Hans Bonfigt
Donnerstag, der 19. Oktober 2017

Hell’s Angels

Es war wieder einmal soweit.

Der Rechtsstaat konnte es nicht mehr hinnehmen, „dass Parallelgesellschaften wuchern, in denen seine Autorität und das Gewaltmonopol missachtet werden“.  Laut „Spiegel online“ wurden mehr als 700 Polizisten, darunter auch Spezialeinheiten, mobilisiert, um in Privatwohnungen (!) das am letzten Mittwoch ergangene Verbot gegen den Motorradclub „durchzusetzen“.

Leider war die Aktion wohl nicht von Erfolg gekrönt:

„Es wurden bei der illegalen Durchsuchung von 50 Wohnungen ‚Kutten‘, Schußwaffen, Bargeld und Motorräder sichergestellt“.

Nun muß man kein Kenner der Hell’s Angels sein, um sofort zu sehen, daß die im Spiegel-Artikel von den Bütteln präsentierten Kleidungsstücke mit den ‚offiziellen‘ Kutten der Hell’s Angels nichts zu tun haben, man kann diese sogar in diversen Läden kaufen und selbstverständlich auch öffentlich tragen.

An Waffen hat man ganze zwei Stück gefunden, und die waren mit hoher Wahrscheinlichkeit angemeldet.

Und Motorräder hat man „sichergestellt“, weil diese ja bestimmt zum Vereinsvermögen gehören.

Es ist zwar bekannt, daß Mitglieder der Hell’s Angels auch schon einmal vom Verein einen Kredit bekommen für die Anschaffung eines eigenen Motorrades, aber daß dem Verein irgendwelche Motorräder gehören, ist doch eher unwahrscheinlich.

Keine Sprengstoff, keine Folterwerkzeuge, so gut wie keine Waffen:

Das einzige, was bei dieser völlig unverhältnismäßigen Aktion unter die Räder kam, das allerdings mit einer Gründlchkeit, die man von NRW sonst nicht kennt, war der Rechtsstaat.

 

Ich persönlich hatte nie Interesse an Motorrädern und schon gar nicht an den knatternden Zweizylindern aus Milwaukee, auch wenn sie in einem speziellen Fall („Revolution“) in Weissach konstruiert wurden. Da muß man irgendwie dafür geboren sein. Ich bin es nicht.

Aber ich kenne drei Hell’s Angels – Mitglieder flüchtig. Alle drei gehen unterschiedlichen Berufen nach (Ingenieur, Elektriker, Spediteur), sind „ganz normale“ Menschen — eigentlich sind sie aber das Gegenteil. Mit Menschen wie Altmeier, Schulz oder Künast wollte ich nicht längere Zeit in einem Raum sein, mit den drei „Angels“ hätte ich da kein Problem.

Es klingt bei den Regeln der Hell’s Angels eine Menge Sozialromantik mit, die man vielleicht auch als ’naiv‘ abstempeln kann.  Ich persönlich bin der Meinung, daß Loyalität und Freundschaft ganz wichtige Dinge sind, die zu pflegen es sich lohnt. Es gibt neben dem „MC Hell’s Angels“ andere Clubs, beispielsweise den „KC Römisch-Katholische Kirche“, der ebenfalls Freundschaft und Loyalität einfordert, allerdings zu einem ziemlich abstrakten „Gott“. In der letzten Zeit tat sich dieser Club vor allen Dingen durch massiven sexuellen Kindsmißbrauch hervor, aber das ist nur die Spitze des Eisberges gegen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die sich der Verein in der Vergangenheit hat zuschulden kommen lassen.  Untereinander ist die Führung ziemlich zerstritten, man sehe sich nur das zutiefst unchristliche Verhalten der Bischöfe gegen den Kollegen Mixa an. Also: Wenn ich mich entscheiden müßte zwischen „MC Hell“ oder „KC Kath“, ich wüßte aber schon ganz genau, bei wem ich mich um eine Mitgliedschaft bewerben würde.

Während der „KC Römisch-Katholische Kirche“ öffentlich gefördert wird und in jedem Dorf seine machterhaltenden Klingelspiele veranstalten darf, ist der „MC Hell’s Angels“ geächtet und wird immer wieder rechtswidrig durch unseren korrumpierten Staat verfolgt.

Betrachten wir doch einmal einen besonders krassen Fall, auch auf die Gefahr hin, daß wir uns wieder einmal schämen müssen, Deutsche zu sein:

 

Das Steintorviertel in Hannover war jahrelang von kriminellen Albanern dominiert, das ganze Viertel war nichts anderes als eine „wuchernde Parallelgesellschaft“, gegen die NRW so energisch und erfolgreich vorgegangen ist. Die Hannoveraner Sektion der Hell’s Angels unter der Führung von Frank Hanebuth übernahm vor etwa 15 Jahren die Geschäfte des Viertels  —  und es war Ruhe. Es gab auch kaum Probleme zwischen Polizei und Hell’s Angels. Leben und Leben lassen.

Das hätte auch so weitergehen können. Nur kam es im Frühjahr 2010 irgenwie anders. Ein Jungstaatsanwalt bekam wohl bei seiner Partnerin keinen mehr hoch und wollte ihr wohl anderweitig zeigen, was für ein toller Hecht er war: Anstatt ein Mitglied der „Hell’s Angels“ einfach nur in einer Routinesache vorzuladen oder auf der Arbeitsstelle zu besuchen (der Mann ist  – oh Wunder –  kein Bordellbesitzer, sondern geht einer ganz normalen Tätigkeit als Konditor nach), wurde mit martialischem Trara ein Hausbesuch mit bewaffnetem Sondereinsatzkommando morgens um 04:00 vorgenommen. Man hatte es nicht nötig, sich als „Polizei“ anzumelden und war im Begriff, die Haustür gewaltsam zu öffnen.

Der so Überfallene ging davon aus, eine Abordnung des rivalisierenden Clubs „Bandidos“ hätte noch eine Rechnung offen.  Die Türöffnung wollte er nicht abwarten und schoß mit seiner  – zugelassenen –  Waffe durch die Tür. Dadurch wurde ein Polizist getötet, leider nicht der „Staatsanwalt“, der diese Farce angeordnet hatte. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt:  Plötzlich konnten sich die Beamten dann doch als „Polizei“ vorstellen, der Besuchte klärte den Irrtum auf, warf seine Waffe durch ein Fenster und stellte sich. Der Mann hat in einer lebensgefährlichen Situation einen klaren Kopf behalten und sich um Deeskalation bemüht. Eine klare charakterliche Bewährung.

Das Opfer von Staats- und Polizeiwillkür wurde in zwei Instanzen wegen Totschlags verurteilt. Jeder Laie kennt unterdessen den Begriff der „putativen Notwehr“, jeder klar denkende Mensch wäre zum gleichen Urteil gekommen wie der Bundesgerichtshof:  Freispruch.

Wie kaputt und korrupt muß unsere Justiz sein, in zwei Verfahren einen Bürger, der zu nachtschlafender Zeit überfallen wird, zu acht Jahren Gefängnis zu verurteilen?  Gegen den Staatsanwalt, der für den Tod des Beamten verantwortlich ist, wurde nicht einmal ermittelt.

 

So weit, so schlecht. Seit den ungeheuerlichen Rechtsbeugungen, begangen 2010 durch die damalige Generalbundesanwältin Monika Harms, sind wir wohl auch alle ziemlich abgestumpft. Doch diese Geschichte endet nicht hier. Sie fängt hier erst richtig an:

 

Von einem „Korpsgeist“ bei der Polizei kann man kaum reden. Kameradendiebstähle, Diskriminierung und allerlei Delikte sind an der Tagesordnung. Das Benehmen der Damen und Herren in diversen Hotels ist legendär, die Verwüstungen sind nicht einmal durch eine alkoholisierte Schülergruppe der „Jungen Union“ zu toppen.

Aber zwei Dinge sind bei der Polizei unermeßlich: Der Kleingeist und der Reflex zur Rudelverteidigung. Die „Gewerkschaft der Polizei“ übte sich, wie immer und wie immer in widerwärtiger Art und Weise, in Urteilskritik. Und fortan fühlte sich jeder Dorfpolizist berufen, etwas gegen die bösen „Hell’s Angels“ unternehmen zu müssen  —  es ist ja so einfach und schön, mit der Masse zu marschieren, das hatte 1938 bei der „Reichskristallnacht“ auch so schön geklappt.

Infolge der bundesweiten Polarisierung kam es zu den absurdesten Einsätzen: Ein Sonderkommando der bekannten „GSG 9“ seilte sich in James-Bond – Manier vom Hubschrauber ab, erschoß einen gefährlichen Welpen, räumte die Bude auf den Kopf und fand … nichts. Man hatte irgendeinen kleinen Feigling genötigt, gegen die „Hell’s Angels“ auszusagen, dieser ergriff seine Chance, alle möglichen Geschichten zu erzählen — die sich allesamt als reine Phantasie entpuppten. Trotzdem wurde seitens der Justiz eine Lagerhalle abgerissen, um mit Leichenspürhunden ein angeblich ermordetes Opfer zu finden.  Selbstverständlich wurde der Besitzerin der Halle der angerichtete Schaden nicht ersetzt. Am Ende der Ermittlungen stand eine einzige, riesengroße Blamage.

Hauptverlierer:  Der ehemalige Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland und der Steuerzahler.

Seither haben die Clubverbote und Razzien aber nicht abgenommen. Und erfolgreich waren sie nie.

Den Landesregierungen geht es angeblich um den Schutz der Bevölkerung vor Kriminalität.Was für eine dreiste Lüge dies ist, zeigt, wie wenig der vorgebliche Rechtsstaat gegen die Kriminalität islamistischer Invasoren zu tun bereit ist.

Die Landesregierungen werfen den „Hell’s Angels“ Hehlerei im großen Stil vor. Gleichzeitig prahlt NRW-Justizminister Walter Borjans mit dem Ankauf gestohlener Daten von Besitzern Schweizer Konten. Es geht um richtig viel Geld. Mag sein, daß der eine oder andere „Hell’s Angel“ schon einmal mit einer geklauten Armbanduhr gedealt hat — aber was ist das gegen fortgesetzten Rechtsbruch seitens einer demokratisch gewählten Regierung ?

Für die EDV-Experten hier:  Mit dem Ankauf von „Zero Day Exploits“ begeht die Bundesrepublik Deutschland wieder fortgesetzte Rechtsbrüche — und fördert sozusagen das Wachstum eines kriminellen Marktes.  Zum Schaden seiner Bürger.

 

Aber all das ist nicht mehr das Schlimmste, denn die Bundesrepublik Deutschland, so wie und so lange ich sie kenne, war schon immer kaputt.  Hinter verschlossenen Türen soll Horst Herold einmal gesagt haben, daß, im Gegensatz zu den Mitgliedern der Bundesregierung, die RAF aus moralisch orientierten Menschen bestehe.  Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Das wirklich Schlimmste ist das Versagen der Massenmedien.

  • Hell’s Angels sind grundsätzlich kriminell
  • Islamisten sind grundsätzlich nicht verantwortlich für ihre Taten
  • Rechtsbeugung durch Regierungen und Behörden dienen unserem Schutz
  • In der „AfD“ sind ausschließlich Nazis
  • Die „Linke“ steht für Gerechtigkeit

und so weiter, und so fort.  Niemand mehr erlaubt sich, gemäß dem römischen Rechtsgrundsatz, „audiatur et altera pars“, einmal einen anderen Standpunkt einzunehmen.  Es gibt einen wackelpuddingartigen „Allgemeinkonsens“ der selbsternannten „Allianz der Anständigen“. Jeder Schreiberling, der überleben will, hält vorher ersteinmal einen Finger in die Luft, um zu wissen, woher der Wind weht.

 

Eine Zeit lang habe ich ihn ja nicht gemocht, aber mittlerweile danke ich Joachim Steinhöfel für seine erfrischenden und brillanten Analysen.  Eine seiner Quintessenzen:  „Dies Auslandspresse ist für Deutschland mittlerweile das, was das Westfernsehen für die DDR war“.

Und schließen möchte ich mit einem Zitat, dessen Urheber ich gerade nicht herausfinden kann:

Es ist schon schlimm genug, unter der Diktatur der Unanständigen zu leben —  aber Gott schütze uns vor der Diktatur der Anständigen !“

-hb

Roland Dürre
Montag, der 16. Oktober 2017

Unternehmertagebuch #124 – INNOVATION – Nur so geht es!

Heute eine wunderschöne Metapher für Unternehmer zum Thema

„wie kreative Innovation gelingen kann“

Diese Geschichte habe ich vor vielen Jahren bei Alain Neumann gehört.  Hier ist sie, nacherzählt und ein wenig verändert von mir.

Als zufriedener Unternehmer, weil es geklappt hat.

Die Schweiz ist berühmt für ihre Schokolade. Als Kind war ich gierig nach ganz einfacher „Schokolade“. Möglichst „Vollmilch“. Aber schon in den Tagen meiner Kindheit war „nur Schokolade“ kein Hit mehr. Denn der Markt des Wirtschaftswunderlandes verlangte nach mehr.

Um zu expandieren mussten die Unternehmen der Schokoladenindustrie verschiedene Sorten von  Schokolade anbieten. So auch Schokolade mit Haselnüssen.

Die Geschichte, von der ich berichte, spielt in der Schweiz. Ein mittelständische Unternehmen, produzierte dort als besondere Spezialität  Schokolade mit Haselnüssen. Das war nicht einfach, denn das Knacken klappte nicht immer. So  zerbröselten die Nüsse oft in viele Teile und schlimmer noch, immer wieder fanden sich Splitter der Nuss-Schalen in der einen oder anderen Tafel wieder.

Dies trübte nicht nur den Genuss, sondern war auch für Unternehmen nicht unkritisch, da die Schale der Haselnuss ja ziemlich hart ist und beim herzhaften Biss in den Genuss dann durchaus der eine oder Zahn beschädigt werden kann. Und Schokolade mit ganzen Haselnüssen ging so schon gar nicht, denn die Nüsse gingen beim Öffnen nur zu oft zu Bruch und die Ausbeute an ganzen Nüssen ziemlich schlecht.

Deshalb hatte ein Team von Ingenieuren den Auftrag, das „Nuss knacken“ zu revolutionieren. Zum einen sollte die Nüsse unbeschädigt bleiben. Mit absoluter Sicherheit sollte auch vermieden werden, dass Schalensplitter in die Schokoladenmasse geraten könnten. Und natürlich sollte das mit unbedienten Maschinen „automatisch“ erfolgen.

Die Ingenieure arbeiteten intensiv, Tag und Nacht, aber auch ergebnislos. Es schien ein aussichtsloses Unterfangen und die Ingenieure wurden von Tag zu Tag frustrierter.

Im Unternehmen gab es einen Pförtner. Dieser war ein Mann eher aus der „bildungsfernen Schicht“, den aber alle mochten. Er hatte Mitleid mit den Ingenieuren, die das Werkgelände später in der Nacht verließen und von Tag zu Tag ein frustrierter wurden.

Die Ingenieure taten dem Pförtner leid. So versprach er ihnen, über dass Problem nachzudenken und ihnen dann die Lösung zu berichten. Natürlich erzeugte dies bei den Ingenieuren keine Hoffnung sondern nur mitleidiges Lächeln.

Eines Morgen nach einer Nachtschicht verkündete der Mann an der Pforte den Ingenieuren, dass er die Lösung gefunden hätte. In schönstem Schwyzer-Deutsch (das ich allerdings hier nicht wiedergeben kann) erklärte er:

„Ihr müsst wie ein Würmli ins Nüssli hineinkriechen und es von innen öffnen“.

Die Ingenieure hörten dies und lachten zuerst. Aber einer hatte plötzlich den richtigen Gedanken. Und die Ingenieure bohrten in die Nuss-Schale ein kleines „Löchli“, um die Nuss mit Druckluft von innen zu sprengen. Das war der Durchbruch.

Der Verwurf an gesplitterten Nüssen war von da an gleich Null. Seitdem gibt es Nussschokolade auch mit ganzen Haselnüssen und garantiert frei von Splittern!

Ich bin natürlich nicht ganz sicher, ob die Geschichte wirklich passiert ist. Es könnte sein, das die Haselnüsse noch heute auf genau diese Art und Weise geknackt werden. Zumindest hat es Alain Neumann das vor zehn Jahren so berichtet.

Alain hat damals einen Platz in meiner privaten „Hall of Fame„, der mir persönlich bekannten großen Redner gefunden. Weil er noch viele solche Geschichten erzählt hat und er so schon vor Jahrzehnten den Menschen auf eine einzigartige Art und Weise klar gemacht hat, was es heißt, Unternehmen zu gründen und gut zu „managen“. Indem man  die Menschen ganz einfach begeistert und machen lässt.

Immer wenn ich in meinem Umwelt kreative Innovation entdecke, gibt es eine ähnliche Geschichte dazu. Erfolgreiche Innovation „aus dem Reagenz-Glas“ habe ich dagegen noch nicht gefunden.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Sonntag, der 15. Oktober 2017

Große Redner und ihre Geschichten – #7 Jolly Kunjappu

Mit dem „Tagelöhner“ Alain Neumann bin ich gestartet. Dann habe ich von Hans-Jörg Bullinger und Hans Strack Zimmermann berichtet und bin schließlich bei Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, Klaus-Jürgen Grün und Rupert Lay gelandet.

Heute ist es mir eine Ehre, meinen Freund Jolly Kunjappu in meine persönliche „Ruhmeshalle“ auf zu nehmen.

Das Motto von Jolly ist „INSPIRING PEOPLE. Er sieht sich selbst heute als Performance Artist, Keynote Speaker und Philosopher. Jolly Kunjappu hat in seinem Leben schon sehr viel verschiedene Rollen gelebt. Unter anderem war er als Musiker mit vielen bekannten Musikern wie Mick Jagger zusammengespielt und hat Seminare „Trommel“ für viele Spitzenmanager.

Ich habe mit ihm unter anderem eine Vortragskombination zum Thema Frieden gemacht. Lassen wir ihn hierzu selber zu Worte kommen.

In IF-Blog findet man eine Reihe von Artikeln zu seinem Wirken.

Ich verneige mich von Jolly und seinem Lebenswerk.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 12. Oktober 2017

Die misslungene Emanzipation

Carl und Gerlinde (Folge 54)

„Herr Ober – bringen Sie mir doch bitte schnellstens einen doppelten Cognac…!“,  rief Carl erregt und schnappte förmlich nach Luft…

„Kommt sofort“, ächzte der vorbei huschende Ober mit dicken Schweißperlen auf seiner weitläufigen Stirn.

„Was ist denn mit dir los, Carl? Musst du dich wirklich schon im Morgengrauen mit Cognac zudröhnen?“ fragte Gerlinde irritiert und nippte mit besorgter Miene an ihrem frisch gepressten Orangensaft.

„Keine Angst, Gerlinde, ich brauche nur was Härteres, um diese Meldung aus der Zeitung verkraften zu können!“

„Und – was ist das für eine Meldung?“ fragte Gerlinde mit hochgezogenen Augenbrauen.

Stell dir vor, der König von Saudi-Arabien und sein ambitionierter Sohn Mohamed bin Salam wollen tatsächlich noch im 21. Jahrhundert den Frauen das Autofahren erlauben!“

„Wie das denn?“

„Ja – ab Juni 2018 – dürfen Frauen in Saudi-Arabien auch ohne Zustimmung ihres Mannes selbst ein Auto lenken. Ist das nicht der absolute Wahnsinn?“.

„Toll! Aber da steckt doch sicher irgendein mieser Ausbeutungsgedanke dahinter, wie ich diese Brüder kenne…“

„Vielleicht – aber bevor du vorschnell verurteilst, meine Liebe, sollten wir uns erinnern, dass auch in Deutschland noch bis 1958 der Ehemann das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder hatte.“

„Na – toll! Aber verschleiern mussten sich die Frauen damals nicht mehr, oder“?

„Nein das nicht – aber selbst wenn Männer ihren Frauen erlaubten zu arbeiten, verwalteten sie ihre Löhne!“

„Super – Zuhälter tun das ja heute noch für ihre Bordsteinschwälbchen“.

„Richtig, da ist eben die Welt noch in Ordnung in diesem patriachalen Milieu!“

„Mir scheint dir fehlt echt der Cognac, Carl! Alkoholisiert redest du nämlich weniger dummes Zeug…“

„Ja aber nur weil ich da meistens gleich einschlafe! Aber wo bleibt denn der unfähige Ober wirklich mit meiner Medizin?“

„Vielleicht ist die Kellnerin da flinker“, sagte Gerlinde, sprang auf und hetzte eine nicht unhübsche junge Kellnerin auf den schlafmützigen Ober.

„Und ohne Zustimmung des Mannes“, fuhr Carl, der offensichtlich nicht mehr zu bremsen war, fort „ durften Frauen noch bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen. Was sagst du dazu?“

„Siehste, lieber Carl, genau deshalb will ich vom Heiraten nichts wissen, damit mir das nicht passiert!“

„Diese Vorsichtsmaßnahme, wäre allerdings nicht mehr notwendig, liebste Gerlinde, da schon seit 1969 jede verheiratete Frau in Deutschland voll geschäftsfähig ist.“

„Mensch – das ging ja dann wohl in atemberaubendem Tempo damals voran mit der Emanzipation der Frau – bestimmt war da vor allem die CSU der gnadenlose Schrittmacher…“

„Spötterin“, feixte Carl und wartete immer ungeduldiger auf seinen Cognac…

„Du bist wirklich arm mit deinem Cognac, Carl! Wenn du willst kannst du gern zwischenzeitlich ein bisschen an meinem Orangensaft nuckeln…“

„Soweit wird’s noch kommen, dass wir Männer nicht einmal mehr unseren Cognac süffeln dürfen…“

„Ich fang gleich zu heulen an, Carl“!

„Ja – tu’s nur, sonst heul nämlich ich!“, stöhnte Carl.

„Dazu gibt’s aber wirklich keinen Grund, lieber Carl – außer der Tatsache, dass dein Cognac nicht bei kommt seid ihr Männer nämlich wirklich in keinster Weise zu bedauern, oder?“

„Oh – oh – und was ist mit der ‚ewigen Kanzlerin’ bitte, die ist doch nicht nur Honeckers späte Rache sondern auch die Rache aller Frauen an den Männern für erlittenes Unrecht, oder?“

„Du übertreibst wie immer, Carl!“

„Ich übertreib nicht, denn die ‚ewige Kanzlerin’ würde ja selbst ‚ausgestopft’ noch von allen Frauen und Alten gewählt werden …“

„Statt so dummes Zeug daherzureden, solltest du dich lieber selbst an deine dicke Nase fassen“!

„Wieso das..?“

„Schau dir doch deine ‚männlichen Prachtexemplare’ an – zum Beispiel diesen wunderbaren Herrn Schulz – oder den küssenden Herrn Junker – oder diesen göttlichen Herrn Trump – samt dem grinsenden Kim Jong Un – oder den ewig bayrisch dahersabbernden Herrn Seehofer… oder – oder – oder … im Vergleich zu diesen ehrenwerten Herren ist mir doch selbst eine ausgestopfte Kanzlerin’ immer noch hundert Mal lieber…“

„Leider muss ich dir da ausnahmsweise – höchst widerwillig – zustimmen, liebe Gerlinde: die derzeit agierende Männergilde ist wirklich ein selten erbärmlicher Haufen!“

„Siehste, Carl…“! sagte Gerlinde und unterdrückte taktvoll jegliches Triumphgefühl!

„Aber Gott hat dennoch ein Erbarmen mit uns Männern, Gerlinde:  denn endlich kommt mein sehnlichst erwarteter Cognac!“

Tatsächlich kam wie aus dem Nichts plötzlich die freundliche Kellnerin angetrippelt und platzierte, begleitet von tausendfachen Entschuldigungen und Verrenkungen für die unendlich lange Wartezeit, direkt vor Carl einen riesigen Cognac-Schwenker in den er praktisch hineinspringen hätte können. Und ehe  Gerlinde sich versah hing auch tatsächlich schon sein Kopf bis zum Hals drinnen…

Nur so war auch zu erklären, dass Carl nämlich, gleich nachdem die niedliche Kellnerin höchst ansehnlich wie ein Gazellchen entfleucht war, ganz nüchtern feststellen konnte, dass trotz aller derzeitiger gefühlter Überlegenheit des weiblichen Geschlechts, doch niemand ernsthaft bestreiten könne, dass selbst diese reizende Kellnerin sich immer noch auf ‚Ober’Schenkeln fortbewegt…also was sollte dieses ganze Überlegenheitsgetue? Letztlich waren die Frauen, wie eh und je, doch nur ein ‚Stück vom Mann’, oder?

KH

Roland Dürre
Freitag, der 6. Oktober 2017

Katalonien

Mein Traum von EUROPA

La senyera – Die Flagge Kataloniens.

Zurzeit wird „Katalonien“ heiß diskutiert. Dann gebe ich halt auch meine „five cent“ dazu.

Ich würde mich über eine Trennung Kataloniens von Spanien freuen. Das würde auch Europa nicht schaden. Eher im Gegenteil.

Aus dem EURO käme Katalonien auch nicht heraus. So müsste man sie auch in der EU bleiben lassen und das eventuelle Veto Spaniens bei einem Beitrittsgesuch Kataloniens ignorieren. Weil sie ja eh schon Mitglied waren und es kein Neueintritt mehr ist.

Wegen mir kann dann ja Rest-Spanien die von Franco etablierte Monarchie weiterführen und den Austritt aus der EU beantragen. Empfehlen würde ich es ihnen aber nicht. Sie sollen bloß nicht wieder Franco-Denkmäler aufstellen und bitte die Finger vom Faschismus lassen.

Vielleicht bräuchten wir dann halt noch ein paar Sterne mehr – wie am (im) Himmel?

Aber mir geht es nicht um Katalonien. Mir geht es um eine Vision für Europa, die wahrscheinlich eine Reihe der aktuellen Probleme ein wenig lindern würde.

Man bräuchte ein EUROPA, das ein enger Verbund seiner Regionen (also regionalen Staaten bzw Länder) ist. Diese sollten von halbwegs vergleichbarer Größe sein und so ein wenig mehr auf Augenhöhe zusammen arbeiten können. Meine Annahme:
Je kleiner die Staaten, je größer die Anzahl und je enger der Verbund, desto besser!

Freilich müssten fürs Gelingen ein paar nicht einfache Bedingungen erfüllt werden:

  1. Der Verbund der Regionen Europas muss den Menschen dienen – und nicht den Geschäftemachern, Konzernen und Spekulanten.
    Das ist für mich eine zentrale Bedingung. Daraus folgt, dass um jeden Preis freie Märkte, die gedankenlose Abschaffung von Grenzen nicht die Priorität haben. Grenzenloses Wachstum, maximaler Konsum für alle und beliebiger Reichtum dürfen nicht oberste Ziele der der neuen „Wertegemeinschaft Europa“ sein genauso wie eine falsch verstandene Freiheit ohne Pflichten kein Wert ist.
  2. Europa darf nicht zum Selbstzweck werden.
    Europa darf nicht als Ziel haben, eine Supermacht zu werden und international eine führende Rolle zu haben, vielleicht sogar eine Art „neuer Weltpolizist“ zu sein. Weil es dieses zum einen nicht braucht und ein Europa, welches sich nachhaltig entwickelt, auch ohne Atomwaffen und Flugzeugträger sowieso eine weltweite wichtige Rolle mit großem Einfluß haben wird.
  3. Solidarität darf nicht durch Subventionen gelöst werden.
    Solidarität zwischen Regionen und Menschen kann nicht mit dem Scheckheft gelöst werden, besonders nicht „nur mit dem Scheckheft“. Ein gutes Beispiel sind hier die Subventionen der Landwirtschaft in der alten EU, die genau das zerstört haben, was sie (vielleicht) erhalten wollten.
  4. Die Nationalstaaten müssen weg.
    Das gilt für alle, besonders natürlich für die Großen wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien … (und auch Großbritannien, das ja „faktisch“ noch dabei ist). Weil man das ganze nationale Gedröhne und Gestöhne nicht mehr braucht – und es z.B. dem Fußball überlassen könnte.

Punkt 1. und 4. sind mir die wichtigsten

Zu 1.)
Was ist so schlimm, wenn ein Land seine lokalen Märkte und auch Eigenheiten sinnvoll schützt? Was ist so schlimm, wenn Kontrollen gemacht werden, wenn die Kriminalität zu nimmt? Ich meine, dass es ab einer gewissen Größe leider ohne so eine Art von Grenzkontrolle nicht gehen wird. Und dann mag ich die doch lieber systematisch und geordnet organisiert haben als willkürlich wie heute.
Für Lobbyismus und die aktuelle vorhandene Oligarchie von Interessensgruppen, die sich Parteien nennen, darf in einem lebendigen und verantwortungsvoll funktionierendem Europa der Regionen endgültig kein Platz mehr sein.
Das mag unvorstellbar klingen, weil dazu die Demokratie erneuert werden und wahrscheinlich auch direkter werden muss. Wir haben ein Recht auf Utopien!
Weil wir das Recht (und die Pflicht) haben, die Kulturen Europas in ihrer Unterschiedlichkeit zu bewahren und die Vielfalt Europas zu erhalten.
Das muss in einem Europa der Regionen explizit erwünscht sein, gemeinsam besprochen und mit geeigneten Maßnahmen unterstützt werden. Sonst wird das nie etwas mit Eruopa.
Und dies zum Wohle aller – nur nicht der Spekulanten und von super-reichen Einzelpersonen oder super-mächtigen Systeme aller Art, besonders wenn sie sich „entpersonalisiert“ und verselbstständigt haben.

Zu 4.)
Wie schön wäre ein Europa bestehend aus überschaubaren Regionen. Dafür gibt es vor allem rationale Gründe. Kleine und selbstorganisierte Systeme funktionieren einfach besser als große, die auch noch von außen geregelt und verwaltet werden.
Flache Hierarchien machen eine sinnvolle Form von Subsidiarität leichter.
Politisch gäbe es dann „im oberen Bereich“ nur noch zwei anstelle der heute drei Ebenen.
Die EU ist in diesem Modell die oberste Ebene und die internationale Präsenz aller Regionen. Sie wird gesteuert vom Rat der Regionen, die ihre Dinge selber regeln dürfen. Die national infizierten Zwischenebene wie Berlin, Paris, Rom … – oder eben Madrid – würden ersatzlos wegfallen.
Dann bräuchte man auch kein Vetorecht von Einzelstaaten mehr (gleich ob die ein paar 100.000 oder 80 Millionen Menschen vertreten. Dieses würde ersetzt durch eine qualifizierte Mehrheit im Rat der Regionen.
Wenn mal eine Region umkippt oder völlig ausflippt, was immer wieder passieren wird, wäre das eher zu heilen wie heute. Man denke nur, wie unmöglich das ist, einen Staat wie Polen zu beeinflussen. In einem System auf Augenhöhe würde Solidarität auch besser und  direkter erfolgen können, als dies mit der EU-Gießkanne möglich ist.
Die EU müsste also aus „Ländern“ bestehen, von denen keines größer ist als zum Beispiel Bayern sein darf. Wahrscheinlich ist aber sogar Bayern sogar zu groß für eine EU-Region? Auch da böte sich eine sinnvolle Zerlegung und so mindestens eine gute Lösung an.

Wir müssen also die Nationalstaaten zerlegen. Bei der BRD Deutschland wäre es einfach, wir haben ja schon eine relativ vernünftige Länderstruktur. Die könnte man einfach übernehmen (und gerne auch noch verbessern, wie im letzten Absatz beschrieben). Klein-Länder wie Bremen oder Hamburg würde ich belassen. Wenn derzeit ein Estland ein EU-Land sein kann, warum sollen dann in Zukunft nicht die beiden stolzen deutschen Hansestädte nicht eine Region sein dürfen – wie dann auch Estland sein würde?

Wenn wir EUROPA heilen wollen, dann dürfen und müssen wir sehr wohl solche Utopien haben und anstreben! Sonst wird das nie etwas! Und dann kommt tatsächlich der Katzenjammer!

RMD

P.S.
Noch ein positiver Gedanke zur so schädlichen gemeinsamen Währung:
Ich meine ja, dass es die beste Lösung wäre, wenn es nach „Reifegrad/Zustand“ der Regionen es für diese verschiedene Währungen gäbe (ich nenne sie mal EURO1, EURO2 und EUROn). Aber das ist ein sehr kompliziertes Thema, das ich an dieser Stelle nicht diskutieren möchte.

Aber ein positiver Gedanke zu nur einem EURO möchte ich formulieren. Es könnte sein, dass ein EURO für alle Regionen – trotz vieler Nachteile auch einen großen Vorteil haben könnte: Ein EURO für alle wäre so etwas wie der eisernen Ring, der die Regionen zusammen hält. Und so einen Austritt unmöglich macht und hilft die immer wieder kommenden regionalen Krisen zu überstehen. Dazu wäre wieder eine Utopie notwendig – nämlich eine andere Währungspolitik der EZB als jetzt unter „Super-Mario“ Draghi.

Vor einigen Jahrtausenden hat der Mensch das Rad erfunden und ein „wenig später“ den Hebel entdeckt. Bis zur Erfindung der Schubkarre – obwohl nur eine einfache Kombination von Rad und Hebel – hat es dann ein paar Jahrtausende gedauert. Dann ging es schneller, es wurden elementare Dinge wie Kurbel und Zahnräder erfunden. Und die Dampfmaschine, der Dieselmotor und die Elektrizität …

Und mit der Informations- und Kommunikationstechnologie ging das Rad dann so richtig ab.

Da war ich wohl beim Fotograf – gespannt was mir mir passieren würde.

Oft frage ich mich, wann der sich der erste Elektromotor in unserem Hause gedreht hat. Ich bin mir sicher war, das es erst nach unserem Umzug 1955 vom Land in die Stadt war. Ich weiß dann noch, dass Ende der Fünfziger eine Wäsche-Schleuder in unsere Waschküche eine große moderne Errungenschaft war, die zweifelsfrei einen elektrischen Motor hatte.

Andere Elektro-Geräte gab es in meiner Erinnerung in unserem Haushalt damals nicht. Bis dann die erste Modelleisenbahn von Märklin kam. Dann ging es Schlag auf Schlag.

Bis dahin hatten bei uns im Haushalt die mechanischen Geräte eine Hand-Kurbel. Und die komplizierten Zahnräder. Zum Beispiel der Fleischwolf, die Kaffee-Mühle, das Gerät zum Sahne schlagen … Auch die Bohrmaschine hatte Handbetrieb.

So hatte ich eine hohe Verehrung von Zahnrädern …

Eines Tages hatten wir einen Schulausflug (das war in der 3. oder 4. Klasse in der „Wittelsbacher Volksschule“ in Augsburg) bei der Zahnradfabrik Renk – heute ein börsennotiertes Unternehmen der MAN AG.

Die Schule war neben der Kirche St. Anton und so nicht weit weg vom „Wittelsbacher Park“. In diesem Park gab es wiederum eine Besonderheit – den „Rudolf Diesel Hain“. Das war ein Rechteck so groß wie ein Schrebergarten umwachsen mit zypressen-ähnlichen Gewächsen. Es gab einen Ein- und Ausgang, im inneren standen große Felsen aus Japan. Auf Kupfertafeln gab es Inschriften (zumindest in meiner Erinnerung), in denen sich das japanische Volk bei dem großen Deutschen Rudolf Diesel für die Erfindung des gleichnamigen Motors bedankte, der den Menschen weltweit erniedrigende und schwere körperliche Arbeit erspart hätte. Und deshalb der Stadt Augsburg als Geburtsstadt des großen Mannes die Felsen geschenkt hat.

Der Rudolf Diesel Hain war ein schöner Fleck Natur, der mir beim Schwänzen des sonntäglichen Kirchgangs liebe Zuflucht war.

Für mich war die Führung durch die Fabrik sehr spannend. Die Bearbeitung von Eisen ist schon etwas besonderes – und die Menschen in diesem Geschäft waren es auch. Zur Verabschiedung bekam unser Lehrer von unserem Führer ein großes und ziemlich schweres Zahnrad (Durchmesser vielleicht 20 cm) geschenkt, das Gewicht aber bestimmt ein paar Kilo.

Ich gehe mal davon aus, dass das Zahnrad so etwas wie ein Auschuss-Teil war. Die Ehefrau unseres Lehrers war wohl nicht so von dem Trum begeistert, das unser Klassenlehrer da heim gebracht hat.

Auf jeden Fall hatte er am Morgen das Zahnrad dabei, legte es auf den Schreibtisch und lobte es aus: Wir sollten einen „Erlebnis-Bericht“ zu unserem Ausflug schreiben. Und der Gewinner (der den besten „Aufsatz“ schreiben würde) sollte das Zahnrad als Preis bekommen.

Ich war wie elektrisiert. Denn das Zahnrad wollte ich unbedingt haben. Zwar war ich ein Außenseiter, denn meine Deutsch war mein schlechtestes Fach. Ich hatte schon vor der Schule lesen gelernt und die meisten Karl Mays hinter mir, so fand ich unser Lesebuch nur ätzend.

Aber was zählt das alles, wenn man unbedingt etwas gewinnen will? Nichts!

So gab ich mir bei diesem Aufsatz eine extreme Mühe, wie wohl nie wieder im Leben. Ich wollte das Zahnrad haben, hatte die Begeisterung für den Ausflug im Kopf, „Drehbuch“ und schrieb diese auf. Ausnahmsweise versuchte ich formale Fehler strengstens zu vermeiden und sogar auf Satzzeichen zu achten – alles Dinge, die mir damals ansonsten so ziemlich egal waren. Sogar bei meiner Schrift gab ich mir richtig Mühe, ich vermute mal dass diese Seiten in meinem Heft die einzigen waren, die nicht geschmiert waren.

Seitdem weiß ich, was es heißt, motiviert zu sein.

Ich musste noch ein oder zwei Tage warten, dann kam der Tag der Entscheidung. Und siehe da – ich hatte den ersten Platz gemacht und das Zahnrad gewonnen. Und ich war der glücklichste Mensch auf der Welt. Das hielt auch den ganzen Heimweg an. Nur wie ich nach Hause kam wurde die gute Note in Deutsch von meiner Mutter nur mit einem abwertenden „wenn Du willst dann kannst Du es ja doch“ gewürdigt. Das Zahnrad dagegen wurde überhaupt nicht wert geschätzt, im Gegenteil mit einem sehr gering schätzendem „Was hast Du denn da wieder mitgebracht“ bedacht.

Wahrscheinlich ging es ja meinem Lehrer ein paar Tage vorher ähnlich. Aber das war auch kein rechter Trost für mich.

Das Zahnrad bekam einen Ehrenplatz in meinem Zimmer. Es roch wohltuend nach Maschinenöl.

Ich weiß noch, wie dann so 10 Jahre später von meiner Mutter genötigt wurde, das Zahnrad zu entsorgen. Es war ein wirklich schönes Zahnrad.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 2. Oktober 2017

FRAGEN (NICHT NUR) FÜR UNTERNEHMER.

Als nicht mehr ganz taufrischer aber noch junger Unternehmer im Büro in Unterhaching (1993 ?).

Am 7. Juni habe ich hier viele eher menschliche und allgemeine Fragen gestellt.

Und diese am 1. Oktober durch ein paar Thesen ergänzt, was denn „Mensch sein“ ausmacht.

Der aktuelle gesellschaftliche Konsens, wenn es denn noch einen gibt, wird mir immer unverständlicher.

Heute hier ein paar Fragen, die unsere „soziale Markt-Wirtschaft“ betreffen. Soweit es diese bei uns überhaupt noch erwünscht ist – denn schon länger existiert sie nur noch sehr eingeschränkt.

Die Wirtschaft ist für die Menschen da. Und nicht die Menschen für die Wirtschaft. Das gleiche muss auch für Unternehmen gelten. Diese sind auch für die Menschen da – und nicht die Menschen für die Unternehmen.

Die Definition:
Unternehmen sind soziale Systeme mit einem ökonomischen Zweck.

Der Zweck eines Unternehmens ist die Herstellung von Produkten und/oder das Generieren von Dienstleistung. Sie entwickeln Strukturen und organisieren sich. Unternehmen haben ihre Ordnung, die auch für die Menschen und nicht gegen die Menschen sein sollte.

Die Regel:
Gemeinwohl geht vor Maximierung des Profits!
In einer sozialen Markt-Wirtschaft müssen Unternehmen gemeinsam eine Gemeinwohl-Ökonomie realisieren. Einfluss über Lobbyismus zum eigenen Vorteil geht genauso nicht wie Externalität (die Externalisierung von Kosten). Das Prinzip „Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert“ darf nicht gelten!

Und es stellen sich wieder Fragen:

  • Warum dürfen Unternehmen Dinge anbieten, die keiner braucht? Und die Nachfrage danach künstlich herstellen?
  • Warum haben Unternehmen aus Branchen wie Rüstung oder Genussmittel (Tabak) die mit Abstand besten Margen?
  • Warum agieren Konzerne so oft kriminell?
  • Warum werden kriminelle Unternehmen auch noch subventioniert und gesellschaftlich akzeptiert?
  • Wie kann es sein, dass bei Unternehmen der „Gesundheitsbranche“ (Medizin, Pharmazie …) der Shareholder Value wichtiger ist als der Auftrag, Menschen gesund zu machen?
  • Warum haben sich so viele Unternehmen (soziale Systeme mit ökonomischen Zweck) entpersonalisiert und systemisch verselbstständigt?
  • Warum gibt es immer noch “disziplinarische” Vorgesetzte?
  • Warum ist die Zeit nach wie vor das Maß für Arbeit.
  • Warum stehen sogar bei High-Tech-Unternehmen “Stechuhren”?
  • Warum sind Einkommen nicht transparent?
  • Wieso braucht es „Human Resource Departments“?
  • Warum verdienen Top-Manager oft das Zigfache ihrer Mitarbeitern?
  • Für was braucht man Vertrieb, wenn man gute Produkte hat?
  • Welche Aufgaben hat denn das Marketing außer zum Konsum zu manipulieren?
  • Was sind das für Unternehmen, die mit Lobbyismus die Regeln zu ihren Gunsten verändern und so beliebig Schaden am Gemeinwohl verursachen?
  • Warum ist die (unreflektierte) „Sorge um die Arbeitsplätze“ der Freibrief für den Erhalt sinnloser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen und Umweltzerstörung?
  • Warum gehen „Veränderung und Wandel“ genau dann schon gar nicht, wenn das wirtschaftliche Interessen bedroht?
  • Warum werden bei solchen Dingen immer die wirtschaftlichen Risiken bedroht, die Chancen aber einfach ignoriert und weg diskutiert?
  • Warum hat das Interesse der Shareholder immer Priorität vor den Bedürfnissen der anderen Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten …)?
  • Warum glauben so viele Menschen, dass Privatisierung das Allheilmittel für alle Probleme ist?
  • Warum werden kommunale und/oder staatliche Unternehmen immer noch als Unternehmen zweiter Klasse belächelt, obwohl doch zum Beispiele viele Stadtwerke zeigen, dass sie ihr Geschäft sehr gut beherrschen.
  • Was bringen „ethische“ Feigenblätter wie „CSR“ (Corporate Social Responsibilty) oder „BGM“ (Betriebsgesundheits-Management) für die Praxis?
  • Warum versteht man nicht, dass Unternehmen als soziale Systeme eher biologischen Lebewesen ähnlich und keine Maschinen sind, bei denen durch Drehen an den richtigen Schrauben Umsatz und Gewinn beliebig gesteuert und gemehrt werden kann?
  • Warum ist der Verbraucher zwar in der Theorie die „geschützte heilige Kuh“ nur in der Praxis das immer mehr „missachtete und gejagte Konsum-Vieh“?
  • Wie kann es sein, dass der Shareholder Value immer noch das Maß aller Dinge ist?
  • Warum geht es immer ausschließlich um Wachstum und Größe?
  • Und viele Fragen mehr …

Eigentlich ist es klar, wie es sein sollte. Umso schlimmer, dass dies jeder weiß und es keinen interessiert. Vielleicht weil Geld die einzige Metrik ist, die etwas gilt und an die alle glauben.

Das oberste Grundrecht in der alternden BRD (Bundesrepublik Deutschland) ist nicht mehr die „Würde des Menschen“ sondern die „Wahrung des Besitzstandes“.

RMD

Da habe ich die Welt mit Kinderaugen gesehen. Und konnte sie nur bewundern.

Am 7. Juni habe ich hier viele Fragen gestellt. Vielleicht ist aber besser, erst diesen Artikel zu lesen. Und sich dann meinen Fragen zu widmen.

Es waren Fragen, die sich mit unserer menschlichen Irrationalität beschäftigen.

Fragen, die mir weh getan haben.

Weil wir die Welt ruinieren und uns selber zerstören.

Weil wir eine Gesellschaft sind, die das alles weiß und NICHTS tut.

Weil diese Fragen an sich schon schwer zu verstehen und nicht zu beantworten sind.

Es wird aber noch schlimmer, wenn ich mir überlege, was LEBEN bedeutet.

Und was wir KÖNNEN, ERLEBEN und SCHAFFEN.

Unser KÖNNEN

  • Wir können DENKEN.
  • Wir können REDEN.
  • Wir können FÜHLEN.
  • Wir können LIEBEN.
  • Wir können TANZEN.
  • Wir können MALEN.
  • Wir können SINGEN.
  • Wir können TRÄUMEN.
  • Wir können ERZÄHLEN.

Unser ERLEBEN

  • Wir sind Frau und Mann.
  • Wir bekommen Kinder.
  • Wir leben.
  • Wir sind ratlos.
  • Wir sind hilflos.
  • Wir müssen sterben.
  • Wir pendeln zwischen Ohnmacht und Allmacht.

Von uns ERSCHAFFEN

  • Sprache
  • Schrift
  • Mathematik
  • Musik
  • Das Rad, den Hebel, die Schubkarre, das Fahrrad
  • Werkzeuge, Maschinen und das Internet

So klug sind wir geworden, dass wir fühlen und wissen:

So geht es nicht weiter!

Wir tun aber nichts.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 30. September 2017

Ach wie schön ist das Leben ohne dauernd zu telefonieren …

Aus Gründen, die mir selber nicht ganz klar sind, komme ich zurzeit nicht zum Schreiben. Vielleicht, weil ich das Leben sehr genieße und mir viele Freiräume nehme. Und IF-Blog darbt.

Also nutze ich aus Effizienz-Gründen die Gedanken, die ich mit anderen Menschen austausche als Basis für Artikel. So auch heute.

Wenn ich z.B. einen neuen Partner habe und wir planen, uns häufig und intensiv auszutauschen (zusammenzuarbeiten), dann bitte ich diesen, mir keine E-Mails mehr zu senden und schlage vor, auf ein Chatter seiner Wahl umzusteigen. Und starte für uns einen „Thread“.

Weiter bitte ich meinen Partner, mich nur im „Notfall“ anzurufen (wenn ich mich zum Beispiel zu einer Verabredung nicht pünktlich einfinde) oder er etwas ganz Wichtiges auf dem Herzen hat, dass er einfach sofort los werden will/muss.

Bei Bedarf lege ich ein „shared document“ oder einen gemeinsamen Dokumenten-Raum an und die Zusammenarbeit kann los gehen.

Abstimmung durch „synchrone Kommunikation“ ist gelegentlich notwendig. Die kann „f2f “ (face to face, so heißt das im „new business denglish“) je nach Thema in einem schönen Café oder in einer „Arbeitsumgebung“ (ruhiger Raum mit viel weißen Wänden und auch am besten weißen Tischen) stattfinden.

Ist die Raum-Zeit-Schwelle zu hoch, dann ist „f2f“ zu aufwendig und wir verwenden wenn möglich Telekommunikations-Technologien. Im „worst case“ das klassiche Telefon, meistens aber Bildtelefonie. Die Termine synchronisieren wir im „Chat“, machen aber nur Termine für die nahe Zukunft aus. Weil langfristige Termine unsere Freiheit unnötig einschränken. Und wer weiß ob das Meeting in ein paar Wochen überhaupt noch vonnöten ist?

Sind wir ein Team (mehr als zwei), dann geht die alte Telefonkonferenz gar nicht. Ich bestehe dann in der Regel auf Bildtefonie. Weil ich zu „mehrt telefonieren“ als ziemlich unteroptimal empfinde.
🙂 Im übrigen: Telefonieren ist nur ein synchrones Übertragen von „voice over IP. Aber hier endlich der Artikel dazu.


Meine mobile Telefonnummer ist öffentlich. Im Internet steht sie auf meinen Seiten. Man findet mich dort leicht. Glücklicherweise ruft mich trotzdem keiner an, nicht einmal die bösen Bots, die meine Seiten ja dauernd besuchen sollen um angeblich so etwas zu machen. Teil meiner Signatur ist die Telefonnummer auch, und ich sende immer noch viel zu viele E-Mails. Weil es soviel Unbelehrbare gibt, die auf E-Mail bestehen und sogar noch Dateien (vorzugsweise Word-Dokumente) per E-Mail versenden.

Soviel zum Thema „Internet-Blödsinn“ 🙂 

Bild von Christian und Daniel (©
Visual-Braindump 2016) auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

Aber auch sonst klingelt das Telefon selten. Meine Freunde rufen mich nur in Notfällen an, weil sie wissen, dass Menschen per Telefon zu stören nicht nur unhöflich ist, sondern dem Angerufenen auch Schaden zufügt. Häufende telefonische Störungen machen es mir unmöglich, konzentriert am Stück zu arbeiten. Und ich mag das Wertvollste, was ich habe, nämlich meine Zeit nicht einfach so verplempern.

So nutze ich das Telefon nur selten. Zum Beispiel, um zu einem vereinbarten Zeitpunkt gut vorbereitet Gedanken auszutauschen. Dies dann möglichst kurz und effizient.

Das klassische Telefon ersetze ich immer mehr durch „Bildtelefonie“ mit FaceTime, Hangout, Skype oder ähnlichem. Ganz einfach, weil ich und mein Gesprächspartner uns dann auch sehen können. Am Rechner sitzen wir ja sowieso, weil wir im Gespräch ja auch Informationen auf einer anderen Ebene (vielleicht visuell oder „audio“) austauschen und gleich im Gespräch die Ergebnisse notieren. Wir machen ja auch meistens ein Protokoll, nicht um uns abzusichern, sondern um unsere Erkenntnisse und Ergebnisse zu bewahren.

Wenn ich dauernd telefonieren würde – wie ich das in meiner Umwelt laufend erlebe – würde ich nur einen Bruchteil der Dinge schaffen, die ich bewirke.

🙂 Und käme dann gar nicht mehr zum Schreiben von IF-Blog-Artikeln. Oder zum „schöne Reisen machen“.

Manche meiner Bekannten gerade bei großen Unternehmen kommen tagsüber vor lauter Besprechungen nicht zum Arbeiten und holen diese dann nachts nach. Telefonieren tun sie dann in den zwei Stunden, die sie täglich im Autos sitzen. Weil das so praktisch ist. Und klagen, dass sie gar keine Freizeit mehr hätten. Früher oder später bekommen sie einen Burnout. Das soll mir nicht passieren.

So ist mein Telefon auch mindestens 12 Stunden am Tag im Modus „nicht stören“. Kein Anrufe stört dann. Wenn ich mein Telefon aktiv kontrolliere, bekomme ich diese Anrufe natürlich mit – und bei Bedarf rufe ich zeitnah zurück. Und dann störe ich gerne, der andere hat es ja bei seinem Anruf billigend in Kauf genommen, mich zu stören.

🙂 Ja mei, ich ärgere halt gerne andere Menschen. Soviel zur „Handy-Etikette“ oder #newwork 4.0.

RMD

Hans Bonfigt
Freitag, der 22. September 2017

Krampfhennenreport #1: VerbraucherschützerInnen

Da fragt der geschätzte Chris Wood nach, sinngemäß, „Mit welcher Motivation schreiben Sie im iF-Blog?“.

Nun ja, vor längerer Zeit habe ich hier ein Zitat von Rupert Lay gelesen, „wir leben in der Zeit des unverantworteten Geschwätzes“. Das ist deswegen so relevant und in seinen Auswirkungen schlimm, weil Internet-Medien das „unverantwortete Geschwätz“ annähernd mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten.

Schlimmer noch: Weil ein Schwätzer vom anderen abschreibt und gleichzeitig eigenen Unsinn ergänzt, potenziert sich der Schwachsinn.

In lockerer Folge möchte ich einige Beispiele für inkompetenten Dünnschiß aufzeigen, der eine ursprüngliche gute Absicht übel pervertiert und gleichzeitig Verwirrung stiftet, damit Betrug und Mißwirtschaft schön im Nebel bleiben.

Gleichzeitig behandle ich nur Themen, von denen ich etwas verstehe, sprich: Mit denen ich mich seit mindestens 20 Jahren beruflich befasse.

Beginnen wir mit dem Verbraucherschutz.

„Die einzige Kamera, die ‚was taucht“, mit diesem Slogan bewarb Minolta einst eine wasserfeste Hobbykamera. Der Verbraucherschützer wollte den armen Konsumenten vor dem bösen Hersteller schützen und klagte: „Beim flüchtigen Lesen hat der Verbraucher den Eindruck, daß alle anderen Kameras nichts taugen würden“. Nee, schon klar. Eine Spaß-Knipse für 49,90 taugt als einzige etwas, die Leica M6 ist Sondermüll. Da muß unbedingt ein Gerichtsverfahren publikumswirksam ausgefochten werden. Das Gericht erkannte nicht, durch welchen Kakao es da gezogen wurde und gab den Krampfhennen auch noch recht.

Auf der anderen Seite ärgere ich mich im Supermarkt immer wieder darüber, daß bei Batterien nie eine Kapazität draufsteht. Bei Zucker, Bier, Haferflocken oder auch bei Akkus: Der Inhalt in Gramm, Liter oder Ampèrestunden steht drauf. Bloß nicht bei Batterieen. Wie soll ich da eine Preis / Leistungsabschätzung treffen? Den Verbraucherschutz interessiert das einen feuchten Kehricht, dafür werden Lobbyisten schon gesorgt haben.

Wie Krampfhennen vom Verbraucherschutz lächerliche Randprobleme aufblasen und damit von den wirklich üblen Umständen ablenken, sehen wir besonders gut am Beispiel von Lina Ehrig:

Hier werden Sie gerettet!

Und sie bringt auch gleich die ganz großen Skandale mit, denn, „Das deutsche Erfolgsrezept zum einfachen Wechsel von Telefon- und Internetanbietern hängt am seidenen Faden„, au weia! Die schlimme Folge:  „EU erschwert Telefonanbieterwechsel – für immer Telekom?“ …

Sehen wir uns doch einmal die skandalösen Verschlechterungen an:

Beim Wechsel eines Telephonanbieters muß dieser nicht innerhalb eines Tages, sondern am nächsten Werktag vollzogen sein. Unsere Telekom braucht für den „Wechsel“ von ISDN zu VoIP auch schon mal 14 Tage. Beim geschäftlich alleinig genutzten Anschluß einer Hamburger Werbeagentur, wohlgemerkt. Eine ähnliche Katastrophe hatten wir kürzlich bei einer Hausverwaltungsgesellschaft, die auch tagelang unerreichbar war.

Für die Privatperson, die ja grundsätzlich kein Mobiltelephon hat, ist das eine Katastrophe! Und die lieben Kleinen können eventuell einen oder zwei Tage keinen „Bushido-Rap“ „streamen“! Ein unersetzlicher Verlust für die kindliche Entwicklung!

„Die Vertragslaufzeit beginnt von neuem“. Die Dame hat Jura studiert, wohlgemerkt. Wieso, zum Teufel, sollte bei einem neuen Vertrag die Vertragslaufzeit nicht neu beginnen? Was glaubt Frau Juristin eigentlich, wie hoch teilweise die Kosten sind für die Anlage beispielsweise eines neuen Kabelanschlusses? Irgendwie muß ein Provider doch seine Investition absichern.

Das war’s auch schon, was die Juristin auf der Erbse bemängelt und die Conclusio kann sich sehen lassen: „Jetzt nimmt [die Bundesregierung] die Aushöhlung der Verbraucherrechte und Absenkung des Schutzniveaus billigend in Kauf„.

Bereits die Formulierung entlarvt das unterirdische Gaga-Niveau: Man kann etwas billigen, dann ist man damit einverstanden und zufrieden. Man kann etwas in Kauf nehmen, dann ist man nicht damit einverstanden und schon gar nicht zufrieden, sondern toleriert es, um in einer anderen Sache einen Nutzen zu erlangen. Man kann aber ganz sicherlich nicht etwas „billigend in Kauf nehmen“, das ist eine contradictio in adiecto. Naja, iustitia non calculat und Fermat ist lange tot.

Kommen wir zur Wahrheit

Es verschlechtert sich nichts durch einen neuen EU-Kodex, denn unsere Bundesregierung hat in Zusammenarbeit mit der Telekom das Pessimum bereits erreicht.

Denn weil die Telekom wettbewerbswidrig jeden privat genutzten Internetzugang mit einem Telephonieangebot bündelt, kann sich kein Verbraucher wirklich frei für einen alternativen Anbieter entscheiden. Täte er das, beispielsweise für einen seriösen, kompetenten Provider wie QSC oder Sipgate, dann läge die zwangsweise „gebündelte“ Telephonie brach, es müßte also doppelt gezahlt werden. Gleichzeitig sitzt die Telekom auf der Rufnummer wie die Glucke auf dem Ei, in der Regel muß man sich die Rufnummer „freiklagen“. Das tut aber kaum jemand. „Gebündelte“ Angebote sind aber selbst dann wettbewerbswidrig, wenn ein Hersteller ein Zusatzprodukt verschenkt, siehe beispielsweise die EU-Auseinandersetzungen um die kostenlose Beigabe des „Internet Explorers“ zu „Microsoft Windows“.

Hier hat der Verbraucherschutz auf der ganzen Linie erbärmlich versagt! Er muß sich vorwerfen lassen, entweder brunzdumm zu sein oder aber umfassend von Lobbyisten geschmiert.

Die Bundesregierung hat, während die Bundeskanzlerin die Bevölkerung dreist belog, dafür gesorgt, daß die Netzneutralität auf der letzten Meile gekippt wurde. Wenn man sich als Anbieter bestimmten Telekom-Angeboten anschließt, belastet die Telekom beim Datentransfer auf Mobilgeräte das gebuchte Volumenbudget nicht. Damit werden diese Anbieter unangemessen bevorzugt und die „kleinen“ haben wieder keine Chance. Die Holländer haben das vorausgesehen und solche gefährlichen Blockaden gesetzlich verhindert — nur, leider:  Aufgrund der neuen EU-Richtlinie, die unter der Ägide „Oettinger“ auf Wunsch der „Kanzlerin“ entstand, müssen die Niederlande dieses urdemokratische Gesetz, welches ein wichtiger Garant für Informationsfreiheit ist, zurücknehmen.  Dank der, wie sagt Roland immer, „ComEUcon“.

Mit der Nebelkerze „Vectoring“ hat die Bundesnetzagentur übrigens die Konservierung der teilweise 100 Jahre alten sog. „Hauptkabel“ zementiert und damit die Netzanbindung „in der Fläche“ um Jahrzehnte zurückgeworfen. Soviel zum unsäglich albernen Schlagwort „Digitalisierung“.

Fassen wir zusammen: Vielfach überbezahlte Juristinnen der „Verbraucherschutzberatung“ spüren einen lebensgefährlichen Kratzer am Knie auf und übersehen dabei den Krebstumor und die Lungenentzündung. Und keinem fällt auf, daß man besser keine Juristen als Arzt beschäftigen sollte.

(hb)