Roland Dürre
Mittwoch, der 18. September 2019

Die smarte Maske des digitalen Kapitalismus.

In den Bergen des Peloponnes auf dem Wege nach Vatyna.

Anfang der Woche kam ich zurück von drei Wochen in Italien und Griechenland. Zwei Wochen davon haben auf dem Peloponnes gezeltet. Ich hatte mir vieles vorgenommen.

Der erste Vorsatz-Block war täglich schwimmen, radeln oder wandern und das Leben zu genießen. Dieser Block ist mir so gut gelungen wie selten.

Als zweites hatte ich mir vorgenommen, ein paar Artikel zu schreiben. Besonders wichtig war mir da die Rezension eines Buches von Timo Daum, das am 7. Oktober 2019 im Oekom-Verlag erscheinen soll.

Das hat leider nicht geklappt. Eine wonnige Lethargie hatte mich erfasst. Aber immerhin habe ich das Buch zu fast zwei Drittel gelesen, Material gesammelt und bin sehr optimistisch, die Rezension vor dem Erscheinungstermin zu schaffen.

Das Buch von Timo Daum hat den Titel »Das Auto im digitalen Kapitalismus. Wenn Algorithmen und Daten den Verkehr bestimmen« und hat mich zu vielen Gedanken inspiriert. Aber dazu in der Rezension dann mehr.

Als ich erfahren habe, dass der Autor auch eine »Kritik der digitalen Ökonomie« geschrieben hat (die ich noch nicht gelesen habe aber für die er sehr gelobt wird), ist mir plötzlich klar geworden, dass es einen neuen digitalen Kapitalismus gibt. Dieser scheint mir noch mächtiger und brutaler zu sein als der uns so gut bekannte aus dem letzten Jahrhundert.

Der digitale Kapitalismus ist auch deswegen so erfolgreich, weil er das „humane Antlitz“ gegen eine »smarte Maske« getauscht hat, hinter der er sich auf geniale Art und Weise verbirgt.

Die smarte Maske soll uns glauben machen, dass Digitalisierung die Welt verbessern würde. Sie gibt dem Mega-Raubtierkapitalismus ein humanes Antlitz und verspricht uns eine saubere elektrische Welt, Gemeinwohl-Ökonomie, „shared economy“, das Teilen von Wissen, ein tolles Design, menschen- und umweltfreundliche Produkte und vieles mehr von schönen Dingen. Also ein smartes Leben in einer smarten Welt und Gesellschaft. Smart life in einer smart city. Smart, smart, smart!!! Aber in Wirklichkeit geht es mehr als je zuvor ums Geld, im alten Europa genauso wie im neuen China.

Einen neuen Begriff wie „smart“ mag ich nicht einfach so nutzen, Also frage ich mich zuerst:

Was das bedeutet eigentlich, smart?

Von einem Mitgründer von NextHamburg habe ich eine schöne Definition gehört. Er meinte, das smarte Lösungen ein soziales Ziel mit Digitalisierung lösen. Die Formel hieße:

Sozial + Digital = Smart !!!

Das klingt gut, ist aber eine Mogelpackung. Meine chinesischen Freunde sind da viel pragmatischer. Für die sind alle Produkte smart, wenn sie nur über eine WLAN-Vernetzung und einen Internet-Anschluß verfügen. Ganz gleich ob das ein Kochtopf oder eine Personenwaage ist.

Der vielleicht mächtigste und geldgierigste Konzern der new economy hat sich als handlungsleitend gegeben:
“Don’t be evil!”
Das hat uns gefallen.

Dann haben sie  die Arbeit „gamifiziert“ und die Büros zum Vergnügungspark und in eine zur Spasswelt und umgewandelt, in dem freilich härter gearbeitet wurde. Die Maske strahlt.

Auch Microsoft hat schöne Spielsachen. Sie haben schon ganz früh mit Windows, „wysiwyg“ und vor allem Solitär gepunktet. Und sie haben uns die Frage gestellt:  Where do you want to go today?

Und Apple hat den Kult zur Religion gemacht,

Wir sind darauf reingefallen. Als Programmierer hatten wir unsern leidenschaftlichen Spaß und waren überrascht, dass wir soviel Geld dafür bekamen. Unsere Stundensätze waren um ein mehrfaches höher als die der Ingenieure. Zumindest hatten die auch ihren Spaß.

Wir haben uns an Open Source und Agilität berauscht. Das „Moorsche Gesetz“ schien die Naturgesetze ausser Kraft zu setzen. Mit Themen wie Blockchain und KI werden Zukunftshoffnungen generiert, die genauerer Betrachtung nicht standhalten.

Nach dem Rausch kommt immer wieder der Kater. Noch mehr Möglichkeiten benötigen noch mehr Infrastuktur, noch mehr Energie und Rohstoffe, noch mehr (elektrische) Autos, noch mehr Konsum- und Kulturwelt. Hinter der smarten Maske lässt sich trefflich die totale Digitalisierung als Teil einer totalen Technologiesierung unserer Welt verstecken.

Und heute lernen wir, dass die Zielsetzung noch stärker als je zuvor „cash generieren“ heißt. Und das auch das Versprechen der „neuen digitalen Welt“ den „Planeten zu retten“ ein leeres ist. Und im neuen smarten Tollhaus geht es mehr als je zuvor um Wachstum und Kohle.

So definiere ich „smart“ als Strategie schnell viel Geld zu verdienen. Ein Begriff, der mit Nachhaltigkeit aber auch gar nichst zu tun hat.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 22. August 2019

Geld.

Virtuell und digital.

Im Smoking – es geht zur Gala. 

Geld fasziniert mich schon seit meiner Jugend. Nicht nur, weil man sich alles dafür kaufen kann, sondern weil es etwas Virtuelles mit sehr wichtigen Funktionen und großer Kraft und Macht ist.

Geld ist virtuell. Es braucht Glauben und Symbole. Ein fast absurder und kollektiver Glaube an den Wert des Geldes ist zwingend notwendig, soll es seinen Zweck erfüllen. Denn keiner mag etwas, das ihm etwas wert ist, ohne einen verbindlichen und gesicherten Gegenwert hergeben.

Geld funktioniert als Währung, wenn es von einem größeren Kollektiv als „wertig“ akzeptiert wird. Wenn nicht die Mehrheit der Menschen in einer Gesellschaft an die Währung glaubt, dann taugt diese nichts.

Geld hat architekturell und funktional betrachtet zwei wesentliche Funktionen.

Zuerst mal ist Geld ein

I. Zahlungsmittel,

welches den einfachen Warenaustausch vereinfacht, vielleicht sogar erst ermöglicht. Es hat aber auch eine zweite Funktion, die man sauber davon trennen sollte. Es geht um das Finanzieren in die Zukunft hinein, gemeinhin auch „Schuldenmachen“ genannt und um das „Vorsorgen“.

II. Finanzierung von Gegenwart und Versorgen von Zukunft

Hier kommt die Dimension der Zeit ins Spiel. Geld kann angehäuft werden,  um Zukunft zu sichern. Das bezeichnet man mit Sparen.

Man kann auch versuchen, die Gegenwart auf Kosten der Zukunft zu verbessern. Das heißt, ich kann eine Ware heute kaufen und bekommen und nutzen, sie aber erst (viel) später oder in Raten bezahlen. Weil ich z.B. heute kein Geld habe, aber davon ausgehe, morgen eines zu haben. Warum auch immer.

Dadurch kann ich mir ein Haus auf Pump bauen. So entsteht auch Einkommen aus Kapital oder Rechten. Ich muss nur einen Gläubiger finden, der mit glaubt, dass ich morgen meine Schulden zu einem definiertem Zeitpunkt zurück zahlen werde.

Beides – Sparen wie Schulden machen – setzt voraus, dass die Währung auch über die Zeit ihren Wert behält. Das tut sie aber selten. Bevor wir aber zum Phänomen der Inflation kommen, kommt der Zins ins Spiel.

Denn dieses Überbrücken von Zeit wurde nur möglich durch die Erfindung des Zins. Jetzt konnte der Inhaber von überschüssigen Zahlungsmitteln (einen Zustand, den man reich nennt) seine von ihm nicht benötigten Mittel einem Dritten zu geben, der sie brauchte. So konnte dieser (Schuldner genannt) sich seine Bedürfnisse erfüllten und musste dem Gläubiger für das Leihen des Geldes einen Zins zahlen. Und er konnte sich ausrechnen, wie viel teurer ihm eine Anschaffung kommt, wenn er sie sofort braucht.

Beim Thema Zins kommt sofort das Thema Inflation auf. Ist diese z.B. höher als der Zins, dann kann man durch Schulden machen reich werden – ganz ohne Arbeit. Uns so entsteht der Effekt, dass „der Teufel immer auf einen großen Haufen scheißt“. Will sagen, dass arm und reich sich ganz automatisch polarisiert.

Geld ist wie schon berichtet immer Virtuell gewesen. Das oft durch dingliche Gegenstände (Münzen, Papiernoten) präsentiert wurde. Der Inhaber von solchen Objekten konnte sich mit diesen am Eigentumsspiel beteiligen. Die Objekte waren typischer Weise besondere Gegenstände, Münzen oder Papier.

Mit dem Fortschritt der Zivilisation konnte man auch selber Geld generieren. Man brauchte nur das Vertrauen seiner Geschäftspartner. Gesetze und der Schuldturm erweiterten die Sicherheit. So konnte man Schuldverträge zum Beispiel in Form einen Wechsels erstellen und bekam  dann Waren gegen ein bedingungsloses Zahlungsversprechen, dass an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft lag.

Heute wird auf auf gegenständliche Repräsentanten von Geld immer mehr verzichtet. So wird Geld nur noch zum Eintrag in einem globalen Journal, das beschreibt, welcher Person es gehört. Das globale Journal wird durch die ein komplexes System von Banken realisiert und geführt. Das dieses Journal mittlerweile nicht mehr auf Papier sondern digital geführt wird, ist der ganz normale technologische Fortschritt.

Mit Blockchain-Technologie wird der Versuch unternommen, diese Buchführung digital dezentral und global und vor allem unabhängig von zentralen Dienstleistern zu erledigen, überwiegend mit verdeckten Identitäten, so dass die Eigentümer sich über ihr SW-System identifizieren können und ihre Authentizität nicht preisgeben müssen.

Mehrheitlich hängen die Währungen jedoch nach wie vor an staatlichen Systemen. Und das Geld wird von privaten Unternehmen, den Banken, verwaltet. Das ist logisch, da die geschichtliche Annahme war, dass Staate nicht zahlungsunfähig werden können, gehört ihnen doch alles und können sie sich in der Not durch ihre Bürger finanzieren.

Defacto trägt jedoch der Glaube der Bürger an „ihren Staat“ und „dessen Währung“ das System. Wenn dieser Glauben zerbricht, dann kann es mit einer Währung ganz schnell zu Ende sein. Und das ist schon oft eingetreten und hat dann immer zu katastrophalen Folgen geführt.

Auch moderne Währungen wie Dollar, EURO oder der Renminbi können also kaputt gehen. Auch wenn das uns unvorstellbar erscheint, kann das ganz schnell gehen. Ohne die Funktion von Geld ist wirtschaftliches Leben nicht vorstellbar.

Gedankenexperiment:
Was passiert dann?

Die Antwort erscheint einfach.
Es müssen neue Währungen entstehen. Die notwendige Bedingung ist, dass die Menschen an diese glauben. Der kann am ehesten in gleichgesinnten Gruppen entstehen.

Das müssen nicht immer unbedingte staatliche Gruppen sein. Sondern sollten möglichst große Communites sein. Die größten Communities finden wir im Internet. So erscheint der Gedanke an große Internet-Unternehmen als Träger solcher Communities eigentlich nur logisch.

So sehe ich eine Facebook-Währung (als Beispiel) in einem anderen Licht. Und meine, dass es gut wäre, wenn solche Währungen schon mal vorbereitet werden würden. Einfach als Ersatz, wenn Dollar, EURO oder Renminbi (oder alle gemeinsam) mal doch kaputt gehen.

Um es klar zu sagen:
Es könnte sein, dass die bei uns so diskrimierten und bekämpften Währungen wie LIBRA plötzlich zu Rettern des weltweiten wirtschaftlichen Lebens werden. Wenn z.B. die großen drei Währungen zusammenbrechen, wohin sollen wir dann unser Geld sonst bringen?

Das könnte schneller gehen als es uns lieb ist.

Noch eine Abgrenzung von Libra oder ähnlichen Währungen zu Bitcoin:

Facebook will letztlich eine Glaubengruppenswährung organisieren. LIBRA dürfte eine ganz klassische nur digital verwaltete Währung werden. Die nichts mit einer Kryptowährung zu tun hat. Bitcoin ist etwas ganz anderes – da ist das hervorstechende Kriterium, dass die Eigentümer über ihre Software und ihre Zugangsdaten hinter Identitäten verborgen sind und so anonym bleiben. Anonymes Eigentum erscheint mir in unser Gesellschaftlich aber nicht mehr als erwünscht. Und diese ist sogar bei Bitcoin nur theoretisch realisierbar. Allein schon die „Miner“ stehen da davor.

Und vielleicht noch eine zynische Frage. Auch die katholische Kirche könnte ich mir gut als Provider für eine Internet-Währung vorstellen. Ihr vertrauen immer noch sehr viele Menschen – und sie hat ein tolles Argument – das Unternehmen existiertt es seit mehr als 2.000 Jahren erfolgreich.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 17. August 2019

Wachstum.

Nicht nur beim Schach sollte man ab und zu mal denken.

Es erscheint klar, dass die Menschheit, also wir alle, WENIGER produzieren muss. Das meint,

– weniger Autos

– weniger Flugzeuge

– weniger Panzer

– weniger Maschinen

– weniger Straßen

– weniger Elektrogeräte

– weniger Gebäude

– weniger Beton und Teer

– weniger Kriege

– weniger Plastik

– weniger Müll

– weniger Fleisch

– weniger CO2 …

– und so weiter.

Natürlich müssen wir auch weniger Öl, Kohle und Gas und weniger Boden und Natur verbrauchen oder besser „nicht zerstören“. Wahrscheinlich sollten wir auch aufhören, Stauseen anzulegen, ist deren Schaden doch meistens groß und der Nutzen langfristig oft sehr fraglich. Und allgemein die großen Eingriffe in die Natur komplett einstellen.

Für diese Liste, was wir alles WENIGER tun sollten, sehe ich viel WACHSTUM. Ganz allgemein, weniger Unsinn machen!

Das heißt, uns ist klar dass es mit dem Wachstum als Allheilmittel vorbei ist. Jede Nachricht, dass die Wirtschaft wächst ist so eine schlechte Nachricht, und die Kunde vom „negativem Wachstum“ tut gut.

Nach wie vor ist das ganz große politische und wirtschaftliche Ziel WACHSTUM! Und was machen die Institutionen der Menschheit, wie die Regierungen und Notenbanken? Weltweit wird durch Geldmarktpolitik versucht, das Wachstum zu stützen, ja zu erzwingen. Da wird sogar zu eigenartigen Werkzeugen wie „negativen Zinsen“ gegriffen. Um das große Feuer der Wirtschaft um jeden Preis an zu blasen.

Der Brexit ist ein gutes Beispiel. Wenn ich die Brexit-Kritiker höre, dann ist ihr Hauptargument gegen den Brexit, dass der Brexit nicht nur den Wohlstand und das Wachstum der Briten sondern das von uns allen reduzieren würde. Aber das wäre doch dann gut für die Welt? Dann könnte man zum Schluss kommen, dass wir ganz viele „Brexits“ und eine ganz andere und sehr alternative Form von Globalisierung bräuchten.

Dem Wachstum zu Liebe haben wir Negativzinsen. Die bewirken aber keine „soziale Gerechtigkeit, im Gegenteil sie schaffen eine noch stärkere Polarisierung von Arm und Reich. Ich habe sie ich noch nie verstanden.

Wenn ich Geld herleihe, besteht doch die reale Möglichkeit, dass ich es nicht mehr zurück bekomme. Warum soll ich also Geld verleihen, wenn ich schon von vorne vereinbart ist, dass ich zusätzlich zum Verlustrisiko weniger zurück bekomme?

Evolutionär gezwungen beginnt sich unsere Gesellschaft, sich individuell wie auch kollektiv immer mehr gegen Wachstum zu wehren. So entstehen mittlerweile sogar Gesetze, die das WENIGER einfordern. Und da die Politik nicht handeln will, appelliert sie moralisch an das die Individuen. Fliegt weniger, esst weniger Fleisch und Ähnliches prasselt es auf uns ein. Da die Politik nicht in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erledigen, wird das Problem zurück an die Bürger gegeben.

So entsteht ein schizophrenes System. Unser perverses Wirtschaftssystem kommt mir metapherhaft wie eine Dampfmaschine vor. Die Zentralbanken und die Politik heizen an und erhöhen den Druck im Kessel. Die Menschen versuchen die von der Dampfmaschine angetriebenen Maschinen mit Widerständen zu versehen um den Wahnsinn zu bremsen.

Normalerweise zerreißt es dann die Anlage und alles fliegt in die Luft. Als Folge eines ganz normalen Systemversagens.

Ob es innerhalb des Kapitalismus allerdings überhaupt die Möglichkeit gibt, aus der wachstumsfixierten Umweltzerstörung auszubrechen und eine Abkehr vom fossilen Raubbau hin und zu einer nachhaltigen zirkulären Ökonomie zu erreichen, ohne die Grundprinzipien des Kapitalismus selbst infrage zu stellen, ist mehr als fraglich.

Aber warum ist das mit dem WENIGER nur so schwierig? Meine persönliche Erfahrung mit dem WENIGER ist sehr positiv. So denke ich mir: Wie schön wäre ein freiwilliges, kreatives und kollektives WENIGER.

Weniger Lärm, weniger Müll, weniger Zerstörung. Das wäre dann eine große Transformation mit viel Veränderung, auch der regierenden kapitalistischen Metrik. Bei so einem innovativen Prozess würde viel zerstört werden. Denn Innovation ist kreative Zerstörung.

Allerdings muss irgendjemand die Transformation steuern und versuchen die Folgen zu lindern. Wer könnte das nur sein?

Die Politik? Dort wird gerade über den Soli diskutiert. Vielleicht wäre es eine gut Idee, diesen nicht abzuschaffen sondern umzuwidmen. Vergessen wir die Wiedervereinigung. Und nutzen den Soli, um den Absturz der absehbaren Opfer der zur Rettung des Planeten notwendigen Transformation ein wenig abzufangen. Die und ihre Folgen dürften nämlich heftiger werden als das bisschen Wiedervereinigung.

Die Transformation kommt sowieso! Und wenn wir uns nicht endlich mal selber daran machen und sie weiter aufschieben, dann kommt sie ganz von selbst, wahrscheinlich dann ziemlich disruptiv und wird uns noch härter treffen.

Das permanente Verschieben von Aufgaben, die man dringend angehen sollte, nennt man übrigens Prokrastination. Unsere Politiker sind also Prokrastinatoren.

RMD

Roland Dürre
Sonntag, der 11. August 2019

Die CLOUD im Theater.

Das ist ein Stück zur Digitalisierung!
Und was für eines!

Das Torturmtheater zu Sommerhausen.

Theater ist ein wichtiges Bestandteil meines Lebens. Ich brauche es förmlich. Es muss nicht pseudo-modern sein. Mich begeistert auch kein pompöses Gesamtkunstwerk mit technisch aufwändigen Audio- und Video-Produktionen.

Mir ist ehrliches Theater am liebsten. Gern bin ich nah dran an Bühne und den Schauspielern. Wenn diese „gute Handwerker“ sind, die ihre Rollen verstehen und mit Leidenschaft spielen, dann ist das für mich etwas Großartiges. Besonders wenn das Stück dann auch noch etwas taugt.

Zurzeit habe ich drei Lieblingsbühnen. In München sind dies das Volkstheater und das Metropol. Ganz besonders liebe ich aber das Torturmtheater in Sommerhausen, unweit von Würzburg.

Im Torturmtheater fängt das Besondere schon bei den Stücken an. Jedes Jahr wählt Angelika Relin, die das Theater leitet und da für irgendwie alles zuständig und verantwortlich ist, vier zeitgenössische Stücke aus. Diese zeichnet aus, dass sie Themen mit herausragender Aktualität behandeln und sich wunderbar ergänzen. Im Jahre 2019 ist das schon mit den ersten drei Stücken wieder hervorragend gelungen.

Zum Frühling gab es:


Bilder einer großen Liebe
von Wolfgang Herrndorf.

Bilder Deiner großen Liebe.

Das war ein großartiges Ein-Personen-Stück. Ich habe in  einem Artikel von meinem Besuch berichtet.

Das Mädchen Isa, gespielt von Isabel Kott, berichtet sein Leben – wie ein aus dem Himmel gestürzter Engel.

Isa ist ein aus dem Erziehungs-Heim ausgerissenes Mädchen, dass ohne Geld und Ziel durchs Leben streicht und wahrscheinlich auch stricht.  Isa weiß, dass sie offizielle geisteskrank ist. Nur, alles was sie erzählt kommt dem Zuschauer vernünftiger vor als das meiste von dem, was er täglich erlebt.

Im Erfolgsroman TSCHICK des Autors des Stückes hat das Mädchen Isa nur eine Nebenrolle, im Stück erzählt sie ihr Leben.

Das war ein großartiget Theaterabend in 2019, den uns das Torturmtheater, Angelika Relin, Eos Schopohl (Regie) und Isabel Kott und das ganze Team uns beschert haben. Das war der aber nur erste Streich!

Weiter ging es im beginnenden Sommer mit


Lieben. feministisch
Von Samantha Ellis

Lieben – feministisch.

Das war wieder der nächste Volltreffer. Ein Knaller, der absolut in unsere #metoo-Zeit passt.

Lieben feministisch berichtet von einem Paar. Die Frau steht eigentlich auf geile Machos. Dummerweise liebt sie einen Mann, der von seiner Mutter zum überzeugten „Feministen“ erzogen wurde.

Dieser liebt sie, will sie respektieren und achten, obwohl das sogar nicht das ihre ist?

Kann das gut gehen? Eigentlich nicht.

Aber das Stück gibt eine schöne Antwort. Von Angelika Relin spitzenhaft gefunden und ausgesucht Stück, das wir dank Amelie Heller und Christian Streit (die Schauspieler) und Ercan Karacayli (Regie) genießen durften.

Und jetzt am 8. August hieß es „Vorhang auf“ für


Die Mitwisser
von Philipp Löhle.

Die Mitwisser.

Ich durfte bei der Premiere dabei sein. In diesem Stück geht es um unser Leben in und mit der CLOUD. Es geht um den gesellschaftlichen Wandel, den die Digitalisierung bewirkt.

Das ist mein Thema – arbeite und wirke ich doch schon seit 50 Jahren intensiv an der Digitalisierung  mit.

So suche ich nach der Metapher, die am besten für das steht, was die Digitalisierung individuell und sozial/gesellschaftlich bewirkt.

Ist es das Internet, das Netz oder das WebIrgendwas mit 2.0, 3.0, 4.0 oder die Cloud? Und habe mich für den Begriff der „CLOUD“ entschieden. Der trifft es am besten. Finde ich.

„Die Mitwisser“ zeigt die Welt in der CLOUD. Die liegt noch in der Zukunft liegt aber ist auch schon da. Und alle – ob Politiker oder Wirtschaftsbosse wollen und fordern Digitalisierung, obwohl sie oft gar nicht wissen, was das ist.

Im Stück zeigt wie unsere Welt in der CLOUD ausschaut, wenn sie den Algorithmen und neuronalen Netzen folgt. Dies mit großer künstlerischer Offenheit und einem klugen Maß an Kritik, aber auch in versöhnlicher Zuversicht.

Regie (Ercan Karacayli) und das Schauspieler-Team (Norbert Ortner, Anna Bomhard, Martin Herse, Malene Becker) haben das Stück von Philipp Löhle herausragend umgesetzt und zeigen, dass sie das Thema verstanden haben. Und nehmen die Zuschauer mit in eine Reise in die „CLOUD“.

Wie viele  Veranstaltungen mit mehr „oder weniger“ hochkarätigen ReferentInnen habe ich besucht! Da ging es um Digitalisierung allgemein, um die Folgen von social Media wie Blockchain und Bitcoin, Allgortithmen KI und neuronale Netze.

Und wie oft bin ich enttäuscht heimgekommen. Was da alles oft erzählt wurde, hatte mit der Realität aber auch gar nichts zu tun. Und ehrlich gesagt, meistens hatten die Referenten keine Ahnung von dem über das sie redeten. Meistens bestätigte sich die These meines Lehrers Rupert Lay, dass wir im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes leben.

Ich garantiere, dass dieses harmlose Theaterstück so viel mehr Substanz enthält als all die schrecklichen Vorträge (von Akademika, Wirtschaft und Politik), die ich gehört habe.

Und es kommt noch besser. Die Zuschauer des Stücks hatten unheimlich viel Spaß und sind alle mit großer Freude und Hochgefühl heimgehen. Aber vorher gab es im edlen Foyer des Torturmtheaters einen intensiven Gedankenaustausch gepaart mit einer gesunden Portion an Nachdenklichkeit.

Wahrscheinlich sollte man unsere ganzen Politiker, die sich täglich zur Digitalisierung bekennen und darüber schwafeln, ganz schnell ins Stücke reinschicken. Das wären dann mal gut angelegte Steuermittel.

Aber wie bekomme ich die bayerische Staatsregierung ins Torturmtheater? Wahrscheinlich schafft man es nicht einmal, die Judith Gerlach vom Bayerischem Staatsministerium für Digitales  ins Theater zu locken, weil sie etwas wichtiges Juristisches für die DSGVO oder das Urheberrecht im Internet lösen muss. Und für sie und ihre Mitarbeiter im Ministerium wäre der Besuch besonders nützlich und wertvoll.

Und am 10. Oktober ist die Premiere des vierten und letzten Stückes in 2019.


ALLES WAS SIE WOLLEN

von Matthieu Delaporte / Alexandre de la Patellèrie.

Ich bin schon gespannt!

Und bis dahin empfehle ich jedem, der an unserer Zukunft und Digitalisierung interessiert ist, den Besuch des aktuellen Stückes, das bis zum 5. Oktober im Torturmtheater gespielt wird.

RMD

P.S.
Hier der Spielplan 2019 des Torturmtheaters Sommerhausen.

Roland Dürre
Samstag, der 3. August 2019

Die Kunst des Bremsens.

 

Das Geheimnis des Hyperloop.

 

Schema des Hyperloops
(Bild aus Wikipedia)

Im meinem letzten Artikel ging es unter anderem auch um Elon Musk. Bleiben wir bei ihm und einem weiterem seiner Themen – dem Hyperloop. Auch dieser ist eines der Hochtechnologie-Projekte/-Ideen, in die Elon Musk investiert.

Dahinter steht schlicht die Überlegung, dass Landfahrzeuge in einer weitgehend evakuierten Röhre schneller bewegt werden können als an der frischen Luft. Landfahrzeuge nutzen zur Fortbewegung typischerweise Räder (Eisenbahn), können aber auch Magnetschwebebahnen oder Luftkissenfahrzeuge sein.

Das besondere am Hyperloop ist für mich, dass es als Open Source Projekt entwickelt wird, d. h. die technologischen Erkenntnisse Allgemeingut sind. Dazu gibt es einen Wettbewerb, der jährlich in der Röhre einer sich in Los Angeles befindlichen Teststrecke ausgetragen wird. Diesen Wettbewerb gewinnt das Fahrzeug, das die höchste Maximalgeschwindigkeit erreicht. Die Teilnehmer sind überwiegend Teams von Universitäten.

Die TU München hat diesen Wettbewerb mehrfach gewonnen. Auch in diesem Jahr wieder. Das finde ich sehr beeindruckend. So habe ich die Frage gestellt, „wie kann ein Team aus dem technologisch und digital nicht mehr so führendem Deutschland solch einen Wettbewerb gewinnen?“

Die Antwort, die ich bekommen habe, war verblüffend einfach:
Die Länge der Teststrecke ist endlich. Bisher rasen die Pods durch eine nur 1.200 Meter lange Röhre. Und das Team von der TU hat schnell erkannt, dass die erreichte Spitzengeschwindigkeit mit der der Zeit und Strecke, die man zum Beschleunigen nutzen kann, korreliert. Das erste Ziel muss also sein, die Bremsstrecke zu minimieren, damit man möglichst viel Meter zum Beschleunigen hat.

Und – dieser zynische Einwurf sei mir gestattet – beim Bremsen sind wir Deutsche bekannter Weise richtig gut. Also hat das Fahrzeug WARR der TUM (man beachte die Namensgebung) dank einzigartiger Bremstechnologie die beste Bremsleistung aller teilnehmenden Fahrzeuge und kann so noch beschleunigen wo die Konkurrenz schon wieder abbremsen muss.

Für seinen Hyperloop-Wettbewerb 2020 plant Elon Musk eine rund zehn Kilometer lange Röhre mit Kurve. Da könnte der Bremsvorteil von WARR nicht mehr so wesentlich sein.

Trotzdem wird weiter gelten:
Wer schnell sein will, muss erst lernen zu bremsen. Denn da der Weg begrenzt ist, geht es darum möglichst viel vom Weg zum Beschleunigen nutzen zu können.

So finden wir eine schöne Metapher fürs Leben:
Wenn Du schnell sein willst, dann lerne erst zu bremsen! 

RMD

Klaus Hnilica
Freitag, der 2. August 2019

Mit Weiß geht’s auch – ich weiß es…

Lieber Roland, ich versteh‘ Deine Sehnsucht nach Frieden und Deinen unerschütterlichen Glauben, dass diese Vision auf unserem Planeten realisierbar sein müsste (siehe  http://if-blog.de/rd/die-teekanne-und-der-frieden/ ),doch ich sehe die Zukunft unserer Erde weiß.

Wenn unsere Erde von Grund auf weiß wäre, wäre nämlich alles gut. Mit ein bisschen weißer Farbe und winzigen Genmanipulationen ließe sich das auch wesentlich leichter realisieren, als beispielsweise das Frieden hemmende Testosteron aus dem männlichen Geschlecht zu entfernen.

Und der allseits beklagte Klimawandel wäre praktisch hinfällig, da ein weißer Planet den größten Teil des Sonnenlichtes reflektierte und die Erderwärmung so verunmöglichen würde. Außerdem wäre die ‚Biosphäre‘ – also alle Pflanzen und Lebewesen –  seit Äonen an die Farbe  ‚Weiß‘ gewöhnt. Zumindest dort wo es den Winter schon immer gab.

Doch auch sonst lösten sich in einer weißen Welt alle Konfliktpotentiale in weißen Nebel auf: jede Art von Rassismus wäre obsolet, da ja alle Menschen naturgemäß weiß wären. Die weiße Kopf- und Gesichtsbehaarung würde zusätzlich den Unterschied zwischen den Generationen und Geschlechtern weiter reduzieren, insbesondere wenn alle in weißen Kleidern steckten.

Die Anzahl der Bücher würde sich fundamental reduzieren, da weiße Schrift auf weißem Papier vollkommen neue Perspektiven lieferte und jeder Mann, jede Frau und jedes Kind unschwer mit einem Buch auskäme. Die Seitenzahl dieses Buches wäre ebenso unerheblich. Es sei denn man benötigte zur Stabilisierung eines wackelnden Tisches ein besonders dickes oder dünnes Buch.

Dieser Aspekt würde sich ähnlich dramatisch in der Malerei und Fotografie fortsetzen und mit einem Schlag die üblichen kapitalistischen Machenschaften in der Kunstszene auf ein Minimum reduzieren. Und jedes Gejammer, dass damit das ‚Gelbe vom Ei‘ im Kunsthandel verschwände erübrigte sich, da es ja nur mehr das‚Weiße vom Ei‘ gäbe. Ganz zu schweigen von der weltweiten Geißel der Farbenblindheit, die die Menschheit mit einem Male los wäre.

Geschriebene Hassbotschaften entfielen gänzlich in der weißen Welt, da sie bei weißer Schrift auf weißem Grund nichts ausrichten und keinerlei Hass mehr verbreiten könnten.Die mächtigen Konzerne Appel, Facebook, Alphabet und Amazon bekämen in dieser Welt ein vollkommen neues Gesicht, ihr Börsenwert würde mit Sicherheit auf einen Kleckerlebetrag schrumpfen oder gänzlich verschwinden…

Ähnliches ergäbe sich generell für die gesamte Digitalisierung.

Und wenn zusätzlich in Deutschland durch eine minimale Rechtschreibreform die Worte ‚weiße‘ und ‚weise‘ angeglichen würden, wären wir alle nicht nur weiße Staatsbürger und Wähler sondern auch weise Staatsbürger und Wähler, die munter und zufrieden in ewigem Frieden dahin lebten! Schriftlich ließe sich das allerdings nicht beweisen, da jede weiße Begründung, selbst wenn sie noch so weise wäre, auf weißem Grund unsichtbar bliebe

K H

Roland Dürre
Donnerstag, der 1. August 2019

Die Teekanne und der Frieden.

Das folgende Video hat der Schweizer Rundfunk (SRF Kultur) produziert. Ich könnte es mir gut als Lehrstoff für den Ethik-Unterricht in Bayerischen Schulen vorstellen, fürchte aber, dass es dort eher nicht eingesetzt werden darf. Es sei denn, unser neuer Ministerpräsident Markus Söder spricht auch hier ein diktatorisches Machtwort.

Mein persönliches Problem ist, dass ich mich wie die Hauptfigur im Video (dort als „Teeist“ bezeichnet) fühle. Nur dass ich nicht an die Teekanne glaube, die auf einer besonderen Umlaufbahn zwischen Mars und Erde um die Sonne kreist.

Habe ich doch einen viel ausgefalleren Glauben und bin somit ein noch größerer Außenseiter. So bin ich davon überzeugt, dass es auf der ganzen Welt (in Deutschland, Europa und global) FRIEDEN geben könnte und wir weltweit auf die Produkte der Rüstungsindustrie verzichten könnten.

Mir ist klar, dass das schon ein sehr extremer Glaube ist und ich froh sein muss, wenn ich deswegen nicht im Irrenhaus lande. Aber es gibt Hoffnung!

So soll Elon Musk ein Tesla-Cabrio ins Weltall geschossen haben, das jetzt dort schon länger seine Kreise zieht. Das hat zwar den Nachteil, dass man als Weltraum-Spaziergänger sogar im Weltall von einem Auto „überfahren“ (oder heißt das dort „überflogen“?) werden kann.

Es könnte aber sein, dass der Elon meinen Artikel liest und sich das obige Video anschaut. Und weil er ein guter Mensch ist, Mitleid mit dem Protagonisten im Video bekommt und eine Teekanne in die beschriebene Umlaufbahn entsendet. Für den Fall, dass die Umlaufbahn schwierig zu halten ist, schafft er es bestimmt, einen nachhaltig mit Solarstrom betriebenen Antrieb für die Teekanne zu bauen. Wer sonst, wenn nicht er?

Dann hätte der „Teeist“ im Video mit einem mal Recht! Vielleicht könnte diese Teekanne im All in Verbindung mit meinem Artikel und dem Video könnte sogar ein wenig für FRIEDEN werben. Und irgendwann mal wird dann auch meine Vision Realität.

So richtig glaube ich aber nicht daran. Eher halte ich es für möglich, dass AUDI einen SUV ins Weltraum entsendet, wollen die doch jetzt bei den elektrischen Automobilen dem TESLA so richtig das Fürchten lernen. Und ein AUDI ist ja wirklich zum fürchten.

RMD

P.S.
Unter dem Tag filosix findet man noch mehr immer sehr fordernde aber auch unterhaltsame und vor allem kurze Videos zu Themen der Philosophie.

 

Roland Dürre
Dienstag, der 30. Juli 2019

Frankfurt in Nauders

 

Wie ich Opfer von für mich unverständlicher Gewalt wurde.

 

Die Norbertshöhe – Postkartenidylle in den Alpen

Im Juli dieses Jahres war ich in Schlanders im schönen Südtirol, um dort beim Trainingslager der SpVgg Unterhaching ein paar Tage dabei zu sein. Dazu sind wir (Barbara, Maresa und meine Wenigkeit) im EC vom Ostbahnhof in München nach Innsbruck gefahren und von dort den Inn-Radweg nach Martina geradelt. Weiter ging es hoch zur Norbertshöhe.

Der Radweg von Innsbruck zur Norbertshöhe ist wunderschön und gut mit einer Übernachtung (wir haben in Zams geschlafen) zu schaffen. Der zweite Tag wird gekrönt von elf Spitzkehren, die von Martina einige Hundert Höhenmeter hoch zur Norbertshöhe führen. Dort ist ein gleichnamiger Alpengasthof, in dem es sich sehr gut übernachten lässt. Dann hat man nur noch eine gemütliche und schnelle Etappe nach Schlanders.

Der einzige Schönheitsfleck auf dieser Route ist die Tatsache, dass man vor Martina einen Teil der schönen Strecke auf einem Radweg fährt, der zwar abgetrennt von aber doch entlang einer befahrenen Landstraße führt.

Nach einer angenehmen und sehr komfortablen Übernachtung auf der Norbertshöhe ging es am Morgen des 5. Juli 2019 weiter auf dem Radweg in Richtung Nauders.

In Nauders wurde ich an diesem Tage zwischen 9:03 und 9:09 Opfer einer Gewalttat, die mich völlig überraschend getroffen hat. Die Daten weiß ich so genau, weil ich die Funktion „meine Zeitachse“ in Google Maps nutze.

Heute habe ich im Radio viel von der Gewalttat in Frankfurt gehört. So kam mir mein Erlebnis in Nauders wieder in den Sinn. Und ich erzähle mal, was mir da Unglaubliches passiert ist.

Der Radweg führt  durch den doch sehr touristischen Ort Nauders. Da gibt es viele Geschäfte. Der Weg durch Nauders wird von Fußgängern, Radfahrern und Autos gleichermaßen genutzt.  Bei einem Sportgeschäft, vor dem eine größere Freifläche war haben wir angehalten, die Barbara und Maresa haben das Geschäft besucht und ich blieb draußen bei den Fahrrädern.

Laut Google stand ich gut 5 Minuten vor dem Geschäft. Dann kamen meine Damen wieder raus aus dem Geschäft, bestiegen ihre Fahrräder und fuhren weiter.

Ich wollte auch aufsteigen und hinterherradeln. Genau in diesem Moment bekam ich einen sehr heftigen und mich völlig überraschenden Schlag in den Rücken. Mit Glück und Geschick gelang mir, einen Sturz zu vermeiden.

Und sah ich einen großen und kräftigen Mann, der keinen ganz normalen Eindruck machte, sich sehr raschen Schrittes und in auffallend aufrechter Körperhaltung von mir zu entfernen.

Ich war ratlos, meine Begleiterinnen waren schon losgefahren. Den Mann zu verfolgen und zur Rede zu stellen hatte ich keine Lust. So fuhr ich meinen beiden Damen hinterher und erzählte ihnen von diesem Vorfall.

Die gemeinsame Bewertung war, dass Maßnahmen wie eine Anzeige bei der Polizei nicht sehr zielführend wären und uns nur eine Reihe von Unannehmlichkeiten und Zeitverlust bereiten würden. Wahrscheinlich wäre dann auch ein Arztbesuch notwendig gewesen, wir hätten viel Zeit verloren und wollten lieber weiter fahren.

So haben wir versucht, uns die gute Laune nicht verderben zu lassen und sind weitergeradelt. Und haben die tolle Strecke runter nach Südtirol genossen. Das war auch gut so: die Stelle, wo ich getroffen wurde, hat bei ungeschickten Bewegungen noch ein wenig geschmerzt, aber nach zirka drei Tagen war alles wieder gut.

Beim Weiterfahren habe ich noch gerätselt, was da passiert ist. Die wahrscheinlichste Erklärung der Situation für mich war, dass so eine Art Dorfdepp sich über irgendetwas geärgert hatte und deswegen tätlich wurde. War es mein eBike (es soll ja Leute geben, die sich über Fahrräder und besonders elektrische ärgern)? Habe ich ihn vorher aktiv (als Radler) belästigt? Das glaubte ich nicht, denn ich stand ja schon mehrere Minuten vor dem Geschäft und verhalte mich als Radler in solchen Misch-Verkehrszonen immer sehr rücksichtsvoll vor allem gegenüber Fußgängern. Aber kann ich das ganz ausschließen? Oder war es nur meine Kleidung oder meine Nase, die ihm missfallen hat? Vielleicht war er ja auch nur neidisch, dass ich zwei hübsche Begleiterinnen hatte? Oder hatte mich der Täter  mit einem österreichischen Politiker verwechselt? Wie soll ich wissen, was im Kopf des Angreifers vor sich ging?

Am frühen Mittag bei einer Pause in Glurns  bekam ich dann einen leichten Schock.

Irgendwie hatte sich in meinem Gehirn die Frage fest gefressen:
„Was wäre gewesen, wenn der Angreifer ein Messer als Waffe benutzt hätte“?
Ich sah mich in meiner Phantasie in einer Blutlache liegen, dann im Krankenhaus um mein letztes bisschen Leben kämpfen und dann mit bleibenden Schäden im Rollstuhl meinem Ende entgegen siechen.

Aber wahrscheinlich ist es statistisch ganz normal, dass wenn man 70 Jahre alt wird, man auch mal von anonymer Gewalt getroffen wird. Mir fällt ein, dass einer meiner Söhne mal von Ottobrunner Hauptschülern ohne erkennbares Motiv zusammen geschlagen wurde. Nur weil er dort zum falschen Zeitpunkt über den Bahnhofsplatz lief. Und Gymnasiast war.

Ich darf nur nicht weiterdenken. Denn dann komme ich auf den Gedanken, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein SUV mich vom Fahrrad holt, viel höher ist und die Folgen dann in der Regel viel schlimmer sind, als die meines Abenteuers in Nauders. Nur ist das Überfahren eines Radfahrers (oder auch neuerdings von e-Roller-Fahrern) durch Pkws wie Lkws eine gesellschaftlich tolerierte und alltäglich passierende Gepflogenheit, die häufig stattfindet. Und dann als Unglück bezeichnet und bestenfalls als Ordnungswidrigkeit verfolgt wird.

Passiert jedoch sinnlose Gewalt von warum auch immer geistig gestörten Menschen, dann wird das aber als nationale Katastrophe kommuniziert. Und ganz Deutschland ist betroffen und heult, so dass sogar der Herr Bundesminister des Inneren seinen Urlaub unterbricht.

RMD

Roland Dürre
Freitag, der 26. Juli 2019

Schafkopf, Schule und Digitalisierung.

 

Geschichten aus der Kartenrunde.

 

Laub(?)-Solo an Position 3 mit 4 Obern, in der Bockrunde mit Kontra verloren.

Gelegentlich verlasse ich die sportlichen Schafkopfrunden und spiele mit den alten Herren. Das ist eine fiktive Kartenrunde. Ähnlichkeiten mit realen Runden sind rein zufällig.

Die „alten Herren“ sind nicht älter als ich. Die Runde nenne ich insgeheim so, weil es eine sehr beschauliche Schafkopf-Runde ist. Mit geringen Einsätzen und ohne Klopfen, aber viel Ratsch und Tratsch.

Die „alten Herren“ sind überwiegend Rentner oder Privatiers. In der Regel haben sie eine Familie gegründet und können auf eine erfolgreiche berufliche Karriere zurück blicken. Sie hatten ein erfülltes Leben, wussten immer, was richtig und falsch ist und haben als brave Bürger einiges erreicht. Sie leben in einer objektiv  sorgenfreien und friedlichen Welt, allerdings begleitet von vielen unsinnigen Ängsten. Heute wirken sie als sie gute Großväter und unterstützen ihre Kinder in besonders vorbildlicher Art und Weise bei der Betreuung der Enkelkinder.

Das Blatt des Gegners an Position 4, der mein Solo „abgeschossen“ hat.

Dafür bringen sie auch richtig viel Zeit auf. Als helfende Engel sind sie ständig für andere Menschen unterwegs. Und wissen auch immer besser, wie man es richtig macht.

Ich meine, dass jeder seine Probleme  selber lösen müsse und unterstütze am liebsten nur mit „Hilfe zur Selbsthilfe. Und jeder sein Leben eigenverantwortlich gestalten solle.

Ich habe versucht, vom moralischen Vorgaben und ähnlichem komplett verabschiedet habe. Auch mein schlechtes Gewissen habe ich abgeschafft. Sonst würde ich mich in solchen Runden als richtig schlechter Familienvater und Mensch fühlen.

Jetzt zur Geschichte. Es geht um die Schule. Auch ich habe eine Tochter, die Lehrerin geworden ist. Meine Tochter erzählt auch oft Geschichten, die mich wundern machen. Es ist erschütternd, wie sehr Schule und Bildung in Deutschland unter die Räder kommen.

So stammt folgende Geschichte aus der Welt der staatlichen Schule. Sie ist aber nicht von meiner Tochter. Sondern von einem Schafkopffreund aus der Runde der „alten Herren“:

Zum Schuljahresende haben Lehrer*innen eine höhere Belastung. Das sind nicht nur die Zeugnisse, die geschrieben werden müssen. Also müssen die Großväter ran und vermehrt auf ihre „Lehrerenkel“ aufpassen. Damit die Lehrereltern den wichtigen Jahresabschlußaufgaben nachkommen können.

Eine wichtige aufwändige Aufgabe ist die Rücknahme der Lehrbücher. Stichwort Lehrmittelfreiheit. Die Lehrer, die  freiwillig oder verpflichtet die Verantwortung für die Lehrbücher übernommen haben, sind da gefragt.  Und da das viel Zeit kostet, muss Opa „babysitten“.

Die Geschichten beim Schafkopf sind wie an allen Stammtischen immer wertend. So wird auch die Erzählung von der Rückgabe des Schulbücher zur moralischen Wertung. Trefflich lässt sich  sich am Beispiel der Schulbücher auch die Erkenntnis des Sokrates bestätigen, dass die Jugend immer schlimmer wird. Und die weisen Häupter werden kräftig geschüttelt, wenn das Unverständnis zu signalisiert wird, wie die Gesellschaft doch runtergekommen wäre, würde man den Zustand der zurück zu nehmenden Bücher sehen. Wie mühsam es wäre, auch zu prüfen, welche Papiere in den Büchern drin wären.  Durchaus auch mal mit vertraulichen Daten. Da lässt sich dann auch über die Machtlosigkeit von Autoritätspersonen in der heuten Zeit und Schule klagen.

Ich schüttle dann auch mein weises Haupt. Weil ich nicht verstehen kann, dass es überhaupt noch Schulbücher gibt! Wir leben doch im 21. Jahruhndert, also  im digitalen Zeitalter! Aber ich sage nichts. Denn ich weiß, dass jeder am Kartentisch ein schulisches Leben ohne genormte Schulbücher zu all diesen Fächern für ein Werk für das Ende unserer abendländischen deutschen Kultur hält.

Meine Gedanken gehen mich an einer Reihe von leidenschaftlichen „Pitches“ beim Business Wettbewerb bei BayStartup, bei denen junge Gründerteams für eine digitale Schule plädiert haben. Und aufgezeigt haben, wie technisch einfach so etwas zu realisieren wäre. Und wie groß die Vorteile mehrdimensional wären. Ich erinnere mich aber auch daran, wie diese tatsächlich sehr jungen Teams von der Mehrheit der Juroren belächelt (und schlecht bewertet) wurden. Das ist auch schon ein paar Jährchen her – und ich hatte gehofft, dass sich da etwas geändert hat.

Aber wir leben in Deutschland. Auch meine Kollegen in den Jurys – überwiegend auch alte weiße Männer wie ich – waren von solchen revolutionären Ideen gar nicht begeistert. Weil sogar die Protagonisten der Veränderung nicht verstanden haben, dass Innovation kreative Zerstörung ist. Und Schulbücher als Mittel zu einer standardisierten Bildung

Und auch technisch einfache Dinge sind politisch eben das Gegenteil von einfach. Besonders nicht wenn es um Veränderung geht. Und das, was ich denke sage ich besser nicht.

Denn in der  Schafkopfrunde will ich ja Karten spielen und keine Plädoyer für Digitalisierung führen. Habe ich doch schon oft erlebt, dass digitales Leben wie auch das Internet als faires „Teilgeber-System“ hierzulande halt von den Kräften an der Macht nicht verstanden wird.

Und ich muss leider dem Sascha recht geben, wenn er schreibt:
„Das größte deutsche Vermögen ist das Beharrungsvermögen, verwaltet wird es von der Gewohnheit.“
(Sascha Lobo in einem Artikel zur Micromobilität)

Und ich kann die alten weißen Männer (und ebenso die schlimmen weiblichen und immer alles besser wissenden Matronen) nur warnen:

Wenn Ihr so weitermacht, dann ist hierzulande bald Schluß mit dem Wohlstand und dem Leben, das Ihr so liebt. Es geschieht Euch recht! Und es ist gut so!

RMD

P.S.
Aber eine gute Nachricht gibt es zumindest aus Bayern. Schafkopfen wird jetzt als Schulfach angeboten. Wahrscheinlich das einzig sinnvolle.

Roland Dürre
Samstag, der 20. Juli 2019

Nachtgedanken

 

„Denk ich an Europa in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht“

 

Unser neues Logo ist zumindest ansprechender als das Schwarz-Rot-Gold!?

Hier noch eine kleine Textarbeit, die vielleicht auch rätselhaft und enttäuscht klingt.

Aber die Dinge sind halt so wie sie sind, deshalb versuche ich meine Nachtgedanken ganz fröhlich zu formulieren.

Und hoffe, dass alles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.

Vorher verbeuge ich mich bei Heinrich Heine und zitiere Wikipedia:


Nachtgedanken ist das vierundzwanzigste und abschließende Gedicht aus Heinrich Heines 1844 erschienenem Zyklus Zeitgedichte. Der berühmte Eingangsvers

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“

ist zu einem geflügelten Wort geworden.


Vor kurzem hatte ich  einen blöden Nachtgedanken. Es ging ums „alt werden“. So ganz jung bin ich ja nicht mir. So kam mir ein Gedanke ins Hirn, der mich nachdenklich machte:

Mein Alter hat auch einen Vorteil: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass ich in meinem Leben in einem Krieg dienen muss.

Dieser Gedanke war mir sehr unangenehm. Denn er läßt einen Krieg wieder als reale Option zu. Das schien für uns ja irgendwie vorbei zu sein. Aber ist dem nicht wirklich so?
Mir erscheint Krieg so als das allerschlimmste, was ich mir vorstellen kann. Und da jetzt auch die Frauen zu Soldatinnen werden, hoffe ich, dass zumindest die Greise sich nicht an den kriegerischen Handlungen beteiligen müssen, also heißt nur als Kollateralschäden vernichtet werden

Schauen wir uns die aktuelle politische Situation an:

Vor kurzem wurde die Deutsche Verteidigungsmininsterin Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt. Obwohl die Bürger der EU kurz vorher zwischen ganz anderen Kandidaten abgestimmt hatten. Die den Herrschenden in den nationalen Staaten Europas aber offensichtlich nicht gepasst haben.

Die neue EU-Kommissionspräsidentin wird auch als die wichtigste Frau Europas und als „Kanzlerin Europas“ bezeichnet. Sie hat sich als „glühende Europäerin“ geoutet, was ich nüchtern als „europäische Nationalistin“ bezeichnen würde. Und Nationalisten mag ich nicht, auch keine Europäischen oder anderer Kontinente.

„Vive l’Europe!“ finde ich genauso schlimm wie „Vive l’Afrique!“ – und ich mag keinen interkontinentalen Nationalismus wie Europa gegen Asien oder Afrika. Wir brauchen Frieden und müssen unseren Planeten retten – oder gemeinsam neue Planeten suchen. Dabei stehe ich persönlich der zweiten Variante sehr skeptisch gegenüber – aber mir gefällt es immer noch besser, unsere knappen Ressourcen in die Raumfahrt zu stecken als in Kriege oder durch Aufrüstung zum Zwecke der Kriegsvermeidung zu verpulvern.

Wahrscheinlich wurde von der Leyen auch von den Nationalisten Europas gewählt, die ja als Feinde Europas gelten. Zumindest behaupten die das. Es ist schon eigenartig: Die Rechten soll man nicht wählen, weil sie so nationalistisch sind. Aber man kann sich sehr wohl von ihnen wählen lassen.

Nur das weiß man gar nicht. Vielleicht lügen die Rechten – das wird ihnen eh gerne unterstellt und sie haben von der Leyen gar nicht gewählt. Denn die Wahl erfolgte im Geheimen. Was ich auch nicht verstehe. Als Bürger und Demokrat will ich doch wissen, wen der von mir gewählte Abgeordnete gewählt hat. Das würde ich gerne irgendwo abgesichert nach schauen können. Spätestens zur nächsten Europa-Wahl.

Auch als Europa-Abgeordneter würde ich gerne offiziell einsehen können, wer meine Stimme bekommen hat. Ob sie nicht bei jemanden gelandet ist, für den ich gar nicht gestimmt hatte?

Geheime Wahlen haben den Nachteil, dass sie leichter zu manipulieren sind als transparente. Im Vorfeld der Wahl wurde massiv betont, welcher Schaden Europa (der EU) entstehen würde, wenn die Kandidatin nicht gewählt werden würde! So ist doch nur zu leicht denkbar, dass ein ein ethisch denkender Mensch nach verantwortungsvoller Güterabwägung sich für Europa geopfert hat und für die gute Sache ein paar Stimmen verschoben hat. Ähnlich wie die Versuch, den Tyrannen zu morden, der sich ja gerade jährt und feierlich zelebriert wird. Eine „Wahlkorrektur“ als ein Akt besonderer Zivilcourage, um einen Kontinent zu retten – das würde doch auch als Heldentat durchgehen.

Frau von der Leyen hat sich dann auch gleich in ihrer Antrittsrede bei den Menschen bedankt, die für sie gestimmt haben. Mit „Nobody is perfect“ hat sie die Verstöße gegen Menschenrechte und vertragliche Vereinbarungen von EU-Mitgliedsstaaten verniedlicht. Ist doch alles nicht so schlimm. Und hat sich auch dafür eingesetzt, Fehlverhalten auf keinen Fall zu ahnden, zumindest nicht mit den vereinbarten finanziellen Strafen. So eine Art Generalamnestie zum Amtsantritt. Spricht doch für ein gesundes Selbstverständnis.

Ich finde ja auch, dass kein Land in der EU perfekt ist. Deutschland erst recht nicht. Allein, wenn ich mir anschaue, wie wir mit EU-Regelungen umspringen. Und mit anderen EU-Staaten umspringen. Oder für mich ganz schlimm: Wieviel Waffen wir herstellen und in der Welt verteilen. Ist doch auch so eine Art Verbrechen gegen Menschlichkeit.

Und die neue Kanzlerin Europas vesteht auch unseren starken Verbündeten Frankreich und will deshalb das Projekt der Europäischen Armee voran bringen. Ich bin ja ein wenig älter als Frau von der Leyen und war als junger Mensch in den 60iger Jahren viel in Frankreich. Und habe erlebt, wie schwer es für die Franzosen ihren Status als kolonialer Verlierer zu verkraften. So habe ich auch Mitgefühl entwickelt mit der „Grande Nation„, die ihre Rolle als ehemalige Weltmacht total verloren hatte.

Die neue Regierung will Frankreich wieder zur Weltmacht machen und sich weiter an Atomwaffen und Flugzeugträgern erfreuen. Dass muss man doch verstehen! Da dies alleine wohl nicht mehr geht, versucht sie es halt gemeinsam mit dem ehemaligen Erbfeind Deutschland als neuen Verbündeten – und sicherheitshalber unter der Fahne der europäischen Nation.

Und, dass die Menschen in Frankreich selbst gar nicht mehr die Grande Nation sein wollen, muss man auch nicht so ernst nehmen. Und dass die jungen Deutschen auch keine Lust mehr auf Miltitär haben, muss man auch nicht so ernst nehmen. Vor kurzem habe ich bei einer Veranstaltung der Bundeswehr, dass Uniformen leider nicht mehr so beliebt wären, weil die zivile Gesellschaft so „gewalt-aversal“ geworden wäre. Und ich dachte immer, dass es unser gemeinsames gesellschaftliches Ziel unserer Zivilisation ist, die Gewalt zu reduzieren? Siehe Gewaltmonopol etc.

Jetzt könnte man sich fragen, wen die neue Europäische Armee bekämpfen will und soll? Ich hoffe doch, dass es nicht mehr die Russen sind. Gleichwohl, die Barbara fand Sibirien auf unserer Reise mit dem Zug nach Peking sehr schön. Dort soll es auch viele Bodenschätze geben – und vielleicht schaffen ja AM und EM gemeinsam das, woran Napoleon und Hitler alleine gescheitert sind.

Vielleicht muss sich Europa mit seiner neuen Armee dann auch gegen den kranken Mann am Bosporus oder die bösen Islamisten mit einer mächtigen Armee verteidigen? Und die Migrantenwellen abwehren, die aus Afrika auf uns zu rollen werden?

Denn gegen Klimakatastrophe und Vermüllung und Zerstörung unseres Planeten wird man so eine Armee schwerlich einsetzen können. Im Gegenteil, Armeen werden diese Prozesse beschleunigen und verstärken.

Wenn ich jetzt noch hinzufüge, dass ich an einem dieser schwarzen Tage der jüngeren Vergangenheit abends nichts Böses denkend schlafen gegangen bin. Und wie ich morgens aufwache, erfahre ich, dass wir eine neue Verteidigungsministerin in Deutschland haben.

 

Das wäre mein neues Logo für Europa. Kommt dann auf die Panzer und Bomber.

Das ist die Frau AKK, die noch vor wenigen Wochen laut darüber schwadroniert hat, dass man auch über Tabus wie die rasche Wiedereinsetzung der ja nur ausgesetzten Wehrpflicht nach denken müsse – diesmal wohl in der gerechten Variante für alle Geschlechter.

Und dann bitte ich meine Freunde doch zu verstehen, warum ich auf so schlechte Nachtgedanken komme. Und dass ich der Meinung bin, dass die Richtung zurzeit aber auch so gar nicht stimmt.

Aber ich weiß ja, dass eh alles anders kommt als man denkt und bleibe so ganz ruhig und gelassen. Und mache gute Miene zum bösen Spiel.

RMD