Roland Dürre
Mittwoch, der 13. Februar 2019

Meetings & Tagungen!? (Unternehmertagebuch #130)

Ich bin nicht mehr so viel wie früher auf Tagungen und in Meetings. So leide ich auch nicht mehr so viel wie früher unter sinnlosem Zeitverlust. Die Frage sei gestattet: Was ist schlimmer? Tagungen oder Meetings?

Innovate Session beim PM-Camp (in Zürich?)

Ich weiß es nicht. Beide sind meistens langweilig. Aber man ist verpflichtet, dabei zu sein.

Auf den Tagungen treffen wir  Referenten, die begeistern sich an für sie Neuem, das aber schon einen aber auch so langen Bart hat.

Andere demonstrieren, wie toll sie sind und verteilen ihr Wissen schöpferweise. Oder langweilen mit dummen Witzen und bleiben belanglos.

Die Vorträge sind oft starr, die Folien werden routiniert heruntergegebetet. Man merkt dass der meist männliche Redner sie schon oft öfters vorgetragen hat. Und am Morgen dann noch schnell das Datum und die Veranstaltung geändert hat.

Traditionelle Konferenzen sind für mich Überbleibsel des Feudalismus. Auf einer Klassischen Tagung treffen sich zwei Kasten – die der Referenten und die der Besucher. Die Vortragenden bekommen Geld und weitere Vorteile und dürfen etwas sagen. Die Teilnehmer müssen zahlen und schweigen.

Da findet dann oft eine schreckliche Beschallung statt – immer nur in eine Richtung. In der Pause tauscht man sich aus und wird dann von den „Ordnungskräften“ wieder in die Hörsäle geschickt wird.

Ich bevorzuge „Unkonferenzen“ mit Formaten wie OpenSpace und Barcamp.

Konferenzen und Tagungen sind sind seltener als Meetings. Auf eine Tagung geht man mit Hintergedanken, weil man sich irgendeinen Vorteil erhofft oder Zielpersonen treffen will. Man kann sie auch schwänzen. Die Teilnahme an oft schrecklichen Meetings ist dagegen verpflichtend. Ihnen entkommt man nur, wenn man in der Hierachie sehr mächtig ist.

Und wenn man drin ist, dann kommen die „wichtigen Leute“ oft zu spät oder versenken sich zu erst mal in ihre „Smartphones“. Wenn alle Teilnehmer da sind, wird begonnen. Beendet werden sie, weil die Zeit vorbei ist und einer der wichtigen Leute ins nächste Meeting muss. Viel mehr als schlechte Kompromisse kommen selten heraus.

Zu Meetings hier eine Empfehlung für Euch.

Bei großen Konzernen wie bei kleinen Unternehmen viel zu viel „gemeetet“ wird. Diesen Missstand versucht ein kluger Freund zu begegnen. Dazu führt er bei seinen Kunden folgende Regel ein:


Immer, wenn ein Meeting stattfindet, stellt sich die Runde vor dem Beginn die Frage, ob das Meeting sinnvoll ist. Wenn zwei der Teilnehmer dies verneinen, wird das Meeting sofort beendet und alle gehen wieder an die Arbeit.


Damit ist er sogar bei großen Konzernen sehr erfolgreich. Soll dieses Vorgehen erfolgreich sein, dann verlangt es ein wenig Zivilcourage. Aber es funktioniert in einer halbwegs zivilisierten Welt tatsächlich.

Wenn alle Teilnehmer der Meinung sind, dass das Meeting gehalten werden muss, dann braucht es ein Format. Denn ohne Struktur wird meistens nur Small Talk entstehen. Und so nur mit viel Glück (und Zeit) ein Ergebnis erreicht werden. Das Format hängt davon ab, welches Ziel das Zusammenkommen hat.

Dient das Meeting der Lösungs- oder Sinnsuche (kreativ) ode dem Team-building (mental)? Soll es Mut machen? Oder steht eine schwere Entscheidung an, die wegen einer mehrdimensionalen Problematin rational nicht getroffen werden kann (Bitte daran denken dass Entscheidungen per Definition unter Unsicherheit stattfinden!)?

Es kann eine Fahnenbildung, ein Spiel, eine Debatte etc. angesagt sein. Dies unterstützt von dialektischen Regeln und geeigneten Werkzeugen (Visualisierung, haspisches Erleben …).

Und wenn das Meeting wichtig ist, aber keiner weiß warum, dann kann man die wichtige Frage „Was plagt uns eigentlich?“ stellen. Die im übrigen viel zu selten gestellt wird.

Und  wählt dann das das einfachste aller Formate und macht ein lean coffee. Ich empfehle dazu noch ein gemeinsames „time-boxing“ für jedes Thema und laufenden Review der Beschlüsse. Mit „time-boxing meine ich, dass man – bevor man sich einem Thema widmet – gemeinsam festlegt, wie viele Minuten (!)man dafür aufwenden will. Und mit „Review der Beschlüsse“ meine ich die laufende Überprüfung, ob die gemeinsam beschlossene Wichtigkeit der Themen noch relevant ist oder sich da schon etwas geändert hat.

Welches der bekannten Kommunikations-Formate man nutzen will, das sollte man gemeinsam in den ersten drei Minuten des Meetings festlegen. Und dann geht es los. Und ist nach 60 Minuten fertig. Spätestens wenn man mehr als 90 Minuten braucht, dann sollte man aufhören und sich überlegen, was falsch gelaufen ist.

Ich garantiere, dass so die Meetings deutlich weniger dafür aber fruchtbarer werden. Und die Meetings sogar Spaß machen. Und man so früher oder später in den gemeinsamen „Flow“ kommt, den man dringend für ein erfolgreiches Zusammenwirken braucht.

Also: Mut haben und das einfach mal Ausprobieren. Und wenn Ihr ein wenig hilflos seit, dann nehmt Euch einfachen einen agilen und bescheidenen Moderator. Davon gibt es auch genug.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Ein positiver Fall: Hype-Zyklus nach Gartner Inc.

Seit 50 Jahren mach ich offiziell in Digitalisierung. Unter anderem habe ich da viele Hypes erlebt.

In diesem Beitrag schreibe ich über die Hypes, an die ich mich erinnere. Aber nicht als wissenschaftliche Arbeit sondern mehr zum Schmunzeln.

Lasst mich berichten. Zuerst, was ist ein Hype?

Ganz einfach:
Es gibt einen Auslöser. Der kann völlig unterschiedlich sein wie ein technischer Durchbruch, ein singuläres Ereignis, eine Massenhysterie …

Dann geht der Goldrausch los. Und gar nicht selten gibt es ein bitteres Ende.
Oft gilt:
Nichts gewesen ausser Spesen.

Als KPI’s für Hypes kann man nehmen:

  • die Anzahl von Neugründungen von Unternehmen zum Hype-Thema,
  • die Höhe des im Umfeld des Hypes investierten Investment-Kapitals
  • die Anzahl der Vorträgen,  die Politiker, Analysten und andere Klugschwätzer über das Thema halten (meistens ohne davon etwas zu verstehen)
  • und weitere (man muss nur ein wenig nachdenken, dann fällt einem vieles ein).

Zurzeit reden alle über Digitalisierung. Die ist so ein Mega-Hype, die viele Unter-Hypes enthält.

Hypes in der Digitalisierung

In den den 70iger Jahren habe ich beim Siemens in „industrieller Informatik“ (so wie ich das nenne) gemacht. Das war eher so richtiges Ingenieurs-Schwarzbrot. Wir haben klassich programmiert. Zum Beispiel Betriebssysteme, Module für Datenfernverarbeitung und Rechnernetze, Datenbanken und Transaktionsmonitore.

Alles nicht so aufregend. Und auch ziemlich „hype-frei“. Parallel kamen Hypes wie kleine bunte Computer, die Spiele konnten. Das war schon aufregender.

KI

Den ersten Hype, den ich zu Beginn sehr bewußt erlebt habe, war der KI-Hype. Jeder, der sich für modern hielt, machte ein wenig auf Künstliche Intelligenz (KI). Und wer ganz modern sein wollte, sprach von „Artificiel Intelligenz“ (AI). Für mich in der Industrie-Informatik war das Thema unerreichbar.

Ein Zauberwort war damals „Expertensystem“. Besonders beliebt war das in Bereichen wie der Medizin. Die Tagungen zu KI/AI waren voll mit digitalen Träumern.

Neben den Expertensystemen gab auch schöne Exoten – so haben Freunde von mir an einem System gebastelt, dass aus dem Geräusch eines Hubschraubers heraushören sollte, ob alles noch stimmen würde. Korrekt müsste ich schreiben, sie haben das versucht – das Projekt ist nie Realität geworden. Auch so ein Hype-Schicksal.

Damals spalteten zwei Programmiersprachen die KI/AI-Community. Für die einen war Lisp die einzig wahre Sprache für KI/AI, für die anderen Prolog.

Bei Prolog war mir schnell klar, dass die Hardware für das aufwändige Back-Tracking noch nicht leistungsfähig genug war. Trotzdem wurde gerade in Japan viel mit Prolog gemacht. Meistens waren das akademische Projekte – und meines Wissens ist da nie viel rausgekommen. Eine Hobby-Variante gab es auch. Die hieß Turbo-Prolog (so wie Turbo-Pascal). Ein Unternehmen der InterFace war damals die „InterFace Computer GmbH“. Die hatten das wahrscheinlich beste Prolog der Welt. Und die Entwicklung von IF-Prolog hat das Unternehmen ruiniert. Von Lisp habe ich bis heute keine Ahnung.

Eine Definition, was künstliche Intelligenz von normaler, auch als algorithmisch bezeichneter Software unterscheidet, gab es nicht. Heute haben wir ja wieder einen KI/AI-Hype. Und wenn ich dann einen der „Speaker“ frage, wie der künstlich Intelligenz definieren würde, kommt selten eine vernünftige Antwort. Weiter unten werde ich meine Definition zu besten geben – aber ob die viel mehr taugt weiss ich auch nicht.

Ich habe in meinem Leben viele Hypes erlebt. Größere wie Kleinere. Soviele, dass ich sie mir gar nicht merken konnte. Ich nenne mal ein paar Hypes, die ich so erlebt hatte (und an die ich mich noch erinnere).

Ganz früh waren es mal die Hybrid-Rechner. Die Synergie von Analog und Digital sollte neue Dimensionen eröffnen. Dieser Hype war vorbei, bevor er los ging. Dann erinnere ich  mich an Ontologie, die gefördert wurden wie kein Informatik-Thema zuvor. Risc-Prozessoren sollten Server schneller machen. Die objektorientierte Programmierung war ein Hype und hatte ein paar kleine Kinder wie „objekt-orientierte“ Datenbanken. Manches davon ist verschwunden, anderes zum Standard geworden.

Irgendwann mal ging alles um die Farbe im Büro. Natürlich ist das heute alles selbstverständlich, aber meine HIT/CLOU-Kunden aus der Finanzindustrie haben sich schon sehr stark endlich mal die Farbe „ROT“ gewünscht (für die roten Zahlen in den Bilanzen …)

Der Wunsch nach Farbe hat auch den Client-Server-Hype befördert, der auf bunten Windows-PCs beruhte und der nach meiner Meinung kräftig vom Wunsch der Menschen profitierte, Solitär zu spielen zu können. Die „Organizer“ waren hype, bis sie das Smart Phone als Kombination von Organizer und Mobil-Telefon ablöste. Und auf all diesen Geräten kann man ja auch Solitär spielen.

Dann hatten wir den Hype der „rich clients“ (eigentlich ist heute ein jedes Smartphone ein „rich client“).

Parallel dazu kam das Internet. Und später dass WWW2. Das waren dann gleich 2 Hypes auf einmal. Der Unterschied war, dass irgendwelche Menschen bemerkt hatten, dass es im Internet nicht nur Konsumenten gibt. Das war aber von Anfang an so, denn ohne Anbieter gibt es nichts zu lesen.

Seit zwanzig Jahren bin ich regelmäßig in der Jury von BayStartUp (das Unternehmen, das in Bayern die Business-Plan-Wettbewerbe organisiert) und mittlerweile weitere Angebote für Menschen hat, die ein Unternehmen gründen wollen. Da sehe ich, welche Hypes gerade „IN“ sind. Hier ein paar Stichproben.

Es gab Zeiten, da wollten die meisten Jung-Unternehmer Geschäftsmodelle rund um APPs und später PORTALE entwickeln.

Zwei Jahre lang ging es vor allem um 3D-Drucker. Zwischendurch waren es dann auch 3D-Brillen und die zugehörige Infrastruktur …
(Wobei der 3D-Drucker ein gutes Beispiel ist, wie Patente Entwicklung behindern und die Technologie sich erst durchsetzt, wenn das Patent abgelaufen ist).
Betreffend 3D-Brille, da bei uns lag schon vor Jahren so eine unter dem Weihnachtsbaum. Ich fand den möglichen Content damals ziemlich schwach – und viel besser ist es wohl nicht geworden.

Irgendwann mal war die Blockchain der Renner. Die dürfte eine Spitzenstellung als Hype einnehmen – besonders wenn man die Höhe des spekulativ verbrannten Geldes mit in die KPI aufnimmt.

Ein gar nicht so sehr wahrgenommener Hype dürfte aktuell der Einsatz von Sensoren sein. Immerhin tragen diese dazu bei, dass wir bald nicht mehr von einer Mensch-Maschine-Schnittstelle sondern von einer Welt-Maschine-Kommunikation reden werden. Der Mensch ist dann nur noch ein Teil der Welt ist (hoffentlich kein störender).

Viele Mit-Hyper warnen schon vor der Diktatur der Maschinen. Die aber auch nicht schädlicher sein dürfte als die aus Menschen bestehenden Regierungen.

Heute ist es klar:
Der Hype heißt wieder KI/AI. Kombiniert mit „big data“. So werden wir vor einer schrecklichen Welt gewarnt – und lähmen die „Digitalisierung“ mit Datenschutz. So rauben wir uns viele gesellschaftliche Chancen. Und vergessen, dass KI/AI und Bigdata  nur technischer Fortschritt sind. Und dieser hat schon immer die Gesellschaft verändert. Meistens zu unserer Erleichterung.

Natürlich war es immer wichtig, mit dem technischen Fortschritt verantwortungsvoll um zugehen. Das ist der Menschheit nicht immer gelungen.

Deshalb zitiere ich auch gerne Bertrand Russell:
» Jeder Zuwachs an Technik bedingt, wenn damit ein Zuwachs und nicht eine Schmälerung des menschlichen Glücks verbunden sein soll, einen entsprechenden Zuwachs an Weisheit. «

Ich nenne hier gerne den „Motorisierten individuellen Verkehr“ (MIV). Der den Planeten zerstört und pro Jahr 1,3 Millionen Todesopfer und die mehrfache Anzahl an verletzten bewirkt. Hier hat die Weisheit wohl gefehlt.

Aber wer hätte das vor 100 Jahren wissen sollen? Ich meine, dass technologischer Fortschritt immer verändert. Und jede Veränderung trägt Risiko in sich. Über das Risiko darf man aber die Chancen nicht vergessen. Besonders weil man in der Regel die wahren Nachteile erst a posterio erkennt. Insofern sollte man bei Hypes zwar (weise) vorsichtig aber nicht (dumm) ängstlich sein.

Der ganze Hype um Datenschutz und -sicherheit scheint mir ein gutes Beispiel für eine ganz besondere Form von Schwarmdummheit zu sein – ein Begriff den ich von Gunter Dueck übernehme.

Von der Philosophie zur Technik.

Die für Digitalisierung genutzte Hardware selber funktioniert immer noch nach denselben Prinzipien wie in den 70iger Jahre. Der von uns wahrgenommene Riesenfortschritt bei Rechner, Leitung und Speicher (die Dreifaltigkeit der IT) ist eine Folge des Moore’schen Gesetzes (formuliert im Jahre 1965). Diese Leistungsexplosion hat die Mustererkennung als Basis für viele Anwendungen fantastisch ermöglicht.

Das Prinzip dieser Art von KI ist ziemlich alt. Turing hat es schon vor vielen Jahrzehnten beschrieben – ich meine in den 40igern des letzten Jahrhunderts.

Damit erfolgten große Fortschritte bei Spracherkennung und -Ausgabe, die ja auch nur ein Auswerten und Umsetzen von Mustern sind. Das ist die zentrale Voraussetzung für die neue Art von Software, die selber lernt, wie man Sprachen übersetzt oder ein Auto steuert. Und die war halt früher einfach nicht von der Hardware zu bewältigen.

So hat Deepminds Alphazero-KI den besten asiatischen GO-Spieler und nach kurzem Lernen auch Goldfish (das beste Schachprogramm) vernichtend geschlagen. Aber halt, beim Go-Spiel sind die Chinesen aufgewacht und investieren jetzt in ungeahnten Dimensionen Geld und Menschen ins Thema KI. Und werden dann bald auch die Amis mit ihrem ollen Watson und vielleicht auch Googles Deepmind überholen.

🙂 Und wie die Chinesen aufgewacht sind, sind es auch die Bayern … Und die wollen es jetzt den Chinesen zeigen – was den Insider in Digitalisierung doch ein wenig schmunzeln lässt. Im Video wird zwar viel vom Weltraum gesprochen. Am Schluß dann von Robotern. Für beides ist IT und KI die Voraussetzung. Und die kriegt man nicht für ein paar Hundert Millionen. Da braucht es Milliarden.

Die Bayern haben dann natürlich nicht nur eine tolle Schau gemacht, sondern Taten folgen lassen. Und ein Ministerium für Digitalisierung gegründet und am 12. November 2018 eine junge Frau namens Judith Gerlach zur Staatsministerin für Digitales in Bayern gemacht.

Staatsministerin Judith Gerlach ist geboren am 3. November 1985 in Würzburg, verheiratet, zwei Kinder und römisch-katholisch.

Sie ist jung und wurde Ende 2018 erst 33 Jahre alt. Und dass sie zwei Kinder hat, qualifiziert sie auch. Immerhin habe ich vieles in Sachen Digitalisierung von meinen Kindern gelernt.

Ihr Lebenslauf zeigt, dass sie eine hochqualifizierte Juristin ist. Das macht mich nachdenklich, weil das mehr nach Datenschutz klingt als nach Hochtechnologie. Ich frage mich, ob sie sich vorstellen kann, was ein Betriebssystem denn so ist. Aber vielleicht wissen das ja ihre Berater?

Die Frau Staatsministerin hat dann auch auf der oben verlinkten Seite geschrieben:


„Ich sehe sehr große Chancen für den Standort Bayern: Wir haben uns bereits in vielen Bereichen an die Spitze digitaler Entwicklungen gesetzt und werden weiterhin alle Kräfte bündeln, um neue Technologien zu entwickeln und gesellschaftlich verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Hierfür ist das neue Digitalministerium Motor, Koordinator und Denkfabrik.“

Judith Gerlach, MdL
Staatsministerin


Hätte sie eine Ahnung von Digitalisierung, dann hätte sie diesen Satz nie so geschrieben. Oder ihn vorher mal Leuten zu lesen gegeben, wie sie in Bayern im ZD.B sitzen. Die ziemlich viel Ahnung haben und auch eine Gründung des Freistaates sind.

Aber als Juristin hat sie ja eine gute Entschuldigung. Woher soll sie wissen, wo Bayern (oder Deutschland und Europa) digital im Weltvergleich technologisch stehen?

Vielleicht ist das ein neuer (alter) Hype, dass wir für die gesellschaftliche Gestaltung unseres technischen Fortschritts (nichts anderes ist die Digitalisierung) Jurist*innen einsetzen? Damit zumindest die AGBs (und der Datenschutz) stimmen?

Eine Antwort auf die internationale Positionierung der Wertschöpfung Europas gibt übrigens das vor kurzem ausgehandelte und in Kraft getretene Freihandelsabkommen EU-Japan (kurz EPA von englisch Economic Partnership Agreement, umgangssprachlich JEFTA genannt).

In einem Satz beschrieben wurde da ausgehandelt, dass Japan die Zölle für Agrar-Produkte aus Europa senkt, dafür senkt Deutschland die Einfuhrzölle für HighTec-Produkte aus Japan.

Der Trend scheint und ist klar: Bayern und Europa sind auf dem Weg zum Agrar-Land. Vielleicht noch zum Reiseland. Als HighTech-Exporteur sind wir abgehängt. Nicht nur in den internationalen Handelsabkommen, auch in der technischen Realistät.

Siehe unsere 5G-Probleme mit Huawei. Da erinnere ich mich an meinen ersten Job bei Siemens. Da war Kommunikation ein Hype. Und bei der damaligen Kommunikationstechnologie kam an Siemens weltweit keiner vorbei. Heute allerdings geht ohne (rot-)chinesische Technik da nichts mehr. Für die Freude von gestern zahlt heute keiner mehr.

Da klingt der obige Satz unserer Frau Staatsministerin wie Hohn:
Wir (Bayern) haben uns bereits in vielen Bereichen an die Spitze digitaler Entwicklungen gesetzt.
Das Gegenteil ist der Fall.

Was mich wundert, dass der mächtige VDA (Verband der Automobilindustrie e.V., Behrenstraße 35, 10117 Berlin) das Abkommen EPA/JEFTA nicht sabotiert hat. Denn immerhin könnten die Toyotas bei uns jetzt 10 % billiger werden. Wobei die Japaner kaum so dumm sein werden, die Ersparnisse beim Zoll an die deutschen Idiota-Fahrer in Deutschland weiter zu geben (ich bitte um Verzeihung für meinen primitiven Scherz).

Könnte es sein, dass der VDA andere Sorgen hat, weil mittlerweile auch bei unserer heiligen Kuh MIV (Motorisierter Individual Verkehr) andere uns technologisch weit voraus sind?

Deutschland profitiert beim Handels-Abkommen als drittgrößter Fleischexporteur der Welt. Besonders beim Schweine-Fleisch liegen wir weit vorne – und dies bald mit einem Tier-Wohl-Zertifikat vom Bundesministeriums für Ernährung- und Landwirtschaft (BMEL). Wenn das mal nicht zu einem neuen Schweine-Hype führt.

Ist das alles nicht ein Wahnsinn?

RMD

P.S.
Jetzt bin ich noch meine Definition zu KI/AI schuldig:
Ich meine, eine Alg-SW wird dann zur KI-Software,
wenn sie ihre funktionellen Mehrwert durch Lernen und Üben realisiert. Das heißt, viele Muster sammelt und analysiert, die mit Ergebnissen korreliert und bewertet werden können und so ein großes Erfahrungs-Wissen aufzubauen.
Das ist dann wahrscheinlich ein klein wenig ähnlich, wie das menschliche Gehirn funktioniert.

P.S.1
Hier geht es zu meinem ersten Jubiläumsartikel 50 Jahre in der IT.

Roland Dürre
Dienstag, der 5. Februar 2019

Zukunft und Wetten.

Wer wettet nicht gerne? Besonders, wenn er sich sehr gut auskennt? Wie die meisten deutschen Männer beim Fußball?

Mich hat die Zukunft schon immer gefesselt. Einer meiner frühen Berufswünsche neben Filmemacher war Zukunftsforscher. Geworden bin ich dann Programmierer und später IT-Unternehmer. Mein Thema war Digitalisierung – so habe ich mich dazu mit Vorhersagen versucht. Meistens lag ich falsch, weil die technologische Entwicklung schneller ging, als ich dachte. Nur bei den Flachbildschirmen war es anders. Da lag ich auch falsch, die Verdrängung der „Röhren-Geräte“ durch die „Flach-Bildschirme“ dauerte deutlich länger als ich es erwartet und vorhergesagt hatte.

Ab und zu habe ich mich auch außerhalb der IT als Vorhersager betätigt. Dazu gibt es  eine lustige Geschichte. Es war eine Wette, bei der ich eine Kiste Champagner gewonnen und bis heute nicht erhalten habe. Obwohl Wettschulden ja Ehrensache sein sollen.

Die Geschichte geht so.

Wir sind im Jahre 1993. Gerade ist der Focus das erste Mal erschienen. Er wird als Alternative zum Spiegel konzipiert, dem deutschen Nachrichtenmagazin, von dem Verlag Hubert Burda Media kreiert und auf den Markt gebracht.

Ein geschätzter Mitarbeiter – nennen wir ihn A. – hat eine der frühen Ausgaben des „Nachrichten-Magazins“ Focus gekauft und auf der Rückfahrt von seinem Kunden gelesen. Er zeigt ihn mir, weil er entsetzt ist. Die Oberflächlichkeit und Tendenziösität des Magazins haben ihm zugesetzt.

April 1961 – Als das Nachrichtenmagazin noch eines war.

A. meint, dass das Projekt Focus scheitern müsse und und dieses Magazin rasch wieder vom Markt verschwinden würde.

Spontan bin ich geneigt, A. zu zustimmen. Auch mich erschreckt das Machwerk. Ich stimme A. zu – Focus ist bunt, grell und simpel.

Auf mich wirkt Focus schon damals oberflächlich und primitiv.

Aber – ist das nicht der Trend unserer Gesellschaft? Und die Zukunft?

So widerspreche ich A. Es entwickelt sich ein kleiner Disput und am Ende kommt es zur Wette.

Der Einsatz ist eine Kiste Champagner.

Die Wette wird formuliert:

 


A. und Roland wetten. Roland geht davon aus, dass es der Focus erfolgreich sein wird und es das Magazin in 10 Jahren noch geben wird. Andreas wettet, dass der Focus vor Ablauf der 10 Jahren wieder verschwinden wird.
Der Verlierer dieser Wette schuldet dem Gewinner eine Kiste guten Champagners.


Ich trage den Text in mein Notizbuch ein und warte. Nach 10 Jahren (2003) habe ich die Wette gewonnen. Bekomme aber keinen Champagner. A. ignoriert meine Forderung.

Heute (2019), nach mehr als 25 Jahren gibt es beide immer noch, den Spiegel und den Focus. Hier die Zahlen der aktuellen Papierauflage (da führt immer noch der Spiegel).


Spiegel:
Die verkaufte Auflage beträgt 712.268 Exemplare, ein Minus von 32,6 Prozent seit 1998.
Focus:
Die verkaufte Auflage beträgt 413.276 Exemplare, ein Minus von 47,2 Prozent seit 1998.


Wer im Online-Bereich führt, weiß ich nicht. Dass die Papierauflagen zurückgehen, wundert nicht. Das scheint mit Ausnahme von ganz wenigen Zeitungen und Magazinen (zum Beispiel brand eins) bei allen gedruckten Medien so zu sein. Die Auflage (in verkaufte Stück) und die inserierte Werbung (in T€) gehen zurück.

Meine Wahrnehmung ist, dass der Spiegel von der Anmutung eher zum Focus geworden ist. Das spricht nicht für die Qualität des Journalismus im ehemaligen Nachrichtenmagazin. Auch nicht, dass die besten Stories die erfundenen sind.

RMD

Roland Dürre
Montag, der 4. Februar 2019

Wert, Moral, Prinzip – was bedeutet was?

 Freiheit? Moral? Wert? Prinzip? Wahrheit? Gewissheit?

Mit schön klingenden Begriffen und durch die Nutzung von „buzzwords“ versuchen Politiker und das Marketing der großen Konzerne die Menschen zu beeindrucken (und zum Kaufen zu bringen). Die einen, weil sie unsere Stimme wollen, die anderen, weil sie unser Bestes – unser Geld – wollen.

Der vorsätzlich schlampige Umgang mit Sprache ist Teil der „neuen Unredlichkeit“.

Sprache soll manipulieren. Es gibt soviele Begriffe, die gut geeignet sind, Menschen zu verführen. Die werden in den großen Aussagen benutzt. Dies besonders gern von Leuten, die sich selbst im Besitz einer wie auch immer gearteten Wahrheit meinen (korrekt wäre das als Gewissheit zu bezeichnen). Sie nutzen Begriffe, die sie zwar selber nicht verstehen, von denen sie jedoch erhoffen, dass sie helfen ihre Gewissheiten zu verkaufen.

Sie beschäftigen sich nicht damit, was diese Worte eigentlich bedeuten, sondern plappern sie einfach nach. Wir sollten wir die Aussagen, die auf uns prallen, genauso wie die verwendeten Worte gründlich auf den Prüfstand stellen. Den wir leben im Zeitalter des unverantworteten Geschwätzes.

1983 hatte ich das Glück an einem sehr hochwertigen Management Seminar zum Thema Dialektik in Frankfurt bei Rupert Lay Teil haben zu dürfen. Rupert Lay galt damals als der Nestor in Deutschland für das Themas „Ethik im Management“, das damals sehr modern, ja fast „hype“ war. Da habe ich viel gelernt und mein Leben lang versucht weiter zu lernen.

Als ich Sprache lernte, was Sprechen heißt, da war ich 33 Jahre alt. Ziemlich spät, hätte auch früher sein dürfen. Meine sechs Seminar-Kollegen waren Spitzen-Manager aus der Industrie, Präsidenten mächtiger Verbände und Politiker in herausragenden Ämtern. Sie  alle waren um die 30 Jahre älter als ich. Die waren mit dem Lernen also noch später dran.

Nach einem kurzen Diskurs zum Aufwärmen waren alle sechs der inbrünstigen Meinung, dass die Freiheit ihr wichtigste Gut wäre und sie sofort bereit wären, für dieses Gut zu sterben. Als ich mich von beiden Aussagen distanzierte, wurde ich wie ein Aussätziger behandelt. Gut, ich war der Jüngste, hatte die längsten Haare auf dem Kopf und keine Krawatte an. So konnten mich die älteren Silberschläfen ja gar nicht ernst nehmen.

Dummerweise war das ganze symmetrisch. Denn mir kamen die Sechs ziemlich fremdgesteuert vor, also als genau das Gegenteil von frei. Wenn ich ehrlich bin, empfand ich meine sechs Seminar-Kollegen als Prototypen von unfreien Menschen. Typische Systemagenten, die in ihrem faschistischem Gefängnis gefangen waren.

Das war keine gute Voraussetzung für das Gelingen des Seminars. Trotzdem habe ich in diesem Seminar begonnen, Philosophie und Rethorik als für mich wichtig zu sehen und Wert zu schätzen. So habe ich gelernt, genau hinzuhören, Sprache zu analysieren und mit schwierigen Begriffen nicht unachtsam sondern kritisch umzugehen. Und versuche das seit dem aktiv zu leben.

Wegen dem Bild unten:

Keine Angst, ich mache in diesem Blog keine CDU-Reklame. Eine Partei, deren Vertreter kurz nach dem 2. Weltkrieg konspirativ und in Geheimverhandlungen die Wiederbewaffnung vorbereitet und dann gegen die Proteste der Menschen durchgesetzt hat (und damit auch die Wiederauferstehung der deutschen Rüstungsindustrie ermöglicht hat), wähle und unterstütze ich nicht. Weil ich glaube, dass damals in Deutschland eine historisch einmalige Chance für uns Menschen aus Angst für immer kaputt gemacht wurde.

Nein, es geht mir um dem Text im Plakat, bzw. den Text im dazu gehörigen Tweet.

Das Bild illustriert einen Tweet, den der  verifizierte Account der CDU Deutschlands‏ (bitte ohne Bayern) geteilt hat.

Frau Annegret Kramp-Karrenbauer hat diesen Tweet unter Ihrem Account @akk  weitergeleitet. So kam er zu mir.

Hier der Text des von @akk  weitergeleiteten – Tweets mit diesem Bild:


Im Interview mit mahnte : „Ich erwarte von Menschen, die zu uns kommen, dass sie unsere Werte akzeptieren – und vor allem erwarte ich von uns selbst, dass wir dafür eintreten!“


Der Satz scheint mir vom Marketing zu kommen. Irgendwie ist er in seiner Bipolarität genial. Enthält der Satz doch eine scheinbar einfache Forderung an die Menschen.

Die „zu uns kommen“ sollen „unsere Werte“ akzeptieren. Wir, die wir „uns selbst“ sind, weil wir schon hier sind sollen für diese „unsere Werte“ eintreten!.

Die Schwachstelle in diesem Satz ist natürlich der Begriff „Werte“. Was sind denn überhaupt“Werte“? Und noch schwieriger: Was sind den „unsere Werte“.

Wie sollen die, die zu uns kommen, unsere Werte kennen, wenn wir selber sie nicht wissen?

Ich meine, dass es eine sehr große gesellschaftliche Aufgabe wäre, einen Konsens zu erarbeiten, was denn unsere Werte sind? Auch wenn diese Aufgabe nicht lösbar zu sein scheint.

Hierzu ein paar Gedanken.

Wenn ich den Begriff „Wert“ verstehen will, dann suche ich zuerst Mal nach verwandten Begriffen, wie Moral oder Prinzip. Ich suche einen Oberbegriff (weil ich mich beim Verstehen und auch Beschreiben eines Begriffes leichter tue, wenn es einen Oberbegriff gibt, den ich nutzen kann und die Unterbegriffe voneinander abgrenze. Das ist erstes Semester in Philosophie).

In Wikipedia gibt es eine Übersichtsseite zu den vier Buchstaben „WERT“. Der erste Block dort enthält eine Aufzählung allgemeiner Begriffsnutzungen des Wortes „WERT“, die für unser Thema nicht hilfreich sind. Auch dieser Block ist übrigens nicht vollständig, z.B. fehlt der Begriff, der den „Wert“ (Inhalt) einer Variablen im Sprachspiel des Programmierens beschreibt.

In unserem Kontext ist der zweite Block des Artikels wichtig, den ich hier kopiert habe.


(Wikipedia – Wert – Stand 3. Februar 2019, zweiter Textblock)

Werte steht für:


Jetzt weiss ich nicht, wass die christlichen Werte in dieser Aufzählung sollen. Richtiger wäre hier „religiöse“ Werte. Man könnte die „christlichen“ als Beispiel nehmen. Und müsste die „Werte“ anderer Religionen aufnehmen. Vielleicht kann man die Werte auch irgendwie mit Mentalität (neudeutsch mindset) beschreiben. Unsere Werte wären dann unser gemeinsamer „mind set“. Aber haben wir den?

Wenn die geschichtliche Tradition unser christlich-abenländische Werte beschworen wird, muss ich immer daran denken, dass bei uns bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Tradition der auch vom Christentum unterstützten und genutzten Leibeigenschaft gepflegt wurde, die man auch als Sklaverei bezeichnen kann. Das macht zumindest für mich die Tradition nicht besser. Nur zur Erinnerung: Meist waren Leibeigene auch Grundhörige, oft war der Grundherr zugleich der Leibherr des Bauern. Und wem gehörte der Grund?

Der erste Eintrag im oberen Block Wertvorstellungen trifft es schon besser. Wir lernen, dass es um Vorstellungen von Werten geht. Was sind eigentlich Vorstellungen? Visionen oder Halluzinationen? Der Eintrag zeigt uns auch, wie schnell wir mit Werten in die Nähe von wertender Moral kommen. Die meint, wir verfügen über die Wahrheit, was gut und was schlecht ist. Aber was ist schon gut oder schlecht?

Wenn wir bei Wikipedia weiterlesen, dann finden wir zu Moral:


Moral bezeichnet zumeist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen. Der Verstoß gegen Moralvorstellungen wird als Unmoral bezeichnet, Amoral benennt das Fehlen bzw. die bewusste Zurückweisung von Moralvorstellungen, bis hin zur Abwesenheit von moralischer Empfindung.


Wow, schon sind wir bei Mustern, Konventionen, Regeln und Prinzipien! Also treiben wir das Spiel weiter und lesen den Artikel zum Prinzip. Jetzt wird es wirklich kompliziert. Deshalb beschränken wir uns auf einen Satz:


Allgemeinsprachlich handelt es sich bei einem Prinzip um einen Grundsatz, eine feste Regel, an die man sich hält.


Jetzt stellt sich die Frage:
Hat der Autor (AKK hat diesen Satz ja bestimmt nicht selber geschrieben) von dem schönen Werbesatz wirklich Werte gemeint? Oder Moral? Oder Prinzipien?

Oder soll das heißen, dass die, die zu uns kommen, gefälligst an die bei uns gültigen Regeln und Grundsätze halten müssen und wir die Aufgabe haben, dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden?
Und schon klingt das alles ganz anders.

Ich vermute mal, dass die Person, die diesen Satz formuliert hat, selbst nicht weiß, was sie da sagen wollte.

Weil sie an so etwas gar nicht gedacht hat (und wahrscheinlich überhaupt nicht in der Lage dazu war). Es sollte halt nur ein schöner Marketing-Satz werden, der gut klingt und ankommt. Treu der „neuen Unredlichkeit“ unserer Kommunikation verhaftet.

Wenn Ihr Euch interessiert, wie Frau Annegret Kramp-Karrenbauer den Satz auf diesem Plakat interpretiert, könnt Ihr sie ja unter @akk dazu mal befragen.

RMD

Roland Dürre
Samstag, der 2. Februar 2019

Von To-Do-Listen und Not-To-Do-Listen …

Hier mit meinem Freund Dr. Marcus Raitner auf dem legendären PM-Camp Dornbirn (2013).

Es gibt Blogs, die ich sehr gerne und ziemlich regelmäßig lese und von denen ich weiss, dass ich jeden Eintrag weiter empfehlen kann. Einer davon heißt Führung erfahren, es ist der Blog von Dr. Marcus Raitner.

Heute morgen habe ich den aktuellen Artikel von Marcus gelesen:
Von den Stoikern Gelassenheit lernen.

In diesem Artikel macht sich Marcus unter anderem Gedanken über seine Silvester-Vorsätze, die Makulatur geworden sind. Ich zitiere ihn:
„Ich wollte achtsamer mit meiner Zeit umgehen, mich stärker fokussieren und besser priorisieren.“

Und natürlich (das „natürlich“ aus meiner Sicht) ist dies ihm nicht gelungen. Das liegt nicht daran, dass er zu schwach war. Im Gegenteil, es ist ganz normal, weil solche Regeln im Leben nicht funktionieren, wie Marcus bestätigt:
„Wie bei so vielen anderen ist mein Kalender voll und unerreichbar scheint die 5-Stunden-Regel, also nach dem Vorbild von Bill Gates oder Warren Buffet fünf Stunden pro Woche in Reflektieren und Lernen zu investieren.“

Abgesehen dass (auch wieder aus meiner Sicht) diese 5 Stunden-Regel falsch ist. Wenn dann meine ich eher, dass man sich vornehmen sollte, am Werktag (!) maximal 5 Stunden fremdgesteuert zu leben und die restliche Zeit der Woche sich selber zu schenken. Maximal schreibe ich, weil diese 5 Stunden Fremdsteuerung für mich auch schon zu hoch ist.

Noch ein Zitat von Marcus:
„… ist irgendwie alles interessant oder wichtig (oder könnte es mal sein) und entsprechend übervoll der Kalender und die To-Do-Liste. Fokussierung ist zuallererst also eine Frage der Selbsterkenntnis.“

An To-Do-Listen wie auch an Not-To-Do-Listen glaube ich nicht. Diese bewirken das Gegenteil von dem was sie sollen. Selbsterkenntnis ist freilich eine wichtige Voraussetzung für den Wunsch nach Veränderung. Da geht es nicht nur darum, im vorhandenen Lebensrahmen Prioritäten zu setzen oder Dinge anders zu machen und das eine oder andere Muster zu brechen. Vielmehr muss die Veränderung radikal sein. Man muss quasi in ein „Neues Leben“ starten.

Dazu habe ich einen Vorschlag: Eine guter Einstieg in die Veränderung des eigenen Leben ist, wenn man einfach zwei Dinge komplett aus seinem Leben streicht. Für wesentlich halte ich:

  • Auto fahren
  • Vom Wecker wecken lassen.

Das ist nicht humoristisch gemeint. Wenn man das schafft, ist man ein gutes Stück weiter auf dem Weg zum Glück. Mir ist beides gelungen. Und seitdem ich nicht mehr regelmäßig ins Auto muss, geht es mir viel besser.

Nicht mehr Autofahren bedeutet z.B. mehr Radfahren. So hat man wieder Bewegung an Stelle der unsäglichen Stillstellung unter Anspannung am Lenkrad. Man gewinnt Zeit. Und wenn man kein Auto mehr hat, bedeutet dass für die meisten Menschen, dass sie ein ganz schönes Stück weniger arbeiten müssen. Sie müssen ja das Geld fürs Auto nicht mehr verdienen.

Auch der Verzicht auf den Wecker verändert das Leben radikal. Man geht früher ins Bett, isst abends weniger und vermeidet sinnlose Besprechungen am frühen Morgen. Und der Körper bekommt immer die Menge an Schlaf, die er halt braucht. Das führt zu mehr Gesundheit und einer besseren Performance.

Gerade einem Unternehmer oder Manager (Manager ist ein Unwort, früher hat man diese Rolle  als „Führungskraft“ oder „Leitung/Leiter von irgend etwas bezeichnet“) ist es eher möglich sein Leben selbst zu bestimmen als z.B. einem Lokomotivführer oder Arzt! Das ist ein großes Glück für uns Unternehmer und Führungskräfte, die wir über weit mehr Freiräume und Möglichkeiten verfügen als die meisten Menschen auf dieser Welt. Wir müssen sie uns nur nehmen – und als Spitze von new work vorleben. Es liegt nur bei uns.

Der Haken an des Sache ist, dass wir von lieben Gewohnheiten Abschied nehmen. Und das will keiner. Aber es wirkt! Das garantiere ich Euch. So wie Euch zu 100 % versichern kann, dass wenn Ihr in den Spiegel lächelt, Ihr jemand sehen werdet, der Euch anlächelt. Und das ist schön. Also: In den Spiegel lächeln, das Auto verkaufen und den Wecker wegsperren!

Übrigens:
Marcus formuliert in seiner Vorstellung eine schöne Metapher:
Ich bin der festen Überzeugung, dass Elefanten tanzen können.

Hier mit Dr. Stefan Hagen auch auf dem PM-Camp Dornbirn im Oktober 2013.

Das ist vielleicht der einzige wesentliche Punkt, wo Marcus und ich verschiedener Meinung sind.

Die Elephanten-Metapher von Marcus meint, dass Grosskonzerne „agil“ werden können. Ich glaube nicht, dass diese Transformation in möglich ist. Und kann mir da auch die berühmte Ausnahme von der Regel nicht vorstellen. Ich habe den Versuch von Transformation in Konzernen immer scheiter gesehen. Bestenfalls sind kleine „Biotope“ entstanden, die dann aber schnell wieder von der Realität eingeholt wurden.

Also weg mit dem Business-Zirkus, in dem komische aber irrsinnig gut bezahlte Schauspieler des Fachs Business-Theater den von ihnen verwalteten (und ausgebeuteten) „Elephanten zum Tanzen“ bringen wollen. Und hin zu einem schönen Leben in der Arbeit. In dem wir uns als faule Führungskräfte darauf beschränken, für die Menschen (z.B. unsere Mitarbeiter und Kunden) zu wirken und für sie da zu sein!

Auch wenn wir dann keine Millionen-Gehälter und -Abfindungen bekommen werden, wie die Stars des Business-Theaters. Die es im übrigen gar nicht braucht.
🙂 Weder die Millionen noch das Business-Theater.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 24. Januar 2019

Barcamp für Aktive Mobilität im Alltag (2019) !?

Zum Jahresbeginn in 2016 hatten wir ein wunderbares Barcamp für Aktive Mobilität (AktMobCmp).

Veranstaltungsort war das Kubiz in Unterhaching. Hier ein Video von diesem Ereignis. Ein zweites AktMobCmp fand in Augsburg statt.

„Unterhaching“ ist jetzt bald genau drei Jahre her. Seitdem ist viel passiert und das Bewußtsein für einen notwendigen Wandel auch bei der Mobilität stark gewachsen.

Was macht man, wenn man sich selber und auch ein wenig die Welt verändern will? Dann geht man auf ein Barcamp und trifft sich dort mit Menschen, die ein ähnliches Anliegen. Und lässt sich von dem Flow mitreißen, der sich dort in der Regel entwickelt.

Und schon schafft man es, das eigene Verhalten in die gewünschte Richtung zu ändern und einen Beitrag für das Gemeinsame zu leisten. Das gilt für viele Themen unseres privaten und gesellschaftlichen Lebens und auch für aktive Mobilität.

So meinen wir, dass die Zeit reif ist für ein drittes AktMobCmp. Und würden gerne wieder eines veranstalten. Zu einer Vorbesprechung dazu treffen wir uns (Aktivisten und Symphtisanten von „Aktiver Mobilität im Alltag“) am Donnerstag, den 21. März 2019 in der Nähe des Viktualienmarkts bei unserem Gastgeber, dem Unternehmen accu:rate (accu:rate GmbH, Rosental 5 in D-80331 München). Großen Dank dafür an die Geschäftsführer und Gründer von accu:rate Dr. Angelika Kneidl und Florian Sesser.

Das Ziel dieses Treffens ist, zu entscheiden, ob wir ein AktMobCmp in 2019 anstreben und wenn ja, wie wir es angehen wollten. Dazu stellen sich eine Reihe von Fragen, die Antworten müssen gefunden werden:


Fragen fürs Kick-Off-Meeting

  • Wann und wo findet das nächste AktMobCmp statt?
    Datum und Ort sind natürlich zentrale Parameter.
  • Welche Raumsponsoren können wir ansprechen.
    Nur eine kostenfreie Nutzung von Räumen ermöglicht einen günstigen Unkostenbeitrag für die Teilgeber des Barcamps. In der Regel verfügen nur Gemeinden, Unternehmen und Hochschulen geeignete Räume.
  • Ein oder zwei Tage?
    Die Erfahrung zeigt, dass die Teilgeber auf einem 2-tägigen Barcmp häufig einen guten gemeinsamen Schwung generieren, (auf neudeutsch“in einen flow geraten“).  Dabei ist eine schöne gemeinsame Veranstaltung am Abend des ersten Tages hilfreich.
    Ein eintägiges Barcamp ist bringt meistens weniger. Dafür verringert sich der Aufwand für die Veranstalter und die Schwelle zur Teilnahme wird niedriger, da die Teilnehmer weniger Zeit aufbringen müssen.
    Man kann auch ein 2-tägiges Barcamp durchführen und eine eintägige Teilnahme anbieten.
  • Welche Höhe darf der Beitrag haben?
    Gibt es verschieden Arten von Beiträgen (normal und erweitert)?
  • Finden wir neben einem Raumsponsor weitere finanzielle oder materielle Unterstützer?
  • Was sind die Aufgaben des Orga-Teams?
  • Wie setzt sich das Orga-Team zusammen?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben
  • Wie wird das Barcamp strukturiert?
    • Reine Unkonferenz?
    • Mit ergänzenden Impulsvorträgen und/oder team- und kreativität-unterstützenden Beiträgen?
  • Moderation und Begleitung?
  • Weitere Ideen?

Wir machen auf dieses Kick-Off-Treffen in Meet-Up, auf der AktMobCmp-Website und in Face-Book aufmerksam. Ich bitte alle Aktivisten und Sympathisanten für unsere Aktivität zu werben. Und die Menschen, die zu unserem Kick-Off kommen wollen, bitte ich sich neben der Anmeldung bei Meet-Up sich auch bei mir per E-Mail anzumelden, damit wir uns kennen lernen und schon zur Vorbereitung ein paar Gedanken austauschen können! Dies besonders, wenn „neue Gesichter“ dabei sind.

Roland

Gestiftet von VisualBrainddump (Christian Botta & Daniel Reinold) Zum Vergrößern aufs Bild klicken.

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 23. Januar 2019

Emphatie, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung … Liebe!?

Geschafft?! Der schönste Pass, den ich jemals gefahren bin.

Ich lese (denke und schreibe) viel zu Führungsthemen. Und meine, dass wir schon weit gekommen sind. Und stelle – selbst überrascht – fest:

Von der Leibeigenschaft zu dem heutigen Anspruch an #newwork ist es ein phantastisch weiter Weg gewesen. Den haben wir in nur wenig mehr als 100 Jahren geschafft. Das ist herausragend, auch wenn der Weg sehr blutig war!

Das ist ein gutes Beispiel, dass eine Utopie zur Wirklichkeit werden kann.

All das, von dem wir träumen und das in den bekannten tollen Blogs zu #newwork steht, beschränkt sich aber nicht auf Führung. Nein, es hat eine allgemeine Gültigkeit für unseren gesamten Umgang mit anderen Menschen.

Ganz gleich ob wir uns in einer Beziehung, einer Familie oder in einem irgendwie sonst gearteteten sozialen System wieder finden, das für einen gewissen Zeitraum Menschen vereint. Es ist unser Leben!

Damit will ich sagen, dass die Philosophie, die als Basis fürs Leben gelten sollte genau dieselbe ist, die man Führungsphilosophie nennt! Es gibt da keinen Unterschied. Ob in der Familie wie im Unternehmen – es sind immer Menschen, mit denen ich es zu tun habe.

So sind wir uns mittlerweile einig, dass wichtige Leitlinien fürs Leben Empathie, Freude, Respekt, Wertschätzung, Zuneigung, Mut, Zuversicht und Liebe sind. Und eben nicht Kälte, Frust, Arroganz, Ver- und Missachtung,  Abneigung, Angst, Bedenken und Hass.

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass diese Lebens- wie Führungsphilosophie nicht nur für den Umgang mit Menschen gelten darf. Nein, wir müssen auch sozialen System gegenüber mit Empathie, Respekt, Wertschätzung begegnen und uns in diesen in Mut und Liebe bewegen. Und dies gilt genauso für unseren Umgang mit unserer Umwelt und der ganzen Natur mit all Ihren Lebewesen!

Wenn ich nachhaltig lieben will, dann muss ich genauso fähig sein, mich selber zu lieben wie ich in der Lage bin, ALLES zu lieben. Dazu gehören alle anderen Menschen, die Natur und die ganze Welt.

Sonst bleibt es bei „Verliebtheit“. Auch ein schönes Gefühl, dass sich aber auch schnell verflüchtigt!

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 17. Januar 2019

(Null), Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf. (…)

 

Ein Spaziergang entlang den Zahlen durch die Dimensionen und unser Denken.

 

Roland beim Bauen.

In der Überschrift habe ich den Beginn der natürlichen Zahlen notiert.

Es gibt eine Beziehung der Zahlen mit den Dimensionen, in denen sich unser Denken bewegt.

Und den Möglichkeiten zur Veranschaulichung unserer Erkenntnisse.

 


Was ich nicht sprechen kann, kann ich nicht denken. Die Grenze meiner Sprache ist die Grenze meines Verstandes (Wittgenstein).

Will Denken und Sprache gelingen, müssen wir die Sprache um Bilder und Modelle erweitern. Dazu brauchen wir Räume.


 

Die natürlichen Zahlen gelten als ein Axiom (also ein absolut richtig erkannter Grundsatz oder eine gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf). Sie sind die Basis aller Mathematik. Die Null ist mal eine natürliche Zahl und mal nicht. Es gibt dazu auch (oder nur?) unter Mathematikern verschiedene Meinungen.

(Null)

Zahl:
Ist die Null eine natürliche Zahl?
Man scheint sich aber einig zu sein, dass diese Frage nicht relevant ist. Sondern rein akademisch.

Dimension:
Für mich ist die „Null“ das Nichts und die Leere. Wie soll ich das nicht existierende darstellen? Ein leerer Raum mit der Dimensionen Null kann nur das Nichts sein.

Modell:
Ich wüsste nicht, wie ich das nichts modellhaft darstellen kann.

Eins

Zahl:
In der Regel starten die natürlichen Zahlen mit der 1. Wenn sie mit der Null starten, erhalte ich die Eins addiere, indem ich die Null um Eins erhöhe. Die eins ist nur durch sich selber teilbar, also eine Primzahl.

Dimension:
🙂 Die Eins steht für Singularität. Der entstehende Raum besteht aus einem einzigen Punkt. Die Eins steht so für eine Null-Dimensionale Welt.

Modell:
Das geometrische Modell für die Eins ist der Punkt. Der Punkt ist binär. Entweder gibt es ihn oder nicht. So steht die Eins für „Entscheidbarkeit“. Es geht nur um Existenz und Nicht-Existenz. Um Eins oder Null.

Beispiele:
Im konservativen Denken ist Gott hier ein gutes Beispiel. Entweder es gibt ihn, oder es gibt ihn nicht.
😉 Die Quantentheorie scheint allerdings aktuell dem Paradigma zu folgen, dass es Unentscheidbarkeit gibt.

Zwei

Zahl:
🙂 Eins und eins, das macht zwei. Das weiß jedes Kind. Die Zwei ist etwas besonderes – sie ist die einzige gerade Primzahl!

Dimension:
Es wird eine eindimensionale Welt geschaffen, die einfach und überschaubar bleibt. Der Raum dieser Welt liegt auf einer Gerade, die durch zwei Punkte bestimmt (mit Hilfe zweier Punkte konstruiert) wird. Die Gerade kommt aus der Unendlichkeit und geht in die Unendlichkeit. Wenn sie eine Begrenzung hat, wird sie Strahl genannt,  Bei zwei Begrenzungen wird sie zur Strecke.
Mit Linie, Strahl oder Strecke kann man gut Gegensätze beschreiben (wie gut/böse, dumm/schlau …) .  Will man „Schwarz-Weiß“-Denken vermeiden, kann man gut das „eher mehr so als so“ darstellen.

Modell:
Die Gerade kann nur „ein-dimensionales Denken“ beschreiben, sie ist aufgrund ihrer Unendlichkeit für „nach oben offene Skalen“ geeignet. Das geeignete Beschreibungsmittel könnte der Balken sein.

Beispiele:
Der Tank ist halbvoll. Die Hälfte des Weges ist geschafft.
Eine Strecke könnte aber auch als Entity-Relationship-Modell gesehen werden. Es gibt zwei „Entitäten, die in einer Beziehung“ zu einander stehen.

Drei

Zahl:
Die drei erhält man durch Addition von 1 auf 2. Wir haben eine ungerade Primzahl

Dimension:
 Der Raum wird zur Ebene. So schaffe wir einen zweidimensionalen Raum. Eine Ebene kann ähnliches wie die Gerade beschränkt sein oder ins Unendliche gehen.

Modell:
Jetzt haben wir es geschafft. Im zweidimensionalen Raum können wir uns austoben. Wir haben eine große Auswahl, um unsere Aussagen visuell darzustellen. Wir können Dreiecke oder Mehrecke verwenden, Kreise mit Kuchenstücken. Wir können eine x- und eine y-Achse festlegen und Quadranten bilden. Wir können Männchen und Wolken malen. Die Welt der graphischen Darstellung erscheint schon ganz schön groß.

Beispiele:
Die heilige Dreifaltigkeit als Dreieck, Prozentzahlen als Kuchenstücke.
Das ISO-Schichten-Modell.
Das Modell der Kulturzwiebel als Schnitt durch eine eigentlich drei-dimensionale Welt.

Vier

Zahl:
Es ist eine übersichtliche Zahl, die Vier kommt ja gleich nach der Drei. Und eine schöne Zahl: Sie ist das Ergebnis von 2 mal 2 (oder 2 hoch 2).

Dimension:
Wir sind jetzt im dreidimensionellen Raum angelangt. Das ist der Raum, in dem wir uns bewegen. Trotzdem kann er schon mal unsere Vorstellungskraft überfordern.

Modell:
Zeichnerisch kann man die dritte Dimension zumindest andeuten. Holografische Modelle sind denkbar, die mit aktueller Technik auch mitten unter uns projiziert werden können. Allerdings steigt hier dann der technische Aufwand.
Und auch der gedankliche. Wenn ich versuche, einen Konstruktionsvorgang zu beschreiben, der aus einem Würfel eine Kugel macht, dann tut das meinem Kopf auch schnell mal weh.

Beispiele:
Der Würfel mit seinen sechs Seiten, die Kugel als Modell der Erde.

Fünf

Zahl:
Immer dasselbe. Jetzt 4 + 1 = 5.

Dimension:
Wir haben jetzt 4 Dimensionen. Das ist unsere Welt plus Zeit. Und schon wird es schwieriger.

Modell:
Wir nutzen die eine animierte 3-D Welt. Animation meint, dass die Zeit durch Bewegung simuliert wird. Das ist gemogelt. So werden wir konstruktiv und von zu vielen Varianten überfordert.

Beispiele:
Die Daten einer Drohne in Bewegung.

Größer Fünf:

Zahl:
Bei den Zahlen ist es einfach. Man muss die letzte immer nur um eins erhöhen. Undsoweiter.

Dimension:
Hier versagt die menschliche Vorstellungskraft mehr oder weniger. Die Mathematik geht weiter.

Modell:
Mir fällt keines ein.

Beispiele:
In unserer überkonstruierten Welt haben wir immer wieder Entscheidungen, die von mehr als drei Dimensionen abhängen. Das geht dann meistens auch schief. So ist eine Empfehlung für Entscheidungsfindung, immer nur 3 Dimensionen zu betrachten. Auch weil der Mensch nur 3 Varianten gleichzeitig im Kopf haben kann.

Bei Fünf höre ich besser auf, es wird viel zu kompliziert.
Denn dann kommen wir zu dem, was wir
LEBEN
nennen.

RMD

Roland Dürre
Dienstag, der 15. Januar 2019

Führungsphilosophie in zwei Sätzen (Unternehmertagebuch #129)

Vor kurzem habe ich einen Tweet mit folgendem Inhalt gefunden:

Aebby (Dr. Eberhard Huber)

Zusammenfassung meiner Führungs- und Leitungs-Philosophie:

 

  • Empathie und Respekt haben UND zeigen!

     

  • Keine Angst verbreiten!

Diese Aussage wie auch der Tweet waren von meinem Freund Aebby (@Team_im_Projekt), der auch Dr. Eberhard Huber genannt wird. Ich schätze ihn sehr wert.

🙂 So will ich seine Botschaft nicht verwässern. Und habe nur drei Anmerkungen:

  1. Respekt beinhaltet für mich auch „Wertschätzung“. Also geht es für mich um Empathie UND Respekt & Wertschätzung.
  2. „Keine Angst verbreiten“ ist schwierig, wenn man selber Angst hat. Und da ich oft Angst habe, ertappe ich mich selber dabei, dass ich Angst verbreite. Das finde ich schade, aber verzeihe ich mir, weil es mir als absolut menschlich erscheint.
  3. Meine dritte Anmerkung will sagen, dass die beschriebene Art nicht nur Führungs- und Leitungsphilosophie sondern besser noch allgemeine Lebensphilosophie sein sollte.

Das macht es nicht einfacher. Uns bleibt wohl nur, immer reifer und weiser zu werden. Was auch nicht einfach ist.

RMD

P.S.
Alle Artikel meines Unternehmertagebuchs findet Ihr in der Drehscheibe!

Roland Dürre
Montag, der 14. Januar 2019

Kranksein ist schön!

Ab und zu lese ich in IF-Blog.de meine eigenen Geschichten wieder. Das ist ja auch mein Sinn vom IF-Blog – das Schreiben für mich. So habe ich mir vor kurzem mal wieder die Geschichte aus meiner Kindheit durchgelesen:
Wie ich meine Mandeln verloren habe
.

Und dann stelle ich fest, dass ich im Kern alles so berichtet habe, wie ich es in Erinnerung habe. Aber in einem wichtigen Punkt habe ich gemogelt und wesentliche Teile der „Wahrheit“ verschwiegen. Heute schreibe ich die ganze Wahrheit dazu.


 

Der Start zu vier schlimmen Jahren in der „Volksschule“.

Meine Eltern hatten ja beschlossen, dass zum Wechsel ins Gymnasium meine schlechte Gesundheit durch eine medizinische Maßnahme – eben durch die Entfernung meiner Mandeln – stabilisiert werden sollte. Denn in der Volksschule war ich wirklich oft krank.

Und ich war gerne krank. Und habe die Krankheit – sprich die Erkältung und den Schnupfen – förmlich gesucht. Die Gründe waren einfach.

Ich habe die Schule am Wittelsbacher Park gehasst. Das hatte eine Reihe von Ursachen.

In den normalen Fächern wie Deutsch und Rechnen habe ich mich gelangweilt. Langweilen ist grausam.

Weiter hat unser Lehrer seine Schüler auch gerne mal körperlich (und vorbeugend!) gezüchtigt. Da gab es schon mal Schläge für alle mit dem schwarzem Kantholz auf die Finger. Ohne Grund. Der Lehrer wollte uns einfach klar machen, was wir bei schlechtem Benehmen zu erwarten hätten. Das war zumindest seine Erklärung – auf eine andere Art und Weise grausamer als die Langweile.

Heute würde ich sagen, dass unser Lehrer einfach ein kranker Sadist war. In Musik hat er mir meine Unfähigkeit bewusst gemacht und im Turnunterricht wurde ich von ihm kommandiert wie ein Hund. Da war totale Unterwerfung angesagt – wie beim Militär.

Der Weg dorthin war eine Qual.

Das schlimmste Fach von allen war für mich der Religionsunterricht. Da präsentierte der Pfarrer auf sadistische Art und Weise einen Gott, den ich als bösartige Kreatur erlebte und der seinen Sohn auf unvorstellbare Art und Weise quälte. Dazu mussten wir Schwarzweiß-Bilder  vom Leidensweg zum Kreuz in ein Heft einkleben. Ich hatte immer Lust, das viele Blut auf den Bildern mit einem roten Stift einzufärben, das habe ich mich aber nicht getraut.

Aber auch der Schulweg war im Winter unerfreulich. Im Sommer hatte ich die Freude des Schulwegs durch den grünen Wittelsbacher Park in Augsburg. Die Vögel zwitscherten und die Sonne leuchtete mir ins Herz.

Im Winter dagegen war alles tot und düster. Das beste war noch, wenn sich das Winter-Elend unter dem weißen Leichentuch des Schnees versteckte.

Dann aber waren schon zur Hälfte des Weges die Schuhe patschnass vom Schnee und die Füsse – wie die Hände – eiskalt. Am Mittag zum Nachhauseweg waren die Schuhe immer noch nass – wie auch meistens noch am nächsten Morgen. Da es aber die einzigen wintertauglichen Schuhe waren, die ich hatte, musste ich sie halt immer wieder morgens für den Weg zur Schule schnüren. Jeden Tag ein wenig nässer.

Im Winter hatte ich keinen Anreiz, gesund zu bleiben. Denn die Fussballwiese, auf der wir uns im Sommer täglich und stundenlang zum Fußball trafen, war zugeschneit oder matschig – und immer leer. Auf dem Hof wurde auch nicht Völkerball gespielt. Irgendwie gab es nicht viele Gründe, heraus aus dem Haus zu gehen.

Der Berg beim Rosenaustadion dagegen war bei Schnee belebt. Nur erschien mir Schlitten- wie Schifahren so etwas von sinnlos. Man rutschte den Berg runter, nur um dann den Schlitten wieder hochzuziehen. Für Sisyphos-Arbeit war ich noch nie zu haben.

Insofern hatte ich im Winter so gar keine Motivation, gesund zu bleiben. Krank sein dagegen war sehr schön.

Denn wenn ich krank war, musste ich nicht zur Schule. Ich durfte im Bett bleiben und mich in meine Bücher versenken. Meine Mutter hat mich verwöhnt. So durfte ich auswählen, was ich zu Mittag essen wollte. Und bekam Schmankerl wie z.B. Wiener Würste, ein bei uns seltener Luxus.

Und am Nachmittag wurde ich mit einer wunderbaren Marzipan-Kartoffel vom Konditor Dichtl verwöhnt. Das war damals noch eine kleine Konditorei in der Rosenaustr. Mittlerweile ist „der Dichtl“ eine Art von Konditorei-Konzern, der in Augsburg eine Reihe von Filialen hat. In denen die Marzipan-Kartoffel immer noch einzigartig schmeckt.

Auch sonst war es schön, krank zu sein. Sogar meine fünf Jahre jüngere Schwester war sehr lieb zu mir, weil sie mit dem kranken großen Bruder Mitleid hatte.

Meine kleine Schwester und ich bei der Brotzeit vor der Waschküche des Wohnhauses in der Rosenaustr. 18 (im Sommer). Da war ich selten krank.

Abends hat mein Vater – wenn er vom Eisenbahneralltag zurück kam – mich am „Krankenbett“ sehr freundlich aufgesucht. Und mich gefragt wie es mir denn ginge – und dann getröstet.

Krank sein war also sehr schön, denn alle waren nett zu mir – ich habe es genossen und im tristen Winter gefördert. Und das hat ganz gut geklappt.

Im Frühsommer 1960 kam dann der Tag der Abrechnung. Der Operationstermin rutschte im Kalender immer näher. Da habe ich mir überlegt, ob ich mich „oute“. Also ob ich gestehen sollte, dass meine Kränklichkeit von mir unterstützt und gespielt wurde. Um die Operation zu vermeiden.

Ich habe darauf verzichtet. Vor allem, weil mir klar war, dass es nichts helfen würde. Denn schon damals war es so, dass Pläne, wenn sie mal gefasst wurden, in aller Grausamkeit umgesetzt worden sind. Auch wenn sie noch so sinnlos waren. So wie heute. Auch wollte ich nicht im Nachhinein als Betrüger dastehen. So habe ich mich tapfer geopfert.


Die Folgen der Operation waren für mich alles andere als erfreulich. Seit 1960 habe ich jeden Winter permanent Halsschmerzen. Trotzdem war ich später nur noch selten krank. Weil ich nicht mehr krank sein wollte. Das Kranksein brachte mir keine Vorteile mehr. Im Gymnasium war die Schule nicht mehr so grausam, im Gegenteil – es war ein wenig ein Hort der Freiheit.

Und spätestens wie ich „werktätig“ wurde, bin ich dann auch im Winter mit den „normal gewordenen“ Halsschmerzen und üblen Erkältungsbeschwerden immer in die Arbeit gegangen. Sei es zu Siemens, Softlab oder in die InterFace. Auch wenn es mir schlechter ging als in meiner Kindheit. Haben doch Aufgaben und Menschen auf mich gewartet. Und das war wichtiger.

RMD