Am Sonntag war ein Foto unserer Kanzlerin, Frau Dr. Merkel in der Schiffszeitung von MeinSchiff. Der Artikel enthielt Auszüge aus einem Beitrag von Frau Merkel für den „Tagesspiegel am Sonntag“ am 5. Juli 2009.

Schon der erste Satz des Artikels brachte mich zum Nachdenken:

Sie werde mit Nachdruck dafür eintreten „die staatlichen Ausgaben nach Beendigung der Krise möglichst rasch wieder auf einen nachhaltigen Pfad zurückzuführen“.

Ein Satz, wie er nur von unserer Kanzlerin stammen kann. Zuerst das Wort „eintreten„. Klingt doch so richtig nach Entschlossenheit: Eine Tür eintreten oder so. Und dann:

Nach Beendigung der Krise!

Krise vorbei, Rückkehr zum Business as usual? Glaubt Frau Merkel wirklich, dass es so einfach ist? Weiß sie es nicht besser? Versteht sie nicht, dass wir gerade am Anfang eines strukturellen Wandels stehen und es noch so richtig drunter und drüber gehen wird? Oder will sie ihren dummen Kindern nur nicht die Wahrheit sagen?

Staatliche Ausgaben auf einen nachhaltiger Pfad zurückzuführen?!

Diese Wortkombination finde ich wirklich scharf. Staatliche Ausgaben sind wie Schafe vom Pfad der Tugend abgekommen und werden von der Schäferin und ihrem Schäferhund auf den Pfad der Nachhaltigkeit zurückgeführt. Der Schäferhund darf zurzeit ein wenig bellen, weil ja Wahlkampf ist, aber anschließend geht es in der neuen großen Koalition weiter wie vorher.

Oder ist dieser Satz „ein Wolf im Schafspelz“. Und versteckt sich dahinter die Ankündigung einer radikalen politischen Wende zur Nachhaltigkeit? Dann passt aber das Wort zurückführen nicht. Denn Nachhaltigkeit war noch nie der Wertepfad unserer Politik

Aber wahrscheinlich darf man keinen öffentlichen Satz unserer Kanzlerin im Sinne von Dialektik analysieren. Dann wird man nur verwirrt und fällt vom Glauben, bzw. kommt vom rechten Pfad ab. Und gut klingt er ja, der oben zitierte Satz.

Ach wie schön ist es, wenn man mit Wortpatronen Politik macht und die Hülsen dann vergessen auf dem Pfad liegen.

RMD

P.S.
Heute lese ich in der SZ auf der G8-Seite ein weiteres Zitat: „Der Pfad führt zur G8“. Und über einen großen Erfolg im Vorfeld: Man hat sich geeinigt, dass die Erwärmung des Weltklimas nur 2 Grad betragen darf. Nur wie man das Ziel erreichen könnte, darüber gibt es keine Einigkeit.

2 Kommentare zu “Absurditäten aus der Schiffszeitung – Unsere Kanzlerin am Sonntag!”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 8. Juli 2009)

    Ich glaube das Nachhaltigkeit doch ein Ziel unsere Regierung war. Die wollte nachhaltig an der Macht bleiben, mit ein Bisschen Wachstum und Inflation. Nur hat man nicht gut genug verstanden wie man das erreicht. Wahrscheinlich ist es sowieso unmöglich, auch wenn das Wachstum zu Zero tendiert.

    Ich glaube nicht an eine neue große Koalition. CDU, FDP und CSU werden regieren. Die armen Leute werden kurzfristig schlechter da stehen. Was danach kommt ist sehr unklar.

    Kann man mir erklären was „im Sinne von Dialektik“ bedeutet?

  2. rd (Mittwoch, der 8. Juli 2009)

    „Im Sinne der Dialektik“ verstehe ich bei so kurzen Aussagen das Prüfen der Aussage im Hinblick auf Inhalt und Sinn. Die Bedeutung der verwendeten Begriffe wird separat und im Zusammenhang geprüft, etwaig vorausgesetzte Implikationen ge- und untersucht, die Gültigkeit der gemachten Aussagen hinterfragt.

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