Roland Dürre
Dienstag, der 25. September 2018

arcis-vocalisten spielen CARL LOEWE (am 22. Oktober 2018)

Und wieder gibt es ein tolles Konzert der arcis-vocalisten. Und wieder mache ich gerne ein wenig Reklame für den tollen Chor. Kenne ich doch mindestens zwei der SingerInnen persönlich.

 

 

RMD

Roland Dürre
Montag, der 24. September 2018

Disruptive Technologien & Zukunftsangst

Angst vor IT?

Haben Sie Angst vor sich beschleunigender Veränderung und wachsender Komplexität? Und Sehnsucht nach Buzzwords wie agil, resilient, antifragil?

Beides war mir fremd. Den Wandel empfand ich nicht so aufregend und die vielen Buzzwords habe ich als normales Ergebnis der Zunahme von unverantwortetem Geschwätz in unserer Zeit gesehen.

Weil ich meinte, dass wir auch heute nichts anderes erleben, als den ganz normalen technologischen Fortschritt. Der natürlich schon immer Welt und Gesellschaft rasant und massiv verändert hat. Man denke nur an die Zeit von 1918 bis 1938! 20 Jahre, in den es so richtig abging.

Und auch auf die damalige Zeit kann man treffend die Überlegung von Bertrand Russell anwenden:


» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «


Denn das hat wohl auch damals nicht funktioniert.

Mindestens drei technologische Dimensionen sind herausragend und besonders aufregend.

  • Nicht mehr Mensch-Maschine sondern Welt-Maschine (Sensoren).
  • Totale Vernetzung der Maschinen (IoT).
  • Lernende System auf der Basis (künstliche Intelligenz).

Das könnte einiges an Veränderung toppen! Denn die Maschinen werden exponentiell intelligenter, weltweit vernetzt und brauchen den Menschen als Mittler zur Welt nicht mehr.

Zusammen dürfte das unsere Welt und Gesellschaft vielleicht genauso heftig (oder noch heftiger) verändern wie es der Siegeszug der „individuellem Mobilität basierend auf Verbrennungsmotoren“ getan hat. Und wenn ich daran denke, dann bin auch ich kurz davor, Angst zu bekommen. Weil der „Siegeszug des Autos wirklich heftige Folgen hatte und das Glück der Menschen wohl wesentlich geschmälert hat.

Da bleibt mir nur die Hoffnung, dass die Menschen genauso schnell weiser werden wird wie siche der „technische Fortschritt“ beschleunigt.

RMD

Wann gelingt ein Softwareprojekt ?

Über „Projektmanager“ und ihre Wünsche nach „Resilenz“ und „Agilität“
kann man sich trefflich amüsieren. Vorausgesetzt, man ist nicht darauf
angewiesen, daß die bedeutungsschwangere Gruppe selbsternannter „Indivi-
dualisten“ (mit Google-Einheitstelephon) irgendwann einmal liefert.

Deutlich schwieriger ist es schon, aufzuzeigen, wie man es besser machen könnte. Nun hat mich jemand genau danach gefragt, und warum sollte man nicht einmal die Projekte aus 35 Jahren Berufserfahrung Revue passieren lassen, die gelungen sind ?

Dabei möchte ich mich unterscheiden von üblichen „Ratgebern“, die unreflektiert postulieren, was sie im Herzen bewegt. Ich nehme mir stattdessen reale Projekte und bilde Schnittmengen gewisser Merkmale.

1. Der Sinn eines Projektes muß allen Beteiligten klar sein.
Nur so kann die Unternehmensleitung Rückendeckung geben, nur so erlebt ein Entwickler die Freude an sinnvoller Arbeit, nur so wird das Endprodukt vom Nutzer angenommen.

2. Ein Projekt muß wirtschaftlich erfolgreich sein.
Vor allem aber: Man muß diesen Erfolg auch transparent machen können.

3. Die Einfachheit und die Eleganz eines Entwurfs entscheidet !
– Das zu impementierende Verfahren sollte so einfach sein, daß man es einem Siebenjährigen erklären könnte. Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen.
– Das, was nicht vereinfacht werden kann, wenigstens sauber modularisieren !
– Immer nur EINEN Standard für einen bestimmten Schnittstellentyp auswählen !
– Lieber die Aufgabenstellung reduzieren als das Team überfordern.
Tatsache ist oft: Erst wenn das Endprodukt unter realen Bedingungen läuft, stellt man fest, was es wirklich leisten kann und welche Funktionen auch tatsächlich genutzt werden !

4. Prototypen bauen !
Viel wichtiger: Wenn sie funktionieren, gnadenlos löschen und neu beginnen !

5. Tote Pferde nicht weiterreiten !
So gut wie jede Entwicklung kommt an den Punkt, wo sich Fehler in der Konzeption zeigen. Gnadenlos zurückbauen.

6. Keine Demokratie und vor allem KEINE KOMPROMISSE !
In der Sache nachgeben mit Rücksicht auf persönliche Empfindlichkeiten (Na gut, Meike, Du kannst Dein Modul auch in JAVA schreiben …) erzeugt eine sprudelnde Quelle von Problemen. EINER leitet das Projekt, genau wie auch nur EINER ein Auto fahren kann. Das ist das Erfolgsrezept der Seefahrt.

7. Mitarbeiter respektieren !
Auch vermeintlich „einfache Codierarbeit“ ist erstaunlich nicht trivial. Der Architekt sollte den Maurer mit Respekt behandeln und umgekehrt. Aber niemals sollte ein Architekt mauern oder ein Maurer planen.

8. Kommunikation standardisieren.
Keine Dokumente und Codefragmente hin- und herschicken. Kein kompromittierendes „WhatsApp“ oder „Twitter“. Schon gar keine „Google-Accounts“ ! Wir müssen Kundendaten treuhänderisch behandeln. Klare, eindeutige Begriffe verwenden ! Die Fachtermini des Kunden verwenden !

9. Anzahl der Mitarbeiter.
Benötigte Externe und Zukaufprodukte reduzieren !

10. Die Werkzeuge müssen sich der Idee unterordnen und nicht umgekehrt.
Haskell, Lisp oder „Clojure“ machen noch keinen genialen Entwurf.

11. Die Chemie im Team muß stimmen !
Die „menschliche“ Komponente ist zu 70 Prozent entscheidend für einen Projekterfolg.

12. Keine „Gnadenhäppchen“ für die Mitarbeiter.
In Form von „kostenloser Maté“ und „Kickerautomat im Flur“. Das ist keine Wertschätzung auf Augenhöhe. ORDENTLICH ZAHLEN ! Das garantiert souveräne Mitarbeiter.

Abgesehen davon: Arbeit kann und soll durch sich selbst schön sein und muß nicht mit albernen Spielereien „aufgepeppt“ werden. Was dabei herauskommt, kann jeder sehen, der ein aktuelles „Windows“ öffnet.

-hb

Roland Dürre
Sonntag, der 16. September 2018

Hambacher Forst. Ethik. Primär. Sekundär. Tugend.

Dracula als Metapher.

Vor Jahren habe ich gerne über Ethik geschrieben. Das Thema war für mich ganz einfach. Es ging primär um Tugenden und um die Frage, welche Tugenden primär und welche sekundär sind. Dann begann diese Art von Ethik mich zu langweilen.

Jetzt machen mich die Ereignisse um die Braunkohle im Hambacher Forst betroffen. Betroffen ist eigentlich zu wenig, nein ich bin wirklich entsetzt.

Und ich meine, wir sollten mal wieder über Primär- und Sekundär-Tugenden sprechen.

Als Kind wurden mir viele Tugenden gelehrt. Nicht nur gelehrt, ich wurde richtig darauf gedrillt. Das fing an, dass ich immer artig sein sollte. Immer sauber gewaschen, die (kurzen) Haare adrett gekämmt. Wenn Erwachsene redeten hatten die Kinder still zu sein. Ich sollte gehorchen, brav und nicht aufmüpfig sein. Besonders verboten war aber zu lügen und – Gott sei bei uns – zu stehlen. Der Respekt vor fremden Eigentum und die Wahrheitstreue waren die höchsten Tugenden.

Wie ich heran wuchs habe ich mir dann meine eigenen Gedanken gemacht. Und habe früh verstanden, dass es bei meiner Erziehung so manchen Haken gibt. Und dass zum Beispiel die kategorischen Gebote nicht zu lügen und zu stehlen einer ethischen Prüfung nicht stand halten.

Später habe ich mich mit Philosophie beschäftigt und erinnere mich an die Lektüre eines Briefwechsels zwischen dem älteren Kant und einem jüngeren französischen Philosophen. Da hat der französische Kollege mit seinen Argumenten den damals so berühmten und angesehenen Kant in große Bedrängnis gebracht hat. Die Reaktion von Kant fiel dann sehr unsachlich und in meiner Wahrnehmung emotional aus.

So habe ich gelernt, dass die kategorische Erfüllung des achten Gebots mit Sicherheit sehr viel Schaden verursacht und so nur eine Sekundärtugend sein kann. Es gibt sogar im normalen Leben viele Situationen, in denen uns ethisches Verhalten sozusagen verpflichtet zu lügen, um von uns oder anderen Schaden abzuwenden.

Dass es mit dem siebten Gebot nicht viel anders ist, wurde mir auch schnell klar. Da muss ich gar nicht an Robin Hood und die Fragwürdigkeit einer von Eigentum dominierten Gesellschaft denken, es genügt schon das Gedankenexperiment, dass ein Kind verhungert und durch einen Diebstahl gerettet werden kann.

Deshalb sind die Aktivisten im Hambacher Forst für mich zwar keine Helden, aber besonders auch keine Verbrecher.

Denn sie befolgen Tugenden, die ich für primär halte. Sie sind autonom und machen sich ihr eigenes Bild. Und folgen Tugenden, die ich als primär erachte wie Zivilcourage und konstruktivem Ungehorsam. Dies auch noch sehr verantwortet und auf friedliche Art und Weise.

Das einzige, was ich diesen Menschen in ihren Baumhäusern „ethisch“ vorwerfen könnte, ist dass sie ein „Märtyrertum“ pflegen und sich für eine „gute“ Sache selber schaden. Denn eine wichtige – für mich auch – primäre Tugend ist, sich selber wertzuschätzen und nicht zu ruinieren. Besonders nicht für andere!

Denn dass es so nicht weiter gehen kann, wissen wir doch alle, so wie wir alle letzten Endes unter der Zerstörung unserer Welt leiden werden.

Im Gegensatz zu einem allwissenden Minister weiß ich nicht, was „die Mutter aller unserer Probleme“ ist. Ich denke mir nur, dass unser System einen sehr fragwürdigen Umgang mit den Menschen und mit der Natur pflegt.

Wir haben eine Reihe von Problemen. Die Ursachen dürften Schwachstellen sein, wie Armut, Bildung, Klimaschutz und Mobilität hat. Die Schwachstellen hat unser soziales System, wahrscheinlich weil sich in Staat & Politik Werte, Prioritäten und Machtstrukturen verändert haben.

So wissen wir, dass eine Polarisierung in arm und reich unangenehme Folgen haben kann. Das unser Sozialstaat in eine krisenhafte Zukunft torkelt. Dass unsere Art von individueller Mobilität mit großen Autos mit Verbrennungsmotor keine Zukunft hat. Hierzu wissen wir auch, dass strengere Tempolimits auf  Autobahnen, sonstigen Strassen und auch in den Städten mehr als überfällig sind. Wie auch, dass die Subvention für den Pkw-Verkehr im allgemeinen und im besonderen für Diesel-Fahrzeuge ein Irrsinn ist.

Wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch, dass stromangetriebene Fahrzeuge nichts verbessern werden und im Gegenteil eine noch schlechtere Umwelt-Bilanz haben, besonders wenn der Strom, den sie verbrauchen, aus Braunkohle gewonnen wird.

Das gilt übrigens nicht nur für Braunkohle sondern auch für hochwertige Kohle, die in Australien im Raubbau abgebaut, dann an die Küste gekarrt, in großen Häfen in Riesenfrachter verladen und so nach Hamburg gebracht wird. Dort wird sie über andere Verkehrsmittel verteilt – um dann irgendwo in Deutschland verbrannt zu werden. Auch das kann es nicht sein.

Zum wesentlichen Teil wird weltweit der verbrauchte Strom aus Kohle erzeugt. Das gilt heute immer noch! Obwohl es mittlerweile gesellschaftlicher Konsens, dass wir Strom aus vielen uns bekannten Gründen nicht aus Kohle erzeugen dürfen. Den Ausstieg bekommen wir jedoch nicht voran, weil „wirtschaftliche Interessen“ diesem entgegenstehen. Diesen Aussteig brauchen wir aber zeitnah, wenn wir die vielen Verbrennungsmotoren aller Orten durch Elektrische Lösungen ersetzen wollen.

Den Aktivisten im Hambacher Forst steht eine Branche und konkret ein Konzern gegenüber, die über Jahrzehnte den Shareholder Value als dominierendes handlungsleitendes Kriterium hatten. Und das auch mit allen legalen Mitteln und manchmal auch anrüchigen Methoden in sensationellem Ausmaß geschafft hat. Kaum eine Branche konnte ihre Aktionäre über so lange Zeit so gut reich machen wie die EVUs. Dies zu Lasten unserer Umwelt und wie (nicht nur) bei der Kernenergie auf Kosten unseres Staates. Und alles legal und gesetzes-konform, dank eines guten Lobbyismus und mit sanfter Erpressung erreicht.

Jetzt gibt es immer mehr Menschen, die aus vielen guten Gründen dies ändern wollen. Weil sie verstehen, dass wir es beenden müssen. Und zwar zeitnah. Und die Zuvielcourage haben und die Tugend des konstruktiven Ungehorsams über den Gehorsam stellen. Auch wenn sie wissen, dass sie letztendlich keine Chance gegen die Allmacht von Staat & Wirtschaft haben. Und sich so selber schaden.

Für mich sind das keine Kriminellen, sondern Menschen, die wichtige Primärtugenden leben. Ich bedauere nur, dass sie keine Chance haben und dies eigentlich wissen müssten. Aber das ist halt das Problem mit Idealismus und der Idealisten. Das aber zu einer weiteren und ganz anderen Diskussion führt.

RMD

 

Roland Dürre
Samstag, der 15. September 2018

Manifest des Lebens

Manifeste schießen zurzeit wie Pilze aus dem Boden, zum Beispiel das Manifest zur neuen Arbeit als Bekenntnis von Microsoft (!) zu #newwork.

Inspiriert von #PMCampBER und schönen Gesprächen der letzen Tage habe ich ein Manifest des Lebens entworfen. Natürlich stand bei mir das agile manifesto (diesmal der Link zur englischen Version) Pate.

Mein Vorschlag für ein Manifest des Lebens würde so aussehen:


 

Manifest für Leben

Wir suchen nach Werten, die uns ermöglichen, in Freude und mutig leben zu können
und versuchen diese für uns selbst und im Zusammensein mit Anderen zu leben.
Auf dieser Suche haben wir diese Geisteshaltung schätzen gelernt:

  • Eigenverantwortung und Selbstorganisation vor Fremdsteuerung und Unmündigkeit!
  • Werte und Haltung vor Moral und Dogmen!
  • Liebe und Friede vor Hass und Krieg!
  • Freiheit und Verzicht vor Unterdrückung und Verschwendung!
  • Vertrauen und Transparenz vor Misstrauen und Geheimhaltung!

Unterzeichner


 

Jetzt fehlen mir nur noch ein paar Mitdenker und Unterzeichner!?
(Verbesserungsvorschläge sind willkommen)

RMD

P.S.
Dr. Marcus Raitner hat vor kurzem von den 10 Thesen von Google für „Gute Führung“ berichtet. Könnte eine gute Basis für ein „Manifest zu Führung“ sein.

Roland Dürre
Mittwoch, der 12. September 2018

culture engineering. Begriff. Methoden. Werkzeuge.

Mit meinem neuen Hanseatic-Käppi zurück vom #PMCampBER in der Waldwirtschaft in Grosshesselohe.

Bevor ich meine Überlegungen zum „Widersinn“ in sozialen Systemen aufschreibe, noch ein kurzer Bericht von einer Sitzung im PM-Camp Berlin zu Culture Engineering. Das war eine von vielen spannenden Sessions, an der ich Anfang September 2018 auf der Unkonferenz #PMCampBER teilgenommen habe.

„culture engineering“ war das Thema – und zwar als Methode und Werkzeug um die Kultur eines sozialen Systems mit einem ökonomischen Zweck, gemeinhin Unternehmen genannt, beeinzuflussen, verändern und zu steuern.

Dem Teilgeber, der die Session vorgeschlagen hatte, war der „culture engineering“ Begriff selbst suspekt. Die Ursache seines „Unwohlseins“ war, dass er persönlich skeptisch war, ob man eine Kultur mit „ingenieurmäßigem“ Anspruch wirklich zielgerichtet beeinflussen könne oder ob das nicht schnell zur „Manipulation“ mit negativem oder zumindest ungewissen Ausgang führen könne bzw. würde.

Ein Teilnehmer der Session hat berichtet, dass es in Leipzig einen erfolgreichen Studiengang „culture engineering“ geben würde und dass die Absolventen durchaus von den HR-Abteilungen gerade großer Unternehmen sehr gesucht werden würden. Das finde ich spannend, und schon sind wir schon bei zurzeit gerne benutzten Begriffen wie culture engineering und human ressource (HR) gelandet.

Titelmässig fühle ich mich umzingelt von Berufstiteln auf Visitenkarten die Rollen wie Engineer, Officer, Manager und President enthalten. Und muss gestehen, da ist mir der Ingenieur, der z.B. ein Vorhaben leitet, noch der Liebste. Aber Denglisch ist modern, also was solls. So haben wir neben CEO, CTO und CIO immer öfters einen CHRO (HR als Abkürzung für die menschlichen Ressourcen). Bei dem sind dann der „innovation manager“ und auch der „cultur engineer“ angesiedelt. officer und manager sind mir generell suspect wie auch der president und vice president.

Auch in der Session ging es zuerst Mal um die Begrifflichkeit. Ein Vorschlag war, „culture engineering“ eher als „culture gardening“ zu bezeichnen. Das fand ich schon ganz gut. Allerdings dachte ich dann, dass man analog zur „Gartenpflege“ die Aufgabe auch als „Kulturpflege“ bezeichnen könnte.

Dann wurde die Frage diskutiert, was denn Unternehmenskultur eigentlich sei. Die gefundene Antwort (aus der Unternehmens-Theorie) war:

Unternehmenskultur ist das Gedächtnis des Unternehmens.

😉 Honi soit qui mal y pense, aber da assoziere ich sofort mit „Manipulation des Gedächtnis“.


Beim Nachschlagen des Begriffes in Wikipedia habe ich übrigens einen Aufruf von Wikipedia zum Urheberrecht entdeckt.

Diesen Aufruf unterstütze ich mit Herz und Verstand und habe ihn deshalb hier veröffentlicht.

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es reicht, wenn Sie Ihren Europa-Parlament-Abgeordneten kontaktieren. Wahrscheinlich muss man mehr tun. Und es ist noch wahrscheinlicher, dass wir gegen die politische Arroganz und Dummheit gesteuert von den Staat beherrschenden Lobbyismus eh machtlos sind.

Das neue Urheberrecht könnte aber als schönes Beispiel für gezielte Werte- und Regelveränderung dienen. Aus sehr kapitalistischen Motiven.


Zurück zum Culture Engineering. Wie viele Buzzwords finde ich das Wort ein wenig lächerlich. Und auch einen Kultur Ingenieur oder Innovation Manager, die angesiedelt bei der Stabsabteilung HR die Kultur eines Unternehmens retten und die Menschen innovativ machen sollen.

Ich meine schon, dass die Kultur eines Unternehmens wie in allen anderen sozialen Systemen sich selbst bewusst gemacht und aktiv gepflegt werden sollte. Und da ist es auch legitim, wenn man moderne Techniken und Methoden einsetzt. Aber das ist ein Thema, dass zwischen Führung und allen stattfinden muss. Führung im Sinne, wie das Google definiert (siehe Artikel dazu von Dr. Marcus Raitner).

Gelingen wird die Kulturpflege aber nur, wenn möglichst viele Menschen des Unternehmen am Pflegeprozess partizipieren – damit meine ich mit großer Aufmerksamkeit aktiv mit machen.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 10. September 2018

PMCamp Berlin – Erfahrungen. Erlebnisse. Gedanken.

Der erste Tag #PMCampBER 7. 9. 2018

Vom 6. bis 8. September hat das sechste PM-Camp Berlin stattgefunden (#PMCampBER). Es war wie immer ein besonderes Ereignis. Das liegt zum einen an dem hervorragenden Orgateam um Ralf Eicher und natürlich an den über 100 tollen Menschen, die als TeilgeberInnen dabei waren.

Die Fahrt nach Berlin ist ja mit dem Zug von München nur zum „großen Katzensprung“ geworden, so konnte ich gut dabei sein. Als Mitgründer von PM-Camp haben mich nicht nur sentimentale Gründe nach Berlin gelockt. Und ich wollte mein Wissen auffrischen und Neues erfahren. Und vor allem mich mit sympathischen Menschen austauschen und einfach Erfahrung teilen. Das ist wieder hervorragend gelungen. Besonders schön waren die beiden Tage, weil ich viele alte Freunde wieder getroffen habe.

Und ich bin mit viel neuen Überlegungen und vielfältigen Erkenntnissen zurück gekommen und habe mir unbekannte Werkzeuge und Methoden kennen gelernt. Ein wenig davon möchte ich hier teilen.

So habe ich wieder bei LSP (Lego serios play) dabei. Julian Kea (in Twittter als @kiLearning zu finden) hat  uns gezeigt, dass in einem Team mit modernen Methoden so etwas wie Story making tatsächlich gelingen kann. Weiter habe ich Werkzeuge kennen gelernt wie zum Beispiel das Mentimeter. Mit diesem Werkzeug kann man die in einer kreativen Community gemeinsam gefundenen Mentalität (als „Kulturstandard eines sozialen Systems oder einer community“ in denglisch auch mind set genannt) das Ergebnis in Form einer Schlagwortwolke (tag cloud) blitzschnell wiedergeben. Wirklich sehr praktisch.

Besonders viel Impulse habe ich in Sessions zu folgenden Themen gewonnen:

  • culture engineering“ als Wissenschaft, die sich um Methoden und Techniken zur Veränderung von Unternehmenskulturen bemüht,
  • was „coaching“ and „agile coaching“ ausmacht und zur Frage,
  • ob es für ein mittelständisches Unternehmen Sinn macht, sich öffentlich „gegen Rechts“ zu positionieren.

Die Erfahrungen waren für mich so wesentlich, dass ich dieser in IF-Blog berichten will und wohl auch werde.

Allgemein ist mir wieder klar geworden, wie sehr man für sich selber verantwortlich ist. Wie wichtig es ist, dass wir uns nicht von unserem Verstand unterdrücken lassen. Und in Zweier-Gesprächen (peer2peer)wie in Runden unterschiedlicher Größe habe ich erlebt, wie viele Menschen auch als Community einen wunderbaren „mindset“ (Mentalität) haben, der mich für die Zukunft froh macht.

Mir ist aber auch aufgefallen, dass die meisten Menschen eine Basisannahme haben, der ich ein wenig widersprechen möchte. Sie gehen davon aus, dass es eine Beschleunigung und eine Mehrung von Komplexität in vielen Dimensionen unseres Lebens gibt, die uns zwingt, immer bereit für Veränderung und Innovation zu sein. Und die Hoffnung ist, dass uns dies besser gelingen kann, wenn wir die Agilität in unserem Leben erhöhen.

Das klingt dann so:

„Wir müssen agiler werden, damit wir besser mit Komplexität und Beschleunigung umgehen können und mehr Resilienz und Antifragilität entwickeln können.“

Ich zweifel nicht daran, dass auf agile Art und Weise manches (oder besser vieles) im privaten wie im beruflichen Leben besser geht. Aber ob in Leben und Beruf wirklich alles komplexer wird, da bin ich mir nicht so sicher. Ich habe eine andere Erfahrung (Analyse) gemacht, die natürlich genauso in Frage gestellt kann (oder muss) wie die Aussage im vorhergehenden Satz):

„In sozialen Systemen aller Art herrscht viel Widersinn vor – oft bis zum Irrsinn!“

Um dies aufzuzeigen, werde ich demnächst ein paar Artikel schreiben zu Themen wie „Der Widersinn zwischen Prozessen und gesundem Menschenverstand“ und „Der Widersinn zwischen Vertrauen und Geheimhaltung“.

Und gegen diesen Widersinn, da glaube ich, dass ein agiler Mindset – kombiniert mit ein paar gemeinsamen Werten – wesentlich helfen kann. Das agile Manifest beschreibt auch nur vier große Widersprüche und schlägt Positionen vor, die da Vorfahrt haben sollten (das sind immer die auf der linken Seite, die vor den auf der rechten Seite gehen). Das habe ich mit vielen Menschen diskutiert, und die Mehrheit hat es immer genauso gesehen. Ich habe den Link zum agilen Manifest auf die Deutsche Version gelegt, finde die englische aber besser.

Zurück zum #PMCampBER. Ja es war großartig, vielen Dank an alle Teilnehmer (korrekt Teilgeber) und natürlich besonders ans Orgateam.

Ich bin inspiriert und freue mich auf das Schreiben über den „Widersinn“ als ein wesentliches Problem  der Kultur in sozialen Systemen und meine, dass dies auch ein gutes Thema für eine Session auf einem der nächsten PMCamps – wo auch immer – sein könnte.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 6. September 2018

Urlaub. Vorbei. Kurzbericht & Gedanken.

Jetzt sind wir wieder zurück, der Urlaub ist vorbei.

Am ersten Sonntag im September ging es zurück in Richtung Herbst. Nach gut zwei Wochen einfachen Lebens unter griechischer Sonne. Es war kein Luxusurlaub – es war sehr warm, wir waren intensiv in der Natur mit wenig Zivilisation und ganz einfachen sanitären Anlagen. Aber mit viel Schwimmen und Radeln – und täglich gab es viel zum Genießen.

Und wieder Mal ist die Luft draußen.

Beim Radeln haben uns die Dornen geärgert, die immer wieder unsere Reifen durchstochen haben. Mücken haben uns aufgelauert und im Wasser kleine Fische an unseren Mückenstichen geknabbert. Es war es richtig heiß und auch nachts im Zelt gut warm. Der frische Wind vom Meer hat gut getan.

Es war kein Luxus-Urlaub, aber eine wunderbare Zeit, mit vielen Erlebnissen. Mit den Fahrrädern haben wir im wahrsten Sinne des Wortes viel „erfahren“. Bis zu fünf Enkel waren dabei und haben die Tage genauso genossen wie die Erwachsenen. Was natürlich uns besonders gefreut hat.

Es gab auch einmal Regen.

An einem Tag hat es geregnet, anschließend waren die Tage nur ein wenig kühler. Nachts waren die Lichter aus und wir konnten den Sternenhimmel – in der Mitte unseres Aufenthaltes sogar mit Vollmond erleben. Die in der Kindheit gelernten und fast vergessenen Sternenbilder tauchten wieder auf.

Und mir kam in tiefer Nacht der Gedanke, wie es wäre, wenn die Sonne am Morgen nicht mehr aufgehen würde. Wohl wissend, dass dies zurzeit ja noch eher unwahrscheinlich ist. Aber weiß man es wirklich? Zumindest habe ich mich über die Morgensonne jeden Tag so richtig gefreut!

In dieser einfachen Welt habe ich verstanden, wie wichtig für uns Menschen die Sonne ist – und wieso die Menschen über Jahrhunderte sich die Sonne als unsere Göttin ausgekuckt haben.

Die Schönheit der Natur hat uns immer beeindruckt.

Blick von der Fahrradtour.

Nur ein wenig in die Höhe radeln und schon wird die Welt unter uns kleiner. Leider täuscht oft der Anblick – es befindet sich hinter der Schönheit oft (zu) viel Müll. Auch unser Paradies hat Mängel.

Ein zweiter Gedanke hat mich betroffen gemacht. Denn jeden Morgen bin ich in unserer Buch den Strand entlang geschwommen und dann die Strecke auf dem Strand gemütlich zurück gegangen. Mit großer Vorfreude auf den Frühstückscafé. Und dabei bin ich doch über einigen Kleinmüll gestiegen.

Kein Strand frei von Müll.

Und ich dachte mir: „Warum nehme ich eigentlich auf meine Schwimm-/Geh-Tour keine Plastiktüte mit und sammle die vielen Strohhalme ein? Dabei würde ich mir doch wirklich keinen abbrechen. Und dass mich dann andere Menschen mit Sicherheit komisch anschauen würden, auch das sollte ich doch abkönnen.“

🙂 Und vielleicht würde Göttin Sonne sich darüber freuen?

Doch am nächsten Morgen habe ich die kleine Tüte wieder vergessen und auf dem Rückweg den Plastikmüll liegen gelassen.

Auf dem Friedhof von Mavrouni haben die Toten Seeblick.

Auch über Leben und Tod denkt man nach, wenn man so weit weg vom Lärm unserer Städte ist. Und dass Zelten vielleicht auch ein Thema ist, dass im Alter ein bisschen schwieriger werden könnte. Trotzdem würde ich es gerne wieder probieren. Und wenn es mir im nächsten Jahr noch mal gelingt, dann nehme ich  jeden Morgen auf meine Schwimmtour einen kleinen Plastikbeutel in der Badehose mit – und sammel auf dem Rückweg ein wenig vom Müll ein. Und denk mir nichts, wenn ich komisch angeschaut werde!

Versprochen!

RMD

Hans Bonfigt
Sonntag, der 2. September 2018

Es plappert der Spiegel am rauschenden Bach … (I)

So richtig verstehen kann ich es selber nicht:

Ich habe gute Laune, es ist schönes Wetter, wir haben zwei wunderschöne Jungkatzen bekommen, die sich mit unserem „alten Herrn“ zunehmend besser vertragen, wirtschaftlich geht es uns einigermaßen.  Alles in Ordnung.

Und dann stöbere ich im „Spiegel online“ und meine Stimmung ist zuverlässig im Keller.  Warum gucke ich überhapt dort hinein ?

Soviel Dummheit, Dünkel und Desinformation — ich könnte schreien vor Wut, denn der Spiegel ist ein Meinungsbildner und das pseudointllektualistische Geplätscher kommt lesefreundlich daher.  Um mir meinen Ärger einmal von der Seele zu schreiben, möchte ich einige SPIEGEL – Artikel einmal teilen.

 

Teil I: ENDLICH schafft die EU die Halogenlame ab, und das ist gut so !

Das deutsche Volk ist schließlich dumm und man muß es zu seinem Glück zwingen.   Denn LEDs sind in jedem Fall die bessere Wahl !

Soweit jedenfalls Markus Becker.   Studium der Anglistik, Geschichte und Germanistik in Bochum und Newcastle upon Tyne, Magister-Abschluss 1999.

Ein wahrer Meister der Argumentation:

„Regt sich heute noch jemand über das Ende der Glühbirne auf? Eben.“

Wie, „Eben.“ ?  Also, wenn sich nach sechs Jahren keiner mehr über einen ganz dummen Blödsinn aufregt, dann legitimiert das den Folgeblödsinn ?   O.K., wenn man das als Erklärung für den „Erfolg“ der EU hernimmt, dann wird bestimmt ein Schuh draus:  „Wir verordnen Schwachsinn, das aber regelmäßig und machen alsbald weiter, wenn sich die Aufregung der Bevölkerung gelegt hat“.

Fakt ist, heute kaum noch bestritten:  Der „Glühlampenerlaß“ der EU sorgte für eine europaweite Kontamination fast aller Haushalte mit gefährlichem Sondermüll.  Der gewünschte Einspareffekt trat nicht ein.  Die Lebensqualität in „modern“ beleuchteten Räumen sank.  Also:  Ich rege mich auch heute noch darüber auf.  Und war froh, unseren kompletten Haushalt schon vor Jahren auf Halogenlampen umgestellt zu haben.

Beleuchten wir einmal den EU-Folgeschwachsinn in seinem gesamten Spektrum, ‚mal sehen, ob mir das ohne Magisterabschluß in Newcastle upon Tyne gelingt:

  • Energieeffizienz:   Im überwiegenden Teil des Jahres müssen wir heizen.   Nix gegen Newcastle upon Tyne, aber was man dort garantiert nicht lernt:  „Energie geht nicht verloren„.  Dieser Satz hat als „1. Hauptsatz der Thermodynamik“ eine gewisse Popularität erlangt, ist aber alles andere als trivial.   Die aufgenommene Leistung wird in der Halogenlampe zu etwa 15% in sichtbares Licht gewandelt.  Der Verlust von 85% heizt als Infrarotstrahler die Umgebung.  In den meisten Fällen ist dies willkommen.  Der „Verlust“ sorgt nämlich 1:1 für Energieeinsparung beim Heizen.
  • Lichtspektrum:  Die Halogenlampe erreicht eine „natürliche“, einigermaßen lineare Verteilung der Lichtenergie auf das (sichtbare) Spektrum.  Über meinem Schreibtich hängt ein 300 W – Halogenbrenner, der, in Reflektortechnik, für eine schattenfreie, ideale Lichtverteilung sorgt.  Nun dient ab und zu mein Arbeitsplatz lediglich dazu, um in Intervallen von einer Stunde draufgucken zu können, wie sich ein bestimmter Prozeß entwickelt.  Da vergeude ich nicht sinnlos 300 W.  Es gibt also eine zusätzliche LED-Beleuchtung.  Die, nebenbei bemerkt, so richtig teuer war.  Sobald ich aber längere Zeit bei dieser Beleuchtung arbeite, bekomme ich Kopfschmerzen und meine Konzentration läßt nach.  Zunächst führte ich dies auf Interferenzen zwischen Bildschirm-wiederholfrequenz (60 Hz) und Lichtfrequenz (50 oder 100 Hz) zurück, aber ich habe mir schon seit längerem einen hervorragenden LED-Bildschirm gegönnt.  Nein, die Frequenz ist es nicht, es ist die fiese, die blauen Farbtöne anhebende, spektale Zusammensetzung, die mein Wohlbefinden beeinträchtigt.  „JAAA, aber die neuen Geräte sind doch viiiiiiiiiiiiiel besser“, so überbieten sich die Schreiberlinge.  Wir haben Freunde in Freising, die richtig Spaß haben an der neuesten LED-Technik, aber in deren Wohzimmer bekommen sowohl meine Frau (lichttechnisch desinteressiert) als auch ich zuverlässig Kopfschmerzen.  Ich wette, nach ein paar Laphroaig würde das verschwinden, aber dummerweise saufe ich nicht mehr.
  • Lebensdauer:  Mittlerweile sollte es sich auch in der selbsternannten Akademenz herumgesprochen haben:  Leistungsreduktion um zehn Prozent verlängert die Lebensdauer von Halogen- und sonstigen Glühlampen um den Faktor 10, im Journalisten-Laiendummsprech also um „900 Prozent“.  LED-Leuchtmittel dagegen werden schnell schwächer und fallen in der Praxis früher aus als eine Halogenlampe.  Das ist nun der primitiven, „kostenoptimierten“ Spannungsversorgung geschuldet, die dem VW-Konzern alle Ehre gemacht hätte.   Dazu  komme ich noch.
  • Herstellungskosten:  Selbst wenn wir die absoluten Beträge vergleichen, ohne sie in Bezug zu setzen zur tatsächlichen Lebensdauer, obsiegt hier ganz klar die Halogenlampe.
  • Umweltverträglichkeit und Recycling:  Auch hier ein klares Plus für die Halogenlampe.
  • Lichtfrequenz:  Einer Doppelwendel aus Wolframfaden ist es wumpe, ob sie von einer positiven oder von einer negativen Halbwelle des Netzwechselstroms durchlaufen wird.  Einer Leuchtdiode jedoch nicht!  Die Halogenlampe braucht also keinen Gleichwichter, um eine Lichtfrequenz von 100 Hz zu erhalten.  Dabei glättet die Trägheit des Wolframfadens die Welligkeit.   Das mit der Welligkeit ist so eine Sache, wegen I=U/R ∧ P=U*I ⇔ P=U²/R wächst mit zunehmender Spannung die (Momentan-)Leistung im Quadrat, wir haben es also mitnichten mit einem sinusförmigen Verlauf zu tun.  Gleichzeitig kühlt der Wolframfaden nach jedem Leistungsmaximum wesentlich schneller ab als im Durchschnitt, da die abgestrahlte Leistung (Boltzmann/Stefan) in der vierten Potenz mit der Temperatur steigt (oder abnimmt).  Nicht zu vergessen:  Der ohmsche Widerstand nimmt mit der Temperatur zu.  Wir haben es hier also schon bei einer „einfachen“ Halogenlampe mit einer komplexeren Betrachtung zu tun, die garantiert nicht von Journalisten verstanden werden kann, die berufsbedingt (oder sollte ich besser sagen „berufungsbedingt“ oder „selbstberufungsbedingt“ schon bei der Division zuverlässig scheitern.  Wir können uns aber merken:  Bei einer typischen Halogenlampe variiert der Lichtstrom mit einer Frequenz von 100 Hz um etwa 10 Prozent.  Diesen Wert habe ich als 14jähriger einmal mithilfe eines Fototransistors und eines Oszillographen ermittelt.  Größenordnungsmäßig sollte das stimmen, in diesem Alter war ich schweinegut drauf, soff noch nicht, haßte Sport aller Art und beschäftigte mich ausschließlich mit solchem Krams.  Übrigens:  Seinerzeit, anno 1974, hieß ein Oszillograph halt „Oszillograph“ und nicht „Oszilloskop“ resp. „Scope“.  Vor diesen Geräten hatte ich immer einen Mordsrepekt , da fand und finde ich den altmodischen Begriff einfach angemessener.   Neureiche Spinner reden ja auch von ihren „Chronographen“, wenn sie ihre nutzlosen Breitling-Klunker meinen.  Ein Bekannter, seit seinem 15. Lebensjahr Segel- und später auch Motorflieger, unterdessen Berufspilot, bezeichnet Breitling gern als „Fliegeruhr für Nicht-Flieger“, und so geriert sich der Hersteller auch in der Werbung.  Wobei ich den „Navitimer“ seit 30 Jahren sehr schön finde.  Als Nichtflieger.  Aber ich würde ihn dann „Chronometer“ nennen oder, ganz ehrlich:  Uhr.  Entschuldigung für diese Entgleisung, aber ich finde, die Klarheit von Gedanken muß sich in der Klarheit der verwendeten Ausdrücke manifestieren — und umgekehrt.  Zurück zum Thema:  Lichtfrequenz einer Halogenlampe:  100 Hz und 10 Prozent Modulationstiefe, LED: 50 Hz und 100 Prozent Modulationstiefe.  Und das Geflimmer nervt.   Gut, Herrn Juncker nicht, wenn er ausreichend sediert ist.   Gibt aber Leute, die arbeiten müssen.
  • Regelbarkeit: Für die- oder denjenigen, der es bis hierher geschafft hat:  Lassen Sie mich erstmal den Begriff „Regeln“ durch „Stellen“ ersetzen:  Ein Lichtregler sorgt autooperativ für die Einhaltung der gewünschten Lichtstärke.  Der typische „Dimmer“ ist ein „Stellglied“, mit dem man die Lichtstärke variieren kann (heutzutage typischerweise durch Veränderung des Phasenan- oder abschnittswinkels), der aber keineswegs die Stärke des Lichtstroms erfaßt und ggfs. den Stellgrad ändert.  „Stellbarkeit“ wäre der richtige Begriff, den versteht bloß keiner mehr.  Das primitive „Kondensatornetzteil“ dieser billigen „LED-Chinakracher“ besteht unterdessen aus einem einfachen, vorgeschalteten Kondensator.   Mit einem Kondensator kann man in der Tat bei Wechselstrom eine quasi verlustfreie Strombegrenzung erreichen — in etwa so wie seinerzeit mit der Drosselspule der Leuchtstofflampe.  Hört sich bis dahin clever an.  Dummerweise gibt es in einem typischen Haushaltsnetz immer wieder kurzzeitige, heftige Überspannungen („Transienten“), die die extrem überspannungsempfindlichen LEDs glatt zerstören würden.  Deswegen werden auf einmal zwei Dinge notwendig:  Ein Vorwiderstand, der Adolf Hitler der Energieeffizienz, und, parallel zu den LEDs, ein Spannungsbegrenzer.  Diese „Combo“ sorgt dafür, daß einerseits die Effizienz deutlich gemindert wird und andererseits das Variieren der Helligkeit mit einem klassischen „Lichtdimmer“  unmöglich ist.
  • Häßliche Nebeneffekte:  Während eine Halogenlampe als rein ohmsche Last das Lichtnetz linear belastet, sorgt der Kondensator (s.o.) dafür, daß (wenigstens einigermaßen lineare) Blindlast entsteht.  „Blindstrom“ ist Strom, der beim Verbraucher keine Leistung entfaltet, aber permanent nutzlos zwischen E-Werk und Verbraucher mit der Netzfrequenz synchron hin- und hergeschunkelt wird und überall auf dem Übertragungsweg Verluste verursacht.  So ein typisches Beispiel ist ein Klingeltransformator:  Obwohl die Klingel vielleicht nur zweimal pro Woche betätigt wird, muß der Strom ja Tag und Nacht zur Verfügung stehen, man weiß ja nie … .  Also fluktuiert permanent im Transformator ein Magnetfeld – um dieses zu erzeugen, braucht es definitiv Strom. Und dieser Strom, in Höhe des Nennstroms des Transformators, wird fleißig zwischen Erzeuger und Klingeltrafo hin- und hergeschunkelt.   Zuhause fällt kein Verbrauch an, wenn wir einmal von den typischen „Trafoverlusten“ (Hysterese, Wirbelstrom, Wicklungs-widerstand) absehen, weil Strom und Spannung um etwa 90° phasenverschoben sind, aber tatsächlich fließt ein kräftiger Strom über die komplette Übertragungsstrecke und erzeugt überall Verluste.  Früher, als es noch keine EU, dafür aber verantwortungsvolle Elektroingenieure gab, kompensierte man den Blindstrom, welcher von der Drosselspule einer Leuchtstoffröhre verursacht wurde, mit einem parallelgeschalteten Kondensator, den man heute noch vielfach bei alten Installationen sehen kann.  Um den von den bis weit unter die Schamgrenze primitiv gestalteten „Kondensatornetzteilen“ erzeugten Blindstrom zu kompensieren, bräuchte man jetzt analog eine Drosselspule.  Die ist teuer und baut vergleisweise groß und schwer – also läßt man es.
  • Prinzipielle Schwächen:  Jede Diode, also auch eine Leuchtdiode, hat eine gewisse „Durchbruchspannung“, die auch bei absolut baugleichen Exemplaren minimal variirert.  Deswegen weiß jeder Zwölfjährige, der ein paar Dioden parallelschaltete in der Hoffnung, er hätte damit die maximale Stromstärke vervielfacht:  Die ganze Last gehr zunächst durch die Diode mir der geringsten Durchbruchspannung, danach brennt sie durch, die Diode mit der nächsthöheren Durchbruchspannung übernimmt nach dem Prinzip der „Zehn kleinen Negerlein“, ääääh:  Neun, acht, sieben, sechs …   Je mehr Einzeldioden verrecken, desto schneller geht der Exitus voran.  Man kann das verhindern mit Ausgleichswiderständen, aber das kostet wieder… .  So ähnlich ist es auch mit einer Palette LEDs, die eigentlich jede für sich versorgt werden müßte.   Aus Kostengründen tut man das nicht, sondern billigt es, daß die Geräte nach kurzer Zeit teilweise ausfallen.  Interessanterweise verbraucht eine LED-Lampe, bei der einige Dioden ausgefallen sind, genau das gleiche wie eine im (noch) intakten Status.  Ganz nebenher:  Man könnte einen Siebungskondensator einbauen, um damit die LEDs mit beinahe reinem Gleichstrom zu betreiben und das elende „Geflimmer“ aus der Welt zu schaffen:  Aber:  Der Kondensator baut wieder zu groß und zu teuer.

 .

Technisches Fazit:

Nichts gegen die Halogenlampe, aber:  Eine bestimmte Bauform X einfach durch eine LED-Variante Y ersetzen zu wollen, ist absoluter Schwachsinn, umweltschädlich, viel zu teuer und nicht halb so energieeffizient wie gedacht.

Will man vernünftige Lichtlösungen mit LEDs, dann baut man eigens dafür entwickelte Lampen, in denen ein einziges festeingebautes, stellbares Netzteil möglichst viele LEDs versorgt.  Dann nämlich braucht man auch kein „Flackern“ inkaufzunehmen.

Die „Effizienzverordnung“ der EU ist so unsinnig und kontraproduktiv wie die EU selbst.

 

Was sagt der „Wutbürger“ ?

Das kann ich Ihnen, lieber Leser, ziemlich genau sagen:   Ich zitiere einmal meinen Vetter Bernhard, auf moderne Journalisten angesprochen, aus den frühen 90er Jahren, nach dem Genuß einiger Asbach-Cola:

„Das ist doch ganz einfach:   Die Weiber in den Puff und die Männer ins Arbeitslager, damit denen die Flausen aus dem Kopf gehen!“

So schockiert ich vor einem Vierteljahrhundert über diese Äußerung war, so sehr stehe ich heute klammheimlich dahinter.   Es ekelt mich an, wie sich diese überheblichen Pimpfe als Oberlehrer aufspielen und denjenigen Bürgern, welche sie am Kacken halten, mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.   Wie sie zu sprechen oder nicht zu sprechen haben.  Und uns Dummerchen die Welt erklären: Warum ein schwuler Kinderficker unsere Gesellschaft bunt bereichert.   Warum die Rücknahme der absolut sinnlosen Zeitumstellung als deutscher Alleingang Schaden für uns alle bringt.   Warum alle, die sich mit dem Thema zu befassen wagen, schlechte Europäer sind im Sinne von „habt Ihr denn keine anderen Sorgen ?“

Und irgendwann werden nicht nur die primitiven Fußball-Hooligans in der braunen Ostzone die Schnauze voll haben, sondern auch der westdeutsche Michel.   Dann wird der Ruhrpott kochen.  Und wer einmal einen Konverterabstich gesehen hat, der weiß, wie der Pott kochen kann.

Wie war das bei Brecht ?

Da kam einmal ein großer roter Bär daher,
der wußte nix von den Sitten hier, das brauchte er nicht als Bär.
Aber er war nicht von gestern und ging nicht auf jeden Teer —
und der fraß die Vöglein im Walde.

Da schwiegen die Vöglein im Walde nicht,
in allen Wipfeln ist Unruh,
über allen Gipfeln spürest Du
jetzt einen Hauch.

(Bertold Brecht, „Die Liturgie vom Hauch“, etwa 1920)

Und da bin ich doch ganz bei Katrin Göring-Eckhard, als sie von bevorstehenden grundlegenden Veränderungen in unserer Gesellschaft schwadronierte:

Und ja, meine Damen und Herren, ich freue mich darauf !

 

-hb, wird fortgesetzt.

Roland Dürre

SIEMENS. #MeinLeben

Technik von Siemens erlebt auf einem wunderschönen Ausflug zum Veragua-Rainforest zum Puma-Wasserfall Forschungszentrum in Costa Rica

Anfang der 70iger Jahre beim Studieren in München bin ich bei der Siemens AG gelandet. Als Werkstudent in der Kopp-Strasse. Dort war mein Büro – getestet haben wir im IT-Labor im Feurich-Bau. Die Kopp-Strasse war außerhalb, der Feurichbau innerhalb des Standortes „Hofmannstr.“.

Siemens war ein großartiges Unternehmen. Vielleicht das Deutsche Unternehmen.

Unser Motto war „Hochtechnologie für und mit allem was mit Strom zu tun hat“. Es gab mehr als 20 Bereiche, von denen ein jeder technologisch Herausragendes realisierte. Gemeinsam ergänzten sie sich synergisch. Dazu kam eine exzellente kaufmännische Führung des gesamten Unternehmens.

In den technischen Bereichen war Aufbruchstimmung. Die Herausforderungen konnten gar nicht groß genug sein, die gefundenen Lösungen waren genial.

Die Vorstände waren damals nahbar. Ein Siemens-Vorstand hat uns mal sein Rollenverständnis so erklärt:

„Den meisten der gut 25 Bereiche der Siemens AG geht es wirtschaftlich sehr gut. Einige wenige davon gibt es, die schwächeln. Meine Aufgabe ist es, die Schwachen wieder stark zu machen. Dass mir die Arbeit ausgeht, muss ich nicht befürchten, weil es ganz normal ist, dass auch mal wieder ein anderer „starker“ Bereich „schwächelt“.

Das hat mir eingeleuchtet. So ist das Leben, auch in der Wirtschaft. Ewige Top-Peformance gibt es nicht. Dann ist es normal, dass mal das eine oder andere auch schwächelt.

Die wirtschaftliche Stärke und die herausragende kaufmännische Kompetenz des Unternehmensgesamt habe ich bewundert. Das hat uns – Siemens – deutlich von Mitkonkurrenten wie AEG oder Telefunken unterschieden. Im Bereich D auch von Nixdorff. Und dass manche Siemens liebevoll ironisch als „Bank mit angeschlossenen Elektrokonzern“ bezeichnet haben, fand ich auch nicht schlecht. Wenn ein Unternehmen „Kohle“ hat, dann macht das durchaus Sinn.

Die Geisteshaltung zumindest in den Ingenieursbereichen hat mich begeistert. Wir haben in einer Art und Weise gearbeitet, wie es mir später Google (in seinen guten Jahren) von Mitarbeitern berichtet wurde. Es gab große technische Herausforderungen, ein hohes Maß an Eigenverantwortung und beim Scheitern eine faire Fehlertoleranz. Ergänzt von einem klaren Berichtswesen aber ohne hinderlichen Prozesse und Einengung durch rollen. Das waren die Tugenden, die uns technologisch nach vorne katapultiert haben. Und wir waren (oft mehr als) auf Augenhöhe mit IBM und den anderen überwiegend amerikanischen Konkurrenten. Die wenigen europäischen Konkurrenten hatten wir eh schon abgehängt.

Ende der 70iger war ich als fest angestellter Mitarbeiter bei Siemens. 1980 musste ich auch nach Neuperlach. Und habe das Unternehmen dann bald verlassen. Weil genau die oben genannten Tugenden verloren gingen.

Rollen wurden festgelegt und Prozesse eingeführt. Bürokratie wurde dominant und alle Entscheidungen dem Kriterium des Shareholder Values unterworfen.  Eine große Lähmung kombinierte sich mit unsinnigen Planungsansätzen und machte das erfolgreiche Arbeiten immer schwieriger bis unmöglich. So ging sie „baden“, die großartige Technologie.

Nach der Gründung meines eigenen Unternehmens habe ich viel Geschäft mit Siemens gemacht. Zu Beginn war das eine ausgezeichnete Situation. Siemens war ein fairer Kunde und Geschäftspartner. Dazu kann und habe ich schon viele positive Geschichten erzählt.

In den neunzigern hat sich dann aber auch das Klima für die Lieferanten mehr und mehr verändert. Ein schönes Bonmot dazu war bei den Lieferanten, dass für Siemens „Partnerschaft ist, wenn der Partner schafft“. Auch dazu kann ich viele Geschichten erzählen.

Dann ist der Abstand von mir und auch der InterFace zu Siemens gewachsen. Den Abstieg des großen deutschen Unternehmens im dritten Jahrtausend habe ich über die Jahre mitverfolgt. Der Schmerz des Ur-Siemensianers war ließ so immer mehr nach und wurde von der morbiden Freunde am Untergang eines kranken Systems ein wenig gelindert.

Jetzt in 2018 gibt es wieder spannende Neuigkeiten aus dem einstigen Elektrokonzern. Das Unternehmen wird neu organisiert. Man will sich „am Sinn orientieren“. Aber was heißt das?

Im Übrigen sollen alle Stakeholder profitieren – aber vor allem eben die Shareholder, dann auch ein wenig die Kunden, die Menschen im Unternehmen, die Lieferanten und die externalen sozialen Systeme. Siemens scheint da aus den letzten Jahrzehnten nicht gelernt haben, dass das nicht so funktioniert.

Meine emotionale Distanz zu Siemens ist größer geworden. So kann ich heute Siemens gelassener betrachten als noch vor ein paar Jahren. Und stelle fest:

Der Mitarbeiter steht wieder mal verbal „im Mittelpunkt“. Und da eher im Wege.

Ganz vorne steht der Shareholder, also das Internationale Kapital. Nach meiner Bewertung will Siemens einen Weg gehen, den ich schon ein paar mal bei anderen Unternehmen gesehen habe.

Man zerlegt ein Unternehmen in zwei (hier drei) Teile und bringt die neuen Unternehmen an die Börse. Wenn anschließend jedes Unternehmen für sich alleine einen höheren Börsenwert hat als das alte hatte – dann dürfen die Champagner-Korken knallen. Besonders beim Kapital.

Was dann aus den dreien Nachfolge-Konzernen wird, ist eine andere Geschichte. Mit dem alten Siemens wird das aber nichts mehr zu tun hat.

Macht auch nichts, denn die Zeit des „Wir machen alles, was mit Elektrizität zu tun hat“ ist eh schon lange vorbei. Wie die der deutschen Unternehmen, die gemeinsam mit mehr oder weniger begeisterten Mitarbeitern (und vielen Gastarbeitern) für das „Wirtschaftswunder“ gesorgt haben.

RMD