Roland Dürre
Montag, der 30. März 2020

Korona-Splitter

Gemalt von Christian und Daniel (©
Visual-Braindump) –  2016 auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

Hier ein Corona-Gedanken-Potpourri:

Immer mehr bin ich der Auffassung, dass wir (und unsere Administration) auf die Möglichkeit, dass ein neuer Virus bei uns eingeschleppt werden könnte, überhaupt nicht oder wenn dann nur schlecht vorbereitet waren.

Die Regeln des Spätkapitalismus (Globalisierung, Spezialisierung, Taylorismus, Effizienz, Gewinnmaximierung, Optimierung, Steuerung der Gesellschaft durch Lobbyismus ….) haben die Situation natürlich.

Beides könnte man als politisches Versagen einordnen. Wie auch das aktuelle Krisenmanagement, dass die Schäden erst verursacht hat, die jetzt die Krise ausmachen.

Deshalb heute zur Abwechslung einfach Splitter der Gedanken zu und rund um Korona. Sie geben einen Teil dessen wieder, was mich die letzten Tage so bewegt hat.


 

  • Sprachlich korrekt
    Wir sagen, ein Mensch ist an Corona gestorben. Korrekter wäre, er ist mit Corona gestorben.
  • Viele scheinen Corona zu nutzen
    um ungeliebte Dinge abzuschaffen.
    Zwei harmlose Beispiele

    • Der Drogerie-Markt hat so einen guten Grund hat, seine beliebte aber unpraktische Rabatt-Regel ab zu schaffen.
    • Der Bäcker, der am Sonntag das Brot vom Vortag seit Jahren zum halben Preis verkauft, hat endlich einen Grund dies zu ändern und auch am Sonntag zu backen und zum vollen Betrag verkaufen.
  • Das Buch vom Marc Elsberg „Blackout“
    ist zu Corona-Zeiten eine gute Leseempfehlung.
    Ich habe Marc Elsberg mal persönlich (auf der DOAG) kennen gelernt. Er hat dort berichtet, die er das Buch „konstruiert“ hat. Unter anderem hat er bei für Katastrophen zuständigen Ministerien der BRD, der Länder und Österreichs nachgefragt, wie sie für die Katastrophe eines längeren Stromausfalls gerüstet wären.
    Heraus kam: GAR NICHT.
    Auf Nachfrage kam dann:
    Man würde auf die Improvisationsfähigkeit der Bürger vertrauen.
    Das erinnert doch an die aktuelle Krise.
  • Der Bundestag hat  2014 den Ausbau des RKI zu einem modernen PublicHealthInstitut beschlossen. Vorher hatten wir ein renommiertes Institut für Seuchenbekämpfung. Daraus wurde dann „Das Institut für die Gesundheit der Bevölkerung Deutschlands“.
    Finde den Fehler!
  • Hessen Finanzminister Thomas Schäfer
    soll Selbsttötung begangen haben.
    Zitate:
    Bis zuletzt soll er daran gearbeitet habe, die durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöste Krise organisatorisch und finanziell zu bewältigen.
    Er hat sich wohl große Sorgen gemacht, ob es gelingen könne, die riesigen Erwartungen in der Bevölkerung, insbesondere der finanziellen Hilfen, zu erfüllen.
    Das kann ich absolut nachvollziehen. Wie sollen die Haushalte die kommenden Belastungen verkraften?
  • Dazu habe ich mich in die Situation eines Politiker versetzt. Ich wäre wahrscheinlich auch der Welt wie ein Lemming in die große Corona-Manie gefolgt, dies trotz massiver innerer Zweifel. Dem aktuellen Vorgehen in verantwortlicher Position zu widersprechen, hätte ganz schön viel Zivilcourage erfordert. Die hätte ich wahrscheinlich auch nicht aufgebracht – und hätte so auch mitgewirkt, unsere Wirtschaft zu ruinieren. Und ich könnte dann wohl auch nicht mehr ruhig schlafen
    Jetzt tun mir die Politiker richtig leid, und ich hoffe, dass sich nicht noch mehr umbringen.
  • Eine Institution fällt auch in der Krise nicht besonders auf. Nur durch Untätigkeit und Schwäche. So läßt sie zu, dass Europäische Regionen wieder getrennt werden. Da fragt der einfache Bürger sich, für was man diese Institution eigentlich braucht? Und ob die EU – und der EURO – die Krise überleben können?
  • Ich hoffe auch, dass sich in der kommenden und selbst verursachten Depression nicht zuviele einfache Bürger selbst töten werden.

Eine Frage sei mir zum Abschluß noch gestattet: Gibt es eigentlich – wie Manager sagen würden – eine Planzahl (ich würde lieber sagen eine Erwartungs-Zahl) der Sterbefälle in Deutschland in den kritischen Monaten Januar / Februar / März / April und wie liegen wir da aktuell? Da wir in 2020 die größte Krise aller Zeiten haben, müssten wir da ja deutlich über den Zahlen der Vorjahre liegen. Oder ist das vielleicht gar nicht so, zum Beispiel wegen des milden Winters 2019/2020?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 29. März 2020

Korona in der Presse

In den letzten Tagen sind mir drei Artikel (in der Welt, in BR24 und der NZZ) zugesandt worden, die ich hier gerne teilen möchte.

 

Gestern hat mir ein Freund einen Artikel zu Korona aus der Welt empfohlen. Jetzt ist die Welt nicht unbedingt mein Lieblingsblatt, aber in diesem Artikel finden wir doch ein paar bemerkenswerte Gedanken.


 

Wir dürfen die Vernunft nicht dem Virus ueberlassen.

Ich zitiere einen Schlüsselabsatz aus diesem Artikel.

Man könnte sagen, in Asien werden Epidemien nicht nur durch Virologen oder Epidemiologen, sondern vor allem durch Informatiker und Big-Data-Spezialisten bekämpft. Ein Paradigmenwechsel, der in Europa noch nicht wahrgenommen wird. Big Data rettet Menschenleben, würden die Apologeten der digitalen Überwachung ausrufen.

Allgemein weckt der Artikel den Gedanken, dass die nicht-asiatische Welt „bei der Bekämpfung von Korona“ so ziemlich alles falsch macht, was man falsch machen kann. Und in den letzten Jahren ziemlich dreist China wegen seines kollektiven Gesellschaftsmodell beschimpft und zum Teil erpresst hat.

 


 

Heute beim Frühstück schaue ich mir auf dem Mobiltelefon in BR24 die Nachrichten an. Und da kommt der nächste Schock. Ein Artikel erklärt mir, dass Isolation dem Immunsystem gar nicht gut tut.

 


 

Corona-Pandemie: Was Isolation mit dem Immunsystem macht.

In diesem Artikel wird beschrieben, wie in Isolation das Immunsystem unter Stress gerät. Ein Zitat hierzu:

Je länger die Isolation andauert, desto ausgeprägter sind die Allergien dann auch. Überraschend dabei: Diese Allergien brechen nicht etwa während der Isolation aus, sondern erst, wenn man wieder zurück ist. Das konnte Alexander Choukèr sowohl bei den Überwinterern als auch bei den Astronauten beobachten.

Daraus könnte der misstrauische Korona-Beobachter schließen, dass wir mit unserer Isolations-Strategie stetig unser Immunsystem schwächen. Und dicker (fetter) dürfte das Volk in Isolation auch werden. Beides ist eine schlechte Voraussetzung in einer Situation, wo uns alte und neue Viren und zahlreiche Bakterienstämme (darunter auch gegen Antibiotikum restistente) angreifen.

 


Es geht weiter mit der NZZ. In der Ausgabe vom 13. März 2020 stand ein Gastkommentar der renommierten Ökonomen Margit Osterloh und Bruno S. Frey zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Auf diesen hat mich ein Freund schon vor ein paar Tagen hingewiesen.

Man findet den Artikel und einen Kommentar dazu hier. Und auch dazu ein Zitat aus dem Artikel der NZZ:

In Italien gab es 631 Tote durch das Coronavirus (Stand 11. 3. 20). Das ist schlimm. Aber im Winter 2016/2017 wurden nicht weniger als 25 000 Grippetote registriert, davon 19 400 im Alter von über 65 Jahren. Warum wurden damals die Landesgrenzen nicht geschlossen? In der Schweiz gibt es bis jetzt 4 Tote durch das Coronavirus (Stand 11. 3. 20). Im Jahr 2017 gab es 800 bis 1000 der Grippe zugeschriebene Todesfälle. Warum wurden damals Grossveranstaltungen, Konzerte und Gottesdienste nicht abgesagt?

Spannend zu lesen.


 

Selfie in Greece.

Langsam bekomme auch ich Angst, weniger vor dem Virus sondern vor den Folgen der Bekämpfung desselbigen.

Die Parole „Gesundheit geht vor“ wird halt immer wieder anders angewendet. Diese Parole ist aber ein rethorisch-moralischer Trick. Die Aussage wird zur Moral, weil viele von uns irrsinnig Angst vor dem eigentlich eher harmlosen Virus haben: „Wir wollen auf keinen Fall an dem Virus sterben“. Die Moral gilt dann für allem von Dritte. Um glaubwürdig zu sein halten wir uns selber auch scheinheilig dran.

Nur gilt diese Parole „Gesundheit geht vor“ nicht, wenn es um das sinnlose Verbrennen von Kohle zur Stromerzeugung, um die Reinhaltung der Luft von Schadstoffen wie Feinstaub, das Sauberhalten des Wassers (Gülle-Verordnung), die Aufzucht von Schlachttieren mit Antibiotika, die Bakterien resistent machen … und weitere solche Dinge geht.

Die Parole „Gesundheit geht vor“ gilt auch nicht, wenn Flüchtlinge  in den Meeren ertrinken oder in Lagern leiden und sterben. Weil die ja selber schuld sind!?

Und besonders gilt die „Gesundheit geht vor“ nicht, wenn es um das Auto und die Rüstungswirtschaft geht. Die wenigen 100 Toten pro Jahr auf den Autobahnen werden damit gerechtfertigt, dass ja die Toten auf den Landstraßen deutlich mehr wären!? Und dass wir abhängig von unserer Autoindustrie sind, die uns das tägliche Brot gibt. Weil: „Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.“

Und heute opfern wir unseren Brotgeber ganz locker vom hocker wie naive Sektenmitglieder auf dem Altar der „Korona-Gesundheit“. Mir soll es recht sein, obwohl das Sterben der Automobil-Industrie auch mich massiv betrifft.

Waffen herzustellen und unsere Soldaten in fremden Ländern einzusetzen, ist auch viel wichtiger als die „Gesundheit“. Weil wir ja als mächtiger und  reicher Staat eine globale (und auch moralische !) Verpflichtung haben, in der Welt mitzumischen. Da kann kein „Gesundheit geht vor“ mehr gelten.

Hahaha!

Mir scheint, dass die Regel „Gesundheit vor Wirtschaft“ ausschließlich für die Korona-Krise geht.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 27. März 2020

Korona – sachlich bleiben in der Manie!

 

Ein paar Thesen zu Korona – um die herrschende Manie ein wenig zu relativieren.

Ich weiß nicht ob der Krankheitsverlauf so richtig exponentiell ist. Die Manie ist es aber. Vielleicht könnte man ein wenig mit Vernunft und logischen Überlegungen die Manie verlangsamen.

  • Die Ansteckung erfolgt überwiegend direkt von Mensch zu Mensch.
    Das ist noch nicht bewiesen. Es könne ja auch über Tiere gehen. Schließlich soll eine Schleichkatze das Virus beim Knabbern an einer Fledermaus sich eingefangen und dann an den Menschen weitergegeben haben.
    🙂 Unser Kater ist mir schon lange ein Dorn im Korona-Auge. Ich habe mir schon überlegt, ob ich ihn keulen soll. Da waren die Damen aber dagegen.
    Speisen oder Gegenstände könnten ebenso der Übertragung dienen. Auch das muss alles genau geprüft werden, das muss man doch herausfinden können.
    In dieser Betrachtung spielt das keine Rolle. Wir glauben mal den Virologen, dass die Korona-Viren überwiegend, vielleicht ausschließlich von Mensch zu Mensch springen.  Was aber noch zu beweisen wäre.
  • Nicht jede Ansteckung klappt auf Anhieb
    Wenn ein Infizierter einen Nicht-infizierten in einem Abstand von sagen wir mal einem Meter trifft, ist die Ansteckung nicht zwangsläufige Folge. Im Gegenteil, sie wird öfters nicht erfolgen als erfolgen. Wie hoch der Faktor ist, wäre auch Aufgabe der Wissenschaft. Ohne ein wenig Fachwissen geht es halt nicht. Das sollte auch Experten klar sein.
  • Die einzelne Ansteckung ist ein komplizierter Prozess. 
    Das Virus ist sicher hoch ansteckend. Trotzdem ist jede einzelne Ansteckung ein auch für die Viren riskante Aktion, die um erfolgreich zu sein, ein ganz besonderes Umfeld braucht.
    Ich meine das im Sinn der Gedanken im Buch Der Schwarze Schwan von Taleb, der beschreibt, wie viele Zufälle notwendig sind, damit Dinge gelingen.
  • Die Ansteckungen sind nicht zufällig und beliebig.
    Die animierten Kugelmodelle im Fernsehen suggerieren uns, dass die Ansteckung von Person zu Person geht, und jede Person genau eine gewisse Anzahl von Menschen ansteckt. Diese Zahl ist aber nur statistisch aussagekräftig. In der Praxis dürften die Zahlen stark unterschiedlich sein.
    Es scheint Personen zu geben, die eine große Anzahl von Menschen angesteckt haben. So sind die Hotspots entstanden. Andere stecken nur wenige oder gar keine an. Und eine Simulation  aufbauend auf einfachen Regeln wie „Jeder Infizierte steckt in einem Zeitraut t jeweils n Menschen an“ bringt ganz andere Ergebnisse, als wenn jeder hundertste Infizierte Hundert ansteckt usw.
  • Ein präzises Wissen über den Ansteckungsweg ist nützlich.
    Ich meine, wenn wir präzise wissen würden, wie bei den Hotspots  ( „After-Schi“ in Ischgl, „Party“ im Landkreis Heinsberg, evangelische Messe im Elsaß …) die Ansteckung genau vorgegangen ist, dann wäre dieses Wissen ein großer Vorteil für die Bewältigung der Krise. Ich hätte vorgeschlagen, unsere besten Kriminaler-Teams nach Ischgl und Heinsberg zu senden. Um rauszukriegen, was da wirklich passiert ist. Wie gesagt, ganz ohne Wissen geht es nicht.
  • Ein Mensch kann gleichzeitig an mehreren Viruskrankheiten erkranken.
    Da ich kein Virologe bin, bin ich mir da nicht ganz sicher. Ich weiß aber, dass es Menschen gibt, die gleichzeitig Aids und Grippe haben. Daraus schließe ich, dass ein Mensch parallel an mehreren Viruskrankheiten erkranken kann. Und wenn er dann auch noch von verschiedenen und zum Teil gegen Antibiotikum resistente Bakterienarten befallen wird, auch noch geschwächt von ungesundem Leben oder von Umweltgiften geschädigt ist, dann dürfte es wirklich eng werden.
  • Könnte es nicht sein, dass die Verursacher der Hotspots deswegen so gefährlich waren, weil sie an Corona und Influence und mehr erkrankt waren?
    Wäre das für die Übertragung nicht ideal? Das Niessen der Influenza befördert das Virus des Corona und der Husten der Corona das Virus der Influenza. Und wenn der arme Mensch jetzt auch noch parallel z.B. an Aids erkrankt ist, was dann? Und wenn dann auch noch die Bakterien kommen?
  • Ein solcher Ansteckungsmechanismus könnte vieles erklären und erfordern.
    Meines Erachtens verlaufen die Virus-Wellen in verschiedenen Regionen unterschiedlich. Dann gibt es verschiedene Viruskombinationen gerade an den Hotspots. Und so auch unterschiedliche Verläufe mit differendierenden Ergebnissen bei Mortalität und Krankheitsverlauf.
    Das würde aber auch andere Diagnose-Methoden erfordern. So müsste man die Opfer testen, ob sie neben Corona auch noch weitere Virus-Erkrankungen hatten (und wahrscheinlich) auch sonstige.

Beim Nachdenken.

Ich habe diese Gedanken als Laie geschrieben, der ein bisschen Mathematik und Informatik kann und sich sein Leben lang mit komplexen Systemen beschäftigt hat. So ist mir klar, dass sie dem Experten als dilettantisch erscheinen werden.

Ich habe jedoch hohen Respekt von Dilettanten. Wäre schön, wenn sie einen kleinern Beitrag gegen die Pandemie leisten könnten. Weil die Experten-Profis ja noch nichts zerrissen haben.

Persönlich fürchte ich mich am meisten Bakterien, die resistent gegen Antibiotikum geworden sind.

Dazu hat mir eine Bäuerin aus dem Allgäu erzählt, dass jeder Sack bayerisches Kalbsfutters standardmäßig Antibiotikum enthält. Ich habe gelesen, dass die Rinder in Norditalien in ihrem Leben ein mehrfaches an Antibiotikum zu fressen kriegen.

Und bei dem „medizinischen“ Zeug, dass die großen Fischfarmen – frei installiert in den Meeren dieser Welt – oben rein schütten müssen, weil sonst das ganze nicht funktioniert, graut es mir. Und irgendwie habe ich gelesen, dass die meiste Menge des weltweit produzierten Antibiotikum in Natur landet.

Vielleicht muss ich auch wie manch meiner Freunde zum strengen Vegetarier werden.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 24. März 2020

Wie der heilige Zorn über mich kam.

 

NUR EIN GEDICHT.

Dieses Bild wurde mir gestern Abend zugeschickt, mit dem kurzen Vermerk:
Des müsste dir doch gefallen!

Der Inhalt des Gedichts von Thomas Gsella (ehemals Redakteur und Chefredakteur der Titanic) gefällt mir aber ganz und gar nicht.

Das Gedicht an sich finde ich großartig. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Nur – mich hat es entsetzt und zornig gemacht! Nach dem Lesen dieser Zeilen bin ich endgültig von den aktuellen Ereignissen angefressen, tief entsetzt und total frustriert.

Ich tippe den Text nochmal ab, damit Ihr das Gedicht besser lesen oder von Eurem Bot vorlesen lassen könnt. Und ich bitte Euch, lest es bitte mehrmals, ganz langsam und bewußt, Wort für Wort!


 

DIE CORONA-LEHRE

Quarantänehauser spriessen,
Arzte, Betten überall,
Forscher forschen, Gelder fließen –
Politik mit Überschall.
Also hat sie klar gestellt:
Wenn sie will, dann kann die Welt.

Also will sie nicht benden
Das Krepieren in den Kriegen,
Das Verrecken vor den Stränden
Und dass Kinder schreiend liegen
In den Zelten, zitternd, nass
Also will sie. Alles das.

Thomas Gsella


Woher kommt mein Zorn?

Wir scheren uns um nichts. Die schlimmsten Greuel auf der Welt sind uns scheißegal. Die Zerstörung des Planeten geht uns am Arsch vorbei.

Wenn wir darum bitten, ein Kohlekraftwerk nicht ans Netz zu nehmen, wird uns erklärt wie das nach einer vernünftigen Güterabwägung völlig unmöglich wäre.

Wenn aber unser Leben durch einen kleinen Virus nur ein wenig in Gefahr geraten können, dann ist alles möglich. Es gibt keine Tabus mehr.

Wir werden mit Slogans nieder gemacht, wie:
„Die Gesundheit geht vor?“ (welche Gesundheit?) und „Mitleid mit den Armen und Schwachen“ (das gilt doch sonst auch nicht!)

„Wir befinden uns im Krieg“ und „erleben die schlimmste Herausforderung seit 1945?“. „Es geht um Solidarität und Gesundheit“ und das ist eine „harte Charakterprüfung für unser Volk“. Oder: Wir legen die „Bazooka“ auf den Tisch“ (weiß der Herr Scholz überhaupt was eine Bazooka ist?)

Das alles können wir uns leisten, weil wir so reich sind! Und weil wir so tapfer gespart haben. Wir tapferen, genügsamen und bescheidenen Deutschen.

Wenn ich dies alles höre, würde ich am liebsten zum Kotzen gehen.

Kleine Hosenscheisser wie wir sind, greifen wir zu Maßnahmen, die unsere bürgerliche Welt zerstören können. Wir, die wir nie handeln, sind jetzt bereit notfalls alles kaputt zu machen.

Mein unheiliger Zorn versiegt, nach dem ich dies raus schreiben durfte. Der/das Virus hat ja auch seine guten Seiten. Er/es hat Einiges bewirkt, das mir gefällt. Manches davon werde ich wahrscheinlich schon in wenigen Wochen vermissen.

RMD

Diesen Artikel widme ich meiner Tochter Anna Barbara zum heutigen Geburtstag. Zum Dank, weil sie mir das Gedicht gesendet hat und weil Sie ein gutes Herz hat.

Ich habe jetzt 2.676 Artikel in IF-Blog geschrieben. Ich glaube, dass es erst dass zweite Mal ist, dass ich einen Artikel einem Menschen widme, das erste Mal war es der Barbara (Mutter von Anna).

Roland Dürre
Montag, der 23. März 2020

Fragen zu Korona

Ich denke mal!

Wenn ich nach Fakten zu Corona suche, gehe ich auf die Website des RKI (Robert-Koch-Instituts). Die Zahlen dort sind zwar nicht sehr aussagekräftig, weder inhaltlich, strukturell noch semantisch. Aus Sicht eines Unternehmers eher recht schwach.

Immerhin lese ich gestern dort, dass heute in Deutschland 18.610 Menschen mit dem Coronavirus infiziert sind, der Zuwachs von gestern auf heute waren dabei 1.948 Infizierte. Die Zahl ist wohl ein wenig zu niedrig, wir hatten auch am Sonntag eine ärgerliche Kommunikationspanne beim RKI.

Ich nehme die Dunkelziffer mit 4 mal so groß an, also komme ich auf 100.000 Infizierte. Die Bevölkerung in Deutschland betrug in 2018 an Menschen 82,79 Millionen. Auch hier dürfte es eine Dunkelziffer geben.

Ich habe gehört, dass wir eine Durchseuchung mit dem Coronavirus von 60 % in der Bevölkerung brauchen, damit wir mit ihm genauso gelassen umgehen können wie wir es in den letzten Jahren mit dem Grippevirus gemacht haben. Das wären dann gut 50 Millionen Infizierte in Deutschland.

Jetzt rechne ich mal:
In drei Wochen haben wir es geschafft, 100.000 zu infizieren. Klar sind beide Parameter fragwürdig. Sie sollen aber nur einem Gedankenexperiment dienen. Und dafür taugen sie schon.

Jetzt gehen wir mal davon aus, die Maßnahmen nützen etwas. Vielleicht haben sie schon genützt! Ich muss die Ergebnisse ja immer zeitversetzt betrachen. Die heute gemessenen Neuinfektionen sind ja schon vor Tagen passiert. So betrachtet zeigen die letzten Zahlen zumindest eine Stabilisierung der Fälle.

Dann hätten wir das Ziel einer Verlangsamung erreicht und kriegen in einem Zeitraum von 3 Wochen nur noch 100.000 Neu-Infizierte hin. Oder weniger.

Wie lange brauchen wir dann, bis wir die 50.000.000 geschafft haben? Die Antwort kriege ich einfach durch Division von 50.000.000 durch 100.000. Da kommt raus 500 raus. Das nehem ich mal 3 (der Zeitraum war 3 Wochen), also 1500 Wochen. Das entspricht 30 Jahren!

Das hieße 30 Jahre „Krieg gegen Corona“.

Das geht aber nicht. Wir haben Deutschland schon mal mit einem dreißigjährigen Krieg ziemlich kaputt gemacht. Und machen das jetzt innerhalb weniger Wochen.

Aber keine Sorge, es wird ja eh anders kommen. Meine Prognose ist: Die Neuinfektionen werden bald drastisch zurück gehen. Vielleicht Dank der Maßnahmen, vielleicht weil die Grippe-Saison zu Ende geht., vielleicht wegen beidem. Den Rückgang dürfen wir feiern. Die Ursache kann uns dann gleich sein. Im Sommer ist die Corona-Manie dann vergessen und die Medien treiben neue Säue durchs Dorf treiben.

Aber Vorsicht:
Im Dezember kommt dann die nächste Grippe-Saison. Was machen wir dann? Oder besser: Was plant Ihr Politiker dann? Wieder die selbe Aktion! Kann ich mir nicht vorstellen.

Andererseits – Warum nicht:
Vielleicht sollten wir einfach nur noch im Sommer leben und im Winter das öffentliche Leben still legen und kollektiv in soziale Isolation gehen. Privat will ich 2020/21 versuchen das Winterhalbjahr in La Réunion zu bleiben (gegen den Protest meiner Frau). Wenn ich das nicht schaffe, dann begebe mich ab Dezember 2020 auf jeden Fall in die totale soziale Isolation, so wie ich es gerade lerne. Denn ich will in 2021 auf keinen Fall wieder so eine Scheiß-Erkältung kriegen, wie ich sie mir im Februar 2020 eingefangen habe.

Zurzeit genieße ich die Ruhe. Die Straßen sind deutlich leerer, die Luft deutlich besser. Kaum mehr Kondensstreifen am Himmel. No shopping! So wäre es doch ein innovativer Vorschlag, der auch bei der Rettung des Planeten helfen würde:

Wir schaffen nicht die Sommerzeit ab, sondern versetzen das Land jedes Jahr von Januar bis März in einen Winterschlaf. Mal auf Probe für 10 Jahre. Dann halten wir es auch 30 Jahre mit Corona aus.

Was für eine geniale Idee. Dafür würde ich sogar die CSU und Herrn Söder wählen. Und den Austritt von Bayern aus der BRD akzeptieren. Denn wir haben wirklich andere Probelem als ein neues Seuchengesetz.

Immerhin ist Bayern nie der BRD beigetreten!

Also, was spricht dagegen?

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 22. März 2020

Freiheit in der Korona-Krise.

Großer Empfang – mit Baby-Fläschchen.

Heute morgen in Bayern 2 höre ich um 8:30 die „Evangelischen Perspektiven“.

Es gibt einen Beitrag von
Friederike Weede:

Freiheit – wirklich das einzige, was zählt?
Der Zwang zur Normalität und wie man ihn los wird.

Man findet den Beitrag als Podcast im Bayerischen Rundfunk. Ich kann empfehlen, ihn anzuhören.


Der Titel der Sendung ist schon verdächtig:

Freiheit – wirklich das einzige, was zählt?

Das klingt wie eine rhetorische Manipulation, die schon dialektisch impliziert, dass Freiheit eben nicht alles ist. Was eh klar ist, denn Singularitäten sind immer einfältig.

Dazu passt der erste Satz:
„Wir erleben zurzeit, wie unsere Freiheit massiv eingeschränkt wird. Aus Solidaridät und für die Gesundheit“.

Wenn ich das höre, bin ich in Sorge, dass die Autorin / Urheberin dieses Satzes den Begriff Freiheit nicht verstanden hat.

Ich kannte mal Männer, die den Begriff der Freiheit auch nicht verstanden hatten. Aber die gleichwohl bereit waren, für die Freiheit  zu sterben. Also für etwas, das sie nicht verstanden haben.

Für mich bedeutet Freiheit,
„willens und fähig sein, mein Leben eigenverantwortlich zu führen“.
Ich meine, dass dieser Definition folgend die Corona-Krise meine Freiheit eigentlich gar nicht einschränkt. Im Gegenteil, fast fühle ich mich „freier“, als zu „normalen“ Zeiten.

Betrachten wir den zweiten Satz der oberen Aussage:
„Aus Solidaridät und für die Gesundheit“.

Was ist Solidaridät?
Mit wem sind wir solidarischMit den alten und dementen Menschen? Nein, das sind wir nicht. Denn wenn die Gesellschaft mit diesen solidarisch wäre, dann würden sie nicht abgeschoben in Heimen dahin vegetieren. Und in Wirklichkeit sind wir froh, das wir sie jetzt aus lauter Solidarität nicht mehr besuchen müssen bzw. dürfen.

Und was ist Gesundheit?
Ich halte mich doch nicht an die Regeln, weil ich Angst habe am Virus zu erkranken! Wir befolgen die Regeln doch überwiegend aus Angst vor der Strafe. Vielleicht auch noch weil wir Angst haben, sonst von einer „moralischen Gesellschaft“ als „soziale Schädlinge“ ausgegrenzt zu werden.

In der evangelischen Sonntagssendung haben sie dann auch das Lied Me and Bobby McGee von Janis Joplin gespielt. Sie singt da:
Freedom is just another word for nothing left to lose!

Akzeptiere ich diese Definition als gültig, dann muss ich sagen, dass wir auch in unserer Krise noch beliebig viel zu verlieren haben, bis wir frei sind.

Ich hatte heute Nacht eine wunderbaren Schlaf in einer leiseren Welt. Das Frühstück war fantastisch. Ich durfte Radio hören und diesen Artikel schreiben. Und jetzt gehe ich dann an die Sonne zu einem einsamen Spaziergang. Den werde ich nutzen, um mit ein paar mir wichtigen Menschen in aller Welt zu telefonieren.

Wenn das, was hier zurzeit haben, Krise ist, dann ist Krise gar nicht so schlecht. Und ich bin mir gar nicht sicher, ob ich diese Art von Krise nicht ganz gut leiden kann.

In IF-Blog habe ich schon oft zur Freiheit geschrieben. Das sind alles Artikel, die ich anlässlich der evangelischen Sendung zur Freiheit wieder gelesen habe. Und auf die ich ein wenig stolz bin.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 21. März 2020

Korona: Was wir alles falsch machen.

Ich hatte 70 Jahre lang ein schönes Leben.

Man soll nie „NIE“ sagen. Im letzten C-Artikel habe ich geschrieben, dass ich nicht mehr zu Corona schreiben werde. Und jetzt schreibe ich doch. Denn ich muss meine kritischen Gedanken einfach „rausschreiben“.

Ich werde aber versuchen, in den folgenden Zeilen äußerst sachlich und keinesfalls polemisch auf die katastrophale Entwicklung und nach meiner Meinung weltweit absolut unteroptimale Umgehen mit dem Virus einzugehen. Denn die Schäden, die wir anrichten, sind zu schlimm um sie polemisch oder zynisch abzutun. Morbide Schadenfreude über das Versagen von Politik und des Kapitalismus ist nach meiner Meinung auch nicht mehr angebracht.

Vor der Kritik eine Analyse.

Weltweit beruht die große Angst, man muss ja von Panik sprechen, auf Prognosen, die auf Modellrechnungen basieren. Diese Modellrechnungen zeigen schreckliche Szenarien an, die offensichtlich durch Entwicklungen in Ländern wie Italien bestätigt werden. Die Entwicklungen in anderen Ländern wie China dagegen überraschen positiv, aber auch dort gibt es Modellrechnungen, die uns in massive Sorge vor einer neuen zweiten Welle.

Mit dem Modell wird versucht, die kausalen Strukturen zu schreiben. Ein gefundenes Modell kann man in einen Algorithmus gießen und diesen in einem Programm(-System) implementieren. So ein Programm-System baut auf Parametern, auf deren Basis es dann die Prognose berechnen kann. Die Parameter sind die Eingabedaten des Algorithmus,  das  können ermittelte Annahmen oder gemessene Daten sein.

Wer sich für solche Algorithmen interessiert, dem empfehle ich die Beschäftigung mit der Mandelbrotmenge, im Volksmund auch Mandel- oder Apfelbäumchen genannt. Dann stellt man fest, dass bei Algorithmen, die sich mit Komplexität beschäftigen,  kleine Veränderungen bei den (Input-)Parametern sofort zu völlig anderen Ergebnissen bzw. Prognosen führen. Ähnlich ist es wohl auch bei den Algorithmen zur Prognose des Wetters.

Das heißt einfach aus gesagt, dass ich mit dem Modell zur Corona-Vorhersage trefflich herumspielen kann, bis ich ein Szenario bekomme, dass ich für glaubhaft halte. Und schon bei kleinen Veränderungen an Parametern komplett abweichende Ergebnisse erhalte.

Das erklärt aber auch, warum die Entwicklungen in verschiedenen Ländern völlig unterschiedlich verlaufen. Wenn die Modelle eine gewisse Richtigkeit haben, muss das in der Praxis so sein, weil diese Länder halt völlig verschiedene Eingangsparameter hatten.

Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Institus (RKI), hat in der Tagesschau gesagt:

„Wir sind alle in einer Krise, die ein Ausmaß hat, das ich mir selber habe nie vorstellen können
(Pressekonferenz zur Corona-Krise am 20. März 2020).

Wenn das das „Head of RKI“ so etwas sagt, dann demonstriert er damit die Inkompetenz seiner Person und wohl auch die Unfähigkeit seiner Institution. Wir sind voll im Anthropozän angekommen, befinden uns wahrscheinlich am Ende dieses relativen kurzen Erdzeitalters, das vielleicht dann nur ein halbes Jahrtausend gedauert haben wird. Die Menschheit lebt auf engem Raum zusammen und ist mobil wie nie zuvor. Die letzten Jahre habe ich mich immer gewundert, wie viele Menschen, Junge Menschen wie Greise, laufend in allen Erdteilen unterwegs waren. Ich selber war in den letzten zwei Jahren in Asien, in Südamerika, in der Antarktis. Ich habe Russland durchquert und war nebenbei in vielen Ländern Europas. In 2020 war ich quasi nebenbei schon in Hamburg und Berlin. Auch mein eigenes Verhalten ist doch nicht normal und wäre in meiner Kindheit unvorstellbar gewesen.

Wenn anlässlich solcher Tatsachen der Spezialist für Seuchen sagt, er hätte ein solches Szenario nicht für möglich gehalten, dann ist da der falsche Mann am falschen Platz. Die richtige Ansage wäre vielleicht gewesen:

„Eine solche Seuche war überfällig, wir (das RKI) haben immer davon gewarnt. Allerdings sieht es so aus, dass wir großes Glück gehabt haben, wiel Korona die Sterblichkeit betreffend kein wirklich schlimmes Virus und nicht die Nachhaltigkeit von Aids hat. Es hätte schlimmer kommen können!“

Mir macht die Inkompetenz Angst – und Hoffnung. Beides, weil die Aussagen und Modelle wahrscheinlich zum großen Teil falsch sind. D.h. es kann sehr gut deutlich besser kommen, als erwartet. Darauf hoffe ich immer noch. Aber es könnte auch schlechter kommen.

Aber das Hauptproblem ist derzeit wohl nicht die (zum jetzigen Zeit nicht bestimmbaren) Schäden durch „das Virus“ sondern die Schäden, die Bekämpfung des Virus verursacht.

Der erste große Fehler:

Es wurde eine Prognose für den Schaden erstellt, den der  Virus verursachen könnte. Aber keine, für den Schaden den die Maßnahmen verursachen.

Das ging ja auch gar nicht. Der Virus war ein Fakt. Mit vorgegebenen Eigenschaften.

Die Bekämpfung des Virus wurde aber laufend wesentlich geändert. Auch weil die Experten verschiedene Meinungen hatte, die auch noch alle drei Tage geändert wurden. Und ich kann schlecht die Folgen von Handlungen abschätzen, die ich noch weiß, dass ich sie machen werden.

Aber es darf nicht sein, dass ich bei einer so schweren Entscheidung eine sittlich verantwortete Güterabwägung unterlasse! Und dadurch mir selber die Chance wegnehme, eine bessere Lösung zu finden.

Der zweite große Fehler:

Komplexe Krisen werden nicht mit Projekt-Techniken von gestern erfolgreich gemeistert.

Die Handelnden müssen akzeptieren, dass Corona ein komplexes Problem ist, dass ich nicht managen darf wie ein kompliziertes Projekt. Das klassische Projektmanagement für schwierige Projekte versagt nämlich bei komplexen Herausforderungen. Mit Komplexität muss man anders umgehen muss als mit einfachen, schwierigen oder komplizierten Herausforderungen.

Ich mag hier kein Handbuch für den Umgang mit komplexen Situationen schreiben. Das würde ich mir partiell  zu trauen, weil ich seit 50 Jahren mit komplexen Situationen sowohl in der fachlichen Arbeit wie als Unternehmer umgehen musste. Das würde dann zu lang wären. Aber ich nenne gerne ein paar Grundprinzipien und Kardinalfehler, die immer wieder und üblicherweise gemacht werden:

  • Wenn es komplex wird, brauche ich Lösungs-Teams, die auf Augenhöhe arbeiten und keine hierarchischen Gruppen. Ich brauche Vielfalt und keine Experten- und Spezialisten-Blasen. Ich brauche die Weisheit der Vielen und nicht das Vordenken von wenigen. „Plan and control“ versagt in komplexen Herausforderungen – vielleicht wäre ein „sense and react“ besser. Klassischen militärischen Strukturen helfen da nicht, wir brauchen eine verantwortete Mitwirkung aus besserer Einsicht der Menschen (und Eliten). Kreativität und Vielfalt sind Trumpf, nicht platte Kommandos.
  • Im komplexen Herausforderungen muss ich achtsam „mehrere Zielfunktionen“ festlegen. Multi-Dimensionalität ist gefragt, eindimensionales Handeln ist schädlich. Taylorismus versagt, Interdisziplin bringt Erfolg.
  • Um komplexe Krisen verstehen zu können, brauche ich exzellente Daten. Da ist die Digitalisierung gefragt. Disziplinen wie „big data“, „data science“, künstliche Intelligenz kommen ins Spiel. Zugegeben, das klingt nach buzzwords. Aber dahinter stehen moderne Technologien, die das Teilen und Mehren und Vernetzen von Wissen auf einmalige Art und Weise ermöglichen. Das ganze nennt man Internet und Digitalisierung, und da sind wir in Deutschland ja nicht führend. Die Frage nach dem digitalen Status des RKI darf ich hier eigentlich nicht formulieren, weil sie als polemisch einzustufen ist.

Zusammenfassend bewerte ich die Situation im aktuellen Corona-Fall so.

Die Experten haben sich ausgetobt.

Mit katastrophalen Ergebnissen ihrer Hochrechnungen und unverantwortetem Geschwätz haben sie Angst erzeugt. Sie haben uns verwirrt, weil sie ihre Mahnung alle drei Tage änderten. Gegenseitig haben sie sich runter gemacht. So haben sie weltweit eine Manie ausgelöst und geschürt, die die Politiker eingeschüchtert hat.

Zum Haupt-Ziel wurde eindimensional die Vermeidung von Ansteckung erklärt, um die Ausbreitung zu verlangsamen. Als Zielfunktion wurde festgelegt, eine ausreichende Anzahl Krankenhausbetten zur Verfügung zu haben. Das mag ja an sich richtig sein, aber ist bei einer Epidemie als einzige Maßnahme zu wenig. Außerdem hatten sie gehofft, durch Verlangsamung Zeit zu gewinnen, bis ein Impfstoff da wäre. Der ist aber nicht in Sinn, weil Impfstoffe gegen virale Infekte nicht so einfach zu Entwickeln zu sein scheinen.

Die Lage wurde schnell so vereinfacht, dass man versäumt hat, kreativ nach weiteren Zielfunktionen wie z.B. die Erhöhung der Widerstandskraft in der Bevölkerung, Vermeiden und Erschweren von Ansteckung und Ähnliches nachzudenken.

Auch in den Details wurde nicht vorurteilsfrei und kreativ in Varianten gedacht. Zielführende Vorschläge, die nicht opportun schienen, wurden einfach weggewischt, bevor man sie untersucht hatte.

So wurde z.B. der Vorschlag von Medizinern, ein temporäres  und wesentliches Tempolimit (100/70/30 km/h auf  Autobahn/außerorts/innerorts) und ein temporäres Verbot für Motorradfahrten einzuführen, um den Druck auf die Intensiv-Stationen zu reduzieren weggewischt, kaum dass er vorgeschlagen wurde. Obwohl so ein Feldversuch auch allgemein eine wertvolle Klarheit gebracht hätte. Angesichts der heutigen Entwicklung wäre so ein Tempolimit auch heute noch leicht zu erlassen und sofort wirksam.

Die Vernunft wurde öfters unterdrückt und durch moralische Metaphern wie „Charaktertest“, „größte Herausforderung für das Volk seit 70 Jahren“ und Kriegs-Metaphern ersetzt. Die brauche ich nicht. Weil für mich eine Krise kein Krieg ist, auch kein Charaktertest fürs Volk und es ist mir völlig wurst ist wann die letzte Herausforderung vergleichbarer Größe war. Es geht darum, im jetzt und für die Zukunft die Schäden der Krise sinnvoll zu minimieren, inklusive der Kollateralschäden.

Der dritte große Fehler:

Kommunikation und Motivation. 

Manipulation durch einen moralischen Appel haben gesellschaftlich ihre Macht verloren. Mitleid muss begründet sein. Solidarität einzufordern für Dinge, die partout nicht verstanden werden können, geht auch nicht mehr. Moral ist aus der Mode, wie ich meine zurecht. Zu oft wurde die Moral als Mittel zum Zweck genutzt, um eigene Ängste zu beruhigen.

Kriegerische Metaphern haben nicht mehr die Kraft wie im letzten Jahrhundert. Da bin ich auch froh darum. Trotzdem scheinen sie heute beliebter als je zuvor.

Die Menschen mögen diese Art der Steuerung aufbauend auf Angst und Moral nicht mehr. So wird sie weniger erfolgreich. Ich finde das gut so.

Deshalb sind das Verordnen fragwürdiger Regeln, die mit Strafen belegt werden und die Durchführung strenger Kontrollen zur Einhaltung derselbigen uneffektiv. Damit erzeugt man nur Kollateralschäden und füllt schlimmstenfalls die Gefängnisse.

Motivation ist gefragt, die auf Transparenz basiert. Menschen wollen mitdenken und mitmachen. So muss man die Mehrheit der Menschen zum agilen Mitmachen bringen. Dies auf freiwilliger Basis. Das geht nur, wenn man auf einfache und klare Ziele fokussiert, die den gesunden Menschenverstand überzeugen. Und diese Ziele vorlebt.

Mag sein, dass man dazuein anderes Menschenbild von sich und seinen Mitmenschen haben muss, als es viele Politiker bei uns haben. Viele Menschen sind nicht mit Zucker und Peitsche, also durch materielle Entlohnung und Strafe steuerbar. Man muss sie in einen Flow bringen, damit sie motiviert mitmachen.

Das Handeln der Politik in  letzten Tagen scheint dem Motto  gefolgt zu sein:
„Wer nicht hören will, der muss fühlen“
und
„Wir müssen halt auch die Dummen schützen“.
Beides halte ich für nicht mehr zeitgemäß und auch absolut unteroptimal. Mich hat der Auftritt der Politik an den Vater erinnert, der seinem Sohn mit Schlägen bestraft und ihm dabei versichert, dass die Schläge ihm selber mehr tun würden als dem Sohn und für den Sohn nur gut wären. Aber dass die Strafe halt alternativlos wäre.

„Alternativlos“ belegt de facto nur die eigene Unfähigkeit. Auf dieser Basis wird der Erfolg nur eingeschränkt sein. Mit besserer Kommunikation kann man mehr Erreichen als mit Gesetzen und Strafen. Dass es ohne Opfer und Schäden nicht gehen wird, ist klar. Aber zumindest könnte man versuchen, Opfer und Schäden zu minimieren.

Das was wir derzeit treiben, nimmt nach meiner Wahrnehmung leichtfertig Schäden gigantischen Ausmaßes in Kauf. Dies bei sehr ungewissem Erfolg. Das hätte nicht sein müssen und dürfen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 14. März 2020

Korona, die Letzte.

Das ist meine letzte Wortmeldung zu Corona. So plane ich das zumindest.

Meine Situation ist ganz einfach. Ich bin Teil einer Familie. Die besteht aus Barbara, sieben Kindern und zurzeit neun Enkeln.

  1. Nach heutigem Kenntnisstand bedroht Korona unsere Familie kaum. Eigentlich bedroht Korona nur mich, da ich der einzige bin, der bald in der Ü70-Risikogruppe ist.
    Damit kann ich leben.
  2. Die Summe der vom Mensch bewirkten Veränderungen des Antropozän bedrohen die ganze Menschheit. Und das massiv, bei nüchterner Betrachtung ist der Schaden schon jetzt irreversibel.
    Damit kann ich NICHT leben.

 

Barbara und ich mit unseren Kindern. Nur die Maresa fehlt noch. Dafür sind Serena, die damals als Au-pair bei uns war und Rasputin der Hund) auf dem Bild.

 

Es wäre schön, wenn unsere Kinder und deren Kindern und vielleicht auch deren Kindeskinder noch auf unserem wunderbaren Planeten Gaia leben können werden. Gaia kommt von Ge (altgriechisch Γαῖα Gaía oder Γῆ Gḗ, dorisch Γᾶ ), deutsch auch Gäa.

Bei Korona bin ich optimistisch und glaube, dass in ein paar Wochen die Ansteckungsfälle stark abnehmen, und keiner mehr von der großen Bedrohung durch eine Pandemie mehr sprechen wird. Und spätestens im Mai wird der Korona-Mythos schon wieder kollektiv vergessen sein. Der DAX wird dann ganz schnell auf 15.000 hochgehen und am Markt werden die Korona-Gewinnler mir Champus öffnen.

Bei Gaia möchte ich auch optimistisch sein, schaffe es aber nicht. Denn ich habe zuviel gelernt und erfahren. Das Antropozän habe ich mir weltweit angeschaut. Und weiß, dass wir handeln müssen. Aber wir tun nichts. Eine physikalische Zerstörung von Lebensgrundlagen ist eine ganz andere Dimension als wenn die Biologie mal über die Stränge schlägt.

So ich wundere ich mich, wie tatkräftig unsere Politiker bei Korona sind. Und wie sie für Gaia total versagen.

Gestern im Fernsehen habe ich Politiker gesehen, die ihre eigene Handlungsstärke gerühmt haben. Besonders aufgefallen ist mir das Duo Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Mit seltener staatsmännischer Größe und großartigen Metaphern haben sie sich selbst und ihre Handlungsstärke gefeiert.

Ich zitiere:

„Es gibt keine Grenze nach oben bei der Kreditsumme, die die KfW vergeben kann“, sagte Scholz. „Wir haben gesagt, das soll unbegrenzt sein.“ Die Bundesregierung taste sich nicht langsam heran, sondern sage von vornherein jede Hilfe zu. „Wir legen alle Waffen auf den Tisch.“

Das ist an sich schon Wahnsinn. Jetzt kommt mein Problem. Selbst wenn – was ich für unwahrscheinlich halte – wir eine richtig große Pandemie kriegen, ist das doch nur ein biologisches Problem, das die Menschheit relativ begrenzt treffen wird. Statistisch könnte sich das als kleiner Rückgang bei der Lebenserwartung sich ausdrücken. WirIm worst case könnten es ein paar 10.000 Menschenopfer sein – überwiegend ältere Menschen wie ich, die ein großartiges Leben hatten und für die es jetzt halt ein wenig früher zu Ende geht.

Die physische Zerstörung des Planeten durch Klimaveränderung, Vermüllung durch Plastik etc., Ressourcenvernichtung usw. hat ganz andere Folgen. Da reden wir wahrscheinlich von Milliarden (1.000.000.000) Menschen. Das ist eine ganz andere Dimension als das bisschen Korona.

Die Folgen von der Zerstörung des Atmosphäre, der Meere, der Böden und von den Quellen des Lebens wie dem Wasser sind wissenschaftlich klarer untermauert als die oft spekulativen Abschätzungen zum Virus. Ich hoffe ja, dass die nächsten Wochen dies schon bald belegen werden.

Jetzt komme ich zum Punkt. Welche beeindruckende Schau von Handlungsfähigkeit hat unser Politiktheater anläßlich eines singulären und eher harmlosen Störfalles in unserer biologischen Menschenwelt aufgeführt. Und viele Sachen verordnet, die vorher nicht vorstellbar gewesen wären.

Gegen die Zerstörung unserer Welt machen sie nichts. Seit bald 50 Jahren wissen wir, wo uns unsere spätkapitalistische Wachstums-Theorie hinbringt. Und irgendwie erscheinen mir Maßnahmen, um das Verbrennen von Kohle zum Zwecke der Stromerzeugung zu beenden und durch vorhandene nachhaltige Technologien zu ersetzen, weniger massiv als das was wir zurzeit erleben.

Dieses zweierlei Maß stört mich: Die schleichende und sich massiv beschleunigende Totalzerstörung des Planeten Erde als Ergebnis des Antropozän interessiert keinen. Wenn aber ein Virus der Gattung „homo sapiens“ ein wenig gefährlich werden könnte und ihr droht, ihre Lebenserwartung vorübergehend ein wenig zu verkürzen, dann wir solidarisch Panik erzeugt.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 13. März 2020

Corona, die Zweite.

Was bringt die Zukunft?

Mein erster Artikel zu Corona war eine zynische Betrachtung sein. Oft hilft es ja, wenn man sich über bedrohliche Dinge lustig macht.

Die Entwicklung hat sich in eine Richtung verschoben, so dass das Thema eine seriöse Betrachtung wert ist.

Wir haben jetzt eine von Angst dominierte Mehrheitsmeinung, die von allen Experten und Politiker für die politisch korrekte erklärt wird. Kaum einer traut sich zu widersprechen oder -setzen. Eine davon abgehende Meinung erfordert ganz schön Zivilcourage. Also wird gebetsmühlenartig gesagt.

  • Gesundheit geht vor!
    Damit ist aber nicht gemeint, dass Menschen immun werden, sondern
    „Nichtansteckung um jeden Preis“!

Das ist eine gefährliche These. Die ist jetzt fast schon zum völkischem Konsens geworden. Alle Maßnahmen werden diesem Ziel unterstellt. Obwohl das Ziel gar nicht mehr zu erreichen ist. Was an sich immer schon gefährlich ist.

Alle scheinen sich unkritisch dieser Meinung zu unterwerfen. Wir haben eine hochansteckende Krankheit, die weltweit ihre Opfer sucht und findet. Jetzt wollen wir das unmögliche schaffen. Und mit schwachen Werkzeugen eine Weiterverbreitung einer Seuche einschränken, die schon da ist.

Denn die Seuche ist da, sie ist frei gelassen, hoch ansteckend und im Umlauf. Sie funktioniert. Wir haben keinen verläßlichen Impfstoff, kein Medikament. Der einfache und zuverläßige Test auf das Virus scheint genauso schwer wie ein Antikörpernachweis. Wir laufen ihr hinterher.

So dürfte uns aktuell nur ein funktionierendes Immunsystem helfen, das wir mit kleinen Schritten unterstützen. Und das baut zuerst Mal die Natur. Das scheint ja auch bei vielen Menschen zu funktionieren.

Für das Ziel „Nichtansteckung um jeden Preis“ sind wir bereit einen beliebig hohen Preis zu zahlen. Wird das funktionieren? Vielleicht verläuft die Seuche im Sande. Wenn aber nicht, was ist dann?

Ich meine, dass bei jeder Entscheidung – so auch der für „Nichtansteckung um jeden Preis“ – eine „sittlich verantwortete Güterabwägung“ erfolgen muss. Folgende Fragen sind zu beantworten:

  1. Wie groß ist der Schaden der Ansteckung?
  2. Welchen Schaden richten die Maßnahmen an, die die Ansteckung vermeiden und zurückdrängen (beides laut Experten unrealistisch) oder zumindest verlangsamen sollen?

Auf jeden Fall sollte 1. (der Nutzen der Verlangsamung der Verbreitung) größer sein als der Schaden 2. (den die Maßnahmen zur Verlangsamung verursachen). Wenn die Maßnahmen mehr kaputt machen als der eingedämmte Schaden wert ist, dann ist die Strategie falsch.

Wir scheinen Glück im Unglück zu haben. Der aktuelle Virus scheint die Menschen nicht so zu Grunde richten wie zum Beispiel der AIDS-Virus. Er scheint vor allem Menschen zu gefährden, die Vorerkrankungen und ein höheres Alter haben. Junge und gesunde Menschen wie auch Kinder haben in der Regel einen harmlosen Krankheitsverlauf. Hoffentlich bleibt das so.

Insofern könnte der Gedanke einer „gesteuerten“ Ansteckung nicht ganz falsch sein. Auf lange Sicht bleibt uns eh nichts anderes übrig.

Wenn wir uns – das nur als Beispiel – auf den Schutz der Menschen konzentrieren würden, die als Risikogruppen (vorgeschädigt, Ü60 oder Ü70, …) eingeschätzt werden und die anderen Infizierungen in Kauf nehmen würden, dann könnte der Verlauf der Seuche positiv beeinflußt werden. Immer mehr Menschen würden immun werden und hätten einen Herdenschutz.

Entwicklungen, gegenüber denen man machtlos ist, muss man sich zu nutze machen. Aktuell stemmt sich die Menschheit gegen die Epidemie, an Stelle zu überlegen wie sie die Entwicklung nutzen kann, um die Schäden zu minimieren.

Folgende Frage müssten wir  uns stellen: Wie schafft man es, bei der Bekämpfung von Korona sich Korona zu nutzen zu machen? Wie man dem Waldbrand mit Feuer begegnet?

Angst findet im Kopf statt. Blind der Angst zu folgen, ist kein guter Ratgeber. Leicht macht man dann das kaputt, was man bewahren will. Man darf doch nicht die Gesellschaft aus Hysterie schädigen oder zerstören. Es geht darum, dass Virus in den Griff zu kriegen.

Das gegenwärtige Handlungsmuster passt gut in unsere Welt. Bei uns sind die Verwalter, Systemagenten, Bürokraten, Gezähmten, Mutlosen und Lebensfernen in den verantwortlichen Positionen.  Die Devise heißt: Nichts falsch machen. Also ruft man nach Gesetzen und Regeln von höherer Stelle. Und will ja nichts riskieren. Dann plappert man lieber hohle Sätze nach, wie wir sie die letzten Tage so oft gehört haben. Und opfert die Realität den Dogmen und scheinbarer Vernunft.

Der erste Schritt wäre, dass man sich eingesteht, dass Korona Opfer kosten wird. Auch Menschenopfer. Das müssen wir akzeptieren. So wie wir das ja auch machen, wenn es um andere Krankheiten (Fettleibigkeit, Tabak, Alkohol …) oder Themen (KFZ-Verkehr, Umweltverschmutzung und -zerstörung, Kriege …) geht.

Es scheint allgemeiner Konsens bei den Experten zu sein, dass so eine Korona-Epidimie keine Million an Opfern  weltweit fordern dürfte.

Mit Autos werden jeden Jahres 1,3 Millionen Menschen im Jahr und auf der Welt getötet. Auf grausame Art und Weise. Die zusätzlich ein mehrfaches an Opfern mit erheblichen körperlichen Schäden bewirken. Das akzeptieren wir, weil „es anders nicht geht“.

Es gibt leider keine Mehrheit für die „vision zero“. Oder würden Sie, um diese 1,3 Millionen Toten abzuwenden, ähnliche Einschränkungen wie jetzt für Corona akzeptieren? Auch ist da eine mächtige Lobby davor.

Hier ein vielleicht als zynisch empfundener Hinweis, der aber gar nicht so gemeint ist: Der Frühling steht vor der Tür. Da füllen sich die Intensivstationen wieder mit halb oder ganz toten Motorradfahrern.

Vielleicht sollte man ab sofort das Motorrad-Fahren verbieten, um die Betten für die erwarteten Korona-Patienten freizuhalten. Aber vielleicht ist ja das ganze Gespenst bis nach den Osterferien vorbei.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 9. März 2020

Corona

Erinnerungen an die Karibik.

Irgendwie kommt man an dem Thema nicht vorbei. Ich muss bei Corona immer daran denken, wie ich auf einem Touri-Dampfer ganz proletarisch durch die Sonne der Karibik geschaukelt bin und mir „ballermannmäßig“ das Anschauen von Bundesligafußballspielen in der großen Arena an Deck mit zahlreichen Flaschen leckeren Biers aus Mexiko verschönt habe, im Flaschenhals immer den frischen Limonenspalt. Das waren sorgenfreie Zeiten.

Heute dagegen waten wir knöcheltief durch Corona-Viren und -Chaos. Die großen Fußballspiele fallen aus – oder finden in leeren Stadien statt. Der DAX fällt. Die Messen – gleich ob Wein, IT oder Handwerk – werden abgesagt. Als Unternehmer und Mittelständler bekommst Du so richtig Angst. Du bist da aber nicht alleine, die tüchtigen Hausfrauen sehen das genauso und gehen hamstern.

Besonders die Gruppe der Ü80 ist gefährdet, nicht nur in Italien. Gut, dass ich jetzt erst in die Ü70 komme. Der Iran scheint nicht nur bei Trump auf der schwarzen Liste zu stehen, sondern auch beim Virus. Aber nein, wie in Italien werden im Iran überdurchschnittlich viele chinesische Billigarbeiter ausgebeutet. Die leben in beiden Ländern in ziemlich unwürdigen Verhältnissen; so kommen die Dinge wieder zusammen.

In Deutschland sind heute auch zwei Menschen aus der Ü80 am Corona-Virus gestorben. Glücklicherweise haben die Kinder bei uns nur harmlose Symptome, wenn sie an Corona erkranken. Es wird vermutet, dass die Kleinen in ihren ersten Lebensjahren sozusagen von Haus aus ein paar mit Corona verwandte Virusstämme in sich tragen und so ein wenig gegen das Virus immun sind. Auch sonst scheint der deutsche Mensch relativ gut mit dem Virus fertig zu werden. Vielleicht liegt es ja am guten Bier und unserer Saufkultur?

Auf der Suche nach Corona?

Die medizinische Wissenschaft „kann das aber alles nur vermuten“ und glänzt mal wieder mit Nichtwissen. Sie rätselt sich corona-mäßig durch die Gegend. Aber das sind wir ja gewöhnt.

Denn die Götter und Göttinnen in Weiß haben ihre Gehirne auf die Maximierung der kaufmännischen Ergebnisse spezialisiert, da ist für Logik und Fachwissen kein Platz. Und sie haben es ja auch schwer, denn alles was mit Leben und Biologie zu tun hat, ist ziemlich komplex. Und transparente und belastbare Daten haben sie ja auch nicht, das geht ja schon aus Datenschutzgründen gar nicht.

Ich mag ja auch nicht mit dem gelben Corona-Band am Kragen herumlaufen. Wobei ich die zahlreichen Virusstämme, die in meinem Körper ihr Dasein fristen, hier auflisten würde. So wie ich die Medizin verstehe, wäre das aber eine ganz schön lange und langweilige Liste, die keinen interessieren würde. Wie auch die meiner Bakterien, mit denen ich mal mehr und mal weniger symbiotisch zusammen lebe.

Die Hochrechnungen der Epidemiologen klingen ähnlich unsinnig wie die Umsatzannahmen in den Businessplänen von Startups. Messen werden abgesagt wie Großveranstaltungen. Das mit den Messen verstehe ich gut, kam ich nach einer Woche CeBit eigentlich immer mit einer Mordsgrippe heim.

Ich will hier aber nicht jammern, sondern eine Lebenshilfe geben: Was kann ein jeder von uns für sich selber tun?

Meine Empfehlung:
Man darf sich keinesfalls outen! Husten und nießen Sie ab sofort nicht mehr in der Öffentlichkeit! Und hoffen Sie, dass keine Melde- und Testpflicht kommen. Jetzt wo die Impfpflicht ja gerade Gesetz geworden ist, ist das leicht möglich.

Gehen Sie Ärzten aus dem Wege. Fahren Sie in der S-Bahn schwarz und üben Sie, die Kontrolleure frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. So können Sie sich auf die Gesundheitspolizei vorbereiten. Denn die könnte bald kommen.

Ein Freund von mir, der gerade für eine NGO in Malaysia unterwegs war, hat von dort getwittert, wie erleichtert er war, von den lokalen Behörden nach zweimaligen Fieber messen den gelben Unbedenklichkeitssticker für den Rückflug bekommen zu haben.

Denken Sie daran, wenn Sie als Corona-positiv erkannt oder verdächtigt werden, bedroht das nicht Ihre Gesundheit. Aber das könnte Ihre Karriere (und alles andere wie Ihr Einkommen, Ihre Partnerschaft, Ihre bürgerliche Position …) ruinieren.

Kritisieren Sie auch nicht die Einführung Ihnen unsinnig erscheinender Maßnahmen. Das könnte Ihnen nicht gut bekommen. Hysterie kennt keine Meinungsfreiheit. Schnell werden sie stigmatisiert. Und wenn sie sinnlosen Anordnungen nicht folgen wollen, dann lassen Sie sich nicht erwischen. Das könnte Ihnen gefährlich werden, gefährlicher als das Virus!

Also: Verhalten Sie sich unverdächtig. Fallen Sie nicht mit exzessiven Händewaschen und Ähnlichem auf. Denken Sie immer daran: Nicht Sie, sondern die Anderen sind vom Corona-Virus befallen. Verzichten Sie also auf eine Atemschutzmaske und Handschuhe, Sie müssen niemanden vor sich schützen!

So können Sie einen Händedruck ohne Bedenken ablehnen. Bedenken Sie aber, dass der auch nützlich sein könnte. Denn Sie und wir müssen schnell zu einem „Herdenschutz“ kommen. Die Kunst ist es, möglichst schnell immun zu werden. Sie müssen sich also möglichst früh anstecken, ohne dabei schwer krank zu werden oder gar zu sterben. Eine ganz einfache Regel.

Für uns Männer ist das nicht leicht! Wie oft in meinen Leben habe ich mich schon (vermeintlich?) schwer, ja sogar todkrank zur Arbeit geschleppt. Die Barbara hat das immer als „Männergrippe“ bezeichnet. Dann habe ich massiv gelitten – aber trotzdem ganz ordentlich programmiert.

Da fällt mir ein, dass ich meine besten Schachpartien im zarten Alter von 17 in tief erkältetem Zustand gespielt habe. Wo ich bis heute nicht weiß, ob ich damals an der Grippe oder einer massiven Erkältung und Schnupfen erkrankt war?

Vielleicht kann mir ja ein kompetenter Mediziner bei Gelegenheit den Unterschied zwischen normaler Erkältung und Grippe erklären? Wäre ich echt dankbar. Aber die Mediziner erklären mir nichts. Sie hoffen, dass das Virus mit der Frühlingserwärmung verschwindet. Schau mer mal. Im italienischen Frühling scheint es ihm ja noch bestens zu gefallen.

Ich kann mich auch freuen: Haben jetzt sogar die Herren von CSU und CDU erkannt, dass Globalisierung nicht unbedingt immer gut ist. Die fordern jetzt, dass man der Wirtschaft Quoten vorgibt, wieviel sie in Deutschland produzieren müssen. Christliche Autarkie und Planwirtschaft!

Auch bei der Digitalisierung sind wir auf groteske Art und Weise von Indien und China abhängig. Infosys (Anmerkung des Autors: ein indisches IT-Haus) hat schon eine Reihe von Dax-Konzernen in eine radikale digitale Abhängigkeit gebracht und mit chinesischer Technologie ist es ähnlich. Das muss ich mal der CSU berichten. Vielleicht gibt es dann ein Gesetz, das vorschreibt, dass SW in Deutschland geschrieben werden muss!

Vielleicht noch ein Vorschlag zur Bekämpfung des Corona-Virus. Lieber Krisenstab des Robert-Koch-Instituts, holt Euch einfach ein paar gestandene CIOs, die erklären Euch gerne, wie man das in der IT mit den Viren macht. Da könnt Ihr viel für Euer Corona-Virus lernen.

RMD