Klaus Hnilica
Donnerstag, der 5. Dezember 2019

Fritz – und der Stillstand der Zeit

Caro und Fritz (Folge 3)

Als Caro und Fritz unlängst in den Herbstferien bei uns waren, stand Fritz plötzlich vor mir und sagte,

Opa – die Caro ist so gemein…

Warum das denn Fritz?

Weil sie mich überhaupt nicht mit ihrem neuen Scooter mit den großen Rädern fahren lassen will! Dabei würde ich so gerne ausprobieren, wie schnell man mit dem sausen kann…

Tja – vermutlich wird sie dein ‚Gesause‘ mit ihrem Tretroller oder Scooter, wie man heute auf Neudeutsch, sagt, nicht besonders schätzen,lieber Fritz.

Nein – sie will mich nur ärgern…

Wieso, was sagt sie denn?

Ich fahr zu wild, sagt sie und würde bestimmt wieder wo dagegen donnern…

Was ja auch stimmt, du bist wirklich etwas arg ungestüm in letzter Zeit!

Aber bei ihrem neuen Scooter würde ich ganz toll aufpassen…

Das sagst du immer, Fritz – und dann passiert doch jedes Mal ein Malheur!

Aber nur, wenn irgend etwas blöd in der Gegend herumsteht, Opa!

Ja – aber das ist halt ziemlich oft der Fall!

Ach Opa – du hältst immer nur zu Caro!

Nein tu ich nicht, Fritz! – und drum sage ich dir jetzt, was der schlaue Einstein in deiner Situation machen würde, wenn er noch lebte…

Kommt jetzt wieder deine komische Relativitätstheorie?

Du ich wär‘ stolz wenn‘s ‚meine Relativitätstheorie‘ wäre! Aber diese ‚Spezielle Relativitätstheorie‘ gehört leider dem Albert Einstein, der sie 1905 mit nur 26 Jahren veröffentlicht hat, als er noch im Basler Patentamt arbeitete.

Und was hab ich davon?

Nun, der gute Einstein hätte dir gesagt, dass du geduldig sein und lieber dafür sorgen solltest, dass die böse Caro ja nur recht oft, lang und schnell auf ihrem neuen Scooter herum rast…

Und warum,Opa?

Weil dann für Caro die Zeit viel langsamer vergeht als für dich und du viel schneller alt und erwachsen wirst als sie…

Hab ich dann auch öfter Geburtstag und bekomme mehr Geschenke als Caro?

Aber klaro Fritz! Allerdings muss sie dazu wirklich schnell unterwegs sein auf ihrem Scooter!

Wie schnell denn?

Na ja – ungefähr mit 80% der Lichtgeschwindigkeit also 240 000 Kilometer in der Sekunde – oder 864 Millionen Kilometer in der Stunde!

Das ist ja super schnell, Opa!

Das kannst du laut sagen, Fritz! Bedenk‘ doch, dass dein Papa oder die Mama mit eurem VW höchstens 140 Kilometer in der Stunde fähren und ihr deshalb immer etwa dreieinhalb Stunde braucht, bis ihr bei uns seid, während Caro mit ihrem schnellen Scooter dann nur etwa  2 Tausendstel Sekunden für diese Strecke brauchen würde!

Und geht das wirklich?

Na ja eigentlich nicht wirklich – da sie selbst mit einem E – Scooter viel zu viel Energie bräuchte, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Aber dass sie langsamer alt würde bei dieser Geschwindigkeit als du, das stimmt!

Echt?

Ja echt – das sieht man zum Beispiel auch bei den Navigationssystemen, das ihr ja auch in eurem Auto habt und das seine Wegdaten von einem Satellit bekommt der mit 30.000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast.Die Uhrzeit, die der hat verläuft auch immer langsamer als die auf der Erde und muss daher so angepasst werden wie die Relativitätstheorie voraus sagt. Wenn das nicht getan würde, würdet ihr immer falsch abbiegen und uns nie finden…

Ja das wär blöd Opa – aber was hilft mir das?

Na – ja Einstein will dir auf diese etwas umständliche Art zumindest theoretisch die Chance ermöglichen, altersmäßig mit Caro gleich zu ziehen. Und wenn das passierte, würde sie bestimmt denken, du seist auch so vernünftig wie sie – und würde dir dann sicher ihren schnellen Scooter leihen…

Opa das kann ja sein, klingt aber ziemlich kompliziert…

So findest du?

Ja! – ich glaube, ich denke mir da lieber einen anderen Trick aus, wie ich an Caros Scooter komme…

Wie du meinst Fritz, aber versuch nicht zu schlau zu sein…

Nee – ich bin ja nicht Einstein…

Tja – wer weiß das schon?

KH

 

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 28. November 2019

Zum Abgrund hin im Gänsetrott, Folge 1337

„Studierendenzahl erreicht neuen Rekordwert“

Herzlichen Glückwunsch, liebe SPIEGEL – Redaktion!

Das Weglassen des bestimmten Artikels gibt der ‚Headline‘ einen dynamisch-modernen Schmiß, aber, liebe Redaktion:

Ist ein „Rekordwert“, also ein bislang nie erreichter, nicht zwangsweise neu?

Und was ist eine „Studierendenzahl“? Die typische Glückszahl eines Astrologiestudenten? Oder war dann doch „Studierendenanzahl“ gemeint?

Und was ist eigentlich ein „Studierender“? Das deutsche ‚present participle‘, ich schreibe ja mitten aus dessen ursprünglichem Habitat, hat die Form „am tun sein“, also, „ich bin am studieren“ oder „ich bin da ‚was am Planen dran“.
Die lateinische Form für ‚der / die / das Studierende‘ ist, ganz nebenher, ’studens‘, mit dem Plural ’studentes‘. Und davon abgeleitet ist das deutsche ‚Studenten‘.
Wir haben hier also bereits einen wunderbar „genderneutralen“ Begriff, der auch Personen mit „nicht-binären“ Einbildungen umfaßt.
Und ich frage mich: Nachdem sich nun bundesweit sämtliche „Studentenwerke“ in „Studierendenwerke“ mit Millionenaufwand haben umbenennen lassen — hätte man nicht vorher jemanden fragen können, der sich mit sowas auskennt?
„Studierender“ ist ein sprachlich genauso verschwurbelter Kappes wie „People of Colour“.

Tja, lieber Spiegel: Mit einer aus vier Wörtern bestehenden bestehenden Schlagzeile greift ihr vier Mal ins linguistische Klo.

Aber keine Sorge: Ihr seid ja nicht allein mit eurem krampfhaft-peinlichen Sprachgepansche. Jetzt werde ich auf ein brandneues Schulbuch aufmerksam gemacht, Infinitesimalrechnung für Gesamtschulen:
Auf dem Titel sieht man zwei juvenile Kletterer, die eine Art „Gipfel“ erkraxelt haben und gegeneinander mit der „High Five“ – Geste abklatschen. Ungesichert, natürlich.
Der Hinweis kommt von einem erzreaktionären Mathematiker,  schön zu lesen.
Voller Scham räume ich ein: Die dicksten Fehler habe ich übersehen. Aber ein zitiertes „Highlight“ wirkte auf mich wie ein Schlag in die Magengrube:

„Als Ableitung bezeichnet man den Grenzwert des Differentialquotienten“

Heilige Scheiße! Da hat frau aber wieder einmal elementare – und elementar wichtige – Grundlagen nicht verstanden. Dagegen ist ja erstmal nix einzuwenden; wie genial das Newtonsche Tangentenverfahren ist, das ging mir selbst auch erst lange, lange nach der Schulzeit auf — aber ich habe auch kein Mathebuch geschrieben…

Eigentlich jeder weiß: Die Ableitung einer Funktion ist wiederum eine Funktion, die die Veränderung der Steigung der Ursprungsfunktion definiert. Ein „Beschleunigungsmesser“ sozusagen. Und ein „Differenzialquotient“ IST bereits ein Grenzwert. Wenn frau geschrieben hätte, „Der Grenzwert des Differenzenquotienten mit dx –> 0 ist der Differentialquotient, der die Momentansteigung der untersuchten Funktion im untersuchten Punkt definiert“ — dann wäre es vielleicht etwas komplizierter geworden und die beiden „Sportler“ hätten ggfs. ein womöglich noch dümmeres Gesicht gezogen.  Aber es wäre zutreffend gewesen  —  und wo steht eigentlich geschrieben, daß jeder eine allgemeine Fachhochschulreife erreichen muß?

Lesen Sie sich die Lösung des Magisters wirklich einmal durch:
Mit seiner sauberen, klaren und eindeutigen Terminologie bringt er Gedanken in Ordnung.

Und jetzt will ich einmal versuchen, den Bezug herzustellen zwischen dem dümmlichen Spiegel-Geschwafel und der Kritik am didaktisch wertvollen Mathebuch:
Eine These von Ludwig Wittgenstein lautet, „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meines Denkens“. Die Form meines Ausdrucks korrespondiert unmittelbar mit dem Inhalt. Wenn ich mich um korrekte Begriffe für gefundene Sachverhalte bemühe, dann werden die Gedanken klarer und, ja, einfacher.

Es gilt also nicht nur, „seine Sprache offenbart den Menschen“, sondern auch „unsere Sprache bringt unsere Gedanken in Ordnung“.

Oder eben nicht.  Wenn man mit vorzugsweise englischen wischi-waschi – Formulierungen, deren Bedeutung man eher erhofft denn erahnt, gequirlte Scheiße zusammenschwurbelt,  dann hat man hinterher auch nur gequirlte Scheiße im Kopf.

 

Allerdings glaube ich nicht, daß man junge Leute mit solchen Thesen hinter dem Ofen hervorlocken kann.

 

Man möchte heute, beispielsweise bei „Twitter“, jemandem „folgen“. Je mehr „Follower“ ein „Influencer“ hat, desto mehr wollen „folgen“. „Sascha Lobo“ befiehl, wir folgen. Four legs good, two legs bad. Deswegen hat das Böse einen Namen.
Wahlweise „SUV“, „AfD“, „alter weißer Mann“, „Boomer“. Denn das sind alles Rassisten und Faschisten. Die sind böse.  Weil es unser Feinde sind.  Und wir sind die mutige „Allianz der Anständigen“.
Die SED ist gut, weil „sozial“, die Grünen sowieso, „ist alles ausgerechnet“. Und Greta erst.

 

Das Allerpeinichste:   Unsere weißen jungen Männer halten sich für revolutionär und couragiert.

 

Ganz nebenher:  Deutschtümelei aller Art ist mir seit jeher zuwider, aber unterhaltsame Artikel in konziser Sprache finde ich ausgerechnet bei der „AfD“ – Frontfrau Corinna Mizaga.

Das ist eine Person, die keine Frauenquoten nötig hat, pointierte Charakterisierungen abgibt, die ins Schwarze treffen („Mit den Politikerinnen von SED und Grünen erlangt der Begriff ‚Trümmerfrauen‘ eine völlig neue Bedeutung“) und sich einer im wittgensteinschen Sinne klaren Sprache bedient.   Sie trägt frei vor und im wohltuenden Gegensatz zu den verkrapften Transvestit*Innen hat sie auch noch ordentlich ‚was in der Bluse.

 

Da transgendere ich doch als RAF-Sympathisant der ersten Stunde lieber zu den Faschisten, das ist immer noch besser, als sich mit der „Generation Y“ gemein zu machen.

Roland Dürre

Klassentreffen.

Als Playboy auf MS EUROPA (20**)

1950 Geburt in Augsburg-Göggingen.

1956 Einschulung in eine Volksschule in Augsburg bei St. Anton.

1960 Wechsel ins Gymnasium Jakob-Fugger

1969 Abitur und Start Studium Mathematik / Informatik an TH München.

1970 Einberufung zur Wehrpflicht.

1976 Wechsel vom Studenten und Taglöhner zum Angestellten.

1980 Vater geworden.

1982 Im Management-Training gelernt, dass Kommunikation vor allem Zuhören heißt.

1984 Gründung eines IT-Unternehmen.

...

2018 Endlich das Buch zur „gewaltfreien Kommunikation“ gelesen.

2019 Kulturschock beim Klassentreffen.

Der Leser, der mich kennt, hat es wohl schon gemerkt. Die tabellarischen Daten sind wichtige Meilensteine meines Lebens. So ist es richtig, dass ich in diesem Jahr zwei 50-jährige Jubiläen hatte:

  • Ich habe offiziell 50 Jahre intensiv in Informatik oder besser Digitalisierung gewirkt.
  • Und ich hatte vor 50 Jahren in Augsburg im Jakob Fugger Abitur abgelegt.

Und heute liege ich nach meinem erstem und sehr schönem Tag in Lima ein wenig müde im Hotelbett. Und denke nach, weil es noch zu früh zum Einschlafen ist.

Ich reflektiere die letzten Wochen vor dem Abflug nach Lima. Die waren ziemlich stressig – und da ging einiges unter. Wie das Klassentreffen Ende Oktober. Meine Abiturklasse hatte 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Es war das erste Wiedersehen nach mehr als fünf Jahren.

Wir waren 24 Schüler in der Klasse, als wir 1969 Abitur machten. Im Laufe der Jahre sind zwei der Kameraden gestorben, so leben heute noch 22. Und von diesen war immerhin ein Dutzend da. Zwei hatten trotz Zusage kurzfristig abgesagt, alle anderen bis auf einen langfristig. Eine gute Ausbeute.

Das Treffen war in Neusäß nahe Augsburg in einer unerfreulichen Kneipe.

Wir waren 12 weiße alte Männer und die Barbara (die kommt immer mit) an einem langen Tisch. Im lauten Saal waren fünf lange Tische, alle ähnlich besetzt. Das Durchschnittsalter bei uns und im Saal war um die 70, die wenigen Frauen die dabei waren, machten das Bild nicht besser.

Der Service war wie in vielen deutschen Gasthäusern nicht aufmunternd, das Essen recht „convenient“. Auf der Rückfahrt wurde ich sehr nachdenklich. Und musste lange nachdenken, bis ich wusste warum.

Wahrscheinlich waren wir von der Ausbildung her der beste der fünf Tische. Meine Klassenkameraden waren alle schlaue Bürschchen, die ihr Studium bestanden haben und im Leben doch recht erfolgreich agiert hatten. Sie hatten alle tolle Positionen, füllten Ämter wie Richter aus, hatten es zum Wirtschaftsprüfer oder Apotheker gebracht.

Wir hatten eine Reihe Lehrer in der Runde (in Augsburg gab es 1969 nur eine Pädagogische Hochschule, die anderen Fakultäten kamen erst später und der Augsburger ist vom Typ her eher des Sesshafte). Und die sein auch alle mindestens stellvertretende Rektoren geworden.

Auch sonst waren meine Klassenkameraden eher vernünftige Menschen. gewesen Eher pazifistisch gesonnen und sozial eingestellt.

Aber zum Klassentreffen war ich in der konservativsten Runde gelandet, die ich seit langem erlebt hatte. Und mir wurde klar, warum Deutschland Zukunft nicht mehr kann.

Wir hatten an diesem Abend die üblichen Themen: Neben Schwanks aus der Vergangenheit ging es um das Auto, die Digitalisierung und den Klimaschutz.

Mit meiner Bewertung diese Themen bin ich auf den Bauch gefallen. Ich glaube nämlich folgendes.

  • zum Auto:
    Ich fahre keines mehr, auch weil ich keine Zeit mehr zum Auto fahren habe und ich ohne Auto glücklicher lebe als mit.
  • zur Digitalisierung:
    Ich gehe davon aus, dass das Internet die wichtigste Maschine der Menschheit ist und wir ohne diese unseren Planeten nicht mehr retten werden können und
  • zum Klimaschutz:
    Ich glaube dass es schon zu spät für die Rettung des Planeten sein dürfte, und wenn die Welt nicht an der Erwärmung verursacht durch Kohlendioxyd krepieren wird, dass sie es dann an der vielfältigen Zerstörung des Ökosystems etwa durch Plastik, Radioaktivät und Zubetonierung tun wird.

Und ich habe kapiert:
Jeder meiner Klassenkameraden kann mir erklären, wie ein Verbrennungsmotor beim Auto funktioniert. Egal, ob es ein Benziner oder Diesel ist. Oder ein Zwei-Takter. Wahrscheinlich geht auch das Prinzip vom Wankel-Motor.

Aber keiner von ihnen wird sein Lebtag lang verstehen, wie eine Programmiersprache funktioniert. Was der Unterschied zwischen einem Compiler und einen Interpreter ist. Wie eine relationale Datenbank aufgebaut ist und was eine blockchain als funktionalen Wert bringt. Sogar die Genialität eines Hyperlinks werden sie nicht begreifen.

So lassen sie sich auch nicht von KI beeindrucken und empfinden die ganze moderne Zauberei der elektronischen Geräte als ein Strohfeuer, dass bald wieder erlöschen wird. Weil man die ganzen Spielzeuge wie das Internet ja eh nicht brauchen würde.

Sie stellen sich vor, dass sich das die ganze Digitalisierung wieder verschwinden wird, genauso wie die Klimaveränderung, die Vermüllung der Welt durch Plastik oder das Verschwinden der biologischen Artenvielfalt.

Sie glauben auch, dass unser gut bürgerlicher Wohlstand nicht für unser restliches Leben sondern auch für Generationen nach uns gesichert sein wird.Dafür würde die EU schon sorgen.

Weil in ihre Köpfe einfach nicht rein geht, dass auch Dinge passieren können, die nicht passieren dürfen.

So war der Klassentreffen-Konsens am Ende der Runde:

Der Planet könne ja gar nicht am Ende sein, weil das einfach nicht gehen würde.

So nach dem Motto:
„Was nicht sein darf, das kann doch gar nicht sein. Gut, es gäbe ein paar Spinner, die solche Ängste schüren würden. Davon dürfe man sich aber nicht verrückt machen lassen. Und ich wäre ja auch immer schon ein Spinner gewesen. Hätte ich doch nur Science Fiction Bücher gelesen. Und wer in der Computerei arbeite, der müsse ja eh verrückt sein.“

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach so,  dass Menschen, die nicht programmieren auch die Welt und ihre Zusammenhänge nicht verstehen können.

Vielleicht haben sie ja Recht?

Das wäre mir fast lieber!

RMD

 

Roland Dürre
Sonntag, der 24. November 2019

Von digitalen Helferlein … (heute WERKZEUGE für Text)

Eine meiner Thesen ist:
Werkzeuge müssen Menschen dienen.
Nicht die Menschen den Werkzeugen!

Das gilt auch für Schreib-Werkzeuge!

Klein Roland mit Schultüte.
Er sollte schreiben lernen

Ich mache jetzt mehr als 50 Jahre IT. Das heißt auch 50 Jahre schreiben. 50 Jahre individuelle Texte formulieren. 50 Jahre sich mit Schreibgeräten und Rechenmaschinen herumschlagen. Auch 50 Jahre Frust durch Verlust von Daten und damit Arbeit.

Heute mache ich mal eine Rückschau auf meine digitalen Schreibgeräte. Dies rein erzählend.

Am Anfang meines IT-Lebens war der Lochstreifen. Und mein digitales Schreiben begrenzte sich auf das Erstellen von Programmier-Code. Die Programme waren einfach, Kommentare waren damals nicht so üblich. So waren die Texte kurz. Das Werkzeug war der Fernschreiber. Das ging so weit ganz gut, weil ich Schreibmaschine-Schreiben in der Schule gelernt hatte und der Weg von der Schreibmaschine zum primitiven Fernschreiber nicht so weit war.

So wurde es nicht beim Schreiben spannend sondern beim Verschreiben. Dann wurden alle Tricks genutzt, die Doppelarbeit vermeiden sollten. Die Fehlerbehebung wurde zur oft trickreichen Bastlerarbeit am Lochstreifen.

Dann kamen die Lochkarte. Es wurde üblich, dem Code Kommentare hinzuzufügen. So wurden die Programme länger. Da hatte man schon mehr zu schreiben. Und so war ein Programm plötzlich ganz schön schwer. Lnange Blechschubladen mit vielen Kilos an Karton.

Die Lochkarten wurden mit großen und schweren Spezialmaschinen gestanzt, die Lochkartenstanzer genannt wurden. Von der Bedienung her war das aber im wesentlichen auch wie bei der Schreibmaschine.

Der teuere Softwareentwickler hat aber nicht mehr selber getippt, sondern hat seine Programme auf Lochkartenpapier geschrieben. Das war ein Papier, mit einem Vordruck wie er auf der Lochkarte auch war, meistens mit 80 Spalten. Das Werkzeug waren der gespitzte Bleistift und der Radiergummi.

Der nummerierte Stapel Papier ging dann zum Stanzen. Das erledigten Spezialkräfte, die im ersten Lauf die Löcher in den Karten erzeugten, die im Korrekturlauf mit einer Zweiterfahrung kontrolliert wurden. Oft wurden die Arbeit mit Linienflugzeugen in ferne Länder geflogen und dort erledigt. So enstand das „off-shoring“.

Wenn die Lochkarten zu mir zurück kamen, habe ich sie nochmal durchgeschaut. Und dann ging es los ins „Versuchsfeld“ zum Lochkartenleser.

Das sollte sich alles schlagartig ändern, als die „Datensichtgeräte“ oder „Terminals“ kamen. Die Programmierer schimpften, dass sie unmöglich auf so einer Flimmerkiste Programme schreiben könnten. Und wollten beim Bleistift bleiben.

Die Rechner haben sich auch weiter entwickelt. So produzierten wir mit IT-Systemen auch Dokumentation, Geschäftspost und vieles mehr. Eigentlich alles, was man bis dahin auf Schreibmaschinen oder -automaten oder gar Druckern gemacht hatte.

Die Datensichtgeräte waren Geräte für BS1000 und BS2000 (Siemens) und OS bei IBM. Alles waren sehr komplizierte und schwere (und teuere) Endgeräte, in die man Texte eintippte und die Eingabe mit einer speziellen Taste zur Datenübertragung abschloss.

„In den Rechnern“ gab es mark-up-languages, die doculity oder ähnlich hießen und die in den Texten Anweisungen für Textformate enthielten, wie neue Zeile und neuer Absatz oder Textattribute wie fett oder invers. Das waren die mark-ups, die mit einem Fluchtsymbol gekennzeichnet waren. Das Fluchtsymbol war ein Sonderzeichen, das im Text nicht gebraucht wurde. Mit den entsprechenden Programmen konnte man ganz schön formatierte Dokumente generieren.

Die Editoren dazu hießen bei Siemens im BS 2000 EDT oder Edor. Sie hatten unterschiedliche Strategien, die schon geleistete Arbeit zu sichern. Bei beiden Systemen ging bei Rechnerabstürzen immer ein wesentlicher geschriebener Teile verloren, so dass der Frust zum treuen Begleiter der Arbeit wurde. Trotzdem war es schon viel besser, die Texte so zu schreiben als mit der Schreibmaschine.

Noch mal einen Fortschritt zu meiner Zufriedenheit gab es kurz darauf, als ich bei Softlab mit Pet/Maestro arbeitete. Die Chefs fragten sich, ob man das System so nennen dürfte, denn sie hatten entdeckt, dass pet ein englisches Wort war. Aber das System hatte eine intelligente Speicherlösung, die Datenverlust komplett reduzierte. So konnte man gut damit arbeiten, obwohl das System wahrlich oft abstürzte. So gabe es halt viele Hochfahr-Pausen, die wir zu Kaffee-Pausen umfunktionierten. Eigentlich war ich da das erste Mal in der IT glücklich, was den Datenverlust betraf.

PetMaestro war aber nur eine kurze Episode in meinem IT-Leben. Alle diese Schritte führten zu einer kontinuierlichen Verbesserung meiner Arbeitssituation und zu einer Erweiterung der Funktionalitäten.

Und es ging weiter aufwärts – eine weitere wesentliche Verbesserung brachte Unix mit seinen zeichenorientierten Terminals, auch VT 100 kompatibel genannt. Da machte das Arbeiten mit Text schon richtig Spaß. Nicht nur, weil es da unseren Texteditor HIT gab. Mit Datenverlust war Schluss, den den gab es nur noch, wenn das Unix mal abstürzte. Und das geschah immer seltener.

Die Editoren waren dann – bei Siemens – ced (c-editor für die Programmiersprache c) und in der großen Welt vi – der Unix-Editor. Zum Formatieren gab es Systeme wie n-roff und t-roff. Alles Standard und alles funktionierte, es war das Paradies.

Und dann kam Microsoft und Word. Das war ein großer Rückschritt. Noch schlimmer wurde es mit der Graphik. Mit dem schönen Wysiwyg (und word) war Verlässlichkeit und Sicherheit dahin. Und die Welt wurde langsam.

Vor dem PC unter DOS konnte ich mich noch drücken. Aber mit dem Aufkommen des Client-Server-System war ich auch auf einem Fat-Client und benutzte Winword. Das war ein großer Rückschlag – ich brauchte wieder deutlich länger für meine Dokumente. Und habe wieder viel umsonst gearbeitet. Weil das „recovery“ oft nicht so richtig funktionierte.

Heute ist das alles vorbei. Ich habe Google und kann mit Docs wunderbare Dokumente schreiben. Im Chat merke ichgar nicht mehr, dass ich einen Editor benutze, es ist selbstverständlich geworden zu schreiben. Und das Tablet bereitet mir die Worte vor. Aber ich kann auch aufhören mit Text und ganz einfach asynchron über Audio und Video kommunizieren. Ein Traum ist Realität geworden.

Fürs Internet gibt es viele tolle Systeme wie Blog Editoren und Content Manager. Und auch da kann ich einfach vom Dokument zum Podcast oder Video wechseln. Einfach, schnell und mit hoher Qualität. Und bei Bedarf kann man das gesprochene Wort auch schnell mal digitalisieren. Die Texte diktiert man – ohne Sekretärin wird die Sprache automatisch „verschriftet“! Und wer es mag, der kann auch mit Handschrift „revisible code“ erstellen.

Aber es droht eine neue Bedrohung – das nach der DSVOG und ISO 27001 sichere Arbeitsgerät, sei es Laptop oder Handys. Wenn der so richtig gut geschützt ist, dann kann das Arbeiten auch schnell aufwändig werden. Besonders wenn man Hyperlinks nutzt. Und Hyperlinks sind der Honig des Internets!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 20. November 2019

Die CLOUD braucht keine Gesetze sondern Kultur.

Meine Aussage KULTUR GEHT VOR GESETZE gilt nicht nur für das „Leben in der Cloud“ sondern für jedes soziale System.

Laut Wikipedia ist ein Soziales System ein zentraler Begriff der soziologischen Systemtheorie, der eine Grenze zieht zum Ökosystem, zum biologischen Organismus, zum psychischen System sowie zum technischen System. Sie alle bilden die Umwelt sozialer Systeme. Mindestvoraussetzung für ein soziales System ist die Interaktion mindestens zweier personaler Systeme oder Rollenhandelnder (Akteure). 

Auch 2019: Ich war mal wieder Referent.

Pragmatisch sind Soziale Systeme „Menschenhaufen“ mit einer Anzahl von größer-gleich zwei Akteuren, die miteinander zielgerichtet interagieren und dabei Strukturen und Organisationen entwickeln. Unternehmen zum Beispiel sind soziale Systeme, die einem ökonomischen Zweck dienen und deren Strukturen und Organisation diesen dient.

Die Interaktion im sozialen System kann im realen Raum stattfinden – oder auch in einem vielleicht virtuellen, den wir mit der Metapher Cloud beschreiben. Wichtig ist nur die Möglichkeit der Interaktion und Kommunikation im sozialen System. Ansonsten ist es weder notwendig dass die (potentielle) Akteure sich kennen oder etwas gemeinsam haben, wie z.B. die gleiche Sprache oder Hautfarbe.

CLOUD steht für mich als Metapher für die digitale Welt, also für alles was mit Digitalisierung und Internet zu tun hat und auch gern als smart  bezeichnet wird.

Gerade in Deutschland wünschen sich viele (besonders die politischen Freunde mit dem dem „C“ im Logo) REGELN fürs Internet. So wie bei uns eh gerne nach mehr Gesetzen gerufen wird woe auch nach mehr Polizei, die auf die Einhaltung achtet. Und konsequenter Bestrafung der Täter.

Die große Koalition hat sich im November ein Zwischenzeugnis ausgestellt. Sie lobte sich selber, weil sie viele ihrer Vorhaben realisiert hat, in dem sie neue Gesetze gemacht hat. Sie ist zufrieden, einfach der Tatsache geschuldet, dass sie das Thema „abgehaken kann“. Weil es jetzt ein Gesetz gibt. Ohne den Inhalt bzw. die Wirkung desselbigen zu bewerten.

Was würde passieren, wenn ein Vorstand einer AG die Anzahl  neuer Betriebsvereinbarungen als Maß des Erfolges seiner Amtszeit nehmen würde? Würde das den Aktionären genügen?

Sorry, weder in der Regierung noch im Unternehmen besteht die Wertschöpfung aus dem Schreiben von immer mehr Gesetzen.

Ich glaube, dass wir in den meisten sozialen Systemen, die ich kenne, ein Zuviel an Regeln und Gesetzen haben. Die Welt wird dadurch immer komplexer, wir müssen sie aber einfacher gestalten. Außerdem zerstören Gesetze Vertrauen! Und sind nicht mehr umsetzbar, wenn sie überhand nehmen.

So braucht auch die CLOUD kein mehr an Gesetzen. Sondern Kultur!

Die CLOUD ist so wichtig für uns, weil sie die Maschine ist, die die Wissens- und Informationsgesellschaft betreibt. Sie ist das mächtigste Werkzeug der Menschheit. Und an keinem sozialen System der Welt nehmen so viele Menschen teil wie am Internet.

Wir dürfen es nicht „kaputt machen“. Das Internet muss eine Basis bleiben, die uns dient – und darf keine werden, dem wir dienen.

Wie war das nach der Industrialisierung?

Da gab es Henry Ford, der Autos in Serie bauen wollte. Es gab aber keine Arbeiterschaft, bei der er seinen Bedarf hätte decken können.  Dafür waren  viele „dumme“ Bauern in der Landwirtschaft durch den Einsatz von Maschinen arbeitslos geworden. Nur – diese dummen Bauern hatten nicht gelernt, Werkzeuge zu bedienen. Nicht einmal die Uhr und den Takt der Zeit hatten sie verstanden. Aber sie waren da.

Henry Ford hatte seine klugen Ingenieure. Diese zerlegten die Arbeits-Vorgänge am Fließband in viele kleine Schritte. Die dummen Bauern waren in der Lage, diese zu erlernen  und dann auszuführen. Der Taylorismus war erfunden. Aus der Kaste der Ingenieure sollten sich später die Manager entwickeln.

Das funktioniert in einer Wissensgesellschaft nicht mehr!

Auf dem Wege zur Informationsgesellschaft hat sich das geändert. Schon 1984 waren meine jungen Mitarbeiter technisch besser als ich. Sie waren jung und kamen direkt von der Uni. Zum Teil hatten sie schon in ihrer Kindheit und Jugend programmiert. Mit meiner sperrigen aber hochbezahlten Industrie-Informatik-Erfahrung kam ich mir schon damals ganz schön alt vor.

Mein Vorteil war, dass ich 34 Jahre alt war, ein wenig Lebenserfahrung wie zwei Kinder hatte und ich bei meinem Freund Rupert Lay schon ein wenig „Kommunikation“ gelernt hatte. Zum Beispiel ein Mindestmaß an Zuhören. Und ich hatte schnell kapiert, dass ich meinen jungen Kollegen nicht vorschreiben durfte, wie und wann sie arbeiten müssen. Das wussten sie selber besser. So durften sie auch nachts programmieren, wenn sie das so wollten.

Aber aus meinen Impulse machten sie wunderbare Dinge. Sinnvolle Gebote, die die Arbeit erleichterten, wie das Nutzen von Werkzeugen wie lint, sccs, make … (wir entwickelten Software mit der Programmiersprache C auf Unix) nahmen sie gerne an. Und es gelang uns, eine Qualitätskultur zu leben:
“Wir schaffen Qualität nicht für den Endkunden, der unser Produkt einsetzt, nicht für die Distributoren wie Siemens, IBM und Nixdorf …,nicht für unser Unternehmen, die InterFace Connection, sondern in erster Linie für uns selber, für das ICH!“

So hatten wir auch keine Arbeitszeitregelung. Die gab es nicht. Nur zwei Bitten:
Schreibt Eure Zeiten wahrhaftig auf!
und
“Stimmt Euch bitte ab, damit Ihr Euch ausreichend seht!”.
Heute haben wir ein dickes Gesetzbuch an Arbeitszeitordnung.

So waren wir schlank und wurden unheimlich schnell. Alle Mitarbeiter konnten programmieren, sogar die Heidi im Back Office bekam es beigebracht. Betriebsvereinbarungen, die eigentlich immer das Gegenteil bewirken von dem was sie sollen, gab es bei uns nicht. Wir hatten auch keine dezentralen Dienste und ausufernde Administration.

So blieben „Parkinsons Effekte“ aus und die Menschen waren glücklich, weil sie selbstbestimmt und selbstorganisiert arbeiten konnten. Bei uns gab es auch keine Menschen zum Erlassen von Gesetzen und keine für die Überwachung deren Einhaltung. So sparten die Zeit und die Kraft für die Gestaltung unserer Zukunft und unserer Produkts, auf dessen Entwicklung wir uns voll konzentrierten. Mit selbstorganisierten und gut vernetzten und so gut abgestimmten Teams.

Eine schöne Zeit, die über ein Jahrzehnt halten sollte. Bis uns dann die Realtität eingeholt hat. Und wir mit dem älterwerden verkrusteten. Jetzt entkrusten wir wieder, um jung zu bleiben.

À propos ZUKUNFT – Vor kurzem war ich auf dem
„Barcamp Oberland Servus Zukunft“?
Wie ich finde, ein wichtiges Thema, die wir uns durchaus mal stellen sollten. Ich habe eine Session mit dem Thema vorgeschlagen:
„Kann Deutschland Zukunft?“
Die Menschen in meiner Session hat das nicht interessiert. Deutschland war ihnen egal. Ihnen ging es ums Oberland. Sie haben die Frage als umformuliert:
Kann das Oberland Zukunft?“

Das fande ich gut. All business is local. Und das Oberland ist  abgehängt von München. Die schöne Landschaft versinkt unter Blechlawinen, die Zuganbindung ist durch ein kleines Wunder noch vorhanden, aber indiskutabel. Und die lokalen Unternehmer müssen sich ganz schön anstreben, damit es schön bleibt im Oberland.

Die Oberländer sind pragmatische Menschen. Deutschland interessiert sie nicht, sie wollen das Oberland nach vorne bringen. Sie hatten auch gleich eine Lösung:
„Die Menschen im Oberland müssen politischer werden!“
Zukunft heißt für sie, „sich beteiligen und sich einmischen in die Politik“. Und die Entscheidungsmacht wieder dem Volk als Souverän zurückzugeben. Wie es in einer Demokratie sein sollte.

Dies funktioniere aber nicht nicht mehr über Personen, Parteien und ihre Programme. Nein! Die Bürger wollen zum Enscheider werden. Als Crowd wollen sie über Sach-Entscheidungen entscheiden. Der Gedanke ist, dass man alle möglichen Maßnahmen sammelt und differenziert bewertet. Mithilfe von Cloud und Crowd wollen sie EMERGENZ schaffen im Oberland.

Emergenz ist ein schwieriges Wort. Ich meine zu wissen, was gemeint sein könnte. Und nenne als Beispiele für emergente Ergebnisse gerne das „agile manifesto“ und andere „open source“-Geschichten.

Was aber ist notwendig für EMERGENZ?
Eine größtmögliche TRANSPARENZ.
Denn TRANSPARENZ ist notwendig für VERTRAUEN.
Und VERTRAUEN ist die Basis von Kultur.

Gesetze, Methoden, Regeln, „best practices“, Prozesse, Technologie (wie das Internet) sind alles nur Werkzeuge. Und Werkzeuge müssen den Menschen dienen. Und nicht die Menschen den Werkzeugen. Da müssen wir aufpassen.

Die Crowd (Digitalisierung, Internet …) ist das mächtigste Werkzeug, das wir haben. Es könnte sein, dass die Menschheit es bald als gemeinsame Aufgabe betrachten wird, den Planeten zu bewahren. Noch tut sie es ja nur sehr halbherzig.

Wenn wir das wirklich schaffen wollen, dann müssen wir den Rohstoff teilen, der durch Teilen mehr wird. Das ist das WISSEN. „WISSEN TEILEN“ kollidiert dann schnell mal mit dem URHEBERRECHT und dem “EIGENTUM an DATEN”. Um die obige Aufgabe „Planet bewahren“ zu schaffen, brauchen wir die nur in einem freien Internet mögliche EMERGENZ. Deshalb müssen wir das freie Internet bewahren und vor Überregulierung verschonen.

Wir haben ein Artensterben. Das bedroht auch das freie Internet . Und die HUMANITÄT. Da finden wir ein Kanzlerinnen-Wort (vom digitalem Gipfel 2019):
„Die HUMANITÄT unserer Gesellschaft muss auch in der digitalen Welt selbstverständlich bleiben“.
Vorsicht! Da impliziert sie etwas, was bei weitem nicht so klar ist:
Die Humanität muss in der realen Welt selbstverständlich bleiben.
Den ich sehe sie auch im normalen Leben gefährdet.

Früher hatte der Kapitalismus ein “Humanes Antlitz”.
Es gab eine soziale Marktwirtschaft, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Und allerorts viel Verantwortung. In der Bayerischen Verfassung war die „Gemeinwohl-Ökonomie“, einfach mal genau nach lesen.
Heute trägt der digitale Kapitalismus eine “SMARTE Maske”.
Das scheint anders und wirkt erfrischend neu. Das System ist aber effizienter und brutaler. Der gierigste Konzern vermarket sich mit einem ”don’t be evil”.

Und alles wird zum Spiel. „gamification“ als Strukurierung von Arbeit wird schick. Der Begriff ist gut bekannt von Apps. Mit spielerischen Anreizen wird der Nutzer und jetzt der Arbeiter motiviert. Die Arbeit auch zum Spiel, und fordert leicht noch mehr.

Die Arbeiter, die an den PCs sitzen, sollen sich wie „gamer“ fühlen und Spaß haben. Wir machen jetzt #newwork – das wird die Arbeit zum Spiel und findet in einer der großen Spaß-Welt. Wir haben das erlebt, wie wir jung waren. Wir waren stolze Programmier, die sich mit dem schönsten Spiel der Welt vergnügen durften – und dafür auch richtig viel Geld bekamen.

Und die Büros werden zu Spaß-Welten und Wohlfühloasen. Man kann von zu Hause oder aus einem dezentralen „coworking space“ arbeiten. Ab und zu geht man auch mal ins Büro, trifft Kollegen und lässt sich verwöhnen. Wie es einem gerade passt. Du darfst nur nicht verlieren, dann kann schnell schnell Schluss sein mit dem Spaß,

Den Spaß gibt’s natürlich nicht für alle. So entsteht ein “neuer Feudalismus in der Arbeit”, eine Zweiklassengesellschaft wie auch im Internet ist (mindestens) die Hälfte der Menschen nicht dabei in.

Die anderen Arbeitsplätze werden völlig vergessen. Die sind doch eh bald weg! Weil das ja später die Roboter (bots) machen werden? Brave new world. Nur glaube ich es nicht. Aber das ist ein anderes Thema

Vielleicht hätte die Kanzlerinnen auf dem IT-Gipfelbesser sagen sollen;
Die HUMANITÄT darf in der digitalen (und realen) Gesellschaft nicht durch SMARTHEIT ersetzt werden!

JETZT kommt die wichtige Frage:
Wie können wir die Kultur in der echten Welt und in der Cloud wieder verbessern?

Ehrlich gesagt, ich bin auch ratlos. Aber eine Hoffnung habe ich. Die Schule! Dort habe ich – wie auch meine Kinder – eigentlich nur Unsinn gelernt. Nützliches habe ich – oft für gutes Geld gelernt –  erst sehr viel später z.B. in „Persönlichkeits fördernden“ oder „Führungs-Trainings“ gelernt.

Kommunikation zum Beispiel. Mit gut 30 habe ich für einen größeren Scheck „Zuhören“ und „offene Fragen stellen“ gelernt. Und mit gut 60 dann im Selbststudium Gewaltfreie Kommunikation..

Damit könnte man schon im Kindergarten anfangen. und das in de Grundschule mit Rethorik und Dialektik fortsetzen. Dann wäre auf den weiterführenden Schulen ein wenig Platz für Geisteswissenschaften wie Philosophie.

Zu Schluss noch ein Beleg für meine These:
“Regeln, Gesetze und Strafen fordern heißt nichts verstanden zu haben“.

Die letzte große Innovationen vor dem Internet dürfte das Automobil gewesen sein. Das wurde bestens geordnet und geregelt durch die Straßenverkehrsordnung. Was hat die bewirkt?

Der Blutzoll nur in Deutschland war 780‘000 Tote und  31‘000‘000 Verletzte. Das war nicht im 2. Weltkrieg? Nein. Seit dem 2. Weltkrieg. Im Verkehr. Weltweit derzeit 1,4 Mio Tote im Jahr.

Ich meine, dass eine Kultur der Achtsamkeit und Rücksichtnahme mehr gebracht hätte.

RMD

Gehalten am 20. November auf der DOAG-Jahreskonferenz in München, aufgeschrieben im Zug nach München.

 

Roland Dürre
Montag, der 18. November 2019

Digitale Zersplitterung

Beim Kommunizieren, Jahre später bei InterFace.

Ich war in Augsburg auf dem Jakob-Fugger-Gymnasium. Das begann 1960, da war unsere Schule noch stark „wirtschaftswissenschaftlich“ ausgerichtet. Das bedeutete, dass  in fast allen Fächern auch immer die volks- und betriebswirtschaftlichen Aspekte berücksichtig wurden.

So auch in Geschichte. Wir haben damals gelernt, dass vor gar nicht langer Zeit Deutschland ein Konvolut von vielen Kleinstaaten war. Und wir haben gelernt, dass dies die wirtschaftliche Entwicklung gehemmt hat und Deutschland deshalb damals auch von den modernen Industriestaaten wie England ganz schön abgehängt worden ist.

Als Beleg wurden die vielen Regionalbahnen genannt, die generell immer nur kleine Serien an Lokomotiven bestellen konnten. 25 Loks, das war für die Bayerische Eisenbahn schon eine große Stückzahl. Dieses Problem ist später durch die Zusammenfassung der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn gelöst worden. Die deutsche Reichsbahn hat dann Einheits-Baureihen geschaffen, die auch mal in gut vierstelliger Anzahl benötigt wurden. Das hätte den Lokomotivbau enorm in Deutschland nach vorne gebracht (damals war es Ehrensache, dass die deutsche Reichsbahn keine Lokomotiven im Ausland kauft).

Diese  Theorie – Fortschritt und Wohlstand durch hohe Stückzahlen und starker standort-spezifischer Spezialisierung – mit der ja auch die Vorteile der Globalisierung begründet werden, stand hoch im Kurs. Damals hat nicht nur in der Wirtschaft das schöne Prinzip „Lieber Vielfalt als Einfalt“ nicht viel gegolten.

Bei der Digitalisierung ist Kommunikation das zentrale Element einer modernen Informations- und Wissengesellschaft, die sich schnell verändert.

Ich teile hier eine persönliche Erfahrung. denn ich nutze privat sehr ungern E-Mails. Für einen ehemaligen Ingenieur der Datenfernübertragung – ich war bei Siemens im Transdata-Labor tätig – ist es ein Graus, wenn Nachrichten wild durch die Gegend geschickt werden, dazu noch zwischen unidentifizierten Teilnehmer und mit komischen „features“ wie „cc“ oder „bcc“. Die Folgen erleben wir täglich als Spam und immer wieder als Kommunikationskatastrophen verursacht durch Irrläufer.

Wenn ich mit einer Einzelperson (z.B. als Mentor mit einem Menté oder einfach von Freund zu Freund zusammenarbeiten will) ziehe ich einen Dialog auf einer gesicherten Verbindung vor, die praktischerweise unseren Dialog auch langfristig dokumentiert, so dass ich unseren „Gesprächsfaden“ (auch thread genannt) immer ganz einfach rückwärts verfolgen kann.

Wenn ich in einer Gruppe oder einem Team zusammen wirke, habe ich heute immer das Problem mit der Raum-Zeit-Schwelle. Das ist mit Mail-Technik schwer zu lösen, die Zusammenarbeit wird immer unübersichtlicher und endet oft im Chaos.

Aber was ist mein Problem?

Ich habe mein Leben lang gedacht wie ein Unternehmer. Als Unternehmer musst Du „vertrieblich“ denken. Um „vertrieblich“ erfolgreich zu sein brauchst Du eine gute Ware und einen Kunden, der Dich mag, sonst wird das nichts (Dazu gibt es zeitnah einen Artikel „Vertrieb 2.0“ in meinem Unternehmertagebuch).

Das bedeutet auch, dass ich mich nach dem Kunden, meinem Partner richte. Wenn ich also eine neue Beziehung eingehe, schlage ich meinem Partner vor, die asychrone Kommunikation, die für eine effiziente Überwindung der Raum-Zeit-Schwelle notwendig ist, ein Chat-Programm zu verwenden. Da gibt es viele, die meisten Menschen nutzen nur eines oder vielleicht zwei aus der großen Auswahl.

Und da ich ja mag, dass mein Partner mir wohlgesonnen ist, zwinge ich ihn nicht, mein Chat-Programm zu verwenden, sondern frage ihn, welches er am liebsten nutzt und schlage ihm vor, dieses zu nutzen. So bin ich mittlerweile Nutzer von immer Chat-Programmen, die sind FB (messenger), Google (Hangout), Signal, Slack, Skype (MS), Teams (MS), Telegram, Threema, Twitter (DM) – Viber (kyrillisch) – Wcchat (chinesich) oder als Teil von Diensten wie Linkedin oder Xing und manchen mehr.

Und ich leide unter dieser digitalen Kleinstaaterei. Noch schlimmer ist es bei der Kommunikation in Gruppen oder Teams, die ein Ziel haben. Oft findet man in einem Kreis von vielleicht 10 Menschen, die etwas Gemeinsames vorhaben, kein gemeinsames Werkzeug. Und arbeitet mit – E-Mail.

Meine Lebenserfahrung ist, dass alle Projekte, in denen es keine effizienten Gruppenkommunikation gab, gescheitert sind. Und die digital gut organisierten haben gut funktioniert. Als positives Muster-Projekt habe ich die gute Zusammenarbeit im PM-Camp Orgateam Dornbirn sehr schön erlebt. Da hatten wir hangout mit dem gesamten Google-Stacj ausgesucht. Natürlich war das Werkzeug nicht der Garant für den Erfolg, sondern die Menschen im Team. Das gute Werkzeug war aber notwendig.

Bei vielen Projekten war es unmöglich, sich im Team auf ein gemeinsames kooperatives digitales System zu einigen. Diese Projekte sind ALLE gescheitert. Obwohl da auch viele tolle und fähige Menschen im Team waren.

Heute wird immer viel über die digitale Rückständigkeit Deutschlands geschrieben und geredet. Wobei niemand konkret die Ursachen dafür beschreit. Man spricht vom technologischen Rückstand, von digitaler Verweigerung, Beharren auf alten Standpunkten und nennt mangelnde öffentlich Infrastruktur.

Nach meiner Beobachtung ist die digitale Zersplitterung  eine der Ursachen, die nicht so spektakulär sind aber die digitale Entwicklung schwer machen.

Eine andere könnte die totale Microsoft-Lastigkeit sein.

Zumindest da hat China zwei wesentliche Vorteile. Sie haben einen einzigen guten Chatter – das ist wechat. Da gibt es in einem privaten (zu meist ehrenamtlich betriebenen) Projekt kein Problem, sich auf eine Infrastruktur zu einigen. Und soviel Microsoft wie bei uns gibt es dort auch nicht.

Außerdem ist es in China selbstverständlich, dass man digital zahlt – und dort geht es auch einfach. Auch diskutiert dort keiner darüber, ob wegen digitaler Zahlung die Welt untergeht.

Mein Schluß:
Vielleicht ist „Vielfalt statt Einfalt“ kein gute Richtline für Infrastruktur-Dienste, besonders wenn diese sich betreffend Funktionalität und Qualität nicht unterscheiden.

RMD

P.S.
Noch eine Anmerkung zu Twitter. Da habe ich einen Nachrichtendienst, in dem ich (man) an ALL senden kann. Und wenn ich etwas interessantes finde, kann ich es retweeten. Allgemein und oder adressiert an besondere Empfänger mit @empfänger. Ich kann es aber auch an bestimmte Empfänger als DM (direct message) ganz individull weitergeben. So angenehm geht das Verbinden von kollektiv und individuell aus meiner Sicht sonst nirgends.

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. November 2019

Caros Rache – oder die ungewollte Spaghettisierung

Caro und Fritz (Folge 2)

  Und ist der Torsten immer noch so ekelhaft zu dir, fragte ich Caro, als sie mich anrief.

Momentan geht’s.

Und warum das plötzlich?

Weiß ich nicht –  vielleicht weil er momentan lieber mit seinen Kumpels herum rauft. Aber Opa eigentlich ruf ich an, weil Anja mit dir telefonieren will!

Na dann gib sie mir einmal, die kleine Anja! Mal sehen ob sie dieses Mal etwas von sich gibt oder doch wieder nur schweigend lauscht…

Ich hab schon den Lautsprecher angestellt, Opa, du musst nur etwas sagen.

Tja das tat ich dann auch! Aber von Anja kam nix! Zwar hörte sie wohl auf, auf ihrer Schwester Caro herumzuklettern und deren lange Haare als Kletterseil zu benutzen, was lautstark zu vernehmen war, aber plappern tat sie nix, die liebe Anja…

Hm –  und da war auch nix zu machen, egal ob ich redete, ein Liedchen anstimmte, wie ein Schweinchen grunzte, oder die zwitschernde Kohlmeise spielte, Anja schwieg mit eiserner Konsequenz! Also bat ich Caro den Lautsprecher wieder auszuschalten und befragte sie lieber noch einmal zu ihrem ungestümen Torsten. Doch der ließ sie wohl wirklich in Ruhe. Jedenfalls schrie sie mit ihrem gellenden Stimmchen so etwas Ähnliches ins Telefon – mein armes Trommelfell!

Und außerdem, jubelte sie, hätte ihr Papa gestern auf dem Computer die erste echte Aufnahme von einem „Schwarzen Loch“ in unserer Milchstraße gezeigt: eine Sensation, die nur mit vielen Teleskopen und Tricks möglich war, hätte Papa gesagt…

Ja –  sagte ich –  8 Teleskope wurden über den gesamten Erdball mit Atomuhren zeitlich abgestimmt und über ein spezielles Computerprogramm gleichgeschaltet, und auf diese Weise in ein „Riesenteleskop“ verwandelt mit dem man erstmalig so ein geheimnisvolles  „Schwarzes Loch“ sichtbar machen konnte. D.h. man sah auf dem schwarzen Abendhimmel einen hellgelben ausgefransten breiten Lichtkranz, in dessen Mitte tatsächlich ein scharf konturiertes „Schwarzes Loch“ herumlümmelte!

Ja ein deutliches „Schwarzes Loch“, quiekte Caro aufgeregt.

Und wenn du jetzt, unterbrach ich sie, mit Torsten an dem Rand dieses „Schwarzen Loches“ in einem Astronautenanzug entlang düsen würdest und vielleicht deine Zöpfe leichtsinniger Weise aus dem Astronautenhelm  hängen ließest, dann könntest du sogar, ohne dass du den Kopf nach hinten drehen musst, sofort sehen, wenn der böse Torsten doch wieder versuchen würde dich an deinen Zöpfen zu ziehen…

Wie das denn? kreischte Caro.

Weil durch die immense, zusammengepackte Masse von etwa zwanzig Sonnen, im Bauch dieses „Schwarzen Loches“ eine derartige Anziehungskraft herrscht,  dass – wie von der ‚Allgemeinen Relativitätstheorie’ von Albert Einstein vorausgesagt – sich um dieses „Schwarze Loch“ sowohl der kosmische Raum als auch die Zeit im Kreis herum biegen und damit auch die Lichtstrahlen, d. h. wenn du gerade vor dich hinguckst siehst du nicht nur was vor dir passiert, sondern auch alles hinter dir – toll was?

Das ist ja echt der Wahnsinn, Opa!

Ja das ist er –  aber der Wahnsinn wird noch fantastischer, wenn du dem Torsten  einen kleinen unbedachten Schubs geben würdest, durch den er mit einem Bein einen Moment lang ins „Schwarze Loch“ ragen würde: denn dann würde er augenblicklich durch eine wahnsinnig starke Zugkraft an seinen Beinen so auseinander gezogen, dass er sich praktisch und faktisch in ein unendlich langes dünnes Spaghetti verwandeln würde! Und zwar so schnell, dass er nicht einmal spüren würde, wie alle seine Knochen brechen!

Hör auf Opa – so etwas Grässliches will ich gar nicht hören!

Du hast Recht Caro, das ist grauenhaft! Aber andererseits dann auch  wieder nicht: denn da am Rand des „Schwarzen Loches“ gilt nämlich Einsteins ‚Allgemeine Relativitätstheorie’ gar nicht mehr, sondern hier gilt plötzlich die so genannte ‚Quantentheorie’ des Herrn Heisenbergs aus Würzburg und deswegen durchlebt dein böser Torsten nicht nur die Spaghettiwirklichkeit, sondern mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit auch andere Wirklichkeiten. Und auch die, dass er heile bleibt und ihm gar nichts passiert, sondern er dich an der Hand nehmen und mit dir weiter um das „Schwarze Loch“ flanieren kann in seinem Astronautenanzug…

Opa, wenn das so ist, ist mir aber diese ‚Quantentheorie’ oder wie sie heißt, von dem Würzburger lieber, als die ‚Allgemeine  Relativitätstheorie’ vom Einstein…

Das kann ich gut verstehen Caro, denn nach diesem relativ langen Telefonat mit dir, hab ich persönlich rein quantitativ auch genug und brauche jetzt relativ schnell ein Schlückchen Wein! Und grüß mir deine Eltern, Caro! Und gib der kleinen Anja bitte ein festes Busserl von mir!

Tu ich, Opa! Und Tschüss!

Tschüss, Caro, bis demnächst…

K.H.

PS: Übrigens finde ich es super, dass der Fritz gleich dieses Spaghetti-Bild gezeichnet hat – aber er mag ja Spaghetti auch so gerne!

Klaus Hnilica
Montag, der 4. November 2019

Ein seltsamer Vergleich – oder?

Caro und Fritz (Folge 1)

  Enkelkinder sind immer eine ziemliche Herausforderung für Großeltern.

Insbesondere wenn sie derart aufgeweckt sind wie die 13-jährige Caro und der 11-jährige Fritz: ihr Opa, der sich immerhin Physiker schimpft, kommt da gelegentlich echt an seine Grenzen, wenn er die Dinge der Welt einfach erklären soll, wie unlängst, als Caro plötzlich loslegte.

Opa, was hat eigentlich ein ‚Arschloch’ mit einem ‚Schwarzen Loch’ zu tun?

Caro, außer dass es auch ein Loch ist wohl nix soweit ich weiß!

Aber warum sagt dann der Torsten, ich sei ein größeres Arschloch als jedes Schwarze Loch am Abendhimmel?

Tut mir Leid das weiß ich nicht – wahrscheinlich weil er keine Ahnung von Schwarzen Löchern hat – oder?

Was oder?

Oder du hast vielleicht auch etwas Unschönes zu ihm gesagt.

Ich hab nur zu ihm gesagt, dass er das größte Ekel in der ganzen Stadt ist.

Na ja – ist ja auch nicht gerade freundlich.

Aber das stimmt, weil er mich immer in der Pause an meinen Zöpfen zieht!

Gut das mag ja so sein – aber der Vergleich zwischen A – Loch und Schwarzem Loch ist trotzdem wissenschaftlich nicht haltbar!

Und warum nicht wissenschaftlich?

Nun weil die Schwarzen Löcher im Kosmos eher wie riesige Abflusslöcher wirken, die schon seit über Milliarden von Jahren nur alles in sich hinein saugen – und zwar nicht nur alle Sterne rundherum, sondern auch deren Licht. Und bei A – Löchern ist es ja, wie jedermann weiß so, dass da nur etwas rauskommt und nicht rein gesogen wird…

Ja  – und was sogar unheimlich stinkt!

Das kannst du aber laut sagen, Caro! Das Schwarze Loch dagegen würde sogar den Gestank in sich hineinsaugen! D, h. da riechste nix und siehste nix! Drum heißt es ja auch ‚Schwarzes Loch’!!

Und was ist dann ein Schwarzes Loch genau, Opa, von dem auch der Fritz dauernd quasselt?

Ja dem Fritz hab ich unlängst schon einmal davon erzählt und dass es die überall im Weltraum gibt, dass die aber niemand sehen kann, da sie ja auch alles Licht in sich hinein fressen…

Und warum weiß man dann überhaupt, dass es sie gibt?

Hm –  gute Frage! Aber man kann eben mit großen Teleskopen beobachten, wie ein Schwarze Loch über Milliarden von Kilometern andere Sterne und Planeten zu sich hinzieht und sie in ihren normalen Himmelsbahnen stört, ähnlich wie wenn man in einer vollen Badewanne den  Abflussstöpsel zieht, da bewegt sich auch plötzlich aller Badeschaum in  Richtung  Abfluss, der alles in sich hineinsaugt. Und den Badeschaum musst du dir nur als Sterne vorstellen, die alle in den Abfluss reingesaugt werden, allerdings fließen die dann nicht ab, sondern pappen hinterm Abfluss  immer dichter und fester zusammen.

Und warum saugt das Schwarze Loch so stark, Opa?

Tja Caro – weil es das tut, was ihm die allgemeine Relativitätstheorie zuflüstert!

Und was flüstert diese Relavatitätstheorie – oder wie die heißt?

Die sagt, also vielmehr der Herr Einstein, der diese Theorie ausgearbeitet hat, sagt, dass ein so genanntes Schwarzes Loch, wenn es schon drei Sterne von der Größe unserer Sonne in sich hineingestopft hat, immer unersättlicher wird und auch alles weitere aus seiner Umgebung anzieht und in sich hinein frisst, bis es nach etwa fünfzig Sonnen und  mehr eines Tages explodiert…

Und wann passiert das?

Na ja das dauert schon ein paar Milliarden Jährchen! Also wir erleben das nimmer, Caro!

Hm – und würde dieses Schwarze Loch auch den blöden Torsten verschlucken.

Natürlich – man müsste ihn nur nahe genug hin stupsen…

Das wär super, Opa, dann hätte ich endlich meine Ruhe in den Pausen

Oh – oh! Caro du bist ganz schön brutal!

Mir egal…

Das sollte es dir aber nicht sein – wenngleich der böse Torsten vermutlich gar nix spüren würde, wenn er da in das Schwarze Loch rein flutschte.

Und warum spürt der nix, Opa?

Das erzähl ich dir, wenn du den bösen Torsten am Leben lässt, in ein paar Tagen einmal – aber jetzt muss ich kochen, Caro. Ich hab nämlich der Oma versprochen, dass ich heute für uns alle Schnitzerl mit Erdapfelsalat mache…

Super Opa, da freu ich mich schon drauf – und dem Schwarzen Loch geben wir davon nix, gell?

Überhaupt nix bekommt dieses Schwarze Loch von uns  – das soll ruhig einmal ein paar Tage fasten nach ihren dreißig oder vierzig Sonnen in den letzten Milliarden Jahren!!

KH

PS: Und in spätestens zwei Wochen erzählt dieser Opa seiner Caro und dem Fritz, wie diese komische Relativitätstheorie dafür sorgt, dass dieser böse Torsten leider oder lieber Gott sei Dank, nichts spürt, wenn er im gierigen Schwarzen Loch verschwindet.

Roland Dürre
Sonntag, der 3. November 2019

Datengipfel.

Unterwegs in dieser Welt.

Wir schreiben den 3. November. Ich gehe raus. Muss mal an die frische Luft. Eine düstere Welt. Die Tage sind kurz, die Nächte lang. Das Wetter fühlt sich nass an und eine klamme Kälte umarmt mich. Schlimm genug! Aber dann passiert mir der GAU. Zurück in der warmen Stube verirre ich mich auf die Website der Bundeskanzlerin.

Als moderne Digitalisiererin legt sie ihren Kalender offen. Gestern und vorgestern war sie auf Einladung des indischen Premierministers Narendra Modi in Neu-Delhi. Da hat sie in Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen die strategische Partnerschaft sowie die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Digitalisierung, Wirtschafts- und Handelsfragen sowie Entwicklung und Nachhaltigkeit vertieft.

Da freuen wir uns doch alle!

Zurück von Indien war sie auch heute fleißig. Kanzlerin Merkel hat gleich mal ein paar warme Worte an den langjährigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank Draghi zur Verabschiedung aus seinem Amt gerichtet: „Die Europäische Zentralbank (EZB) hat während deiner Präsidentschaft einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität dieses Euroraums geleistet.“

Draghi – wir danken dir!

Dann war Kanzlerin Merkel beim Festakt zum Jubiläum des DGB. Der feiert nämlich 70-jähiges Bestehen. „Seit jeher setzt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund für soziale Gerechtigkeit und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ein“.

Und sie hat sich wahrscheinlich klammheimlich gefreut, dass dieser Bund so einen schönen Nagel am Sarg der SPD abgibt. Wahrscheinlich aber auch für Themen wie #newwork und kreative Arbeitsformen.

Da fällt mir ein, dass vor ein paar Tagen der Digitalgipfel war (da wo der Dicke von der Bühne gestürzt ist und dann nicht mit nach Indien fahren konnte). Früher war ich da öfters eingeladen (beim Digitalgipfel) und habe mich immer gewundert, was da die Damen und Herren zur Digitalisierung sagen. Und gelangweilt.

Da werde ich neugierig. Wo ist die Seite Kanzlerin bei Digitalgipfel? Und werde auch schnell fündig: Hier ist sie!

Schon die Überschrift erfreut mich:

Datensouveränität ist höchstes Gebot!

Endlich wissen wir, was die BRD am dringendsten braucht!

Dann lese ich:
„Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte beim diesjährigen Digitalgipfel, dass all unsere Werte auch in der digitalen Welt Gültigkeit haben müssen. Sie betonte vor allem die Arbeitswelt, Gesundheit und Ethik. „Die Humanität unserer Gesellschaft muss auch in der digitalen Welt selbstverständlich bleiben“, sagte die Kanzlerin in Dortmund.“

Da wird es mir doch gleich warm ums Herz. Oft habe ich den Eindruck, dass die Humanität in der realen Gesellschaft stört und dort vom Aussterben bedroht ist. Na vielleicht überlebt sie ja in der digitalen Welt. Dann könnten wir uns auch in diese zurückziehen, wenn es in der realen zu schlimm wird. Nur was ist das, die digitale Welt? So etwas wie der christliche Himmel? Gibt es neben dem C-Himmel auch noch einen e-Himmel? Was machen wir mit der Humanität, wenn es die beide nicht gibt.

Wir kriegen auch ein großes Versprechen:
Keine Angst Bürger – jetzt kommt das Projekt Gaia-X! Das ist eine vernetzte Dateninfrastruktur, also eine sogenannte Daten-Cloud, auf europäischer Ebene. Als Basis für Smart-City-Datenplattformen als Infrastrukturen für vernetzte Städte und Regionen.

Da atme ich auf, jetzt wird doch alles gut. Wir kriegen smarte Citys und vernetzte Regionen. Zwar stehe ich mit dem Begriff „smart“ auf Kriegsfuß. Und die schöne Metapha GAIA für eine simple Cloud zu missbrauchen, finde ich auch nicht angemessen. Aber man darf halt nicht zu kritisch sein.

Aber folgender guter Rat für uns digitale Konsumenten hilft uns auch in der smarter City in vernetzter Region:

Merkel warnte davor, sich bei der Speicherung und dem Austausch solch sensibler Informationen in die Abhängigkeit der großen Konzerne zu begeben!

Was für ein toller Satz. Da lerne ich dazu und warne Euch alle:
Begebt Euch beim Besorgen Eurer Lebensmittel nicht in die Abhängigkeit der großen Konzerne! Also kein Nestlé oder Mars, kein Aldi oder Rewe mehr!

Nach der Lektüre der Website unserer Kanzlerin bin ich richtig froh, dass die meisten Inder und Chinesen kein Deutsch können. Wenn die das lesen würden. Dann würden sie vom digitalen Deutschen nichts mehr halten. Haben sie doch schon vor einem Jahrzehnt bei meinen Aufenthalten in Neudehli und Mumbai mir in typisch indischer Arroganz erklärt, aus was für einem rückständigen Land ich kommen würde.

RMD

P.S.
Für Nichtwissende:
Der Digitalgipfel der Bundesregierung ist die zentrale Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels. 2019 steht er unter dem Motto „PlattFORM DIE Zukunft“ und will Impulse bei der Entwicklung und Anwendung digitaler Plattformen setzen. Dabei sind ausdrücklich auch noch kleine Projekte und Start-ups gemeint.

Roland Dürre
Samstag, der 2. November 2019

POLITIK.

So sehen mich Christian und Daniel (©
Visual-Braindump) – zumindest 2016 auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

In meinem Artikel Wachstum habe ich mich beklagt, dass „die Politik“ so wenig macht, um den Planeten als unsere Lebensgrundlage zu bewahren. Und das „wir“ jetzt alles machen sollen.

Das ärgert mich. Denn ich verliere die Lust, mich für den Klimaschutz einzuschränken, wenn ich faktisch nur relativ wenig beitragen kann, aber die Solidarität derjenigen vermisse, die mit einfachen Maßnahmen viel mehr bewirken könnten als ich und die ja auch den gesellschaftlichen Auftrag dazu hätten.

Zu diesem Artikel habe ich in einem anderen Forum folgenden Kommentar bekommen:


Nun, ich frag´ mal nach:

WER ist „die Politik“?

WER ist „wir“?


Das hat mich getroffen! Denn versuche ich immer, pauschale Formulierungen zu vermeiden und die Dinge möglichst präzise beim Namen zu nennen.

Und dann schwafle ich von Allgemeinplätzen wie Politik und wir. Ärgerlich! Deshalb hier ein kritischer Versuch zu erklären, was ich unter „Politik“ und „uns“ verstehe.


WER ist „die Politik“?

Politik bezeichnet eine feudale Kaste, die man wohl in allen Staaten antrifft. Deren Mitglieder nennt man Politiker. Bis auf ein paar reiche populistische Ausnahmen, leben Politiker in der Regel von der Allgemeinheit.

Sie haben die Oligarchie der Parteien (Jaspers) als Herrschaftssystem kreiert und manifestiert. Ihre Herrschaft rechtfertigen sie, weil sie durch Wahlen demokratisch legitimatiert wären. Wobei Wahlen in der Regel die gewinnen, die sich die besten (und teuersten Berater) leisten können.

De fakto sind sie aber gar nicht an der Macht, sondern setzen nur die Interessen von Wirtschaft und Kapital um, die ihnen von den Lobbyisten detailliert vorgegeben werden (und den Politikern auch den Wahlkampf finanzieren).

WER ist „wir“?

Wir sind Gemeinsamkeit der Menschen, die einem oder mehreren sozialen Systemen konkret  angehören, die von der Politik administriert werden.


Ich glaube, dass erklärt die Misere. Meine These, dass gutes Marketing nicht nur Umsatz bringt sondern auch Wahlen gewinnt, war ja wohl bei der Brexit-Abstimmung richtig.

RMD