Roland Dürre
Donnerstag, der 31. Januar 2013

Acht Arbeitstage zu verschenken …

Sitze bei offenem Fenster im Büro in der Frühlingssonne. Eine Motorwelt hat sich auf meinen Schreibtisch verirrt.

Nur zur Erinnerung für irgendwelche Nerds, die es nicht wissen: Der ADAC ist der wichtigste Verein Deutschlands. Er ist der Club der Autofahrer und hat mehr als 18 Millionen Mitglieder. Damit ist er nach dem US-amerikanischen AAA der zweitgrößte Automobilclub der Welt. Die Motorwelt ist das monatlich als Illustrierte erscheinende zentrale Organ des ADAC.

Früher war der ADAC vor allem der Lobbyist der „Autofahrer-Community“. Heute ist der Club zu einer Organisation geworden, die vor allem versucht, an das beste ihrer Mitglieder heran zu kommen – an ihr Geld. Dazu dient unter anderem auch die Motorwelt, die (nicht nur) die ADAC-Mitglieder mit Unmengen von Anzeigen zum Kauf von margen-trächtigen „Sonderangeboten“ (oft von hoch profitablen ADAC-Tochterunternehmen) verführen will.

Der Themenschwerpunkt des aktuellen Hefts (Heft 2  Februar 2013) ist „STAU“. Das Heft wirbt für mächtige Investitionen in den Ausbau von Straßen.

Hier ein paar Zitate aus dem Heft:
„Deutschland braucht ein umfassendes Programm zur Straßensanierung.“
Weil uns schon die Titelseite belehrt:
„Nur noch STAU – 595000 km Stillstand – auf deutschen Straßen herrscht Chaos.“

Auf Seite 20 lese ich dann:
„Acht Arbeitstage verbringt jeder deutsche Autofahrer jährlich im Stau.“
Und weiter:
„Bürger und Wirtschaft leiden unter immer schlechteren Straßen, die Politik sieht dem starken Verkehrswachstum tatenlos zu.“

Mir bleibt da wieder mal die Spucke weg. Denn ich glaube, dass wir andere Probleme in Deutschland haben als unsere Straßen (Bildung, Demographie, Energie, Gesellschaft, Klima, …). Dass das Chaos nicht im Stillstand sondern in der Bewegung stattfindet. Dass nicht nur der deutsche Autofahrer sondern auch der „mit den ausländischen Wurzeln“  im Stau steht. Bin für eine sanfte aber stetige Verringerung und De-Emotionalisierung des Individualverkehrs.

Und selbst bin ich froh, dass ich kein „Deutscher Autofahrer“ mehr bin. So habe ich doch acht Arbeitstage gewonnen. Und wenn ich dann noch bedenke, wie viel Stunden „der Deutsche Autofahrer“ dann noch an Zeit, die er nicht im Stau steht, am Steuer arbeiten muss, dann bin ich richtig glücklich. Irgendwie spare ich mir wahnsinnig viel Zeit und Arbeit. Und vom Ersparten verwende ich dann ab und zu ein wenig dafür, einen Artikel in IF-Blog zu schreiben.

RMD

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