Hans Bonfigt
Freitag, der 27. Dezember 2019

Empfehlungen für erzreaktionäre weiße alte Männer

… als nachträgliches Weihnachstgeschenk, das man sich gern selbst macht.

Wenn man gerne mit Zahlen spielt und sich an hochwertigen Dingen erfreuen kann.

Unser leistungsfähiges Tandem-Gespann aus EU-Kommission und Bundesregierung hat ja seit ein paar Jahren ein Informationsverfälschungs- und -unterdrückungsgesetz namens „TMG“ beschlossen – eine freie Meinungsäußerung in Form einer spontanen Empfehlung ist nicht mehr möglich.   Sie müßte mit „Werbung“ gekennzeichnet sein.

Normalerweise würde ich mich schon aus Prinzip nicht an die Norm halten, aber als Gastautor verhält man sich so, daß der Gastgeber tunlichst keinen Ärger bekommt.  Auch wenn mir das in der Vergangenheit nicht immer gelungen sein mag.

Also:  Dies ist eine unmittelbare Werbung und ich habe dafür eine Villa im Tessin sowie sechs Boeing 737 MAX bekommen.

 

Rolands letzter Entwurf, die Weihnachtsruhe ließ es zu, hat mich in die Welt der Zahlen entführt, in die Welt von Leibnitz, Euler, Babbage und Turing.  Mit Zahlen kann man spielen wie mit Billardkugeln.  Die piemontesische Mathematiker*in Giuseppina Peano/a/d schuf um 1900 herum die Voraussetzungen für die „Verkehrs-regeln“ beim Zahlenspiel.  Oft wird von der Peano-Axiomatik gesprochen, wenn die daraus abgeleiteten „Verkehrsregeln“ gemeint sind, z.B.:

Für Rechenoperationen gibt es neutrale Elemente und invertierende Elemente.

  • die 0 ist das neutrale Element für Addition und Subtraktion
  • die 1 ist das neutrale Element für Multiplikation und Division
  • (-1) ist das invertierende Element für Multiplikation und Division

In Mathe war ich immer schlecht.   O.K., das stimmt jetzt nicht, aber es ist eine schöne Reminiszenz an meine erste Empfehlung, die wirklich von Herzen kommt.  Auf meine durchschnittliche Intelligenz resp. das, was unzählige Alkoholexzesse davon übriggelassen haben, bilde ich mir nix ein, sehr wohl aber darauf, daß ich mir auch schlechte Erfahrungen merke wie ein Elefant.  Mathematik war lange mein Horror, denn es wurde nicht hergeleitet, sondern festgelegt.  Das ist ungefähr so, als würde man Demokratie per Prügelstrafe durchsetzen oder Überwachungskameras in den Schulen installieren, um das Bewußtsein für informationelle Selbstbestimmung im Schüler zu verankern.

In der Unterstufe wurden wir monatelang mit Zins- und Prozentrechnung malträtiert, und beides ist so überflüssig wie ein Kropf.  Ganz im Gegenteil, weil speziell weibliche Vielschreiber meistens würfeln, was die Bezugs- und Vergleichswerte sind, kommen in der Regel hanebüchene Resultate dabei heraus, wenn sie sich an der „Prozentrechnung“ versuchen.

Dabei hätte alle so einfach sein können:

  • 10% addieren:    Mit 1,1 multiplizieren.
  • 10% abziehen:    Mit 0,9 multiplizieren.
  • 19% MWSt „herausrechnen“:   Durch 1,19 dividieren.
  • die Mehrwertsteuer ermitteln:  Bruttobetrag * (0,19/1,19).

Im Prinzip geht die ganze „Prozentrechnung“ auf eine einzige Gleichung zurück,  Vergleichswert = Bezugswert * (1+p/100).   Dafür braucht man maximal 45 Minuten.   Wir wurden monatelang mit dem Mist beschallt und mußten tausenderlei Begriffe, Regeln und Sätze lernen.  Die ich sämtlich nicht verstanden habe, das war so deprimierend für mich, daß ich oft heimlich weinte.

Schlimm wurde es bei der Einführung negativer Zahlen, als uns erzählt wurde, „Minus mal Minus ergibt Plus„, basta.  Ja, ich gebe zu:  Ich habe es damals NICHT VERSTANDEN !   Ich hätte aufstehen müssen und sagen, „Warum zerstört man, beispielsweise bei einer Normalparabel, die Ein-Eindeutigkeit ?  Das ist doch völlig kaputt, wenn ein- und dergleiche Funktionswert zwei Funktionsargumenten zugeordnet werden kann ?“.  Aber ich habe nix gesagt.  In der Oberstufe hatten wir richtige Mathelehrer und die lieben Mitschüler hatten Angst vor mir,  jedoch in der Unterstufe war es genau umgekehrt, die Pauker waren grottenschlecht (z.B. Geschichtslehrer mit Zusatzaubildung) und die Mitschüler reagierten aggressiv auf Dinge, die Verwirrung stifteten.  Oftmals wurden mir nach dem Unterricht die Arme durch zwei Löcher in einem Maschendrahtzaun gesteckt, zwei Mann hielten mich hinter dem Zaun stehend fest, der johlende Rest spuckte mir nacheinander ins Gesicht, wobei die „Haltemannschaft“ natürlich rotierte, schließlich sollte jeder auf seine Kosten kommen.   Wenn ich heute den „Hashtag“ (der gar keinen Hash beinhaltet, aber die ‚Twitteria‘ ist nicht nur asozial, sondern auch brunzdumm) „#WIRSINDMEHR“ sehe, dann kontere ich innerlich immer mit Franz-Josef Degenhardt,

Ja, ich hab sie noch im Fadenkreuz, die Wohnungstür,
diesmal Lodenröcke, diesesmal, da lauern wir,,,
Ich blas‘ euch Halali, kommt, ist Feierabendzeit,
und — ich bin bereit …

Naja, wie auch immer, ich schweife ab.  Oder — eigentlich nicht.  Vieles hat sich geändert, aber ich bin sicher, daß ein Schüler auch heute noch Angst hat, Fragen zu stellen.  Je grüner und moderner die Schule, desto mehr Angst muß ein Schüler haben, einfache Fragen zu stellen, die ggfs. die selbsternannte „Allianz der Anständigen“ auf den Plan rufen.   In so einem Klima kann Mathematik nicht gedeihen.

Warum, zum Teufel, haben die Pauker nicht, bevor sie uns auf die Zahlen losließen, deren Verkehrsregeln vermittelt ?   Dann hätte man die Frage nach „Warum ergibt Minus mal Minus denn plus) sehr einfach beantworten können:

„Nehmen wir an, eine Differenz werde negativ.  Wenn wir dieses Ergebnis invertieren wollen, dann muss die Multiplikation mit (-1), dem invertierenden Element, ein positives Ergebnis ergeben.  Selbstverständlich hätte man auch festlegen können, daß (-1)² = (-1) sei.  Wir würden dann aber eine komplett andere algebraische Struktur erhalten.   Es sind aber, das sei im Vorgriff erwähnt, Zahlen denkbar, deren Quadrat (-1) ergibt.   Allein schon aus dem Grunde, weil in der Mathematik, im Gegensatz zu unserer degenerierten ‚Konsensgesellschaft‘, alles denkbar ist.   So kann man mit der Mathematik das Unmögliche denken, um ins Mögliche vorzustoßen“.

Das, so wünschte ich mir, hätte ich als Lehrer geantwortet.  Genauso wie ich mir wünsche, daß ich das als Schüler verstanden hätte.  Lehrer Franz Lemmermeier  (meine zweite Empfehlung für vergnügliche Unterhaltung nicht nur zur Weihnachtszeit) sieht das skeptisch.

Ich will einmal so kontern:  Meine Mutter war Stütze im Kirchenchor und mußte Dinge singen, die sie weder verstand noch mochte, sie hört lieber Schlager („Hello again“), ließ sich aber gern Schallplatten mit Konzerten von Bach, Händel oder Telemann schenken, Hauptsache, der ‚gebildete‘ Schein blieb gewahrt.  Als Kinder mußten meine Schwester und ich zu Weihnachten immer das „Weihnachtsoratorium“ ertragen, VIER STUNDEN auf kalten Kirchenbänken.   Zugang zu Bach habe ich bis heute noch nicht gefunden.   Mein Vater dagegen war das genaue Gegenteil eines ‚Bildungsbürgers‘ und ließ keine Gelegenheit aus, seine ‚kultivierten‘ Mitmenschen zu verhohnepiepeln.  Doch er liebte Beethoven, insbesondere die Neunte, die Pathétique und die Apassionata.  Er konnte sozusagen darin leben, und das teilte sich mir mit.  Auch wenn er mich oft arg nötigte, etwas zu tun oder zu lassen:  Seine Musik zwang er mir nie auf.  Aber weil Wege auch dadurch entstehen, daß wir sie gehen, öffnete sich für mich im Alter von 12 Jahren ein Fenster zu Beethoven.   Und selbst 48 Jahre später zählt die Apassionata immer noch zu meinen Lieblingsstücken.  Allerdings wechsle ich oft die Interpreten, das ist einer der wirklich wenigen Vorteile des Internet – man kann sich schnell und einfach Interpretationen eines einzigen Konzertes von Kempff, Backhaus, Gilels, Barenboim, aber auch von jungen Pianisten wie zum Beispiel Sophie Pacini (im verlinkten Video, sehr schön anzusehen und zu hören, die Waldsteinsonate) oder Valentina Lisitsa anhören, egal wo man sich befindet.

Ich glaube daran, daß sich „echte“ Hingabe und Passion mitteilt.  Junge Menschen können den Unterschied zwischen „oberlehrerhaft pedantisch“ und „genau statt beliebig“ erkennen.

Ich komme zu meiner Weihnachtsempfehlung:

Da issie:

Sie sehen hier, vergrößert, zwei Zahlen-Spielmaschinen.   Sie sind nahezu identisch.  Die linke ist das 1988 erschienene historische Original von HP.  Es wurde bis Ende der Neunziger gebaut.  Die Nachfolgemodelle, bis heute, sind eher spezialisierte Computer statt Taschenrechner.   Der legendäre HP48 lieferte HPs Antwort auf den von den Mathematik-Didaktor*innen vorgeschlagenen „CAS“ – Rechner.  Er konnte mit Termen und Gleichungen umgehen, symbolisch differenzieren und, ein SEGEN, sauber mit Einheiten umgehen.  Aber vom „Feeling“ her arbeitete man immer auf einem Stück „Software“.  Der 48er war behäbig bis langsam.  Ich habe, trotz HP-Erfahrung, zwei Jahre gebraucht, um damit sicher umgehen zu können – trotzdem war es notwendig, das kleine Referenzbuch in der Rechnertasche mitzuführen.

Der HP42S war „Hardware“.  Er konnte „nur“ rechnen, „nur“ mit Zahlen, aber das dann richtig.  Vor allem aber auch mit Vektoren und komplexen Zahlen.  Was eigentlich schon wieder ein Pleonasmus ist.

Das rechte Gerät ist ein aktueller Nachbau, der funktional identisch ist: Der DM 42 von SwissMicros.  In einem schönen, schwarz eloxierten Aluminiumgehäuse, leicht, robust und dank eines aktuellen Prozessors nochmal um den Faktor zehn schneller.  Die Batterie, eine Standard-Knopfzelle CR2032, hält auch bei reger Nutzung ewig.  Das ist das Gerät, das man immer dabeihaben kann.

Warum heute noch ein Taschenrechner ?

Roland würde vielleicht vorschlagen, „stell‘ Dir doch eine ALEXA auf den Schreibtisch“, bestimmt gibt es auch „Google Math“, das jeden Term ausrechnet und bestimmt auch jede Gleichung löst.

Aber so ein Rechner kann mehr.  In Verbindung mit seiner ungewöhnlichen Eingabelogik „knabbert“ man sich durch ein Problem durch, wobei man sämtliche Zwischenergebnisse sehen und PRÜFEN kann.  Dabei unterstützt der Rechner bei Vektoren und komplexen Zahlen die „Versor“- Schreibweise.

Meiner Schule und ibs. meinen Mathematiklehrern in der Oberstufe bin ich sehr dankbar.  Aber dennoch:  Die Einführung der komplexen Zahlen war unter aller Sau. Es wurde angeordnet, „Radikanden aus negativen Zahlen haben die Form ‚b + i‘ und nennen sich ‚komplexe Zahlen'“.   Und dann folgte ein riesiges Konvolut an Sätzen und Formeln.  Soweit, so schlecht.  Natürlich habe ich das in der Schule nie verstanden, was ich aber unterdessen ganz elegant verbergen konnte.   Als ich dann aber für die damalige Mannesmann-Demag ein Berechnungsprogramm für Elektromotoren schrieb (es gab die in unglaublich vielen Varianten und in Amerikanien gibt es zu allem Überfluß auch das Zweiphasensystem, das, einer Idee von Nicola Tesla (schon wieder eine prominente Frau in Wissenschaft und Technik…) folgend, einen echten Vierpol ermöglicht), mit dessen Hilfe man bestehende Motoren „umwickeln“ konnte, rächte sich dieses Versäumnis hinterhältig und brutal.

Und da hat mir zum erstenmal ein HP-Rechner den Arsch gerettet.  Denn man kann, beispielsweise bei diesem kleinen HP-42, einstellen:  „Winkel bitte in Grad, Vektornotation in Polarkoordinaten“.    Wenn man jetzt eingibt, „Wurzel aus (-2)“, dann erscheint brav:   „1,41E0 ∠90,0E0“.  Ein Vektor also !  Durch das „Spielen“ mit dem Gerät wurde mir sofort klar, „Es sind Zahlen, die auf einer Zahlengeraden liegen, die ORTHOGONAL durch den Nullpunkt der ’normalen‘ Zahlengerade läuft“.  Mit der Wahnsinnskonsequenz, daß jetzt auf einmal „ganz normal“ mit diesem Vektor gerechnet werden konnte:   Quadrieren ?   Kein Problem, Betrag quadrieren, Winkel addieren:  Wir erhalten SCHWUPPS „2,00 ∠ 180,0E0“ — macht (-2).

Das folgende ist das einzige, was man braucht, um mit komplexen Größen zu rechnen:

Z   =   r * e^(iφ)   =   r (cos φ + i sin φ)   :=   r cis φ   :=   r∠φ

Das geht doch gar nicht einfacher.  Man muß jetzt nur noch reelle Zahlen entsprechend notieren, also wäre 2 „2∠0“ und (-2) entsprechend „2∠180“.

Eine Stunde Spielerei mit der Zahlenspielmaschine überkompensierte zwei Monate Schulunterricht im Mathematik-Leistungskurs.

Wenn Sie, lieber Leser, Lust haben, Ihre Mathekenntnisse aufzufrischen, dann können Sie sich z.B. den Herrn Spannagel auf „Youtube“ angucken, uneingeschränkte Empfehlung, aber am meisten Spaß macht es mit einem solchen kleinen, feinen Maschinchen.  Wenn Sie noch die alten FACIT- und BRUNSVIGA – Maschinen kennen:   Der DM 42 verhält sich zu „modernen Alleskönnern“ wie die CURTA von Herrn Herzstark zu den mechanischen Vollautomaten.

Es macht Freude, den DM 42 in die Hand zu nehmen, ebenso wie die kleine Curta.   Der DM 42 kostet neu etwa 200,–, für eine gebrauchte, überholte Curta müssen Sie etwa 2.000,– berappen resp. befranken.

In beiden Fällen erwerben Sie ein faszinierendes Stück Mathematikgeschichte mit einem ganz erstaunlich hohen Gegenwartsnutzen.

 

Nachtrag

Es handelt sich beim DM 42 nicht um eine „Antiquität“, auch wenn das Design mehr als 30 Jahre alt ist.  Es war halt seiner Zeit sehr weit voraus.   Sehr weit, wenn man sich die Obsoleszenz mancher Mobiltelephone anschaut.

Genau deswegen sind Sie aber auch noch heute mit diesem Gerät im Vorteil, das will ich noch kurz an einem realen beruflichen Beispiel erläutern.   Sehr oft entwerfe ich hydraulische Hebelsysteme (zeitgemäß könnte ich mich als „Aufstocker“ bezeichnen, weil wir neben dem IT-Krams auch noch Anlagenbau betreiben), und da will man oft gern wissen, „Halten meine Zylinderaufhängungspunkte ?“.  Kennt man Zylinderdruck und -durchmesser, dann kennt man die Kraft und benötigt jetzt eine Komonente orthogonal zur Unterstützung, dann gibt man zwei Vektoren in den Rechner,   F ∠@zyl  sowie  1 ∠ @auflager  und sagt dann dem Rechner „DOT“, womit das Maschinchen das Skalarprodukt errechnet und damit die Komponente in die angegebene Richtung.   Viel wichtiger, bei Antrieben:   Drehmoment = Kraft mal Hebel, sofern die Kraft orthogonal angreift.   Allgemein gilt:  Vektor Moment = Vektor Kraft  X  Vektor Hebel .   Tja, ich gebe also meine beiden Vektoren ein, sage dem Rechner dann „CROSS“ und erhalte Drehrichtung und Betrag des Drehmomentes.

Sicher, das geht auch alles mit der Hand, aber zumindest ich muß dann immer mit dem Bleistift irgendwelche Hilfslinien in die Zeichnung schmieren.

Nebenbei ganz interessant:  Dieses Ding hat, wegen seiner 128 Bit – Fließkommabibliothek, mit einer 34-stelligen Mantisse und Exponenten von -6.143 bis 6.144, eine deutlich höhere Genauigkeit als eine Standard – C – Floating Point Library.  Erstklassig zum Nachrechnen bestimmter Rechnerergebnisse.

Programmieren kann man so ein Gerät auch, interessanter sind allerdings die numerischen Integrationsmöglichkeiten (nach Simpson) und der Gleichungslöser.  Das findet man allerdings im Internet.

Dank an und Lobpreisung über Thomas Okken,  https://thomasokken.com/free42/, auf dessen Arbeit das Maschinchen basiert.

Man kann sich das Maschinchen auch fürs Mobiltelephon herunterladen, aber dann isses nicht mehr so schön.

Roland Dürre
Mittwoch, der 25. Dezember 2019

Frohe Weihnacht!

Prolog:
Weil Weihnachten gleich wieder vorbei ist, veröffentliche ich diesen mir wichtigen Artikel, obwohl er noch unfertig ist. Ich werde die Weihnachtsfeiertage nutzen, ihn perfekter zu machen.


Gestern war Heiligabend. Ich habe vergessen, Weihnachtsgrüsse zu schreiben, weil meine Gedanken im neuen Jahr waren.

Frohe Weihnacht!

Über Zahlen, Ziffern, Unendlichkeit und Null zum Programmieren!

Die beiden sehen doch aus wie zwei Nerds. Nerds mag ich.

Ich bereite sein Tagen (gedanklich seit Wochen und Monaten einen Vortrag zur Digitalisierung vor. Da habe ich festgestellt, wie das Unwissen – nicht nur – über Digitalisierung in den Köpfen der Verantwortlichen ist, die die Gesellschaft organisieren sollen/wollen (genannt Politiker). Das Ignorieren von Fakten scheint auch bei der Digitalisierung vorsätzlich zu sein. Das hat mich erschüttert, weil Digitalisierung wichtig ist.

So unternehme ich zur Jahreswende einen kleinen digitalen Spaziergang und beginne mit den Zahlen.

Ich freue mich auf das Jahr MMXX. Hier  in römischer Notation aufgeschrieben. Einer zwar pfiffigen aber letztendlich sehr unpraktischen Methode, Zahlen zu notieren. Allerdings hat sie zwei Vorteile: Zahlen sind ihr folgend für das menschliche Gehirn einfach zu bauen. Und es ist schwierig, große Zahlen zu notieren. Das ist gut, weil der Mensch große Zahlen eh nicht begreifen kann. Ansonsten hat die gute alte römische Methode nur Nachteile; eine effiziente algorithmische Verarbeitung von Zahlen dürfte mit ihr nicht möglich sein.

À propos große Zahlen – da kommen wir schnell ins UNENDLICHe. Und sind dann auch sofort bei der NULL. Null und endlich habe ich schon als Kind nicht verstanden. Kein Wunder, sie sind ja auch schwer zu begreifen. Vielleicht gibt es beides gar nicht! Ich beschreibe NULL und UNENDLICH, wie ich sie mir vorstelle. Dazu nutze ich in das Dezimalsystem,  das in unserer Kultur herrscht.

UNENDLICH
Ich wähle ein Hilfskonstrukt und starte mit der EINS. Die schreibe ich im dezimalen System als 1,0 auf. Und schiebe jetzt Nullen von rechts über das Komma (oder den Punkt). So dass eine Folge von 1.0 10,0 100,0 1000,0 … entsteht. Damit mache ich EWIG weiter. Und komme so dem UNENDLICH immer ein wenig näher, aber erreiche es nie. Falls das EWIG nicht funktioniert, dann gibt es das UNENDLICH nicht. Die klugen Mathematiker haben deshalb den Begriff des Grenzwerts (limes) genutzt. Unendlich wird als lim ∞ notiert.

Null
Mit der Null machen wir es ähnlich. Wir drehen das 1.0 um und machen 0,1 draus. Und  schieben jetzt die Nullen von links über das Komma (oder den Punkt). So dass eine Folge von 0,1 10,0 100,0 1000,0 … entsteht. Damit mache ich EWIG weiter. Und komme so der NULL immer ein wenig näher, aber erreiche sie nie. Auch hier gilt: Falls das EWIG nicht funktioniert, dann gibt es die NULL nicht. Die Mathematiker nutzen auch hier den Begriff Grenzwert (limes) . Unendlich wird als lim 0 notiert.

Gibt es die NULL und UNENDLICH eigentlich in der Natur? Wie GERADEN,  QUADRATE, KREIS und KUGELN. Alles natürlich in perfekt? Diese Frage, hat mich schon als Kind beschäftigt. Aber wie ich Mathematik studiert habe, habe ich aufgehört drüber nachzudenken.

Wenn wir meine beiden Null-Schiebereien jetzt einem Kreis schalten könnten, kommen wir dann vielleicht sogar bei gekrümmten Raum an. Null und endlich in einem Zahlenband angesiedelt mit sich in verschiedenen Richtungen drehenden Nullen?

Vielleicht hilft ein philosophische Scherzfrage beim erörtern von NULL und UNENDLICH:  Die soll ein Witz sein, an dem Witz  schon Freundschaften zerbrochen sind. Der geht so:

Wie groß ist der Umfang der Insel England.
Die Antwort ist dann

UNENDLICH!
Mit der Begründung:
Man müsse bei jedem weiterem Vermessen des Umfanges nur den Maßstab verkleinern (also immer eine Null von links reinschieben) und der Umfang würde immer länger werden.

Dankt mal drüber nach. Aber denkt an mine Warnung, wenn Ihr den Witz Eurer oder Eurem Liebsten erzählt:

Aber zurück zum Dezimalsystem. Das mag für den Menschen geeignet sein; vermutlich weil er 10 Finger hat. Aber für elektrische Maschinen taugt er nicht! So rechnen wir mit zehn Ziffern
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun}
Wobei die Null vielleicht besser als „Keins“ oder „Nichts“ bezeichnet worden wäre.

Man schreibt Konrad Zuse die bahnbrechende Erkenntnis zu, dass „elektrische Rechenmaschinen nur auf der Basis von binären Zuständen arbeiten können“. Sie verwenden binäre Zahlensystem mit nur 2 Ziffern:
{Null, Eins}.
So wurde im 20. Jahrhundert binäre Zahlensystem und das BIT geboren. Man kann jede Zahl in einem binären wie dezimalen und x-beliebigen beschreiben. In der Mathematik nennt man das einen bijektiven Homomorphismus , der zwischen all den verschiedenen Notationen gültig ist.

Ich persönlich musste mich in meinem Programmierleben neben digital und dezimal auch noch mit dem oktalem und sedezimalen (auch hexasedezimal genannten) System auseinandersetzen:

Im oktalen rechnen wir mit 8 Ziffern:
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun}

Im sedezimalen rechnen wir mit 16 Ziffern und ergänzen die 10 Ziffern und 5 Buchstaben:
{Null, Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht, Neun, A, B, C, D, E, F}

Das lag daran, dass Zahlenfolgen wie folgende für uns Menschen schwer zu lösen sind. Man hat also je nach Hardware Worte mit fester Wortlänge gebildet. Die war sechs oder acht. Die Halbworte wurden Bytes (so hatten diese 3 oder 4 Stellen. Hier im Beispiel an einem „Kette“ (String) von 24 Bits :

100010101100011110101111
(24 Bits in unstrukturierter binärer Anwendung)acht

100 010 101 100 011 110 101 111
(Dieselben 24  Bit für bessere Lesbarkeit in Dreierbytes notiert)

1000 1010 1100 0111 1010 1111
(Dieselben 24  Bit in Viererbytes aufgeschrieben)

42 54 36 57
(Dieselben 24 Bit für bessere Lesbarkeit oktal notiert)

8A C7 AF
(Dieselben 24 Bit sedezimal notiert)

Übungsaufgabe:
Jetzt rechnet mal aus, welchen Wert die 24 Bit in dezimale Schreibweise beschreiben.

Tipp:
Es muss immer derselbe Wert herauskommen.

TI Programmer im Hexadezimal-Modus (erkennbar an den beiden Strichen links im Display) und der Zahl ABCDEF in der Anzeige

Ein kleiner Seitenhieb auf meinen ehemaligen Arbeitgeber Siemens sei mir hier erlaubt. Ich habe in meinem Labor bei WS ST DF 131 an Transdata Rechnern mit einem 6-Bit-Wort-Rechenwerk und an Mainframes (BS1000, BS2000) mit einem 8-Bit-Rechenwerk gearbeitet.

D.h. die Speicherabzüge (Dumps) kamen als oktale oder sedezimale Ausgedrucke. Das Umrechnen der Zahlenwerte zwischen binär, oktal, dezimal und sedezimal war mühsam und zeitaufwändig.

Aber da gab es ein kleines elektronisches Helferlein von Texas Instrument für Programmieren, den TI Programmer. Diese Wundermaschine kostete zirka 650 DM und fraß ganz schön viel teuere Batterien (Akkus hatten damals noch nicht die Kraft). Das war ein Drittel meines Gehalts. Da die Siemens AG ihren Programmieren dieses Gerät nicht als Arbeitswerkzeug zur Verfügung stellte und uns dafür mit Druckbleistiften ausstattete, habe ich ihn mir privat gekauft und wurde so gerade beim Dump-Lesen und Fehlersuchen wesentlich produktiver.

Meine damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau, die Barbara, fand das sicher nicht so toll. Und war mir wohl auch deshalb nicht böse, wie ich ein paar Monate meinen sichern Arbeitsplatz bei Siemens inklusive den zum Teil schon erworbenen Anspruch auf Betriebsrente aufgab. So hat doch wieder alles sein Gutes.

Aber noch ein bisschen „Geschichte des Programmierens“. Algorithmen wurden früher von mechanischen Konstruktionen abgearbeitet. Da der „algorithmische“ Hardware war, die sich nicht verändern konnten, waren diese Automaten immer auf spezifizierte Aufgaben beschränkt.

Auch bei den Programmen, die auf“elektrischen Maschinen“ galt lange die strenge Regel, dass der Programm und Daten streng getrennt werden müssen und um alles in der Welt vermieden werden müsse, dass das Programm verändert. Erst als mutige junge Programmierer zum Ende der 1950iger es wagten, bei Bedarf Teile des Programm zu überschreiben, „öffnete sich die Büchse der Pandora und der universelle Rechner wurde möglich“.

So hat es der leider schon verstorbene Professor F.L .Bauer, bei dem ich 1969 die erste Vorlesung Informatik an der TUM gehört habe, bei seinen Führungen für mich und meine Freunde im Deutschen Museum formuliert.

Zusammengefasst muss man wissen, dass ein jedes Programm letzten Endes nur eine großes Bitmuster ist. Theoretisch also nur eine Zahl. Das in einer Programmiersprache kompliziert beschrieben wird. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass viele Zeilen komplizierten Quellcode mit dem dahinter stehenden noch komplizierteren Überlegungen nur einem einzigen Zweck dienen – eine Zahl zu definieren.

In der Zeit, in der wir HIT/CLOU mit einem Aufwand von „Mann/Frau-Jahrhunderten“ entwickelt haben, haben meine Kollegen oft gescherzt. Wie schön wäre es, wenn man einen Zufallsgenerator hätte, der alle Zahlen generieren könnte und ein System, dass ausprobiert, welche Zahl das perfekte und fehlerfreie Textsystem realisieren würde.

Das ist natürlich unmöglich. Wobei die bitcoin-Leute mit ihrer blockchain ähnlich vorgehen. Sie erstellen den „proof of work“ der der „Versiegelung der Blöcke“ dient, in dem sie Schlüssel, die besonderen Kriterien genügen müssen, würfeln (per Zufall generieren) und austesten, ob einer der Schlüssel zufälliger weise passt. Es dauert natürlich oft sehr lange, bis man mit diesem „Algorithmus“ einen passenden Schlüssel findet. Das Ganze nennen sie „mining“ und verbrauchen dafür den vielen Strom.

Unser Programm, dass große Bitmuster, muss leben und sich im Betrieb dynamisch verändern können, um seinen Zweck zu erfüllen. Das ist auch der Grund, warum es eine hundertprozentige Datensicherheit nicht geben kann. Vielleicht ist das sogar gut so, den IT hat den Zweck, Wissen zu teilen und für Transparenz zu sorgen. Und nicht Wissensmauern auf zubauen.

So geht DSGVO in die völlig falsche Richtung. Sie erhöht die Aufwände und bremst technologische Entwicklungen.

Heute ist die IT zum Büttel der Überwacher und „Geheimhalter“ geworden. Die DGSVO macht die Geheimhaltung zum Gesetz und bestraft Verstöße mehrfach strenger als Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz.

Sie schützt uns aber nicht vor der Überwachung durch staatliche Instanzen. Im Gegenteil die sind bei uns mittlerweile verpflichtend. Auf meiner Südamerika-Reise kurz vor Weihnachten habe ich gelernt, wie schnell eine Demokratie abrutschen kann. Und das uns das nicht mehr passieren kann, beruht auf Nichtwissen und dummer Arroganz.

Das Internet ist das wertvollste Werkzeug der Menschheit. Wenn unsere Probleme überhaupt noch lösbar sind – auf Grund meines Erlebten, Erfahrenen und Erlernten bin ich da sehr skeptisch – dann wird uns das nur mit klugem Einsatz aller unserer Möglichkeiten gelingen.

Das zynische Moment beim Datenschutz ist, dass wir halbwegs sichere technische Systeme nur mit konsequenter Transparenz erreichen können, also mit konsequenter Offenlegung aller Quellen, die ja unser Wissen beschreiben (Open Source). Wenn wir aber die Sourcen geheim halten (weil wir den Eigentumsbegriff über persönliche Dinge, Güter der Allmende auf das „geistige“ und Daten ausweiten) dann

Wir aber diskutieren die falschen Themen und implementieren diese in unserer Gesetzen. Und fordern Dinge ein, die gar nicht machbar sind. Dabei behindern wir uns und schwächen uns selber. Es ist wie mit der Schwerkraft. Steine fallen auf unserem Planeten halt von oben nach unten. Das ist halt so. Ein Gesetz zu machen, dass Steine ab jetzt nach oben fallen sollen ist sinnlos.

Wir sollten uns lieber überlegen, wie wir die Demokratie mit Hilfe der Digitalisierung erneuern. Kultur braucht Kommunikation, sozialer Konsens entsteht durch Dialog. Auch die Entwicklung von sozial verantworteten Werten fällt eben nicht vom Himmel.

Werte müssen sich weiterentwickeln. Sie brauchen eine Dynamik. Der Mensch als Krönung der Schöpfung war einmal. Heute könnte es der Respekt vor dem Leben sein – nicht nur des Menschen. Die Welt ist global geworden. Wir können sie – auch aufgrund des technischen Fortschritts – nicht mehr „entglobalisieren“. Und ich glaube, wir wollen das auch gar nicht mehr.

Um eine globale Kultur zu schaffen, braucht es Kommunikation. In einer globalen Welt müssen wir dazu die Zeit-/Raumschwelle überwinden und damit umgehen können, dass wir viel mehr geworden sind.

Eine mittelalterliche Stadt hatte ein paar Tausend Menschen. In der globalen Welt leben Milliarden, allein im kleinen Deutschland zig Millionen und in der im globalen Maßstab eher überschaubaren  Metropolregion München Millionen Menschen.

Das Internet war der Beginn einer Implementierung eines Systems, das lokale und globale Kommunikation ermöglichte. Es kann die gemeinsame Wertebildung, den Finden eines sozialen Konsens und die demokratische Willensbildung reformieren. Dazu bräuchten wir Systeme, die eine sittlich und kollektiv verantwortete Güterabwägung auf Basis crowd-basierter gesellschaftlicher Emergenz unterstützen. So müssen wir es in Freiheit entwickeln und dürfen es nicht kaputt machen.

Vielleicht könnten wir so die Politik endlich „entlobbisieren“, damit die Kriege reduzieren und die Voraussetzungen für eine gemeinsame vernünftige Entscheidungsfindung schaffen!

Am Tag vor Heiligabend war ich auf einem gemeinsamen Werbestand von Den Piraten und Die Partei. Da bin ich fast zwei Stunden hängen geblieben. Die haben meine Vision verstanden. Waren aber alles Typen die auch gemeinsam im neuen Jahr zum CCC fahren. Wie schaffe ich es, dass mich andere Gruppen auch verstehen.

RMD

Roland Dürre
Donnerstag, der 19. Dezember 2019

Wieder am richtigen (?) Pol.

Vom 28. November – 16. Dezember 2019 war ich auf „Südamerika-Expedition“. Die Reise wurde als Expedition Chilenische Fjorde tituliert und als „Unerschöpfliche Quelle der Vielfalt“ angekündigt. Die Reise war ein Superlativ, es wurde nicht zuviel versprochen.

Abschied von der Inspiration in Ushuwaia.

So war ich gut zwei Wochen auf der MS Hanseatic Inspiration, die auf ihrer ersten Fahrt von Hamburg in die Antarktis war. Die Inspiration ist das nagelneue Schwesterschiff der Hanseatic Nature, beide sind für Hapag-Lloyd unterwegs. Gemeinsam mit zirka 140 weiteren Gäste waren wir an Bord, dort haben 168 dienstbare Geister für uns gesorgt. Los ging es in Lima, das Schiff verlassen haben wir im wir im windigen und kalten Ushuwaia.

Eigentlich zieht es mich, wenn in Deutschland Winter ist, eher in warme Gefilde. Das ist die Westküste Südamerikas eher nicht, spätestens auf der Höhe von Valparaíso wird es (angenehm) kühl. Die Reise wollte ich aber unbedingt machen, da ich in noch nie in Peru und Chile war. Gerade der „ring of fire“, den ich schon in vielen Teilen der Welt gesehen habe, hat mein besonderes Interesse.

Weiter interessiert mich die bewegte Geschichte von Ländern wie Peru, Chile und Argentinien ganz besonders. Diese Länder sind ja nach der disruptiven Ausrottung der indigenen Völker in den Regionen westlich der Anden neu entstanden. Genauso spannend und zum Teil immer noch nicht erforscht gibt es ja in dieser Gegend schon seit 3.000 Jahren Menschen, die ganz eigenständige Hochkulturen entwickelt haben, die kamen und gingen.

Auch die besondere Botanik und Tierwelt in Peru und Chile, Patagonien und Feuerland machen die Reise wertvoll. Natürlich kann man berechtigterweise diskutieren, ob das alles den Aufwand und die enorme Vergrößerung des eigenen Kohlendioxid-Fußabdruckes  rechtfertigt.

Auf der Anreise hatten wir einen schönen Tag in Lima, auf dem Rückweg haben wir in Buenos Aires übernachtet und die besondere Atmosphäre dieser Stadt genossen.

Torres del Paine – das Weltwunder der blauen Türme.

Da es bei den schönen Expeditionsreisen mit Hanseatic-Schiffen in der Regel ein perfektes „offizielles Logbuch“ zur Reise gibt (viel Spaß beim Lesen), habe ich verzichtet, selber ein Tagebuch zu führen. Deshalb gab es seit dem 28. November auch keine Artikel von mir in IF-Blog.

Trotzdem werde ich in IF-Blog ein wenig von der Reise berichten. Und da ich seit gestern wieder weg vom Südpol und zu Hause nahe am Nordpol bin, fange ich heute damit an. Ähnlich wie ich es zu unserer Transib-Reise im Sommer 2019 gemacht habe, werde ich ein paar der Dinge berichten, die mich besonders berührt haben.

Da gibt es einiges an besonderen Eindrücken:

  • Die besondere politische Geschichte der wunderbaren Länder, die ich besucht habe: Peru, Chile und Argentinien wie ihre aktuelle Situation.
  • Die Geschichte der Kulturen und Staaten Südamerikas bis zu den Inkas.
  • Ihre disruptiven Zerstörung inklusive organisierten Völkermords durch die christlichen spanischen Entdecker.
  • Die Folgen der Entdeckung der Neuen auch für die Alte Welt.
  • Die landschaftliche Schönheit der Anden, Patagoniens und des Feuerlandes mit viel Abwechslung (Meereskanäle und Gletscher, Bergwelt und Flachland, Wüste und Regenwald.
  • Die besondere Botanik, Geologie, Petrologie sowie Flora und Tierwelt Südamerikas.
  • Die Erinnerung an die Fragilität der Erde durch die Konfrontation mit den vielen Vulkanen des „ring of fire“.
  • Herausragend waren hier der allfällige Katastrophenschutz gegen Erdbeben und Tsunamis.
  • Anzeichen der Klimakatastrophe an Gletschern und die Zerstörung der Natur.

Aber auch andere Gedanken haben mich beschäftigt:

  • Ist so ein neues Schiff wie die Hanseatic Inspiration eigentlich schon ein „digitales Schiff“? JA/NEIN?
  • Warum sitze ich auf der Rückreise am 16. Dezember 2019 in einer Boing 737 MAX der Aerolinas Argentinas und lese in der Süddeutschen, dass es für diesen Flugzeugtyp ein weltweites Flugverbot gibt?
  • Wieso sind die Städte in Peru und Chile, ob klein oder groß, so sauber, zumindest im Verhältnis deutscher Städte und Kommunen?
  • Wie funktioniert das kaufmännisch, wenn 160 Menschen für 140 Gäste arbeiten.
  • Wie können Menschen mit so geringen Gehältern in Ländern leben, wenn die Lebenkosten genauso hoch wie bei uns sind?
  • Wieso machen die 160 Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Nationen an Bord einen so guten Job und haben ein hervorragendes Betriebsklima, obwohl es keine deutsche „Arbeitsgesetzgebung gibt“?
  • Kann es sein, dass die gelebte Eigenverantwortlichkeit ein Grund dafür ist?
  • Wie so hat ausgerechnet diese Specis, zu der wir gehören, einen so völlig unzutreffenden Namen (Homo sapiens)?

Zu all diesen Punkten gibt es viel zu erzählen. Einiges davon werde ich in IF-Blog.de für mich notieren und gerne teilen.

Patagonien!

🙂 Ich könnte auch noch berichten, dass die Barbara am vorletzten Abend mir beim farewell dinner erklärte , dass sie an der Verlosung der für die Reise genutzten und von der Crew bebilderten Seekarte
teilnehmen wolle, dafür 50 € in Lose investiert hätte und diese gewinnen werde. Auf meine Frage, was sie dann mit der gewonnen Seekarte zu machen gedenke, sagte sie, dass sie diese dann gleich durch den Kapitan versteigern lassen würde und den Erlös demselben Zwecke zu führen würde, für den auch die Einnahmen aus dem Losverkauf bestimmt waren.

Nach dem schönen Abendessen ging es dann zur Abschiedsparty. Wie immer sang der Bord-Chor die alten Seemannslieder. Dann kam die Verlosung. Der Erlös aus den Losen betrug knapp 1.500 €. Das Los mit der Nummer 4 gewann, und natürlich war es in Bararas kleiner Sammlung.

Die Barbara nahm die Seekarte entgegen, freute sich über den Gewinn und gab sie dem Kapitän zurück mit der Bitte, sie zu versteigern. Die anschließende Auktion hat allen viel Spaß gemacht, der erlöste Preis waren 5.000 € und die Barbara war die Heldin des Abends. Das war auch ein wunderbares Erlebnis.

RMD

Klaus Hnilica
Donnerstag, der 5. Dezember 2019

Fritz – und der Stillstand der Zeit

Caro und Fritz (Folge 3)

Als Caro und Fritz unlängst in den Herbstferien bei uns waren, stand Fritz plötzlich vor mir und sagte,

Opa – die Caro ist so gemein…

Warum das denn Fritz?

Weil sie mich überhaupt nicht mit ihrem neuen Scooter mit den großen Rädern fahren lassen will! Dabei würde ich so gerne ausprobieren, wie schnell man mit dem sausen kann…

Tja – vermutlich wird sie dein ‚Gesause‘ mit ihrem Tretroller oder Scooter, wie man heute auf Neudeutsch, sagt, nicht besonders schätzen,lieber Fritz.

Nein – sie will mich nur ärgern…

Wieso, was sagt sie denn?

Ich fahr zu wild, sagt sie und würde bestimmt wieder wo dagegen donnern…

Was ja auch stimmt, du bist wirklich etwas arg ungestüm in letzter Zeit!

Aber bei ihrem neuen Scooter würde ich ganz toll aufpassen…

Das sagst du immer, Fritz – und dann passiert doch jedes Mal ein Malheur!

Aber nur, wenn irgend etwas blöd in der Gegend herumsteht, Opa!

Ja – aber das ist halt ziemlich oft der Fall!

Ach Opa – du hältst immer nur zu Caro!

Nein tu ich nicht, Fritz! – und drum sage ich dir jetzt, was der schlaue Einstein in deiner Situation machen würde, wenn er noch lebte…

Kommt jetzt wieder deine komische Relativitätstheorie?

Du ich wär‘ stolz wenn‘s ‚meine Relativitätstheorie‘ wäre! Aber diese ‚Spezielle Relativitätstheorie‘ gehört leider dem Albert Einstein, der sie 1905 mit nur 26 Jahren veröffentlicht hat, als er noch im Basler Patentamt arbeitete.

Und was hab ich davon?

Nun, der gute Einstein hätte dir gesagt, dass du geduldig sein und lieber dafür sorgen solltest, dass die böse Caro ja nur recht oft, lang und schnell auf ihrem neuen Scooter herum rast…

Und warum,Opa?

Weil dann für Caro die Zeit viel langsamer vergeht als für dich und du viel schneller alt und erwachsen wirst als sie…

Hab ich dann auch öfter Geburtstag und bekomme mehr Geschenke als Caro?

Aber klaro Fritz! Allerdings muss sie dazu wirklich schnell unterwegs sein auf ihrem Scooter!

Wie schnell denn?

Na ja – ungefähr mit 80% der Lichtgeschwindigkeit also 240 000 Kilometer in der Sekunde – oder 864 Millionen Kilometer in der Stunde!

Das ist ja super schnell, Opa!

Das kannst du laut sagen, Fritz! Bedenk‘ doch, dass dein Papa oder die Mama mit eurem VW höchstens 140 Kilometer in der Stunde fähren und ihr deshalb immer etwa dreieinhalb Stunde braucht, bis ihr bei uns seid, während Caro mit ihrem schnellen Scooter dann nur etwa 2 Tausendstel Sekunden für diese Strecke brauchen würde!

Und geht das wirklich?

Na ja eigentlich nicht wirklich – da sie selbst mit einem E – Scooter viel zu viel Energie bräuchte, um diese Geschwindigkeit zu erreichen. Aber dass sie langsamer alt würde bei dieser Geschwindigkeit als du, das stimmt!

Echt?

Ja echt – das sieht man zum Beispiel auch bei den Navigationssystemen, das ihr ja auch in eurem Auto habt und das seine Wegdaten von einem Satellit bekommt der mit 30.000 Kilometer pro Stunde um die Erde rast. Die Uhrzeit, die der hat verläuft auch immer langsamer als die auf der Erde und muss daher so angepasst werden wie die Relativitätstheorie voraus sagt. Wenn das nicht getan würde, würdet ihr immer falsch abbiegen und uns nie finden…

Ja das wär blöd Opa – aber was hilft mir das?

Na – ja Einstein will dir auf diese etwas umständliche Art zumindest theoretisch die Chance ermöglichen, altersmäßig mit Caro gleich zu ziehen. Und wenn das passierte, würde sie bestimmt denken, du seist auch so vernünftig wie sie – und würde dir dann sicher ihren schnellen Scooter leihen…

Opa das kann ja sein, klingt aber ziemlich kompliziert…

So findest du?

Ja! – ich glaube, ich denke mir da lieber einen anderen Trick aus, wie ich an Caros Scooter komme…

Wie du meinst Fritz, aber versuch nicht zu schlau zu sein…

Nee – ich bin ja nicht Einstein…

Tja – wer weiß das schon?

KH

Hans Bonfigt
Donnerstag, der 28. November 2019

Zum Abgrund hin im Gänsetrott, Folge 1337

„Studierendenzahl erreicht neuen Rekordwert“

Herzlichen Glückwunsch, liebe SPIEGEL – Redaktion!

Das Weglassen des bestimmten Artikels gibt der ‚Headline‘ einen dynamisch-modernen Schmiß, aber, liebe Redaktion:

Ist ein „Rekordwert“, also ein bislang nie erreichter, nicht zwangsweise neu?

Und was ist eine „Studierendenzahl“? Die typische Glückszahl eines Astrologiestudenten? Oder war dann doch „Studierendenanzahl“ gemeint?

Und was ist eigentlich ein „Studierender“? Das deutsche ‚present participle‘, ich schreibe ja mitten aus dessen ursprünglichem Habitat, hat die Form „am tun sein“, also, „ich bin am studieren“ oder „ich bin da ‚was am Planen dran“.
Die lateinische Form für ‚der / die / das Studierende‘ ist, ganz nebenher, ’studens‘, mit dem Plural ’studentes‘. Und davon abgeleitet ist das deutsche ‚Studenten‘.
Wir haben hier also bereits einen wunderbar „genderneutralen“ Begriff, der auch Personen mit „nicht-binären“ Einbildungen umfaßt.
Und ich frage mich: Nachdem sich nun bundesweit sämtliche „Studentenwerke“ in „Studierendenwerke“ mit Millionenaufwand haben umbenennen lassen — hätte man nicht vorher jemanden fragen können, der sich mit sowas auskennt?
„Studierender“ ist ein sprachlich genauso verschwurbelter Kappes wie „People of Colour“.

Tja, lieber Spiegel: Mit einer aus vier Wörtern bestehenden bestehenden Schlagzeile greift ihr vier Mal ins linguistische Klo.

Aber keine Sorge: Ihr seid ja nicht allein mit eurem krampfhaft-peinlichen Sprachgepansche. Jetzt werde ich auf ein brandneues Schulbuch aufmerksam gemacht, Infinitesimalrechnung für Gesamtschulen:
Auf dem Titel sieht man zwei juvenile Kletterer, die eine Art „Gipfel“ erkraxelt haben und gegeneinander mit der „High Five“ – Geste abklatschen. Ungesichert, natürlich.
Der Hinweis kommt von einem erzreaktionären Mathematiker,  schön zu lesen.
Voller Scham räume ich ein: Die dicksten Fehler habe ich übersehen. Aber ein zitiertes „Highlight“ wirkte auf mich wie ein Schlag in die Magengrube:

„Als Ableitung bezeichnet man den Grenzwert des Differentialquotienten“

Heilige Scheiße! Da hat frau aber wieder einmal elementare – und elementar wichtige – Grundlagen nicht verstanden. Dagegen ist ja erstmal nix einzuwenden; wie genial das Newtonsche Tangentenverfahren ist, das ging mir selbst auch erst lange, lange nach der Schulzeit auf — aber ich habe auch kein Mathebuch geschrieben…

Eigentlich jeder weiß: Die Ableitung einer Funktion ist wiederum eine Funktion, die die Veränderung der Steigung der Ursprungsfunktion definiert. Ein „Beschleunigungsmesser“ sozusagen. Und ein „Differenzialquotient“ IST bereits ein Grenzwert. Wenn frau geschrieben hätte, „Der Grenzwert des Differenzenquotienten mit dx –> 0 ist der Differentialquotient, der die Momentansteigung der untersuchten Funktion im untersuchten Punkt definiert“ — dann wäre es vielleicht etwas komplizierter geworden und die beiden „Sportler“ hätten ggfs. ein womöglich noch dümmeres Gesicht gezogen.  Aber es wäre zutreffend gewesen  —  und wo steht eigentlich geschrieben, daß jeder eine allgemeine Fachhochschulreife erreichen muß?

Lesen Sie sich die Lösung des Magisters wirklich einmal durch:
Mit seiner sauberen, klaren und eindeutigen Terminologie bringt er Gedanken in Ordnung.

Und jetzt will ich einmal versuchen, den Bezug herzustellen zwischen dem dümmlichen Spiegel-Geschwafel und der Kritik am didaktisch wertvollen Mathebuch:
Eine These von Ludwig Wittgenstein lautet, „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meines Denkens“. Die Form meines Ausdrucks korrespondiert unmittelbar mit dem Inhalt. Wenn ich mich um korrekte Begriffe für gefundene Sachverhalte bemühe, dann werden die Gedanken klarer und, ja, einfacher.

Es gilt also nicht nur, „seine Sprache offenbart den Menschen“, sondern auch „unsere Sprache bringt unsere Gedanken in Ordnung“.

Oder eben nicht.  Wenn man mit vorzugsweise englischen wischi-waschi – Formulierungen, deren Bedeutung man eher erhofft denn erahnt, gequirlte Scheiße zusammenschwurbelt,  dann hat man hinterher auch nur gequirlte Scheiße im Kopf.

 

Allerdings glaube ich nicht, daß man junge Leute mit solchen Thesen hinter dem Ofen hervorlocken kann.

 

Man möchte heute, beispielsweise bei „Twitter“, jemandem „folgen“. Je mehr „Follower“ ein „Influencer“ hat, desto mehr wollen „folgen“. „Sascha Lobo“ befiehl, wir folgen. Four legs good, two legs bad. Deswegen hat das Böse einen Namen.
Wahlweise „SUV“, „AfD“, „alter weißer Mann“, „Boomer“. Denn das sind alles Rassisten und Faschisten. Die sind böse.  Weil es unser Feinde sind.  Und wir sind die mutige „Allianz der Anständigen“.
Die SED ist gut, weil „sozial“, die Grünen sowieso, „ist alles ausgerechnet“. Und Greta erst.

 

Das Allerpeinichste:   Unsere weißen jungen Männer halten sich für revolutionär und couragiert.

 

Ganz nebenher:  Deutschtümelei aller Art ist mir seit jeher zuwider, aber unterhaltsame Artikel in konziser Sprache finde ich ausgerechnet bei der „AfD“ – Frontfrau Corinna Mizaga.

Das ist eine Person, die keine Frauenquoten nötig hat, pointierte Charakterisierungen abgibt, die ins Schwarze treffen („Mit den Politikerinnen von SED und Grünen erlangt der Begriff ‚Trümmerfrauen‘ eine völlig neue Bedeutung“) und sich einer im wittgensteinschen Sinne klaren Sprache bedient.   Sie trägt frei vor und im wohltuenden Gegensatz zu den verkrapften Transvestit*Innen hat sie auch noch ordentlich ‚was in der Bluse‘.

 

Da transgendere ich doch als RAF-Sympathisant der ersten Stunde lieber zu den Faschisten, das ist immer noch besser, als sich mit der „Generation Y“ gemein zu machen.

Roland Dürre

Klassentreffen.

Als Playboy auf MS EUROPA (20**)

1950 Geburt in Augsburg-Göggingen.

1956 Einschulung in eine Volksschule in Augsburg bei St. Anton.

1960 Wechsel ins Gymnasium Jakob-Fugger

1969 Abitur und Start Studium Mathematik / Informatik an TH München.

1970 Einberufung zur Wehrpflicht.

1976 Wechsel vom Studenten und Taglöhner zum Angestellten.

1980 Vater geworden.

1982 Im Management-Training gelernt, dass Kommunikation vor allem Zuhören heißt.

1984 Gründung eines IT-Unternehmen.

...

2018 Endlich das Buch zur „gewaltfreien Kommunikation“ gelesen.

2019 Kulturschock beim Klassentreffen.

Der Leser, der mich kennt, hat es wohl schon gemerkt. Die tabellarischen Daten sind wichtige Meilensteine meines Lebens. So ist es richtig, dass ich in diesem Jahr zwei 50-jährige Jubiläen hatte:

  • Ich habe offiziell 50 Jahre intensiv in Informatik oder besser Digitalisierung gewirkt.
  • Und ich hatte vor 50 Jahren in Augsburg im Jakob Fugger Abitur abgelegt.

Und heute liege ich nach meinem erstem und sehr schönem Tag in Lima ein wenig müde im Hotelbett. Und denke nach, weil es noch zu früh zum Einschlafen ist.

Ich reflektiere die letzten Wochen vor dem Abflug nach Lima. Die waren ziemlich stressig – und da ging einiges unter. Wie das Klassentreffen Ende Oktober. Meine Abiturklasse hatte 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Es war das erste Wiedersehen nach mehr als fünf Jahren.

Wir waren 24 Schüler in der Klasse, als wir 1969 Abitur machten. Im Laufe der Jahre sind zwei der Kameraden gestorben, so leben heute noch 22. Und von diesen war immerhin ein Dutzend da. Zwei hatten trotz Zusage kurzfristig abgesagt, alle anderen bis auf einen langfristig. Eine gute Ausbeute.

Das Treffen war in Neusäß nahe Augsburg in einer unerfreulichen Kneipe.

Wir waren 12 weiße alte Männer und die Barbara (die kommt immer mit) an einem langen Tisch. Im lauten Saal waren fünf lange Tische, alle ähnlich besetzt. Das Durchschnittsalter bei uns und im Saal war um die 70, die wenigen Frauen die dabei waren, machten das Bild nicht besser.

Der Service war wie in vielen deutschen Gasthäusern nicht aufmunternd, das Essen recht „convenient“. Auf der Rückfahrt wurde ich sehr nachdenklich. Und musste lange nachdenken, bis ich wusste warum.

Wahrscheinlich waren wir von der Ausbildung her der beste der fünf Tische. Meine Klassenkameraden waren alle schlaue Bürschchen, die ihr Studium bestanden haben und im Leben doch recht erfolgreich agiert hatten. Sie hatten alle tolle Positionen, füllten Ämter wie Richter aus, hatten es zum Wirtschaftsprüfer oder Apotheker gebracht.

Wir hatten eine Reihe Lehrer in der Runde (in Augsburg gab es 1969 nur eine Pädagogische Hochschule, die anderen Fakultäten kamen erst später und der Augsburger ist vom Typ her eher des Sesshafte). Und die sein auch alle mindestens stellvertretende Rektoren geworden.

Auch sonst waren meine Klassenkameraden eher vernünftige Menschen. gewesen Eher pazifistisch gesonnen und sozial eingestellt.

Aber zum Klassentreffen war ich in der konservativsten Runde gelandet, die ich seit langem erlebt hatte. Und mir wurde klar, warum Deutschland Zukunft nicht mehr kann.

Wir hatten an diesem Abend die üblichen Themen: Neben Schwanks aus der Vergangenheit ging es um das Auto, die Digitalisierung und den Klimaschutz.

Mit meiner Bewertung diese Themen bin ich auf den Bauch gefallen. Ich glaube nämlich folgendes.

  • zum Auto:
    Ich fahre keines mehr, auch weil ich keine Zeit mehr zum Auto fahren habe und ich ohne Auto glücklicher lebe als mit.
  • zur Digitalisierung:
    Ich gehe davon aus, dass das Internet die wichtigste Maschine der Menschheit ist und wir ohne diese unseren Planeten nicht mehr retten werden können und
  • zum Klimaschutz:
    Ich glaube dass es schon zu spät für die Rettung des Planeten sein dürfte, und wenn die Welt nicht an der Erwärmung verursacht durch Kohlendioxyd krepieren wird, dass sie es dann an der vielfältigen Zerstörung des Ökosystems etwa durch Plastik, Radioaktivät und Zubetonierung tun wird.

Und ich habe kapiert:
Jeder meiner Klassenkameraden kann mir erklären, wie ein Verbrennungsmotor beim Auto funktioniert. Egal, ob es ein Benziner oder Diesel ist. Oder ein Zwei-Takter. Wahrscheinlich geht auch das Prinzip vom Wankel-Motor.

Aber keiner von ihnen wird sein Lebtag lang verstehen, wie eine Programmiersprache funktioniert. Was der Unterschied zwischen einem Compiler und einen Interpreter ist. Wie eine relationale Datenbank aufgebaut ist und was eine blockchain als funktionalen Wert bringt. Sogar die Genialität eines Hyperlinks werden sie nicht begreifen.

So lassen sie sich auch nicht von KI beeindrucken und empfinden die ganze moderne Zauberei der elektronischen Geräte als ein Strohfeuer, dass bald wieder erlöschen wird. Weil man die ganzen Spielzeuge wie das Internet ja eh nicht brauchen würde.

Sie stellen sich vor, dass sich das die ganze Digitalisierung wieder verschwinden wird, genauso wie die Klimaveränderung, die Vermüllung der Welt durch Plastik oder das Verschwinden der biologischen Artenvielfalt.

Sie glauben auch, dass unser gut bürgerlicher Wohlstand nicht für unser restliches Leben sondern auch für Generationen nach uns gesichert sein wird.Dafür würde die EU schon sorgen.

Weil in ihre Köpfe einfach nicht rein geht, dass auch Dinge passieren können, die nicht passieren dürfen.

So war der Klassentreffen-Konsens am Ende der Runde:

Der Planet könne ja gar nicht am Ende sein, weil das einfach nicht gehen würde.

So nach dem Motto:
„Was nicht sein darf, das kann doch gar nicht sein. Gut, es gäbe ein paar Spinner, die solche Ängste schüren würden. Davon dürfe man sich aber nicht verrückt machen lassen. Und ich wäre ja auch immer schon ein Spinner gewesen. Hätte ich doch nur Science Fiction Bücher gelesen. Und wer in der Computerei arbeite, der müsse ja eh verrückt sein.“

Vielleicht ist es aber auch ganz einfach so,  dass Menschen, die nicht programmieren auch die Welt und ihre Zusammenhänge nicht verstehen können.

Vielleicht haben sie ja Recht?

Das wäre mir fast lieber!

RMD

 

Roland Dürre
Sonntag, der 24. November 2019

Von digitalen Helferlein … (heute WERKZEUGE für Text)

Eine meiner Thesen ist:
Werkzeuge müssen Menschen dienen.
Nicht die Menschen den Werkzeugen!

Das gilt auch für Schreib-Werkzeuge!

Klein Roland mit Schultüte.
Er sollte schreiben lernen

Ich mache jetzt mehr als 50 Jahre IT. Das heißt auch 50 Jahre schreiben. 50 Jahre individuelle Texte formulieren. 50 Jahre sich mit Schreibgeräten und Rechenmaschinen herumschlagen. Auch 50 Jahre Frust durch Verlust von Daten und damit Arbeit.

Heute mache ich mal eine Rückschau auf meine digitalen Schreibgeräte. Dies rein erzählend.

Am Anfang meines IT-Lebens war der Lochstreifen. Und mein digitales Schreiben begrenzte sich auf das Erstellen von Programmier-Code. Die Programme waren einfach, Kommentare waren damals nicht so üblich. So waren die Texte kurz. Das Werkzeug war der Fernschreiber. Das ging so weit ganz gut, weil ich Schreibmaschine-Schreiben in der Schule gelernt hatte und der Weg von der Schreibmaschine zum primitiven Fernschreiber nicht so weit war.

So wurde es nicht beim Schreiben spannend sondern beim Verschreiben. Dann wurden alle Tricks genutzt, die Doppelarbeit vermeiden sollten. Die Fehlerbehebung wurde zur oft trickreichen Bastlerarbeit am Lochstreifen.

Dann kamen die Lochkarte. Es wurde üblich, dem Code Kommentare hinzuzufügen. So wurden die Programme länger. Da hatte man schon mehr zu schreiben. Und so war ein Programm plötzlich ganz schön schwer. Lnange Blechschubladen mit vielen Kilos an Karton.

Die Lochkarten wurden mit großen und schweren Spezialmaschinen gestanzt, die Lochkartenstanzer genannt wurden. Von der Bedienung her war das aber im wesentlichen auch wie bei der Schreibmaschine.

Der teuere Softwareentwickler hat aber nicht mehr selber getippt, sondern hat seine Programme auf Lochkartenpapier geschrieben. Das war ein Papier, mit einem Vordruck wie er auf der Lochkarte auch war, meistens mit 80 Spalten. Das Werkzeug waren der gespitzte Bleistift und der Radiergummi.

Der nummerierte Stapel Papier ging dann zum Stanzen. Das erledigten Spezialkräfte, die im ersten Lauf die Löcher in den Karten erzeugten, die im Korrekturlauf mit einer Zweiterfahrung kontrolliert wurden. Oft wurden die Arbeit mit Linienflugzeugen in ferne Länder geflogen und dort erledigt. So enstand das „off-shoring“.

Wenn die Lochkarten zu mir zurück kamen, habe ich sie nochmal durchgeschaut. Und dann ging es los ins „Versuchsfeld“ zum Lochkartenleser.

Das sollte sich alles schlagartig ändern, als die „Datensichtgeräte“ oder „Terminals“ kamen. Die Programmierer schimpften, dass sie unmöglich auf so einer Flimmerkiste Programme schreiben könnten. Und wollten beim Bleistift bleiben.

Die Rechner haben sich auch weiter entwickelt. So produzierten wir mit IT-Systemen auch Dokumentation, Geschäftspost und vieles mehr. Eigentlich alles, was man bis dahin auf Schreibmaschinen oder -automaten oder gar Druckern gemacht hatte.

Die Datensichtgeräte waren Geräte für BS1000 und BS2000 (Siemens) und OS bei IBM. Alles waren sehr komplizierte und schwere (und teuere) Endgeräte, in die man Texte eintippte und die Eingabe mit einer speziellen Taste zur Datenübertragung abschloss.

„In den Rechnern“ gab es mark-up-languages, die doculity oder ähnlich hießen und die in den Texten Anweisungen für Textformate enthielten, wie neue Zeile und neuer Absatz oder Textattribute wie fett oder invers. Das waren die mark-ups, die mit einem Fluchtsymbol gekennzeichnet waren. Das Fluchtsymbol war ein Sonderzeichen, das im Text nicht gebraucht wurde. Mit den entsprechenden Programmen konnte man ganz schön formatierte Dokumente generieren.

Die Editoren dazu hießen bei Siemens im BS 2000 EDT oder Edor. Sie hatten unterschiedliche Strategien, die schon geleistete Arbeit zu sichern. Bei beiden Systemen ging bei Rechnerabstürzen immer ein wesentlicher geschriebener Teile verloren, so dass der Frust zum treuen Begleiter der Arbeit wurde. Trotzdem war es schon viel besser, die Texte so zu schreiben als mit der Schreibmaschine.

Noch mal einen Fortschritt zu meiner Zufriedenheit gab es kurz darauf, als ich bei Softlab mit Pet/Maestro arbeitete. Die Chefs fragten sich, ob man das System so nennen dürfte, denn sie hatten entdeckt, dass pet ein englisches Wort war. Aber das System hatte eine intelligente Speicherlösung, die Datenverlust komplett reduzierte. So konnte man gut damit arbeiten, obwohl das System wahrlich oft abstürzte. So gabe es halt viele Hochfahr-Pausen, die wir zu Kaffee-Pausen umfunktionierten. Eigentlich war ich da das erste Mal in der IT glücklich, was den Datenverlust betraf.

PetMaestro war aber nur eine kurze Episode in meinem IT-Leben. Alle diese Schritte führten zu einer kontinuierlichen Verbesserung meiner Arbeitssituation und zu einer Erweiterung der Funktionalitäten.

Und es ging weiter aufwärts – eine weitere wesentliche Verbesserung brachte Unix mit seinen zeichenorientierten Terminals, auch VT 100 kompatibel genannt. Da machte das Arbeiten mit Text schon richtig Spaß. Nicht nur, weil es da unseren Texteditor HIT gab. Mit Datenverlust war Schluss, den den gab es nur noch, wenn das Unix mal abstürzte. Und das geschah immer seltener.

Die Editoren waren dann – bei Siemens – ced (c-editor für die Programmiersprache c) und in der großen Welt vi – der Unix-Editor. Zum Formatieren gab es Systeme wie n-roff und t-roff. Alles Standard und alles funktionierte, es war das Paradies.

Und dann kam Microsoft und Word. Das war ein großer Rückschritt. Noch schlimmer wurde es mit der Graphik. Mit dem schönen Wysiwyg (und word) war Verlässlichkeit und Sicherheit dahin. Und die Welt wurde langsam.

Vor dem PC unter DOS konnte ich mich noch drücken. Aber mit dem Aufkommen des Client-Server-System war ich auch auf einem Fat-Client und benutzte Winword. Das war ein großer Rückschlag – ich brauchte wieder deutlich länger für meine Dokumente. Und habe wieder viel umsonst gearbeitet. Weil das „recovery“ oft nicht so richtig funktionierte.

Heute ist das alles vorbei. Ich habe Google und kann mit Docs wunderbare Dokumente schreiben. Im Chat merke ichgar nicht mehr, dass ich einen Editor benutze, es ist selbstverständlich geworden zu schreiben. Und das Tablet bereitet mir die Worte vor. Aber ich kann auch aufhören mit Text und ganz einfach asynchron über Audio und Video kommunizieren. Ein Traum ist Realität geworden.

Fürs Internet gibt es viele tolle Systeme wie Blog Editoren und Content Manager. Und auch da kann ich einfach vom Dokument zum Podcast oder Video wechseln. Einfach, schnell und mit hoher Qualität. Und bei Bedarf kann man das gesprochene Wort auch schnell mal digitalisieren. Die Texte diktiert man – ohne Sekretärin wird die Sprache automatisch „verschriftet“! Und wer es mag, der kann auch mit Handschrift „revisible code“ erstellen.

Aber es droht eine neue Bedrohung – das nach der DSVOG und ISO 27001 sichere Arbeitsgerät, sei es Laptop oder Handys. Wenn der so richtig gut geschützt ist, dann kann das Arbeiten auch schnell aufwändig werden. Besonders wenn man Hyperlinks nutzt. Und Hyperlinks sind der Honig des Internets!

RMD

Roland Dürre
Mittwoch, der 20. November 2019

Die CLOUD braucht keine Gesetze sondern Kultur.

Meine Aussage KULTUR GEHT VOR GESETZE gilt nicht nur für das „Leben in der Cloud“ sondern für jedes soziale System.

Laut Wikipedia ist ein Soziales System ein zentraler Begriff der soziologischen Systemtheorie, der eine Grenze zieht zum Ökosystem, zum biologischen Organismus, zum psychischen System sowie zum technischen System. Sie alle bilden die Umwelt sozialer Systeme. Mindestvoraussetzung für ein soziales System ist die Interaktion mindestens zweier personaler Systeme oder Rollenhandelnder (Akteure). 

Auch 2019: Ich war mal wieder Referent.

Pragmatisch sind Soziale Systeme „Menschenhaufen“ mit einer Anzahl von größer-gleich zwei Akteuren, die miteinander zielgerichtet interagieren und dabei Strukturen und Organisationen entwickeln. Unternehmen zum Beispiel sind soziale Systeme, die einem ökonomischen Zweck dienen und deren Strukturen und Organisation diesen dient.

Die Interaktion im sozialen System kann im realen Raum stattfinden – oder auch in einem vielleicht virtuellen, den wir mit der Metapher Cloud beschreiben. Wichtig ist nur die Möglichkeit der Interaktion und Kommunikation im sozialen System. Ansonsten ist es weder notwendig dass die (potentielle) Akteure sich kennen oder etwas gemeinsam haben, wie z.B. die gleiche Sprache oder Hautfarbe.

CLOUD steht für mich als Metapher für die digitale Welt, also für alles was mit Digitalisierung und Internet zu tun hat und auch gern als smart  bezeichnet wird.

Gerade in Deutschland wünschen sich viele (besonders die politischen Freunde mit dem dem „C“ im Logo) REGELN fürs Internet. So wie bei uns eh gerne nach mehr Gesetzen gerufen wird woe auch nach mehr Polizei, die auf die Einhaltung achtet. Und konsequenter Bestrafung der Täter.

Die große Koalition hat sich im November ein Zwischenzeugnis ausgestellt. Sie lobte sich selber, weil sie viele ihrer Vorhaben realisiert hat, in dem sie neue Gesetze gemacht hat. Sie ist zufrieden, einfach der Tatsache geschuldet, dass sie das Thema „abgehaken kann“. Weil es jetzt ein Gesetz gibt. Ohne den Inhalt bzw. die Wirkung desselbigen zu bewerten.

Was würde passieren, wenn ein Vorstand einer AG die Anzahl  neuer Betriebsvereinbarungen als Maß des Erfolges seiner Amtszeit nehmen würde? Würde das den Aktionären genügen?

Sorry, weder in der Regierung noch im Unternehmen besteht die Wertschöpfung aus dem Schreiben von immer mehr Gesetzen.

Ich glaube, dass wir in den meisten sozialen Systemen, die ich kenne, ein Zuviel an Regeln und Gesetzen haben. Die Welt wird dadurch immer komplexer, wir müssen sie aber einfacher gestalten. Außerdem zerstören Gesetze Vertrauen! Und sind nicht mehr umsetzbar, wenn sie überhand nehmen.

So braucht auch die CLOUD kein mehr an Gesetzen. Sondern Kultur!

Die CLOUD ist so wichtig für uns, weil sie die Maschine ist, die die Wissens- und Informationsgesellschaft betreibt. Sie ist das mächtigste Werkzeug der Menschheit. Und an keinem sozialen System der Welt nehmen so viele Menschen teil wie am Internet.

Wir dürfen es nicht „kaputt machen“. Das Internet muss eine Basis bleiben, die uns dient – und darf keine werden, dem wir dienen.

Wie war das nach der Industrialisierung?

Da gab es Henry Ford, der Autos in Serie bauen wollte. Es gab aber keine Arbeiterschaft, bei der er seinen Bedarf hätte decken können.  Dafür waren  viele „dumme“ Bauern in der Landwirtschaft durch den Einsatz von Maschinen arbeitslos geworden. Nur – diese dummen Bauern hatten nicht gelernt, Werkzeuge zu bedienen. Nicht einmal die Uhr und den Takt der Zeit hatten sie verstanden. Aber sie waren da.

Henry Ford hatte seine klugen Ingenieure. Diese zerlegten die Arbeits-Vorgänge am Fließband in viele kleine Schritte. Die dummen Bauern waren in der Lage, diese zu erlernen  und dann auszuführen. Der Taylorismus war erfunden. Aus der Kaste der Ingenieure sollten sich später die Manager entwickeln.

Das funktioniert in einer Wissensgesellschaft nicht mehr!

Auf dem Wege zur Informationsgesellschaft hat sich das geändert. Schon 1984 waren meine jungen Mitarbeiter technisch besser als ich. Sie waren jung und kamen direkt von der Uni. Zum Teil hatten sie schon in ihrer Kindheit und Jugend programmiert. Mit meiner sperrigen aber hochbezahlten Industrie-Informatik-Erfahrung kam ich mir schon damals ganz schön alt vor.

Mein Vorteil war, dass ich 34 Jahre alt war, ein wenig Lebenserfahrung wie zwei Kinder hatte und ich bei meinem Freund Rupert Lay schon ein wenig „Kommunikation“ gelernt hatte. Zum Beispiel ein Mindestmaß an Zuhören. Und ich hatte schnell kapiert, dass ich meinen jungen Kollegen nicht vorschreiben durfte, wie und wann sie arbeiten müssen. Das wussten sie selber besser. So durften sie auch nachts programmieren, wenn sie das so wollten.

Aber aus meinen Impulse machten sie wunderbare Dinge. Sinnvolle Gebote, die die Arbeit erleichterten, wie das Nutzen von Werkzeugen wie lint, sccs, make … (wir entwickelten Software mit der Programmiersprache C auf Unix) nahmen sie gerne an. Und es gelang uns, eine Qualitätskultur zu leben:
“Wir schaffen Qualität nicht für den Endkunden, der unser Produkt einsetzt, nicht für die Distributoren wie Siemens, IBM und Nixdorf …,nicht für unser Unternehmen, die InterFace Connection, sondern in erster Linie für uns selber, für das ICH!“

So hatten wir auch keine Arbeitszeitregelung. Die gab es nicht. Nur zwei Bitten:
Schreibt Eure Zeiten wahrhaftig auf!
und
“Stimmt Euch bitte ab, damit Ihr Euch ausreichend seht!”.
Heute haben wir ein dickes Gesetzbuch an Arbeitszeitordnung.

So waren wir schlank und wurden unheimlich schnell. Alle Mitarbeiter konnten programmieren, sogar die Heidi im Back Office bekam es beigebracht. Betriebsvereinbarungen, die eigentlich immer das Gegenteil bewirken von dem was sie sollen, gab es bei uns nicht. Wir hatten auch keine dezentralen Dienste und ausufernde Administration.

So blieben „Parkinsons Effekte“ aus und die Menschen waren glücklich, weil sie selbstbestimmt und selbstorganisiert arbeiten konnten. Bei uns gab es auch keine Menschen zum Erlassen von Gesetzen und keine für die Überwachung deren Einhaltung. So sparten die Zeit und die Kraft für die Gestaltung unserer Zukunft und unserer Produkts, auf dessen Entwicklung wir uns voll konzentrierten. Mit selbstorganisierten und gut vernetzten und so gut abgestimmten Teams.

Eine schöne Zeit, die über ein Jahrzehnt halten sollte. Bis uns dann die Realtität eingeholt hat. Und wir mit dem älterwerden verkrusteten. Jetzt entkrusten wir wieder, um jung zu bleiben.

À propos ZUKUNFT – Vor kurzem war ich auf dem
„Barcamp Oberland Servus Zukunft“?
Wie ich finde, ein wichtiges Thema, die wir uns durchaus mal stellen sollten. Ich habe eine Session mit dem Thema vorgeschlagen:
„Kann Deutschland Zukunft?“
Die Menschen in meiner Session hat das nicht interessiert. Deutschland war ihnen egal. Ihnen ging es ums Oberland. Sie haben die Frage als umformuliert:
Kann das Oberland Zukunft?“

Das fande ich gut. All business is local. Und das Oberland ist  abgehängt von München. Die schöne Landschaft versinkt unter Blechlawinen, die Zuganbindung ist durch ein kleines Wunder noch vorhanden, aber indiskutabel. Und die lokalen Unternehmer müssen sich ganz schön anstreben, damit es schön bleibt im Oberland.

Die Oberländer sind pragmatische Menschen. Deutschland interessiert sie nicht, sie wollen das Oberland nach vorne bringen. Sie hatten auch gleich eine Lösung:
„Die Menschen im Oberland müssen politischer werden!“
Zukunft heißt für sie, „sich beteiligen und sich einmischen in die Politik“. Und die Entscheidungsmacht wieder dem Volk als Souverän zurückzugeben. Wie es in einer Demokratie sein sollte.

Dies funktioniere aber nicht nicht mehr über Personen, Parteien und ihre Programme. Nein! Die Bürger wollen zum Enscheider werden. Als Crowd wollen sie über Sach-Entscheidungen entscheiden. Der Gedanke ist, dass man alle möglichen Maßnahmen sammelt und differenziert bewertet. Mithilfe von Cloud und Crowd wollen sie EMERGENZ schaffen im Oberland.

Emergenz ist ein schwieriges Wort. Ich meine zu wissen, was gemeint sein könnte. Und nenne als Beispiele für emergente Ergebnisse gerne das „agile manifesto“ und andere „open source“-Geschichten.

Was aber ist notwendig für EMERGENZ?
Eine größtmögliche TRANSPARENZ.
Denn TRANSPARENZ ist notwendig für VERTRAUEN.
Und VERTRAUEN ist die Basis von Kultur.

Gesetze, Methoden, Regeln, „best practices“, Prozesse, Technologie (wie das Internet) sind alles nur Werkzeuge. Und Werkzeuge müssen den Menschen dienen. Und nicht die Menschen den Werkzeugen. Da müssen wir aufpassen.

Die Crowd (Digitalisierung, Internet …) ist das mächtigste Werkzeug, das wir haben. Es könnte sein, dass die Menschheit es bald als gemeinsame Aufgabe betrachten wird, den Planeten zu bewahren. Noch tut sie es ja nur sehr halbherzig.

Wenn wir das wirklich schaffen wollen, dann müssen wir den Rohstoff teilen, der durch Teilen mehr wird. Das ist das WISSEN. „WISSEN TEILEN“ kollidiert dann schnell mal mit dem URHEBERRECHT und dem “EIGENTUM an DATEN”. Um die obige Aufgabe „Planet bewahren“ zu schaffen, brauchen wir die nur in einem freien Internet mögliche EMERGENZ. Deshalb müssen wir das freie Internet bewahren und vor Überregulierung verschonen.

Wir haben ein Artensterben. Das bedroht auch das freie Internet . Und die HUMANITÄT. Da finden wir ein Kanzlerinnen-Wort (vom digitalem Gipfel 2019):
„Die HUMANITÄT unserer Gesellschaft muss auch in der digitalen Welt selbstverständlich bleiben“.
Vorsicht! Da impliziert sie etwas, was bei weitem nicht so klar ist:
Die Humanität muss in der realen Welt selbstverständlich bleiben.
Den ich sehe sie auch im normalen Leben gefährdet.

Früher hatte der Kapitalismus ein “Humanes Antlitz”.
Es gab eine soziale Marktwirtschaft, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Und allerorts viel Verantwortung. In der Bayerischen Verfassung war die „Gemeinwohl-Ökonomie“, einfach mal genau nach lesen.
Heute trägt der digitale Kapitalismus eine “SMARTE Maske”.
Das scheint anders und wirkt erfrischend neu. Das System ist aber effizienter und brutaler. Der gierigste Konzern vermarket sich mit einem ”don’t be evil”.

Und alles wird zum Spiel. „gamification“ als Strukurierung von Arbeit wird schick. Der Begriff ist gut bekannt von Apps. Mit spielerischen Anreizen wird der Nutzer und jetzt der Arbeiter motiviert. Die Arbeit auch zum Spiel, und fordert leicht noch mehr.

Die Arbeiter, die an den PCs sitzen, sollen sich wie „gamer“ fühlen und Spaß haben. Wir machen jetzt #newwork – das wird die Arbeit zum Spiel und findet in einer der großen Spaß-Welt. Wir haben das erlebt, wie wir jung waren. Wir waren stolze Programmier, die sich mit dem schönsten Spiel der Welt vergnügen durften – und dafür auch richtig viel Geld bekamen.

Und die Büros werden zu Spaß-Welten und Wohlfühloasen. Man kann von zu Hause oder aus einem dezentralen „coworking space“ arbeiten. Ab und zu geht man auch mal ins Büro, trifft Kollegen und lässt sich verwöhnen. Wie es einem gerade passt. Du darfst nur nicht verlieren, dann kann schnell schnell Schluss sein mit dem Spaß,

Den Spaß gibt’s natürlich nicht für alle. So entsteht ein “neuer Feudalismus in der Arbeit”, eine Zweiklassengesellschaft wie auch im Internet ist (mindestens) die Hälfte der Menschen nicht dabei in.

Die anderen Arbeitsplätze werden völlig vergessen. Die sind doch eh bald weg! Weil das ja später die Roboter (bots) machen werden? Brave new world. Nur glaube ich es nicht. Aber das ist ein anderes Thema

Vielleicht hätte die Kanzlerinnen auf dem IT-Gipfelbesser sagen sollen;
Die HUMANITÄT darf in der digitalen (und realen) Gesellschaft nicht durch SMARTHEIT ersetzt werden!

JETZT kommt die wichtige Frage:
Wie können wir die Kultur in der echten Welt und in der Cloud wieder verbessern?

Ehrlich gesagt, ich bin auch ratlos. Aber eine Hoffnung habe ich. Die Schule! Dort habe ich – wie auch meine Kinder – eigentlich nur Unsinn gelernt. Nützliches habe ich – oft für gutes Geld gelernt –  erst sehr viel später z.B. in „Persönlichkeits fördernden“ oder „Führungs-Trainings“ gelernt.

Kommunikation zum Beispiel. Mit gut 30 habe ich für einen größeren Scheck „Zuhören“ und „offene Fragen stellen“ gelernt. Und mit gut 60 dann im Selbststudium Gewaltfreie Kommunikation..

Damit könnte man schon im Kindergarten anfangen. und das in de Grundschule mit Rethorik und Dialektik fortsetzen. Dann wäre auf den weiterführenden Schulen ein wenig Platz für Geisteswissenschaften wie Philosophie.

Zu Schluss noch ein Beleg für meine These:
“Regeln, Gesetze und Strafen fordern heißt nichts verstanden zu haben“.

Die letzte große Innovationen vor dem Internet dürfte das Automobil gewesen sein. Das wurde bestens geordnet und geregelt durch die Straßenverkehrsordnung. Was hat die bewirkt?

Der Blutzoll nur in Deutschland war 780‘000 Tote und  31‘000‘000 Verletzte. Das war nicht im 2. Weltkrieg? Nein. Seit dem 2. Weltkrieg. Im Verkehr. Weltweit derzeit 1,4 Mio Tote im Jahr.

Ich meine, dass eine Kultur der Achtsamkeit und Rücksichtnahme mehr gebracht hätte.

RMD

Gehalten am 20. November auf der DOAG-Jahreskonferenz in München, aufgeschrieben im Zug nach München.

 

Roland Dürre
Montag, der 18. November 2019

Digitale Zersplitterung

Beim Kommunizieren, Jahre später bei InterFace.

Ich war in Augsburg auf dem Jakob-Fugger-Gymnasium. Das begann 1960, da war unsere Schule noch stark „wirtschaftswissenschaftlich“ ausgerichtet. Das bedeutete, dass  in fast allen Fächern auch immer die volks- und betriebswirtschaftlichen Aspekte berücksichtig wurden.

So auch in Geschichte. Wir haben damals gelernt, dass vor gar nicht langer Zeit Deutschland ein Konvolut von vielen Kleinstaaten war. Und wir haben gelernt, dass dies die wirtschaftliche Entwicklung gehemmt hat und Deutschland deshalb damals auch von den modernen Industriestaaten wie England ganz schön abgehängt worden ist.

Als Beleg wurden die vielen Regionalbahnen genannt, die generell immer nur kleine Serien an Lokomotiven bestellen konnten. 25 Loks, das war für die Bayerische Eisenbahn schon eine große Stückzahl. Dieses Problem ist später durch die Zusammenfassung der Länderbahnen zur Deutschen Reichsbahn gelöst worden. Die deutsche Reichsbahn hat dann Einheits-Baureihen geschaffen, die auch mal in gut vierstelliger Anzahl benötigt wurden. Das hätte den Lokomotivbau enorm in Deutschland nach vorne gebracht (damals war es Ehrensache, dass die deutsche Reichsbahn keine Lokomotiven im Ausland kauft).

Diese  Theorie – Fortschritt und Wohlstand durch hohe Stückzahlen und starker standort-spezifischer Spezialisierung – mit der ja auch die Vorteile der Globalisierung begründet werden, stand hoch im Kurs. Damals hat nicht nur in der Wirtschaft das schöne Prinzip „Lieber Vielfalt als Einfalt“ nicht viel gegolten.

Bei der Digitalisierung ist Kommunikation das zentrale Element einer modernen Informations- und Wissengesellschaft, die sich schnell verändert.

Ich teile hier eine persönliche Erfahrung. denn ich nutze privat sehr ungern E-Mails. Für einen ehemaligen Ingenieur der Datenfernübertragung – ich war bei Siemens im Transdata-Labor tätig – ist es ein Graus, wenn Nachrichten wild durch die Gegend geschickt werden, dazu noch zwischen unidentifizierten Teilnehmer und mit komischen „features“ wie „cc“ oder „bcc“. Die Folgen erleben wir täglich als Spam und immer wieder als Kommunikationskatastrophen verursacht durch Irrläufer.

Wenn ich mit einer Einzelperson (z.B. als Mentor mit einem Menté oder einfach von Freund zu Freund zusammenarbeiten will) ziehe ich einen Dialog auf einer gesicherten Verbindung vor, die praktischerweise unseren Dialog auch langfristig dokumentiert, so dass ich unseren „Gesprächsfaden“ (auch thread genannt) immer ganz einfach rückwärts verfolgen kann.

Wenn ich in einer Gruppe oder einem Team zusammen wirke, habe ich heute immer das Problem mit der Raum-Zeit-Schwelle. Das ist mit Mail-Technik schwer zu lösen, die Zusammenarbeit wird immer unübersichtlicher und endet oft im Chaos.

Aber was ist mein Problem?

Ich habe mein Leben lang gedacht wie ein Unternehmer. Als Unternehmer musst Du „vertrieblich“ denken. Um „vertrieblich“ erfolgreich zu sein brauchst Du eine gute Ware und einen Kunden, der Dich mag, sonst wird das nichts (Dazu gibt es zeitnah einen Artikel „Vertrieb 2.0“ in meinem Unternehmertagebuch).

Das bedeutet auch, dass ich mich nach dem Kunden, meinem Partner richte. Wenn ich also eine neue Beziehung eingehe, schlage ich meinem Partner vor, die asychrone Kommunikation, die für eine effiziente Überwindung der Raum-Zeit-Schwelle notwendig ist, ein Chat-Programm zu verwenden. Da gibt es viele, die meisten Menschen nutzen nur eines oder vielleicht zwei aus der großen Auswahl.

Und da ich ja mag, dass mein Partner mir wohlgesonnen ist, zwinge ich ihn nicht, mein Chat-Programm zu verwenden, sondern frage ihn, welches er am liebsten nutzt und schlage ihm vor, dieses zu nutzen. So bin ich mittlerweile Nutzer von immer Chat-Programmen, die sind FB (messenger), Google (Hangout), Signal, Slack, Skype (MS), Teams (MS), Telegram, Threema, Twitter (DM) – Viber (kyrillisch) – Wcchat (chinesich) oder als Teil von Diensten wie Linkedin oder Xing und manchen mehr.

Und ich leide unter dieser digitalen Kleinstaaterei. Noch schlimmer ist es bei der Kommunikation in Gruppen oder Teams, die ein Ziel haben. Oft findet man in einem Kreis von vielleicht 10 Menschen, die etwas Gemeinsames vorhaben, kein gemeinsames Werkzeug. Und arbeitet mit – E-Mail.

Meine Lebenserfahrung ist, dass alle Projekte, in denen es keine effizienten Gruppenkommunikation gab, gescheitert sind. Und die digital gut organisierten haben gut funktioniert. Als positives Muster-Projekt habe ich die gute Zusammenarbeit im PM-Camp Orgateam Dornbirn sehr schön erlebt. Da hatten wir hangout mit dem gesamten Google-Stacj ausgesucht. Natürlich war das Werkzeug nicht der Garant für den Erfolg, sondern die Menschen im Team. Das gute Werkzeug war aber notwendig.

Bei vielen Projekten war es unmöglich, sich im Team auf ein gemeinsames kooperatives digitales System zu einigen. Diese Projekte sind ALLE gescheitert. Obwohl da auch viele tolle und fähige Menschen im Team waren.

Heute wird immer viel über die digitale Rückständigkeit Deutschlands geschrieben und geredet. Wobei niemand konkret die Ursachen dafür beschreit. Man spricht vom technologischen Rückstand, von digitaler Verweigerung, Beharren auf alten Standpunkten und nennt mangelnde öffentlich Infrastruktur.

Nach meiner Beobachtung ist die digitale Zersplitterung  eine der Ursachen, die nicht so spektakulär sind aber die digitale Entwicklung schwer machen.

Eine andere könnte die totale Microsoft-Lastigkeit sein.

Zumindest da hat China zwei wesentliche Vorteile. Sie haben einen einzigen guten Chatter – das ist wechat. Da gibt es in einem privaten (zu meist ehrenamtlich betriebenen) Projekt kein Problem, sich auf eine Infrastruktur zu einigen. Und soviel Microsoft wie bei uns gibt es dort auch nicht.

Außerdem ist es in China selbstverständlich, dass man digital zahlt – und dort geht es auch einfach. Auch diskutiert dort keiner darüber, ob wegen digitaler Zahlung die Welt untergeht.

Mein Schluß:
Vielleicht ist „Vielfalt statt Einfalt“ kein gute Richtline für Infrastruktur-Dienste, besonders wenn diese sich betreffend Funktionalität und Qualität nicht unterscheiden.

RMD

P.S.
Noch eine Anmerkung zu Twitter. Da habe ich einen Nachrichtendienst, in dem ich (man) an ALL senden kann. Und wenn ich etwas interessantes finde, kann ich es retweeten. Allgemein und oder adressiert an besondere Empfänger mit @empfänger. Ich kann es aber auch an bestimmte Empfänger als DM (direct message) ganz individull weitergeben. So angenehm geht das Verbinden von kollektiv und individuell aus meiner Sicht sonst nirgends.

Klaus Hnilica
Samstag, der 16. November 2019

Caros Rache – oder die ungewollte Spaghettisierung

Caro und Fritz (Folge 2)

  Und ist der Torsten immer noch so ekelhaft zu dir, fragte ich Caro, als sie mich anrief.

Momentan geht’s.

Und warum das plötzlich?

Weiß ich nicht –  vielleicht weil er momentan lieber mit seinen Kumpels herum rauft. Aber Opa eigentlich ruf ich an, weil Anja mit dir telefonieren will!

Na dann gib sie mir einmal, die kleine Anja! Mal sehen ob sie dieses Mal etwas von sich gibt oder doch wieder nur schweigend lauscht…

Ich hab schon den Lautsprecher angestellt, Opa, du musst nur etwas sagen.

Tja das tat ich dann auch! Aber von Anja kam nix! Zwar hörte sie wohl auf, auf ihrer Schwester Caro herumzuklettern und deren lange Haare als Kletterseil zu benutzen, was lautstark zu vernehmen war, aber plappern tat sie nix, die liebe Anja…

Hm –  und da war auch nix zu machen, egal ob ich redete, ein Liedchen anstimmte, wie ein Schweinchen grunzte, oder die zwitschernde Kohlmeise spielte, Anja schwieg mit eiserner Konsequenz! Also bat ich Caro den Lautsprecher wieder auszuschalten und befragte sie lieber noch einmal zu ihrem ungestümen Torsten. Doch der ließ sie wohl wirklich in Ruhe. Jedenfalls schrie sie mit ihrem gellenden Stimmchen so etwas Ähnliches ins Telefon – mein armes Trommelfell!

Und außerdem, jubelte sie, hätte ihr Papa gestern auf dem Computer die erste echte Aufnahme von einem „Schwarzen Loch“ in unserer Milchstraße gezeigt: eine Sensation, die nur mit vielen Teleskopen und Tricks möglich war, hätte Papa gesagt…

Ja –  sagte ich –  8 Teleskope wurden über den gesamten Erdball mit Atomuhren zeitlich abgestimmt und über ein spezielles Computerprogramm gleichgeschaltet, und auf diese Weise in ein „Riesenteleskop“ verwandelt mit dem man erstmalig so ein geheimnisvolles  „Schwarzes Loch“ sichtbar machen konnte. D.h. man sah auf dem schwarzen Abendhimmel einen hellgelben ausgefransten breiten Lichtkranz, in dessen Mitte tatsächlich ein scharf konturiertes „Schwarzes Loch“ herumlümmelte!

Ja ein deutliches „Schwarzes Loch“, quiekte Caro aufgeregt.

Und wenn du jetzt, unterbrach ich sie, mit Torsten an dem Rand dieses „Schwarzen Loches“ in einem Astronautenanzug entlang düsen würdest und vielleicht deine Zöpfe leichtsinniger Weise aus dem Astronautenhelm  hängen ließest, dann könntest du sogar, ohne dass du den Kopf nach hinten drehen musst, sofort sehen, wenn der böse Torsten doch wieder versuchen würde dich an deinen Zöpfen zu ziehen…

Wie das denn? kreischte Caro.

Weil durch die immense, zusammengepackte Masse von etwa zwanzig Sonnen, im Bauch dieses „Schwarzen Loches“ eine derartige Anziehungskraft herrscht,  dass – wie von der ‚Allgemeinen Relativitätstheorie’ von Albert Einstein vorausgesagt – sich um dieses „Schwarze Loch“ sowohl der kosmische Raum als auch die Zeit im Kreis herum biegen und damit auch die Lichtstrahlen, d. h. wenn du gerade vor dich hinguckst siehst du nicht nur was vor dir passiert, sondern auch alles hinter dir – toll was?

Das ist ja echt der Wahnsinn, Opa!

Ja das ist er –  aber der Wahnsinn wird noch fantastischer, wenn du dem Torsten  einen kleinen unbedachten Schubs geben würdest, durch den er mit einem Bein einen Moment lang ins „Schwarze Loch“ ragen würde: denn dann würde er augenblicklich durch eine wahnsinnig starke Zugkraft an seinen Beinen so auseinander gezogen, dass er sich praktisch und faktisch in ein unendlich langes dünnes Spaghetti verwandeln würde! Und zwar so schnell, dass er nicht einmal spüren würde, wie alle seine Knochen brechen!

Hör auf Opa – so etwas Grässliches will ich gar nicht hören!

Du hast Recht Caro, das ist grauenhaft! Aber andererseits dann auch  wieder nicht: denn da am Rand des „Schwarzen Loches“ gilt nämlich Einsteins ‚Allgemeine Relativitätstheorie’ gar nicht mehr, sondern hier gilt plötzlich die so genannte ‚Quantentheorie’ des Herrn Heisenbergs aus Würzburg und deswegen durchlebt dein böser Torsten nicht nur die Spaghettiwirklichkeit, sondern mit einer gewissen  Wahrscheinlichkeit auch andere Wirklichkeiten. Und auch die, dass er heile bleibt und ihm gar nichts passiert, sondern er dich an der Hand nehmen und mit dir weiter um das „Schwarze Loch“ flanieren kann in seinem Astronautenanzug…

Opa, wenn das so ist, ist mir aber diese ‚Quantentheorie’ oder wie sie heißt, von dem Würzburger lieber, als die ‚Allgemeine  Relativitätstheorie’ vom Einstein…

Das kann ich gut verstehen Caro, denn nach diesem relativ langen Telefonat mit dir, hab ich persönlich rein quantitativ auch genug und brauche jetzt relativ schnell ein Schlückchen Wein! Und grüß mir deine Eltern, Caro! Und gib der kleinen Anja bitte ein festes Busserl von mir!

Tu ich, Opa! Und Tschüss!

Tschüss, Caro, bis demnächst…

K.H.

PS: Übrigens finde ich es super, dass der Fritz gleich dieses Spaghetti-Bild gezeichnet hat – aber er mag ja Spaghetti auch so gerne!