Anfang dieses Jahres habe ich an der TU München einen Vortrag eines renommierten deutschen Unternehmers gehört. Natürlich habe ich davon auch in IF-Blog berichtet. Der prominente Referent ist unter anderem als Funktionär in Arbeitgeberverbänden tätig und hält auch Vorlesungen. Sein ehemaliges Familien-Unternehmen hat er überwiegend in fremde Hände gegeben. Nur so konnte er es bewahren.

Manche Aussagen in diesem Vortrag haben mich ein wenig entsetzt. Unter anderem hat der Referent in seinem Vortrag zum Thema “Innovative Unternehmensfortführung – Stärken und Schwächen eines Familienunternehmens“ davor gewarnt, dass so manches Familienunternehmen nicht genug am Profit orientiert wäre. Zu oft würde im Mittelstand die schädliche Devise „Man kann am Tag nur ein Schnitzel am Tag essen“ gelten. Dies „wäre falsch und hätte so manches Unternehmen in den Abgrund geführt“.

Über diese Aussage musste ich nachdenken. Ich halte das für zu kurz gesprungen.Viel mehr Firmen dürften durch „den Rachen nicht voll genug bekommen haben“ in den Abgrund gestürzt sein.

Für mich habe ich folgende Leitsätze formuliert, die auch vernünftiger mittelständischer Konsens sein dürften:

  • Profit ist für ein Unternehmen genauso wichtig wie für ein Schiff „genug Wasser unter dem Kiel zu haben„. Es geht darum, dass man auch eine immer mögliche Verschlechterung des Geschäftes gut überlebt.
  • Wachstum macht Spaß, sollte aber nie zum Selbstzweck werden.
    🙂 Der größte Wert des Wachstums ist, dass man in Krisenzeiten auch mal schrumpfen kann.

Zum ersten Punkt: Natürlich braucht ein Unternehmen eine gute Ertragslage, allein schon als Puffer nach unten für Krisenzeiten. Und natürlich kann man ohne gute Überschüsse keine Reserven anlegen. Und der Spaß am Gewinn macht auch Sinn.

Aber gerade erfolgreiche Mittelständler wissen, dass es unmoralische Gewinnhöhen gibt. Es ist z.B. nicht gut, wenn der EBIT ein Drittel des Umsatzes eines Unternehmens beträgt. Ich werde auch unruhig, wenn ich höre, dass ein Unternehmen mehr Ergebnis als Personalkosten hat. Und weiter kleinlich an diesen spart, um die Marge weiter zu erhöhen.

Mit dem Wachstum ist es ähnlich. Ein organisches Wachstum bedeutet Erweiterung des unternehmerischen Lebens. Man gewinnt mehr Mitstreiter und wird stärker. Das ist gut.

Auch „anorganisches“ Wachstum durch einen klugen Zukauf oder eine Übernahme eines sympathischen Teams oder Unternehmens kann Freude machen.

Es ist aber nicht gut, wenn Akquisitionen von Unternehmen zu Phantasiepreisen durchgeführt werden und dann über wenige Jahre durch den Ebit des übernommenen Unternehmens refinanziert werden sollen. Das endet oft als Harakiri.

Aber wahrscheinlich lassen sich nur so die großen Imperien von Null auf Hundert in wenigen Jahren aufbauen. So entstehen und vergehen Reiche.

RMD

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1 Kommentar zu ““Man kann am Tag nur ein Schnitzel essen” oder “Profit und Wachstum””

  1. edwin ederle (Mittwoch, der 16. Juni 2010)

    Beim Lesen war ich so hin- und hergerissen und habe öfter darüber nachgedacht, was mich so irritiert. Nun hab ich’s (glaube ich): ich glaube, der Zweck eines Unternehmens ist langfristige Gewinnmaximierung und Gewinnsteigerung – und ich glaube, dass ein „das ist nicht so wichtig!“ den Weg in den Abgrund öffnet. Und unternehmerisches Denken bedeutet auch ständig „wie kann ich den Gewinn erhöhen!“. Insofern möchte ich soviele Schnitzel wie möglich ansammeln und denke, man kann gar nicht genug Profitorientiert sein!
    Die zweite Medaille ist aber die Gewinnverwendung und da sehe ich 3 wichtige Posten:
    – Ansparen von Überschüssen für schlechte Zeiten
    – Ausschütten von Prämien für die, die die Gewinne erarbeitet haben (die Mitarbeiter)
    – Gewinnausschüttung an den Eigentümer

    Ich sehe die Gefahr darin, wenn die Balance zwischen diesen 3 Säulen fehlt – wenn also nicht der Gewinn des Unternehmens maximiert wird sondern die Gewinnausschüttung an die Eigentümer.

    Ich z.B. versuche Gehälter so niedrig wie möglich zu halten, gleichzeitig aber hohe Boni an Mitarbeiter auszuschütten. Damit hoffe ich, mir in schlechten Zeiten Luft besorgen zu können, indem ich Boni reduziere statt Leute entlassen zu müssen.

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