Roland Dürre
Donnerstag, der 3. Oktober 2019

RUPERT LAY LESEBUCH

 

Was dem Leben dient.

 

Da steht alles drin.

Ein ganz wichtiges Buch. Das mich tief berührt. Denn es hat eine besondere Geschichte:

Zur Jahrtausendwende hat sich eine kleine Gruppe meiner Freunde im gemeinützigen Ronneburger Kreis e.V. (der mittlerweile aufgelöst wurde) zusammen getan und die vielen Definitionen von Begriffen aus dem alltäglichen Leben wie aus Wirtschaft und Gesellschaft in den Büchern wie aus dem Wirken Rupert Lays gesammelt. Das entstandene kleine Werk haben wir das  „Wörterbuch zur Ethik des Rupert Lay“ genannt und im Ronneburgerkreis veröffentlicht (siehe Bild unten).

Das war eine schöne Sammlung von wichtigen Texten. Es hat mir Spaß gemacht, es immer wieder aufzuschlagen und mich an dem einen oder anderen Artikel zu erfreuen oder sich mit diesem auseinander zu setzen.


In diesem Sommer feierte Rupert seinen 90. Geburtstag. Norbert Copray hatte die Idee, das Wirken von Rupert Lay aus diesem Anlaß mit einer besonderen Veröffentlichung zu würdigen. Es sollte ein großer Überblick der Gedanken Rupert Lays werden, in dem das freie Rumschmökern in anspruchsvollen Texten Spaß macht. Ein schweres Unterfangen, das mehr als gelungen ist.

Die Quelle für das Lesebuch (2002)

Als geeigneten Grundbaustein fand er unser „Wörterbuch“. Aber das „Wörterbuch“ hatte er nur in Papierform vorliegen. So machte es sich auf die Suche nach der digitalen Quelle. Und so fand er mich.

Die digitale Quelle war verschwunden. Aber in der digitalen Welt ist das ja kein großes Problem mehr. Mein Freund Wolfgang Groß übernahm die Aufgabe und stellte kurzer Hand ein hochwertiges digitales Exemplar vom Wörterbuch her. Und Norbert Copray und Erich Ruhl-Bady konnten loslegen.

Und sie haben etwas ganz Großartiges geschaffen. Aus dem Wörterbuch ist ein Lesebuch geworden, dass viel Klugheit, Klarheit und auch Frechheit enthält. Auf fast vierhundert Seiten finden wir ein Feuerwerk von Gedanken, mit denen sich auseinandersetzen lohnt und das richtig Spaß macht. Diese Gedanken findem wir thematisch schön geordnet. Zum Teil sind sie nur eine Zeile lang und selten länger als eine Seite. Richtig schön zum lesen.

So lohnt es sich immer, zwischendurchs ins Buch reinzuschauen. Aber Vorsicht: Man wird förmlich süchtig und bleibt dann schnell eine oder mehr Stunden hängen, und wundert sich dann um diese Jahreszeit, dass es so schnell dunkel geworden ist.

Großen Dank an Norbert Copray und seine Mitstreiter!

RMD

P.S.
Wer sich dieses Buch nicht besorgt versäumt etwas.

Roland Dürre
Freitag, der 27. September 2019

Buchneuerscheinung: »Das Auto im digitalen Kapitalismus«

Vor kurzem hat mich folgende Pressemitteilung erreicht:


Verkehr à la Silicon Valley?

Elektrischer Antrieb, geteilte Nutzung, selbststeuernde Fahrzeuge – der digitale Kapitalismus erobert die Straßen. Doch befinden wir uns damit auch auf dem Weg in eine nachhaltigere Mobilität? »Keineswegs«, sagt Timo Daum und plädiert in seinem neuen Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus« (ET 7. Oktober 2019) für einen kritischen Umgang mit diesen Trends – und den dahinter stehenden Akteuren.

Der digitale Kapitalismus schickt sich an, ein neues Feld zu erobern: den Verkehr. Für Timo Daum ist klar: »Die Tage des klassischen Automobils sind gezählt, wodurch auch die Kompetenz der traditionellen Autoindustrie immer weniger gefragt ist.« Die Herausforderungen reichen vom elektrischen Antrieb bis zum selbstfahrenden Auto – und die Konkurrenz kommt dabei vor allem aus dem Silicon Valley. Digitalkapitalistische Konzerne wie Tesla, Uber und Google erobern die Verkehrsbranche. Doch was folgt für die Mobilität der Zukunft, wenn Algorithmen und Daten eine immer größere Rolle spielen? Wie wirkt sich diese Entwicklung auf unsere Städte und unsere Lebensqualität aus?

Das Buch »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« skizziert den Status Quo der technischen Entwicklung im Bereich der Mobilität. Es erläutert Strategien und Geschäftsmodelle der Digitalunternehmen und plädiert für einen kritischen Umgang mit den Herausforderungen, die damit einhergehen. Denn digital bedeutet nicht automatisch nachhaltig.

Timo Daum: »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

Zum Autor:

Timo Daum arbeitet als Hochschullehrer in den Bereichen Online, Medien und Digitale Ökonomie und veranstaltet Vorträge und Seminare zum Thema »Digitaler Kapitalismus«. Sein Buch »Das Kapital sind wir. Zur Kritik der digitalen Ökonomie« wurde mit dem Preis »Das politische Buch 2018« der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet. Auf seiner Homepage > informiert er über die Schwerpunkte seiner Arbeit und Veranstaltungstermine.


 
Soweit die Pressemitteilung. Da steht schon vieles drin. Es hat mich neugierig gemacht – da bekomm ich Lust zum Lesen und Rezensieren. Also bestelle ich mir ein  Vorabexemplar und lese es.
Vorab es hat sich gelohnt! Das ist das Buch:
Timo Daum »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen«, 192 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-96238-141-7, 18 Euro / 18,50 Euro (A).
Erscheint am .. im Oekom-Verlag
Ein gutes Buch, das meine Vorurteile krass bestätigt 🙂
Denn die Geisteshaltung ist sehr modern. Es geht nicht nur um  SUVs und „imperiale Lebensweise“ und die Hoffnung, von der „autozentrierte Stadt“ wegzukommen.
Es ist eine gute Zusammenfassung und Kritik des mobilen Wandels, verursacht durch Elektrifizierung und Digitalisierung.  Viel Tesla ist dabei und die Geschichte des Stroms. Interessant ist auch die Geschichte des Autos und besonders des elektrischen. Die Bedeutung der Stromspeicherung (Akkus). Weitere Themen sind:
  • Der Dieselskandal und die Betrugssoftware
  • Eine Marktübersicht von E-Autos mit unerwarteten und erfreulichen Kenntnissen
  • Die Rolle Chinas und die Situation in China
  • Nutzfahrzeuge
  • den Versuch des „fossilen Kapitals“, die Vergangenheit zu konservieren …
  • die zahlreichen und wesentlichen Vorteile der E-Mobilität und die Unmöglichkeit die „autozentrierten Mobilität“ durch eine eins zu eins Ersetzung durch elektrische Fahrzeuge zu lösen …
  •  Die Bestrebungen großzügig Infrastrukturen umzurüsten
  • Der schwierige Weg zum automatischen Auto
  • Wie „autonomes Autofahren“ die Philosophie des Autofahrens verändern wird
  • Das „geteilte Auto“ als logische Folge der Entwicklung
Das ist noch nicht alles. Es gibt viele Referenzen auf aktuelle Studien. Und am Ende  des Buches gibt es ein großartiges Plädoyer
Für eine neue Verkehrsordnung!
Allein dieses letzte Kapitel lohnt die Lektüre des Buches.

 
Vom selben Autor habe ich noch gefunden:

Timo Daum: „Die Künstliche Intelligenz des Kapitals“
Edition Nautilus, Hamburg 2019

 

(Kritik im Deutschlandfunk)

Das Kapital sind wir:
Zur Kritik der digitalen Ökonomie (Nautilus Flugschrift)

 

„Ob es innerhalb des Kapitalismus allerdings überhaupt die Möglichkeit gibt, aus der wachstumsfixierten Umweltzerstörung auszubrechen, eine Abkehr vom fossilen Raubbau hin und zu einer nachhaltigen zirkulären Ökonomie zu erreichen, ohne die Grundprinzipien des Kapitalismus selbst infrage zu stellen, ist mehr als fraglich.“
RMD

Klaus Hnilica
Dienstag, der 24. September 2019

Carl und die Trendforschung

Carl und Gerlinde (Folge 62)

Carl – hier will Dich eine Dame sprechen“, rief Gerlinde aus der Küche, brachte dann aber das Telefon doch zu Carl ins Arbeitszimmer.

Guten Tag, hier spricht Cornelia Koch vom Institut für Trendforschung! Ich wollte Sie fragen, ob Sie bereit wären an einer unserer Befragungen teilzunehmen?“

Carl atmete kräftig durch und sagte „Ja“!

Vielen Dank! Wir sind ja auf Menschen wie Sie angewiesen, um unsere Arbeit machen zu können.“

Okay“, sagte Carl.

Ich möchte Ihnen jetzt drei Fragen stellen und nach deren Beantwortung Ihnen auch ein Geschenk als kleines Dankeschön überreichen.“

Hm“, machte Carl.

Die erste Frage lautet : Sind Sie verheiratet?“

Wieso?“

Nun – meine erste Frage zielt auf Ihren Familienstand: Sind sie verheiratet?“

Sagen Sie, arbeiten Sie vielleicht für eine Partnervermittlung?“

Nein – natürlich nicht, wir sind das Institut für Trendforschung und wollen ausschließlich gewisse gesellschaftliche Trends ermitteln, darum nochmals die Frage: Sind Sie verheiratet?

Ja und nein!“

Was heißt das nun?“

Ja“, antwortete Carl spontan und hörte Gerlinde kichern, die wohl vor der Tür lauschte…

Gut dann die nächste Frage: Besitzen sie ein Haus?“

Ah Sie arbeiten im Auftrag einer Immobiliengesellschaft und suchen weiterverkaufbare Objekte?“

Nein – wir sind das Institut für Trendforschung und ich würde Sie bitten auf meine Fragen möglichst kurz zu antworten. Also nochmals besitzen sie ein Haus?“

Mehrere“, sagte Carl.

Wie mehrere?“

Ich besitze mehrere Häuser!“

Wie viele, wenn ich fragen darf?“

Sechsundzwanzig!“

Wollen sie mich auf den Arm nehmen?“

Das würde ich nie tun ohne sie vorher nach ihrem Körpergewicht gefragt zu haben!“

Gut – ich notiere Sechsundzwanzig! Nun zur letzten Frage: Wohnen sie in einem Ihrer Häuser oder wohnen Sie zur Miete?“

Ich wohne in einem meiner Häuser zur Miete!“ sagte Carl nun schon ungeduldig.

Und wieso das?“

Weil meine Frau darauf besteht, dass ich Miete entrichte!“

Wieso verlangt Ihre Frau von Ihnen Miete?“

Weil ich sie beauftragt habe von mir Miete zu verlangen…“

Von Ihnen?“

Ja natürlich, von wem denn, wir wohnen ja zusammen!“

Was macht denn das für eine Sinn?“

Das macht den Sinn, dass sie dadurch ihr eigenes Geld hat, um die von mir verlangte Miete zu bezahlen“!

Sie verlangen auch Miete?“

Ja – weil ich dadurch praktisch umsonst wohne?“

Und Ihre Frau?“

Die auch, wenn sie mich endlich heiraten würde…“

Ich danke für das Gespräch!“

Und was ist mit dem Dankeschöngeschenk?“

Das hat sich wohl erübrigt“!

Schweinerei“, sagte Carl laut in Richtung Gerlinde, die plötzlich in der offenen Tür stand.

Toll Carl, wie Du es der armseligen Telefontante gegeben und ihr so richtig eine Lektion erteilt hast – ja wirklich – ich bin stolz auf dich“!

Da sie daraufhin lautlos verschwand, konnte ihr Carl nicht mehr mitteilen, dass er nach dieser Bemerkung schon nächsten Monat die Mietzahlung an sie kürzen werde!

K.H.

Roland Dürre
Mittwoch, der 18. September 2019

Die smarte Maske des digitalen Kapitalismus.

In den Bergen des Peloponnes auf dem Wege nach Vatyna.

Anfang der Woche kam ich zurück von drei Wochen in Italien und Griechenland. Zwei Wochen davon haben auf dem Peloponnes gezeltet. Ich hatte mir vieles vorgenommen.

Der erste Vorsatz-Block war täglich schwimmen, radeln oder wandern und das Leben zu genießen. Dieser Block ist mir so gut gelungen wie selten.

Als zweites hatte ich mir vorgenommen, ein paar Artikel zu schreiben. Besonders wichtig war mir da die Rezension eines Buches von Timo Daum, das am 7. Oktober 2019 im Oekom-Verlag erscheinen soll.

Das hat leider nicht geklappt. Eine wonnige Lethargie hatte mich erfasst. Aber immerhin habe ich das Buch zu fast zwei Drittel gelesen, Material gesammelt und bin sehr optimistisch, die Rezension vor dem Erscheinungstermin zu schaffen.

Das Buch von Timo Daum hat den Titel »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« und hat mich zu vielen Gedanken inspiriert. Aber dazu in der Rezension dann mehr.

Als ich erfahren habe, dass der Autor auch eine »Kritik der digitalen Ökonomie« geschrieben hat (die ich noch nicht gelesen habe aber für die er sehr gelobt wird), ist mir plötzlich klar geworden, dass es einen neuen digitalen Kapitalismus gibt. Dieser scheint mir noch mächtiger und brutaler zu sein als der uns so gut bekannte aus dem letzten Jahrhundert.

Der digitale Kapitalismus ist auch deswegen so erfolgreich, weil er das „humane Antlitz“ gegen eine »smarte Maske« getauscht hat, hinter der er sich auf geniale Art und Weise verbirgt.

Die smarte Maske soll uns glauben machen, dass Digitalisierung die Welt verbessern würde. Sie gibt dem Mega-Raubtierkapitalismus ein humanes Antlitz und verspricht uns eine saubere elektrische Welt, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared economy“, das Teilen von Wissen, ein tolles Design, menschen- und umweltfreundliche Produkte und vieles mehr von schönen Dingen. Also ein smartes Leben in einer smarten Welt und Gesellschaft. Smart life in einer smart city. Smart, smart, smart!!! Aber in Wirklichkeit geht es mehr als je zuvor ums Geld, im alten Europa genauso wie im neuen China.

Einen neuen Begriff wie „smart“ mag ich nicht einfach so nutzen, Also frage ich mich zuerst:

Was das bedeutet eigentlich, smart?

Von einem Mitgründer von NextHamburg habe ich eine schöne Definition gehört. Er meinte, das smarte Lösungen ein soziales Ziel mit Digitalisierung lösen. Die Formel hieße:

Sozial + Digital = Smart !!!

Das klingt gut, ist aber eine Mogelpackung. Meine chinesischen Freunde sind da viel pragmatischer. Für die sind alle Produkte smart, wenn sie nur über eine WLAN-Vernetzung und einen Internet-Anschluß verfügen. Ganz gleich ob das ein Kochtopf oder eine Personenwaage ist.

Der vielleicht mächtigste und geldgierigste Konzern der new economy hat sich als handlungsleitend gegeben:
“Don’t be evil!”
Das hat uns gefallen.

Dann haben sie  die Arbeit „gamifiziert“ und die Büros zum Vergnügungspark und in eine zur Spasswelt und umgewandelt, in dem freilich härter gearbeitet wurde. Die Maske strahlt.

Auch Microsoft hat schöne Spielsachen. Sie haben schon ganz früh mit Windows, „wysiwyg“ und vor allem Solitär gepunktet. Und sie haben uns die Frage gestellt:  Where do you want to go today?

Und Apple hat den Kult zur Religion gemacht,

Wir sind darauf reingefallen. Als Programmierer hatten wir unsern leidenschaftlichen Spaß und waren überrascht, dass wir soviel Geld dafür bekamen. Unsere Stundensätze waren um ein mehrfaches höher als die der Ingenieure. Zumindest hatten die auch ihren Spaß.

Wir haben uns an Open Source und Agilität berauscht. Das „Moorsche Gesetz“ schien die Naturgesetze ausser Kraft zu setzen. Mit Themen wie Blockchain und KI werden Zukunftshoffnungen generiert, die genauerer Betrachtung nicht standhalten.

Nach dem Rausch kommt immer wieder der Kater. Noch mehr Möglichkeiten benötigen noch mehr Infrastuktur, noch mehr Energie und Rohstoffe, noch mehr (elektrische) Autos, noch mehr Konsum- und Kulturwelt. Hinter der smarten Maske lässt sich trefflich die totale Digitalisierung als Teil einer totalen Technologiesierung unserer Welt verstecken.

Und heute lernen wir, dass die Zielsetzung noch stärker als je zuvor „cash generieren“ heißt. Und das auch das Versprechen der „neuen digitalen Welt“ den „Planeten zu retten“ ein leeres ist. Und im neuen smarten Tollhaus geht es mehr als je zuvor um Wachstum und Kohle.

So definiere ich „smart“ als Strategie schnell viel Geld zu verdienen. Ein Begriff, der mit Nachhaltigkeit aber auch gar nichst zu tun hat.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 22. August 2019

Geld.

Virtuell und digital.

Im Smoking – es geht zur Gala. 

Geld fasziniert mich schon seit meiner Jugend. Nicht nur, weil man sich alles dafür kaufen kann, sondern weil es etwas Virtuelles mit sehr wichtigen Funktionen und großer Kraft und Macht ist.

Geld ist virtuell. Es braucht Glauben und Symbole. Ein fast absurder und kollektiver Glaube an den Wert des Geldes ist zwingend notwendig, soll es seinen Zweck erfüllen. Denn keiner mag etwas, das ihm etwas wert ist, ohne einen verbindlichen und gesicherten Gegenwert hergeben.

Geld funktioniert als Währung, wenn es von einem größeren Kollektiv als „wertig“ akzeptiert wird. Wenn nicht die Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft an die Währung glaubt, dann taugt diese nichts.

Geld hat architekturell und funktional betrachtet zwei wesentliche Funktionen.

Zuerst mal ist Geld ein

I. Zahlungsmittel,

welches den einfachen Warenaustausch vereinfacht, vielleicht sogar erst ermöglicht. Es hat aber auch eine zweite Funktion, die man sauber davon trennen sollte. Es geht um das Finanzieren in die Zukunft hinein, gemeinhin auch „Schuldenmachen“ genannt und um das „Vorsorgen“.

II. Finanzierung von Gegenwart und Versorgen von Zukunft

Hier kommt die Dimension der Zeit ins Spiel. Geld kann angehäuft werden,  um Zukunft zu sichern. Das bezeichnet man mit Sparen.

Man kann auch versuchen, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft zu verbessern. Das heißt, ich kann eine Ware heute kaufen und bekommen und nutzen, sie aber erst (viel) später oder in Raten bezahlen. Weil ich z.B. heute kein Geld habe, aber davon ausgehe, morgen eines zu haben. Warum auch immer.

Dadurch kann ich mir ein Haus auf Pump bauen. So entsteht auch Einkommen aus Kapital oder Rechten. Ich muss nur einen Gläubiger finden, der mit glaubt, dass ich morgen meine Schulden zu einem definiertem Zeitpunkt zurück zahlen werde.

Beides – Sparen wie Schulden machen – setzt voraus, dass die Währung auch über die Zeit ihren Wert behält. Das tut sie aber selten. Bevor wir aber zum Phänomen der Inflation kommen, kommt der Zins ins Spiel.

Denn dieses Überbrücken von Zeit wurde nur möglich durch die Erfindung des Zins. Jetzt konnte der Inhaber von überschüssigen Zahlungsmitteln (einen Zustand, den man reich nennt) seine von ihm nicht benötigten Mittel einem Dritten zu geben, der sie brauchte. So konnte dieser (Schuldner genannt) sich seine Bedürfnisse erfüllten und musste dem Gläubiger für das Leihen des Geldes einen Zins zahlen. Und er konnte sich ausrechnen, wie viel teurer ihm eine Anschaffung kommt, wenn er sie sofort braucht.

Beim Thema Zins kommt sofort das Thema Inflation auf. Ist diese z.B. höher als der Zins, dann kann man durch Schulden machen reich werden – ganz ohne Arbeit. Uns so entsteht der Effekt, dass „der Teufel immer auf einen großen Haufen scheißt“. Will sagen, dass arm und reich sich ganz automatisch polarisiert.

Geld ist wie schon berichtet immer Virtuell gewesen. Das oft durch dingliche Gegenstände (Münzen, Papiernoten) präsentiert wurde. Der Inhaber von solchen Objekten konnte sich mit diesen am Eigentumsspiel beteiligen. Die Objekte waren typischer Weise besondere Gegenstände, Münzen oder Papier.

Mit dem Fortschritt der Zivilisation konnte man auch selber Geld generieren. Man brauchte nur das Vertrauen seiner Geschäftspartner. Gesetze und der Schuldturm erweiterten die Sicherheit. So konnte man Schuldverträge zum Beispiel in Form einen Wechsels erstellen und bekam  dann Waren gegen ein bedingungsloses Zahlungsversprechen, dass an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft lag.

Heute wird auf auf gegenständliche Repräsentanten von Geld immer mehr verzichtet. So wird Geld nur noch zum Eintrag in einem globalen Journal, das beschreibt, welcher Person es gehört. Das globale Journal wird durch die ein komplexes System von Banken realisiert und geführt. Das dieses Journal mittlerweile nicht mehr auf Papier sondern digital geführt wird, ist der ganz normale technologische Fortschritt.

Mit Blockchain-Technologie wird der Versuch unternommen, diese Buchführung digital dezentral und global und vor allem unabhängig von zentralen Dienstleistern zu erledigen, überwiegend mit verdeckten Identitäten, so dass die Eigentümer sich über ihr SW-System identifizieren können und ihre Authentizität nicht preisgeben müssen.

Mehrheitlich hängen die Währungen jedoch nach wie vor an staatlichen Systemen. Und das Geld wird von privaten Unternehmen, den Banken, verwaltet. Das ist logisch, da die geschichtliche Annahme war, dass Staate nicht zahlungsunfähig werden können, gehört ihnen doch alles und können sie sich in der Not durch ihre Bürger finanzieren.

Defacto trägt jedoch der Glaube der Bürger an „ihren Staat“ und „dessen Währung“ das System. Wenn dieser Glauben zerbricht, dann kann es mit einer Währung ganz schnell zu Ende sein. Und das ist schon oft eingetreten und hat dann immer zu katastrophalen Folgen geführt.

Auch moderne Währungen wie Dollar, EURO oder der Renminbi können also kaputt gehen. Auch wenn das uns unvorstellbar erscheint, kann das ganz schnell gehen. Ohne die Funktion von Geld ist wirtschaftliches Leben nicht vorstellbar.

Gedankenexperiment:
Was passiert dann?

Die Antwort erscheint einfach.
Es müssen neue Währungen entstehen. Die notwendige Bedingung ist, dass die Menschen an diese glauben. Der kann am ehesten in gleichgesinnten Gruppen entstehen.

Das müssen nicht immer unbedingte staatliche Gruppen sein. Sondern sollten möglichst große Communites sein. Die größten Communities finden wir im Internet. So erscheint der Gedanke an große Internet-Unternehmen als Träger solcher Communities eigentlich nur logisch.

So sehe ich eine Facebook-Währung (als Beispiel) in einem anderen Licht. Und meine, dass es gut wäre, wenn solche Währungen schon mal vorbereitet werden würden. Einfach als Ersatz, wenn Dollar, EURO oder Renminbi (oder alle gemeinsam) mal doch kaputt gehen.

Um es klar zu sagen:
Es könnte sein, dass die bei uns so diskrimierten und bekämpften Währungen wie LIBRA plötzlich zu Rettern des weltweiten wirtschaftlichen Lebens werden. Wenn z.B. die großen drei Währungen zusammenbrechen, wohin sollen wir dann unser Geld sonst bringen?

Das könnte schneller gehen als es uns lieb ist.

Noch eine Abgrenzung von Libra oder ähnlichen Währungen zu Bitcoin:

Facebook will letztlich eine Glaubengruppenswährung organisieren. LIBRA dürfte eine ganz klassische nur digital verwaltete Währung werden. Die nichts mit einer Kryptowährung zu tun hat. Bitcoin ist etwas ganz anderes – da ist das hervorstechende Kriterium, dass die Eigentümer über ihre Software und ihre Zugangsdaten hinter Identitäten verborgen sind und so anonym bleiben. Anonymes Eigentum erscheint mir in unser Gesellschaftlich aber nicht mehr als erwünscht. Und diese ist sogar bei Bitcoin nur theoretisch realisierbar. Allein schon die „Miner“ stehen da davor.

Und vielleicht noch eine zynische Frage. Auch die katholische Kirche könnte ich mir gut als Provider für eine Internet-Währung vorstellen. Ihr vertrauen immer noch sehr viele Menschen – und sie hat ein tolles Argument – das Unternehmen existiertt es seit mehr als 2.000 Jahren erfolgreich.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 17. August 2019

Wachstum.

Nicht nur beim Schach sollte man ab und zu mal denken.

Es erscheint klar, dass die Menschheit, also wir alle, WENIGER produzieren muss. Das meint,

– weniger Autos

– weniger Flugzeuge

– weniger Panzer

– weniger Maschinen

– weniger Straßen

– weniger Elektrogeräte

– weniger Gebäude

– weniger Beton und Teer

– weniger Kriege

– weniger Plastik

– weniger Müll

– weniger Fleisch

– weniger CO2 …

– und so weiter.

Natürlich müssen wir auch weniger Öl, Kohle und Gas und weniger Boden und Natur verbrauchen oder besser „nicht zerstören“. Wahrscheinlich sollten wir auch aufhören, Stauseen anzulegen, ist deren Schaden doch meistens groß und der Nutzen langfristig oft sehr fraglich. Und allgemein die großen Eingriffe in die Natur komplett einstellen.

Für diese Liste, was wir alles WENIGER tun sollten, sehe ich viel WACHSTUM. Ganz allgemein, weniger Unsinn machen!

Das heißt, uns ist klar dass es mit dem Wachstum als Allheilmittel vorbei ist. Jede Nachricht, dass die Wirtschaft wächst ist so eine schlechte Nachricht, und die Kunde vom „negativem Wachstum“ tut gut.

Nach wie vor ist das ganz große politische und wirtschaftliche Ziel WACHSTUM! Und was machen die Institutionen der Menschheit, wie die Regierungen und Notenbanken? Weltweit wird durch Geldmarktpolitik versucht, das Wachstum zu stützen, ja zu erzwingen. Da wird sogar zu eigenartigen Werkzeugen wie „negativen Zinsen“ gegriffen. Um das große Feuer der Wirtschaft um jeden Preis an zu blasen.

Der Brexit ist ein gutes Beispiel. Wenn ich die Brexit-Kritiker höre, dann ist ihr Hauptargument gegen den Brexit, dass der Brexit nicht nur den Wohlstand und das Wachstum der Briten sondern das von uns allen reduzieren würde. Aber das wäre doch dann gut für die Welt? Dann könnte man zum Schluss kommen, dass wir ganz viele „Brexits“ und eine ganz andere und sehr alternative Form von Globalisierung bräuchten.

Dem Wachstum zu Liebe haben wir Negativzinsen. Die bewirken aber keine „soziale Gerechtigkeit, im Gegenteil sie schaffen eine noch stärkere Polarisierung von Arm und Reich. Ich habe sie ich noch nie verstanden.

Wenn ich Geld herleihe, besteht doch die reale Möglichkeit, dass ich es nicht mehr zurück bekomme. Warum soll ich also Geld verleihen, wenn ich schon von vorne vereinbart ist, dass ich zusätzlich zum Verlustrisiko weniger zurück bekomme?

Evolutionär gezwungen beginnt sich unsere Gesellschaft, sich individuell wie auch kollektiv immer mehr gegen Wachstum zu wehren. So entstehen mittlerweile sogar Gesetze, die das WENIGER einfordern. Und da die Politik nicht handeln will, appelliert sie moralisch an das die Individuen. Fliegt weniger, esst weniger Fleisch und Ähnliches prasselt es auf uns ein. Da die Politik nicht in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erledigen, wird das Problem zurück an die Bürger gegeben.

So entsteht ein schizophrenes System. Unser perverses Wirtschaftssystem kommt mir metapherhaft wie eine Dampfmaschine vor. Die Zentralbanken und die Politik heizen an und erhöhen den Druck im Kessel. Die Menschen versuchen die von der Dampfmaschine angetriebenen Maschinen mit Widerständen zu versehen um den Wahnsinn zu bremsen.

Normalerweise zerreißt es dann die Anlage und alles fliegt in die Luft. Als Folge eines ganz normalen Systemversagens.

Ob es innerhalb des Kapitalismus allerdings überhaupt die Möglichkeit gibt, aus der wachstumsfixierten Umweltzerstörung auszubrechen und eine Abkehr vom fossilen Raubbau hin und zu einer nachhaltigen zirkulären Ökonomie zu erreichen, ohne die Grundprinzipien des Kapitalismus selbst infrage zu stellen, ist mehr als fraglich.

Aber warum ist das mit dem WENIGER nur so schwierig? Meine persönliche Erfahrung mit dem WENIGER ist sehr positiv. So denke ich mir: Wie schön wäre ein freiwilliges, kreatives und kollektives WENIGER.

Weniger Lärm, weniger Müll, weniger Zerstörung. Das wäre dann eine große Transformation mit viel Veränderung, auch der regierenden kapitalistischen Metrik. Bei so einem innovativen Prozess würde viel zerstört werden. Denn Innovation ist kreative Zerstörung.

Allerdings muss irgendjemand die Transformation steuern und versuchen die Folgen zu lindern. Wer könnte das nur sein?

Die Politik? Dort wird gerade über den Soli diskutiert. Vielleicht wäre es eine gut Idee, diesen nicht abzuschaffen sondern umzuwidmen. Vergessen wir die Wiedervereinigung. Und nutzen den Soli, um den Absturz der absehbaren Opfer der zur Rettung des Planeten notwendigen Transformation ein wenig abzufangen. Die und ihre Folgen dürften nämlich heftiger werden als das bisschen Wiedervereinigung.

Die Transformation kommt sowieso! Und wenn wir uns nicht endlich mal selber daran machen und sie weiter aufschieben, dann kommt sie ganz von selbst, wahrscheinlich dann ziemlich disruptiv und wird uns noch härter treffen.

Das permanente Verschieben von Aufgaben, die man dringend angehen sollte, nennt man übrigens Prokrastination. Unsere Politiker sind also Prokrastinatoren.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 11. August 2019

Die CLOUD im Theater.

Das ist ein Stück zur Digitalisierung!
Und was für eines!

Das Torturmtheater zu Sommerhausen.

Theater ist ein wichtiges Bestandteil meines Lebens. Ich brauche es förmlich. Es muss nicht pseudo-modern sein. Mich begeistert auch kein pompöses Gesamtkunstwerk mit technisch aufwändigen Audio- und Video-Produktionen.

Mir ist ehrliches Theater am liebsten. Gern bin ich nah dran an Bühne und den Schauspielern. Wenn diese „gute Handwerker“ sind, die ihre Rollen verstehen und mit Leidenschaft spielen, dann ist das für mich etwas Großartiges. Besonders wenn das Stück dann auch noch etwas taugt.

Zurzeit habe ich drei Lieblingsbühnen. In München sind dies das Volkstheater und das Metropol. Ganz besonders liebe ich aber das Torturmtheater in Sommerhausen, unweit von Würzburg.

Im Torturmtheater fängt das Besondere schon bei den Stücken an. Jedes Jahr wählt Angelika Relin, die das Theater leitet und da für irgendwie alles zuständig und verantwortlich ist, vier zeitgenössische Stücke aus. Diese zeichnet aus, dass sie Themen mit herausragender Aktualität behandeln und sich wunderbar ergänzen. Im Jahre 2019 ist das schon mit den ersten drei Stücken wieder hervorragend gelungen.

Zum Frühling gab es:


Bilder einer großen Liebe
von Wolfgang Herrndorf.

Bilder Deiner großen Liebe.

Das war ein großartiges Ein-Personen-Stück. Ich habe in  einem Artikel von meinem Besuch berichtet.

Das Mädchen Isa, gespielt von Isabel Kott, berichtet sein Leben – wie ein aus dem Himmel gestürzter Engel.

Isa ist ein aus dem Erziehungs-Heim ausgerissenes Mädchen, dass ohne Geld und Ziel durchs Leben streicht und wahrscheinlich auch stricht.  Isa weiß, dass sie offizielle geisteskrank ist. Nur, alles was sie erzählt kommt dem Zuschauer vernünftiger vor als das meiste von dem, was er täglich erlebt.

Im Erfolgsroman TSCHICK des Autors des Stückes hat das Mädchen Isa nur eine Nebenrolle, im Stück erzählt sie ihr Leben.

Das war ein großartiget Theaterabend in 2019, den uns das Torturmtheater, Angelika Relin, Eos Schopohl (Regie) und Isabel Kott und das ganze Team uns beschert haben. Das war der aber nur erste Streich!

Weiter ging es im beginnenden Sommer mit


Lieben. feministisch
Von Samantha Ellis

Lieben – feministisch.

Das war wieder der nächste Volltreffer. Ein Knaller, der absolut in unsere #metoo-Zeit passt.

Lieben feministisch berichtet von einem Paar. Die Frau steht eigentlich auf geile Machos. Dummerweise liebt sie einen Mann, der von seiner Mutter zum überzeugten „Feministen“ erzogen wurde.

Dieser liebt sie, will sie respektieren und achten, obwohl das sogar nicht das ihre ist?

Kann das gut gehen? Eigentlich nicht.

Aber das Stück gibt eine schöne Antwort. Von Angelika Relin spitzenhaft gefunden und ausgesucht Stück, das wir dank Amelie Heller und Christian Streit (die Schauspieler) und Ercan Karacayli (Regie) genießen durften.

Und jetzt am 8. August hieß es „Vorhang auf“ für


Die Mitwisser
von Philipp Löhle.

Die Mitwisser.

Ich durfte bei der Premiere dabei sein. In diesem Stück geht es um unser Leben in und mit der CLOUD. Es geht um den gesellschaftlichen Wandel, den die Digitalisierung bewirkt.

Das ist mein Thema – arbeite und wirke ich doch schon seit 50 Jahren intensiv an der Digitalisierung  mit.

So suche ich nach der Metapher, die am besten für das steht, was die Digitalisierung individuell und sozial/gesellschaftlich bewirkt.

Ist es das Internet, das Netz oder das WebIrgendwas mit 2.0, 3.0, 4.0 oder die Cloud? Und habe mich für den Begriff der „CLOUD“ entschieden. Der trifft es am besten. Finde ich.

„Die Mitwisser“ zeigt die Welt in der CLOUD. Die liegt noch in der Zukunft liegt aber ist auch schon da. Und alle – ob Politiker oder Wirtschaftsbosse wollen und fordern Digitalisierung, obwohl sie oft gar nicht wissen, was das ist.

Im Stück zeigt wie unsere Welt in der CLOUD ausschaut, wenn sie den Algorithmen und neuronalen Netzen folgt. Dies mit großer künstlerischer Offenheit und einem klugen Maß an Kritik, aber auch in versöhnlicher Zuversicht.

Regie (Ercan Karacayli) und das Schauspieler-Team (Norbert Ortner, Anna Bomhard, Martin Herse, Malene Becker) haben das Stück von Philipp Löhle herausragend umgesetzt und zeigen, dass sie das Thema verstanden haben. Und nehmen die Zuschauer mit in eine Reise in die „CLOUD“.

Wie viele  Veranstaltungen mit mehr „oder weniger“ hochkarätigen ReferentInnen habe ich besucht! Da ging es um Digitalisierung allgemein, um die Folgen von social Media wie Blockchain und Bitcoin, Allgortithmen KI und neuronale Netze.

Und wie oft bin ich enttäuscht heimgekommen. Was da alles oft erzählt wurde, hatte mit der Realität aber auch gar nichts zu tun. Und ehrlich gesagt, meistens hatten die Referenten keine Ahnung von dem über das sie redeten. Meistens bestätigte sich die These meines Lehrers Rupert Lay, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben.

Ich garantiere, dass dieses harmlose Theaterstück so viel mehr Substanz enthält als all die schrecklichen Vorträge (von Akademika, Wirtschaft und Politik), die ich gehört habe.

Und es kommt noch besser. Die Zuschauer des Stücks hatten unheimlich viel Spaß und sind alle mit großer Freude und Hochgefühl heimgehen. Aber vorher gab es im edlen Foyer des Torturmtheaters einen intensiven Gedankenaustausch gepaart mit einer gesunden Portion an Nachdenklichkeit.

Wahrscheinlich sollte man unsere ganzen Politiker, die sich täglich zur Digitalisierung bekennen und darüber schwafeln, ganz schnell ins Stücke reinschicken. Das wären dann mal gut angelegte Steuermittel.

Aber wie bekomme ich die bayerische Staatsregierung ins Torturmtheater? Wahrscheinlich schafft man es nicht einmal, die Judith Gerlach vom Bayerischem Staatsministerium für Digitales  ins Theater zu locken, weil sie etwas wichtiges Juristisches für die DSGVO oder das Urheberrecht im Internet lösen muss. Und für sie und ihre Mitarbeiter im Ministerium wäre der Besuch besonders nützlich und wertvoll.

Und am 10. Oktober ist die Premiere des vierten und letzten Stückes in 2019.


ALLES WAS SIE WOLLEN

von Matthieu Delaporte / Alexandre de la Patellèrie.

Ich bin schon gespannt!

Und bis dahin empfehle ich jedem, der an unserer Zukunft und Digitalisierung interessiert ist, den Besuch des aktuellen Stückes, das bis zum 5. Oktober im Torturmtheater gespielt wird.

RMD

P.S.
Hier der Spielplan 2019 des Torturmtheaters Sommerhausen.

Roland Dürre
Samstag, der 3. August 2019

Die Kunst des Bremsens.

 

Das Geheimnis des Hyperloop.

 

Schema des Hyperloops
(Bild aus Wikipedia)

Im meinem letzten Artikel ging es unter anderem auch um Elon Musk. Bleiben wir bei ihm und einem weiterem seiner Themen – dem Hyperloop. Auch dieser ist eines der Hochtechnologie-Projekte/-Ideen, in die Elon Musk investiert.

Dahinter steht schlicht die Überlegung, dass Landfahrzeuge in einer weitgehend evakuierten Röhre schneller bewegt werden können als an der frischen Luft. Landfahrzeuge nutzen zur Fortbewegung typischerweise Räder (Eisenbahn), können aber auch Magnetschwebebahnen oder Luftkissenfahrzeuge sein.

Das besondere am Hyperloop ist für mich, dass es als Open Source Projekt entwickelt wird, d. h. die technologischen Erkenntnisse Allgemeingut sind. Dazu gibt es einen Wettbewerb, der jährlich in der Röhre einer sich in Los Angeles befindlichen Teststrecke ausgetragen wird. Diesen Wettbewerb gewinnt das Fahrzeug, das die höchste Maximalgeschwindigkeit erreicht. Die Teilnehmer sind überwiegend Teams von Universitäten.

Die TU München hat diesen Wettbewerb mehrfach gewonnen. Auch in diesem Jahr wieder. Das finde ich sehr beeindruckend. So habe ich die Frage gestellt, „wie kann ein Team aus dem technologisch und digital nicht mehr so führendem Deutschland solch einen Wettbewerb gewinnen?“

Die Antwort, die ich bekommen habe, war verblüffend einfach:
Die Länge der Teststrecke ist endlich. Bisher rasen die Pods durch eine nur 1.200 Meter lange Röhre. Und das Team von der TU hat schnell erkannt, dass die erreichte Spitzengeschwindigkeit mit der der Zeit und Strecke, die man zum Beschleunigen nutzen kann, korreliert. Das erste Ziel muss also sein, die Bremsstrecke zu minimieren, damit man möglichst viel Meter zum Beschleunigen hat.

Und – dieser zynische Einwurf sei mir gestattet – beim Bremsen sind wir Deutsche bekannter Weise richtig gut. Also hat das Fahrzeug WARR der TUM (man beachte die Namensgebung) dank einzigartiger Bremstechnologie die beste Bremsleistung aller teilnehmenden Fahrzeuge und kann so noch beschleunigen wo die Konkurrenz schon wieder abbremsen muss.

Für seinen Hyperloop-Wettbewerb 2020 plant Elon Musk eine rund zehn Kilometer lange Röhre mit Kurve. Da könnte der Bremsvorteil von WARR nicht mehr so wesentlich sein.

Trotzdem wird weiter gelten:
Wer schnell sein will, muss erst lernen zu bremsen. Denn da der Weg begrenzt ist, geht es darum möglichst viel vom Weg zum Beschleunigen nutzen zu können.

So finden wir eine schöne Metapher fürs Leben:
Wenn Du schnell sein willst, dann lerne erst zu bremsen! 

RMD

Klaus Hnilica
Freitag, der 2. August 2019

Mit Weiß geht’s auch – ich weiß es…

Lieber Roland, ich versteh‘ Deine Sehnsucht nach Frieden und Deinen unerschütterlichen Glauben, dass diese Vision auf unserem Planeten realisierbar sein müsste (siehe  http://if-blog.de/rd/die-teekanne-und-der-frieden/ ),doch ich sehe die Zukunft unserer Erde weiß.

Wenn unsere Erde von Grund auf weiß wäre, wäre nämlich alles gut. Mit ein bisschen weißer Farbe und winzigen Genmanipulationen ließe sich das auch wesentlich leichter realisieren, als beispielsweise das Frieden hemmende Testosteron aus dem männlichen Geschlecht zu entfernen.

Und der allseits beklagte Klimawandel wäre praktisch hinfällig, da ein weißer Planet den größten Teil des Sonnenlichtes reflektierte und die Erderwärmung so verunmöglichen würde. Außerdem wäre die ‚Biosphäre‘ – also alle Pflanzen und Lebewesen –  seit Äonen an die Farbe  ‚Weiß‘ gewöhnt. Zumindest dort wo es den Winter schon immer gab.

Doch auch sonst lösten sich in einer weißen Welt alle Konfliktpotentiale in weißen Nebel auf: jede Art von Rassismus wäre obsolet, da ja alle Menschen naturgemäß weiß wären. Die weiße Kopf- und Gesichtsbehaarung würde zusätzlich den Unterschied zwischen den Generationen und Geschlechtern weiter reduzieren, insbesondere wenn alle in weißen Kleidern steckten.

Die Anzahl der Bücher würde sich fundamental reduzieren, da weiße Schrift auf weißem Papier vollkommen neue Perspektiven lieferte und jeder Mann, jede Frau und jedes Kind unschwer mit einem Buch auskäme. Die Seitenzahl dieses Buches wäre ebenso unerheblich. Es sei denn man benötigte zur Stabilisierung eines wackelnden Tisches ein besonders dickes oder dünnes Buch.

Dieser Aspekt würde sich ähnlich dramatisch in der Malerei und Fotografie fortsetzen und mit einem Schlag die üblichen kapitalistischen Machenschaften in der Kunstszene auf ein Minimum reduzieren. Und jedes Gejammer, dass damit das ‚Gelbe vom Ei‘ im Kunsthandel verschwände erübrigte sich, da es ja nur mehr das‚Weiße vom Ei‘ gäbe. Ganz zu schweigen von der weltweiten Geißel der Farbenblindheit, die die Menschheit mit einem Male los wäre.

Geschriebene Hassbotschaften entfielen gänzlich in der weißen Welt, da sie bei weißer Schrift auf weißem Grund nichts ausrichten und keinerlei Hass mehr verbreiten könnten.Die mächtigen Konzerne Appel, Facebook, Alphabet und Amazon bekämen in dieser Welt ein vollkommen neues Gesicht, ihr Börsenwert würde mit Sicherheit auf einen Kleckerlebetrag schrumpfen oder gänzlich verschwinden…

Ähnliches ergäbe sich generell für die gesamte Digitalisierung.

Und wenn zusätzlich in Deutschland durch eine minimale Rechtschreibreform die Worte ‚weiße‘ und ‚weise‘ angeglichen würden, wären wir alle nicht nur weiße Staatsbürger und Wähler sondern auch weise Staatsbürger und Wähler, die munter und zufrieden in ewigem Frieden dahin lebten! Schriftlich ließe sich das allerdings nicht beweisen, da jede weiße Begründung, selbst wenn sie noch so weise wäre, auf weißem Grund unsichtbar bliebe

K H

Roland Dürre
Donnerstag, der 1. August 2019

Die Teekanne und der Frieden.

Das folgende Video hat der Schweizer Rundfunk (SRF Kultur) produziert. Ich könnte es mir gut als Lehrstoff für den Ethik-Unterricht in Bayerischen Schulen vorstellen, fürchte aber, dass es dort eher nicht eingesetzt werden darf. Es sei denn, unser neuer Ministerpräsident Markus Söder spricht auch hier ein diktatorisches Machtwort.

Mein persönliches Problem ist, dass ich mich wie die Hauptfigur im Video (dort als „Teeist“ bezeichnet) fühle. Nur dass ich nicht an die Teekanne glaube, die auf einer besonderen Umlaufbahn zwischen Mars und Erde um die Sonne kreist.

Habe ich doch einen viel ausgefalleren Glauben und bin somit ein noch größerer Außenseiter. So bin ich davon überzeugt, dass es auf der ganzen Welt (in Deutschland, Europa und global) FRIEDEN geben könnte und wir weltweit auf die Produkte der Rüstungsindustrie verzichten könnten.

Mir ist klar, dass das schon ein sehr extremer Glaube ist und ich froh sein muss, wenn ich deswegen nicht im Irrenhaus lande. Aber es gibt Hoffnung!

So soll Elon Musk ein Tesla-Cabrio ins Weltall geschossen haben, das jetzt dort schon länger seine Kreise zieht. Das hat zwar den Nachteil, dass man als Weltraum-Spaziergänger sogar im Weltall von einem Auto „überfahren“ (oder heißt das dort „überflogen“?) werden kann.

Es könnte aber sein, dass der Elon meinen Artikel liest und sich das obige Video anschaut. Und weil er ein guter Mensch ist, Mitleid mit dem Protagonisten im Video bekommt und eine Teekanne in die beschriebene Umlaufbahn entsendet. Für den Fall, dass die Umlaufbahn schwierig zu halten ist, schafft er es bestimmt, einen nachhaltig mit Solarstrom betriebenen Antrieb für die Teekanne zu bauen. Wer sonst, wenn nicht er?

Dann hätte der „Teeist“ im Video mit einem mal Recht! Vielleicht könnte diese Teekanne im All in Verbindung mit meinem Artikel und dem Video könnte sogar ein wenig für FRIEDEN werben. Und irgendwann mal wird dann auch meine Vision Realität.

So richtig glaube ich aber nicht daran. Eher halte ich es für möglich, dass AUDI einen SUV ins Weltraum entsendet, wollen die doch jetzt bei den elektrischen Automobilen dem TESLA so richtig das Fürchten lernen. Und ein AUDI ist ja wirklich zum fürchten.

RMD

P.S.
Unter dem Tag filosix findet man noch mehr immer sehr fordernde aber auch unterhaltsame und vor allem kurze Videos zu Themen der Philosophie.