Klaus Hnilica
Samstag, der 16. November 2019

Caros Rache – oder die ungewollte Spaghettisierung

Caro und Fritz (Folge 2)

  Und ist der Torsten immer noch so ekelhaft zu dir, fragte ich Caro, als sie mich anrief.

Momentan geht’s.

Und warum das plötzlich?

Weiß ich nicht –  vielleicht weil er momentan lieber mit seinen Kumpels herum rauft. Aber Opa eigentlich ruf ich an, weil Anja mit dir telefonieren will!

Na dann gib sie mir einmal, die kleine Anja! Mal sehen ob sie dieses Mal etwas von sich gibt oder doch wieder nur schweigend lauscht…

Ich hab schon den Lautsprecher angestellt, Opa, du musst nur etwas sagen.

Tja das tat ich dann auch! Aber von Anja kam nix! Zwar hörte sie wohl auf, auf ihrer Schwester Caro herumzuklettern und deren lange Haare als Kletterseil zu benutzen, was lautstark zu vernehmen war, aber plappern tat sie nix, die liebe Anja…

Hm –  und da war auch nix zu machen, egal ob ich redete, ein Liedchen anstimmte, wie ein Schweinchen grunzte, oder die zwitschernde Kohlmeise spielte, Anja schwieg mit eiserner Konsequenz! Also bat ich Caro den Lautsprecher wieder auszuschalten und befragte sie lieber noch einmal zu ihrem ungestümen Torsten. Doch der ließ sie wohl wirklich in Ruhe. Jedenfalls schrie sie mit ihrem gellenden Stimmchen so etwas Ähnliches ins Telefon – mein armes Trommelfell!

Und außerdem, jubelte sie, hätte ihr Papa gestern auf dem Computer die erste echte Aufnahme von einem „Schwarzen Loch“ in unserer Milchstraße gezeigt: eine Sensation, die nur mit vielen Teleskopen und Tricks möglich war, hätte Papa gesagt…

Ja –  sagte ich –  8 Teleskope wurden über den gesamten Erdball mit Atomuhren zeitlich abgestimmt und über ein spezielles Computerprogramm gleichgeschaltet, und auf diese Weise in ein „Riesenteleskop“ verwandelt mit dem man erstmalig so ein geheimnisvolles  „Schwarzes Loch“ sichtbar machen konnte. D.h. man sah auf dem schwarzen Abendhimmel einen hellgelben ausgefransten breiten Lichtkranz, in dessen Mitte tatsächlich ein scharf konturiertes „Schwarzes Loch“ herumlümmelte!

Ja ein deutliches „Schwarzes Loch“, quiekte Caro aufgeregt.

Und wenn du jetzt, unterbrach ich sie, mit Torsten an dem Rand dieses „Schwarzen Loches“ in einem Astronautenanzug entlang düsen würdest und vielleicht deine Zöpfe leichtsinniger Weise aus dem Astronautenhelm  hängen ließest, dann könntest du sogar, ohne dass du den Kopf nach hinten drehen musst, sofort sehen, wenn der böse Torsten doch wieder versuchen würde dich an deinen Zöpfen zu ziehen…

Wie das denn? kreischte Caro.

Weil durch die immense, zusammengepackte Masse von etwa zwanzig Sonnen, im Bauch dieses „Schwarzen Loches“ eine derartige Anziehungskraft herrscht,  dass – wie von der ‚Allgemeinen Relativitätstheorie’ von Albert Einstein vorausgesagt – sich um dieses „Schwarze Loch“ sowohl der kosmische Raum als auch die Zeit im Kreis herum biegen und damit auch die Lichtstrahlen, d. h. wenn du gerade vor dich hinguckst siehst du nicht nur was vor dir passiert, sondern auch alles hinter dir – toll was?

Das ist ja echt der Wahnsinn, Opa!

Ja das ist er –  aber der Wahnsinn wird noch fantastischer, wenn du dem Torsten  einen kleinen unbedachten Schubs geben würdest, durch den er mit einem Bein einen Moment lang ins „Schwarze Loch“ ragen würde: denn dann würde er augenblicklich durch eine wahnsinnig starke Zugkraft an seinen Beinen so auseinander gezogen, dass er sich praktisch und faktisch in ein unendlich langes dünnes Spaghetti verwandeln würde! Und zwar so schnell, dass er nicht einmal spüren würde, wie alle seine Knochen brechen!

Hör auf Opa – so etwas Grässliches will ich gar nicht hören!

Du hast Recht Caro, das ist grauenhaft! Aber andererseits dann auch  wieder nicht: denn da am Rand des „Schwarzen Loches“ gilt nämlich Einsteins ‚Allgemeine Relativitätstheorie’ gar nicht mehr, sondern hier gilt plötzlich die so genannte ‚Quantentheorie’ des Herrn Heisenbergs aus Würzburg und deswegen durchlebt dein böser Torsten nicht nur die Spaghettiwirklichkeit, sondern mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit auch andere Wirklichkeiten. Und auch die, dass er heile bleibt und ihm gar nichts passiert, sondern er dich an der Hand nehmen und mit dir weiter um das „Schwarze Loch“ flanieren kann in seinem Astronautenanzug…

Opa, wenn das so ist, ist mir aber diese ‚Quantentheorie’ oder wie sie heißt, von dem Würzburger lieber, als die ‚Allgemeine  Relativitätstheorie’ vom Einstein…

Das kann ich gut verstehen Caro, denn nach diesem relativ langen Telefonat mit dir, hab ich persönlich rein quantitativ auch genug und brauche jetzt relativ schnell ein Schlückchen Wein! Und grüß mir deine Eltern, Caro! Und gib der kleinen Anja bitte ein festes Busserl von mir!

Tu ich, Opa! Und Tschüss!

Tschüss, Caro, bis demnächst…

K.H.

PS: Übrigens finde ich es super, dass der Fritz gleich dieses Spaghetti-Bild gezeichnet hat – aber er mag ja Spaghetti auch so gerne!

Klaus Hnilica
Montag, der 4. November 2019

Ein seltsamer Vergleich – oder?

Caro und Fritz (Folge 1)

  Enkelkinder sind immer eine ziemliche Herausforderung für Großeltern.

Insbesondere wenn sie derart aufgeweckt sind wie die 13-jährige Caro und der 11-jährige Fritz: ihr Opa, der sich immerhin Physiker schimpft, kommt da gelegentlich echt an seine Grenzen, wenn er die Dinge der Welt einfach erklären soll, wie unlängst, als Caro plötzlich loslegte.

Opa, was hat eigentlich ein ‚Arschloch’ mit einem ‚Schwarzen Loch’ zu tun?

Caro, außer dass es auch ein Loch ist wohl nix soweit ich weiß!

Aber warum sagt dann der Torsten, ich sei ein größeres Arschloch als jedes Schwarze Loch am Abendhimmel?

Tut mir Leid das weiß ich nicht – wahrscheinlich weil er keine Ahnung von Schwarzen Löchern hat – oder?

Was oder?

Oder du hast vielleicht auch etwas Unschönes zu ihm gesagt.

Ich hab nur zu ihm gesagt, dass er das größte Ekel in der ganzen Stadt ist.

Na ja – ist ja auch nicht gerade freundlich.

Aber das stimmt, weil er mich immer in der Pause an meinen Zöpfen zieht!

Gut das mag ja so sein – aber der Vergleich zwischen A – Loch und Schwarzem Loch ist trotzdem wissenschaftlich nicht haltbar!

Und warum nicht wissenschaftlich?

Nun weil die Schwarzen Löcher im Kosmos eher wie riesige Abflusslöcher wirken, die schon seit über Milliarden von Jahren nur alles in sich hinein saugen – und zwar nicht nur alle Sterne rundherum, sondern auch deren Licht. Und bei A – Löchern ist es ja, wie jedermann weiß so, dass da nur etwas rauskommt und nicht rein gesogen wird…

Ja  – und was sogar unheimlich stinkt!

Das kannst du aber laut sagen, Caro! Das Schwarze Loch dagegen würde sogar den Gestank in sich hineinsaugen! D, h. da riechste nix und siehste nix! Drum heißt es ja auch ‚Schwarzes Loch’!!

Und was ist dann ein Schwarzes Loch genau, Opa, von dem auch der Fritz dauernd quasselt?

Ja dem Fritz hab ich unlängst schon einmal davon erzählt und dass es die überall im Weltraum gibt, dass die aber niemand sehen kann, da sie ja auch alles Licht in sich hinein fressen…

Und warum weiß man dann überhaupt, dass es sie gibt?

Hm –  gute Frage! Aber man kann eben mit großen Teleskopen beobachten, wie ein Schwarze Loch über Milliarden von Kilometern andere Sterne und Planeten zu sich hinzieht und sie in ihren normalen Himmelsbahnen stört, ähnlich wie wenn man in einer vollen Badewanne den  Abflussstöpsel zieht, da bewegt sich auch plötzlich aller Badeschaum in  Richtung  Abfluss, der alles in sich hineinsaugt. Und den Badeschaum musst du dir nur als Sterne vorstellen, die alle in den Abfluss reingesaugt werden, allerdings fließen die dann nicht ab, sondern pappen hinterm Abfluss  immer dichter und fester zusammen.

Und warum saugt das Schwarze Loch so stark, Opa?

Tja Caro – weil es das tut, was ihm die allgemeine Relativitätstheorie zuflüstert!

Und was flüstert diese Relavatitätstheorie – oder wie die heißt?

Die sagt, also vielmehr der Herr Einstein, der diese Theorie ausgearbeitet hat, sagt, dass ein so genanntes Schwarzes Loch, wenn es schon drei Sterne von der Größe unserer Sonne in sich hineingestopft hat, immer unersättlicher wird und auch alles weitere aus seiner Umgebung anzieht und in sich hinein frisst, bis es nach etwa fünfzig Sonnen und  mehr eines Tages explodiert…

Und wann passiert das?

Na ja das dauert schon ein paar Milliarden Jährchen! Also wir erleben das nimmer, Caro!

Hm – und würde dieses Schwarze Loch auch den blöden Torsten verschlucken.

Natürlich – man müsste ihn nur nahe genug hin stupsen…

Das wär super, Opa, dann hätte ich endlich meine Ruhe in den Pausen

Oh – oh! Caro du bist ganz schön brutal!

Mir egal…

Das sollte es dir aber nicht sein – wenngleich der böse Torsten vermutlich gar nix spüren würde, wenn er da in das Schwarze Loch rein flutschte.

Und warum spürt der nix, Opa?

Das erzähl ich dir, wenn du den bösen Torsten am Leben lässt, in ein paar Tagen einmal – aber jetzt muss ich kochen, Caro. Ich hab nämlich der Oma versprochen, dass ich heute für uns alle Schnitzerl mit Erdapfelsalat mache…

Super Opa, da freu ich mich schon drauf – und dem Schwarzen Loch geben wir davon nix, gell?

Überhaupt nix bekommt dieses Schwarze Loch von uns  – das soll ruhig einmal ein paar Tage fasten nach ihren dreißig oder vierzig Sonnen in den letzten Milliarden Jahren!!

KH

PS: Und in spätestens zwei Wochen erzählt dieser Opa seiner Caro und dem Fritz, wie diese komische Relativitätstheorie dafür sorgt, dass dieser böse Torsten leider oder lieber Gott sei Dank, nichts spürt, wenn er im gierigen Schwarzen Loch verschwindet.

Roland Dürre
Sonntag, der 3. November 2019

Datengipfel.

Unterwegs in dieser Welt.

Wir schreiben den 3. November. Ich gehe raus. Muss mal an die frische Luft. Eine düstere Welt. Die Tage sind kurz, die Nächte lang. Das Wetter fühlt sich nass an und eine klamme Kälte umarmt mich. Schlimm genug! Aber dann passiert mir der GAU. Zurück in der warmen Stube verirre ich mich auf die Website der Bundeskanzlerin.

Als moderne Digitalisiererin legt sie ihren Kalender offen. Gestern und vorgestern war sie auf Einladung des indischen Premierministers Narendra Modi in Neu-Delhi. Da hat sie in Deutsch-Indischen Regierungskonsultationen die strategische Partnerschaft sowie die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Digitalisierung, Wirtschafts- und Handelsfragen sowie Entwicklung und Nachhaltigkeit vertieft.

Da freuen wir uns doch alle!

Zurück von Indien war sie auch heute fleißig. Kanzlerin Merkel hat gleich mal ein paar warme Worte an den langjährigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank Draghi zur Verabschiedung aus seinem Amt gerichtet: „Die Europäische Zentralbank (EZB) hat während deiner Präsidentschaft einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität dieses Euroraums geleistet.“

Draghi – wir danken dir!

Dann war Kanzlerin Merkel beim Festakt zum Jubiläum des DGB. Der feiert nämlich 70-jähiges Bestehen. „Seit jeher setzt sich der Deutsche Gewerkschaftsbund für soziale Gerechtigkeit und bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ein“.

Und sie hat sich wahrscheinlich klammheimlich gefreut, dass dieser Bund so einen schönen Nagel am Sarg der SPD abgibt. Wahrscheinlich aber auch für Themen wie #newwork und kreative Arbeitsformen.

Da fällt mir ein, dass vor ein paar Tagen der Digitalgipfel war (da wo der Dicke von der Bühne gestürzt ist und dann nicht mit nach Indien fahren konnte). Früher war ich da öfters eingeladen (beim Digitalgipfel) und habe mich immer gewundert, was da die Damen und Herren zur Digitalisierung sagen. Und gelangweilt.

Da werde ich neugierig. Wo ist die Seite Kanzlerin bei Digitalgipfel? Und werde auch schnell fündig: Hier ist sie!

Schon die Überschrift erfreut mich:

Datensouveränität ist höchstes Gebot!

Endlich wissen wir, was die BRD am dringendsten braucht!

Dann lese ich:
„Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte beim diesjährigen Digitalgipfel, dass all unsere Werte auch in der digitalen Welt Gültigkeit haben müssen. Sie betonte vor allem die Arbeitswelt, Gesundheit und Ethik. „Die Humanität unserer Gesellschaft muss auch in der digitalen Welt selbstverständlich bleiben“, sagte die Kanzlerin in Dortmund.“

Da wird es mir doch gleich warm ums Herz. Oft habe ich den Eindruck, dass die Humanität in der realen Gesellschaft stört und dort vom Aussterben bedroht ist. Na vielleicht überlebt sie ja in der digitalen Welt. Dann könnten wir uns auch in diese zurückziehen, wenn es in der realen zu schlimm wird. Nur was ist das, die digitale Welt? So etwas wie der christliche Himmel? Gibt es neben dem C-Himmel auch noch einen e-Himmel? Was machen wir mit der Humanität, wenn es die beide nicht gibt.

Wir kriegen auch ein großes Versprechen:
Keine Angst Bürger – jetzt kommt das Projekt Gaia-X! Das ist eine vernetzte Dateninfrastruktur, also eine sogenannte Daten-Cloud, auf europäischer Ebene. Als Basis für Smart-City-Datenplattformen als Infrastrukturen für vernetzte Städte und Regionen.

Da atme ich auf, jetzt wird doch alles gut. Wir kriegen smarte Citys und vernetzte Regionen. Zwar stehe ich mit dem Begriff „smart“ auf Kriegsfuß. Und die schöne Metapha GAIA für eine simple Cloud zu missbrauchen, finde ich auch nicht angemessen. Aber man darf halt nicht zu kritisch sein.

Aber folgender guter Rat für uns digitale Konsumenten hilft uns auch in der smarter City in vernetzter Region:

Merkel warnte davor, sich bei der Speicherung und dem Austausch solch sensibler Informationen in die Abhängigkeit der großen Konzerne zu begeben!

Was für ein toller Satz. Da lerne ich dazu und warne Euch alle:
Begebt Euch beim Besorgen Eurer Lebensmittel nicht in die Abhängigkeit der großen Konzerne! Also kein Nestlé oder Mars, kein Aldi oder Rewe mehr!

Nach der Lektüre der Website unserer Kanzlerin bin ich richtig froh, dass die meisten Inder und Chinesen kein Deutsch können. Wenn die das lesen würden. Dann würden sie vom digitalen Deutschen nichts mehr halten. Haben sie doch schon vor einem Jahrzehnt bei meinen Aufenthalten in Neudehli und Mumbai mir in typisch indischer Arroganz erklärt, aus was für einem rückständigen Land ich kommen würde.

RMD

P.S.
Für Nichtwissende:
Der Digitalgipfel der Bundesregierung ist die zentrale Plattform für die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung des digitalen Wandels. 2019 steht er unter dem Motto „PlattFORM DIE Zukunft“ und will Impulse bei der Entwicklung und Anwendung digitaler Plattformen setzen. Dabei sind ausdrücklich auch noch kleine Projekte und Start-ups gemeint.

Roland Dürre
Samstag, der 2. November 2019

POLITIK.

So sehen mich Christian und Daniel (©
Visual-Braindump) – zumindest 2016 auf dem letzten PM_Camp in Dornbirn.

In meinem Artikel Wachstum habe ich mich beklagt, dass „die Politik“ so wenig macht, um den Planeten als unsere Lebensgrundlage zu bewahren. Und das „wir“ jetzt alles machen sollen.

Das ärgert mich. Denn ich verliere die Lust, mich für den Klimaschutz einzuschränken, wenn ich faktisch nur relativ wenig beitragen kann, aber die Solidarität derjenigen vermisse, die mit einfachen Maßnahmen viel mehr bewirken könnten als ich und die ja auch den gesellschaftlichen Auftrag dazu hätten.

Zu diesem Artikel habe ich in einem anderen Forum folgenden Kommentar bekommen:


Nun, ich frag´ mal nach:

WER ist „die Politik“?

WER ist „wir“?


Das hat mich getroffen! Denn versuche ich immer, pauschale Formulierungen zu vermeiden und die Dinge möglichst präzise beim Namen zu nennen.

Und dann schwafle ich von Allgemeinplätzen wie Politik und wir. Ärgerlich! Deshalb hier ein kritischer Versuch zu erklären, was ich unter „Politik“ und „uns“ verstehe.


WER ist „die Politik“?

Politik bezeichnet eine feudale Kaste, die man wohl in allen Staaten antrifft. Deren Mitglieder nennt man Politiker. Bis auf ein paar reiche populistische Ausnahmen, leben Politiker in der Regel von der Allgemeinheit.

Sie haben die Oligarchie der Parteien (Jaspers) als Herrschaftssystem kreiert und manifestiert. Ihre Herrschaft rechtfertigen sie, weil sie durch Wahlen demokratisch legitimatiert wären. Wobei Wahlen in der Regel die gewinnen, die sich die besten (und teuersten Berater) leisten können.

De fakto sind sie aber gar nicht an der Macht, sondern setzen nur die Interessen von Wirtschaft und Kapital um, die ihnen von den Lobbyisten detailliert vorgegeben werden (und den Politikern auch den Wahlkampf finanzieren).

WER ist „wir“?

Wir sind Gemeinsamkeit der Menschen, die einem oder mehreren sozialen Systemen konkret  angehören, die von der Politik administriert werden.


Ich glaube, dass erklärt die Misere. Meine These, dass gutes Marketing nicht nur Umsatz bringt sondern auch Wahlen gewinnt, war ja wohl bei der Brexit-Abstimmung richtig.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Oktober 2019

Der zweite große Fehler.

Vor kurzem habe ich einen schweren Architektur-Fehler in unserem gesellschaftlichen Konstrukt aufgedeckt. Es ist die juristische Gleichstellung von „natürlichen Personen“ (ein Mensch, der rechtsfähig ist) mit „juristischen Person“ (virtuelle Gebilde, wie Unternehmen mit Rechtsformen wie „GmbH“, „AG“ oder ähnlich).

Mit Gleichstellung habe ich z.B. gemeint, das alle „Personen“ (natürliche wie juristische) das selbe Recht an Eigentum haben. Dies hat zur Folge, dass Konzerne immer reicher werden und so immer weniger Menschen immer reicher und der Rest ärmer wird.

Wir brauchen da eine Reform. Besonders wenn es in Zukunft rechtsfähige Roboter geben wird wie z.B. autonome Autos, die ja tanken wollen. Die würden ja wahrscheinlich auch nicht natürlichen Personen gleich gestellt werden und sollten deshalb nur eingeschränkt rechtsfähig sein. Und das sollte so auch für „anonyme Gesellschaften“ gelten.

Heute will ich einen anderen eher „operativen“ System-Fehler beschreiben. Dazu weise ich auf die Buchbesprechung in meinem letzten Beitrag hin. Da habe ich vom Buch Sei anders, sei Du selbst von Jolly Kunjappu berichtet.

Jolly vermittelt in diesem Buch unter anderem, dass eine aufgeklärte Gesellschaft mündige Bürger braucht, die eigenverantwortlich und autonom leben wollen und sich nicht von externen Vorgaben und Dogmen steuern lassen.

Zu Begriffen wie Manipulation, Werbung und Marketing fällt mir als erstes das Internet an. Alphabet (Google) lag in 2018 beim Kriterium „Marktkapitalisierung“ weltweit an vierter Stelle. Und mit was verdient Google sein Geld? Überwiegend mit Marketing. Und was ist Marketing? Manipulation, die uns dazu bringt, nach fremden Vorgaben zu leben.

Aber nicht nur Google lebt von Marketing. Alle Unternehmen in der Liste der größten Unternehmen stecken Unsummen ins Marketing. Nur so können sie ihre beherrschende Stellung verteidigen und ausbauen. Das schlägt sich dann in den Medien und im öffentlichen Raum nieder. Gerade dort wird richtig aufgerüstet.

Es gibt auch andere Kanäle. Viele Anwendungen wie zum Beispiele Computerspiele gibt es „gratis“. Die sind aber nicht umsonst sondern zwingen den Nutzer als Gegenleistung Werbung anzuschauen. Und seine Daten abzuliefern. Damit man ihn noch besser manipulieren kann.

Auch in der Politik spielt Marketing eine große Rolle. In der Demokratie gewinnt eine Partei deutlich mehr Stimmen, wenn sie ein gutes Marketing macht. So werden Wahlen nicht von Werten und Programmen gewonnen, sondern von Marketingunternehmen und Beratern, die dem Politiker erklären, wie er sich am besten darstellen muss. Und die besten Selbst-Darsteller gewinnen. Sind diese vom falschen Flügel, werden sie als Populisten beschimpft.

Und die Bundesministerium vermarkten ihre kleinen „Erfolge“ auf großen Plakaten – auch wenn diese gar nicht so beeindruckend sind.

Zusammenfassend finde ich es tragisch, wieviel menschliche Kraft  wie Kreativität und wie viele Stunden Arbeitszeit dazu verwendet werden, um Menschen mit Glücksversprechungen zu betrügen und so zu sinnlosem Konsum verführen.

Zum Schluß eine selbst erlebte Geschichte  zum Thema Marketing:

 


In Unterhaching war viele Jahre die Europazentrale von Wrigley angesiedelt. Wrigley gehört zum Mars-Konzerns. Mars ist ein ganz Großer in der „Food-Branche. Nicht ganz so gigantisch wie Nestlé, aber auch nicht zu unterschätzen.

Vor einiger Zeit war es eine schlechte Nachricht für Unterhaching, dass die Wrigley-Zentrale nach London verlegt wurde. Dies schien wegen des drohenden Brexit eine nicht ganz schlüssige Entscheidung. Um so überraschender war es, dass Mars alle Zentralen seiner europäischen Tochterunternehmen nach London verlegte.

Durch Zufall traf ich mal einen Top Manager des Food-Konzern. Dieser konnte mich aufklären. Ich zitiere:
„In unserem Business (Anmerkung: Food) kann man nur noch margenträchtig verkaufen, wenn man das beste Marketing der Welt hat. Und die besten Marketing-Firmen Europas sitzen in London. Mit diesen müssen unsere Top Manager eng zusammen arbeiten. Und deshalb müssen sie in London sitzen“.


Ist das nicht entsetzlich? Man kann Nahrungsmittel nur noch gut verkaufen, wenn man extrem gutes Marketing dafür macht! In was für einer Welt leben wir?

Mein Reaktion:
Ich mache um Produkte, die aufwändig beworben werden, wenn irgendwie möglich einen großen Bogen. Das funktioniert ganz gut. Und wenn an den Bahnhöfen Deutschlands auf den Monster-Bildschirmen ein neuer Schokoladenriegel flimmert, dann nehme ich mir ganz fest vor, diesen nie in meinem Leben zu essen geschweige denn zu kaufen!

Weil es so schön ist:

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Oktober 2019

Sei anders, sei Du selbst!

Ein Bild, das man sich lange anschauen kann.

Heute möchte ich ein besonderes Buch besprechen.

Der Autor ist mein Freund Jolly Kunjappu, den ich als meinen Bruder im Geiste kennen gelernt habe. Wir sind beide für Frieden und lehnen Feindseligkeit und Gewalt ab. Wir leben beide sehr gerne und achten die Schöpfung. Uns graut beiden vor Ideologien und dogmatischem Handeln. Wir wünschen uns Respekt. Wir wollen immer konstruktiv handeln und dabei kritsch bleiben. Es könnte sein dass wir beide Rebellen sind. …

Das Buch habe ich schon in einer frühen Fassung lesen dürfen. Ich habe schon damals keine einzige Aussage gefunden, der ich innerlich widerspreche. Jetzt ist es erschienen und ich habe es noch mal gelesen. Wow, es hat sich gemausert.

Das Buch ist eigentlich mehrer Bücher. Je nachdem wie man es liest, ist es eine Biographie. Oder ein Buch, das hilft, das eigene Leben zu gestalten. Es ist aber auch ein Buch für Führungskräfte. Oder ein Buch für Eltern. Oder Partner (z.B. in einer Beziehung). Oder für Heranwachsende, die vielleicht in der Pubertät die Welt und ihr Leben in dieser Welt nicht mehr verstehen. Oder als Vorlesebuch für Kinder, denen noch nicht die Weisheit geraubt wurde.

Zum Inhalt:
Jolly ermuntert und zeigt uns den Weg, wie wir zu uns selbst finden und unser Leben autonomer führen können. Das aber auf sehr unaufdringliche und respektvolle Art und Weise. Am eigenen Erleben schildert er, wie der Weg zum eigenverantworteten Leben gelingen kann. Dass es ein Weg ist, der oft uns nicht als leicht erscheint, für den wir jedoch reichhaltig belohnt werden.

Er erzählt von dem alten englischen Verkehrsschild
STOP – LOOK – GO!
und sieht das als Metapher für ein Leben des
ANHALTEN – BETRACHTEN – LOSGEHEN!

Er begründet, warum es Sinn macht, willens und fähig zu sein, die Entfaltung von eigenem und fremden Leben zu mehren. Und es ist das einzige mir bekannte Buch, dass nicht nur die Lösung aufzeigt, sondern auch klar macht, wie wir Menschen ganz selbstverständlich in Unfreiheit gelangen.

Und weil gerade Weihnachten ist:
Das Buch ist ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Auch von außen hochwertig und es kostet nur 15 €! Es liest sich spannend und macht glücklich. Es braucht nicht viel Platz und ist nicht schwer zu tragen. Und wird den meisten Menschen gefallen und nutzen.

Es gibt aber auch eine Warnung:
Es könnte sein, dass es bei sehr „konservativen“ Menschen nicht gut ankommt. Wenn sie also einen Mr. Hyde kennen, dann schenken Sie es ihm nur, wenn sie feindselige Gefühle hegen und diesen ärgern wollen.

RMD

P.S.
Wer Jolly erleben will, dem empfehle ich unser Video
FRIEDEN.

 

 

 

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Oktober 2019

Wasser predigen, Wein trinken.

In Bayern24 findet sich ein interessanter Artikel mit der Überschrift

E-Scooter in Bayern: Von Verkehrswende keine Spur

Zusammengefasst ist die Aussage des Artikels, dass ein mit dem E-Scooter gefahrener Kilometer grob gerechnet genauso viel Kohlendioxid und Umweltschaden verursacht wie ein mit dem Auto zurück gelegter.

Zwei K2-Scooter, nach der Jahr- tausendwende gekauft und bald 20 Jahre gerne von allen Familien- mitgliedern genutzt. Jetzt beginnen sie, den Enkeln Freude zu machen.

Ich zitiere auszugsweise Aussagen aus dem Artikel, der eine Einschätzung der Situation mit den E-Scootern nach vier Monaten widergibt:


… Ein Baustein für die Verkehrswende wird der E-Scooter nicht. Dafür fällt die Klimabilanz viel zu schlecht aus
… laut einer Studie des Mobilitätsberaters „civity“ werden die Roller vor allem für Fahrten von unter zwei Kilometern benutzt – eine Strecke, die die Befragten sonst zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt hätten
… Die Hochzeiten der Nutzung sind abends und am Wochenende – ein Hinweis, dass die Roller eher für Touristentrips und Spaßfahrten
… Eine Alternative zum Auto? Eher nicht …

… Klimasünder E-Scooter? Eher schon …
„Zum einen kann man sagen, was verbraucht die Fahrt eines E-Scooters? Das ist im Vergleich zum Auto geringer. Wenn man aber das nächtliche Einsammeln und die Produktion miteinrechnet, kann man sagen: 100 Kilometer mit dem E-Scooter verbrauchen ungefähr so viel wie mit einem benzinbetriebenen Durchschnittsauto.“ (Quelle Green City) …
Der Leihscooter hat laut Hersteller eine Lebensdauer von rund einem Jahr, auch der Akku, der – anders als beim E-Bike – fest im Roller verbaut ist. Danach muss der Akku recycled werden, die Alu-Teile des Rollers werden Ersatzteile für Reparaturen …

Fast zynisch empfinde ich die Stellungnahme der Landeshauptstadt:

Die Stadt München ist nach vier Monaten trotzdem zufrieden. Sie bekommt Nutzungsdaten von den E-Scooter-Verleihern: Gefahrene Kilometer, durchschnittliche Fahrtdauer, besonders frequentierte Gebiete. Und solche Daten sorgen vielleicht am Ende dafür, dass Fahrradwege breiter und Straßen enger werden. Dann hätte der E-Scooter seinen Beitrag zur Verkehrswende doch noch geleistet.


Und ich zweifel mal wieder an unserer Politik. Diese aktuellen E-Scooter sind doch für uns in der BRD so etwas wie ein neues Produkt. Und da hätte man doch (siehe den rot markierten Text) Zulassung des Produkts eine Vorschrift erlassen können, dass die Reperarturfreundlichkeit sicher stellt.

So wie Ralf Klagges (der Gründer meiner Lieblingsradfahr-Manufaktur Utopia) dafür sorgt, dass bei den Akkus an seinen E-Fahrräderne auch die Zellen, die Steuerung und der GMS/GPS-Teil im Akku relativ einfach getrennt ausgetauscht und repariert werden können. Das sind übrigens Akkus, die das holländische Unternehmen Van Raam herstellt aber gemeinsam mit Utopia entwickelt hat.

Aber solche simplen Gedankengänge sind für die Herren Minister und Ministerialdirigenten im Bundesverkehrs- und sonstigen Ministerien dann doch wohl zu komplex.

Und dann wird halt beteuert, dass man den Planeten schützen will. Aber wenn neue Mobilität zugelassen wird spielt das keine Rolle mehr.

So wie man angekündigt, dass die Bahn preiswerter werden und ihr Angebot erhöht werden soll aber in der Realität die Preise steigen und die Verbindungen reduziert und schlechter werden.

Und weiter Wachstum über ALLES stellt. Eine große Idiotie, die glücklicherweise immer mehr Menschen nicht mehr mitmachen wollen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 22. Oktober 2019

Ein Hauptfehler unserer Gesellschaft!?

In unserer hoch entwickelten und so zivilisierten und kultivierten Gesellschaft läuft vieles falsch.

  • Der Gegensatz von arm und reich wird immer stärker.
  • Die Hälfte des Vermögens der Welt gehört immer weniger Eigentümern, aktuell spricht man von zirka fünfundzwanzig.
  • Immer wieder werden grausame Kriege geführt.
  • Die einen verfetten, die anderen verhungern.
  • Auch in Demokratien wird der Wille der Mehrheit missachtet, wenn er der Position der Mächtigen widerspricht.
  • Der Planet geht kaputt und keinen störts.
  • und so weiter …

 
Dafür muss es doch Ursachen geben. Da fallen mir menschliche Schwächen ein. Da gönnte die Gier und der Neid dabei sein, das unbedingte „Haben Wollen“ und der Egoismus. Denen steht aber so viel Positives und Liebenswürdiges gegenüber, dass es das allein eigentlich nicht so sein kann.

Ist doch ganz einfach!

Ich habe viel darüber nachgedacht und einen massiven gesellschaftlichen Konstruktionsfehler gefunden. Es geht um die Rechtsfähigkeit. Ich zitiere die Definition aus Wikipedia:

Rechtsfähig ist, wer über Rechte und Rechtspflichten verfügt und deshalb rechtsgestaltende Handlungen vornehmen kann.

Aha! Das klingt einleuchtend. Denn das ist ja die Basis unserer Zivilisation.
Ich zitiere weiter aus Wikipedia:

Über Rechtsfähigkeit verfügen von Natur aus nur Menschen, denn sie sind Sender und Adressat der umfassten Gebote der Rechtsordnung.

Das klingt logisch.
Aber (Zitat geht weiter):

Daneben können auch Verbünde von Menschen, juristische Personen, insbesondere private Vereinigungen und öffentliche Körperschaften, von Rechtspflichten und Rechten (z. B. als Eigentümer) betroffen sein.

Das klingt sinnvoll.
Aber schon wird es kompliziert. Denn:

Wird unter „Recht“ eine Ordnung menschlichen Verhaltens verstanden,[1][2] so sind die Pflichten und Befugnisse einer juristischen Person den Menschen zuzurechnen, die in dem Verband organisiert sind, wobei die Verbandsverfassung näher bestimmt, wer welche Pflichten des Verbandes zu erfüllen hat und wer dafür zuständig ist, bestimmte Befugnisse des Verbandes auszuüben (Kompetenz).

Es gibt also natürliche und juristische Personen. Mir scheint, dass beide sehr unterschiedlich sind. Natürliche Personen sterben, ihr Lebe  hat ein natürliches Ende. Juristische Personen dagegen können ewig leben. Das ist kaufmännisch gesehen ein großer Wettbewerbsvorteil! Denn die juristischen Personen haben die selben Rechte – besonders das Eigentum – betreffend wie die natürlichen.

Das mag noch durch gehen, wenn die Menschen (Eigentümer der juristschen Person) hinter der juristischen Person noch sichtbar sind. Aber gilt das noch?

Die französische Aktiengesellschaft heißt sehr treffen „societé anonyme“. Was wird aus der juristischen Person Gesellschaft, wenn die Gesellschafter hinter der Institution nicht mehr sichtbar sind? Oder die Gesellschafter ihr Interesse an der Institution auf den „shareholder value“ reduziert haben!Oder es gar keine Gesellschafter mehr gibt, weil die Gesellschaft die Anteile an sich alle aufgekauft hat. Wenn dann noch Organe und Agenten der Gesellschaft bedingslos und kritiklos bereit sind, dem endogenen Zwecke der Institutionen zu dienen, dann kann man schnell von „anonymen juristischen Personen sprechen“, die vom Kapital gebildet werden.

Diese Überlegung könnte man weitertreiben: Was passiert wenn so eine anonyme Kapitalgesellschaft von einem Computer mit Künstlicher Intelligenz gesteuert wird?

Man sollte sich vielleicht wirklich eine Reform überlegen, die die Rechtsfähigkeit von juristischen Personen von der Rechtsfähigkeit natürlicher Personen differnziert,

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 18. Oktober 2019

Leseproben.

Vor kurzem habe ich vom Buch „Was dem Leben dient“ (RUPERT LAY LESEBUCH) berichtet.

Eigenes Bild.

Hier zitiere ich vier Texte aus dem Rupert Lay Lesebuch. Das Buch ist eine lockere Zusammenfassung,   von Definitionen, Stellungnahmen und Aussagen zu Themen, die Rupert Lay sein Leben lang bewegt haben.

Dies sind Ethik und Verantwortung, Führung und Autorität, Sprache und Kommunikation, Menschenbild und Personalität, Religion und Christentum, Wirklichkeit und Realität, die großen Systeme und Traditionen (Gesellschaft | Unternehmen | Gewerkschaften | Verbände |Kirchen | Politik), Wirtschaft und Technik.

Zu all diesem hat er konstruktiv und kritisch, oft auch revolutionär und provokativ in vielen Büchern Stellung genommen.

Im Lesebuch findet sich eine Sammlung  „best of“ zu all diesen Themen; daraus habe ich ein paar ganz kurze und längere zum Probelesen ausgesucht. Vielleicht regt das zum Weiterlesen in den Büchern an?

Redaktionelle Anmerkung:
Die zitierten Texte habe ich invers gesetzt. Alle Begriffe in den Zitaten, die mit einem Schrägstrich markiert sind wie /Begriff werden im Buch definiert


VERSCHLEIERN  (Gesellschaft)

Laut Joseph Schumpeter eine Lieblingsbeschäftigung von Politikern, seit es diesen merkwürdigen, schmarotzerischen und eigentlich völlig unnötigen Berufsstand gibt. Sie behaupten, ihr /Handeln sei uneigennützig am /Gemeinwohl orientiert, obwohl sie am Gemeinwohl nur insofern interessiert sind, sofern es ihrem Eigenwohl nicht widerspricht.

Da kann man trefflich diskutieren, aber ich fürchte, da steckt ein kräftiges Maß an Richtigkeit drin.


VF VERZÖGERUNGSFAKTOR  (Unternehmen)

Gibt an, ob die Anpassung der Unternehmensstruktur an veränderte /WEIB eher schneller oder langsamer erfolgt.

Anmerkung von mir: WEIB steht als Eselsbrücke für Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse der Menschen. Und wie schnell Unternehmen stehen bleiben können, wissen wir alle.


WENN MENSCHEN ZU AGENTEN WERDEN (Führung und Autorität)

In nicht wenigen Institutionen haben nur diejenigen Menschen eine realistische Chance, im Namen und im Auftrag der Institution zu handeln – also Führungspositionen innerhalb der Institution zu übernehmen – die nahezu kritiklos bereit sind, dem endogenen Zwecke der Institutionen zu dienen.

Ich habe in Kirche, Staat und Unternehmen nicht wenige solche uneigenützigen Diener kennen gelernt. Für den Bestand ihrer Organisation sind sie bereit, nicht nur ihr Bestes – nämlich ihr Leben, ihre  Arbeitskraft, ihr Privatleben und ihre moralischen Wertvorstellungen – zu geben, sondern auch gegen Recht und Gesetz zu verstoßen.

Quelle: Wie man sich Feinde schafft, 1994, Seite 197


DAS MITTELMAß ALS FEIND DER WEISHEIT  (Ethik und Verantwortung)

Nicht der Bösewicht ist der Schurke, sondern das Mittelmaß, wenn man die politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Dramen unserer Zeit zu betrachten oder gar aufzuzeichnen  versucht.  Schon Platons Vermutung, dass die Demokratie die Herrschaft des Mittelmaß bedeutet, hätte uns nach der Einführung demokratischer Systeme nach 1848 etwas vorsichtiger mit dieser Herrschaftsform umgehen lassen müssen. Nun, das haben wir versäumt – und so beherrschen uns in  Politik und Wirtschaft, im sozialen (etwa auch in den Gewerkschaften) und im Kulturellen (etwa in den Kirchen) das Mittelmaß.

Quelle: Weisheit für Unweise, 1998, Seite 200

 

Ich finde, dass jeder Absatz in Ruperts Lesebuch ein klares Statement ist, das inspiriert, Impulse gibt. Und zum Nachdenken anregt.

RMD

 

Und wieder schwappt eine gewaltige Welle des gefühlten Antisemitismus über das Land.

Natürlich war es wieder der „rechtsradikale Terrorismus“, der die „Allianz der Anständigen“ in ihren Grundfesten erschüttert.

Ist das so ?

Der „aktuelle“, durchgeknallte Vollidiot von Halle ist kein Terrorist, sondern ein Psychopath.   Bei der Bundeswehr ausgebildet, konnte er nicht einmal eine Synagogentür öffnen, zerschoß dafür seine eigenen Reifen und expedierte schlußendlich zwei „Volksgenossen“ zur Hölle.  Solche Idioten sind, zumal im Osten der Republik, unvermeidlich.   Interessanter wäre es da schon, zu wissen, woher der Spinner die Maschinenwaffen hat.   Sowohl der hirnlose Möchtegern-Nazi als auch der schwedische Massenmörder Anders Breivik waren begeisterte PC-Daddelspieler.   Ich bin ja gegen Verbote aller Art, aber vielleicht sollte unsere Regierung aufhören, dieses primitive Pseudogeballere auch noch als „E-Sport“ zu fördern.

Aber:   Ein solches Attentat wie das in Halle hat mit Antisemitismus nichts zu tun.  Genausowenig, wie der abendliche Besuch bei Herrn Lübcke duch einen übereifrigen Fan mit Püster einen „rechtsradikalen“ Hintergrund hat  —  jeder kann es sich heute noch auf „Youtube“ angucken:   Wenn ein Politiker einem Auditorium entgegenschleudert, „Wer nicht unser Wertesystem vertritt, der kann gehen“, der bettelt förmlich um seine Entsorgung nach Artikel 20 Grundgesetz.

 

Das große Halali auf die bösen rechten Neonazis hat einen ganz anderen Zweck:  Den Blick auf das Offensichtliche zu verstellen.

Denn der neue deutsche Antisemitismus kommt von links !

Erinnern wir uns an den Dummschmus, den Martin Walser anläßlich einer albernen Benefizveranstaltung für den deutschen Buchhandel erbrach, noch vor der Jahrtausendwende:

Die ständige Vorhaltung der Schande, die das deutsche Volk durch den Genozid auf sich geladen hat, diene nämlich nicht dazu, das Vergessen zu verhindern, sondern werde ganz bewußt instrumentalisiert, um politische Ziele zu erreichen.

Ganz großes Kino.   Und Walser bekam das erstemal seit 20 Jahren wieder einen hoch:   MARTIN WALSER AUF SEITE 1 IN BILD.   Endlich: Das gemeine Volk liest Martin Walser.   Das ist Herrn Handke trotz des Nobelpreises nicht gelungen.  Oder Thomas Bernhard.  Mit gutem Grund auch.

Schon klar, daß jeder, aber auch wirklich jeder, diesen unglaublich gefährlichen Blödsinn nachsabbelte.   ENDLICH sprach jemand laut und deutlich aus, was wohl seit Jahrzehnten in den kleingeistigen Spatzenhirnen der dummdeutschen Mehrheit gefangen war.   Der unterwürfige, feige Bundesmichel hätte sich auch nie getraut, seinen „Gefühlen“ freien Lauf zu lassen.   Weg mit der „Schande!“.

Henryk M. Broder faßte in seiner konzisen Art zusammen:

„Die Deutschen haben den Juden Auschwitz nie verziehen“.

Walsers Ausfluß bewirkte einen Dammbruch wie seinerzeit die geniale „bouncing bomb“ am Möhnesee.   Seither ist meine Scham, dem deutschen Volk anzugehören, womöglich noch größer geworden:   Der industrielle Massenmord, begangen nicht nur von einer kleinen Gruppe ideologisch verblendeter Krimineller, sondern, regelrecht freudig, von einem ganzen Volk, ist ein so bedeutendes Phänomen, daß die Narben für alle Ewigkeit offengehalten werden müssen.

Wie wichtig dies ist, zeigt die Verwandlung der „Grünen“ und „Linken“ in waschechte „Neo-Nazis“, die elementare Grundrechte anderer beschneiden, Bücher verbrennen, Mensche öffentlich denunzieren, nicht genehme Demonstationen blockieren und die Freiheit der Lehre zur Farce werden lassen.

Und keiner erkennt:  Extremismus führt nicht nach Auschwitz.   Konformismus führt dort hin.

 

Ganz kurz vor seinem Tode ist Karl Lagerfeld tatsächlich ein Satz herausgerutscht, in dem es nicht um Karl Lagerfeld ging:

„Die Deutschen haben Millionen von Juden umgebracht, und da schämen wir uns doch heute noch für. Und jetzt lässt Angela Merkel eine Million ihrer Erzfeinde ins Land.  Und damit hat Frau Merkel die AfD stark gemacht.  Das ist erbärmlich“.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

-hb