Wer erlebt es nicht immer wieder bei sich selber – hässliche Dämonen versuchen in unser Leben einzudringen. Dämonen wie Angst vor der Zukunft, Furcht vor dem Unbekannten, Skepsis vor Bindungen, Ablehnen von Veränderung oder auch nur Misstrauen an Stelle von Vertrauen. Wie oft fehlt uns die Bereitschaft, mal etwas Neues auszuprobieren. Bedrückt uns ein Unwillen, die eingetretene Pfade zu verlassen. Oder betäuben wir uns mit Dingen, die wir gar nicht wollen und brauchen.

Das alles sind die Ursachen, dass wir Menschen uns zurück nehmen und unser personales Leben mindern. Uns kleiner machen als wir sind und unsere Talente und Fähigkeiten nicht mehren. Wir versuchen durch präzise Planungen Sicherheit zu gewinnen, die aber nur eine vermeintliche ist. Reduzieren dafür aber uns selber. Schritt für Schritt geht so die Lebensentfaltung zurück und ein unerfreulicher, sich selbst verstärkender Kreislauf beginnt. Die Lebensfreude entschwindet, das soziale Leben reduziert sich.

Im Kopf finden immer mehr Annahmen statt, die Sorgen beginnen, uns zu ersticken. Die Fragen, was denn alles so passieren kann, werden immer mehr und Einwände dominieren das Denken. Und die Angst wächst, die Sorgen verselbstständigen sich und die Lebensfreude geht verloren. Das alles passiert, wenn man nicht bereit ist, sein Leben eigenverantwortlich zu führen, die Freude am Leben aktiv wahr zu nehmen und mit agilem Leben der Verbissenheit und Verzagtheit keine Chance zu geben.

So meine ich, dass auch im Privaten wie in unseren sonstigen Projekten eine agile Art zu Leben alles viel einfacher macht. Man muss nicht immer alles bis ins Detail planen und sämtliche mögliche Folgen abwägen. Wir wissen doch eh nicht, welche Annahmen, die wir so machen, für die Zukunft valide sind. Also lasst uns die Kopfgeburten zurückdrängen, die unser kleines bisschen Leben doch nur belasten. Denn auch die Ängste finden zuerst mal im Kopf statt.

So bin ich fest überzeugt, dass agil zu leben uns glücklicher und zufriedener macht. Ein „nicht-agiles“ Leben verhindert auch bei vielen Paaren einen ganz natürlichen Schritt – nämlich Kinder zu kriegen. Denn wenn ich mein ganzes Leben immer alles prüfen, planen, begründen und absichern muss, dann werden Kinder ganz schnell als unvernünftiges Risiko wahr genommen, welches nur noch sehr mutige ja tollkühne Menschen eingehen. Und dann wird dem eigenen Leben einmal mehr etwas Selbstverständliches entzogen.

„Kinder bekommen“ ist in meiner Bewertung ein Teil eines „agilen“ Lebens. Unsere Kinder haben mein Leben nicht nur in der emotionalen Dimension mehr als wesentlich bereichert. Fast möchte ich sagen: Was ist ein Leben ohne Kinder?

Gerade Kinder sollte man eben nicht planen, man muss sie „geschehen“ lassen. Sie sind die natürlichste Sinngebung und bereichern unsere Lebensvielfalt. Und planen ist nur hinderlich, denn zeitlich passt es sowieso nie. Dafür erlebt man die Kinder dann (hoffentlich) lebenslänglich. Der Versuch, ihnen beim Gelingen ihres Lebens ein bisschen zu helfen, kann im übrigen auch nicht geplant werden sondern ist ein hoch agiles Projekt.

So könnte man sagen, dass „agil“ auch im privaten hilft, die Dämonen zu vertreiben. Und so lässt es sich auf agile Weise deutlich unbeschwerter leben – ein agiles Leben macht zufriedener und glücklicher.

Diese Empfehlung spreche ich nur aus, weil ich es so selber erlebe.

RMD

P.S.
Das waren Gedanken, wie sie mir heute auf der Zugfahrt von Frankfurt nach München durch den Kopf gingen.

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4 Kommentare zu “Agil Leben – auch und vor allem im Privaten – auch beim Kinder kriegen!”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 31. Juli 2013)

    Roland, I think you have a strong tendency to assume that your personal views fit everybody else. (This self-confidence is probably part of the secret of your above average success in life). Your list of attitudes that mess up lives does not fit me at all. For instance, there has clearly been too little planning, since I left school and took over from my parents. In short, my life has been too „agile“. I, like many others, should be careful to avoid excess agility.
    If everybody followed your advice concerning agile procreation, humanity would go down the climate/resources drain even quicker than is happening.

  2. six (Freitag, der 2. August 2013)

    Was bitte ist ein personales Leben und was bitte ist ein agiles Leben? Sind das Fachausdrücke aus der IT? Ich kenne ein persönliches Leben (obwohl der „deutschere“ Ausdruck für persönliches Leben „mein Leben“ ist)und ein aktives Leben. Ist das dasselbe?

  3. Roland Dürre (Freitag, der 2. August 2013)

    Oh Detlev – Du stellst immer so schwierige Fragen 🙂
    Personales Leben = Leben einer Person.
    Agiles Leben = aktiv und frei, besonders frei von selbst vorgegebenen Ängsten und Zwängen, nicht „dominanter Logik“ sondern „innerer Lust“ folgend geführt 🙂 .

  4. six (Sonntag, der 4. August 2013)

    Danke

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