkeit an den Grenzen. Und die scheint ja auch der Vergangenheit anzugehören. Aber wir sind Teil der EU, wahrscheinlich nach dem Brexit sogar der „Lead-Partner“, der aber sich so richtig gegen die „Süd-Achse“ im EURO-Raum auch nicht durchsetzen kann.

Beim Umweltschutz kreißt der Berg und gebiert eine Maus. Über das Versagen der EU (und BRD) beim Klimaschutz muss man nicht mehr reden. Die Technologie soll den Planeten retten, ganz ohne Veränderung unserer Lebensgewohnheiten. Ohne irgendeinen Verzicht (weniger Verschwendung und Reduktion unserer Bequemlichkeit). Mit Elektro-Boliden, die mit Kohle-Strom fahren, wollen wir den Planeten retten. Und indem wir beim Shopping die Plastiktüte abschaffen. Was für ein Blödsinn.

Es ist ein einziges geschöntes Totalversagen („soft washing“). So wie mich auch das humanitäre Versagen der EU entsetzt. In beiden Fällen höre ich schöne Sprüche, sehe aber NULL Handeln.

Inflation und Verschuldung im „EURO-Raum“ explodieren, die kleinen Vermögen der „kleinen Leute“ – obwohl nicht ausreichend als Schutz vor Altersarmut – schmelzen in großem Stil dahin. Bei der Rente verkündet man Erfolge, aber eine Lösung ist nicht in Sicht.

Die politische Kultur in den Ländern der EU driftet völlig auseinander. In allen wichtigen Fragen herrscht maximale Uneinigkeit. Die nächste Krise in und wahrscheinlich auch der nächste Austritt eines Landes aus der EU sind nur eine Frage der Zeit.

Die Besetzung der Spitzenämter wird von den mächtigen Nationalstaaten ausgemauschelt, demokratische Vorgaben auf EU-Ebene werden genauso ignoriert wie in Thüringen. Fast könnte man sagen, dass die EU für Thüringen Modell stand.

Nur dass es bei der EU gut ausging (für die Spitzbuben), und in Thüringen nicht. Undemokratische Manipulationen in der EU werden nicht groß angeprangert wie in Thüringen. Vielleicht weil die EU einfach niemanden so richtig interessiert und Thüringen den Menschen in Deutschland wichtiger ist. Und in der EU ja die „Guten“ die Spitzbuben waren und in Thüringen die Bösen.

Den Menschen in der EU wird immer klarer, dass eine gemeinsame Währung nicht funktionieren kann, wenn die Länder der Währungsunion fundamentale Unterschiede haben bei Wohlstand und Gehältern, bei ihren sozialen und wirtschaftlichen Strukturen wie auch Gesetzen und Regularien.

Die Schäden durch historische Fehler (wie die Orgie an Suventionen für die Landwirtschaft und andere) werden immer klarer. Die EU leidet unter Lobbyisten, die die Politik im Schwitzkasten haben (oder die Politiker auf der Payroll).

In Europa hält sich kein Land an die gemeinsam erlassenen Regeln, auch Deutschland nicht. Und die neue – ungewählte und konspirativ gekürte – Chefin der EU will den Verstoß gegen Regeln nicht mehr ahnden, um ihre Heimatnation vor Bussgeldern zu bewahren.

Wirtschaftlich war Deutschland in den letzten Jahren trotz seiner Spitzenposition als Nettozahler der große Gewinner der EU. Und hat – wie das in einer radikalen Marktwirtschaft normal ist – kränkliche wie gesunde Strukturen in anderen Ländern (vor allem aber  nicht nur in EU-Ländern) zerstört oder übernommen. Die Regierung der BRD hat dabei die Konzerne gewaltig unterstützt.

Andere Länder ausbeuten ist aber keine gute Politik. Das rächt sich langfristig, weil  (die meisten) Nationen noch ärmer und die anderen (die wenigeren) noch reicher werden. Also müssen wir wieder aufrüsten und uns fit machen für weltweite militärische Einsätze. Während auch in unserem Land sich arm und reich polarisiert.

Die Infrastruktur zerfällt fast überall. Die Lobbyisten des Kapitals und der großen Konzerne beherrschen die Politik. Das geht auf Kosten der Natur, die uns am Leben hält. Die Menschen, gerade die Jungen, machen sich begründet Sorge um die Zukunft. Aber das interessiert keinen Politiker. Deren Sorge ist wie man das neue Grundrecht der BRD -das Recht auf Besitzstandwahrung – umsetzen kann.

Unsere Bildungssystem ist eine Katastrophe, das weiß jeder der Kinder hat. Wohlhabende Eltern vermeiden die Regelschule und senden ihre Kinder auf Privatschulen, möglichst im Ausland. Unsere Verkehrspolitik ist eine einzige Katastrophe, unsere zum Teil überdimensionierte Infrastruktur verschleißt.

Klar haben wir noch viele Reserven, aber es wird immer enger. Die Menschen begreifen immer mehr, dass die Klimaänderung auch uns betreffen wird. Es geht uns an den Geldbeutel und an die Zukunft. Die Politik macht uns weis, dass Wachstum alle Probleme löst und wir eine Inflation von 2 % im Jahr brauchen. Statistisch haben wir nur eine geringe Inflation. Das erfüllt die Politiker mit Sorgen. Gefühlt haben wir eine wesentlich höhere, was die Menschen mit Sorge erfüllt.

Politiker erzählen uns, dass wir auf einer Insel der Seeligen leben und uns nichts passieren wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Klar muss es bei uns nicht so schlimm werden, wie in den meisten Ländern der Welt, aber absolut sicher vor Trockenheit, Überschwemmungen, Stürmen und Hitze sind wir hier auch nicht. Eine viel genannte Bedrohung ist die Migration. Die könnten wir aber mit höheren Ausgaben fürs Militär in vermeiden

Die Menschen glauben das alles nicht mehr. Man hat ihnen jahrelang erklärt, dass Globalisierung und Wachstum unsere Werte sind. Heute merken sie, dass Wachstum ein Irrweg ist und die Globalisierung ein Wahnsinn ist. Eigentlich wussten sie das schon immer, aber exotische Früchte und billiger Plastikschund aus China hatten ihren Reiz wie das billige T-Shirt.

Jetzt merken sie, wie völlig unverantwortet beliebig viel Unsinn bei uns geschwätzt wird. So werden sie sauer. Weil sie das vordergründige Politiktheater um die Macht begleitet von dümmlichen und vordergründig moralisierendem Prinzipiengelabere einhergehend mit der Diffamierung der Mehrheit des Volkes und dem plumpen Beschimpfen des „politischen Gegners“ nicht mehr leiden wollen. Mag sein, dass sie dabei, den falschen Propheten folgen. Und empfänglich für Dogmatiker werden. Aber das scheint mir eine logische Folge.

Aber wahrscheinlich sind wir wirklich das falsche Volk. Und müssten unserer Politik dankbar sein, dass sie alles ruiniert hat. Denn der dadurch entstehende Druck könnte so groß werden, dass wir förmlich gezwungen werden, unser Verhalten zu ändern. Was vielleicht unsere Welt rettet. Vielleicht eine Rettung durch Kollaps? Wie man sagt – oft sind des Herrn verschlungen.

Mein zynischer Trost:
Ich halte Wärme gut aus, benutze auch in Afrika oder Indien Klimaanlagen nur sehr selten. Der Zerfall der  Infrastruktur stört mich auch nicht so sehr: Wenn keine Autos über die baufälligen Brücken mehr fahren dürfen, kommen wir immer noch zu Fuß oder mit dem Rad gut drüber.

Und der Niedergang der Demokratie verursacht durch die Oligarchie der Parteien und deren Komplizentum mit den Lobbyisten der „Deutschland AG“ ärgert mich auch nicht mehr.

Wir hätten die Demokratie erneuern müssen. Aber das scheint ja eine Unmöglichkeit. Sogar das einfache Problem, dass der Bundestag wegen der Überhangsmandate immer größer wird, kriegen wir nicht hin.

Wie sollen wir dann große Herausforderung wie das Verbieten von Lobbyismus schaffen? Wie soll das „Weg von der Personenwahl zu transparenten Sach- und Werte-Entscheidungen“ gelingen? Oder gar eine Innovation wie geloste an Stelle von gewählten Parlamentarier stattfinden? Da gab es mal die Idee von Liquid Democracy, die man sich vielleicht anschauen könnte. Vielleicht ist die Zeit (Digitalisierung) heute reif für so etwas.

Damit das Volk wieder zum Souverän wird und die aktuelle undemokratische Oligarchie der Parteien und Lobbyisten ablöst!
Siehe auch Karl Jaspers – aus dem Jahr 1966.

RMD

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 6. Februar 2020

Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt.

Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?

 

Ob es der ehemaligen „FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda“ Angela Merkel nun paßt oder nicht:   Die demokratisch gewählte zweitstärkste Kraft in Thüringen darf ihre Rechte wahrnehmen.

Schon ärgerlich, wenn eine in Permanenz ausgeübte, grundgesetzwidrige Kungelei (geschlossene Abstimmung) einmal nicht so ausgeht, wie man sich das wünscht.  Die Väter des Grundgesetzes wußten genau, warum sie formulierten, daß ein Abgeordneter ausschließlich seinem Gewissen gegenüber verpflichtet ist.

Es ist nicht viel erhalten geblieben aus der Amtszeit von Kristina Schröder.  Bemerkenswerterweise stellte sie klar, daß sie keine Unterschiede mache zwischen Rechts- und Linksextremismus.   Und ja:  SED und NSDAP waren tragende Säulen und pseudodemokratischer Legitimationsversuch menschverachtender Terrorregimes.  Qualitativ wurde in der DDR genau so gemordet wie im „Deutschen Reich“, auch wenn es einen quantitativen Unterschied gibt.  Sippenhaft ?  Gab es in der DDR genau so wie in Nazideutschland — wie selbstverständlich aktuell bei den Grünen.

Anstatt froh zu sein, keinen weiteren abgehalfterten SED-Genossen als Ministerpräsidenten zu haben, der eine Partei vertritt, die immer noch einem Unrechtsstaat hinterherweint und sich klar gegen das Grundgesetz wendet, möchte Frau Merkel die „unverzeihliche Entscheidung“ der Volksvertreter „korrigieren“.

Wer ist diese „Frau“, die sich anmaßt, eine demokratisch legitimierte Entscheidung „verzeihen“ zu können ?

Zu „korrigieren“ gar ?   Weil die freie Wahl eine „Schande für die Demokratie“ sei ?

 

Wie soll man das einem Zwölfjährigen erklären ?

Vielleicht erklärt man, daß die „Neue Züricher Zeitung“ für uns heute so etwas ist wie seinerzeit das Westfernsehen für die DDR-Bürger.  Denn die Schweizer sind sich nicht zu fein, für ihre deutschen Kollegen nochmal ein paar Selbstverständlichkeiten zusammenzufassen.

 

Was aber, wenn der Zwölfjährige fragt, weshalb man Frau Merkel nicht mit Schimpf und Schande aus dem Amt jagt — darauf könnte ich nur antworten, „weil der Deutsche ein unterwürfiges, dummes, feiges Würstchen ist“.

Helmut Schmidt ausgenommen:  Jedes Volk hat den Kanzler, den es verdient.

 

-hb

Roland Dürre
Donnerstag, der 30. Januar 2020

Otto – der Lehrer.

Hier wieder rein fiktive Gedanken. Durch Otto’s Seele (einem fiktiven Gymnasiallehrer).

Im vorletzten Artikel habe ich von Judy berichtet, einem kleinen Mädchen, das als Erwachsene in die Politik ging. Heute möchte ich Euch den kleinen Otto vorstellen, der auf seinem Lebensweg den Beruf des Lehrers einschlagen wird.

Otto ist eine Fiktion wie Judy. Bei erfundenen Personen ist der Zusatz „Ähnlichkeiten mit lebenden (und verstorbenen) Personen sind rein zufällig“ fast verpflichtend. So wie ich betonen möchte, dass in den Geschichten von Judy und Otto und vielleicht noch weiteren in Zukunft „die Personen und Handlungen frei erfunden sind“.


 

Aus Datenschutzgründen habe ich das Bild von Otto durch eines von mir ersetzt.

Als kleiner Junge war Otto am liebsten im Freien. Schon morgens wollte er raus, an die frische Luft. Besonders gerne trug er seine kurze Lederhose. Im Sommer war er glücklich. Der Winter dagegen war nicht seins.

Die ersten sechs Jahre seines Lebens war Otto ein Einzelkind. Seine Existenz gab dem Leben seiner Eltern neuen Sinn. Er war ihr Augenstern und wurde verwöhnt. Auch bei den Großeltern war er der große Star. Er schien sehr begabt zu sein und konnte gut lesen, dies schon bevor er in die Schule kam. Deswegen wurde er so bald wie möglich eingeschult.

Da war es schlagartig vorbei mit seinem „glücklichen Kindsein“. Zudem bekam er zu diesem Zeitpunkt auch noch ein Schwesterchen, die ganz schnell zum neuen Liebling der Eltern und Großeltern werden sollte. Das Baby wurde verhätschelt. Wenn es schlief, mussten alle ganz leise sein, um die neue Prinzessin ja nicht zu wecken. Er dagegen wurde jeden Morgen unmenschlich früh barsch geweckt und  dann zu Fuß auf den langen Weg zur Schule geschickt. Der Schule nachmittags endlich entkommen, musste er den Rücken krumm machen für die Hausaufgaben.

Auch das ist natürlich nicht der echte Otto – das Elend nimmt seinen Lauf.

Der Winter war besonders grausam. Zur Weckzeit früh um 6:30 ist es noch stockfinster. Die Schuhe, vom Vortag noch nicht ganz trocken, waren im nassen Schnee (den es damals noch gab) schon nach wenigen Schritten durch und durch nass. Der Weg ging entlang einer dunklen und von den Abgasen der Autos verpesteten Straße. Das unfreiwillige Ziel war eine düstere Schule. Da wartete eine Klasse auf ihn, die nach mehr als 40 Schülern stank. Lauter unangenehmen und bösartige Zell- pardon Zeitgenossen.

Dort wartete auf ihn ein missmutiger Lehrer, der Mühe hatte, die große Klasse zu bändigen. Alle mussten immer sitzen, die Regeln waren streng und es hagelte Strafen. Otto war müde vom frühen Aufstehen. In der Pause wurde aus der domestizierten Klasse eine wilde Horde. Die großen und starken Jungen lachten ihn aus und rempelten ihn. Ab und zu gab es auch eine Tracht Prügel oder wurden ihm Sachen weggenommen.

Die Schulstunden brachten die große Langeweile. Er konnte ja schon lesen. Nur, die Schulbücher waren irgendwie überhaupt nicht interessant. Auch auf den hinteren Seiten nicht. Da standen nur komische Geschichten für kleine Kinder drin, die lehren sollten, was gut und was böse ist. Wobei das nie so ganz klar war. Das Rechnen war eher was für Babies. Und Heimatkunde und so ein Kram interessierte ihn schon gar nicht.

So wurde  der kleine Otto ganz schnell ein sehr demotivierter Schüler. Er war froh, wenn es vormittags hell wurde. Da konnte er zum Fenster hinausschauen. Wenn er Glück hatte, sah er ein paar der wenigen Vögel, die im Winter im Lande geblieben waren. Die beneidete er um ihre Freiheit. Der Lehrer mochte das Rausschauen aus dem Fenster aber nicht, so hagelte es Strafen.

So wurde der kleine Otto ein schlechter und unglücklicher Schüler. Daheim war er nicht mehr der bewunderte und verwöhnte Liebling. Er wurde zum bösen Bub, der immer kritisiert und gemaßregelt wurde. Die vier Jahre in der Volksschule waren für Otto die Hölle. Dann schaffte er den Übertritt ins Gymnasium, auch weil seine Eltern ihn jeden Nachmittag zum Lernen zwangen und den Lern-Fortschritt durch tägliches Abfragen am Abend kontrollierten .

Auch das ist natürlich nicht der fiktive Otto!

Auf das Gymnasium gewechselt,  ging es ihm ein wenig besser. Der Stoff war interessanter und die Fremdsprache Englisch ließ ihn von einer besseren Welt träumen. Bei Otto kam so etwas wie eine intrinsische Motivation auf. Es gab sogar Lehrer, die verstanden es, auf die Schüler und Otto einzugehen.

Dann kam die Pubertät, die für Otto wieder ziemlich schlimm werden sollte. Danach, in den höheren Klassen wurde es wieder besser. In einigen – überwiegend naturwissenschaftlichen Fächern – wurde er richtig gut. So baute er sein zerstörtes Selbstbewusstsein mit Fächern wie Biologie und Mathematik wieder ein wenig auf.

Als er merkte, dass er beim weiblichen Geschlecht so halbwegs erfolgreich war, ging es weiter nach oben. Otto nabelte sich Schritt für Schritt von seiner Familie ab, verdiente sich mit Nachhilfeunterricht gutes Geld, dass er mit Pizza-Essen und in Kneipen beim Bier verprasste. Es ging es aufwärts. Er wurde ernst genommen, wirkte bei der Schülerzeitung mit und bestand die Abiturprüfung sogar mit ganz vernünftigen Noten.

Ich kürze jetzt ab. Zu Hause wurde Otto immer eingebläut, dass ein Abiturient studieren müsse. Um es im Leben mal besser zu haben. Otto wählte sich Mathematik und Physik als Fächer aus und studierte fürs Lehrfach. Sein Motiv für die Berufswahl „Lehrer“ war, dass ihm der Nachhilfeunterricht viel Spaß gemacht hatte und er ein besserer Lehrer werden wollte als die, die er selber als Schüler erlebte hatte.

Er bestand die Staatsexamen und wurde Gymnasiallehrer. Er hatte Glück und wurde in den Schuldienst übernommen. Auch das war ja nicht selbstverständlich. Und durfte an ein neues Gymnasium, nicht weit weg von seiner Heimat, das gerade gebaut worden war.

Kurzer Einschub zum Gymnasium:
Früher durften nur wenige Prozent der „Volksschüler“ aufs Gymnasium. Da war das Gymnasium etwas besonderes. Heute geht die große Mehrheit der Kinder „aufs Gymnasium. Für viele Eltern ist es ein MUSS, dass ihre Kinder Abitur machen müssen. Der Übertritt aufs Gymnasium ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Ins Gymnasium kann man schon mit 10 Jahren kommen. Dann verbleibt man dort 8 oder 9, manchmal auch 10 Jahre. Die Schüler sind so zwischen 10 und 20 Jahre alt. Kinder, Pubertierende, halbstarke Jugendlich und Volljährige sind gemeinsam an einer Schule. Und die 20 Jährigen werden zum Vorbild der jungen. Gerade in den Ballungsgebieten, sind die Gymnasien zu Bildungsfabriken geworden, die 1.000 und mehr Schüler mit Bildung und Wissen versorgen sollen.

Zurück zu Otto:
Er kam mit allen gut zurecht, ob Unter-, Mittel- oder Oberstufe. Die Arbeit mit den jungen Menschen machte ihm Freude. Und er hatte allen Grund sich zu freuen, manchmal kam es ihm vor, dass er der einzige Lehrer an der Schule war, den die Schüler respektierten und dem sie zumindest auch ein wenig folgten. Das sorgte für Neid bei manchem Kollegen.

Sogar die Eltern der sogenannten Problem-Schüler freuten sich, wenn er ihre Kinder unterrichteten. Da klappte plötzlich manches besser und sie meldeten ihm das auch zurück. Das freute ihn. Er hatte auch beim Chef (dem Direktor) einen guten Ruf. Der Nachteil war nur, dass er deswegen oft mit Spezialaufgaben versorgt wurde. Das konnte auch ganz schön anstrengend sein.

Man sollte meinen, dass in Ottos Leben alles bestens war. Es gab aber auch Schattenseiten. Er bemerkte, dass viele der Lehrer ihn wegen seines Erfolges bei den Schülern nicht so mochten. Aber das er nicht beliebt war, war er gewöhnt. Hatte er doch schon oft in seinem Leben die Außenseiterrolle inne gehabt. So verkraftete er das Ganze.

Die Schule war nagelneu und sehr modern. Es machte ihm richtig Spaß, in so eine schöne Schule zu gehen. Das Raumkonzept war menschenfreundlich, es gab helle Räume und auch genug Platz für Freistunden. Schade dass man die Fenster nicht öffnen konnte und die Klimaanlage meistens nicht so funktionierte, wie sie sollte. Aber das ist heute ja nicht nur in Schulen so, sondern auch in Büros, Zügen und Hotels.

Es gab andere Dinge, die Otto mehr bedrückten. Der sinnlose Vandalismus der jungen Generation entsetzte Otto. Wie in den meisten Schulen waren eingeschlagene Scheiben, eingetretene Türen, zerstörte Feuerlöscher, demolierte Klos und manches mehr an der Tagesordnung. Manche Schüler legten eine erstaunlich kreative Kriminalität an den Tag.

Otto erinnerte das an die Schule, an die er selber ging. Da war aufgrund von Verwüstungen im Physik-Saal auch kein Unterricht mehr möglich. So dass dieser Raum für Jahre geschlossen wurde und nicht mehr verfügbar. Aber sein Gymnasium war ja schon vor Jahren abgerissen. Und anstelle dessen die gute städtische Lage für den Bau eines Kaufhaus genutzt worden.

Aber heute war es zum Teil schlimmer. Einzelne Schüler bedrohten gelegentlich Lehrer mit Gewalt. Sogar Waffen tauchten einmal in der Schule auf. Das gab es an seiner alten Schule nicht. Mobbing war sowieso an der Tagesordnung. Mal waren Schüler die Opfer, weil deren Gesichter den anderen nicht passten. Oder die Opfer waren Lehrer, die sich nicht durchsetzen konnten oder körperliche Gebrechen hatten.

Vor dem Schulgebäude sah es oft aus wie im Glasscherben-Viertel; angeblich gab es dort auch einen florierenden Drogen-Handel. Das hatte er selber noch nicht erlebt, allerdings war ihm wohl bewußt, dass Wettsaufen bei den Schülern ein beliebter Sport war, bei dem manche es zu wirklichen Spitzenleistungen brachten. Dies im Gegensatz zu ihren schulischen Leistungen. Zumindest hier wurde das Sprichwort „Intelligenz säuft“ Lügen gestraft.

Die „Abi-Streiche“ waren oft nicht mehr lustig, sondern erinnerten an Terroranschläge. Wie war es möglich, dass Kinder, die in der Schule neun Jahre unterrichtet wurden, zum Abschied so ausrasteten? Auch die Ansprachen der Schülervertretern bei den Abiturfeiern am Jahresabschluss wurden mehr und mehr vom konstruktive Rückblick auf 9 Jahre mit Danksagung zu oft gnadenlosen Abrechnungen mit der Schule und den Lehrern.

In solchen Momenten fühlte Otto sich hilflos und fragte sich ernsthaft, wie lange die Schule noch stehen oder wie sie wohl in 10 Jahren ausschauen würde. Und vor seinem geistigem Auge sah er, wie die Schüler die Schule abfackelten und die Lehrer auf dem Scheiterhaufen verbrannten.

Aber nicht nur der Zustand des Gebäudes machte ihm Angst. Auch das Alltagsleben war nicht so wie es sein sollte. Die Situation im Lehrerkollegium wurde immer stressiger. Es gab eindeutig zu wenig Lehrer. Die Folge waren Engpässe – nicht nur bei den Klassenleitern, auch bei den Fächern sah es schlecht aus. Teilzeitkräfte mussten den „Klassenleiter machen“, obwohl das nicht so gedacht war.

Insgesamt herrschte bei den Lehrkräften schon im „Normalfall“ eine katastrophale Mangelwirtschaft. Abhängig von der Jahreszeit wurde die noch schlimmer. Es gab laufend hohe Ausfälle durch Krankheit. Das Lehrer-Kollegium war überwiegend weiblich. Dagegen war ja nichts einzuwenden. Otto waren die weiblichen Kolleginnen generell lieber als die männlichen.

Nur, Frauen arbeiten gerne in Teilzeit. Es gab also viele Teilzeitkräfte an der Schule. Eine nicht ganz zu vernachlässigende Anzahl der Kolleginnen waren schwanger, es gab viele Ausfälle durch Mutterschutz. Und die schwangeren Kolleginnen mussten aufgrund des Beschäftigungsverbots bei bestimmten Erkrankungen  daheim bleiben. Das bedeutete, wenn ein Schüler mit Masern in die Schule kam, musste die Handvoll schwangere Lehrerinnen daheim bleiben.

Jeder Wandertag wurde zur Belastung. Otto machte gerne Wandertage. Er hatte Freude daran gemeinsam mit den Jugendlichen außerhalb der Schule neue Sachen zu entdecken. Die meisten seiner Kollegen sahen das anders und versuchten, sich vor dem Wandertag zu drücken. Wie auch vor mehrtägigen Veranstaltungen wie den Abitur-Fahrten. Die dann auch Otto zu viel waren.

Die Sabotage-Akte der Kinder verursachten zusätzliche Krisen, die das Lehrerkollegium belasteten. Nicht nur, dass sie immer wieder randalierten und die Schule beschädigten, auch das Internet machte Probleme. Immer wieder wurden Schüler beim Anschauen von die NS-Zeit verherrlichendem oder pornographischen Bildern oder Videos erwischt, die sie gemeinsam auf ihren Handies anschauten. Mal wurden sie mit Rauschgift erwischt. Dann musste die Schulleitung die Polizei rufen. Und die Situation an der Schule eskalierte.

Da war für die Zusammenarbeit der Lehrer nicht förderlich und verstärke die negative Entwicklung. So fielen viele Stunden Unterricht trotz großer Bereitschaft einzelner Lehrer für Überstunden aus. Die Leistungen der Schüler gingen von Jahr zu Jahr zurück. Die Leitung wollte natürlich gute Noten und eine vorzeigbare Abschlussquote. Das passte alles nicht zusammen.

Im Lehrer-Kolleg war klar, dass an den unfassbaren Zuständen in der Lehranstalt die schlecht erzogenen Kinder und deren Eltern schuld waren. Aber Otto war sich da nicht ganz so sicher wie seine Kollegen. Konnte es nicht sein, dass auch das System Schule mit Ursache war für den Hass, den manche Kinder entwickelten? Freilich hütete er sich, solche Gedanken im Lehrkolleg laut oder auch nur leise von sich zu geben. Aus gutem Grunde.

So gab es viele Tage, an denen Otto sein Job auch keinen Spaß machte. Er war zwar Außenseiter, aber er litt genauso wie die anderen Lehrer unter der Situation. Die wiederkehrenden Aggressionen und Depressionen mancher Schulkinder machte es nicht leichter.

So musste er sich wieder bewusst machen, dass es an seiner Schule auch viel Gutes gab. Immer wieder war er erstaunt, wie verantwortet schon die jungen Menschen mit Schwächeren umgingen. Es gab so viele wirklich liebe Kinder. Viele Kinder hatten erstaunlich reife Gedanken, andere waren sehr kreativ. Im Chaos der Schule gab es viele selbst organisierte soziale Inseln, die durchaus der negativen Entwicklung entgegenwirkten.

Solidarische und eigenverantwortlich organisierte Teams lieferten bei Projekttagen tolle Ergebnisse ab. Die Theatergruppe, unter der Leitung seines Freundes und Kollegen Hans, stellte immer wieder herausragende Aufführungen auf die Beine. Da merkte man, zu was  die Schüler in der Lage waren, wenn man sie nur vernünftig behandelte. Es machte Otto aber wieder traurig, dass Hans wohl der einzige Kollege war, der ihn zu verstehen schien.

Es gab Schüler, die klug und emphatisch handelten. Es gab  Schüler, die kleine Genies in Spezialgebieten waren. Die hatten sich aber das Meiste durch selbständiges Lernen beigebracht. Wie machten sie das nur? Alles Leute mit Zukunft und für die Zukunft. Andere oft sehr junge Schüler waren in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig.

Es gab doch auch so viel Positives, dass oft gar nicht wahrgenommen wurde.

Und es gab noch etwas anderes, was ihn wirklich positiv beeindruckte. Das war die fridays4future-Bewegung (F4F). Die war doch ein herausragendes Beispiel, dass an unseren Schulen nicht alles schlecht sein kann. fand er bewundernswert. Aber auch da war ihm bewußt, dass die Mehrheit im Lande seine Bewunderung nicht teilte …

Trotzdem: Waren das nicht alles Kinder, die in der Schule  – so auch bei ihm – wirklich etwas gelernt hatten? Die sich gründlich informierten, autonom nachdachten, eine eigene Meinung hatten, sich nicht von Dummschwätzern beeinflussen ließen, in größeren Zusammenhängen dachten und –  Zivilcourage aufbrachten! Genau die Menschen, die unsere Gesellschaft braucht!

Hoch anzurechnen war es den F4F-Kids auch, dass sie nie zur Gewalt griffen. Sie hatten mit ihrem konstruktiven Ungehorsam viel Aufmerksamkeit erzielt. Obwohl sie faktisch nichts erreicht hatten und von vielen nur runtergemacht und beleidigt wurden, blieben sie konsequent bei friedlichen Demonstrationen. Das imponierte Otto sehr. Er war sich selbst nicht sicher, ob er in seiner Jugend so friedfertig geblieben wäre.

Otto hütete sich, seinen Kollegen sein Herz auszuschütten, weil er  ahnte, dass die meisten Kollegen ihn nicht verstehen würden.

Er fragte sich: Müsste man die Bildungssysteme nicht reformieren? Utopische Gedanken machten sich in seinem immer noch jugendlichen Gehirn breit. Er begann zu träumen: Von agilen und selbst organisierten Schulen. Die nicht dümmlichen Lehrplänen folgen mussten, die man nur mit „kaum zu erfüllen und nicht mehr zeitgemäß“ bewerten kann.

Sondern Schulen, in denen die Jugendlichen selber bestimmen dürfen, was sie lernen wollten und das auch eigenverantwortlich in die Hand nehmen. Und die Lehrkräfte dabei eher die Rolle des unterstützenden Mentors übernehmen und sich aufs Anregen, Impulse geben und Inspirieren konzentrieren!

Wie schön wäre eine Schule, an der das Lernen Spaß macht und Kinder, Jugendliche und Lehrer gerne hingehen. Und sich auch die mit ihrer Schule identifizieren, sie gut behandeln und nicht zerstören? Aber wie sollte das mit und in dem aktuellen System funktionieren?

 


 

Otto hatte mal einen Vortrag gehört, in dem ein Schlauschwätzer seinen Zuhörern empfohlen hatte, im  Berufsleben nach folgendem Motto zu handeln:
„Love it, change it or leave ist!“

„Love it“, das war ihm klar, das würde er nicht schaffen, dazu war die Situation zu schlimm. Die konnte man nicht lieben. Außerdem war er ein leidenschaftlicher Lehrer. Und hatte einen ganz anderen Anspruch. Also:
„Change it!“ ?
Das wäre schön. Nur, der Karren steckte zu tief im Dreck. Allein, oder gemeinsam mit Hans. dem Leiter der Theatergruppe, konnte er ihn da nicht raus ziehen. Da hatten sie keine Chance. Und mächtige Verbündete, die ihm helfen würden, sah er auch nicht. Also blieb nur
„Leave it!“
Das schien unmöglich. Er war verbeamtet. Otto wollte zeitnah heiraten und eine Familie gehören. Mit seinem Gehalt würde das eh nur mehr schlecht als recht funktionieren. Seine Versorgung fürs Alter war ihm auch wichtig. Seine Pension war toll. Da hatte er nur Mitleid mit den Angestellten, von denen manche in der „Industrie“ ein wenig mehr verdienten als er. Dafür mussten die aber auch meistens mehr arbeiten. Und hatten viel weniger Freizeit und -heit als er. Und deren Rente war im Verhältnis zu seiner Pension ärmlich.

„Ich muss es nur bis ins Rentenalter schaffen und darf nicht vorher an einem Burn-Out sterben“ dachte er. Wie könnte er das schaffen? Otto kam eine Idee: Er könnte ja ins Ministerium wechseln? Das wär doch was! Nach so einem Job würde er sich jetzt mal umschauen. Vielleicht könnte er von dort aus das Schulsystem ein wenig verbessern.

Und wenn das nicht klappen würde, blieb ihm zur Not ja noch der Wechsel auf eine Privatschule. Angeblich sollte es da einige geben, die ganz gut funktionierten. Als Beamter war er ja unkündbar, konnte seinen Dienst aber täglich niederlegen. Er war doch in einer komfortablen Situation.

Er könnte auch eine reiche Frau heiraten, mit ihr Kinder kriegen und „home schooling“ machen. Dazu müsste er allerdinges auswandern. Denn die BRD ist wohl so der einzige Staat in dieser Welt, in dem „home schooling“ verboten ist.

Ich bin gespannt, wie es mit Otto (und unserem Schulsystem) weitergeht?
🙂 Und so unternehmerisch wie Otto rüberkommt, würde ich ihm empfehlen, ein Schulunternehmen zu gründen. Am besten ein agiles und sich selbstorganisierendes. Hier eine Variante.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Januar 2020

Brexit

Um den Brexit ist es still geworden. Gestern kam mal wieder etwas zum Brexit in den Nachrichten. Da wurde berichtet, dass Bayern mehr unter dem Brexit leiden würden als die anderen Bundesländer. Weil sie aktuell mehr als diese nach GB exportieren würden. Nämlich vor allem Autos.

Eigentlich eine simple Logik, also keine „breaking news“. Ist möglich. Oder auch nicht. Das weiß kein Mensch.

Ich glaube ja persönlich, dass sich nach dem Brexit nicht viel ändern wird. Wie heißt es: Der Berg kreißt – und gebar eine Maus.

Also liebe Brexit-Gegner: Lasst Euch von den Panikmachern nicht  beeinflussen. So schlimm wird es nicht werden. Und Ihr werdet sicherlich auch ein paar Vorteile von Euerer neuen Freiheit haben.

Ich kann die Brexit-Befürworter gut verstehen. Ich finde die EU „boring“. Noch mehr unwürdiges Politiktheater mit schillernden Schauspielerin. Die Europa-Wahl war eine Unverfrorenheit. Das menschenunwürdige Gerangel um wichtigste Themen stört mich genauso wie die Selbstdarstellung (und -bereicherung) der Protagonisten, das Postengeschacher und die Entscheidungs- und Handlungsunfähigkeit der Gremien. Dass bekannte Missstände wie die Landwirtschaftpolitik aufgrund von Interessensverklemmungen ignoriert werden, darf nicht sein. Und wenn mal ein vernünftiger Vorschlag kommt, dann weiß man schon vorher, dass das nichts wird.

Meine Sympathie für die Menschen und Kulturen in Europa hat nichts mit der EU zu tun. Aber Bürokratie und Überregulierung, die Wettkämpfe nationaler Ego-Staaten stören mich. Und wenn ich an DSGVO und Urheberschutz denke, dann bekomme ich Angst vor der Zukunft.

Dabei habe ich so etwas wie einen europäischen Traum. Ich wünsche mir ein Europa der Regionen, bestehend aus kleinen Staaten, die eine Chance haben, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Kein Vetorecht, ein gemeinsames Bewusstsein, dass Kultur und Geisteshaltung wichtiger sind als Gesetze, eine hohe Solidarität. Mit einer starken Basisdemokratie und einem Parlament, das die Entscheidungswege streng kontrolliert. In dem Lobbyismus und Wahlkampfmarketing nichts verloren hat. Und das dem Politiktheater keine Bühne gibt.

Wie kommt man dahin? Ganz einfach, man löst die Nationalstaaten und ihre Parlamente auf. In Deutschland sind die natürlichen EU-Elemente die Länder. Also, Bundestag und Bundesregierung ersatzlos streichen, Auflösung der Bundesrepublik und Beitritt der Länder in eine reformierte europäische Gemeinschaft, die diesen Namen auch verfügt.

Aber jetzt habe ich mich verplappert. Ich wollte doch nur diese beiden brexit songs meinen Lesern präsentieren. Weil sie einfach sehens- und hörenswert sind.

RND

 

Roland Dürre
Sonntag, der 26. Januar 2020

Geheimnisse, Geheimschutz, DSGVO …

 

Hier ein paar rein fiktive Gedanken. Durch Judy’s Seele (eine fiktive Politikerin).

 

Das was uns Menschen ausmacht?

Stellen Sie sich Judy vor. Als Fiktion. Sie ist ein junges Mädchen. Sagen wir mal, sie ist vier Jahre alt. Sie lebt im letzten Jahrhundert, in den goldenen Sechzigern geboren, wohlbehütet in einer gut bürgerlichen Familie aufgewachsen, dies nicht auf dem Land sondern in einer Großstadt. Die Mutter ist Erzieherin, der Vater ist Beamter. Sie ist blond, hat blaue Augen und ist ein richtig süßes Ding.Ihr Markenzeichen sind zwei immer perfekt geflochtene Zöpfe.

Angezogen ist sie wie eine Puppe. Adrett, sauber und ordentlich. Hunger kennt sie nicht, denn sie ist im Wohlstand des späten Wirtschaftswunderlandes aufgewachsen. Alle sagen, dass sie sehr klug ist und für ihr Alter überdurchschnittlich gut sprechen kann. Und – sie hat sich noch die wunderbare kindliche Weisheit bewahrt, die ihr später von Erwachsenen wie den Eltern und der Schule ausgetrieben werden wird.

Das Mädchen hat einen Großvater. Diesen mag sie sehr. Vielleicht weil er der einzige erwachsene Mensch ist, der ihr keine Vorschriften macht, ihr immer geduldig zu hört, nie an ihr rum mäkelt, sie auch nicht erziehen will und sie nie maßregelt. Er hat sie auch noch nie geschimpft oder auch angeschrien. Und auch nie geschlagen, wie das in in den 60iger Jahren Erwachsene mit Kindern gemacht haben (und es vielleicht heute noch tun). All das kennt sie von den meisten Erwachsenen, ja sogar von den geliebten Eltern. Deswegen ist sie ab und zu traurig. Doch wenn sie beim Großvater ist, dann ist sie glücklich:

„Großvater, ich habe ein großes Geheimnis?“

„Das ist schön, Judy, behalte es gut für Dich!“ antwortet der Großvater.

„Aber Großvater, Dir würde ich es gerne erzählen.“

„Gerne, Judy. Laß hören!“

„Aber Großvater, Du darfst es nicht weiterzählen.“

„Das werde ich auf keinen Fall machen!“

„In meiner Tasche habe ich drei Bonbons! Das darf aber niemand wissen!“

Das ist ein Geheimnis, das ich für absolut schützenswert halte. Und das man nicht verraten darf.

Judy kommt in die Schule. Sie bleibt das brave Mädchen und wird eine Musterschülerin, die von den Lehrern geliebt wird und immer gute Zeugnisse nach Hause bringt. Der Stolz ihrer Eltern.

Ein Dutzend Jahre später: Judy und ihr Großvater treffen sich. Und Judy hat wieder ein Geheimnis:

„Großvater, ich muss Dir was erzählen, ich habe ein Geheimnis!“

„Das ist schön, Judy, behalte es gut für Dich!“
antwortet der Großvater.

„Großvater, Dir würde ich es gerne erzählen.“

„Gerne, Judy. Laß hören!“

„Großvater, Du darfst es nicht weiterzählen.“

„Das werde ich auf keinen Fall machen!“

„Ja! Es gibt einen Jungen, in den bin ich so verliebt.“

Und wieder weiß der Großvater, das ist ein echtes Geheimnis. Das darf man nicht verraten.

Aber gibt es außer solchen wichtigen Dingen noch mehr, das wirklich keiner wissen darf? Ich glaube nicht.


Trotzdem scheint in unserer Gesellschaft das Eigentum an den eigenen Daten und der Geheimschutz zum höchsten Gut geworden zu sein. Und die Gesetzgeber der EU und BRD haben sich überschlagen, die DSGVO zu erschaffen und den Weg für den Geheimschutz frei gemacht.

DSGVO wird auch DS-GVO; französisch Règlement général sur la protection des données RGPD, englisch General Data Protection Regulation GDPR) ist eine Verordnung der Europäischen Union, mit der die Regeln zur Verarbeitung personenbezogener Daten durch die meisten Datenverarbeiter, sowohl private wie öffentliche, EU-weit vereinheitlicht werden.

Mit dem Begriff Geheimschutz bezeichnet man ein staatliches Instrumentarium (Verwaltung und Geheimdienste, Militär (Exekutive), Parlament (Legislative)) zur Anwendung im staatlichen Bereich und in der privaten Wirtschaft, das darauf abzielt, Geheimnisse vor allgemeiner Kenntnisnahme zu sichern (Zitat aus Wikipedia).


40 Jahre sind ins Land gegangen. Judy hat geheiratet, sie ist Mutter einer Klein-Judy geworden. Judy ist einer Partei beigetreten, in den Bundestag gewählt worden und sogar ein Ministeramt übernommen. Ihr Ministerium ist zuständig für Klimaschutz, Frieden und die Entwicklung einer sozialen, gerechten und humanen Gesellschaft. Ein sehr wichtiges Ministerium.

🙂 Das alles wirklich ganz fiktiv. Sie hat große politische Ziele:

Judy will den Planeten retten. Dies aber ohne jeden Verzicht und ohne Verbote. Ausschließlich durch moderne Technologie. Wir wissen nicht, ob sie verstanden hat, wie groß die Herausforderung ist und ob ihr Vorhaben realistisch ist. Aber man kann es ja mal so versuchen.

Technologischer Fortschritt braucht vernetzte Offenheit, die Wissen und Kreativität ermöglicht. Wissen ist ein ganz besonderes Gut. Es ist der einzige Rohstoff, der durch Teilen mehr wird. Kreativität braucht Vielfalt. Die Ergebnisse nicht nur der von Steuergeld finanzierten Forschung müssen geteilt werden, am besten global. Es ist ein Wettrennen mit der Zeit.

Judy weiß, dass das Urheberrecht auch Mickey Mouse – Gesetz genannt wird (weil Walt Disney es immer geschafft hat, die gesetzlichen zeitlichen Beschränkungen zu verlängern, wenn das Urheberrecht für die Mickey Mouse abzulaufen drohte).

Sie weiß sogar, dass die Dauer beim Urheberrecht nicht auf eine generelle Jahreszahl festgelegt ist. Vielmehr ist sie abhängig vom Alter des Urhebers bei der Entstehung und seiner Lebenserwartung. Das Urheberrecht wird vererbt. Die Dauer berechnet sich also aus der  Differenz des Alters zum Zeitpunkt des Todes minus des Alters zum Zeitpunkt der Vollendung des Werkes plus SIEBZIG Jahre. Schreibt ein 20 jähriger Autor also einen Roman und erreicht er das stolze Alter von 90 Jahren, wird dieses Werk insgesamt 140 Jahre durch das Urheberrecht geschützt sein. Seine Erben in mehreren Generationen können noch 70 Jahre die  Nutzungsrechte ausschlachten und verkaufen.

Judy weiß, dass die Forschung in der Pharmazie darunter leidet, dass hier der Schutzzeitraum sehr kurz ist (10 -20 Jahre). Der Zeitbedarf für Entwicklung, klinische Test und Zulassung wächst permanent und deshalb der Zeitraum des Vermarktens zu kurz wird. Und das Produkt schon zum Generika wird, lange bevor es die Investition wieder erwirtschaftet hat.

Sie weiß, dass Patente den technischen Fortschritt nicht mehr fördern sondern einschränken und verlangsamen. Das beste Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die Technologie des 3D-Drucks. Bei dem nichts vorwärts ging – bis die Patentrechte ausgelaufen waren. Erst dann ging es so richtig ab, in der „open source“ wie in kommerziellen Bereichen.

Das weiß sie alles. Trotzdem stimmt sie im Bundestag für einen starken Urheberschutz. Und lehnt eine ziehlführende,  allerdings auch einschneidende Reform des Urheberschutz ab.

Judy wünscht sich eine gerechte und soziale Gesellschaft. Sie weiß, dass das nur mit einem transparenten Gemeinwesen ist.

Bei den Abstimmungen im Bundestag stimmt sie jedoch für die DSVGO und all die Gesetze für Geheimschutz. Was will sie auch machen – es gibt ja einen Koalitionszwang. So lohnt sich ja schon das Nachdenken nicht, ob man nicht eigentlich anders stimmen möchte oder müsse.

Sicher, ist ihr klar, dass Geheimschutz eigentlich immer dazu dient, schlechtes (kriminelles) Handeln und Ungerechtigkeit zu verbergen. Ihr tun die Bürger leid, weil für sie de facto der Geheimschutz nicht gilt. Spätestens beim Vermögen und der Steuer. Und Verfassungsschutz und Konsorten eh alles dürfen!

Aber was kann sie gegen die mächtigen Geheimdienste ausrichten? Und ist es nicht besser, wenn der einfache Bürger von den vielen Schurkereien und Missständen der staatlichen Organe und herrschenden Konzerne erst gar nichts erfährt? Das würde ihn ja nur verunsichern. Und dann käme er vielleicht bei der nächsten Wahl auf dumme Gedanken. Oder er könnte depressiv werden. Und all das mögen wir doch nicht.

Sie will Frieden schaffen. Und ihr ist auch klar, dass die Rüstungsindustrie die Kriege brauchen und machen. Sie weiß auch, dass die USA weltweit die Produktion und Exporte von Rüstungsgütern mit großem Abstand anführen. Wenn der Chef-Lobbyist der USA, ein Mister T., verlangt, dass die Staaten der NATO 2 % ihrs Bruttosozialproduktes für Rüstung ausgeben soll, dann ist sie dafür. Obwohl das alles ihr gegen den Strich geht.

Judy würde gerne das Eigentum reformieren. Besonders das Privateigentum. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Privateigentum und Eigentum? Zeit für eine Reform wäre es ja wirklich. Aber sie traut sich da wirklich nicht ran. Die Herausforderung ist zu groß. Ist doch Besitzstandwahrung zum neuen Grundrecht geworden.

Judy sagt, dass es nicht sein kann, dass wenigen Familien in der Welt die Hälfte der Welt gehört. Und ihr die Ursachen klar waren. Denn sie weiß, dass es in frühen solidarischen Gesellschaften, wo die Menschen sich in der Regel vom „Jagen und Sammeln“ ernährt haben, es den Eigentum gar nicht gab. Die Vorstellung von persönlichen Besitz hat da eine sehr untergeordnete Rolle gespielt. Alle Kraft und Zeit der Menschen musste damals fürs Überleben eingesetzt werden. Bei den ersten kulturellen Kollisionen haben sich diese Menschen sehr gewundert, dass sie dann wegen Diebstahls z.B. in Südamerika von den weißen Göttern erschossen wurden.

Das alles weiß sie, auch dass mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht sich das geändert hatte. Jetzt gab es sehr wohl Eigentum. Das Eigentum wurde immer weiter und wichtiger. Am Anfang waren nur Dinge Eigentum, der Rest war Allmende. Dann wurden immer zu privatem Eigentum und die Allmendewurden immer weniger. Am Schluß blieb nur noch die Luft zum Atmen, und die wurde von den Öfen und Verbrennungsmotoren vereinnahmt.

Eigentum gab es fortschreitend dann auch an Grund und Boden, wie an Tieren und Menschen. Sogar für das vom Geist geschaffene wurden Eigentumsrechte festgelegt (Urheberrechte – siehe oben das des Autoren. Und sogar die „persönlichen Daten“ wurden zum Eigentum erklärt. Ja, mir gehört mein Geburtsdatum! Wie mein Gewicht und mein Geschlecht. Und wehe, einer klaut es mir!

Auch der Begriff des „Eigentümers“ änderte sich. Konnten am Anfang nur Menschen (natürliche Personen) etwas besitzen und es als ihr Eigentum reklamieren, wurde dieses Recht schnell erweitert auf Organisationen aller Art, die man als juristische Personen bezeichnete. Ich hätte den Begriff visuell treffender gefunden, aber virtuell gabs damals noch nicht so sehr.

Natürliche und juristische Personen bekamen dieselben Rechte. Grund dafür war wohl die Annahme, dass eine juristische Person immer aus mehreren natürlichen Personen (den Gesellschaftern) bestehen würde. Das sollte sich bald ändern.  Z.B wurden mächtige Investment-Konzerne, die auch wieder juristische Personen als Gesellschafter hatten zu bestimmenden Gesellschafter bei Unternehmen. Aber die Regel blieb.

Aber im Gegensatz zu natürlichen sind juristische Personen nicht sterblich. Sie leben oft mehrere 100 Jahre und können natürlich viel effizienter mit Gütern wie Grund und Boden und Rechten aller Art spekulieren. Und florierende juristische Personen (z.B Groß-Konzerne, Kirchen wie andersartige Vereinigungen) kamen so zu großem Reichtum . Und ihre Systemagenten wurden zu übermächtigen Menschen. Auch hier passt Mr. T. als Beispiel.

Die Folgen für die  Gesellschaft waren schrecklich. Der Kampf um den Boden hat Kriege etabliert. Tiere wurden zur industriellen Ware, Menschen wurden im großen Stil zu Leibeigenen (Europa) oder Sklaven (weltweit), die Gesellschaft auch in Europa fiel in zwei Klassen, in viele rechtlosen und besitzlosen Menschen und wenigen Herren, denen es alles gehörte. Dann kamen Revolutionen und Kriegen. Jetzt sind wir wohl bald wieder so weit, dass wenigen das meiste von der Welt gehört.

Judy weiß das alles. Sie weiss auch, dass es Veränderungen nur gibt, wenn es den wirtschaftliches Interessen der Herren gefällt oder wenn die rechtlosen Gewalt anwenden. Die Sklaverei wurde abgeschafft, weil Arbeiter und Maschinen billiger waren als der Sklave. Der Bürgerkrieg in den USA war kein Gesinnungskrieg sondern ein Wirtschaftskrieg. Die humanitären und idealistischen Motive für die Abschaffung der Sklaverei dienten nur dazu, die wahre Motivation zu verschleiern.

Judy will die Demokratie innovieren.

Judy wird traurig.Vielleicht müsse man die Demokratie reformieren? Eigentlich sollte doch der Bürger der Souverän sein. Aber ist er das heute noch? in einem System der Demokratie wie wir es haben? Einer Oligarchie der Parteien, in der die Spitzenkandidaten nach völlig falschen Kriterien selektiert werden? Und Wahlen, bei denen natürlich die Kandidaten gewinnen, die die besten (und oft die teuersten) Berater haben. So dass letztendlich in der Regel der Kandidat mit dem größten Budget für Marketing die Wahl gewinnt? Und dann als Politiker massiv von einer Heerschar an Lobbyisten beeinflußt und bedrängt und ab und zu auch erpresst wird?

Judy tritt zurück!

Sie denkt an Ihre Kindheit. Kultur und Geisteshaltung wichtiger als Gesetze sind. Die kann man als Politikerin (und auch als Manager) nicht erschaffen. Sie hat Anstand. So gibt sie ihr Amt auf und widmet ihre Zeit den Enkeln.

Hut ab vor Judy!

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 21. Januar 2020

Entscheidungslehre (Unternehmertagebuch #131)

Ich werde öfters gefragt:

„Du hast doch in deinem Leben viele Entscheidungen fällen müssen. Wie hast Du das nur gemacht?“

So wird das Leben als „Kaptiän“ ganz einfach.

In der Tat habe ich in meinem Leben oftmals „entscheiden“ müssen. Gerade wenn ich ein Problem hatte. Natürlich immer unter Unsicherheit, weil die Unsicherheit die wesentliche Eigenschaft der Entscheidung ist. Eine Entscheidung erfolgt immer unter Unsicherheit, so ist der Begriff definiert.

Teil zwei der Definition ist, dass Entscheidungen eine Relevanz haben müssen. Das heißt, dass die der Entscheidung folgende Handlung wichtig ist und etwas wesentlich verändern soll und wird.

À propos Problem. Diesen Begriff definiere ich so:

„Ein Problem ist ein Zustand, der so nicht bleiben darf“.

Das habe ich immer wieder erlebt. Und ein Problem ist immer eine Aufforderung, Entscheidungen zu fällen.

Soweit der theorethische Teil. Pragmatisch habe ich immer versucht, meiner Intuition und meinem Gefühl zu folgen. Die rationalen Argumente können für die Kontrolle genutzt werden, ansonsten kann man sie vergessen.

Immer wenn ich gegen mein Bauchgefühlt gehandelt habe, waren die Folgen ärgerlich bis vernichtend.

Aber wie gelangt man zu ausreichend „Gefühl und Intuition“, um schnell und halbwegs vernünftig entscheiden zu können. Die Antwort ist einfach. Man muss in dem Umfeld, das die Entscheidung betrifft, möglichst viel „erlebt“ und „erfahren“ haben. Fast möchte ich sagen gelernt haben“ – dazu muss man am Leben teilhaben. Und zwar intensiv!

Im geschäftlichen Bereich bedeutet das, dass man nicht im Elfenbeinturm sitzen bleiben und nur die Reports lesen darf, sondern dass man raus muss! Der Fehler fängt schon an, dass an „jemand reportet wird“. Nicht die Mitarbeiter müssen dem Chef reporten, sondern der Chef muss am Leben der Mitarbeiter teilhaben. Sonst kann man auf ihn verzichten. Das gilt in der digitalen Welt genauso wie davor.

Und das habe ich mein Leben lang so gemacht. Als Geschäftsführer der InterFace Connection war ich immer mit den Kollegen unterwegs und so bei den Kunden und Anwendern unserer Produkte. Bei den großen wie der Bundesagentur für Arbeit genauso wie bei den vielen kleinen Gemeinden, die auch HIT eingesetzt haben.

Auch später war ich immer dabei, nicht nur wenn es gebrannt hat. Das war bei den Premium Kunden so wie der WestLb in Düsseldorf, dem Daimler in Stuttgart oder bei unserem Print-on-Demand Kunden Arvato (Tochter von Bertelsmann in den USA. Aber auch bei allen kleinen und großen Kunden, von Flensburg bis in die Schweiz, ganz gleich ob sie ein Produkt von uns im Einsatz hatten oder ob sie von Mitarbeitern unseres Unternehmens betreut wurden, ich war immer ein paar Mal bei ihnen zu Besuch. Aus dem dabei Erfahrenem und Erlebten habe ich meine Sicherheit beim Entscheiden gewonnen.

Und als Aufsichtsrat mache ich mir auch gerne ein Bild von der Situation, in dem ich mit den betroffenen Menschen rede. Das mag auch nicht immer einfach sein und gelegentlich zu kommunikativen Problemen führe. Ich nehme das aber in Kauf, weil es mir so gelingt zu lernen, was Sache ist.

Deshalb meine Empfehlung:

Macht Euch das Leben und Entscheiden nicht schwer!

Geht raus in Euere Umwelt (für ein Unternehmen sind das die Kunden) und redet viel mit Euren Stakeholdern (Mitarbeiter, Geschäftspartner, Konkurrenten …). Dann erlebt und erfahrt Ihr soviel, dass Euch ganz schnell die richtige Antwort auf die tägliche Frage „Mach ich es so oder so?“ findet.

Und sicher macht es auch Sinn, die getroffene Entscheidung dann auch noch mal rational zu überprüfen. Aber dann hat sich aus und es wird gemacht!

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 19. Januar 2020

Schon die kleinen Zahlen können ganz schön groß sein.

Hier eine Parabel, die unter anderem das Geheimnis großer Zahlen zeigt. Oder warum Sparen sinnlos ist.

Wer gibt nicht gerne mal ein Bier aus?

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein obdachloser Mensch. Ihr Leben hat manche Härte, gerade im Winter.

Sie sind jedoch ein sozialer und kommunikativer Penner, der schon bessere Zeiten erlebt  hat. Und Sie kennen viele Menschen. Diese begegnen Ihnen mit Respekt. Sie werden wertgeschätzt und erleben viel Schönes. So sind Sie trotz Ihrer misslichen Lage glücklich. Und Sie würden von Ihrem Glück gerne etwas zurück geben.

Im Schaufenster des Getränkeladens nahe Ihrem Schlafplatz sehen Sie ein Sonderangebot. Ein schönes 30 Literfass von einer Müncher Brauerei gibt es für 75 €. Das bringt Sie auf die Idee, alle Ihre Freunde und netten Menschen, die Ihnen freundlich begegnen, zu einem Glas Bier einzuladen. Sie nehmen sich vor, das Fass zu kaufen und eine Party zu machen.

Aber die Sache hat einen Haken. Sie haben ja kein Geld, deshalb sind Sie ja obdachlos geworden. Job finden Sie auch keinen mehr. Aber da es um Bier geht, fällt Ihnen das Flaschenpfand ein. Unsere weitsichtige Kanzlerin hatte dies ja eingeführt, um die Altersarmut ein wenig zu lindern.

Sie überlegen sich: Wenn Sie sich von Ihrem ausgefülltem Pennerleben jeden Tag eine Stunde abzwacken und diese Stunde für die Suche von Pfandflaschen und -dosen einsetzen, wie lange brauchen  Sie dann, bis Sie das Geld fürs Fass Bier zusammen haben?

Um diese Fragen zu beantworten setzen Sie Ihre Fähigkeiten aus ihrem vergangenen Managerleben ein. Die erste Frage ist, was gibt der Markt her. Wenn man eine Stunde sucht, wird man im Schnitt eine Bierflasche und eine Dose finden. Das Pfand der Bierflasche bringt 8, das der Dose 25 Cent. Zusammen sind das 33 Cent, also fast 1/3 Euro.

D.h. drei Tage bringen fast einen Euro. Für die 75 Euro brauchen Sie dann 3 x 75 Tage, das sind 225 Tage. Aufgrund des fast fehlen da noch 75 Cent, das heißt Sie brauchen noch 3 Tage mehr. Und nicht zu vergessen, für das Bierfass ist ja auch ein Pfand fällig. Und Fehltage sind auch nicht zu vermeiden. Und wenn Sie das Geld zusammen haben, ist das Fass garantiert auch wieder teurer.

D.h. um das Geld für das Bierfass auf diese Weise zusammenkriegen, werden Sie ein Jahr lang jeden Tag eine Stunde lang auf Flaschensuche gehen müssen.

Besser ist, wenn Sie einen Kredit mit einem Negativzins aufnehmen. Und diesen mit dem Zins tilgen. Das dauert zwar länger, kostet Sie aber nichts. Aber wer gibt Ihnen schon Kredit? Obwohl er ja nichts verlieren kann.

RMD